Veranstaltungstipps

 

Mühlenstandort 1

 

 

   1771 wurde auf diesem Platz eine massive holländische Windmühle errichtet. Im Volksmund hatte sie den Spitznamen „Blaumenpott“, da sie aufgrund ihrer hohen und starken Ziegelbauweise wie ein umgestürzter Blumentopf aussah.

   Die Mühle brannte am 24.10.1862 bis auf die massive Außenmauer aus und mußte im Inneren vollkommen neu eingerichtet werden.

   Müller Ludwig Helms starb am 2.11.1882 mit Hinterlassung einer einzigen Tochter Ida (geb. 12.5.1861, gest. 15.4.1901). Sie war die Ehefrau des Kaufmanns Adolph Wagenknecht. Als Intestaterbin versuchte sie, die beiden Mühlen (Standort 1 + 2) zu verkaufen. 20 000 Mark wurden im Januar 1883 dafür geboten, das war ihr aber zu wenig.

   Am 18.7.1890 gegen 22.00 Uhr brannte die Mühle vollkommen aus, nachdem die Gesellen um 19.45 Uhr fortgegangen waren. Man vermutete Versicherungsbetrug. Bürgermeister Ludwig Mau vermerkte dazu, daß Adolph Wagenknecht erst bei Ausbruch des Feuers von Dargun zurückgekehrt war. Das Innere der Mühle war am 28.10.1882 bei dem Hannoverschen Windmühlen Brandversicherungverein zu Lehrte mit 15 930 Mark versichert worden.

   Frau Ida Wagenknecht, geb. Helms schrieb am 23.9.1890 an den Neukalener Magistrat:

   „Die am 18. Juli d. J. abgebrannte Windmühle beabsichtige ich nicht wieder aufzubauen. Von der Direction der Brandcasse soll ich vom Aufbau dispensirt werden, ebenso habe ich mit den Hypoteken Gläubiger mich dahin vereinbart, das die, welche nicht damit einverstanden sind von dem Brandcassengelde ausbezahlt werden.

   Ich bitte nun den löblichen Magistrat mich vom Aufbau der abgebrannten Mühle zu dispensiren, und hoffe um so mehr auf Genehmigung meiner Bitte, als der Canon nicht auf den Mühlen, sondern nur auf den Ländereien und der Weidefreiheit liegt.“

 

   Der Bürgermeister war anfangs nicht einverstanden, und so schrieb Frau Wagenknecht am 3.10.1890:

   „An den löblichen Magistrat, hieselbst.

   In ergebener Erwiderung der Zuschrift des löblichen Magistrats vom 29. Septbr. erlaube ich mir ergebenst, nachstehend meine Gründe die mich vom Aufbau der abgebrannten Mühle zurückhalten, mitzutheilen.

   I Es besteht kein Mangel an Mühlen hieselbst, da noch drei Stück im Betrieb sind, dazu kommt die immer größer werdende Concurenz der umliegenden Wassermühlen, die den größten Bedarf der Bäcker und Mehlhändler befriedigen, sowie, das die umliegenden Güter und Erbpächter größtentheils selbst Schrotmühlen angelegt haben und ihr Korn allein mahlen, wodurch den hiesigen Mühlen ein großes Quantum Mahlgut entzogen wird.

   II Die zweite Mühle in einer Hand würde sich kaum rentiren, da die Geschäftsunkosten circa 4000 Mk je Jahr betragen, also einen Netto Gewinn überall nicht abwirft, und daher ganz werthlos ist.

   III Das ungünstige Verhältnis der Leute, denn gute zuverlässige Gesellen sind kaum zu haben, und wollen selbe auf Windmühlen, trotz der ausgebotenen hohen Arbeitslöhne, ungerne arbeiten ...“

 

   Letzten Endes stimmte man dem Antrag zu. Die Mühle stand noch einige Jahre als Ruine da, bis man dann 1902 und 1903 die Mauer- und Fundamentreste zum Straßenbau nach Lelkendorf verwendete. Ihr Standort, etwa 30 Meter südwestlich der für Urlaubsgäste eingerichteten Mühle ist noch heute am verstärkt auftretenden Ziegelschutt im Erdreich erkennbar.