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Aus alten Zeiten

 

 

 
Auch das gab es:

 

   Am Warsower Weg vor der sogenannten "Reeperbahn" standen früher Scheunen (heute befinden sich hier Garagen). Die großen Scheunentore hatten ein kleines Katzenloch. Dahinter hatte ein Scheunenbesitzer einmal eine Falle aufgestellt. Eines Tages gab es ein großes Geschrei. Ein neugieriger Bauer hatte seine Hand durch das Katzenloch gesteckt, und die Falle war zugeschnappt. Er konnte die Hand nicht wieder losbekommen, bis der Eigentümer kam und ihn befreite.

 

 

Ausflüge nach Neukalen 1897

 

   Aus dem "Neukalener Wochenblatt" vom 2.7.1897:


   "Neukalen, 28. Juni. Am Sonntag hatte eine Anzahl der dortigen Loge angehöriger Herren aus Demmin per Dampfer einen Ausflug nach hier unternommen. Die Gesellschaft dinirte im Kähler'schen Hotel gemeinschaftlich. Das vorzügliche Menü im Bunde mit dem ausgezeichneten Kähler'schen Traubensaft riefen die animirteste Stimmung hervor. Ein gerade anwesender Photograph, ein Herr Freitag aus Weidmannslust bei Berlin, photographierte die Herren auf einem größeren Gruppenbilde in humoristischen Stellungen. Erst gegen acht Uhr Abends kehrte die Gesellschaft hoch befriedigt von dem Ausflug auf ihren Dampfer zurück.

   Neukalen, 29. Juni Heute Mittag gegen 1 Uhr trafen, von Malchin kommend, etwa 200 Schüler der Güstrower Bürgerschule, unter Leitung von Lehrern, hier ein und gingen im Daewel'schen Locale, in welchem sie sich angemeldet hatten, vor Anker. Trotz der glühenden Hitze und des staubigen Weges zeigte die muntere Schaar wenig Erschöpfung, die bei der fürsorglichen Bewirthung bald bis auf den letzten Hauch der allgemeinsten Fröhlichkeit Platz machen mußte. Die Herren Lehrer nahmen ein gemeinschaftliches Mittagessen ein, während die Schüler in ihren mitgebrachten Vorräthen schwelgten, wozu Frau Daewel das erfrischende Naß lieferte. Später durchzogen die Schüler in vereinzelten Gruppen unsern Ort, während die Jüngeren in dem geräumigen Saal oder den schattigen Lauben sich tapfer herumtummelten. Bei aller Fröhlichkeit fand nirgends eine ungezügelte Ausgelassenheit statt, und der Geist der Ordnung war überall zu bemerken. Gegen 4 Uhr wurde der Rückmarsch über den Bataillenberg und die Friedrichfranzenshöhe nach Malchin wieder angetreten. Beim Abmarsche brachte Herr Rector Steinfatt Herrn und Frau Daewel für die freundliche Aufnahme und vortreffliche Bewirthung ein Hoch aus, das bei den jugendlichen Gästen den kräftigsten und jubelndsten Ausdruck fand. Einer von den Bürschlein schien aber das erste Hoch eher seinem lieben Herrn Rector, als den guten Wirthsleuten zu gönnen; denn kaum war es verklungen, als er blitzschnell hinterdrein rief: "Unser Herr Rector soll leben!" Da hätte man hören sollen, wie das Hoch von Lehrern und Schülern aufgenommen wurde! Ueberhaupt haben wir an der herzlichen Collegialität, die unter den Lehrern herrschte, und die, wie man uns sagte, besonders von dem Herrn Rector Steinfatt gepflegt wird, unsere helle Herzensfreude gehabt.
 

 

 

Betrübender Unglücksfall 1881

 

   Öffentlicher Anzeiger Nr. 85 vom 26.10.1881:
   "Neukalen, 17. Okt. Am Freitag abend [14.10.1881] voriger Woche ereignete sich hier ein betrübender Unglücksfall. Eine junge Dame, früher Erzieherin, welche sich bei ihrer Schwester, einer Schneiderin, hier schon längere Zeit aufgehalten und dieser in ihrem Geschäfte geholfen. wie auch durch Erteilen von Privatstunden ihre Zeit ausgenutzt hat, ging am gedachten Tage spät nach dem in der Nähe ihrer Wohnung fließenden Peenestrom, um, wie sie fast allabendlich getan, Waschwasser für den nächsten Morgen zu holen, kehrte aber von diesem Gange nicht wieder zurück. Man vermutete sofort ein Unglück, zumal es sehr dunkel und stürmisch war. Was man vermutet, hat sich bestätigt. Gestern morgen fand man die Leiche der Verunglückten im Strombette, nicht weit von der Unglücksstätte."

   Es handelte sich um die Lehrerin Amalie Caroline Friederike Birn, geb. 8.2.1846 in Güstrow.

 

 

  

Bleiche

 

   Die westlich der Stadt gelegene sogenannte "Bleiche" war einmal ein Wiesenhügel und wurde in früheren Zeiten zum Bleichen genutzt. Die reingewaschenen Wäschestücke legten die Hausfrauen unausgewrungen mit dem daran haftenden Seifenwasser auf die Rasenfläche, die weder frisch abgemäht noch zu hohes Gras haben durfte. Damit die Bleiche der Wäsche schneller von statten ging, wurde sie bei Trockenheit leicht mit einer Gießkanne besprengt. Durch die Sonneneinstrahlung entstand dabei aus Wasser und Luft eine geringe Menge Wasserstoffperoxyd, ein Bleichmittel, das bleichenden Sauerstoff abgibt, der die Wäsche blendend weiß macht. Die ausgelegten Wäschestücke mußten auch umgedreht werden und wurden zum Schluß sorgsam in der Peene gespült.

   Das Wiesenstück, die "Bleiche", gehörte der Stadt und wurde von ihr verpachtet. Der Pächter (Bleicher genannt) kassierte für die ausgelegten Wäschestücke einen gewissen Betrag, um eine Einnahme zu haben. Dafür mußte er auf alles Acht geben, wobei er von seiner Frau und den Kindern unterstützt wurde. Mitte des 19. Jahrh. hatte die Stadt auf der "Bleiche" ein sogenanntes Bleicherhaus errichten lassen. Die Bleicher wohnten aber selten hier, so daß man das Haus auch als Armenhaus nutzte. Die Bleicherpacht war je nach allgemeiner wirtschaftlicher Lage unterschiedlich. Ende des 19. Jahrhunderts ging die Nachfrage zum Bleichen der Wäsche stark zurück. Und als 1905 die Molkerei bei der Schule in Betrieb genommen wurde, war hier kein Geschäft mehr zu machen.

   Folgende "Bleicher" sind noch bekannt:

 

Schultz                    

um 1770

 

Christian Broder    

um 1773 ... 1795

 

Hinrich Krüger        

um 1804 ... 1808 jährl. Bleicherpacht 1805/1806: 20 Rthlr.

 

Heinrich Lange      

um 1808 ... 1811 jährl. Bleicherpacht 1808/1810: 34 Rthlr.

 

Johann Heinrich Zarpentin           

um 1815

 

Ernst Timm             

um 1820 ... 1838 jährl. Bleicherpacht 1833/1837: 25 Rthlr.

 

Friedrich Rost        

um 1840 ... 1844

 

Rugenstein             

um 1848 ... 1854

 

Friedrich Borchert 

um 1866 ... 1884 jährl. Bleicherpacht: 1870: 11 Rthlr., 1872: 120 Mark

 

Ernst Schmidt        

um 1884 ... 1890

 

Christian Iben         

ab 1.4.1899 bis 1.4.1905 jährl. Bleicherpacht: 235 Mark

 

Wagenknecht         

ab Ostern 1905 ... Ostern 1911 Bleicherpacht: 190 Mark

 

 

 

 
Blitzeinschlag 1858

 

   "Nachdem am Mittwochen - 9ten Junius 1858 - bei schwüler Luft und drückender Hitze den Tag hindurch Nordostwind gewehet, zogen am Abend um 8 Uhr von allen Himmelsgegenden Gewitter in der Umgegend zusammen, welche außerordentlich heftig waren und bis zum Donnerstag morgen um 4 Uhr anhielten. Die Schläge waren furchtbar und folgten rasch aufeinander. Der Blitz schlug hier ein in den Schornstein des Hauses des Schmidts Rohde, sprengte denselben auf dem Hausboden auseinander, warf die Fensterluken auf der Diele oberhalb der Haus- und Hofthüre, sowie in der Wand hinter der Schmiede heraus, und tödtete in dem neben dem Rohdeschen Hause befindlichen, durch eine Gasse von 4 Fuß breit getrennten, Stall des Ackermanns Seemann von den dort stehenden drei Kühen eine, welche unmittelbar an der Wand gestanden hatte. Zum Glück hat der Blitz nicht gezündet indem sonst bei dem starken Winde ein großes Unglück über die Stadt gekommen wäre. Wie die Feuerscheine am Himmel zeigten namentlich in der Gnoienschen Gegend hat das Gewitter vielen Schaden angerichtet, welches in der Güstrower, Bützower und Rostocker Gegend gleichfalls sehr stark gewesen."

 

 

 
Brunnen eingestürzt

 

   Aus dem "Neukalener Wochenblatt" vom 23.7.1897:
"Neukalen, 21. Juli. Der Kaufmann Herr K. entging, wie man hört, nur mit genauer Noth einem Unfall, welcher vermuthlich von den schlimmsten Folgen begleitet gewesen wäre. Herr K. hörte nämlich kürzlich um 10 Uhr Abends ein Geräusch auf seinem Hofe. Beim Revidiren des Hofes betrat er auch die Brunnendecke, ohne jedoch etwas zu gewahren. Kaum in´s Haus gelangt, wiederholte sich das Geräusch stärker, und sah man nun, daß der Brunnen eingestürzt war. Nach Aushebung der Rohre durch den Brunnenmacher Ihlenburg wird der Brunnen zugefahren werden."

 

 

 

Christian Friedrich Gottlieb Raddatz

 

   Pastor

   geb. 24.5.1792 in Schorrentin

   gest. 7.9.1832 in Rostock

   Vater: Prediger

   besuchte die Domschule Güstrow; studierte Theologie in Rostock; war Hauslehrer bei Gutsbesitzer Könemann in Alt-Sammit und bei Assessor von Blücher zu Wasdow; 1819 Diakon an St. Nikolai Rostock; 1822 Diakon an St. Jacobi Rostock; 1826 – 1832 Pastor in Rostock; seit 1828 Mitdirektor und ab 1832 alleiniger Direktor der Großen Stadtschule Rostock.

 

 

 

Das “zweite Gesicht”

 

   Der Landwirt Heinrich Krüger, genannt "Botterheiner", soll das sogenannte "zweite Gesicht" besessen haben.  Er ging nie zu einer Beerdigung, da er dann angeblich die nächsten Sterbenden im Geiste vor sich sah. Deshalb hatte er immer Angst, sich einmal selber zu sehen.

   Einmal ertrank im Neukalener Hafen ein Junge [es handelte sich wohl um Fritz Martin Otto Hünerjäger, geb. 1.3.1927, gest. 6.9.1943], der mit dem Boot gekentert war und nicht schwimmen konnte. Auf Grund der Strömung suchte man lange an den vermuteten Stellen. Viele Zuschauer standen am Ufer, so auch Heinrich Krüger, der die Suche verfolgte, aber nichts sagte. Mit einem Mal zeigte er dicht bei der "Wasch" (kleine Bohlenplattform zum Wäschwaschen), unmittelbar neben der Hafenbrücke, in´s Wasser und sagte: "Hier sucht!" Dort fand man dann auch die Leiche.

   Ein anderes Mal war ein Junge auf dem Kummerower See eingebrochen und unter das Eis geraten. Nachdem man lange suchte und ihn nicht fand, wies Heinrich Krüger auf eine Stelle, die keiner vermutet hatte. Dort fand man tatsächlich die Leiche.

 

 

 

Der letzte der ausgestorbenen Adelsfamilie von Stoislaff
lebte in Neukalen

 

   Die Adelsfamilie von Stoislaff (auch: Stoislav, Stoislof, Stoislaf u.a.) - ein altes slawisches mecklenburgisches Geschlecht - leitete ihren Namen von Stojslaw = "der seinen Rum beständig Machende" her. Sie war nie sehr ausgebreitet und hatte ihren Besitz zu Pankelow und Bussewitz, welche Güter die Familie bis 1734 besaß. Einer, der die letzten Stoislaff noch persönlich gekannt haben dürfte - Joachim v. Pritzbuer (1665-1719) - schrieb: "Sie seien alle Zeit sonderlichen und melancholischen Gemüthes gewesen und hätten sich mit der Erklärung der Offenbarung des Johannes abgegeben". In der Literatur über die erloschenen Adelsfamilien in Mecklenburg geht man davon aus, daß der letzte Nachkomme, Friedrich Christoph von Stoislaff, 1750 starb. Das ist wohl ein Irrtum, denn er hatte einige Jahre später seinen Wohnsitz in Neukalen.

   Ungewöhnlich ist es schon, daß sich ein Adelsmann ganz von seinen Gütern zurückzog und von seinem verbliebenen Geld bescheiden in der Stadt lebte. Aber so muß es gewesen sein. Denn Friedrich Christoph von Stoislaff wohnte bis zu seinem Tode am 2.1.1787 in Neukalen und wurde hier am 8.1.1787 im Alter von 80 Jahren beerdigt. Scheinbar hinterließ er keine Nachkommen, denn der Name ist nie wieder erwähnt. 1777 hatte der "Herr von Stoisloff, ein hier wohnender Edelmann", wie es im alten Stadtbuch heißt, für die bei dem Großfeuer von 1777 Geschädigten die nicht geringe Summe von 100 Rthlr. gespendet. Dafür wollte er auch keine Aufbauarbeiten leisten. Seine Haushälterin Sophia Catharina Schulz ("vormalige Ausgeberin") starb am 2.3.1790, bald 57 Jahre alt an Auszehrung in Neukalen.

 

   Über das Wappen herrscht noch nicht völlige Klarheit. Denn während zuletzt und seit ziemlich langer Zeit die 3 Schildfiguren in Sonnen bestehen, zeigt z.B. das Siegel des Gotanus Stoislaff von 1340 drei Löwenköpfe, die ja auch sonst in den Wappen mecklenburgischer und rügischer Adelsfamilien vorkommen und in ungekünstelter Darstellung eine Ähnlichkeit mit Sonnen haben, wie auch umgekehrt.

 

Wappen Stoislaff I

 

Wappen Stoislaff II

 

Wappen Stoislaff

 

 

 

 

Die städtischen Gebäude und ihre Werte 1931

 

 

Krankenhaus   25 000 RM

Bleiche   4 000 RM

Neubauten (2)   45 000 RM

Rathaus   60 000 RM

Schulhaus   50 000 RM

Turnhalle   30 000 RM

Spritzenhaus   8 000 RM

Torgebäude   6 000 RM

       "            3 000 RM

Amtsgerichtsflügel   16 000 RM

Wohnhaus bei der Molkerei   10 000 RM

Badeanstalt   15 000 RM

Gaswerk   100 000 RM

Elektrizitätswerk (Ortsnetz)   70 000 RM

 

 

Drechsler

 

   Die Drechslermeister fertigten insbesondere Lampen aus Edelhölzern, Brotteller, wertvolle Ziergefäße, Möbelfüße oder Spinnräder an. Folgende Drechsler sind in Neukalen bekannt:

   Jacob Lembke

[genannt 1709 ... 1713]

   Joch. Jakob Prehn

[genannt 1743 ... gest. 20.10.1784]
   Johann Posche

[genannt 1758]

   Johann Friedrich Seelmann

[genannt 1783 ... gest. 18.1.1811]

    Johann Christoph Schumacher
[genannt 1797 ... 1800]

   Christian Friederich Stiebler
(geb. 31.5.1779 in Friesack, gest. 25.6.1864 in Neukalen). Er hatte sich 1810 in Neukalen als Drechslermeister im Haus Wasserstraße 8 niedergelassen. Seine Söhne Johann und Friedrich erlernten den Drechslerberuf vom Vater:
   1. Johann Heinrich Theodor Stiebler
(geb. 17.12.1820 in Neukalen, gest. 15.12. 1891 in Neukalen). Drechslermeister in der Klosterstraße 12. Sein Sohn, Johann Wilhelm Rudolph Stiebler (geb. 18.11.1849 in Neukalen, gest. 19.2.1917 in Neukalen) erbte 1892 das Haus des Vaters, zog von Malchin nach Neukalen und arbeitete hier als Drechslermeister.
   2. Johann Carl Heinrich August Stiebler
(geb. 17.4.1827 in Neukalen, gest. 16.9.1899 in Neukalen). Er wohnte in der Wasserstraße 8. Sein Sohn Friedrich Ernst Johann Stiebler (geb. 21.4.1859 in Neukalen, gest. 11.10.1926 in Neukalen) hatte seine Werkstatt im Haus Salemerweg 4.

Carl Gustav Friederich Specht
(geb. 1807 in Demmin, gest. 24.4.1871 in Neukalen). Er arbeitete seit 1832 in Neukalen als Drechsler. Etwa ab 1846 wohnte er im Haus Wallstraße 10. Sein Sohn, Adolph Friedrich Ernst Specht (geb. 25.7.1848 in Neukalen, gest. 20.8.1933 in Neukalen), übernahm die Werkstatt vom Vater und führte das Handwerk bis etwa 1907 weiter.

 

 

 

Enthexter Pferdestall:

 

   Richard Hilgendorf berichtete, daß dem Bauern Krüger mehrmals Pferde gestorben sind. Der Schmied Heuer hat dann den Pferdestall enthext. Als Ursache stellte er fest, daß ein Geldstück in der Wand des Pferdestalles eingemauert war...

 

 

Fahrradunfall 1906

 

   "Der Handlungsgehülfe P. wurde am 15.6.1906 zu einer Geldstrafe von 4 Mark verurteilt, weil er am 16.4.1906 zu Neukalen mit seinem Fahrrade auf der Straße gehende Personen überholt, ohne vorher ein Zeichen mit der Glocke gegeben zu haben und dadurch veranlaßt haben soll, daß die Gertrud L. hieselbst überfahren wurde."

 

 

 

Feuer am 25.5.1883

 

   Öffentlicher Anzeiger Nr. 44 vom 2.6.1883:

   "Neukalen, 26. Mai. Gestern Abend 11 Uhr brannte es in der Malchiner Straße im Hause des Kaufmanns H. oben unterm Dache, und das Feuer griff so rasch um sich, daß beim Eintreffen der Löschmannschaften schon eine große Feuerlohe durch das Dach schlug und man um das Weitergreifen des Feuers sehr besorgt sein mußte. Jedoch der völligen Windstille und dem kräftigen Eingreifen der Löschmannschaften hatten wir es zu danken, daß man nach einstündiger, schwerer Arbeit des Feuers Herr wurde und selbiges auf seinen Herd beschränkte. Das Haus des Kaufmanns H. ist fast ganz ausgebrannt, die Nachbarhäuser haben aber durch den Brand sehr wenig oder gar nicht gelitten. Die Löscharbeit war eine sehr schwierige, da das Feuer durch die Dächer der Nachbarhäuser von oben bearbeitet werden mußte, wobei vor Allem die Rohrführer und Steiger unserer freiwilligen Feuerwehr einen überaus harten und gefahrvollen Stand hatten. Hierbei ist der Nutzen unserer freiwilligen Feuerwehr uns recht vor Augen geführt. Den entstandenen Brandschaden für Mobilien und Warenvorräte hat die Oldenburger Feuer-Versicherungs-Gesellschaft zu tragen."

 

   Öffentl. Anzeiger Nr. 45 vom 6.6.1883:

   "Am Mittwoch Morgen 9 Uhr sollen die bei meinem Brande geretteten Sachen im Speicher des Herrn Brandt öffentlich meistbietend verkauft werden, als:

   Feilen, Sägen, Hobeleisen, Ketten u.s.w.                             Wilhelm Herrlich."

 

 

 

Gerichtsverhandlung am 6.12.1895


   "Neukalener Wochenblatt" vom 8.12.1895:
   "Neukalen, 6. December. An der heutigen Schöffengerichtssitzung nahmen als Schöffen theil die Herren Rentner Salchow und Sattlermeister Albrecht hier. - Verhandelt wurde die Strafsache gegen den Ackerbürger S. hierselbst wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges. Angeklagter ist beschuldigt, in der Nacht vom 18. auf den 19. October d. Js. im Gastwirth Ganzel´schen Locale den Gastwirth L. mittels eines Bierglases körperlich verletzt zu haben, indem er mit demselben den L. derart auf den Kopf schlug, daß das Glas zersprang und L. Schnittwunden am Kopfe erhielt. Angeklagter ist nur theilweise geständig und will von dem Verletzten mit einem Stocke bedroht worden sein. - Das Gericht billigte dem Angeklagten mildernde Umstände zu und verurtheilte ihn auf Grund der Zeugenaussage wegen Vergehens gegen § 223a Str.-G.-Bs. zu einer Geldstrafe von 20 Mark, aushülflich zu fünf Tagen Gefängniß."

 

 

Gewitter 1867:

 

   Öffentlicher Anzeiger 1867:

   "Neukalen, 24. Juli 1867. Gestern Vormittag um 1/2 12 Uhr entlud sich über die hiesige Gegend eine heftige Gewitterwolke mit starkem Regen und großen Hagelschlossen. Spuren des Hagelschlages fanden wir auf der ganzen hiesigen Feldmark, am bedeutendsten ist der Schaden für die Besitzer der nordwestlich von der Stadt gelegenen Ackerstücke und zwar, je weiter von der Stadt entfernt, je bedeutender. Das Hagelwetter soll besonders zwischen hier und Laage starke Verwüstungen angerichtet haben, ebenso zwischen Teterow und Krakow. Seit 10 Tagen gab es hier überhaupt viele schwere Regenschauer, und das Getreide leidet vielfach an Nässe. In den Wiesen der umliegenden Güter sieht man noch viel Heu stehen."

 

 

 

Gustav Kohfeldt

 

   Bibliothekar

   geb. 25.2.1867 in Neukalen

   gest. 11.1.1934 in Rostock

   Vater: Landwirt Ernst Johann Friedrich Kohfeldt

   Mutter: Auguste Luise Joachime, geb. Matz

   Er legte 1887 in Malchin sein Abitur ab; studierte 1887 - 1890 in Berlin, Jena und München; 1890 - 1891 Hauslehrer; 1891 in Rostock immmatrikuliert; promovierte 1892 zum Dr. phil.; Volontär an der Universitätsbibliothek Rostock; einige Monate Hauslehrer, 1893 - 1894 Lehrer für alte Sprachen, Geschichte und deutsche Literatur am College Internationale in Genf; seit dem 1.4.1894 Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Rostock; 1910 Oberbibliothekar; 1917 Titularprofessor; 1926 1. Bibliotheksrat; Vertreter des Direktors; war ständiger Mitarbeiter an Jastrows "Jahresberichten für neuere deutsche Literaturgeschichte"; lieferte ab 1902 den Literaturbericht über Mecklenburg in den Jahresberichten der Geschichtswissenschaft; ist mit mehreren Aufsätzen in Fachzeitschriften vertreten, wie im Zentralblatt für das Bibliothekswesen, dem Eekboom; für das Sammelwerk "Das akademische Deutschland" schrieb er eine "Kurze Geschichte der Universität Rostock"; veröffentlichte und kommentierte das "Rostocker Studentenstammbuch 1736/37"; 1908 erschien seine Sammlung "Plattdeutscher Mecklenburgischer Hochzeitsgedichte aus dem 17. und 18. Jahrhundert"; beschrieb die "Rostocker Professoren und Studenten im 18. Jh." und berichtete "Aus der 200jährigen Geschichte der Rostocker Zeitung".

 

   Aus dem Buch: "Wer war wer in Mecklenburg-Vorpommern?", ein Personenlexikon von Grete Grewolls, Edition Temmen, 1995

 

 

 

Hagelschaden 1856

 

   Über ein besonderes Naturereignis berichtete Bürgermeister Mau:

"Am Sonnabend Nachmittag (28ten Julius 1856) gegen 2 Uhr verfinsterte sich der Himmel plötzlich so sehr, daß die gegenüberliegenden Häuser in den Straßen hier nicht zu sehen waren. Plötzlich fielen sehr große Hagelschossen von der Größe einer kleinen Wallnuß in solcher Menge, daß in kurzer Zeit die Straßen damit bedeckt waren und Nachmittags 4 Uhr selbige noch weiß die Erde draußen zwischen den Scheunen bedeckten. Dazu kam noch ein furchtbares Gewitter von Westen her. Alle unsre schönen Kornfelder, die zu der herrlichsten Erndte berechtigten, waren in kurzer Zeit zerstört und besonders die Wintersaaten, so daß der die Feldmark Neukalden betroffene Schaden zwischen 16 und 20 000 Rthlr. nicht zu geringe veranschlagt worden. Das Hagelwetter hielt bei dem heftigstem Sturme etwa eine Viertelstunde an. Die Feldmarken der benachbarten Gute und Dörfer namentlich Thürkow, Bukow, Sührkow, Suckow, Gr. Markow, Rey, Schorrentin, Küsserow und Warsow hatten bedeutend gelitten, weniger Schönkamp, Lelkendorf, Karnitz und Sarmstorff. In Bukow hatte die Hagel - Sache - Kommission demnächst nicht entscheiden können, welche Frucht auf dem Felde gestanden, so war selbige zerstört gewesen. Vögel und Gänse waren von den Hagelkörnern getödtet. Versichert hatte von den hiesigen Einwohnern niemand und ist selbigen auch keine Vergütung zu Theil geworden. Der Lelkendorfer und Warsower Schlag hatte am meisten gelitten. Das Kraut von den Kartoffeln war wie mit der Sense abgeschnitten und doch war demnächst die Erndte der Kartoffeln ziemlich zufriedenstellend. Möge der allgütige Gott ferneres Unglück von unserer Feldmark abhalten!
   L. Mau
   Bürgermeister"

 

 

 

Hermann Böhmer

 

   Lehrer
geb. 24.1.1823 in Schorrentin
gest. 8.12.1897 in Wismar
Vater: Pastor
   Er begann ein Theologiestudium, besuchte dann aber das Seminar in Ludwigslust. 1848 war er Lehrer in Woosten, 1849 an der Volksschule Parchim, 1850 an der Bürgerschule Wismar; 1857 - 1888 Lehrer an der Großen Stadtschule Wismar.

 

 

 
Ik bün blot utrutscht

 

Lotte Schimmel


   Ik bün nu all 90 Johr, oewer ein lütt Schmunzelgeschicht föllt mi ümmer wedder in. Vör ungefiehr 50 Johr süll uns Hus farbig verputzt warden. Ein Murer makte dat so bäten näbenbi! Hei müßt up ´ne  Ledder tämlich hochstiegen, un dunn segg ik tau em: "Je, Bier kan´k sei woll nich gäben, ierst naher, süss fallen sei noch runner." Dunn antwurt hei mi: "Mien leiw Fru, ahn Bier stieg ik dor gornich ierst rup!"
   Na, hei kreg jo sien Bier, un ik güng mienen Gang. Bäten spärer hür ik, as hei in´n Kieshümpel föllt! Ik kiek un dunn seggt hei: "Nee, nee, ik bün blot utrutscht!"
 

 

 

Johann August Wachenhusen

 

   Justizbeamter

   geb. 4.4.1778 in Schwerin

   gest. 27.1.1831 in Güstrow

   Vater: Justizrat Christian Gottlieb Heinrich Wachenhusen (geb. 12.8.1749 in Schwerin, gest. 24.2.1795 in Schwerin).

   Mutter: Lucia Elisabeth, geb. Bouchholz (geb. 1748, gest. 16.1.1807 in Schwerin)

   Johann August Wachenhusen besuchte die Domschule in Schwerin; 1795 Jurastudium an den Universitäten Jena und Rostock; 1797 Advokat und Prokurator der Justizkanzlei Schwerin. Von Oktober 1799 bis Oktober 1811 war er Bürgermeister, Steuereinnehmer und herzoglicher Stadtrichter in Neukalen. Am 28.4.1800 heiratete er in Schwerin: Friederica Catharina Maria Grantzow (geb. 10.9.1781 in Lübtheen, gest. 4.4.1861 in Güstrow). Sie wohnten ab 1801 unten im neuerbauten Rathaus. 1805 erwarb Johann August Wachenhusen das Haus Rektorstraße 2 von Joachim Kasch und zog hier ein. Am 5.7.1810 war er Schützenkönig. Im Oktober 1811 wurde er als ordentlicher Assessor beim Hof- und Landgericht Güstrow angestellt. Das Haus in Neukalen blieb noch bis 1817 in seinem Besitz, dann verkaufte er es an den Ackersmann Heinrich Müller. 1818 war er Vizedirektor; 1819 Geheimer Justizrat; später Ehrendoktor der Juristischen Fakultät der Universität Rostock. Johannes August Wachenhusen wirkte für die gemeinnützigen Anstalten und Stiftungen; war selbst Mitglied des Güstrowschen Armenkollegiums; Mitherausgeber des "Neuen Archivs für die Rechtsgelehrtheit in dem Großherzogtum Mecklenburg", von dem 1817 nur Band 1 erschienen ist.

 

 

 

Karl Angebauer

 

   Schriftsteller
geb. 23.2.1882 in Warsow
gest. 30.8.1952 in Berlin
Erzähler; Verfasser von Jugendbüchern
Er war der Sohn des Lehrers Karl Angebauer in Warsow.

 

 

 

Kinder in die Peene gefallen 1886


   Aus dem "Neukalener Wochenblatt vom 7.4.1886:
   "Neukalen, 4. April. Nicht genug kann davor gewarnt werden, kleineren Kindern das Spielen am Wasser zu gestatten, wie folgender Vorfall beweist. Dieser Tage belustigten sich eine Anzahl kleiner Kinder an der Peene, bei der hohen Brücke vor dem Mühlenthore, wobei einige ins Wasser fielen, von dem Strome gefaßt und eine Strecke fortgetrieben wurden. Dieselben konnten nur mit Mühe gerettet werden."
 

 

 

Leichenfund am 5.3.1906


   Aus dem "Malchiner Generalanzeiger" von 1906:
   "Die schon sehr in Verwesung übergegangene Leiche eines seit der Zeit vor Weihnachten vermißten Arbeiters aus hiesiger Stadt wurde von einem Angler in der Peene gefunden. Es ist anzunehmen, daß der Verunglückte, der in der Umgegend Arbeit hatte suchen wollen, auf dem Heimwege sich durch einen Richtsteig den Weg abkürzen wollte und dabei in der Peene ertrank."
   Es handelte sich um den Ziegler Carl Ludwig Heinrich Meyer, geb. 28.9.1851 in Amtsbrink, der am 5.3.1906 gefunden wurde.
 

 

 

Messerstich in den Rücken

 

   Öffentlicher Anzeiger 1868: "Neukalen, 19. März. Am Montage d. W., abends gegen 12 Uhr, wo es im Gastwirt Anders´schen Hause noch etwas lebhaft herging, erschien dort, wie der "Gen.-Anz." erzählt, der hiesige Rats- und Polizeidiener M. um Ruhe und Feierabend zu bieten. Er traf u. a. daselbst auch seinen Schwager, den Schustermeister N., welcher sich der polizeilichen Aufforderung widersetzte und in Folge dessen arretiert wurde. Als der Arrestant auf der Rathausdiele sich befand und der Polizeidiener die Haustür verschließen wollte, benutzte ersterer diese Gelegenheit und versetzte dem M. einen Messerstich in den Rücken, in Folge dessen dieser noch krank darnieder liegt und unter ärztlicher Behandlung sich befindet. Die Untersuchung über diese Tat ist im Gange."

 

 

Petition 1916


   Vor 100 Jahren unterschrieben beherzte und mutige Einwohner Neukalens diese Petition der SPD zur Beendigung des I. Weltkrieges:

PETITION

   an Se. Exzellenz den Herrn Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg Die Unterzeichneten fordern, daß dem Krieg, der seit mehr als zwei Jahren Europa verwüstet und allen beteiligten Ländern ungeheure Opfer an Gut und Blut auferlegt, so bald als möglich ein Ende bereitet wird.
   Unter Ablehnung aller Eroberungspläne, die nicht nur den Krieg verlängern, sondern auch den Keim zu neuen Kriegen in sich tragen, fordern die Unterzeichneten von den Verbündeten Regierungen, daß sie sich zum Abschluß eines Friedens bereit erklären, der dem Reiche
    1.    seine politische Unabhängigkeit,
    2.    seine territoriale Unversehrtheit,
    3.    seine wirtschaftliche Entwicklungsfreiheit
gewährleistet."

   Diese gedruckte Petition von 1916 unterschrieben in Neukalen:

  1.    Ludwig Sass    Maurer    Neukalen    Ringstr. 43
  2.    Frau Bergeint    Hamburg    Bartholomäusstr.86 II
  3.    Frau Grete Ey    Neukalen    Ringstr. 58
  4.    Frau Körber    z.Zt.Neukalen    Ringstr. 58
  5.    Fritz Waterstradt    Arbeiter    Neukalen    Ringstr. 59
  6.    R. Röhrdanz    Arbeiter    Neukalen    Ringstr. 3
  7.    Frau Röhrdanz    Neukalen    Ringstr. 3
  8.    Frau Krüger    Neukalen    Malchinerstr. 4
  9.    Frau Lückstädt    Neukalen    Wallstr. 93
10.    Frau Lange    Neukalen    Wallstr. 91
11.    Frau Jens    Neukalen    Ringstr. 27
12.    Frau Bentschneider    Neukalen    Ringstr. 31
13.    F. Schultz     Neukalen    Salemerweg
14.    Frau Roggenkamp    Neukalen    Salemerweg
15.    Frau Ladwig    Neukalen    Ringstr. 47
16.    A. Ladwig    Neukalen    Ringstr. 47
17.    Erna Ulrich    Maurer    Neukalen    Rektorstr.
18.    Johann Sänger     Dachdecker Neukalen    Ringstr. 57
19.    Ida Sänger    Neukalen    Ringstr. 57
20.    Frau Emielie Sänger    Neukalen     Ringstr. 57
21.    Margarete Kreplin    Neukalen    Krummestr. 4
22.    Frau Federow geb.Wickbold    Maurer    Neukalen    Krummestr. 4
23.    Frau Sophie Meier    Neukalen    Klosterstr. 81
24.    Frieda Meier    Schneiderin    Neukalen    Klosterstr. 81
25.    Frieda Kuchhöft    Schneiderin    Neukalen    Rohrplage 101
26.    Frau Halbedel     Arbeiter    Neukalen    Klosterstr. 25
27.    Fritz Lückstädt     Arbeiter    Neukalen    Rohrplage 101
28.    Ernst Sass     Ackerbürger Neukalen    Rohrplage 102
29.    Minne Sass    Neukalen    Rohrplage 102
30.    Fr. Louise Westphal    Arbeiterfrau    Neukalen    Rohrplage 103
31.    Louise Westphal    Arbeiterfrau    Neukalen    Rohrplage 103
32.    W. Westphal     Arbeiter    Neukalen    Rohrplage 103
33.    A. Westphal     Arbeiter    Neukalen    Rohrplage 103
34.    M. Pankow     Arbeiter    Neukalen    Rohrplage 11
35.    Karl Kottke    Schuhmacherm.    Neukalen    Klosterstr. 118
36.    Frau Kottke    Neukalen    Klosterstr. 118
37.    August Kerklies     Arbeiter    Neukalen    Klosterstr. 119
38.    Frau Kerklies    Neukalen    Klosterstr. 119
39.    Frau W. Bruhns     Arbeiterin    Neukalen    Klosterstr. 25
40.    Carl Riebe    Ackerbürger    Neukalen    Klosterstraße - 6123 -

 

 

 

Prügelstrafe

 

   "Auf Befehl des hochlöblichen Magistrates hieselbst habe ich am 28ten August, die dem Knaben Bernhard Koch zuerkannte Züchtigung mit fünf Rohrhieben vollzogen und quittire dafür 16 Schilling aus der löblichen Stadt Casse erhalten zu haben.
Neukalden den 1ten September 1832                Dechen
                                Armendiener

   Der Schutz - Jude Joseph Mendel hieselbst hat durch eine vom Magistrate hieselbst erkannte Urthel eine körperliche Züchtigung erhalten. Er selbst ist zu arm um die Kosten dieser Züchtigung sofort ganz bezahlen zu können, und wird daher die Stadt - Casse die rückständigen Kosten in dieser Sache als
1. an Bielefeld              7 Schilling
2. an Dechen            16 Schilling
3. an Schulz              8 Schilling
                --------------------------------
in Summa                 31 Schilling
zu bezahlen haben. Neukalden den 29ten Septbr. 1832
                        Bürgermeister und Rath
                              Petri

 

   Für die mir am 11ten 0ctober d. J. vom löblichen Magistrat anbefohlene aber nicht executirte körperliche Züchtigung des Juden Joseph Mendel, habe ich auf Befehl wegen Versäumniß 8 Schilling aus der löblichen Stadt Casse erhalten und quittire darüber gehorsamst.
Neukalden den 25ten October 1832.
                                Dechen
                            Armendiener


   Auf Befehl des Bürgermeisters Petri habe ich an folgende Personen körperliche Züchtigung vollzogen:
21.    April Schneidergesell Bachmann
    10 Röhrchen Hiebe a 4 Schilling            40    Schilling
21.    April Wittwe Kisberg 5 Hiebe                20    Schilling
21.    April Friederica Kisberg desgleichen        20    Schilling
22.    April Leierkastenmann Johann Kisberg    
    10 Röhrchen Hiebe                    40    Schilling
22.    April Ww. Kisberg u. Friederica jede 5 Hiebe    40    Schilling
  6.    Mai Ww. Kisberg u. Friederica jede 5 Hiebe    40    Schilling
                            -----------------------------
                        in Summa 4 Rthlr.  8 Schilling"

 

   Das Geld bekam der Armenvogt Schulz für seine "Arbeit". Er weigerte sich aber bald, weitere körperliche Züchtigungen vorzunehmen, und seit dieser Zeit finden wir in den Akten der Stadt Neukalen keine Prügelstrafen mehr verzeichnet.

 

   1835 berichtete der Rat:
   "Die alten Stadt und Gerichtsdiener Fidler und Köhn haben nie geschlagen, sie haben wohl inhaftiert und Ketten angelegt wenn es Noth that, aber geschlagen haben sie nie.
   Mußten einmal Schläge decertirt werden, so requirirten wir uns entweder von Remplin aus oder von E.G.H. Amte Dargun einen Schließer, und dieser vollzog dann die Züchtigung gegen Gebühr, welche in jeden vorkommenden Fall zwar ziemlich hoch war, welche aber nicht den hundertsten Theil von demjenigen ausmacht, was da hätte ausgegeben werden müssen, wenn man einen eigenen Schließer und Prügelanten hätte anstellen wollen.
   Es scheint uns dies Verhältnis auch sehr gut beibleiben zu können, denn da E.F.H. nur geruhet haben, das Stadtgerichtliche Wesen vom Magistratischen zu trennen, so geht uns nur das letztere an, und wir versuchen daß wir in durchaus gar keiner Noth sind, denn policeiliche Hiebe gegen eine kleine Gebühr ertheilen zu wollen, hat uns der Bürger H. Schulz versprochen, und hat sein Wort auch bis jetzt gehalten.
   Wir haben schon erwähnt, daß Fidler nicht schlug, Köhn nicht schlug und Bielefeld schlägt auch nicht, und das ist auch kein Wesen für einen Stadt und Gerichts - Diener und haben wir den Bielefeld wenn es auch nicht in den Acten steht, es versprochen daß er weder policeiliche noch urtheilsmäßige Gerichtliche Schläge vollführen soll.
   Will und soll E.F.H. StGericht hieselbst nun ein eigenen Schließer und Puckeldröscher haben, so kann uns das ganz gleichbedeutend sein. Wir von seiten der Stadt können dazu auch nicht einen Schilling contribuciren, denn wir sind, was uns in dieser Hinsicht betrifft an fait.
   Die Ehrfurcht ist die höchste in welcher wir ersterben, als
                Ew. F. H.    allerunterthänigste
Neukalden,                Bürgermeister und Rath
den 20ten Jul. 1835"

 

 

 

Reifer / Seiler

 

   Die Reifer fertigten besonders starke Seile und Taue aus Hanf, die mitunter zur Stabilität und Haltbarkeit im Wasser noch geteert wurden. Dadurch unterschieden sie sich vom Handwerk der Seiler, die vom starken Bindfaden bis zum Strick lieferten.

   Für die Ausführung seines Handwerkes brauchte der Reifer eine lange Bahn zum Drehen der Litzen, die man Reiferbahn (Reeperbahn) nannte. Überliefert ist, daß die Schützenzunft den ehemaligen Schützenplatz am Warsower Weg 1884 an den Seiler Krüger für diese Zwecke verkaufte.

 

   Aus Neukalen sind folgende Seiler, bzw. Reifer bekannt:

 

Friederich Jacobs,

Seiler (1736 ... 16.2.1781 +)

 

Otto Constantin Schimmelpenning,

Reifer (1777 ... 28.9.1807 +), seine Söhne übernahmen das Handwerk:

 

Johann Daniel Constantin Schimmelpenning,

Reifer (etwa ab 1812 ... 5.7.1837 +)

 

Jacob Otto Heinrich Schimmelpenning,

Reifer (etwa ab 1815 ... 18.5.1831 +)

[sie wohnten alle Markt 1]

 

Gottlob Brankow,

Reifer (um 1813 ... 1820)

 

Carl Johann Joachim Richter,

Reifer und Seiler (um 1836 ... 1854)

jeweils der Sohn übernahm das Handwerk vom Vater:

 

Carl Johann Ludwig Richter,

Seiler (1869 ... 20.8.1872 +)

 

Otto Johann Friedrich Richter,

Seiler (1906 ... 5.5.1934 +)

 

Otto Richard Fritz Paul Richter,

Seiler (1923 ... 1946)

[sie wohnten Klosterstraße 31]

 

Johann Christoph Theodor Glasow,

Seiler (1843 ... 11.2.1894 +)

sein Sohn übernahm das Handwerk:

 

Adalbert Christian Jakob Glasow,

Seiler, Reifer (1887 ... 1.1.1922 +)

[sie wohnten bis 1898 Schulstraße 9, dann am Markt 15]

 

Carl Wilhelm Eduard Krüger,

Seiler (1875 ... 11.10.1903 +)

 

Ernst Friedrich Bernhard Krüger,

Seiler (1879 ... 24.5.1906 +)

[sie wohnten Klosterstraße 31 und ab 1898 Amtstraße 1]

 

 

 

Riemer und Sattler

 

   Riemer ist ein ehemaliger Beruf des lederverarbeitenden Gewerbes. Die Riemer fertigten aus Leder Gürtel und Gurte, Wassereimer zur Brandbekämpfung, Geschirre für die Zugtiere und Riemen jedweder Art an. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden diese Aufgaben in Neukalen vom Sattler, der speziell Sattel, Koffer und Taschen herstellte, übernommen, so daß die Berufsbezeichnung Riemer wegfiel.

 

   Folgende Riemer sind in Neukalen bekannt:

 

Christian Bünger [1673 ... gest. 9.12.1712]

Jochim Bünger [1717 ... 1738]

Joachim Schmidt [1751 ... gest. 11.2.1789]

Joachim Heinrich Gabriel Schmidt [1785 ... gest. 27.6.1837]

Johann Christian Friedrich Schmidt [1786 ... gest. 7.5.1835]

Friedrich Borchert [1803 ... gest. 7.1.1854]

Jochim Friederich Schmidt [1804 ... gest. 3.5.1825]

Joachim Christian Martin Schmidt [1817 ... gest. 1.8.1881]

Heinrich Jacob Friedrich Schmidt [1823 ... gest. 12.12.1856]

Johann Wilhelm Diederich Gallenbeck [1826 ... gest. 20.4.1839]

Wilhelm Christian Ernst Fehlhafer [1860 ... gest. 11.11.1863]

 

Folgende Handwerker wurden anfangs als Riemer, später aber als Sattler bezeichnet:

 

Johann Daniel Martin Tessmann [1833 ... gest. 8.11.1874]

Johann Jacob Theodor Schmidt [1840 ... 1851]

Johann Christian Erdmann Lange [1842 ... gest. 21.12.1898], er war ab etwa 1878 Kaufmann

Johann Joachim Christian Hinkfoth [1844 ... gest. 18.8.1887]

Christian Heinrich Jacob Friedrich Borchert [1845 ... gest. 23.2.1886]

Gustav Johann Heinrich Remer [1859 ... 1877]

 

Folgende Personen in Neukalen waren als Sattler tätig:

 

Reinhardt [1777]

Johann Carl Ludwig Ahrns [1836 ... 1851]

Heinrich Friedrich Ernst Ullrich [1861 ... gest. 8.5.1894]

Gustav Adolf Leopold Knoth [1874 ... gest. 8.9.1903]

Richard Wilhelm Albrecht [1878 ... gest. 1.2.1908]

Ernst Franz Friedrich Salowsky [1883 ... gest. 24.1.1884]

Karl August Friedrich Krüger [1895 ... gest. 26.3.1948]

Otto Christian Karl Albrecht [1908 ... 1950]

Paul Ulrich Wilhelm Rothenhäuser [1912 ... gest. 11.4.1965]

Karl Helmuth Wilhelm Mehls [1921 ... gest. 1.5.1964]

Otto Fritz Johann Schoknecht [1921 ... gest. 15.5.1955]

Ulrich Karl Rudolf Wilhelm Albrecht [1948 ... 1989 (?)]

Ernst Fritz Willi Karl Schoknecht [1953 ... gest. 14.3.1974]

 

 

 

Schützenfest 1889

 

   Neukalen, 15. Mai. In der gestrigen Generalversammlung der hiesigen Schützenzunft wurde beschlossen, den diesjährigen Königschuß am 4. und 5. Juli abzuhalten und mit dem zweiten Tage eine Feier des hundertjährigen Bestehens der Zunft zu verbinden, zu welcher die Schützengesellschaften von Malchin und Dargun eingeladen werden sollen.

   Neukalen, 4. Juli. In großem Festschmucke prangt heute unser Städtchen, es gilt der 100jährigen Jubelfeier unserer Schützenzunft. In allen Straßen, wo nur irgend Schützen passiren werden, hat fast jedes Haus, nicht allein von Maurer und Maler sein Aeußeres verschönern lassen, sondern Fahnen und Guirlanden in Menge, verleihen ihm ein reiches Festkleid. Zu dem Ganzen macht der Himmel ein freundliches Gesicht und verheißt einen guten Verlauf der Feier. - Herr Töpfermeister Rothenhäuser hatte den besten Schuß, zum Schützenkönig proklamirt, zog er am Abend gegen 10 Uhr in die Stadt. Bereits um 7 Uhr des folgenden Tages versammelten sich die Schützen von Neuem, holten den König ab zum Rathhause. Hier theilten sich die Compagnien, und zogen jede mit einem Musikkorps die erste zum Malchiner-, die zweite zum Dargunerthor hinaus, um die fremden Gäste einzuholen. Fast gleichzeitig trafen gegen 8 Uhr die Malchiner und Darguner Schützen ein, wurden zunächst im Locale des Herrn Aug. Seemann mit einem Frühschoppen begrüßt und nahmen alsdann auf dem Markte Aufstellung. Hier hielt Herr G. Meyer eine Ansprache und verlas die alten Urkunden. Alsdann verlas Herr Geheimer Hofrath Mau den von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzoge ihm gewordenen Auftrag und brachte ein Hoch auf Allerhöchstdenselben aus, in welches die gesammte große Menge der Anwesenden begeistert einstimmte. Nach einem von den Malchiner und Darguner Gästen ausgebrachten Hoch auf die Neukalener Schützenzunft erfolgte der Festmarsch durch die Straßen, wie ihn die 100jährige Zunft bis jetzt wohl noch nicht gesehen; drei Könige waren in dem Zuge. Die Darguner Zunft überreichte durch Herrn Badermeister Schlie ein prachtvolles Schild, das zur Zierde des Schützenkönigs dienen soll. Der Festplatz im Gaarzbruch war gleichfalls festlich decorirt, und wurde von einer festlich erregten Menge in allen seinen Theilen gefüllt. Das Schießen nach der Scheibe fand sehr rege Betheiligung und es wurden so viele Knöpfe geschossen, daß es fast ein Centrumschuß sein mußte wenn er einen Gewinn erzielen sollte. Am Abend war der Gaarzbruch prachtvoll erleuchtet, auch wurden Raketen und bengalische Flammen abgebrannt. -
   Der 3. Festtag am gestrigen Sonntag verlief wieder recht lebhaft, es waren viele Landleute zur Stadt gekommen, und auch das Malchiner Dampfschiff “Pilot” brachte uns etwa 100 Gäste. Leider begann es um 7 1/2 Uhr zu regnen wodurch das schöne Fest etwas gestört wurde.

Malchin, 5. Juli. Auf 6 Leiterwagen und zwei Privatwagen rückte heute morgen ein ansehnlicher Theil unserer Schützenzunft (etwa 90 Personen hatten sich unterschrieben) aus; um sich zur Jubelfeier nach Neukalen zu begeben. Voraussichtlich dürfte das Fest aber durch starke Regenschauer, die heute Vormittag dorthin sich entluden und auch uns von dem so lang ersehnten Naß spendeten sehr beeinträchtigt worden sein.

   Neukalen, 5. Juli. Am gestrigen, unsern ersten Königsschußtage bewies sich das Wetter, trotz aller bedenklichen Aussichten doch noch günstig. Das Fest verlief aufs beste und unter lebhafter Betheiligung seitens der Bevölkerung. Herr Töpfermeister Rothenhäuser erwarb die Königswürde.

 

 

 

Selbstmord 1866

 

   "Neukalen, 30. Juli 1866. Der spurlos verschwunden gewesene Tagelöhner Krüger von hier ist in voriger Woche von Mähern auf hiesiger Feldmark erhängt gefunden."

   Es handelte sich um Friedrich Ludwig Ernst Krüger, laut Kirchenbuch, geb. 18.10.1793, gest. 12.7.1866. "Wurde seit dem 12ten Juli vermißt und am 24 dies. Monats auf dem Salemer Schlage erhängt gefunden (die Untersuchung ergab einen Selbstmord)"

 

 

 

 Selbstmord 1884


   Öffentlicher Anzeiger Nr. 40 vom 17.5.1884:
"Neukalen. Am Sonnabend Morgen wurde im hiesigen Kanal die Leiche des Pantoffelmachers B., der hier in letzter Zeit in recht zerrütteten Verhältnissen lebte, aufgefunden. Mit Sicherheit läßt sich hier wohl ein Selbstmord annehmen."
   Es handelte sich um den Holzpantoffelmacher Christian Carl Joachim Bartels, geb. am 21.1.1834 in Neukalen, im Kanal selbst ertränkt am 10.5.1884.

 

 

Spottvers aus dem Jahre 1865:

 

In Kalen is nix to halen,

in Tessin mag ick ok nich sin.

In Laag is vel Plag,

in Teterow is´t noch ebenso.

Aewer to Gnoien,

da kann man sick freuen!

 

 

 

Tödlicher Unfall 1880

 

   "Neukalen. 11. Febr. [1880]. Der Schuhmacher Sch. ging am Sonntag zu Lande, um seinen Kunden die angefertigte Arbeit zu überbringen. Um dabei zugleich kleine Reparaturen an Ort und Stelle ausführen zu können, nahm er einen sogenannten Ohrt mit und steckte denselben ohne ihn einzuwickeln in die Tasche seines Überziehers. Beim Übersteigen eines Schlagbaums in der Nähe der Stadt stolperte Sch. und fiel sich das Instrument in das Bein nahe am Knie, so daß es darin abbrach. Der herbeigerufene Arzt entfernte das abgebrochene Stück aus der Wunde und legte den nötigen Verband an; der Mann ist indessen heute leider an den Folgen dieses Unglücksfalles gestorben. Er hinterläßt eine Witwe mit drei unmündigen Kindern."

   [Es handelte sich um den Schustermeister August Ludwig Johann Schohknecht, geb. am 27.2.1847 in Dargun, gest. am 10.2.1880 "an Blutvergiftung in Folge einer Verletzung", wie es im Kirchenbuch vermerkt ist.]

 

 

 

Unglück am 5.4.1883


   Öffentlicher Anzeiger Nr. 29 vom 11.4.1883:
   "Neukalen, 5. April. Heute Vormittag ereignete sich hier ein betrübender Unglücksfall. Der vierjährige Sohn des Maurers K. war in den hinter dem elterlichen Hause liegenden Garten gegangen. Als kurze Zeit darauf die Großmutter in den Garten trat, vermißte sie den Knaben und fand ihn nach wenigem Suchen in der im Garten eingegrabenen Jauchentonne. Der Knabe war kopfüber in die Tonne gefallen und wurde tot herausgezogen. Die sofort angestellten Belebungsversuche blieben erfolglos."
   Es handelte sich um Hermann Martin Johann Koch, geb. 9.6.1879 in Neukalen, Sohn des Maurergesellen Johann Koch.

 

 

Unglücksfall 1883

 

   "Neukalen, 2. Okt. Gestern ereignete sich hierselbst ein recht beklagenswerter Unglücksfall, welcher wieder einmal dringend zur Vorsicht mahnt. Der Lehrling des Bäckermeisters Anders war in den Morgenstunden damit beschäftigt, im Ofen Feuer anzumachen und benutzte hierzu, wie leider so Viele, Petroleum, welches er in die noch glühenden Kohlen goß. Durch die Explosion der Flasche, welche er in der Hand hielt, wurde der Unglückliche von der brennenden Flüssigkeit übergossen und stand in hellen Flammen ,wodurch der Ärmste schwere Brandwunden erhielt und nach mehreren qualvollen Stunden infolge derselbe verstarb."

   [Es handelte sich um den Bäckerlehrling August Theodor Friedrich Wittenburg, geb. am 26.9.1866 in Teterow. Er wurde in Teterow beerdigt.]

 

 

Unglücksfall 1894

 

   "Neukalen, 7. August [1894]. Wie erzählt wird, hätten angeblich Knaben in der Frankengrund, zwischen Schutt versteckt, eine Anzahl Patronen gefunden. Es habe nun einer der Jungen eine Patrone auf einen Stein gelegt und sie durch Bearbeiten mit einem harten Gegenstand zur Entzündung zu bringen gesucht, welches Bestreben denn auch sehr bald von dem gewünschten Erfolge begleitet gewesen wäre, wobei aber gleichzeitig eine, vermuthlich sehr unerwünschte, Nebenwirkung erzielt worden sei, indem bei der Explosion das Bürschchen so arge Verletzungen an einer Hand erlitten hätte, daß hat ärztliche Hülfe in Anspruch genommen werden müssen."

 

 

Unglücksfall in Schorrentin 1782

 

   Über einen Unglücksfall in Schorrentin kann man 1782 im Kirchenbuch folgendes lesen:
   "In Schorrentin starb am 20sten Juni in der Nacht Hans Lass, u. wurde am 22sten ej[usedem] begraben. Not. Der Tod dieses Mannes wurde dadurch veranlaßet, daß er am 19ten Juni des Nachmittags von der Scheune des hiesigen Hofes, darauf er eben die oberste Spitze zudeckte, unglückl. Weise u. unvermuthet herunter u. auf ein Stück Holtz fiel, worauf er sich den Kopf u. Brust besonders innerl. zerschmetterte. Es war eine der obersten Leitter Sprossen, die er mit beyden Händen angefaßet, um die Leiter weiter zu rücken, zerbrochen, u. er also rücklings herunter gestürtzt."
 

 

“Verfügen´s sich”

 

   Hermann Ladwig war als Lehrling beim Brunnenbauer Karl Lange beschäftigt. Einmal saß Karl Lange in der Grube und erteilte seinem Lehrling folgende Anweisung: "Wenn ich mit dem Hammer einmal gegen das Rohr klopfe, läßt Du das Rohr langsam hinunter. Wenn ich dagegen mehrmals klopfe, läßt du los und das Rohr hinunterfallen." Nachdem er nun in der Grube alles soweit vorbereitet hatte, klopfte er einmal gegen das Rohr, aber Hermann Ladwig paßte nicht auf, träumte wohl und rührte sich nicht. In seinem Arbeitseifer hämmerte Karl Lange mehrmals. Da wird Hermann Ladwig wach, läßt das Rohr hinuntersausen und alles war kaputt. Wütend kam Karl Lange aus der Grube gekrochen, aber Hermann Ladwig war flinker und rannte weg. Voller ohnmächtiger Wut tanzte Karl Lange um die Grube und faßte sich an den Kopf. Als eine Frau vorbeikam, fragte sie, was denn los sei. Da schrie Karl Lange sie an: "Verfügen´s sich! Verfügen´s sich!"

 

 

Vierlinge in Neukalen

 

   Das war schon eine Sensation, als am 18.1.1854 in Neukalen Vierlinge geboren wurden. Die Eltern waren: Töpfermeister Carl Heinrich Theodor Paul und seine Ehefrau Hanna Sophia Dorothea, geb. Stör.

   Das erste Kind war ein Mädchen und wurde bereits einige Tage später am 23.1.1854 von Pastor Friedrich Breuel getauft, da es sehr schwächlich war. Es starb eine Woche später. Die anderen drei Kinder erhielten zusammen am 8.2.1854 die Taufe, verstarben aber auch in jungen Jahren.

   Die Vierlinge waren:

   1. Alexandrine Helmine Caroline Luci Paul, gest. am 30.1.1854 an Krämpfe. Die Paten waren: 1. Excellenz der Minister von Lotzow auf Dobertin, 2. Friederike Brinckmann, Predigertochter in Neukalen, 3. Elisabeth Stör, Schlosserfrau in Neukalen.

   2. Auguste Louise Caroline Paul, gest. am 10.2.1855 an Krämpfe. Die Paten waren: 1. Ihre Königliche Hoheit, die Frau Großherzogin Auguste von Mecklenburg Schwerin, 2. Carl Schlüter, Pensionair auf Schlakendorf, 3. Ludwig Mussäus, Pensionair auf Schönkamp).

   3. Franz Ludwig Hermann Paul, gest. am 31.5.1862 an Nervenfieber. Die Paten waren: 1. Seine königliche Hoheit, der Großherzog Friedrich Franz II. von Meckl. Schwerin, 2. Ludwig Mau, Bürgermeister in Neukalen, 3. Hermann Willgohs, Doctor und Senator in Neukalen.

   4. Juliane Christiane Wilhelmine Paul, gest. am 19.11.1855 an Scharlachfrieseln. Die Paten waren: 1. Joachim Stüdemann, Senator in Neukalen, 2. Christian Timm, Stadtsekretär in Neukalen, 3. Wilhelm Hermes, Kaufmann in Neukalen.

   Ob alle hochrangigen Paten zur Taufe anwesend waren, ist leider nicht überliefert.