Im Dachgeschoß des Hauses Rektorstraße 13 kam es am 3.3.1992 zu einem Brand, so daß die Turnhalle durch den entstandenen Brand- und Wasserschaden nicht mehr nutzbar war. Der Sportunterricht mußte bis auf weiteres in der ehemaligen Möbel-Konsum-Verkaufsstelle in der Straße der Freundschaft 26 stattfinden.
Ab 1. September 1992 wurde der Hort der Neukalener Schule geschlossen und in die kombinierte Kindereinrichtung verlegt. Es sollten dadurch finanzielle Mittel eingespart werden. „Das Hortgebäude an der Schule wird zur vorunterrichtlichen Betreuung genutzt werden und weiterhin für die Schülerinnen und Schüler der unteren und mittleren Klassenstufen zugänglich sein. Die Neukalener Schulküche wird ebenfalls mit Wirkung vom 1. September geschlossen sein.“
Das Hortgebäude, die Schulküche und der Essenraum wurden laut Vertrag vom 1.2.1993 von der Stadt an die AWO bis zum 31.12.1998 zur Nutzung als Freizeitzentrum übergeben.
Für über eine Million Mark wurde die Turnhalle saniert und ab 8.3.1993 wieder für den Schulunterricht genutzt. Man dachte aber zu dieser Zeit schon daran, eine neue Sporthalle zu errichten.
Nordkurier vom 30.6.1993:
„Letzter Schultag ist heute für Neukalens langjährigen Schulleiter Peter Birke. Zum neuen Schuljahr muß er das Chefzimmer der Schule verlassen, als Lehrer wird er aber weiter an der Einrichtung tätig sein. Ein halbes Jahr Ortssekretär der ehemaligen Einheitspartei (SED) wurde Birke zum Verhängnis.“
Als sein Nachfolger wurde vom Kultusministerium Schwerin Manfred Bölter, bis dahin Lehrer in Neu Panstorf, eingesetzt.
Nordkurier 2.8.1993:
„Die Aufnahme der Schulanfänger an der Neukalener Realschule mit Haupt- und Grundschulteil findet am Sonnabend, dem 14. August, um 9.30 Uhr in der Aula (Speiseraum) statt, teilte die Schulleitung jetzt mit. Die Eltern werden gebeten, die Schultüten mitzubringen. Im Anschluß an die Schulaufnahme steht ein Fotograf für Einzel- und Gruppenaufnahmen zur Verfügung.
Der Unterricht für die Klassen 1 bis 10 beginnt offiziell am Montag, dem 16. August, um 7 Uhr. Von 7 bis 7.45 Uhr erfolgt die Ausgabe der Stundenpläne und Freiexemplare. Außerdem nehmen die Klassenleiter die Zeugnisse entgegen. Ab 7.55 Uhr beginnt dann mit der zweiten Stunde der planmäßige Unterricht. Der Verkauf der Schulbücher erfolgt in Neukalen am 5. August in der Zeit von 9 bis 18 Uhr.“
Nordkurier vom 7.12.1993:
„In der Realschule Neukalen blieb gestern ein Klassenzimmer leer. Die Schüler der Klasse 7 waren nicht zur Schule gekommen. Am Sonntag Abend hatten die Mädchen und Jungen von ihren Eltern erfahren, daß für sie eine ganze Woche lang der Unterricht ausfallen soll.
„Wir möchten betonen, daß unser Schritt kein Streik ist. Wir betrachten unsere Entscheidung als Notwehr!“ heißt es in einem Offenen Brief, den die Eltern gestern u. a. an den Landrat, das Kultusministerium und den Bildungsausschuß des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern schickten.
Die Eltern haben Angst, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Vor einigen Tagen war es, als drei Jungen von ihren Mitschülern so brutal verprügelt wurden, daß sie ärztlich behandelt werden mußten. Einer der Schüler erlitt eine Gehirnerschütterung und ist immer noch krankgeschrieben. Er war zusammengeschlagen worden, nachdem er den Sportlehrer zu Hilfe gerufen hatte, als ein Schüler schon am Boden lag. Diese Schlägerei war der vorläufige Höhepunkt einer ganzen Serie von Gewalttätigkeiten, die von zwei Schülern der Klasse ausgehen. Sie sind schon mehrfach sitzengeblieben und deshalb älter als ihre Mitschüler und diesen auch körperlich überlegen. Selbst die Lehrer sehen sich tätlichen Angriffen durch die beiden Schüler ausgesetzt, daß sie von den beiden geduzt werden, ist an der Schule fast schon etwas Normales.
„Unsere Kinder lernen im Unterricht nichts mehr, sie gehen nur noch als Statisten in die Schule und als Freiwild“, klagt eine Mutter in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Ihren Namen möchte sie nicht nennen.
Auf mehreren Elternversammlungen und auch bei einem Treffen mit dem Schulrat hatte man vergeblich versucht, eine Lösung zu finden. Eine Woche Schulverbot für die beiden Störenfriede hatte ebenso wenig bewirkt wie die Drohung einer Umschulung. Wegen der neunjährigen Schulpflicht müssen wir die beiden wohl noch bis zum Sommer des nächsten Jahres ertragen, war nach Auskunft der Eltern die Meinung des Schulleiters, der gestern gegenüber unserer Zeitung zu keiner Stellungnahme bereit war.
„Wir sehen nur einen Ausweg: für die beiden Jungen muß Einzelunterricht erteilt werden“, so die Eltern gegenüber unserer Zeitung. Dieser Forderung wollen sie mit ihrer Aktion in dieser Woche Nachdruck verleihen.
Den Vorschlag, Einzelunterricht zu erteilen, hatte der Neukalener Schulleiter vor einer Woche bereits Schulrat Karl-Georg Hartwig unterbreitet. Hartwig gestern im Gespräch mit unserer Zeitung: „Ich habe den Antrag an die obere Schulaufsichtsbehörde im Kultusministerium weitergegeben. Hier muß entschieden werden.“ Zugleich hatte der Schulrat den Neukalener Schulleiter beauftragt, ein Konzept für den Einzelunterricht zu entwickeln. Und Hartwig weiter: „Ich hoffe, daß noch in dieser Woche für alle Schüler der 7. Klasse der Unterricht wieder läuft.“
Wer würde sie nicht verstehen, die Eltern, die aus Sorge um die Gesundheit ihrer Kinder diese nicht mehr in die Schule schicken. Die Gewalt im Klassenzimmer und auf dem Schulhof hat in Neukalen derartige Formen angenommen, daß die Eltern sich zu dieser „Notwehr“ gezwungen sahen. Und das, obwohl der Schulleiter auf den möglichen Straftatbestand verwiesen hatte, der eintreten würde, wenn die Schüler nicht zum Unterricht kommen. Daß in seinem Hause die Sicherheit der Schüler nicht mehr gewährleistet ist, scheint er in jenem Augenblick offenbar großzügig übersehen zu haben.
Seit zwei Jahren haben die Eltern auf die zunehmende Gewalt in der Klasse aufmerksam gemacht. Kein Wunder, daß sie jetzt der Meinung sind, Schulleitung, Schulaufsichtsbehörde und Jugendamt hätten nur darauf gewartet, daß sich die Situation derart zuspitzt, um dann handeln zu können. Es ist offen, ob der nun angestrebte Einzelunterricht die Lösung ist. Zeit, diesen von den Eltern seit längerem vorgeschlagenen Versuch zu wagen, war es allerdings längst.“
Nordkurier vom 9.12.1993:
„Ab heute ist die 7. Klasse wieder vollzählig
Neukalener Realschüler waren wegen gewalttätiger Mitschüler ab Montag nicht zur Schule gegangen.
Heute sitzen alle Schüler der Klasse 7 wieder auf ihren Schulbänken in der Neukalener Realschule. Die Eltern, die den Schulbesuch ihrer Kinder ab Montag wegen der Gewalttätigkeiten zweier überalterter Mitschüler verweigert hatten, haben gestern in einer Zusammenkunft diesen Beschluß gefaßt – die zwei Störenfriede in der Klasse erhalten ab sofort Einzelunterricht.
Zur Kritik des Kultusministeriums, es habe erst am Dienstag von der Angelegenheit erfahren, befragte unsere Zeitung Schulrat Karl-Georg Hartwig.
Der Schulrat rekapitulierte anhand von Protokollen die Zusammenhänge. Am 18. November hatten auf Einladung der Elternvertreter der Klasse 7 Eltern, Schulrat, Schulleiter und Vertreter des Jugendamtes beraten. Den zwei prügelnden 15jährigen Mitschülern, seit langem Stein des Anstoßes für Schüler, Eltern und Lehrer, sollte in Gesprächen noch einmal ihre Außenseiter-Position klar gemacht werden. Man wollte ihnen Gelegenheit geben, die Beweggründe für ihr Verhalten darzulegen bzw. sich einen Lehrer als Vertrauens- und Kontaktperson zu wählen.
Am 29. November. zwischenzeitlich hatte die letzte, sich gravierend auswirkende, Prügelei stattgefunden – wurde in einer weiteren Zusammenkunft der Schulleiter von den Elternvertretern gebeten, unverzüglich beim Kultusministerium Einzelunterricht für die zwei prügelnden Schüler der Siebenten zu beantragen.
Besagten Antrag erhielt der Schulrat durch einen Boten am 30. November. Am 1. und 2. Dezember war er in Klausur in Waren zur Schulrätedienstberatung. So gelangte der Antrag am Freitag, dem 3. Dezember in seine Hände. Hartwig befürwortete ihn. Aus dem Ministerium erfuhr er am 6. Dezember durch ein Telefonat, daß der Antrag eingetroffen sei. Am selben Tag hatte er in eigener Verantwortung den Schulleiter beauftragt, ein Modell für Einzelunterricht zu entwickeln.
Das ist jetzt geschehen. Zu zweit wird den beiden Außenseitern vorerst Unterricht erteilt. Der Aufwand zu diesem Schritt ist enorm. Das Ministerium billigt die Maßnahme, will „die Angelegenheit weiter auf höchster Ebene begleiten“.
Das erfuhr der Schulrat vom Nordkurier.“
Nordkurier vom 18.12.1993:
„In der Diskussion zum Offenen Brief, der sich mit dem Thema „Gewalt an den Schulen“ auseinandersetzt, bekräftigten die Abgeordneten (auf der Stadtverordnetenversammlung), daß sie die eingeleiteten Maßnahmen der Eltern zum Schutz ihrer Kinder unterstützen. Das Ehepaar Dettmann teilte in diesem Zusammenhang mit, daß sich die Situation in der betroffenen 7. Klasse seit der Herausnahme der Schläger verbessert hat.“
Der feierliche Akt der Aufnahme der Schulanfänger für das Schuljahr 1994/95 erfolgte am 27.8.1994 im Anglerheim. Der Unterricht begann am 29.8.1994 ab 7.30 Uhr.
Im September 1994 wurde das Werkenraumgebäude wegen des bevorstehenden Turnhallenbaues leergeräumt und im November 1994 abgerissen. Dafür richtete man das Gebäude für den Schulgarten als Werkenraum ein.
Landwirtsschaftsminister Martin Brick überbrachte am 14.10.1994 den Zuwendungsbescheid für die Finanzierung des geplanten Turnhallenneubaus. Die Gesamt-Investition der Turnhalle auf dem Gelände des Schulhofes soll laut Bürgermeister Günter Plagens 1,942 Millionen Mark betragen: „Vom Land werde das Projekt mit einer Million Mark gefördert, so daß der Eigenanteil der Neukalener Stadt bei rund 900 000 Mark liegt.“
Hausordnung der Realschule Neukalen (mit Haupt- und Grundschulteil)
Ziel der Hausordnung ist es, das Zusammenleben und –arbeiten aller an der Schule Tätigen zu regeln.
Es ist erforderlich,
daß alle Mitglieder der Schulgemeinschaft einander respektieren,
daß ein freundlicher Umgang gepflegt wird,
daß eine gemeinsame Verantwortung und Zuständigkeit für die Belange der Schule empfunden wird und
daß Lehrer, Schüler und Mitarbeiter ihren Pflichten genügen.
Handlungen einzelner finden dort ihre Grenzen, wo sie die Rechte und Interessen anderer einschränken.
I. Der Tagesablauf in der Schule
1. Es ist alles zu unterlassen, was den Unterrichtsablauf stört.
2. Der Unterricht wird nach folgenden Zeitplan erteilt:
1. Std. 7.30 Uhr - 8.15 Uhr
2. Std. 8.25 Uhr - 9.10 Uhr
3. Std. 9.30 Uhr - 10.15 Uhr
4. Std. 10.30 Uhr - 11.15 Uhr
5. Std. 11.30 Uhr - 12.15 Uhr
6. Std. 12.25 Uhr - 13.10 Uhr
7. Std. 13.55 Uhr - 14.40 Uhr
3. Die Eingangstüren werden 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn geöffnet und zum Eintritt für die Schüler unter Aufsicht des Lehrers freigegeben.
4. Der Unterricht wird pünktlich mit dem Klingelzeichen durch den Lehrer begonnen und beendet.
5. Alle Klassen, deren Unterricht später beginnt, dürfen erst mit Pausenbeginn das Schulgebäude betreten. Auswärtige Schüler können sich ordentlich in einem freien Raum aufhalten.
6. Während der Unterrichtsstunden dürfen Lehrer nicht gestört werden.
7. Nach Unterrichtsschluß verlassen die Schüler die Gebäude und den Schulhof ordnungsgemäß. Alle persönlichen Sachen werden mitgenommen.
8. In der Regel werden die Gebäude und der Schulhof um 16.00 Uhr abgeschlossen. Bei späteren Veranstaltungen sorgt der verantwortliche Lehrer für ein ordnungsgemäßes Verschließen der Schule.
II. Ordnung während der Pausen
1. Die Aufsicht während der Pausen und vor Unterrichtsbeginn wird durch den Aufsichtsplan geregelt.
2. Über die Lüftung der Räume in den Pausen entscheidet der Lehrer.
3. Alle Schüler verlassen in den Hofpausen die Schulgebäude. Die Kontrolle erfolgt durch den Lehrer.
4. Die Räume werden in den Hofpausen verschlossen. Die Fachräume (Phy, Bio, Ch) werden nur mit den Lehrer betreten.
5. Bei schlechtem Wetter entscheidet die Aufsicht über Haus- oder Hofpause. Das Klingelzeichen ertönt dreimal. In Hauspausen führen alle Lehrer entsprechend dem Stundenplan Aufsicht durch.
6. Unerlaubtes Entfernen vom Schulhof ist nicht gestattet. Schüler können nur mit schriftlichem Einverständnis der Eltern das Schulgelände in einer möglichen Freistunde und in der Mittagspause von 13.10 Uhr bis 13.55 Uhr verlassen. Ausnahmefälle sind vorher mit dem Klassenleiter oder der Aufsicht zu klären.
7. Jeder Schüler hat den Aufforderungen und Hinweisen des Lehrers zu folgen.
8. Jeder Lehrer und Schüler achtet auf Sauberkeit im gesamten Schulbereich.
9. Die Toiletten müssen ordentlich verlassen werden. Sie dürfen nicht für den Aufenthalt in den Pausen genutzt werden.
10. Alle Schüler suchen selbständig nach der Kurz- bzw. Hofpause die Unterrichtsräume auf. Die Garderobe wird an die Haken auf den Fluren gehängt.
11. Zu den Sportstätten gehen die Schüler bereits in der Pause davor. Die Grundschüler gehen mit ihren SportlehrerInnen.
12. Das Rauchen auf dem Schulgelände ist verboten.
13. Jeder aufsichtsführende Lehrer ist in seinem Bereich dafür verantwortlich, daß
- die Pausen in Ruhe und Ordnung verlaufen,
- der Schulhof nicht verlassen wird,
- mutwillige Beschädigungen unterbleiben bzw. im Protokoll erfaßt werden.
III. Verhalten bei Alarm bzw. Evakuierung
1. Alarm ist durch das fortgesetzte Klingelzeichen (kurz, kurz, lang, kurz, kurz, lang ...) gegeben, bei Ausfall der elektrischen Anlage durch dauerndes Läuten der Handglocke.
2. Auf das Alarmzeichen wird der Unterricht sofort unterbrochen. Der Lehrer führt geordnet die Schüler auf den Hof. Er überzeugt sich von der Vollständigkeit seiner Klasse.
3. Die Klassen benutzen im Katastrophenfalle folgende Ausgänge:
a) altes Gebäude - R 1, 8, 9, 10 - Eingangstür und Mädchentoilette
- R 3, 4, 5, 6, 7 - Ausgangstür und Jungentoilette
- R 2 - Kellerausgang
- R 17 - Hauptausgang
b) neues Gebäude - R 11, 12, 13 - hinterer Ausgang des Gebäudes
- R 14, 15, 16 - Hofeingang des Gebäudes
c) Pavillon - R 18, 19, 20 - Ausgang
4. Büchertaschen, Garderobe etc. verbleiben im Klassenraum!
IV. Schlüsselordnung
1. Schlüsselausleih erfolgt nur an Lehrer und Erzieher im Sekretariat nach vorheriger Absprache mit Eintragung ins Schlüsselbuch.
2. Außer Schulschlüssel dürfen keine weiteren Schlüssel verwendet werden.
3. Die Fachraumschränke sind ständig unter Verschluß zu halten. Sicherheitsschlösser sind nur durch Lehrkräfte zu öffnen.
4. Tor- und Hausschlüssel sind für Veranstaltungen, die nach 18.00 Uhr stattfinden, bei der Sekretärin in Empfang zu nehmen.
V. Sondervorschriften
1. Für die Turnhalle werden gesonderte Ordnungen in Anwendung gebracht.
2. Ausfallstunden werden nur über Lehrer oder durch Aushang bekanntgegeben. Jeder Lehrer informiert sich am Vertretungsplan oder in der Schulleitung.
3. Alle Schüler haben ihre Wertsachen vor Diebstahl zu sichern (z.B. kein Geld o. ä. in der auf dem Flur abgehängten Oberbekleidung).
4. Alle Besucher der Schule haben sich im Sekretariat zu melden.
5. Unterrichtsgänge sind der Schule mitzuteilen. Schulwanderungen bzw. Klassenfahrtenbedürfen der Genehmigung des Schulleiters.
6. Geräteausleih erfolgt nur in Ausnahmefällen gegen Quittung im Sekretariat.
7. Die Einhaltung dieser Hausordnung ist für alle Schüler, Lehrer, Erzieher und technischen Mitarbeiter verbindlich.
Neukalen, d. 18.01.1995 H. Westenhoff
Schulleiter
Am 3.4.1995 war Baubeginn für die neue Turnhalle. „Vor rund 50 Schülern nahmen Schulleiter Hermann Westenhoff und Bürgermeister Günter Plagens den Spaten in die Hand und gaben damit den Platz zwischen Jugendklub und Schule frei für die ersten Baubetriebe.“
An der Schule wurden im Frühjahr 1995 insgesamt 310 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.
Der Unterricht für die Klassen 2 bis 10 begann am 10.8.1995 um 7.30 Uhr. Die Aufnahme der Schulanfänger erfolgte am 12.8.1995 in der (alten) Turnhalle und Schulbeginn für die 1. Klasse war am 14.8.1995.
Abfahrtszeiten der Schülerbusse:
Karnitz 6.45 Uhr, Schlakendorf 6.50 Uhr, Ankunft in Neukalen 6.55 Uhr.
Warsow 7.00 Uhr, Schönkamp 7.08 Uhr, Schorrentin 7.10 Uhr, Ankunft in Neukalen 7.20 Uhr.
Nordkurier vom 14.8.1995:
„Die Toilettenanlage der Neukalener Schule wird ab nächster Woche repariert. Erst für das kommende Jahr kündigt Bürgermeister Plagens die totale Sanierung des Sanitärtraktes sowie der Heizungsanlage an. „Mit den Nachtspeicheröfen haben wir viel Ärger. Die haben einen großen Energieverbrauch“, meint Plagens. Die Sanierung wird nach seiner Aussage bis zu 350 000 Mark kosten. Die Fördergelder sind beantragt.“
Im September 1995 wurde das Schwimmbecken auf dem Hof der Neukalener Schule einplaniert, da die Sanierung für die Stadt finanziell nicht mehr tragbar war.
Nordkurier vom 22.12.1995:
„Einstimmig verabschiedeten die Neukalener Stadtvertreter auf ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr den Schulentwicklungsplan.
Hauptamtsleiter Peter Sonnenschmidt wies noch einmal auf die Bedeutung der Realschule mit Haupt- und Grundschulteil für Neukalen hin. Die Schule sei für die Stadt „überlebens-wichtig“. Leute, die nach Neukalen ziehen wollen, fragten als erstes nach einer Schule im Ort. Laut Schulentwicklungsplan umfaßt die Grundschule (Klasse 1 – 4) derzeit sieben Klassen mit 136 Schülern, Die Orientierungsstufe (Klasse 5 – 6) drei Klassen mit 55 Schülern, die Realschule (Klassen 7 – 10) vier Klassen mit 84 Schülern und die Hauptschule (Klassen 7 – 9) zwei Klassen mit 23 Schülern.
Gemeinsam mit dem Amt für Regionalplanung des Kreises Demmin erarbeitete die Stadt eine Aufstellung der Schülerzahlen bis zum Jahre 2010. Nach dieser Statistik wird sich die Schülerzahl bis 2010 um mehr als die Hälfte reduzieren. Dennoch soll das bisherige Schulsystem bis zum Jahr 2005 bestehen bleiben. Die Stadt hofft durch Eigenheimbau und den Ausbau des Gewerbegebietes, die Einwohnerzahl in der Stadt und den Ortsteilen zu stabilisieren oder zu erhöhen. Für die Sanierung des Schulgebäudes hat die Stadt laut Schulentwicklungsplan 1996 beim Land Fördermittel in Höhe von 900 000 Mark beantragt. Die neue Turnhalle der Stadt kostet insgesamt 1,9 Millionen Mark, wobei Neukalen die Hälfte der Summe tragen muß.“
Nordkurier vom 6.5.1996:
„Grünes Licht für die vorgezogene Sanierung von Heizung und Sanitärtrakt der Neukalener Schule hat laut Bürgermeister Günter Plagens das Innenministerium erteilt. Damit sei allerdings keine Zusage für die beantragten 165 000 Mark Fördergelder verbunden. Die Stadt will jetzt sofort mit der Ausschreibung der anstehenden Arbeiten beginnen. Unter anderem müssen 56 Nachtspeicheröfen entsorgt werden.“
Nordkurier vom 23.7.1996:
„Gestern Vormittag nahm die kreisliche Bauaufsichtsbehörde gemeinsam mit Vertretern der Neukalener Stadtverwaltung die neue Turnhalle der Stadt ab. Wie der Hauptamtsleiter der Verwaltung Peter Sonnenschmidt mitteilte, seien keine technischen oder baulichen Mängel festgestellt worden.
„In der Nacht zu Freitag wurde noch der Hallenboden verdichtet“, berichtete Sonnenschmidt. „Am Montag beginnen dann kleinere Restarbeiten.“ Dazu würden unter anderem das Aufbauen von Sportgeräten und das Befestigen von Sitzbänken gehören. „Außerdem sollen in den nächsten Wochen der Bereich um die Halle aufgeräumt und die Außenanlagen hergerichtet werden“, kündigte Neukalens Hauptamtsleiter an.
Mit zahlreichen Gästen soll am Donnerstag, dem 1. August, dann die feierliche Eröffnung der Sportstätte stattfinden. Laut Sonnenschmidt sind für diese Veranstaltung die ersten Einladungen bereits verschickt worden.“
Zum Schulbeginn am 1.8.1996 wurde um 10 Uhr die neu erbaute Schulsporthalle feierlich eröffnet:
Nordkurier vom 2.8.1996:
„Es war ein weiter Weg, bis das leuchtend gelbe Band am Eingang der neuen Sporthalle in Neukalen durchschnitten werden konnte. Nach vielen Bau-Verzögerungen hatten die Stadtväter ihr Ziel erreicht – pünktlich zum Schuljahresbeginn weihten sie gestern das Gebäude feierlich ein.
Zu den Gästen, die Hauptamtsleiter Peter Sonnenschmidt und Bürgermeister Günter Plagens vor der Halle begrüßen konnten, gehörten neben Lehrern und Schülern sowie Vertretern der Partnergemeinden Appen und Recke auch Landwirtschaftsminister Martin Brick (CDU) und Herbert Greupner (CDU), stellvertretender Landrat aus Demmin.
Trotz „böser Absicht des damaligen Bauleiters und Planungsbüros“ hätten es die Neukalener geschafft, den Bau in einem Jahr und vier Monaten zu einem guten Ende zu bringen, unterstrich der Hauptamtsleiter in seiner Begrüßungsansprache. Seit August letzten Jahres hatten die Neukalener die Sporthalle in Eigenregie weitergebaut. Die Anstrengungen, welche den Neukalenern während der Bauzeit so manch schlaflose Nacht bereitet hatten, waren gestern vergessen angesichts der Freude über das neue Gebäude. In der 27 x 15 Meter großen Halle können sich die Kinder während ihres Sportunterrichtes nun endlich richtig austoben.
„Die andere Halle in der Rektorstraße war so klein, jetzt haben wir endlich Platz und können viel mehr machen“, meinten dazu Christoph und Matthias aus der sechsten Klasse der Neukalener Realschule. Seine Freude sei einfach „riesengroß“, beschrieb auch Bodo Hecht, Sportlehrer an der Realschule sowie Vorsitzender des Neukalener Sportvereins. Seit 23 Jahren sei er nun Lehrer an der Neukalener Einrichtung und ebenso lange wünschte er sich schon eine neue Turnhalle. „Die Bedingungen für den Schulsport haben sich durch die neue Halle grundlegend verbessert. Und für die Vereine ergeben sich jetzt neue Möglichkeiten“, fügte er hinzu. Ausgerüstet ist die Halle mit modernen Sportgeräten. Von der großen Tribüne aus können Zuschauer Veranstaltungen verfolgen. Nach der Übergabe des symbolischen Riesenschlüssels, den Schulleiter Hermann Westenhoff aus den Händen des Bürgermeisters entgegennehmen konnte, wechselten sich in der Halle die Redner am Pult ab. Schulrat Hans-Georg Hartwig betonte, die Halle werde dazu beitragen, den Schulstandort Neukalen zu sichern. Ein großes Lob sprach Hartwig den beiden Sportlehrern Inge und Bodo Hecht aus. Stadtvertretervorsteher Manfred Specht sprach einen Wunsch an, der den Neukalenern noch am Herzen liegt: „Es wäre schön, wenn wir einen Parkplatz vor der Halle bekommen könnten“.
Beifall ernteten nicht nur die Redner. Auch die Tanzeinlage der Mädchen – Sportballettgruppe erfreute die Besucher.“