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Die Klostermühle

 

Wolfgang Schimmel

 

Die sogenannte

 

Die sogenannte "Klostermühle" in der Klosterstraße
(Foto von 1977)

 

 

   Um es gleich vorweg zu nehmen, die volkstümliche Bezeichnung "Klostermühle" täuscht. Das Gebäude stammte nicht aus mittelalterlichen Zeiten und hat seinen urtümlich klingenden Namen lediglich nach dem Standort in der Klosterstraße erhalten. Trotzdem hat es eine interessante Vergangenheit aufzuweisen, die hier etwas ausführlicher dargestellt werden soll.

 

   In früheren Zeiten befand sich nordwestlich von Gorschendorf, am Waldesrand an einem Bach neben dem sogenannten "Hopfenberg" gelegen, eine Wassermühle. Diese Mühle hatte um die Jahrhunderwende der Müllermeister Max Hopp in Pacht. 1916 gab es eine große Überschwemmung, bei welcher viel zerstört wurde. Da gerade die Pachtzeit abgelaufen war, verließ Max Hopp die Pachtung. Die Gorschendorfer Mühle wurde danach nicht wieder in Betrieb genommen. Sie verfiel in den kommenden Jahren und wurde abgerissen.

 

   Müllermeister Hopp kaufte 1917 in Neukalen das Haus des Ackerbürgers Friedrich Niemann in der Klosterstraße (damals Haus Nr. 97). Er baute das Gebäude zu einer Mühle aus. Hauptsächlich stellte er auf den mit einem Gasmotor angetriebenen beiden Walzenstühlen Futterschrot her und nur sehr wenig Mehl.

 

   Um 1924 zog Max Hopp nach Panstorf in eine Neubauwohnung. Er verkaufte das Mühlenhaus an Albrecht Peters. In den Jahren 1925 bis 1928 wurden jeweils etwa 700 t Roggen und 200 t Weizen zu Mehl und 200 t Futtergetreide verarbeitet. Die Mühle schaffte etwa 2 bis 3 Tonnen täglich, wobei ihre Höchstleistung im September 1927 bei etwa 100 Tonnen lag. Im Juli 1928 mußte Albrecht Peters Konkurs anmelden. Er verließ Neukalen und tauschte seine Mühle gegen einen Müllereibetrieb in Güstrow ein. Dafür übernahmen die beiden Müller Paul Küter und dessen Stiefvater Albert Jarant aus Güstrow die "Klostermühle". Sie verarbeiteten hier 1929 noch etwa 500 t Weizen und 150 t Roggen zu Mehl und 150 t Futtergetreide. Durch eine Aufstockung und den teilweisen Neubau des Gebäudes 1929/30 konnte eine Lagerfähigkeit von 50 t Getreide in der Mühle, 150 t im Silo und 30 t Fertigprodukte erreicht werden. Trotz dieser Bemühungen war mit der Mühle kein Gewinn zu erzielen.

 

   1930 ruhte der Betrieb wegen Zwangsversteigerung.

 

   Der Ingenieur Paul Kerstenhann - er wohnte in der Klosterstraße 35 - erwarb 1931 das Mühlengebäude. Mit einem Kredit von 100 000 Reichsmark, den er von der Neukalener Sparkasse erhielt, rüstete er die Mühle mit modernen Maschinen der Firma Gebr. Jehmlich in Nossen i.S. aus. Die Mühle erhielt einen Verbrennungsmotor von 45 - 50 PS, einen einfachen und drei doppelte Walzenstühle. Es sollte eine Tagesleistung von 8 - 10 Tonnen erreicht werden.

 

Annonce aus dem

 

Annonce aus dem "Neukalener Tageblatt"
vom 22. Dezember 1929

 

   Nach dem Gesetz über die Zusammenlegung der Roggen- und Weizenmühlen in Deutschland mußte jede Mühle ein Jahresgrundkontingent erhalten. Dieses Jahresgrundkontingent wurde nach der erzielten Durchschnittsvermahlung in den Jahren 1924 bis 1930 errechnet. Nach erfolgtem Umbau und Ausstattung mit den modernsten Müllereimaschinen war eine Tagesleistung von 8 Tonnen durchaus vorhanden. Die Klostermühle erhielt aber nur ein Kontingent auf der Grundlage der in den Jahren 1924 bis 1930 erzielten Tagesleistung von 2 Tonnen. Bei dieser Sachlage bedeutete das zugeteilte geringe Grundkontingent natürlich, daß keine Lebensfähigkeit für die Mühle vorhanden war. Außerdem war das Untergebäude für eine hohe Mahlleistung wohl zu schwach ausgelegt.

 

   In den Jahren 1931 und 1932 wurden nur jeweils etwa 150 t Futterschrot hergestellt. Die Walzenstühle wurden nicht in Betrieb genommen. Kerstenhann, der nicht mehr recht an das Gelingen seines Vorhabens glaubte, wollte die Mühle verkaufen. Er erhoffte sich vom Verkauf noch einen kleinen Gewinn, da er selber kein Geld in den Bau gesteckt hatte. Jedoch niemand nahm die Mühle. So mußte er 1932 seine Fehlkalkulation einsehen und Konkurs anmelden, da er den noch ausstehenden Geldbetrag von etwa 25 000,- RM nicht bezahlen konnte. Die Firma Gebr. Jehmlich hatte sich das Eigentumsrecht an den Maschinen bis zur Abzahlung vorbehalten. Vom Januar 1933 bis März 1934 wurde deshalb ein Prozeß geführt, der mit einem Vergleich endete, so daß es dann zur Zwangsversteigerung kam. Kerstenhann verließ Neukalen und zog nach Hamburg.

 

   Im Zwangsversteigerungstermin am 23.3.1934 erhielt die Stadt den Zuschlag für das Mühlengrundstück (Grundbuch Neukalen, Blatt 1835 Nr. 1883) für 35 000,- RM. Die Maschinen wurden ausgebaut und 1935 an verschiedene Abnehmer verkauft. Den Rohölmotor kaufte der Müller Paul Harder 1936 zum Preis von 500,- RM.

 

   Die Stadt verkaufte das Grundkontingent, bestehend aus 312 t Roggen und 90 t Weizen pro Jahr für 10 000,- RM an die Firma F. Helm, Stadtmühle Gnoien, G.m.b.H.

 

   Zum Mühlengrundstück gehörten noch ein Wohnhaus, zwei Ställe und eine Waschküche. Dieses wurde 1935 an den Landwirt Karl Klasen verkauft.

 

   Die Räumlichkeiten der "Klostermühle" vermietete die Stadt für verschiedene Zwecke. So lagerte der Kornhändler Hartwig Fischer im Januar 1935 hier Getreide, und der Bauer Gustav Krüger nutzte die Garage und den Stellplatz. 1936 wurde die "Klostermühle" als Speicher für Leinsaateinlagerung durch die Meckl. Flachsröste - Gesellschaft m.b.H. genutzt. Den unteren Lagerraum mietete ab 1.4.1939 die Firma Fischer & Co für eine monatliche Miete von 15,- RM. Am 26.7.1943 kaufte der Kaufmann Hartwig Fischer die "Klostermühle" für 8600,- RM.

 

   Nach 1945 diente das Gebäude der BHG als Annahmestelle für Getreide und der LPG, welche es schließlich für 8000 Mark erworben hatte, als Getreidelager.

 

   2003 wurde dieses Gebäude, welches sich nicht gut in das Stadtbild einfügte, keineswegs alt oder kulturhistorisch wertvoll war und eine recht unrühmliche Vergangenheit aufwies, abgerissen. An dieser Stelle ist ein größeres Garagengebäude errichtet worden.