Die Insolvenz des Landes- Kulturbundes hat jetzt Auswirkungen bis hinein in die kleine Peenestadt. Die Heimatfreunde erfuhren hier erst durch einen Zufall, dass ihr Verein gleich mal mit abgewickelt wurde.
„Eigentlich gibt es uns ja schon gar nicht mehr“, ist Wolfgang Schimmel ziemlich verärgert. Einfach hängen gelassen habe man den Neukalener Heimatverein, den Schimmel seit vielen Jahren führt. 23 Jahre nach seiner Gründung steht der Verein wohl nur noch auf dem Papier. Kein Versicherungsschutz mehr, kein Eintrag im Vereinsregister, Wegfall der Gemeinnützigkeit, ja sogar der Steuervergünstigungen, zählt Schimmel auf. Was ist da bloß passiert? Der Neukalener Heimatverein war im Jahr 1991 unter dem Dachverband des Kulturbundes Mecklenburg- Vorpommern gegründet worden. Diesen Landesverband gibt es nun aber nicht mehr. Er hatte im vergangenen Jahr nach einer Nachforderung des Landesrechnungshofes Insolvenz anmelden müssen. „Bis heute haben wir keine konkrete schriftliche Mitteilung vom Verband bzw. der Landesregierung bekommen, welche Auswirkungen diese Auflösung auf unseren Verein hat“, berichtet Schimmel. Eine Nachricht erhielten die Heimatfreunde dann allerdings doch - von der Raiffeisenbank, die dem Verein eine Spende überweisen wollte. So wie in jedem Jahr wollte sich die Bank dafür eine Spendenbescheinigung vom Landesverband des Kulturbundes in Schwerin ausstellen lassen. Und dabei stellte sich heraus, dass der Verband im Vereinsregister gar nicht mehr vorkommt. Auch Wolfgang Schimmel fragte inzwischen beim Schweriner Amtsgericht noch einmal nach. Das Ergebnis: Es ist kein Eintrag mehr vorhanden. „Man hat offenbar gar nicht bedacht, welche Folgen diese Auflösung hat“, meint der Vereins-Chef und vermutet, dass noch weitaus mehr Vereine betroffen sein könnten, die kurz nach der Wende aus den Kulturbund- Vereinigungen hervorgegangen sind. Das war damals durchaus üblich. Lange hadern will der Neukalener mit den Vorfällen jetzt allerdings nicht. Wolfgang Schimmel hat inzwischen alle 112 Mitglieder des Heimatvereins angeschrieben und gefragt, ob sie denn an einem neu zu gründenden Heimatverein Interesse hätten. „Denn nur so kann es weitergehen. Wir gründen uns neu und lassen uns im Vereinsregister registrieren.“ Die ersten Zustimmungen liegen ihm bereits vor. „Ich rechne damit, dass sich 80 Prozent positiv entscheiden werden.“ Immerhin spielen die Heimatfreunde im Vereinsleben der Kleinstadt eine ziemlich große Rolle. Im Rathaus betreiben sie eine Heimatstube, jeden Monat lädt der Verein zu mindestens einer Veranstaltung ein und in seinen Jahresheften arbeitet Wolfgang Schimmel seit vielen Jahren interessante Details der Neukalener Geschichte auf.
Quelle: Nordkurier