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Friedrich-Franzens-Höhe

Gedenkstein auf der Friedrich-Franzens-Höhe

 

Die Friedrich - Franzens - Höhe

und die Marienhöhe

 

(Wolfgang Schimmel)

 

Gedenkstein Zeichnung

   Ein Spaziergang zur Friedrich Franzens - Höhe und zur Marienhöhe im Wald vor Salem dürfte wohl zu jeder Jahreszeit lohnenswert sein. Dem Wanderfreund, der den weiten und bergan führenden Fußweg durch die erholsame Landschaft nicht scheut, bietet sich von hier ein herrlicher Ausblick auf die Stadt Neukalen und die reizvolle Umgebung. So mancher mag sich schon gefragt haben, wie diese Höhen der Mecklenburgischen Schweiz zu ihren Namen gekommen sind. Im folgenden die Erklärung dafür:
   Seit Jahrhunderten ist der Wald in dieser Gegend städtisches Eigentum gewesen. Er wurde in althergebrachter Weise für die Gewinnung von Bau- und Brennholz sowie die Schweinemast genutzt. Mitte des 18. Jahrhunderts und besonders nach dem 7jährigen Krieg wurde auch in Neukalen das Bau- und Brennholz immer knapper. Für Heizzwecke mußte Torf in den Wiesen gestochen werden. Holz für die notwendigen Bauten war teuer und die Stadtkasse meistens leer. So sah sich der Magistrat nach Möglichkeiten zur Verbesserung der Stadtwirtschaft um. Der Oberförster Garthe zu Remplin bekam 1833 den Auftrag, die städtische Forst in Augenschein zu nehmen und Vorschläge zur besseren Bewirtschaftung zu machen. Seine Empfehlungen liefen darauf hinaus, die überholte Plänterwirtschaft abzuschaffen und den schlagmäßigen Forstbetrieb einzuführen. Die uneffektive Plänterwirtschaft beschrieb er so: "Man haut entweder die im Walde befindlichen stärksten Stämme oder sonst auch schwächere nach Willkühr und Erforderniß zerstreut herum heraus und läßt die unter dem Drucke der starken Bäume kümmerlich herangewachsenen oder bereits verkrüppelten Stangen oder Stämme in der Meinung stehen, daß aus diesen beim längern Überhalten ebenfalls noch starke Bäume erwachsen würden. Daß dieses aber nicht der Fall seyn kann ist klar, da dem Gange der Natur gemäß alle lebende Wesen, die einmal in der Jugend bereits verkrüppelt sind nie zu etwas Vollkommenen gedeihn können und wenn sie auch in die günstigsten Verhältnisse gesetzt werden."
   In seiner sehr ausführlichen Darstellung beschreibt nun der Oberförster Garthe die Vorteile der schlagmäßigen Forstwirtschaft, wie sie auch heute noch gebräuchlich ist. Die Stadtväter ließen sich überzeugen. Sie schafften zuerst die Waldmast der Schweine ab. In den folgenden Jahren wurde ein gründlicher Kahlschlag betrieben und ganze Schläge einheitlich, je nach Bodenbeschaffenheit vorrangig mit Buchen, aber auch Eichen, Birken und Kiefern bepflanzt. Dieser nie zuvor getätigte Kahlschlag ließ erstmals den wunderschönen Ausblick von den Höhen auf das im Wiesental liegende Städtchen und den Kummerower See zu.
   Als am 13. September 1844 der Großherzog von Mecklenburg, Friedrich Franz II. auf seiner Reise nach Dargun in Neukalen von den Einwohnern herzlich begrüßt wurde, lud ihn Bürgermeister Görbitz zu einer Spazierfahrt in den städtischen Wald ein, um ihm die junge Hölzung und herrliche Landschaft zu zeigen. Der Großherzog verweilte längere Zeit mit großer Begeisterung auf einer Anhöhe mit der schönsten Aussicht, welcher man ihm zu Ehren den Namen "Friedrich - Franzens - Höhe" gab.
   Einige Jahre später, es war der 5. September 1871, erwartete man erneut die Durchreise des Großherzogs in Begleitung der Frau Großherzogin auf dem Wege von Malchin nach Dargun. Ein Bericht im "Öffentlichen Anzeiger" gibt uns recht anschaulich Einblick in die damaligen Ereignisse:
    "Um 8 1/2 Uhr war alles zur Begrüßung der Allerhöchsten Herrschaften bereit: die Häuser waren mit Kränzen und Girlanden reich geschmückt, die Flaggen in deutschen, mecklenburgischen und rudolstädter Farben wehten, und an der beim Eingange der Stadt geschmackvoll errichteten Ehrenpforte warteten der Bürgermeister mit dem Stadtsekretär, den Senatoren und dem Bürgerausschuß, der Postsekretär, die Geistlichen, der Rektor ec. Die Allerhöchsten Herrschaften trafen später ein, als man erwartet hatte. Die Verzögerung war herbeigeführt worden durch einen Abstecher nach der nahe gelegenen Friedrich - Franzenshöhe. Dort gab I. K. H. der Frau Großherzog die Erlaubnis, den neben der genannten Höhe gelegenen Hügel Marienhöhe zu nennen. Nach zweistündigem Warten verkündigte hier das Hurrarufen der entgegengeeilten Jugend das Herannahen Ihrer Königlichen Hoheiten. Herr Bürgermeister Mau hielt eine kurze Ansprache, in welcher er besonders hervorhob, wie Neukalen sich freue, Se. Kgl. Hoheit auf der Durchreise begrüßen zu dürfen nach dem glorreichen Feldzuge von 1870-71, dessen außerordentlichen Erfolg auch mecklenburgische Tapferkeit unter persönlicher Anführung Sr. K. H. des Großherzogs habe mit herbeiführen helfen. Nachdem darauf die anwesenden Herren vorgestellt waren und Se. K. H. der Großherzog die einzelnen freundlich angeredet hatte, fuhren die Allerhöchsten Herrschaften unter den Hochrufen der versammelten Menge im Schritt durch die mit Flaggen und Kränzen reich geschmückte Stadt und setzten die Reise nach Dargun fort. Um 4 Uhr Nachmittags kehrten I. K. H. von Dargun über hier nach Malchin zurück."
   In Erinnerung an diese Ereignisse wurden auf den Anhöhen runde Gedenksteine mit Inschriften aufgestellt:


   Auf der ersten Anhöhe hat der Gedenkstein folgende Inschrift:

          FRIEDRICH-FRANZENS-HÖHE
            DEN 13. SEPTEMBER 1844

 

   Auf der zweiten Anhöhe, etwa hundert Meter weiter östlich, steht ein gleicher Gedenkstein mit folgender Inschrift:

                 MARIENHÖHE
          DEN 5. SEPTEMBER 1871

 

   1882 ließ die Stadt auf dem Plateau der beiden Höhen Tische und Bänke errichten. Gastwirte boten Kuchen, Kaffee und andere Getränke an, und so wurde dieser Ort bald ein beliebtes Ausflugziel. An manchem Sonntagnachmittag herrschte hier bei schönem Wetter ein lebhaftes Treiben in der freien Natur.
   Gegenwärtig ist der Ausblick auf Neukalen und die Umgebung durch die höher gewachsenen Bäume etwas eingeschränkt. Trotzdem ist ein erholsamer Spaziergang zu diesen Anhöhen im Wald sehr empfehlenswert.

 

Zeichnung auf einer Postkarte um 1900

Zeichnung auf einer Postkarte um 1900

 

 

Ansichtskarte Friedrich-Franzens-Höhe von 1909 oder früher

 

Ansichtskarte von der "Friedrich-Franzens-Höhe" von 1909 oder früher

 

 

Ansichtskarte Friedrich-Franzens-Höhe um 1925

 

Ansichtskarte von der "Friedrich-Franzens-Höhe" um 1925

 

 

 

Ausblick von der Friedrich-Franzens-Höhe auf Neukalen

 

Ausblick von der "Friedrich-Franzens-Höhe" auf Neukalen

 

Annonce von 1902   Annonce von 1903

 

       Annonce von 1902                   Annonce von 1903

 

Ausschnitt aus einer Ansichtskarte

 

Ausschnitt aus einer Ansichtskarte
"Gruss aus der Mecklenburger Schweiz" um 1900

 

 

Stein Friedrich-Franzens-Höhe   Stein  Marienhöhe

 

      FRIEDRICH-FRANZENS-HÖHE                   MARIENHÖHE

        DEN 13. SEPTEMBER 1844              DEN 5. SEPTEMBER 1871