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Das Dorf Schorrentin (1)

 

Wolfgang Schimmel

 

 

   Am 16. Juni 2005 konnte das Dorf Schorrentin den 700. Jahrestag seiner Ersterwähnung feiern. Deshalb soll in diesem und dem folgenden Jahresheft einiges über die Geschichte unseres Neukalener Ortsteiles berichtet werden.

   Gleich aus welcher Richtung man sich dem Dorf Schorrentin auch nähert, es grüßt zuerst der städtisch wirkende Kirchturm aus der Ferne herüber. Die wenigen Häuser des Ortes bleiben im üppigen Grün der Bäume und Sträucher versteckt. Das wurde den Einwohnern in frü­heren Jahren oft zum Verhängnis. Herannahende feindliche Truppen vermuteten hier auf Grund des weit sichtbaren stattlichen Kirchtur­mes eine größere Stadt, hofften auf reiche Beute und ließen die ar­men Einwohner ihre Enttäuschung um so mehr spüren.

   Deshalb ist es auch verständlich, daß der Pastor Böhmer sich zu Anfang des 19. Jahrhunderts angelegentlich einer notwendigen Re­paratur bewogen fühlte, eine Verkleinerung des Turmes vorzuschlagen. Zum Glück wurde dieser Vorschlag von den Kirchenältesten nicht an­genommen, und so prägt noch heute die Kirche das Landschaftsbild. Sie erinnert an die einstige Bedeutung und Größe des Kirchspiels Schorrentin, welches schon zu einer Zeit entstanden sein muß, als an Stelle Neukalens noch das slawische Dorf Bugelmast mit seinem Hei­ligtum lag und erste christliche Zentren in Dargun, Altkalen und Jördensdorf entstanden.

   In vorgeschichtlicher Zeit hat es eine Besiedelung an mehreren Plätzen der Gegend um Schorrentin gegeben. Das belegen die vielfäl­tigen Funde aus den unterschiedlichen Epochen der Menschheitsge­schichte. Allerdings lassen sich daraus für einen so eng begrenzten Raum nur allgemeine Aussagen ableiten.

   Ein genaues Gründungsdatum des Dorfes Schorrentin ist nicht bekannt. Es kann und wird auch niemals mehr ermittelt werden. Nur soviel dürfte sicher sein, daß sich irgendwann nach der Völkerwanderung eine slawische Familie auf einem ihr günstig erscheinenden, etwas versteckt liegendem Platz an einem Bach niederließ und die erste Hütte des Dorfes baute. Auf der umseitigen Skizze ist der später im Volksmund ,,alte Hofstelle“ genannte Platz in einiger Entfernung süd­westlich vom heutigen Schorrentin eingezeichnet. Wenn man der Deu­tung des Namens Schorrentin glauben darf, so leitet sich dieser vom slawischen Personennamen Skoreta ab 1) und nennt uns damit noch heute den ersten Besitzer. Das Dorf wurde Skoretin genannt. Die Einwohner lebten genügsam, hielten Vieh, trie­ben etwas Ackerbau, und manchmal ließen sich im nahen Bach ein paar Fische fangen. In Richtung der aufgehenden Sonne könnte einige hun­dert Meter entfernt der kleine Friedhof gelegen haben.

   Eine heilige Stätte gehörte ebenfalls zum Dorf. Es war ein Lin­denhain 2), in welchem die Slawen ihren Göttern Opfergaben darbrach­ten. An besonderen Tagen aber machte man sich auf den Weg nach Bu­gelmast zum Hauptheiligtum dieser Gegend. Hier trafen sich die Be­wohner der umliegenden Dörfer zu Kulthandlungen, Gerichtsversammlun­gen, Festlichkeiten oder auch nur um Waren einzutauschen.

 

Karte Mitte 13. Jahrhundert

 

   Diese Skizze soll die ungefähren Verhältnisse um das slawischen Anwesen Schorrentin in der Mitte des 13. Jahrhunderts aufzeigen. Eingezeichnet sind die damaligen Siedlungen mit den wichtigen Verbindungswegen. Der Ort, auf welchem später das deutsche Dorf Schorrentin errichtet wurde, ist mit einem X gekennzeichnet. Auf einer kleinen Anhöhe, umgeben von Bauernhöfen, fand die Kirche mit Kirchhof ihren Platz.

   An der Stelle das slawischen Ortes Bugelmast liegt heute die Stadt Neukalen.

 

 

 

   Mit dem Beginn der deutschen Einwanderung, der Christianisierung und Unterwerfung der Slawen war es auch mit der Ruhe im Dorf Schor­rentin vorbei. Spätestens in der Mitte des 13. Jahrhunderts dürften die ersten deutschen Siedler hier eingetroffen sein. Wenn es nun in der Regel so war, daß sich die deutschen Bauern und Handwerker im slawischen Dorf ansiedelten, hier neue Häuser bauten oder erst ein­mal die zum Teil wohl verlassenen Hütten in Besitz nahmen, so hat Schorrentin in dieser Hinsicht eine Besonderheit aufzuweisen. Wie den Urkunden zu entnehmen ist, gab es in früherer Zeit ein deutsches und ein slawisches Dorf Schorrentin. Welchen Grund sie auch immer gehabt haben mögen, den deutschen Einwanderern erschien der Platz des slawischen Ortes nicht paßlich für einen Neubeginn. Hierfür könnten zwei Motive maßgebend sein:

   Wahrscheinlich war das slawische Dorf Schorrentin zu dieser Zeit noch gut bewohnt und der Widerstand gegen die deutschen Einwanderer groß. Zum an­deren ließ sich hier in der Niederung nur schwerlich ein würdiges Gotteshaus erbauen, welches für zahlreiche Ortschaften der Umgebung gut sichtbar zum Mittelpunkt werden sollte. So errichteten die deutschen Bauern in einiger Entfernung ein neues Dorf mit einer Kirche und nannten es ebenfalls Schorrentin.

   Vermutlich dürfte die Gründung des deutschen Dorfes Schorrentin und der Bau einer einfachen Kirche in die Zeit zwischen 1230 und 1260 fallen. Daß bald darauf die Kirche in massiver Ziegelbauweise mit einem ansehnlichen Turm aufgeführt wurde, ist nur zu verständlich. Die Kirchenglocken mußten weit vernehmbar sein, denn zum Kirchspiel Schorrentin gehörten viele Dörfer: Groß und Klein Markow, Kämmerich, Lelkendorf, Ludwigsdorf, Sarmstorf, Schönkamp, Schwarzenhof, War­sow und das untergegangene Dorf Trebelin.

   Der slawische Ort Schorrentin hat noch mindestens bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts selbständig bestanden, wie aus den alten Urkunden hervorgeht. Länger als an anderen Orten hat sich hier eine slawische Restbevölkerung gehalten. Bis 1667 ist in den Urkunden noch von einer wendischen (slawischen) und deutschen Feldmark die Rede, wobei schwerlich zu entscheiden ist, ob zu dieser Zeit die Benennung von den restlichen Einwohnern oder aus der volks­tümlichen Überlieferung herrührt. Soviel ist aber gewiß, daß die Herren von Levetzow den Besitz in Slawisch - Schorrentin ab dem 14. Jahrhundert nach und nach an sich rissen, sei es mit Gewalt oder un­ter Ausnutzung ihrer Vormachtstellung. Manche Bauernstelle mag durch Krieg, Krankheit oder anderes Unglück auf natürliche Weise verlassen worden sein, bei anderen half man auch etwas nach. Heute ist als Erinne­rung an das slawische Dorf Schorrentin nur der Flurname "Alte Hofstelle" übriggeblieben.

   Mit der Organisation der Landeinnahme durch deutsche Bauern und Handwerker waren niedere Adlige beauftragt. Sie erhielten für ihre Dienste Grundbesitz und andere Gerechtsame. Zur Sicherung ihres Be­sitzes und zum Schutz ließen sie Turmhügel bauen.

   Unmittelbar in der Nähe des untergegangenen Dorfes Slawisch Schorrentin findet sich in der Wiesenniederung heute noch ein auffälliger Turmhügel. Er wird in dem Buch "Die niederadligen Befestigungen des 13. bis 16. Jahrhunderts im Bezirk Neubrandenburg" von Uwe Schwarz (Berlin 1987) be­schrieben, wobei aber anzumerken ist, daß hier die Lage fälschlicherweise als südlich vom Ort angegeben ist 3).

 

Der Turmhügel in der Wiese westlich von Schorrentin

 

Der Turmhügel in der Wiese westlich von Schorrentin an der Gemarkungsgrenze zu Lelkendorf, im Volksmund "Schloßberg" genannt.

 

 

   In einem Beitrag aus dem "Öffentlichen Anzeiger für die Ämter Dargun, Gnoien, Neukalen" wird die frühere doppelte Form des Burghügels beschrieben. Diese Besonderheit läßt uns vermuten, daß der Turmhügel eine Vorburg hatte. Sie lag vielleicht etwas niedriger und wurde deshalb abgetragen. Erbauer und erster Bewohner des Turmhügels könnte der Ritter Peter gewesen sein. Er wird gemeinsam mit dem Ritter Ruchill in einer bei der Kirchenvi­sitation 1585 "in der Gottesleute Kiste" gefundenen Urkunde als Gründer der Schorrentiner Kirche genannt. Wahrscheinlich war Peter ein deutscher und Ruchill ein slawischer Edelmann. Das mag so manche Vermutung aufkommen lassen, aber leider bleiben uns die konkreten Zusammenhänge verborgen.

   Möglicherweise haben auch die im 14. Jahrhundert genannten Ritter von Kaland und Latekop noch auf diesem Turmhügel gewohnt.

   Im deutschen Dorf, welches auch manchmal als Großen Schorrentin oder Deutsch – Schorrentin bezeichnet wurde, waren Bauern ansässig, die Abgaben an den Lan­desherrn zahlen mußten. Hier gab es auch eine Töpferei, deren ehemaliger Standort südlich des Großen Pumplo­ches auf Grund von Bodenfunden nachgewiesen werden konnte, eine Schmiede mit Ausschank und eine Windmühle (bereits 1585 erwähnt). Vor der Reformation ha­ben neben der Pfarrkirche noch mindestens drei Vikareien bestanden. Wie die dazu gehörenden Gebäude aussahen, ist unbekannt.

 

   Der Name Schorrentin findet sich erstmalig in Urkunden aus dem Jahre 1216, allerdings nicht als Orts- sondern als Personenname: Ratislav von Schorrentin unterschrieb damals als Zeuge. Er lebte wohl beim Herzog von Pommern in Demmin und war der Sohn des Scarbi­mar. Da zu dieser Zeit der Zuname "von Schorrentin" durchaus auf die Herkunft, bzw. den früheren Wohnsitz hinweisen kann, liegt die Ver­mutung nahe, daß er aus dem slawischen Ort Schorrentin stammte. Der Name Ratislav ist eindeutig slawisch. Sein Vater Scarbimar könnte der Besitzer des alten Schorrentin und der Umgebung gewesen sein.

   Über den Ort Schorrentin spricht erstmals eine in Hohen Mistorf ausgefertigte lateinische Urkunde vom 16. Juni 1305. In diesem Schriftstück wird auch die Kirche zum ersten Mal ur­kundlich erwähnt. Damals amtierte hier der Pfarrer Bordekin. Schlakendorf gehörte bis 1305 zum Kirchspiel Schorrentin. Als der Ritter Dietrich Moltke hier eine Kirche erbauen ließ, wurde sie vom Bischof in Camin eingeweiht, mit einem Pfarrgut versehen und von der bisherigen Mutterkirche zu Schorrentin getrennt. Daraus ist ersichtlich, daß die erste Kirche in Schorrentin bereits vor 1305 errichtet wurde, und daß die Jahres­zahl 1390 an der Mauer des Langhauses nur auf einen Neubau oder eine Erweiterung Bezug haben kann.

   Bei der Kirchenvisitation im Jahre 1585 fertigte der Notar D. Clandrian eine Abschrift einer alten Urkunde an aus dem "olden Registers, welcker ledende iß vp de kerke tho Scharentin, geschreuen van Ern Nicolaus Weideman darsuluest ouer 30 Jaren vorgangen Kerckherr gewesen". Pastor Nicolaus Weidemann, welcher um 1500 über 30 Jahre in Schorrentin "Kirchenherr" gewesen war, hatte sie "in der gadeslude kiste" gefunden. Das Original aus dem 14. Jahrh. ist nicht mehr vorhanden. Interessant ist auf jeden Fall folgender Auszug:

   "Item so ist de wedeme be­griftiget tho der kerken van den eddelen mannen, de de kerke buwen laten hebben vnd bestediget in de ehre der hilligen merte­ler Mauritii vnnd Dionisii vnnd ere sellscop, van den eddelen vnd strengen riddern herr Peter vnd her Ruchell, fundatores der ker­cken Scharentin, vmme ere seel vnnd seligkeit willen den kerck­heren, de do wasz, geuen hebben vnd alle sine nahkömelingen tho ewigen tiden III houe ackers mit wisken, mit bröken, mit sölen, in allen sinen scheden, mit heller, mit aller siner thobehoringen dör dat gantze velt dör van der eine schede beth vpp de ander, mit alleme manrechte sidest vnd hogeste, sunder iennigerley - geistlikes edder weltlikes inseggent."

   Der Pfarrhof zur Kirche ist demnach von den Edelmännern, die die Kirche bauen und in der Ehre der heiligen Märtyrer Mauritius und Dionysius und ihrer Gesellschaft bestätigen ließen, den edlen und strengen Rittern Herr Peter und Herr Ruchell, Gründer der Kirche Schorrentin um ihrer Seele und Seligkeit willen dem Kirchenherrn, der da war, und allen seinen Nachkommen gegeben worden auf ewige Zeiten mit 3 Hufen Acker, mit Wiesen, mit Brüchen, mit Söllen, in allen seinen Grenzen, mit Abhängen, mit allem zugehörenden durch das ganze Feld, von der einen Grenze bis zur anderen, mit allem niederen und hohen Gericht ohne jeglichem geistlichen oder weltlichen Einspruch.

   Einer Urkunde aus dem Jahre 1314, die über die Tei­lung des Landes Kalen und des Ländchen Hart zwischen Heinrich, Fürst von Mecklenburg, und Nicolaus, Fürst von Werle, berichtet, können wir entnehmen, daß das deutsche Dorf Schorrentin 26 Bauernstellen hatte, wovon 14 Abgaben an den Landesherrn zahlen mußten. Die anderen Hufen gehörten dem Kloster Dargun oder waren frei. Aus dem slawischen Dorf Schorrentin zahlten alle 20 Bauern Abgaben an den Landesherrn. Zu­sätzlich mußte ein Streitroß für den Ritter gehalten werden.

Mit Besitz und Rechten traten in Schorrentin nebst dem Kloster Dargun, das dort bis zum Jahre 1318 ein Eigentum von vier und einer halben Hufe innehatte, die es schon bei Gelegenheit der ersten deut­schen Ansiedlung erworben haben mag, die Familie von Kaland, Latekop und Behr auf. Wie aus einer Urkunde vom 11.6.1318 ersichtlich ist, vertauschte der Ritter Berthold von Kaland an das Kloster Dargun 3 Hufen in Finkenthal und 2 Hufen in Damm gegen 4 ½ Hufen in Deutsch - Schorrentin. Am 22.11.1357 verpfänden Johann Latekop und sein Sohn Dietrich, Knappen zu Schorrentin, dem Kloster Dargun für eine Anlei­he von 60 Mark 6 Mark jährlicher Hebungen aus Slawisch - Schorrentin ("in villa dicta Wendesche Scorenthin").

   Um 1360 hatte noch die adelige Familie von Behr Eigentumsrechte in Schorrentin. Die Levetzow'sche Familie, welche später, von der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts an, die Herrschaft gewinnt, wird am 31. October 1366 zum ersten Mal als ansässig aufgeführt (Ghunter Lewytzowe to Scorentin) und behält nun das Gut bis über die Mitte des 18. Jahrhunderts hinaus.

   Die adelige Familie von Levetzow, welche ein Gatter im Schilde führte, erscheint zuerst im Lande Mecklenburg bei Wismar bis Gade­busch und Neukloster hin. Der Stammvater scheint "Heinrich Leuzowe" gewesen zu sein, welcher im Jahre 1219 auftritt. In der ersten Hälf­te des 14. Jahrhunderts finden sich die von Levetzow viel in der Ge­gend von Rostock. Um 1326 wird in einer Urkunde der Rit­ter Gunther von Lewetzow erstmals in unserer Gegend als Zeuge an­gegeben. Der Inhalt dieser Urkunde betrifft Neukalen. Es läßt sich jedoch keine Aussage treffen, in welcher Eigenschaft dieser Gunther von Lewetzow unterschrieben hat. Als nächstes erscheint der Name Arnold Levetzow häufig in Urkun­den jener Zeit. Er war - etwa von 1333 bis 1360 - im Auftrag des Herzogs Burgvogt im Lande Kalen. In einer Urkunde vom 27.11.1360 heißt es, daß sich Arnold Levetzow zur Zeit in Markow aufhält, und sein Sohn Heinrich wird als Burgvogt in Neu Kalant be­zeichnet. Daraus können wir entnehmen, daß sich der alte Arnold wohl auf sein eigentümlich erworbenes Gut Markow zurückgezogen hat. Am 24.6.1363 wird er noch einmal genannt, diesmal als Besit­zer im Dorf Gorschendorf. Seinem Sohn Heinrich gehört zu dieser Zeit Remlin. Arnold Levetzow hatte vier Söhne: Heinrich - Burgvogt in Neukalen, Gunter, der am 31.10.1366 zum erstenmal als ansässig in Schorrentin aufgeführt wird, Jacob und Klaus.

   Am 14.4.1371 werden die Herren Gunter und Heinrich von Levetzow gemeinsam als Vögte in Neukalen genannt.

   Unter Ausnutzung ihrer Vormachtstellung als Burgvögte und Knappen im Lande Kalen erwarb die Familie von Levetzow seit der Mitte des 14. Jahrhunderts mehrere Dörfer und Güter in ihrem Einflußgebiet. Unter anderen waren folgende Dörfer, wenigstens teil- und zeitwei­se, ihr Eigentum: Gehmkendorf, Glasow, Gorschendorf, Hohen Mistorf, Karnitz, Kämmerich, Klentz, Kleverhof, Lelkendorf, Ludwigsdorf (da­mals Klein Mistorf genannt), Gr. und Kl. Markow, Remlin, Sarmstorf, Schorrentin und die Mühle in Rey. Bis auf das Klosterdorf Warsow, das untergegangene Dorf Trebelin und das damals noch nicht exi­stierende Schönkamp, gehörten alle Ortschaften des Kirchspiels Schorrentin den Levetzow's. Wie wir aus einer Urkunde vom 1.2.1382 erfahren, verpfändete Lorenz, Fürst von Werle, die Stadt und das Land Neukalen an den Marschall Heinrich Levetzow und dessen Brüder Günther und Jakob. Aus dieser Zeit der Verpfändung dürfte wohl auch der größte Grunder­werb der Levetzow in unserer Gegend herrühren. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts zogen sich die Mitglieder der Adelsfamilie von Levetzow auf ihre Güter zu­rück und hatten scheinbar keine öffentlichen Ämter mehr inne.

 

Inschrift Kirche Schorrentin

 

   An der Südwand des Kirchenschiffes findet sich diese Inschrift:

 

Anno domini MCCCXC Edificata


   Sie sagt aus, daß man das Kirchenschiff im Jahre 1390 erbaut hat. Der damalige Herr von Levetzow könnte also einen großen Anteil daran gehabt haben, daß die erste Kirche, die etwa zwischen 1230 und 1260 errichtet sein wird und von welcher noch das Altarhaus steht, erwei­tert wurde. Das Patronat über die Schorrentiner Kirche aber hat die Familie von Levetzow, nach dem Kirchenvisitationsprotokoll von 1585 zu schließen, niemals innegehabt. Die Kirche unterstand dem Lan­desherrn.

 

   An dieser Stelle soll eine kleine Abhandlung aus dem Jahrbuch des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde, Jahrgang 12 (1847), Seite 468 - 487, wiedergegeben werden:

   "Die Kirche zu Schorrentin bei Neu-Kalen besteht aus zwei Theilen aus verschiedenen Bauperioden.

   Der Chor ist im Übergangsstyle gebauet, mit grader Altarwand, mit 3 von Wulsten eingefaßten Fenstern in derselben und mit 2 Fenstern an jeder Seite. In dem Giebel über der Altarwand stehen alle Steine im Zickzack, wie öfter in den Giebeln aus der Zeit des Rundbogen­styls. In der Spitze des Giebels steht eine große, flache Rosette in einem äußern Kreise, welcher aus der schmalen Seite der Mauersteine gebildet ist; die Rosette ist gebildet in der Mitte aus einem Knop­fe, welcher von 4 Dreiviertelkreisen gebildet ist, um welchen auf einem Kreise 8 nach innen geöffnete Dreiviertelkreise stehen.

   Das Schiff ist im Spitzbogenstyle jüngerer Zeit aufgeführt und hat 2 Gewölbe Länge; die Gewölbe fehlen jedoch jetzt. An der Südwand ist folgende in Ziegelsteine eingegrabene Inschrift eingemauert, eine in Mecklenburg seltene Erscheinung:

 

Ann / o: dm / MCCC /XC.E / difi /cata

 

   Das Schiff ist also im Jahre 1390 erbauet, zur Zeit, als Schor­rentin schon ein Familiengut der von Lewetzow war.

   G.C.F.       Lisch“

 

Greif Kirche Schorrentin

 

Dieser Greif, als Symbol göttlicher Macht, ist in einem Mauerstein rechts unten am Kirchturmeingang eingebrannt und soll wohl bedeuten, daß der Teufel hier keinen Zutritt hat.

 

 

 

   1441 stiftete der Priester Peter Damerow eine Vicarei, die – wie es in einer Urkunde heißt – bestätigt ist an der Pfarrkirche zu Schorrentin zu Sanct Katerinen Altar, der heiligen Jungfrau. Was es mit dieser Vicarei genau auf sich hatte, ist schwer zu sagen. Aus dem Visitationsprotokoll von 1585 geht aber hervor, daß es ein besonderes Gebäude für den Vicar gegeben haben muß.

   Aus dem Jahre 1528 ist eine Aufstellung der eingeforderten Bede [Abgabe an den Landesherrn] im Lande Kalen erhalten geblieben.

   Es mußten Abgaben "von VI Huuen [Hufen] der hernlude" und "1 Kathen" ge­zahlt werden. Das bedeutet, daß 6 Bauern und 1 Katenmann dem fürst­lichen Amt unterstanden. Dagegen gehörten zum Hof des "Hinrich Leue­sowen" sechs Hufen (wahrscheinlich ehemalige Bauernstellen) und vier Katen. Außerdem ist der Aufstellung zu entnehmen, daß eine weitere Hufe Hinrich Levetzow's Mann besäet, 2 wüste Hufen von Hinrich Le­vetzow besäet werden, 5 Katen im Dorf wüst liegen und 4 Hufen die Kirche besitzt.

   Aus dem Kirchenvisitationsprotokoll von 1534 erfahren wir folgendes:

   Herr Johann Möller wurde vom Herzog Albrecht im Jahre 1526 als Priester an der Kirche zu Schorrentin eingesetzt. Diesen Kirchherrn hatte Heinrich Levetzow zu Schorrentin von der Kirchenwedeme [Pfarrstelle] verjagt und einen zugelaufenen Mönch mit einem Weib nach seinem Wohlgefallen für ihn eingesetzt, so als wäre die Kirche sein Eigentum.

   Von den einzunehmenden Pachtgeldern konnte er (Johann Möller?) ihm keinen Bescheid geben. Der Kirchherr Johann Möller wohnte nun bei der Kirche in Levin nahe Dargun. Drei Drömt Meßkorn sollen (an Abgaben) zur Kirche gehören. Darin sind von Heinrich Levetzow 8 Scheffel von seinem Hof und Christoffer Levetzow zu Lelkendorf 4 Scheffel aus seinem Hof enthalten.

 

   Bederegister, in denen Schorrentin erwähnt ist, liegen im Landesarchiv Schwerin noch aus folgenden Jahren vor:

   1569 wurden "Vonn der Eddelleutt vnderthanen" in Schorrentin 4 Gulden eingefordert.

   1571 wurde zweimal die Bede eingefordert, die Formulierung zu Schorrentin ist fast identisch:

   "Vonn Schorrentin

4Gulden Gebenn die Paurenn sambtlich, Waß die Huefenn belangend, will Leuezow nicht schriebenn laßenn"

   "Vonn Schorrentin

Der Eddelleute Paur daselbst

4Gulden gebenn die Pauren sambtlichenn, Lewezow will die Huefenn nicht geschriebenn lassen".

   Es sind also nur die Bauern des Herrn Levetzow gemeint. In diesen kurzen Nachrichten wird deutlich, daß sich von Levetzow weigert, ge­naue Angaben zu machen. Wahrscheinlich hat er sich zu dieser Zeit schon mehrere Bauernstellen des früheren slawischen Dorfes Schorren­tin unrechtmäßig angeeignet und führt sich schon recht selbstherr­lich auf.

 

   Im Bederegister von 1585 ist Schorrentin zweimal angegeben. Es hat also noch Einwohner im früheren slawischen Dorf gegeben:

 

   "Scharentin
2 R 16 ß   Claus Helm
0 R   0 ß   Stoffer Nieman ist Arm
2 R   0 ß   Liges Lirschowe (?)

0 R   8 ß   Peter Sehman

0 R   0 ß   Drewes Strinin (?) Ist wueste
Summa 5 R 0 ß

   Scharentin

4 R   0 ß   Aus dem gantzen Dorffe Empfangen“

 

   [Die Bezeichnung R bedeutet Gulden, die Bezeichnung ß Schilling.]

   Uns werden zum erstenmal einige Namen bekannt. Es ist jedoch lei­der nicht ersichtlich, zu welchem Ort diese gehören.

 

   1585 reichten die Pastoren Adam Rasche zu Neukalen, Petrus Beck­mann zu Gorschendorf, Paulus Quast zu Schorrentin, Joachimus Grape zu Jördensdorf und Johannes Albrecht zu Hohen Mistorf ein Schreiben an den Landesherrn ein. Sie baten darin um Durchführung einer Kir­chenvisitation allgemeiner Art zur Verbesserung ihres Lebens und Ab­stellung mancherlei Beschwernisse.

   Die Akte über die durchgeführte Visitation liegt im Landesarchiv Schwerin und ist wie folgt betitelt: "Kirchenvisitation im Amte Neuenkalden als zu Gemeckendorf, Gör­zendorf und Retzow, Schorrentin, Jördenstorf und Hohen Mistorf d.d. 16.3.1585."

   Es folgt nun die wörtliche Wiedergabe des Abschnittes über Schorrentin (Ergänzungen oder Erklärungen sind eingeklammert):

 

   "Scharentin

Des Pastorn Pauli Quasts vnderhalt vnd Einkommen.

An Acker hat er 1 Hufe oder einen Kamp so in drey schlege geteilet ist.

Acker Noch an vnderschiedenen Wurden vnd stucken vngefehr bei 38 morgen. Die er selbst bawet

18 Morgen seet er mit andern leuten zum halben.

1 Wische von 4 Fuder Hews

Etliche Holtzung [Wald].

2 Gulden 6 Schilling 6 Pfennig Geldthebung.

5 Dr[ömpt] 5 Sch[effel] Rogken Mißkorn.

1 Eiserne Kuhe.

Vnd dan seine Accidentia [Einnahmen].

 

Des Custers vnderhalt

1 1/2 Morgen Ackerß

1 Kollgarteken [Kohlgärtchen]

1 Sch[effel] Rogken Mißkorn

4 Dr[ömpt] Haber

1 Schilling Geldthebung.

Vnd dan seine Accidentia.

Gottßhaus

12 Schilling vor Acker

11 Gulden 17 Schilling Zinse vor 192 Gulden 8 Schilling.

 

Scharentin

Mengel

Nachdem der Pastor vor angesatzter Visitation eine Vorzeichnuß vbergeben waß etwa von den Leuitzowen vor vilen Jaren von den Kir­chengutern entzogen Alß hat man dieselbe vor sich genommen vnd mit Arndt Leuetzowen der itziger Zeit ein Besitzer des gutes ist dauon vnterredung gehalten vnd die guter wider abzutretten begeret, Was er sich nun vff einen ieden punct erkleret, ist darbei vorzeichnet

1. Erstlich sey von seinem großuater Jacob Leuetzowen am lutken busche drey morgen Holtzes denn Pastorn entzogen.

Arndt Leuitzow hierauff geantwortet, daß ihm nichts dauon bewust sey, der Pastor habe ia den lutken Papenbusch noch. Hierauff der Pastor eingeredet Ja, Aber eß weren 3 morgen dauon abgenommen. Arndt Leuitzow beharrete bei seiner antwortt, daß ihm nichts da­uon bewust were.

2. Zum andern, So solte der Kirchher vnd daß Gotteßhauß vormuge eines briefes im Lyntholte [Lindenwald] drey Hufen Holtzes haben.

Arndt Leuitzow R. [Responsio = Antwort] Er wisse nichts darumb, were sein tage nicht darumb angesprochen worden wisse auch nicht woe das Lyntholtz li­ge.

3. Sey es ein Vicarienhoff da Simon Leue wohne gehore zur Geistli­cheit.

R. Arndt Leuitzow. Er wisse es auch nicht

4. Eine funff rute da der Dolgelinsche weg durchgehet habe dem Pa­storn gehoret.

5. Noch eine funff rute die der alte Hans Sehman zu Trebelin auß der Heide gepflüget

6. Eine Järte bei der Windtmulen habe einer mit namen Hanß Koster etwa vom Pastorn in Hur [Pacht] gehabt, hernach sie Heinrich Leuetzow sein Arndt Leuetzowen Vater dieselbe angenommen vnd einmall alß Ao 24 [Anno 1524] die Hur außgegeben

7. Item Eine sechs rute bei der Windtmuhlen welche Marten Boytin ein Schmidt [Schmied] zur Hur vom Pastorn eingehabt, habe Heinrich Leuitzow auch an sich genommen

Vff dise 4. 5. 6. vnd 7. punct hat Arndt Leuitzow vorige antwort gegeben alß daß ihm nichts darumb bewust sey.

8. Zum achten, weren 2 ende Ackerß vor dem Dorffe beim Vosstucke [Fuchsstück] be­legen genant die Blocke die ein Priester Er Nicolaus Schloueke gebrauchet vnd itziger Custer Achim Reberg von ihm in Hur gehabt. Arndt Leuitzow R. Er sey nicht darumb angesprochen, Sonst hette er solches vom Custer wol gehoret.

9. Zum neunden solle der Pastor von seinem Hofe 7 Scheffel Rogken Mißkorn haben vnd bekomme nur drey.

R. Er habe in der Handlung so zwischen ihm vnd Hertzog Caroln ge­pflogen worden dem Pastorn vff der Commissarien furbitte 3 Schef­fel gewilliget, mehr sey er ihm nicht gestendig.

10. Eß were auch von seinem Vater Heinrich Leuetzowen seligen ein Kelck auß der Kirch vff den Hoff genommen, der auch zu restitui­ren [ersetzen]

R. Er habe wol dauon gehoret, Ihm aber sey nichts dauon bewust.

11. Zum eilfften, weren auch 2 Wurde [Grundstücke, die zur Pfarrstelle gehörten], so zwey seiner Vnderthanen alß Hanß Muntzel vnd Chim Eichhorst innehetten, vnd würde für die eine 12 Schilling, für die ander 4 Schilling gegeben, welches zu weinig were, derwegen sie zuuerhohen.

R. Er were dem Pastorn nicht mehr alß berurte 12 Schilling vnd dan 4 Schilling von gedachten Wurden gestendig.

 

Dise clage der Mangel hat der Pastor auß den vorzeichnuß seiner Antecessorn [Vorgänger] genommen deren abschrifften er vnß zur nachrichtung ge­geben, alß erstlich eines Priesters Ern [Anrede für den Pastor „Ehren“] Nicolai Weidemanß der bei Zeiten Jacob Leuetzowen itzigen Arndt Leuitzowen großuaters daselbst im Ambte gewesen, so hiebei sub litera D. [Anhang D] zufinden. Zum andern ein Concept einer Supplication an E. F. G. [Euer Fürstlichen Gnaden] Hern Vater hochloblicher ge­dechtnuß die ihm ein priester alda Er Johan Moller vberreicht, darin er vber Heinrich Leuitzowen itzigen Arndtß Vatern wegen der entzoge­nen Pfargüter klaget, so hiebei sub lra E registriret. Darauff ge­melter Priester ein geleidt erlanget sub lra F.

So hat vnß auch itziger Pastor vorgedachters Priesters Vorzeich­nuß vbergeben, waß in desselben ankunfft vnd anwesenheit vor Pfar­acker andern leuten zur Hur außgethan gewesen, sub lra G.

Vnter welchen Vorzeichnussen wir auch einen Vortrag gefunden Anno 1527 zwischen Heinrich Leuitzowen vnd dem Priester Er Johan Mollern auffgerichtet, darin vnter andern dem Pastorn daß Lyntholt vnd daß Papenbrock abgehandlet ist, sub litera H.

Zum dritten hat er vnß eine Vorzeichnuß eines Pastorn Ern Jochim Krogerß vbergeben der 22 Jar daselbst im Ambte gewesen, darin die beschreibung der zur Pfarren gehorigen güter auß vorgedachten Vor­zeichnuß widerholet wirt vnd seind darin mehrenteilß die Mengel ge­setzt die man itzo Arndt Leuitzowen hat furgehalten, so hiebei regi­striret sub litera I.

1. Souiel nun den 1 Mangel betrifft, wirt dessen in der Vorzeichnuß sub litera D. folio 1 facio 2. vom Pastorn gedacht, daß ihm Jacob Leuetzow 3 morgen Holtes oder mehr am lütken Busche entweldiget, mehr Berichtes wirt hieuon nicht gefunden, Ob aber der augen­schein dessen auch nachweisung thue, konnen wir nicht wissen dieweil wir zur stedte nicht gewesen.

2. Die drey Hufen im Lindtholte belangendt wirt deren in der Vor­zeichnuß sub lra D. folio 1 facio 1 gedacht daß der Pastor vnd daß Gotteßhauß daran mercklich vorunrechtet werden weil eß Jacob Leuetzow hat abhawen lassen. In derselben Vorzeichnuß fol: 2 ste­het eine lawinische Copey der Donation [Schenkung] erwenten Holtzes. In der Supplication [Bitte] sub litera E folio 1 facio 2. wirt vber Heinrich Le­uetzowen gleichßfalß geclagt daß er dem Pastorn daß Lyntholt vnd Papenbrock zugebrauchen vorbiete. In dem Vortrage sub litera H. folio 2. ists dem Pastorn abgehandlet mit disen worten. Vurder schall sick de Kerckherr entholden deß Lyntholtes vnd des Papen­brokes belegen by dem Sthenuorde [Steinfuhrt] vnnd darinne gar nichts thodonde hebben.

Dargegen aber hat itziger Pastor eingewendet daß der Priester Ern Johan Moller nicht macht gehabt ohne vorwissen vnd consens deß Patronen sich in einigen Vortrag einzulassen, der Pfarren zu nachteil die er in dieser forderung wollgegrundet sein vormeinet, weil die Donation furhanden. So werenß auch keine furstliche ver­ordnete Commissarien gewesen so den Vortrag behandlet sondern nur erbetene freunde.

3. Zum dritten daß ein Vicarienhoff da gewesen erscheinet auß der Vorzeichnuß sub lra D. folio 1 facio 2. Item ein vortrage sub litera H. folio 1 wirt gedacht daß Er Johan Moller drey Vicarien voriagt habe.

4. 5. Die 4 vnd 5 mangel ist genommen auß der Vorzeichnuß sub litera 1 fol: 2,

6. Zum sechsten von der Järte bei der Windtmulen wirt in der Vor­zeichnuß sub lre G gesagt das sie Hanß Koster in Hur habe. Vnd in der Vorzeichnuß sub litera J fol. 2. daß sie Heinrich Leuitzow angenommen.

7. Die sechs ruten belangendt, das sie Marten Boytin in Hur gehabt vnd Heinrich Leuetzow hernach bekommen stehet in der Vorzeichnuß sub litera G. vnd sub litera 1 folio 2 facio 2.

8. Der 2 ende Ackerß wirt in Supplicatione sub litera E gedacht daß Heinrich Leuetzow dafür 4 Schilling sundisch ierlichs geben sol­le. Folgendtß hat sie der itziger Custer Achim Reberg auch von einem Pastorn in Hur gehabt, vnd gestehet Arndt Leuitzow daß ihm solchs der Custer berichtet habe.

9. Daß der Pastor von Leuitzowen Hofe 7 Scheffel Rogken Mißkorn ha­ben solle ist genommen auß der Supplication sub litera E. am en­de, da der Priester domaln bereit geklaget, daß sie ihm furent­halten sein.

10. Daß auch von itzigen Arndt Leuetzowen Vater Heinrich Leuetzowen ein Kelck auß der Kirch genommen sey wirt in derselben Supplica­tion gleichßfalß geklagt.

11. Von den 12 Schilling vnd 4 Schilling wirt gedacht im vortrage sub litera H. folio 2. alß daß Heinrich Lewetzow dem Kirchhern alle Jar geben soll 12 gute schillinge von dem wusten Katen belegen bei der Schmide. Wofern nun dieser Kate itzo von Hans Muntzel be­wohnet wirt vnd die Wurdt darzu belegen ist welche Gunter Leuet­zow nach außweisung der Copey so am ende der Vorzeichnuß sub li­tera D. zu finden, zur Pfarren gegeben dessen man sich bei den leuten deß orts liechtlich zuerkundigen, So wurde nicht vnbillich die Hur nach gelegenheit der Wurdt vom Pastorn gesteigert, sinte­mal dieselbe zur Pfarre mit aller herligkeit vnd gerechtigkeit ist gegeben worden. Von den 4 Schilling aber stehet in angeregtem Vortrage, daß er dieselben von Rauenß Katen alle Jar geben soll solange biß er den Heuptstull [Schuld] darauß loset derwegen es billig darbei bleibt.

Dieweil dan Arndt Leuitzow obangeregte Mengel zum meisten viel dergestalt beantwortet alß daß ihm nichts darumb bewust sey wir aber eß dafür halten daß deß orts ohne zweifel noch leute im Le­ben sein werden, die eß etwa noch gedencken oder ir zum weinig­sten von ihren eltern berichtet werden sein, welcher gestalt ob­specificirte grunde den Priestern entzogen vnd ohne das zu ferner Handlung ohne eingenommenen augenschein nicht kan geschritten werden. Alß stellen wir zu E. F. G. ob dieselbe zu entlicher richtigmachung angezogener Mengel etliche bequeme Personen ver­ordnen wollen, die zur stedte zihen, den augenschein einnemen, bei den leuten der gelegenheit sich ferner erkundigen vnd wo mug­lich die Sachen entlich vorgleichen mugen.

12. Vber vorigt Mengel hat der Pastor auch nachfolgende angezeigt alß daß zu grossen Scharentin drey Kossaten nemlich Drewes Stuue, Pe­ter Seeman deß Ambtß Newen Kalen vnderthane vnd Clauß Gilow Arndt Leuitzowen Man geben ihm kein Mißkorn, da ihm doch die andern Kossaten daselbst 1 viert geben.

13. So weren auch bei Arndt Leuitzowen Vaterß Zeiten zwey Bawhofe vorwustet, deren ieder 3 viert Rogken pflegen zugeben.

14. Zu Lutken Markow wohneten 4 Katenleute die auch kein Mißkorn ge­ben, dauon 1 Christoff Leuetzowen die andern 3 Heinrich Leuetzowen zugehoren.

15. Zu Grossen Markow ist eine Capelle gewesen daselbst der Pastor eine Wise gehabt von 1 fuder Kleuerhew [Kleeheu] dafur Chim Wegener so noch am Leben, dem Pastorn ierlichs 8 Schilling zur Hur gegeben, Sol­che Wise haben die Bauren in die gemeine Hutung genommen. Diß Dorff gehoret Arndt, Heinrich vnd Christoffer Leuetzowen.

16. Gleichßfalß habe etwan der Pastor 5 rute Wischen zu Trebelin ge­habt. Dieselben wie Hans Seeman wohnhafftig zu grossen Scharentin itzo berichtet were vorteuffet [vertieft], darumb sie in die Hutung gelegt worden, Dagegen ihme die Baurschafft eine andere Wise am Zermer­felde [Sarmsdorfer Feld] eingethan, dauon der Pastor das Hew werben lassen, welche vorgemelter Zeuge in seinen kindtlichen Jaren gesehen. Solchs Hews oder Wisen mangele itziger Pastor.

Dise mengeln wegen des Mißkorns vnd Wisen hewen wir mit der Baw­ren Herschafft alß Arndt, Christoffer vnd Heinrich Leuetzowen be­reden sollen, Sie seind vnß aber vom Pastorn erst kundt gethan, wie die Leuetzowen von vnß abgeschieden, derwegen ihnen schrifft­lich zubefelen sein will, daß sie in angezogenen Mengeln die Bil­ligkeit beschaffen.“

 

   Dieser Text ist vielleicht ein wenig schwierig zu lesen, erlaubt aber einen Einblick in die damaligen Verhältnisse. Die umfangreichen Anlagen D bis H können hier selbstverständlich nicht wiedergegeben werden.

 

   Über einen Hexenprozeß schrieb Carl Voß um 1955 folgende Abhandlung:

   "Am 7. August 1590 wurde Margarete Schorsowen aus Schorrentin an­geklagt, allerlei Teufels- und Zauberkünste getrieben zu haben. Es folgt ihr Spruch beim Stillen von Zahnschmerzen: "De Worme sind nägen: de seute Worm - de grise Worm - de grawe Worm; alle de ick nich benömen kann. Nehmt ji Water in den Mundt und speyet de Worme up den Grundt. In nomine Patris et filio et spiritu sanctu (im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes)."

   Dieser Margarete Schorsowen ward nun aus folgenden Gründen der Prozeß gemacht:

1.    Daß sie sich dem Teufel mit Leib und Seele verschrieben habe; dagegen sich derselbe wieder verpflichtet, ihr alles, was ihr nötig, zu bringen, alles was sie befehlen würde.

2.    Hätte sie den Teufel nach Dörgelin geschickt, um Eier und Geld zu holen.

3.    Lawrenzen zu Dörgelin habe sie ein Pferd umbringen lassen; aus Ursachen, daß er sie geschlagen, darumb, daß sie ihm ein Schaf verhütet.

4.    Dem Chim Euerds aus Warsow hätte sie auch eine Kuh umbringen lassen, aus Ursachen, daß er sie stets eine Hure und Zauber­sche genannt.

5.    Dann habe sie zu Warsow eine Ziege schorficht gemacht, dazu Wasser von unreinem Vieh gebraucht.

Diese fünf Punkte genügten, welche obengenannte Schorsow unter dem Einfluß der Marter aussagte, dieselbe für den Feuertod reif zu machen. Die vom Amt Nienkalden nach Greifswald übersandte Akte be­sagt, daß genannte Schorsowen nach aufgesetzten Daumenschrauben und gelinder Marter sich als Zauberin und Teufelsbeschwörerin bekannt habe.

So geschehen zu Wüstenfelde aufm Abend des 7. Augusti in dem Ge­wölbe zwischen den beiden Pfahlbrücken und dem Hause. In Gegenwart des edlen Mathias Schmeckers daselbst, sowie Jochim Lowtzow, sowie des Notar Turk Schreiber als Zeuge.

   Und die Antwort aus Greifswald zu den übersandten Akten? Da be­wußte Schorsow hat bekannt, daß sie sich dem Teufel verschrieben, auch andere gotteslästernde Sachen getrieben, daneben auch Zauberei begangen; daß sie deswegen mit dem Feuer vom Leben zum Tode soll gebracht werden."

   Höchstwahrscheinlich wurde Margarete Schorsow dann in Neukalen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

 

   Aus den Jahren 1601 bis 1605 liegen im Landesarchiv Schwerin meh­rere Aufstellungen zu einer sogenannten Türkensteuer vor. Wir können diesen Listen mehrere Namen von Schorrentiner Einwohner entnehmen:

 

Türkensteuer 1601

   "Scharenntihnn
7 ß          Clauus Hellm
3 ß 6 Pfg. Jacob Samowe
3 ß 6 Pfg. Pawell Trechowe     

 

Türkensteuer 1602

   "Scharentinn

1 R 4 ß Vor 4 Huefenn die Bauwleute sembtlich Cossatenn

3 ß 6 Pfg. Jacob Samow, senn. Pagell Trechow, Müssens vor einen Katen gebenn,"

 

Türkensteuer 1603 + 1604 (gleich)

   "Schorrentin

11 ß           Clauß Helm Bawman

  5 ß 6 Pfg. Jacob Samow Halbpfleger

  5 ß 6 Pfg. Pawel Trechow Halbpfleger“

 

Türkensteuer 1605

   "Scharentin Bawleutt

11 ß Clauß Helm

11 ß Jacob Samow halbpleg

       Paul Trechow halbpleg

       Kossaten vnd einlig

  2 ß 9 Pfg. Geben die obgesatzten halbpleg vom Caten

  2 ß 9 Pfg. Hanß Sehemann,

  2 ß 9 Pfg. Hanß Schultt“

 

   Noch einmal ist 1605 die Türkensteuer wie vorher notiert, aber dazu heißt es:

"Der Müller hatt biß anhero nichts gegebenn"

 

   1611 waren in Schorrentin "1 Bawmann, 2 Koßaten, keine Einlieger" als Amtsuntertanen vorhanden. Im Jahre 1612 heißt es in einem "Vor­zeichnus was zum Neuwenkalden von den Amptsvnderthanen zu der Kreyß­hülffe ist eingefürdett wordenn" zu "Schorrentinn: Von einem Bawman so 2 Huefen hatt vnnd zween Koßaten 9 Sch. Vom Schaffer 18 Sch. 9 Pf."

   Es gab also in Schorrentin immer weniger Bauern, die ihre Abgaben an den Landesherrn zahlen mußten; die meisten Bauernstellen waren inzwischen gelegt und gehörten zum adeligen Gutshof.

   Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) brachte auch für die Ein­wohner Schorrentins viel Leid und Schrecken mit sich. Wie aus einer vom Herzog Adolph Friedrich am 10.11.1640 befohlenen Bestandsauf­nahme des fürstlichen Amtes Neukalen hervorgeht, sah es in allen Dörfern des Amtsbereiches sehr trostlos aus. In Schorrentin wird es nicht viel anders gewesen sein. Jedoch liegen konkrete Angaben nicht vor, da zu dieser Zeit das Dorf und die Einwohner schon ganz zum Gutsherrn von Levetzow gehörten und deshalb in der Bestandaufnahme nicht besonders aufgeführt werden. Die letzten Amtsun­tertanen waren im Krieg verschwunden.

   Die fürstliche Amtsverwaltung hatte um 1630 in Schorrentin noch die Rechte über zwei unbesetzte Bauernstellen und eine Kossatenstelle. Die dazu gehörenden Grundstücke wurden zusammengefaßt und eine Schäferei mit einer Schafdrift [Weg für die Schafe] zu den Wiesen neu angelegt. Hier wurden etwa 300 Schafe gehalten. Die Schäferei unterstand dem Amtmann in Neukalen, welcher sie verpachtete. Sie wurde im Dreißigjährigen Krieg zum Teil verwüstet.

   Über diese Schäferei, die wahrscheinlich südlich der Kirche in der Nähe des späteren Gutshofes lag, erfahren wir 1640:

 

   "Folgt die Schafferey zue Schorrentin

   In diesem Dorffe haben I. F. G. gehabt 3 Bawleute, so niedergelegt sein, vnd ist die Schäfferey dahin gebawt, welche in folgendem wü­sten stande itzo befunden.

Das Wonhauß

Ist von 10 gebindt [senkrechte Ständer eines Fachwerkes], Ein New Zimmer, gekleimet, beide gibel oben ge­meuret, Ist sehr ruinirt, alle Thüren wegk, an Einer seite alle wen­de, 3 Löesholtzer vnd 8 Bende ausgeschlagen. Aus der staube [Stube] ist der ofen vnd fenster wegk, das Dach ist in zimlichen stande, die faste [Firste] aber offen.

Die Scheune von 13 gebindt, vndt der schaffstal von 12 gebindt sindtt auch 2 Newe Zimmer, gekleimet die gibel oben gemeuret, alle Thüren sind wegk, etliche bende ausgeschlagen, das Dach ist zimlich, Ist vnten von Reutern etwas ausgerißen.

Die andern Bauren im Dorffe gehören den Leuetzowen zu.

Sonsten steht noch ein Spiker welchen die Beampten zum Newencal­den dem Krüger zu Schorrentin kegen ein ende ackers, wie berichtet wirt, eingethan.“

 

   1633 kam es zu einem Streit über die Schafdrift, diesen besonderen Weg zur Schäferei. Er führte wohl über den Acker des Herrn Levetzow und gefiel diesem nicht sonderlich. So beschwerte er sich auf dem Malchiner Landtag:

   "Johann Crammon Vndt 4) Hinrich Leuezow zue Schorrentin thuete bey obigem Landtage nachfolgender gestallt sich beschweren,

   Das der F. heuptman zue Newenchalden auff dem Wendischen Schor­rentin, eine newe Schafftrifft vnd hürtenlager anzuerichten, und von anderen Feltmarcken futter zue zuführen, schon hiebeuor einen anfang gemachett,

   Weill aber die Wendischen Schorrentinschen auff der Teutschen Schorrentinschen Feltmarck gantz keiner huetung von alters befuegt gewesen, sich auch solcher huetung nicht angemaßet auch die Fürstl. Vnterthanen zue Wendischen Schorrentin nur bey 3 huefen vnd etzliche morgen und auff beiden der Wendischen vnd Deutschen Schorrentinschen Feltmarck in alles nur bey 4 huefen vnd Funffzehen morgen haben vnd dennnach solche newerunge denen bey Hinrich Leuezowen zue Schorren­tin Verhandenen alten Verträgen vnd Fürstl. Confirmation sub dato Newenchalden den 13 Decembris Anno 1582 (krafft solcher Confirmation den Leuezowen aufm Wendischen Schorrentin, die Schafftrifft, wie von alters gebreuchlich verbleiben soll) wie auch dem gemeinen Landes gebrauch vnd altem herkommen zue wiedern,

   Alß Johan Crammon Vndt Hinrich Leuezow die herrn Landt Räthe, Landtmarschallen vnd Ritterschaftl. dieses gravamen grosgönstigk erwegen und bey I.I. F.F. G.G. Vnseren gnedigen Fürsten vnd herrn, die befürderung thuen wollen, das solche newe schaff-trifft vnd hürtenla­ger auch insonderheitt von anderen Feltmarcken angestalte zuefuhr des Futters hinwieder abgethan, vnd sie und andere lehnleute darmit nicht muegen beschwertt werden,

   Sölches sein sie vermuegens nach zuuerschulden geflißen, Datum Malchin den 26. Marty Anno 1633   L. L. G. G.

                                      Dienstwill“

 

   Es wurde nun ein jahrelanger Rechtsstreit um die Schäferei geführt. 1652 hatten sich der Gutsherr Arendt Levetzow und der Amtmann Philipp Christoff Thun soweit geeinigt, die Schäferei gegen drei Bauernhöfe in Gehmkendorf auszutauschen. Obwohl bereits klare Regelungen getroffen wurden, kam es nicht dazu.

   Um 1700 wandelte man die Schäferei in eine Meierei [Milchwirtschaft] um. Sie wurde weiter vom Amt Neukalen verwaltet und verpachtet. In einer Bestandsaufnahme von 1709 heißt es, daß sie keine gewisse Grenzen hat, sondern mitten im Schorrentiner adeligen Hof und Acker liegt. Zur Meierei des Pächters Jochim Költzow gehörten 1709: ein Wohnhaus von zehn Gebinden, wovon ein Teil als Viehstall eingerichtet war, eine Scheune, ein Schafstall, ein Schäferkaten, ein Hopfengarten, ein Küchengarten, eine Koppel mit Obstbäumen, zwei Sölle, in welchen aber keine Fische zu fangen wären, Ackerstücke in drei Schlägen und fünf Wiesen.

 

   Die Streitigkeiten gingen weiter. Sie führten teilweise zu schlimmen tätlichen Auseinandersetzungen zwischen den Pächtern und der Gutsverwaltung und endeten erst 1757 mit der Gründung von Schönkamp.

 

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1)    "Die slawischen Ortsnamen Mecklenburgs und Holsteins“, Traut­mann, R., Berlin 1950: “Scorentin v. 1305 MU 5,217 Schorentyn item Schorentyn Slavicum 1314  6,118 Altes Skoretin, von einem PN Skoreta“

 

2) Das heilige Lindenholz („Sant Lyntholt“) wurde 1328 von der Witwe Wibeke von Kalen der Kirche geschenkt (3 Hufen). Um 1500 wurde der Wald vom Guts­besitzer Jacob Levetzow abgeholzt und zur Ackerfläche gemacht. Schon um 1585 wußte sein Enkelsohn, Arndt Levetzow, den genauen Standort nicht mehr anzugeben.

 

3) "Fpl.: 1. Mbl. 2142, R 45 50 050, H 59 69 050.

Lage: Südl. des Ortes in der Niederung an der Gemarkungsgrenze zu Lelkendorf.

Typ: Turmhügel (mit Wüstung).

Name: Schloßberg.

Beschrbg.: Der annähernd kreisrunde Hügel wird von einem intakten Wassergraben umgeben und so geschützt. Der knapp 10 m breite Gra­ben umgibt das Plateau von ca. 20 m Durchmesser. Auf dem Plateau sind zwei an den Kanten parallel laufende Wälle, die ca. 1,5 m hoch und die Begrenzung des Innenraumes sind. Die Anlage befindet sich im flachen Wiesengelände. Weitab des heutigen Dorfes in der Nähe der Gemarkungsgrenze liegend, ist der Schluß nahe, es han­delt sich um eine Wüstung mit Turmhügel.

Erw.: (1) 1305 plebanus Brodekinus in Scorentin.

Funde: Eiserner Sporn, Schwert, Keramik.

Lit.: (1) MUB 5, 3007. (2) U. Schoknecht 1973, 5. 50."

 

4) Mit anderer Schrift nachträglich vorgesetzt. Johann Crammon war evtl. der Verwalter der Levetzow´s in Schorrentin?

 

Der Turmhügel 2010

 

Der Turmhügel im Herbst 2010