Wetteraussichten:
 
 
 
 
Schriftgröße:
 
normale Schrift einschalten große Schrift einschalten sehr große Schrift einschalten
 
Peenestadt Neukalen Vernetzt
 
Suchfunktion:
 
 
 
Newsletter:
 
 
Teilen auf Facebook
 
Zur Geschichte des Sports in Neukalen (3)

 

Mario Heinzel

 

 

   In unserer Reihe über die Geschichte des Sportes in Neukalen wollen wir uns in diesem Heft mit dem Gewichtheben beschäftigen. Wie bereits bekannt, stand der Sport in Neukalen seit 1950 unter der Schirmherrschaft der MTS Lelkendorf bzw. deren BSG Traktor. Damals, so um 1952/1953, wurden in der jungen DDR die Hans-Beimler-Wettkämpfe ins Leben gerufen. Den politischen Hintergrund wollen wir hier einfach mal weglassen, nur der sportliche zählt. Das war nämlich der Auslöser zur Gründung der Sektion Kraftsport in der BSG. Erster ernsthafter Betreuer dieser Gruppe war, wie konnte es auch anders sein, Erwin Henke.

 

   Danach trat eine weitere wichtige Person des Sportes unserer Region langsam in den Mittelpunkt: Hugo Meilke. Dieser begann 1952 seine Lehre bei der MTS Lelkendorf. Trotz der knappen Tagesfreizeit fand er viel Zeit für den Sport. Er spielte Hand- bzw. Fussball. Auch Turnen machte ihm sehr viel Spass, wobei ihm natürlich auch seine Körpergrösse zu gute kam. Hugo war in Zentimeter gemessen nun mal kein Riese. Ernst Albrecht, der Turnvater von Neukalen, aber ein guter Lehrmeister. Doch ausführlicheres zu ihm schreiben wir in der nächsten Ausgabe. Und es begann die Liebe zum Kraftsport. Die oben genannten Hans-Beimler-Wettkämpfe gewann er insgesamt 9 mal.

 

   1955 musste Hugo seinen Dienst bei der gerade gegründeten NVA antreten. Zunächst ging es nach Torgelow-Drögheide zur Grundausbildung. Dort wurde sein turnerisches Talent gesichtet, und er wurde zur Sportfördergruppe nach Alt Rehse versetzt. Von 1955 bis 1957 entwickelte er sich zu einem guten Turner. Nach der Versetzung zur Sportgruppe ASK Vorwärts Neubrandenburg trat neben dem Turnen das Gewichtheben in sein Leben.

 

   An dieser Stelle trifft Hugo Meilke auf Wilhelm Thon. Dieser wird ihm im Leben oft mit Rat und Tat zur Seite stehen. Den Respekt vor diesem Namen merkt man Hugo bei seinen Erzählungen noch heute an.

 

   In Neubrandenburg wurden Gewichtheber gesucht. Es haperte vor allem im Leichtgewicht, dem Gewicht der meisten Turner. Da beide Sportgruppen so und so zusammen trainierten, wurden die Turner getestet. Hugo schaffte als einziger die 90 Kilogramm im Stossen und mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu „spielend“. Wilhelm Thon riet ihm zum Wechseln der Sportart. Nach nur 4 Wochen Training belegte er Rang 5 der Juniorenmeisterschaft. Hätte das Gewichtheben ihn früher entdeckt, hätte er ein Grosser werden können. Doch die Grundlagen werden nun auch in diesem Sport in den Kinderjahren gelegt. Und die waren bei Hugo schon längst vorbei. Diese Erfahrung war zwar im Moment schmerzlich, jedoch sollte sie prägend sein für sein weiteres Schaffen. Was ihm verwehrt blieb, wollte er später anderen ermöglichen. So lehnte er auch ein Angebot des SC Leipzig dankend ab, natürlich in Rücksprache mit Wilhelm. Er blieb in Neubrandenburg und feierte dort noch grosse Erfolge. So wurde er 10 mal Bezirksmeister. Höhepunkt seiner aktiven Laufbahn war der 3. Platz bei der DDR-Mannschaftsmeisterschaft 1959 im Leichtgewicht der Senioren. Danach schied er aus dem Armeedienst aus und kehrte 1960 nach Lelkendorf zurück. Dort gab es auch viel zu tun. Haus und Arbeit brauchten ihn. Er wurde Einkäufer bei der MTS. Doch ohne Sport konnte er nicht leben. Und was lag näher als Gewichtheben. Natürlich auch auf Drängen von Wilhelm Thon begann Hugo mit dem Aufbau. Ein schwieriges Unterfangen. Die damalige Abteilung Kraftsport hatte sich ins Nichts aufgelöst. Man musste wieder ganz vorne anfangen. Zusammen mit Werner Hübner zog er mit Hantel und Gewichten durch die Tanzsäle des Kreises und veranstaltete Schauheben oder suchte den stärksten Mann im Saal. Oder sie gingen in die Schulen, um auch die Kleinen zu begeistern. Bei denen blieb zunächst der Fussball noch im Mittelpunkt, bei den älteren Schülern und den jungen Männern war der Erfolg größer.

 

   So hatten sie bald eine ausreichende Zahl an Sportlern zusammen. Die Sektion Gewichtheben wurde 1961 geboren. Hugo Meilke machte den Trainer und Werner Hübner den Sektionsleiter. Hugo nannte seine Anfangsgruppe gerne die l. Generation.

 

Sektion Gewichtheben, 1962

 

Sektion Gewichtheben, 1962

 

   Auf dem Foto oben sind sie zu sehen (unten von links): Hugo Meilke, Eckehard Böhnke, Detlef Hanke, (oben von links): Lothar Groß, Klaus Buttgereit, Heinz Harder, Manfred Noske, ... Nötzel.

   Weiterhin gehörten auch dazu: Harry Schober, Jochen Krüger, Horst Schelän, Norbert Gemander und Alfred Neusser. Diese Truppe heimste schon nach kurzer Trainingszeit viele Siege bei Kreismeisterschaften bzw. Spartakiaden ein.

 

   1962 wagten sie schon den Sprung in den Bezirksbereich. Im gleichen Jahr wurden sie schon Bezirksmannschaftsmeister bei den Männern in der Besetzung Meilke, Noske, Harder, Groß und Buttgereit. Viele gute Platzierungen und Titel in den Einzelwettbewerben kamen noch dazu. Diese Erfolge konnten 1963 und 1964 wiederholt werden. 1963 wäre sogar fast der grosse Wurf gelungen. Traktor Lelkendorf hatte sich für den DDR-Ausscheid der Traktor-Mannschaften in Markleeberg qualifiziert und gute Chancen auf Titel. Doch der Nationalmannschaftsarzt stoppte Lothar Groß aus medizinischer Sicht. Ohne ihn reichte es „nur“ zu Platz 3.

 

Schauheben in der Konsum-Gaststätte Dahms, um 1962

 

Schauheben in der Konsum-Gaststätte Dahms,um 1962,
links: Klaus Buttgereit, rechts: Hugo Meilke

 

 

   1964 wurde Hugo Meilke auch zum letzten Mal Bezirksmeister im olympischen Dreikampf Seniorenleichtgewicht. Danach blieb er nur noch als Trainer aktiv. Gewichtheben wurde jetzt populär in der Umgebung. Die interessierten Jungs wurden jetzt jünger. Viele ältere brachten ihre kleinen Brüder mit zum Sport. So entstand um 1964/65 die so genannte 2. Generation. Im Jahr 1966 gab es zum Beispiel vier Brüderpaare in der Trainingsgruppe: Horst und Klaus Henke, Dieter und Willi Golz, Karl-Heinz und Manfred Mickley, Dieter und Jürgen Schütze. Später kam noch ein fünftes hinzu mit Volker und Eckard Hinzpeter.

 

   Trainiert wurde zweimal die Woche. In den Spitzen- und Wettkampfzeiten, und das war oft, traf man sich viermal die Woche. Trainingsort war das heutige Bürgerhaus, die damalige Sporthalle und auch oft Festraum. An notwendiges Trainingsmaterial heranzukommen war in dieser Sportart natürlich besonders schwer. Wie auch heute halfen da gute Kontakte. Diese besaßen Hugo und Werner. Da gibt es die Geschichte mit Herrn Rommiger, damaliger Kreisvorsitzender des Sportbundes, der den beiden bei der Beschaffung einer 850,- Mark teuren Schwedenhantel, die eine „kleine“ Weltreise hinter sich hatte, half. Ansonsten wurde viel improvisiert und, da man ja Schlosser gelernt hatte, alleine gefertigt. So manche Gerätschaften, wo andere Klubs viel Geld für ausgaben, wurden in der Werkstatt der MTS in Lelkendorf gefertigt. Die Fahrten zu den vielen Veranstaltungen und Meisterschaften erledigte man mit dem Barkas oder dem Aufbaubus, ebenfalls von der MTS zur Verfügung gestellt. Und es ging oft weit weg: Zittau, Magdeburg, Leipzig, Meißen, Berlin oder Markleeberg, um nur die weiten Strecken zu nennen.

 

   An dieser Stelle müssen unbedingt die Mütter der Jungs genannt werden. Sie waren das Sprachrohr der Sektion, sie machten die "Propaganda". Sie suchten Sponsoren, sprachen mit den Geschäftsleuten, mit den noch vorhandenen freien Bauern und auch mit der Staatsmacht. Sie organisierten viele Wettkämpfe in Neukalen. Diese fanden zahlreich im heutigen Gasthof statt. Und Dank der guten Leistungen der jungen Heber und des schnellen Mundwerkes der Mütter waren die Wettkämpfe fast immer ausverkauft.

 

   Zurück zur 2. Generation. Bis auf zwei bis drei ältere Sportler war es jetzt richtige Jugendarbeit. Horst Schelän taucht jetzt als so genannter Co.-Trainer auf. In den Bereichen Jugend A, B und C sowie Kinder A entwickelte sich Lelkendorf zu einer Hochburg des Gewichthebens in der DDR. Ein sehr erfolgreicher Jahrgang. Auch die überregionale Presse wurde jetzt auf Lelkendorf aufmerksam. Alle grösseren Zeitungen der damaligen Zeit besuchten das Training der Meilke-Gruppe. 1965 fand sich Hugo sogar auf der 1. Seite der Jungen Welt wieder. Ein Jahr später widmete die Freie Erde eine halbe Seite den Gewichthebern aus Neukalen. Auf deren Gruppenfoto ist schon so manches Talent späterer Jahre zu erkennen. Aus dieser Gruppe schaffte auch einer den Sprung ganz nach oben. Erhard Langhoff wird 1965 Vize-DDR-Meister im Mittelgewicht Jugend B. Ein ganz grosses Talent. Bereits mit 14 Jahren brachte er im Stoßen 95 Kilogramm zur Hochstrecke. Da ließen die anderen nicht lange auf sich warten. Über den Umweg Neubrandenburg ging es dann zum TSC Berlin, wo er auch im Männerbereich zur Medaillenehre kam. Eines verband sie aber alle. Die Freude am Gewichtheben und der Fleiss, den ihnen Hugo Meilke vorlebte. Und Erfolge gab es bei fast allen zu feiern. Kreis- und Bezirksmeistertitel heimsten sie zu Hauf ein, ob nun Karl-Heinz Mickley oder Fritz-Gerhard Behrendt. Sie standen in ihren Gewichts- bzw. Altersklassen auf Platz l im Bezirk. Aber auch alle anderen, hier erwähnt oder nicht, der Trainingsgruppe waren mit grossem Eifer dabei. Höhepunkt dieser Generation war die Bezirksspartakiade im Jahr 1968. 39 mal Gold holten die Lelkendorfer Heber in Neubrandenburg, von den unzähligen guten Platzierungen wollen wir gar nicht anfangen.

 

 

Zeitungsartikel "Junge Welt" vom 21.6.1965:

 

 

Hugo Meilke

 

Hugo Meilke

 

"Die starken Buben des Schlossers Meilke

   Hugo Meilke, Schlosser auf der MTS Lelkendorf und einst aktiver Gewichtheber beim ASK Vorwärts Neubrandenburg, trainiert jetzt 20 Jungen der Umgebung von Teterow. Bis 1961 war der Gewichthebersport im Kreis fast völlig unbekannt. Doch Hugo Meilke machte ihn populär. Acht Jugend-Bezirksmeistertitel haben seine Jungen bereits errungen, und der 14jährige Erhard Lakow brachte im Stoßen bereits 95 kg (190   Pfund!)   zur Hochstrecke.

 

Hugo sucht starke Männer

   Hugo Meilke turnte eifrig beim ASK Neubrandenburg seine Übungen. Und wie das oftmals so ist: in der gleichen Halle wie die Turner trainierten die Gewichtheber seines Klubs. Hugo sah oft zu, wenn diese Männer ihre Zentnerlasten in die Luft wuchteten. Er fand Gefallen an der Hantel, probierte selbst einmal das Stoßen, Drücken und Reißen und blieb dabei.

   1961 beendete er seinen Dienst in der NVA, kehrte nach Hause, nach Rey zurück Das Eisen aber, einmal lieben gelernt, wollte er nicht nur als Schlosser der MTS in Lelkendorf bewältigen. Auch nach Arbeitsschluß zog es ihn zu diesem Metall. Aber immer alleine trainieren? Der Entschluß, eine Sektion Gewichtheben ins Leben zu rufen, war gefaßt. In Lelkendorf, einem Ort mit wenigen Seelen und noch weniger Jugendlichen, ein schwieriges Vorhaben. Und ehe die Idee deutliche Formen annahm, fanden sich schon die ersten Zweifler und Kritiker. Doch aufgeben? Nicht bei Hugo Meilke. So „geisterte“ er mit Stange und Hantel auf den Tanzsälen des Kreises herum. Wettkämpfe um den stärksten Mann des Saals waren schnell organisiert. Welcher junge Mann wollte nicht einmal vor den Mädchen glänzen?

   Und schon bald fanden sich die ersten zum ständigen Training. Heute sind es über 20, die ohne große Raumansprüche das ganze Jahr ihrem Sport nachgehen können. Und auf Erfolge können die starken Männer aus Lelkendorf auch bereits zurückblicken, davon konnten wir uns am Sonnabendabend überzeugen. Erhardt Lakow, erst 14 Jahre alt, brachte im Stoßen 95 kg zur Hochstrecke, eine respektable Leistung. Sogar 105 kg in der glei­chen Disziplin schaffte im Mittelgewicht der Jugend A Gerhard Behrendt. Acht Bezirksmeistertitel gehören ebenfalls zur stolzen Bilanz der kleinen Sektion. „Es reizte mich, hier in der Gegend etwas Neues aufzubauen, und so warb ich die Jungs für den Gewichthebersport, jetzt sind sie so eifrig dabei, daß ich manchmal ihren Drang schon bremsen muß", sagte uns Hugo Meilke.

   Manfred Hönel"

 

A-Jugend, 1966

 

A-Jugend, 1966

 

Unten von links: Horst Schelän, Fridjof Beenken, Hugo Meilke
Oben von links: ... Karnatz, Karl-Heinz Mickley, Manfred Niemann, Fritz-Gerhard Berendt

 

 

   Danach wurde es Zeit für die 3. Generation. Jetzt drängten sie nach oben. Sie hatten das Gewichtheben von der Picke auf gelernt und nun das Alter, um an grossen Wettkämpfen teilzunehmen. Ab 1968/69 traten sie in den Mittelpunkt. Günter Ahlgrimm, Dieter Golz, Hugo Meilke jun., Manfred Mickley, Horst Tucholke, Lothar Ziak und Fred Werner waren die erfolgreichsten jener Jahre. Lelkendorf war jetzt im Bereich der Jugend Feder-, Leicht- und Schwergewicht führend in der DDR. Eine Klasse-Leistung, wenn man sich die damaligen Umstände von den Beteiligten erzählen lässt.

 

   Bei dem Namen Günter Ahlgrimm fängt Hugo Meilke gleich an zu schwärmen, ohne das leichte Zornesfalten in seinem Gesicht nicht zu übersehen sind. Günter hatte mit Abstand das grösste Talent von allen. Aber sein Eifer nahm mit zunehmendem Alter leider ab, und er setzte somit seine sportliche Zukunft im Bereich Gewichtheben förmlich in den Sand. „Schade“, sagt bestimmt der neutrale Leser, wenn er jetzt einen Blick auf einige Erfolge von Günter wirft. 1969 wurde er Vize-DDR-Meister. Ein Jahr später 3., beide Male im olympischen Dreikampf der Jugend B bis 62 Kilogramm. 1970 war auch das Jahr seines grössten Erfolges als Einzelkämpfer. Bei der zentralen Kinder- und Jugendspartakiade in Berlin gewann er je 2 Gold- und Silbermedaillen im Gewichtheben Jugend B. Neben vielen Medaillen auf Kreis- und Bezirksebene wurde er mit der Neubrandenburger Staffel Mannschaftsmeister der DDR. Sein sportlicher Zwillingsbruder war damals Dieter Golz. Er hatte zwar nicht das Talent von Günter, machte dies mit überdurchschnittlichem Kampf aber weg. Er war ein „Arbeiter“. Seine Belohnung waren mehrere Kreis- und Bezirksmeistertitel im Gewichtheben. Ausserdem wurde er mehrfacher DDR-Mannschaftsmeister in der Disziplin Kraftsport-Mehrkampf. Beide gingen dann zum Leistungszentrum nach Stralsund. Neben der Lehre in der dortigen Volkswerft versuchten sie sich sportlich weiterzuentwickeln. Dies gelang dem Dieter etwas besser. Er blieb auch nach dem Ende der Lehrzeit beim Klub, ohne jedoch danach grössere Erfolge zu erzielen. Günter zog es wieder in die Heimat, wo er wenig später dann im Tor der Neukalener Traktor-Mannschaft wieder auftauchte.

 

Sportgruppe Gewichtheben, 1969/70

 

Sportgruppe Gewichtheben, 1969/70
Unten von links: Toni Sailer, Erwin Jahnke, Eddi Wright
Mitte von links: Manfred Weillandt, Lothar Wegner, Thomas Steinberg, Manfred Mickley, Jürgen Niclas
Oben von links: Peter Falkner, ... Wegner, Udo Braatz, Dieter Golz, Horst Tucholke

 

Lothar Wegner

 

Lothar Wegner

 

Udo Braatz

 

Udo Braatz

 

Horst Tucholke

 

Horst Tucholke

 

Dieter Golz

 

Dieter Golz

 

 

Aus der "Freien Erde" vom 4.4.1966:

 

Es begann mit »Stärkster Mann gesucht«
Die Riege der starken Brüder — das große Ziel heißt Spartakiade

 

   „Auf das Gewichtheben könnte bei uns keiner mehr verzichten. Das wäre undenkbar. Wir haben uns alle mit Leib und Seele diesem schönen Sport verschrieben.“ Treffend charakterisieren diese Worte des 17jährigen Karl-Heinz Miklay, dem mehrfachen Bezirksmeister im Leichtgewicht, den Elan und die Begeisterung der Gewichtheber von Traktor Lelkendorf.

   Wir waren Gast bei einem abendlichen Training in der Neukalener Sporthalle. Und unser wichtigster Eindruck: Hier geht jeder, vom zwölfjährigen Dieter bis zum 18jährigen Fritz mit bewundernswertem Fleiß zu Werke. Interessant vor allem: In der 15 Sportler starken Neukalener Riege gibt es allein vier Brüderpaare, die Henkes, Schützes, Miklays und Goltz'. Die Erklärung st ebenso einfach wie verallgemeinerungswürdig: Die äl­testen haben die kleinen Brüder für das Gewichtheben begeistert. Der verdienstvolle Trainer Hugo Meilke: „Heute sind gerade die Kleinen kaum noch zu bremsen. Schon eine halbe Stunde vor dem Training er­warten sie mich an der Turnhallen­tür.“

   Man könnte beinahe annehmen, daß dieser Erfolg auf langjährige Traditionen fußt. Doch das Lelkendorfer Gewichtheben ist gerade vier Jahre jung. Es wurde im Februar 1962 ge­boren. Zu dem Zeitpunkt nämlich, als der Landmaschinenschlosser Hugo Meilke seinen Ehrendienst bei der Nationalen Volksarmee beendete.

   In der Armee hatte Sportfreund Meilke u. a. auch das Gewichtheben erlernt. Mit der Riege der ASG Neu­brandenburg wurde er zehnmal Be­zirksmeister. Für Traktor Lelken­dorf startend, eroberte er sich sogar den Titel eines Republiksiegers (Leichtgewicht) bei den DDR-Aus­scheiden der SG Traktor in Leipzig-Markkleeberg.

   Weil die Kinder anfangs zu skep­tisch waren, begann Hugo Meilke mit den Erwachsenen. Ein Schau­heben unter dem Motto „Stärkster Mann gesucht“ warb die ersten In­teressenten. Bald zogen die Hanteln auch die Jüngsten an. „Das war von Beginn an mein Vorhaben. Ohne die Kinder und Jugendlichen wäre die Entwicklung des Gewichthebens nicht möglich. Sie beanspruchen mein ganzes Interesse“, urteilt Trainer Meilke. Die Erfolge bestätigen die Worte: 1963 bereits zehn Einzeltitel bei den Bezirksmeisterschaften. 1964 beim Mannschaftswettbewerb der SG Traktor 2. Platz für unsere Be­zirksauswahl (vor allem Lelkendor­fer Gewichtheber). 1965 - ungefähr­deter Sieg bei der Bezirkssparta­kiade. In Magdeburg wird Erhard Langhoff (Mittelgewicht, Jugend B) DDR-Vizemeister! Bemerkenswert: Der Kreisvorstand des DTSB Teterow, der Trägerbetrieb RTS Lelken­dorf, die Schule und nicht zuletzt die Eltern gewähren den Gewichthebern jede Unterstützung.

   Jetzt heißt das große Ziel der all­wöchentlichen intensiven Trainings­stunden: Spartakiade! Auf der Be­zirksspartakiade möchten sich näm­lich die Lelkendorfer Gewichtheber möglichst viele Plätze für das Sport­ereignis der Kinder und Jugend­lichen des Jahres, für die zentrale Spartakiade in Berlin erobern.

                       S. Iselt

 

 

Das ist die Riege der 15 Neukalener Gewichtheber

 

Das ist die Riege der 15 Neukalener Gewichtheber

 

Oben von links: Horst Schelän, Fritz-Gerhard Berendt, Karl-Heinz Mickley, Horst Tucholke, Günter Laube, Klaus Henke, Dieter Golz, ? , Dieter Schütze, Klaus Schirrmacher, Hugo Meilke
Unten von links: Willi Golz, Horst Henke, Manfred Mickley, Klaus Schütze

Ein hoffnungsvolles Talent ist der 13jährige Dieter Golt

 

Ein hoffnungsvolles Talent ist der 13jährige Dieter Golz

 

Mühelos bewältigt Fritz-Gerhard Berendt 100 kg im Stoßen

 

Mühelos bewältigt Fritz-Gerhard Berendt
100kg im Stoßen

 

 

   Der nächste in dieser Reihe erfolgreicher junger Neukalener ist der Sohn der damaligen Bürgermeisterin, Horst Tucholke. Ebenso wie seine Schwester war dieser sportlich vielseitig interessiert. Neben vielen Bezirksmeistertiteln wurde er auch DDR-Meister im Mehrkampf Schwergewicht Jugend A. Bemerkenswert ist, daß er neben den vielen Leicht- und Federgewichtlern als einziger Schwergewichtler die Erfolgsspur fand. Und noch eine weitere Sache ist in seinem Sportlerleben für uns interessant. Er nutzte das Amt seiner Mutter zu seinem Zweck. So „entlockte“ er ihr so manches Preisgeld für die Kampfabende im Gasthof Neukalen. Unvergessen sind die 400,- Mark, die es bei einem Vergleich gegen den ASK Vorwärts Leipzig im Frühjahr 1970 für die Sportler zu gewinnen gab, gestiftet vom Rat der Stadt und der Bürgermeisterin. Das könnte auch für heute Vorbildwirkung haben. Das Jahr 1970 gab für die Gewichthebergruppe und für die Stadt Neukalen noch ein besonderes Highlight. Am 01.05.1970 fand im Gasthof zu Neukalen die Bezirksmeisterschaft statt. Es herrschte gute Stimmung im randvoll gefüllten Saal. Das war Ansporn zu vielen Siegen für Lelkendorf. So erreichte zum Beispiel Manfred Mickley mit dem Bezirksmeistertitel im Leichtgewicht Jugend A seinen grössten Erfolg vor heimischer Kulisse.

 

   Danach folgten, die Anfang der siebziger noch in Kinderbereich startenden, Hugo Meilke junior und Lothar Ziak. Ja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Hugo jun. machte seinem Vater alle Ehre. Zusammen mit Lothar räumten sie in den Jahren 1970-1972 in den Kategorien Kinder 0, A und B im Bezirk alles ab. Hugo jun. erreichte in jedem Jahr wenigstens eine Bronze-Medaille bei den DDR-Meisterschaften. Mit dem Wechsel in den Jugendbereich 1973 wechselten sie zum TSC Berlin. Ein schweres Jahr für die beiden Jungs. Besonders für Hugo jun. Sein Vater, inzwischen Kreissportlehrer, Lehrer und Trainer in einem, hatte ein kombiniertes Fernstudium an der DHFK Leipzig begonnen, um seine berufliche Zukunft abzusichern. Seinen Sohn zog es nach einem Jahr wieder Richtung Heimat. Lothar Ziak blieb in Berlin. 1974 wurde er DDR-Meister im Leichtgewicht Jugend B. Er blieb bis zur 10. Klasse an der Sportschule, konnte aber mit zunehmenden Alter nicht mehr die grossen Erfolge erzielen.

 

Günter Ahlgrimm 1970 in Berlin

 

Günter Ahlgrimm 1970 in Berlin

 

Lothar Ziak

 

Lothar Ziak

 

Startbuch Lothar Ziak

 

Startbuch Lothar Ziak

 

 

   Als Hugo jun. Ende 1973 wieder in Neukalen zum Training kam, hatte das letzte Jahr der Sektion Gewichtheben begonnen. Er meldete sich mit guten Ergebnissen zurück. Im Dezember 1973 gewann er das Werner-Seelenbinder-Turnier. Im Jahr 1974 gewann er auf Bezirksebene alle Veranstaltungen der Jugend B. Bei einem internationalen Turnier im polnischen Koszalin belegte er Platz 2. Die Heimatluft bekam ihm besser.

 

   Da sein Vater nun oft fehlte, übernahm Karl-Heinz Mickley, selber ein Meilke-Schüler, immer häufiger das Training. Und wieder hatte sich eine erfolgreiche Gruppe gebildet. Hervorzuheben sind hier Wolfgang Guhl, Uwe Schoknecht, Eckhard Hinzpeter und Eckhard Buttelmann. Dazu kamen noch die beiden Jördenstorfer Andreas Hänke und Frank Koschnick. In den Bereichen Kinder A und Jugend C erreichten sie viele gute Platzierungen, bis hin zu Medaillen bei den DDR-Meisterschaften. Zum Ende des Jahres wechselten Andreas Hänke zur Sportschule nach Neubrandenburg sowie Frank Koschnick und Wolfgang Guhl zum TSC Berlin. Wolfgang blieb dort bis zur 10. Klasse. Sein grösster Erfolg war in dieser Zeit ein 8. Platz bei der DDR-Juniorenmeisterschaft.

 

   Das Ende der so erfolgreichen Sektion Gewichtheben war da. Nur einer machte ernsthaft weiter. Hugo Meilke junior. In einer kleinen Wellblechhalle (sie stand später am Altkalener Sportplatz) in Rey trainierte er für sich weiter. Von seinem Vater gab es auf Grund seines Studiums nur Fernbetreuung. Mit der Verbissenheit seines Vaters, jetzt für Einheit Teterow startend, gelang ihm 1975 dann sein grösster Erfolg. Der Einzelkämpfer wurde DDR-Meister im Federgewicht der Jugend A. Ein Jahr später, zum Ende seiner Jugendzeit, errang er seine letzten Medaillen bei der Bezirksspartakiade, ehe auch er mit Erreichen des Männeralters die Hanteln an den grossen Nagel hing. Hugo Meilke beendete 1975 sein Studium in Leipzig. Er wollte Lehrer in Neukalen werden, doch da war schon Herr Dominka. Da wurde ihm eine Stelle in Jördenstorf angeboten, und er schlug zu. Er blieb bis zur wohlverdienten Rente ein engagierter Sportlehrer. Der Sport blieb immer Mittelpunkt. Spät, sehr spät dann wenigstens ein Hauch von Anerkennung von den Funktionären. 1984 erhielt er aus den Händen von Manfred Ewald die Auszeichnung als vorbildlicher Übungsleiter. Zu wenig, sagt der Autor dieser Zeilen und spricht mit den Worten vieler seiner Schützlinge, mit denen er gesprochen hat.

 

   Schade, daß es keiner von ihnen bis ganz an die Spitze des Erfolges gebracht hat; aber profitiert hat wohl jeder von dieser Zeit, sei es sportlich oder menschlich gesehen. Hugo Meilke, ein ganz harter Hund, aber auch eine Seele von Mensch.

 

Medaille für Hugo Meilke 1959

 

Medaille für Hugo Meilke 1959

 

Urkunde 1962

 

Urkunde 1962

 

Urkunde Hugo Meilke 1964

 

Urkunde Hugo Meilke 1964

 

Urkunde Hugo Meilke 1970

 

Urkunde Hugo Meilke 1970

 

Urkunde Günter Ahlgrimm 1970

 

Urkunde Günter Ahlgrimm 1970

 

Urkunde Horst Tucholke 1971

 

Urkunde Horst Tucholke 1971

 

Urkunde Eckard Hinzpeter 1973

 

Urkunde Eckard Hinzpeter 1973

 

Urkunde Hugo Meilke 1973

 

Urkunde Hugo Meilke 1973

 

Urkunde Hugo Meilke 1974

 

Urkunde Hugo Meilke 1974

 

Urkunde Hugo Meilke 1974 (2)

 

Urkunde Hugo Meilke 1974

 

Urkunde Hugo Meilke 1984

 

Urkunde Hugo Meilke 1984

 

Urkunde Manfred Mickley

 

Urkunde Manfred Mickley

 

Urkunde Lothar Ziak

 

Urkunde Lothar Ziak