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Warsower Flurnamen

 

Horst Burmeister

 

 

   Wenn man von Neukalen kommend nach Warsow fährt und den "Heidalsbarg" hinter sich gelassen hat, dauert es nicht mehr lange und man sieht die ersten Häuser von Warsow. Lang streckt sich der Ort dem Betrachter hin.

   Gleich links, noch vor der Gaststätte, befindet sich der "Schönkamper Weg" und direkt an der Gaststätte ging der "Schorrentiner Weg" vorbei. Aber von ihm sind nur noch 500 Meter übrig. Das andere Wegstück sowie andere Wege fielen der sozialistischen Landgewinnung zum Opfer. Dieser Weg diente früher den Warsowern als Kirch- und Friedhofsweg nach Schorrentin bis 1960, dann gehörte man zur Neukalener Kirchgemeinde.

   Hier lagen mehrere Ackerstücke von Warsowern bis zum "Flakensoll" hin, einem von drei Wasserlöchern, die an der Gemarkungsgrenze von Schönkamp bzw. Schorrentin liegen. An diesem Weg standen damals Linden, von denen leider nur noch wenige übrig geblieben sind. Auch war hier einmal ein Hohlweg, der später dann voll Dornengestrüpp war und dadurch unheimlich wirkte. Auch ihn traf das Schicksal, er wurde einfach zugeschoben.

   Da wo der "Schorrentiner Weg" heute endet, geht er nach rechts weiter auf der ehemaligen Verbindung von Neukalen nach Dargun. Ungefähr 100 Meter weiter links erkennt man eine ehemalige Sandgrube. Früher war es einmal ein bewaldeter Berg mit dem Namen "Die kleinen Tannen". Er wurde 1969/70 abgetragen und der Sand zum Wegebau in der "Großen Rosin" verwendet. Später wurde diese Bodenvertiefung mit Müll verfüllt. Auf einer Anhöhe erkennt man deutlich einen längsseitigen Bodenaushub. Dieser rührt vom ehemaligen Schießstand der GST von Warsow her. Auf der gegenüberliegenden Seite befand sich eine Böschung, die als Kugelfang diente. Inzwischen haben Jugendliche aus Warsow das Gelände für sich hergerichtet und so wird es jetzt als "Feuerstelle" bezeichnet. Gegenüber auf der anderen Seite ist ein kleines rechtwinkliges Kiefernwäldchen. Es wird allgemein nur als "Fieter Köppen sien Holt" bezeichnet.

 

Bank bei der früheren Sandkuhle

 

Bank bei der früheren Sandkuhle
"Die kleinen Tannen" (2002)

 

Blick vom früheren Weg nach Schorrentin auf Warsow

 

Blick vom früheren Weg nach Schorrentin auf Warsow

 

Der frühere Landweg in Richtung Dargun bei der Sandkuhle

 

Der frühere Landweg in Richtung Dargun bei der Sandkuhle

 

 

   Folgt man diesem Weg jetzt weiter, sehen wir auf der linken Seite einen kleinen bewaldeten Hügel. Man könnte meinen, er sei künstlich geschaffen, so geformt ist er. Sein Name lautet "Düwelsorsbarg" (hdtsch.: "Teufelsarschberg"; auf der Schmettau-Karte von 1788: "Teufels Ars"). Warum er so heißt, ist sicherlich unbekannt.

 

Der frühere Landweg in Richtung Dargun, links im Hintergrund der Düwelsorsbarg

 

Der frühere Landweg in Richtung Dargun,
links im Hintergrund der "Düwelsorsbarg"

 

Blick vom Düwelsorsbarg auf Warsow

 

Blick vom "Düwelsorsbarg" auf Warsow

 

 

   Nach knapp weiteren 100 Meter erhebt sich links der "Flöhbarg" (Flohberg). Der Weg geht parallel dazu durch einen Hohlweg. Links von diesem Weg beginnt schon die Gemarkung Schwarzenhof. Auf dem "Flöhbarg" standen früher zwei Bauernstellen (südliche Seite: Moll, nördliche Seite: Willy Schoknecht). Bis 1896 befand sich hier eine Poststation, wo Pferde für die Postkutschen gewechselt wurden.

 

Zerfallener Stall beim Flöhbarg (2002)

 

Zerfallener Stall beim "Flöhbarg" (2002)

 

 

   Ungefähr einen Kilometer weiter nordwestlich vom "Flöhbarg" befindet sich der "Waldwinkel". Auch hier standen zwei Häuser. Der ehemalige Gutsbesitzer von Schwarzenhof hatte hier Anfang des 20. Jahrh. eine Seidenraupenzucht, und das größere Haus mit 13 Zimmer war als sein Alterssitz gedacht. In dem kleineren Haus verbrachte der in Warsow lebende Alexander Kneier seine Kinder- und Jugendjahre. Obwohl dieses Gebiet zu Schwarzenhof zählt, hatten seine Bewohner zu Warsow mehr Kontakt, denn hier gingen sie zur Schule, zur Arbeit oder zum Einkaufen. Vom "Waldwinkel" weiter zum Wald hin wird die Gegend "Mückenburg" genannt.

   Aber zurück zum Weg, der auch über zwei Gräben im Wald führt. Wenn man einmal in die Gräben steigt und so unter den Weg schaut, sieht man, welche gewaltigen Steine unsere Vorfahren ohne Technik über diese Gräben legten.

 

Brückensteine im früheren Landweg nach Dargun

 

Brückensteine im früheren Landweg nach Dargun

 

 

   Dieser Weg führt weiter fast am Waldrand an der ehemaligen "Waldwiese" vorbei (1907 als Wiese im "Stein – Furth" bezeichnet) und quert die jetzige Straße nach Dargun. Bei der letzten Einfahrt in den Wald auf der rechten Seite, der "Herzogschneise", erkennt man noch die beiden Seitenwälle des Weges.

   Im Wald selber, welcher auf der Schmettau – Karte von 1788 als "Eisser Born" bezeichnet wird, gibt es auch eine Reihe von Flurnamen. Wenn man von der Straße Neukalen - Dargun rechts in den Wald einbiegt und hier auf ein Kopfsteinpflaster stößt, ist dieses der "Steinerdamm". Weiter auf diesem Weg kommt man zum "Dreiangel". Hier gehen Wege in drei Richtungen. In der Mitte befinden sich Gedenksteine für Waldarbeiter, die ihr Leben lang im Forst arbeiteten bzw. verunglückten.

 

Gedenksteine am sogenannten Dreiangel im Wald bei Warsow

 

Gedenksteine am sogenannten "Dreiangel"
im Wald bei Warsow

 

 

   Der nördliche Weg am Dreiangel führt uns zur "Stubbenkuhle". Hier wurde früher Sand zum Wegebau in den Wiesen sowie im Wald abgebaut. Später entsorgte man hier wohl Baumstubben, daher der Name. Gleich links liegt eine Jungkultur. Das ist der "Neue Pflanzgarten". Bis ca. 1970 war dieses ein so genanntes "Kamp". Hier wurden Bäume gezogen, auch standen hier zwei Schuppen für Geräte und als Unterstand für Waldarbeiterinnen und -arbeiter. Dieses Gelände liegt auf einer Anhöhe und wird "Bocksbarg" genannt.

   Ca. 500 Meter nordwestlich liegt der "Alte Pflanzgarten". In den 60-er Jahren bauten Waldarbeiter hier sogar Kartoffeln an, die sie als Deputat von der Forst erhielten. Danach wurden Weihnachtsbäume angepflanzt, die man als Selbstwerber schlagen durfte.

 

Im Wald bei Warsow

 

Im Wald bei Warsow

 

 

   Folgt man dem Weg nach Kützerhof, erreicht man vor einer ziemlich steil bergab führende Strecke den "Koppheisterbarg" (Kopfüberberg). Weiter geht es an einer Buche vorbei, an der eine Gedenktafel an Horst Köpsell erinnert, der hier am 16.11. 1974 während einer Jagd verstarb. Noch 500 Meter weiter erreicht man die "Lichtmastenschneise". Weiter gibt es im Wald, nahe der Feriensiedlung Köppen, den Schießstand, auch eine ehemalige Sandgrube; davon 200 Meter östlich den "Maiglöckchenberg". Seinen Namen hat er aufgrund des großen Vorkommens an Maiglöckchen.

   Wenn man in Neu Warsow, im "Unterdorf", von der Kreuzung Richtung Kummerower See fährt, liegen links und rechts die "Bäudner Wischen". Nach dem ersten Quergraben beginnen die "Ossenkavels". Es dauert nicht mehr lange und dann haben wir links das erste Torfloch. Jedes Torfloch hat bei den Warsowern seinen Namen, das erste ist benannt nach dem Bauern Junghans, also "Junghans sien Torfloch". Weiter nach ca. 150 Meter links geht ein Weg zu den "Grambowschen Torflöchern". Gleich vorne das kleine und das große Torfloch von Meta Grambow, dahinter das von Adolf Grambow. Weiter auf dem Weg zum Kummerower See kommt das "Bornloch". Mit "Born" wird im Niederdeutschen eine Quelle oder eine stets feuchte Stelle bezeichnet, die als Tränke für das Vieh genutzt wird. Früher wurde immer erzählt, daß hier einmal ein Ochsengespann ersoffen ist. Im Zuge der Renaturisierung, die 2005 ihren Anfang nahm, steht dieser Weg jetzt unter Wasser. Wider allen realistischen Gedanken will hier eine grüne Ökolobby ihren grünen Wahn ausleben. Kein Einwohner oder Urlauber kann nachvollziehen, wozu dieses gut ist. Endlich stehen auch couragierte Leute auf, voran Dr. Chudy aus Warsow, um gegen diese Spinnerei einzuschreiten. Naturschutz muß sein. Darüber sind wir uns alle bewußt, aber nicht so. An diesem ehemals befahrbaren Weg kommt schließlich auf der rechten Seite "Schlapmanns Torfloch", dann das größere "Sassens Loch", dahinter das kleinere "Fritz Köppens Loch" und gegenüber das von Wilhelm Schwarz.

   Da Warsow im Gegensatz zu anderen Dörfern reich an Wiesen war, pachteten Bauern aus anderen Gemeinden hier Wiesenflächen. Namen wie "Große Waguner Wiese" oder "Kleine Waguner Wiese" sind noch sehr bekannt. Sie liegen an der Südseite des Waldes Richtung Warsow hin. In der "Großen Rosin" waren früher auch einige Wege, Dämme genannt. Von Kützerhof aus gesehen war es der "Glasower Damm", der "Barliner Damm" der "Brudersdorfer Damm", dann der "Iseborndamm", dahinter der "Kalener Damm" und schließlich der "Dörgeliner Damm", angrenzend an den Warsower Wiesen. Diese endeten Richtung Neukalen an dem "Kauhgraben", für andere ist es der "Bullengraben". Es gab auch einen "Fischerdamm", welcher am "Darguner Damm" lag (1903 gen.), einen "Schulzendamm" (1903 gen.) und einen "Iserborndamm" im Warsower Holze (1894 gen.). Auch die Bezeichnung "Moordammwiesen" war üblich (1907 gen.).

   Während der Heuzeit sagte man sich früher, als es noch viel Handarbeit gab, daß in der "Großen Rosin" die Sonne so stark scheine, als wenn sieben Sonnen scheinen würden. Bei der Technik heute mit Klimaanlagen ist dieses kaum noch nachvollziehbar.

 

Neu Warsow (2004)

 

Neu Warsow (2004)

 

 

   Auch im Bereich des Unterdorfes haben wir mit Flurnamen zu tun. Am bekanntesten dürfte der "Schaulmeisterbarg" sein, kurz nur der "Schaulbarg". Etwas weiter am Weg und dann rechts ging es zum "Dannenkamp". Um 1858 war der mit Tannen bewachsene "Tannenkamp" bereits Ackerland für die Büdnereien geworden. Hier waren bis Mitte der 70-er Jahre noch viele kleine Handtuchfelder und auch Ödlandflächen vorhanden, die zum Teil mit Ginster bewachsen waren; ein Paradies für das Wild und zum Geländespiel für die Kinder. Leider wurde auch hier zum Zwecke der Landgewinnung alles umgebrochen. Seine ursprüngliche Gestalt hat nur der "Kaninchenberg" erhalten, der etwas weiter westlich in Richtung Dorf liegt. Heute gehört dieses Gelände zur Flächenstilllegung. Sogar ein Wildacker liegt mitten drin.

   Im Ort gibt es noch den "Bäckerweg" in Erinnerung an die Bäckerei Öhlkers (Haus Nr. 3). Auch gibt es Flurnamen, die nicht mehr geläufig sind, so "Saß sien lütt Wisch", die sich hinter der Schule befand. Zwischen dem "Schaulbarg" und der jetzigen Stallanlage gab es "De Sag und de Sägwisch", zwei Wiesenstücke, die auch einmal Ackerflächen wurden, aber immer noch an ihrem feuchten Untergrund zu erkennen sind. Wenn bei älteren Warsowern die Namen "Hermann Wessels Tannen", "Heiner Bury sien Holt" oder "Struppy Meiers Tannen" fallen, wissen sie immer noch was gemeint ist.

   1750 heißt es in einer Grenzbeschreibung: "bis an den so genannten Brincken". Gemeint war die Gegend, wo der Grenzgraben zwischen Warsower und Neukalener Feldmark vom Kummerower See her kommend an die erste Erhöhung nach der Niederung, also die Ecke der sogenannten "Judentannen", stößt. Unter "Brink" verstand man früher einen etwas höher gelegenen Grasplatz, und so wird es hier auch einmal ausgesehen haben. Die "Judentannen" wurden erst später angelegt. Die Grenze zwischen Warsower und Neukalener Feldmark verlief dann weiter durch "die Kahldische Grund" (1750); eine größere Bodensenke am Nordrand der "Judentannen", die noch heute erkennbar ist.

 

Weide bei Warsow

 

Weide bei Warsow

 

 

   Bestimmt sind leider schon einige Namen verloren gegangen oder es sind andere da, mit denen keiner etwas anfangen kann. Möge den kommenden Generationen hiervon noch Vieles erhalten bleiben, denn es wäre nicht gut, sollten Flurnamen vergessen werden. Sie gehören einfach zur Geschichte des Ortes.

 

Blick auf Warsow 2004

 

Blick auf Warsow (2004)

 

 

Waldweg bei Warsow

 

Waldweg bei Warsow