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Das Pfarrhaus


Wolfgang Schimmel

 

 

Das Pfarrhaus 2010

 

Das Pfarrhaus am Markt (2010)

 

 

   Das Pfarrhaus befand sich nicht immer an seiner jetzigen Stelle. Sein früherer Platz war in der Klosterstraße, die damals deshalb "Priesterstraße" genannt wurde. Das kleine Haus stand mit der Rückseite zur Stadtmauer, durch die eine Ausfahrt bestanden hat. Gleich daneben lag das Küsterhaus.

   1647 ordnete Adolph Friederich, Herzog zu Mecklenburg, eine Visitation der Kirchen und kirchlichen Einrichtungen in den Ämtern Neukalen und Gnoien an. Regierungsrat Jochim von Nessen, Superintendent M. Samuel Arnoldi, Jochim Crüger, Hauptmann zu Güstrow, und Jochim Krüger, Amtschreiber zu Gnoien, waren damit beauftragt. Sie machten am 29. Juni in Neukalen den Anfang mit ihrer Visitation. Unter anderem wurde auch der Zustand des Pfarrgehöftes beschrieben:

   "Wehdem oder Pfarr Haus
Steht hinterwärts in der Stadt nahe bey der Mauer in einem Sumpfigen ungesunden Salpeter Ort, wie der Geruch bezeüget bey denen die etwan aus frischer Lufft hereinkommen, sollen auch die neülich eintretenden Prediger, zu Anfang, ehe sie dazu gewöhnet mit den ihrigen drinnen gemeiniglich haben krancken müßen, wie denn auch der jetzige Pastor solches Jährlich mit den Seinen hat erfahren.
   Wird von der Stadt und Bürgerschaft gebauet und gebessert. Ist jetzt sehr baufällig in Wänden, Salen, Boden und Dache, von diesem ist die eine Seiten nach Westen anno 1646 nach Pfingsten ganz neü gedeckt. Die Bürger sagten dasmahl zu dies Jahr die andere Seite zu decken, zu versolen und den Börn 1) zumachen, ist bis dato aber nicht geschehen.
   Ist darin eine große Wohn Stube mit Steinen ao 1640 ausgedämmet, an Wänden zerrißen und löcherich.
   Gegen derselben über eine Kleine Stube und ein Kachel Ofen drinnen auch sehr löcherig. Eine offene Küche und danegst zwo Kammern, eine zur Speise Kammer verordnet, sind beide dumpfig und unbeqvehm.
   Zu Endeß des Hauses zwo feine Kammern ao 1619 hinangebauet, darinnen der Börn  durch den Regen an etlichen Orten verderbet, und ist das Dach drauf nach Osten sehr hinfällig, die andere Seite fürm Jahre gedecket.
   Ein tiefer Misthof wenns regnet, sonderlich bey Herbstzeit, nimt viel Schu an Füßen weg. Wird von den Bürgern mit dem Thor mit Glinden 2) und Zäunen befriediget.
   Ist gar kein Holzhof dabey, wo man das Holz nicht in den Mist will werffen.
   Ein Gebäude von 3 Vieh Ställen, von welchen die Salemer Bauren die Hälfte von der Scheünen herauf müßen unter Dach halten. Noch ein Anleinungs Stall an der Scheünen, muß von der Stadt gebauet und gebeßert werden.
   Eine Scheüne von 5 Gebinden auf dem Hofe, davon die Schlakendorffer Bauren die äußerste Seite des Daches machen und beßern müßen die ander alles gehöret der Stadt zu machen.
   Ist nur behende 3), wenn der p. t. Pastor seinen Acker mit all besäet und das Körnlein wohl geräth, kann es drinn nicht laßen, sondern muß von andern Scheüren heüren, wo er keine kaufen will, kann auch mit dem Heüfutter nirgend bleiben.
   Hinter der Scheündälen ist eine Thür, gehet in den nächist belegenen fremden Garten. Die vördersten Häupter Vieh am Augst Wagen 4) in der Einfuhr hindurch zu treiben, und weil für diesem Zanck und Wiederwillen deswegen zwischen den p. t. Pastorn und dem Nachbahrn dem der Garte gehöret fürgefallen und derselbe sich über des Pastorn Gesinde beschweret, daß es ihm in der Erndte das Obst von Bäumen reiße, als ist der modernus Pastor mit S. Urban Biers Wittwe einsgeworden, umb so viel Plaz so dazu gehöret, und sich das Vieh darinn umwenden kann denselben mit einen Spielzaun 5), darüber niemand so leichtlich kommen kann zu befriedigen und zu der Wehdem erblich zu verkauffen für 2 Gulden, darauf in gegenwärtiger Visitation noch zu handeln, und denn ferner, wer den Zaun machen und halten. Item woher das Geld für den Platz genommen werden solle, zu verabscheiden.
    [seitliche Anmerkung: Bleibet bey der alten Gerechtigkeit der Pastoren]
   Der Platz ist neben der Scheünen her 2 Bund auswärts 11 oder 12 Schu lang nötig.
   Ein Sood 6) bey der Wehdem ist in der Kriegs Unruhe für 10 Jahren vefallen und unfertig, und bis hieher nicht repariret.
   Eisen
   An Viehe und Sand nichts
   An Hausgeräth nichts, allein zwo Bancken in der Wohn Stuben und ein alt zerrißen Kannen Boord dahinter im Hause mit ein paar Bretter oder Fachen.“

   Pastor Christoph Arnoldi beschwerte sich 1647 wiederholt darüber, daß seine Frau und Tochter unter großer "Gefahr der Gesundheit, sonderlich bey Winterszeit" seit fast acht Jahren das Wasser weit vom Markt her holen mußten, da der Brunnen auf der Straße vor dem Pfarrhof nicht repariert wird. Die Visitatoren beauftragten die Stadt mit der Reparatur.

   Bei der Visitation 1662 sieht es mit dem Pfarrhaus schon besser aus: Das Haus ist von 7 Gebinden 7), hat Lehmwände, die außen weiß gestrichen sind, und teilweise neue Fenster. Von der Hausdiele führt eine Seitentür in die Stube mit einem guten Ofen. Weiter ist vorhanden ein kleines Stübchen mit einem alten Ofen, eine Schlafkammer, eine weitere Stube mit einem guten Ofen und ein kleines Gemach. Der Fußboden dieser Räume besteht zum Teil aus Ziegelsteinen, die mit weißem Sand bestreut wurden, oder aus festgestampften Lehm. Die Zimmerdecken sind "gewunden", was wohl bedeutet, daß sie mit verputzten geflochtenen Strohhalmen versehen waren. Zum Boden führt eine zehnstufige Treppe mit Handlauf. Der Boden ist teilweise mit Bohlen abgelegt, ansonsten mit Lehm versehen. Das Dach besteht aus Schilfrohr und Stroh.
   Pastor Melchior Weißscheibe hatte das Haus für 10 Gulden reparieren lassen und forderte nun das Geld vom Magistrat zurück.

   Bei der verheerenden Feuersbrunst am 20.4.1676 wurde auch das Pfarrhaus in Schutt und Asche gelegt. Die Bürgerschaft kaufte einen anderweitigen Bauplatz am Markt und errichtete hier ein neues Pfarrhaus. Hinter dem Wohnhaus war nur wenig Hofraum, ein Brunnen und ein kleines Gebäude von vier Gebinden, das gleichzeitig als Stall und Scheune dienen mußte. Das war dem Pastor für seine Acker- und Viehwirtschaft zu wenig. So erwarb die Bürgerschaft für 20 Rthlr. außerhalb des Stadttores eine Scheune. 14 Rthlr. kamen durch eine Sammlung in der Stadt zusammen und 6 Rthlr. gab der Hauptmann von Thun dazu. Diese Scheune brannte leider am 14.9.1702 nebst vielen anderen mit allem Korn und Futter ab. 1703 wurde dann eine neue Pfarrscheune vor dem Mühlentor errichtet.

   Zur Pfarre gehörten 10 Morgen ¾ Landes an Ackerland, mehrere Wiesen, ein Baumgarten (heute Hafengelände) und ein Hopfengarten vor dem Malchiner Tor. Pastor Arnoldi war der letzte Pastor, welcher dieses selbst bewirtschaftete. Nach seinem Tode 1657 verpachteten die Pastoren den Acker. Der Pächter (1662 war es z.B. Teves Lindenbeck) behielt 1/3 des Ertrages, 2/3 bekam der Pastor. Seitens der Pächter bestand kein großes Interesse, den Acker ausreichend mit Mist zu versorgen. So beklagte sich Präpositus Mantzel, daß der Acker mittlerweile sehr mager geworden wäre. Auch der Pächter Christof Bruhn, welchem er die Hälfte des Ertrages zugesprochen hatte, in der Hoffnung, er würde den Acker "in acht nehmen und fett machen", hatte nichts getan. So sah sich Präpositus Mantzel 1703 gezwungen, den Acker wieder alleine zu bestellen. Er schrieb dann 1704, "daß der Ackerbau grosse Mühe und Unkosten verursache, und man in dieser Zeit gar wenig darbey prosperire; dennoch aber düncket mich, es sey besser mit geringem Nutzen nach eigenem Gefallen das seinige zu bestellen, als in Hoffnung grossen Profits grossen Schaden zu leiden, und dabey von einem andern allen Wiederwillen zu haben."

   1725 wandte sich Pastor Suckow mit einem Beschwerdebrief an den Magistrat:

   "Memorial an Bürgermeistere und Rath, auch gesammte Bürgerschafft zu Nienkalden.
   Es ist, in meinem Pfarrhause, das ohne dem elende Bauwesen dergestalt kennbar, daß jeder vernünfftiger gestehen muß, es sey weder zu meiner, nach Gottes Willen, wachsenden Haußfamille, noch sonsten, zur Abwendung des Schadens an meiner Leibesgesundheit und der von Gott mir verliehenen Gütern, der billig gehörige Raum und Behältniß, viel weniger aber die Bequehmlichkeit für einen Prediger, darinnen zufinden. Denn, da ist bekand, daß im gantzen Hause nur 2 kleine Stübchen und nur eine eintzige Cammer, welche brauchbar, verhanden, meine im obern Stockwercke habende Studierstube aber hat für Staub und Rauch, bis diese Stunde, nicht mögen gesichert werden, wodurch aber leider! mein Gesicht, wie jeder mercken kan, bereits im Grunde verderbet, und meine Bücher, welche mir ein ehrliches gekostet, schon im jämmerlichen Stande gesetzet worden. So ist auch das kleine Kellerchen etwas über eine halbe Mannslänge etwa tieff, in der Erden und noch dazu ungewölbet, wodurch es geschiehet, daß mehr Bier versäuret, als concummiret werden kan mit Stützen. Solche unerträgliche Haußmängel, ohne sonderbarer Beschwehrde der Stadt, zu heben, habe der hochfürstlichen Regierung zu Dömitz, unterthänigster maßen, längstens vorgestellet, und die, zur Ziehung eines Schorsteins, Ausbeßerung des Kellers und Vermehrung der Gemächer, benöthigte Baukosten, besorget. Wan aber die Baumaterialia, als Holtz und Steine, da von der hochfürstl. Cammer selbige zwar gnädigst accordiret, von den itzigen Landes - Conjecturen aber behindert werden wollen, für bares Geld angeschaffet werden müßen, und dahero das gnädigst accordirte quantum nicht zureichen kan, sondern meinem Seckel eine Zulage annsinnet, welche weit größer erwachsen würde, wan diese Stadt, der hiezu benöthigten Fuhren und Handarbeit oder Zupflege sich entziehen wolte, als welche inexcusable Lieblosigkeit, da die Last derselben großen Theils überhebe, und zum Theil mir selbst aufflege, mich höchstens schmertzen würde. Allein die Furcht Gottes, welche nach dem 7ten Gebot des Negsten Schaden, nach aller Möglichkeit zu verhüten lehret, als die ich in meiner Gemeine unstreitig vermuthe, negstdem aber meine für die Stadt getragene Vorsorge, daß sie bey diesem unümgänglichen Bau, dazu mich die zudringliche Noth bringet, der ihr sonsten zukommenden Ertragung der Baulast, sowohl an Unkosten, als anderer Arbeit, mehrentheils, enthoben werden möge, und endlich die Liebe meiner Gemeine für ihren Selensorger, welche außer allen Zweiffel gesetzet wird etc. dieses alles, sage ich läßet mich hoffen, es werde sich dieselbe diesem so geringen Ansinnen, da nicht mehr als die Fuhren und Handarbeit praetendiret wird, nicht entziehen können, bevorab, da durch vorhabenden Bau das Pfarrhauß im Stande gesetzet wird, daß nachmahls vor der Hand oder in vielen Jahren nicht leicht wird nöthig seyn daran vergeblich zu flicken, wie bishero geschehen. Zu solchem Ende habe dieses dem itzt Worthabenden Herrn Bürgermeister zur gütigen Betreibung einer schleunigen resolution, (da schon vor einem Monath und länger vergeblich desfals Vorstellung thun laßen) unter dem Anwunsch göttlicher Gnaden Obhut über Bürgermeister und Rath auch der gesammten Bürgerschafft, negst hertzlicher Begrüßung bestens recommendiren wollen.
   Geschehen Nienkalden den 11ten Martii, ao 1725.
                    Jac. Sigism. Suckow

   Demnach der schlechte Zustand meines Hauses, der Mangel zureichlicher Stuben und Kammern, eines Kellers und anderer Nothwendigkeiten, sonderlich aber die incommodite des Rauchs und Staubes auff meiner Stuben, welche meine Leibesgesundheit bereits im schlechten Stande und meine kostbare Bibliothec schier im Verderb gebracht, endlich mich dahin gemüßiget, Ihro hochfürstl. Durchl., unsern gnädigsten Landes Vater, in dero hochfürstl. Regierung zu Dömitz, meine Noth unterthänigst vorzustellen; Als habe, bey Übergebung eines Documenti von einem Notario, darinnen mein gantzes Hauß, wie es mit Gemächern, Dach und Keller beschaffen, entworffen, in specie demüthigst vorgestellet, es könne mein größes Anliegen, nemlich wegen des Rauchs und Staubes auff meinen Studier Stuben, nicht anders als durch Ziehung wenigstens eines Schorsteins, gehoben werden. Wobey dan überdem, aus christlicher Liebe und Zuneigung für diese meine Stadtgemeine, dieselbe von den sonsten ihr zukommenden Baukosten zu subleviren, üm einige Collectengelder, die in meiner Praepositur verhanden waren, unterthänigst angehalten, selbige zu diesem Bau anwenden zu dürffen. Worauff die hochfürstl. Regierung mir zur gnädigsten resolution ertheilet, Sie wolten in hohen Gnaden meinem petito deferiret haben, den Bau sofort an zu tretten, wan der H. Kirchenrath Schaper zu Güstrow, dem Sie die Untersuchung des Bauwesens sofort per mandatum committiren wolten, sein videtur hierüber gegeben welches auch im abgewichenen Herbst erhalten. Wan nun hierauff der Bau mit dem Keller, Stub u. Cammer würcklich angefangen, jedennoch, mit vorgekommenen vielfältigen wiedrigen Hindernißen, welche die Stadt verursachet, unter dem praetext der Gefahr mit dem Schorstein, dawieder jedoch alle praecautiones genommen waren, alles Fortsetzen abgebrochen, ungeachtet doch der Stadt nichts weiter als Fuhren und Handarbeit angesinnet worden, unter offt wiederholter Versicherung, es solten obgemeldete Collectengelder zu solchen Unkosten angewendet, und, wan selbige nicht zureichen wolten, der übrige Rückstand solcher Baukosten aus meinem eigenen Seckel gereichet werden; Als habe ihrer Beysorge durch meine wiederholte Zusage begegnet, daß die Stadtgemeine, wegen Verschußes angewandter Gelder zu diesem itzigen Bau, zu keiner Erstattung soll verbunden seyn, es wäre den, daß Sie weiter difficultirte, die verlangten Fuhren und nöthige Handarbeit zu beschaffen, auff welchem Fall, der zur fürdern Verzögerung undienliche Bau, für barer Bezahlung, von mir würde fortgesetzet, und die Erstattung, wozu die Stadt ohne dem schuldig, bey der hochfürstlichen Regierung urgiret werden müßte. Nachdem nun aber, unten gesetzten Dato, die hiesige Stadtgemeine sich dahin obligiret, die Beyhülffe zu dem nöthigen Bau, mit Fuhren und Handarbeit, würcklich zu leisten, wan ich, mittelst eines reverses, si von der Erstattung der Unkosten entheben würde; So habe, krafft dieser meiner Handschrifft, bezeugen und bekräfftigen wollen, daß, wie ich, ohne der Stadt Vorwißen, aus sonderbahrer Liebe und Zuneigung zu dieser meiner anvertrauten Gemeine, wegen solcher Bauunkosten die Vorsorge gethan, also auch dieselbe, zu keiner Ersetzung solcher Baugelder zu diesem Bau, sie mögen Nahmen haben, wie sie wollen, itzt und hinkünfftig, schuldig gehalten, sondern davon quit und frey gezählet werden sollen. Überdem übernehme ich, aus eigenem freyen Willen, und Zuneigung zu der Stadt, so lange ich in dem Pfarrhause wohne, und als Prediger in demselben lebe, den Schorstein, auff meine eigene Kosten, reinigen zu laßen, und alle mögliche praecaution, wegen besorgter Gefahr, welche Gott auff alle Weise in unser Stadt abwenden wolle! zu nehmen und zu beobachten. Urkündlich habe solches mit meiner eigenen Hand geschrieben und mit meinem Nahmen unterschrieben, auch mit meinem gewöhnlichen Pittschafft bekräfftigen wollen, So geschehen, Nienkalden, den 5ten Jun. anno 1725        

   Jac. Sigism. Suckow
   Eccl. Past. et Praepos. Syn.                            

   Darguno u Neocald. mnpria"

   Das Pfarrhaus wurde daraufhin 1726 umfangreich renoviert.

   Präpositus Jakob Sigismund von Suckow starb am 25.5.1753 im 70. Lebensjahr. Über ein Jahr lang blieb die Neukalener Pfarre unbesetzt. Zu den Gottesdiensten mußten Pastoren der umliegenden Orte geholt werden. Am 25.8.1754 wurde Friedrich Conrad Engel von der Gemeinde als Pastor gewählt und am 13.9.1754 in Neukalen eingeführt. Bald nach seinem Amtsantritt bemühte er sich um Erneuerung des Pfarrhauses und Verbesserung der Pfarreinkünfte durch Erhöhung der Ackerpacht.

   1755 faßte man den Entschluß, das baufällige Pfarrhaus am Markt abzubrechen und neu zu errichten. Der Neukalener Magistrat forderte am 10.6.1755 - angeblich überliefertem Herkommen nach - das gesamte Bauholz dazu vom Herzog, was aber im Widerspruch zu alten Nachrichten in den Visitationsprotokollen stand. Nachdem diese Streitigkeit durch eine Entscheidung des Herzogs, 2/3 des Bauholzes aus der herzoglichen Forst herzugeben, behoben war, wurde 1756 mit dem Neubau des Pfarrhauses am Markt begonnen. Zur Bestreitung der Baukosten standen 50 Rthlr. aus dem aerario der Kirche, 100 Rthlr. aus den Mitteln des Armenkastens und 50 Rthlr. aus den Kapitalien des St. Georg Stiftes zur Verfügung. Einige Balken des alten Pfarrhauses konnten noch für den Bau einer Stadtbude verwendet werden.

   Am 14.12.1777 entstand in den Ställen des Pfarrgehöftes infolge Verwahrlosung ein Feuer, das die Pfarre nebst einer Reihe anderer Häuser und Buden zwischen Markt und Klosterstraße gänzlich in Schutt und Asche legte. Etwa vierzig Familien wurden obdachlos. Bei dem Brand gingen sämtliche Pfarrschriften nebst den Kirchenbüchern verloren. Infolgedessen gab es für Mecklenburg die Bestimmung, daß nicht nur hinfort alljährlich von jeder Pfarre eine Kirchenbuchabschrift über das letztverflossene Jahr auf der Superintendentur eingereicht werden sollte, sondern daß nachträglich jeder Pastor alle seine alten Kirchenbücher, soweit sie in die Vorzeit zurückreichten, eben dahin liefern sollte. Das neue Kirchenbuch für Neukalen legte der Nachfolger, Pastor Schmidt, 1780 an. Was der Pastor Böttger nach dem Brand aufgezeichnet hatte, war infolge der starken Abnahme seines Gedächtnisses so mangelhaft befunden und hatte soviele Lücken, "daß davon garnichts vollständiges und richtiges vorgezeigt werden kann".
   Das 1756 errichtete Pfarrhaus am Markt und auch das in der Klosterstraße an der Mauer belegene Küsterhaus waren also bei der Feuersbrunst am 14.12.1777 bis auf die Grundmauern vernichtet worden. Beide Gebäude sollten nun unter einem gemeinsamen Ziegeldach am Markt wieder aufgebaut werden. Die Kosten hatte die Stadt zu tragen, wobei aber zwei Drittel des Bauholzes unentgeldlich aus der herzoglichen Forst, 300 Rthlr. aus kirchlichen Mitteln und der Ertrag einer ausgeschriebenen mecklenburgischen Kirchenkollekte zur Verfügung gestellt wurden.
   Amtmann Souhr reichte am 10.1.1778 einen Vorschlag mit Zeichnung beim herzoglichen Ministerium ein. Am 17.1.1778 erhielt er die Baugenehmigung und den Auftrag zur Beaufsichtigung des Baues. Als nach dem verheerendem Feuer die Aufräumungsarbeiten abgeschlossen waren, kam am 21.3.1778 eine Kommission unter Leitung des Hofrats Brandt nach Neukalen, um über den Wiederaufbau nach einem Regierungsplan zu beraten. Im Herbst 1778 begann der Bau des  Pfarr- und Küsterhauses. Amtmann Souhr beschwerte sich im Januar 1779 beim herzoglichen Ministerium über die Nichteinhaltung seiner Bauzeichnung. Beide Häuser waren in der Breite um 4 Fuß verkürzt errichtet worden. In dem Antwortschreiben heißt es: "So befehlen euch hiemit, mit dem Bau der beiden Pfarr- und Küsterhäuser, wegen nicht innehaltung der Bauzeichnung, undt habet ihr inmittelst bis auf weitere Verordnung mit dem Bau nicht mehr fortzufahren. An dem geschieht unser gnädigster Wille und unsere Meynung. Datum auf Unserer Vestung Suerin, d. 16. Januar 1779."
   Nach einem kurzen Baustopp durfte der Magistrat die Arbeiten fortsetzen. Amtmann Souhr war verärgert und trat von seiner Aufsichtspflicht zurück.

 

Bauzeichnung für das Pfarrhaus 1778

 

Bauzeichnung für das Pfarrhaus 1778

 

Zeichnung Giebel des Pfarrhauses 1778 (

 

Zeichnung Giebel des Pfarrhauses 1778
("eine inwendige wandt")

 

Zeichnung Giebel des Pfarrhauses 1778 (

 

Zeichnung Giebel des Pfarrhauses 1778
("die beyden Giebels")

 

Zeichnung für den Bau des Pfarrhauses 1778 (Erdgeschoß)

 

Zeichnung für den Bau des Pfarrhauses 1778
(Erdgeschoß)

 

Zeichnung für den Bau des Pfarrhauses 1778 (1. Etage)

 

Zeichnung für den Bau des Pfarrhauses 1778
(1. Etage)

 

 

   Pastor Böttger hatte im Herbst 1778 noch keine anderweitige Wohnung gefunden. So stellte er Ende November 1778 den Antrag, in das Rektorhaus mit einziehen zu dürfen. Hiergegen erhob der Rektor Widerspruch, weil das Schulhaus auch zugleich seine Wohnung war. Er wüßte sonst nicht wohin mit seiner großen Familie und müßte die Schule eingehen lassen. Auch wandte der Rektor ein, daß er sich mit dem Pastor Böttger überhaupt nicht vertragen könne und jetzt noch in einem Hause zusammen wohnen? Nein, das ginge nicht an.
   Der Magistrat meinte dazu, daß er dem Pastor keine andere Wohnung beschaffen könne, auch würde die jährliche Miete von 10 Rthlr. keine Kleinigkeit sein, und wäre eigentlich die Kirche verpflichtet, selbige zu bezahlen. Pastor Böttger führt dagegen an: Die Stadt Nienkalden müsse die 10 Rthlr. Miete bezahlen, und zwar aus dem Grunde, weil das Schulhaus seinerzeit testantibus actis auf Kosten der piorum corporam angeschafft worden, ohne das Nienkalden das mindeste dazu bey getragen hätte und die pia corpora es auch in baulichem Stande erhalten müßte.

   1779 war das neue Pfarr- und Küsterhaus fertiggestellt und das Wohnungsproblem des Pastors gelöst. Eine Inschrift im oberen Türbalken am Eingang zum Küsterhaus gibt uns noch heute ein Datum an:

   A N N O   1 7 7 9   D   8   F E B R

   Im früheren Stadtarchiv lagen noch viele Rechnungen über die ausgeführten Maurer-, Holz-, Tischler-, Schlosser-, Schmiede- und Glaserarbeiten sowie über die gelieferten Mengen Lehm und Steine von der Ziegelei vor. So stellten z. B. die Tischler Johann Weidenbach und Jochim Seemann am 14.5.1779 eine Rechnung von 13 Rthlr. 30 Schilling an den Magistrat für Ausbesserungsarbeiten im Pfarr- und Küsterhaus aus.
   Auch heißt es z.B. über die Lieferung von 150 Bund Stroh:
   "Für 818 Ell Windelböden im Prediger- und Küster Hause, sind mir für die Elle 2 1/2 Schilling mithin überhaupt 42 Rthlr. 29 Schilling N 2/3tel von dem Herrn Bürger Meister Bischoff baar bezahlet worden, solches wird hiedurch quitirend bescheiniget.
   Nienkalden den 3t. Jul. 1779        
   Johann Koch"

 

Zeichnung zum Bau der Stallgebäude des Pfarrgehöftes 1779

 

Zeichnung zum Bau der Stallgebäude
des Pfarrgehöftes 1779

 

 

 

   Pastor Schmidt schrieb 1781 an den Herzog in Schwerin und bat um eine Erweiterung  seiner Stallgebäude:
   "Durchl. Herz.
   Die Eingeschränktheit des Stallraums auf hiesiger Pfarre veranlaßt mich bei Ew. Herzogl. Durchl. mir unterthänigst den Zutrit zu erbitten und in eben dieser Angelegenheit Höchst dero Gnädigste Verfügung submissest nachzusuchen. Nach der im Herbst 1777 hier entstandenen unglücklichen Feuersbrunst ist außer dem Wohnhause des Predigers zwar auch auf der westlichen Seite des Hofes an einer Nebengasse ein Zimmer 8) aufgeführet worden, worin Kühe und anderes kleineres Vieh untergebracht werden können: Es ist dasselbe aber nicht so weit der Länge nach fortgesetzet worden, daß die ganze Seite des Hofes damit zugebauet wäre, daher denn manche zur Wirthschaft nöthige Gelegenheit bis ietzt gar wegfällt. Fürnemlich gebricht es noch an einem Pferdestall und an einer Futterdiele, worauf ein Winter Häckerling geschnitten werden möge; nicht weniger an einer hinterwärts anzulegenden, zugleich als Wagen Remise zu gebrauchenden bedeckten Auffahrt. Was aus diesen Mängeln für große Unbequemlichkeiten auch Kosten entstehen habe ich bereits im abgewichenen Winter häufig erfahren. Besondere Umstände aber davon anzuführen, hieße meinem Erachten nach, Ew. Herzogl. Durchl. Höchsten Geduld mißbrauchen.
   Wann Höchstdieselben nun, wie ich weiß, schon vor meiner Hieherkunft Hoch Sich des hiesigen Pfarrbaues auf mehr als eine Art Huldreichst angenommen haben; so zweifele ich nicht, Höchstdieselben werden durch die noch übrig gebliebenen Mängel in Gnädigste Erwägung ziehen, und bitte nur unterthänigst:
   Es geruheten Ihro Herzogl. D. durch zweckdienliche Höchste Befehle in Gnaden zu verfügen, daß vorbemeldete kleine Bauten des Pferdestalls, einer Futterdiele und einer bedeckten Auffarth noch diesen Sommer vorgenommen und hiemit zugleich die Lücke des auf der westlichen Seite noch nicht ganz zugebaueten neuen Hofes, welche überdem die daran hinlauffende Neben Gasse sehr verunzieret, so viel sie Platz giebet, ausgefüllet werde.
   Ich getröste mich einer Gnädigsten Gewährung dieser meiner unterthänigsten Bitte um so mehr, da mein Antecessor, wie ich in Erfahrung gebracht, vor dem Brande noch ein mehreres an Stallraum und sonstiger Gelegenheit gehabt, als ich durch diesen mir nach der Nothdurft abgemessenen neuen Anbau allererst erhalten; und ie mehr ich davon versichert bin, daß Ew. Herzogl. Durchl. darüber Gnädigst halten, daß einer ieglichen Pfarre das Ihrige bleibe und nach Unglücksfällen wieder hergestellet werde.
   Ich ersterbe in tiefster Submission
   datirt den 11ten Mai 1781."

   Daraufhin wurde auf dem gut 6 m breiten freien Platz neben dem Stallgebäude zur Gasse hin ein Pferdestall und eine Futterdiele erbaut.
   Auf dem Pfarrhof gab es auch einen Brunnen, wie diese Nachricht beweist:
   "Anno 1795 um Michaelis ist der Brunnen auf dem hiesigen Pfarrhof vom hiesigen Magistrat weggenommen mit meiner Bewilligung, weil er weniges und unbrauchbares Wasser hielt und vor dem Pfarrhause in der Nähe 2 Brunnen befindlich sind, aus denen ich, freilich mit einiger Unbequemlichkeit, das Wasser holen lasse. Die Stadt bleibt aber immer schuldig, hieselbst auf dem Hofe einen Brunnen zu halten, welches ich zur Nachricht meiner Nachfolger hiedurch habe bezeugen wollen.
   Nienkalden, den 30 September 1795    
   G. P. C. Suderow, Pastor."

   1798 wünschte der Pastor Suderow den Bau einer Scheune mit Wagenremise, da er selber den Acker bestellen wollte. Das herzogliche Amt bewilligte ihm die Materialien aus der herzoglichen Forst. Die Stadt gab 40 Rthlr. dazu. 1799 wurde dann eine neue Pfarrscheune mit Wagenremise vor dem Mühlentor erbaut. Kleinere Reparaturen an der Scheune sollten vom Pastor allein bezahlt werden. Eine weitere Scheune, die zur Pfarre gehörte, befand sich östlich der Stadt – zwischen Schäferteich und dem Salemer Weg gelegen. Sie brannte am 13.9.1844 zusammen mit 41 anderen Scheunen ab, wurde wieder aufgebaut und 1909 verkauft.
   Die Räumlichkeiten im Pfarrhaus wurden in früheren Zeiten auf Stadtkosten mit einem weißen Kalkanstrich versehen:

   "Wenn mit dem Herrn Pastor Breuel hieselbst die Vereinbarung getroffen, daß von demselben das jährliche Ausweißen der in seiner Amtswohnung befindlichen Localitäten nämlich von acht Stuben, der Küche nebst anstoßender Räumlichkeit, dem Treppenplatz, der Vorrathskammer und dem oberen Gange gegen eine jährliche aus der Stadtkasse zu zahlende Vergütung von 30 Schilling für jede Stube, von 1 Rthlr. 20 Schilling für die Küche nebst anstoßender Räumlichkeit, von 1 Rthlr. für den Treppenplatz, von 24 Schilling für die Vorrathskammer und von 24 Schilling für den Gang, im Ganzen also von 8 Rthlr. 20 Schilling Cour. beschafft wird, so ist eine solche Vereinbarung allemal nur mit dem Herrn Pastor Breuel verabredet, ohne daß dessen Nachfolger in officio daraus so wenig Berechtigungen herleiten als Verpflichtungen treffen können.
   Allemal bleibt dem Herrn Pastor Breuel wie auch uns die Aufhebung dieser Vereinbarung nach voraufgegangener jährlicher Michaelis zu beschaffender Kündigung vorbehalten.
   Neu Kalen, 9 Decbr 1861
   Bürgermeister und Rath
   L. Mau     Stüdemann     Reinhardt"


   Als Pastor Breuel 1864 verstarb und sein Nachfolger Pastor Petersen erstmalig fünf Zimmer tapezieren ließ, erhielt er folgendes Schreiben vom Magistrat:

   "An den Herrn Pastor Petersen hieselbst
   Dem Herrn Pastor Petersen hieselbst erwiedern wir auf das geehrte Anschreiben vom 8/9 v. M. betreffend das Ausweißen der Stuben im Predigerhause hiemit ergebenst, daß für die fünf jetzo austapezirten Stuben eine jährliche Vergütung von vier Thalern von Neujahr d. J. an, zuerst also Neujahr 1867 aus der Stadtkasse bezahlt werden soll, wogegen Herr Pastor Petersen die Verpflichtung zu übernehmen hat, diese fünf Stuben stets im wohnlichen Zustande zu erhalten.
   Im Uebrigen bleibt beiden Theilen eine jährliche und zwar zu Neujahr auszusprechende Kündigung dieses Verhältnisses vorbehalten, wie auch eine Verpflichtung der Stadt, im Predigerhause tapezirte Stuben zu halten in keinerlei Weise anerkannt werden soll.
   Die übrigen Stuben pp werden futuro auf Kosten der Stadtkasse ausgeweißt werden.
   Wir bitten um gefällige Rückäusserung.
   Neukalen, 6. Februar 1866.
   Bürgermeister und Rath
      LMau            CWFTimm
                         Secr. civit."        

    
   Das Pfarrhaus hatte von der Marktseite her einen Torweg zum Hof. Pastor Petersen bat 1866 um den Umbau dieses Torweges zu zwei Stuben und die Herstellung eines Torweges in dem Stallgebäude von der westlichen Seite her. Nach einigen Diskussionen, bewilligte der Bürgerausschuß die Ausführung der Bauten auf Kosten der Stadtkasse und unter Kontrolle des Baudepartements. 1867 wurde dann der Torweg und die Auffahrt im Predigerhaus nach einer Zeichnung des Zimmermanns Benduhn zu zwei Wohnzimmern umgebaut. Gleichzeitig richtete man die eine Hälfte des Kuhstalles zu einer Auffahrt ein.

 

Zeichnung für den Umbau im Pfarrhaus 1866

 

Zeichnung zum Umbau im Pfarrhaus 1866

 

 

   Der letzte Pastor, der seinen Acker noch selber bestellte, war wohl Pastor Brinckmann (1811 bis 1843). Seine Nachfolger hatten die Pfarrländereien und die Pfarrscheunen verpachtet. Und so kann man gut verstehen, daß Pastor Voß, als er 1883 nach Neukalen kam, den Vorschlag machte, die Pfarrscheunen zu verkaufen und die Wirtschaftsgebäude auf dem Pfarrhof abreißen zu lassen. Aus den Einnahmen und den Verpflichtungen zum Erhalt dieser Gebäude durch Stadt und Amt, welche in Geld umgewandelt werden sollten, wollte er einen Fond anlegen. Das Kapital sollte auf 25 Jahre zinsbar auf der Sparkasse hinterlegt werden, so daß eines Tages wieder Mittel für einen eventuellen Neubau da wären.


   Superintendent Sostmann schrieb dazu:

   "An den Herrn Pastor Voss Neukalen
   Mein lieber Herr Amtsbruder!
   Der zwischen Ihnen und dem Großherzoglichen Amte wegen des Verkaufs der Pfarrscheunen etc abgeschlossene Contract ist mir zur Erwirkung der Oberbischöflichen Genehmigung zugesandt. Wenn ich auch sonst gegen denselben Nichts einzuwenden habe, so habe ich doch ein Bedenken, wegen dessen ich erst von Ihnen Aufschluß haben möchte. Die Wirthschaftsgebäude sollen nach dem Contrakte verkauft, resp. abgebrochen werden, und verzichten Sie für sich und Ihre Nachfolger auf Wiederaufbau. Aber wie steht es denn 1. mit dem Gelaß für Feuerung? Ist ein solches vorhanden. 2. Bleibt ein Schweinestall, ev. auch ein Kuhstall, da doch sehr leicht ein Pastor einmal den Wunsch haben kann, ein Schwein zu mästen und sich eine Kuh zu halten? Bleibt wohl irgend ein Raum für einen Hühnerstall? Ich möchte doch nicht, daß für alle Zeiten dem Pastor in Neukalen die Möglichkeit, sich, wenn auch in sehr beschränktem Maße Vieh zu halten, abgeschnitten würde.
   Ihrem baldigen Bericht entgegensehend, bin ich mit amtsbrüderlichem Gruß
   Ihr ergebenster

   Sostmann

   Malchin, d10 Decbr 1883"   


   Die Antwort des Pastor Voss erfolgte umgehend und enthielt 2 Zeichnungen:

 

Der Pfarrhof 1883 (Plan I)

 

Der Pfarrhof 1883 (Plan I)

 

Vorschlag des Pastor Voss zur Gestaltung des Pfarrhofes 1883 (Plan II)

 

 

Vorschlag des Pastor Voss
zur Gestaltung des Pfarrhofes 1883 (Plan II)

 

 

   "Ew. Hochwürden erlaube ich mir unter Anschluß zweier Pläne den jetzigen Pfarrhof und den projectirten Hof und Garten nebst Gebäuden darstellend, die an mich gestellten Fragen vom 10. d. M. zu beantworten.
   Plan I zeigt den Pfarrhof in seiner jetzigen Gestalt nebst der westlichen Hälfte des Pfarrhauses. Das zum Abbruch bestimmte Gebäude ist der auf der Westseite belegene Kuh-, Hühner und Pferdestall A. Die daneben befindlichen Schweineställe B könnten stehen bleiben; doch befinden sie sich in einem solchen Zustande, daß sie vor einer etwaigen Benutzung erst gründlich renovirt rsp. neu aufgebaut werden müßten.
   Nun bieten aber die noch stehenbleibenden Ställe (C) nicht nur hinlänglich Platz für Torf und Holz, sondern es ist auch noch eine 3. Räumlichkeit da, welche als Schweine- resp. Kuhstall verwendet werden könnte, was übrigens, so lange keine Ackerwirthschaft betrieben wird, mehr kosten als einbringen würde.
   Einen Hühnerstall werde ich, wie Plan II zeigt, sofort im Torfstall herstellen lassen.
   Eine Bretterwand würde den Hof vom Garten abschließen und den Hühnern hinlänglich Spielraum gewähren.
   Übrigens wird ja durch das vorgeschlagene Project ein Baufonds angesammelt, der innerhalb 25 Jahre im schlechtesten Fall bis zu 6000 M, höchst wahrscheinlich aber bis zu 8000 M wird angewachsen sein. Und sollte dann nach 25 jemand hier Landwirtschaft treiben wollen, wozu ein Neukalener Pastor dann noch weit weniger Zeit haben wird als jetzt, so könnte ja von den vorhandenen Mitteln leicht und ausreichend das Erforderliche hergestellt werden.“

   Pastor Voß konnte seine Wünsche für ein zeitgemäßes Pfarrhaus mit ansprechendem Pfarrhof nur teilweise durchsetzen. Die alten Stallgebäude blieben zwar stehen, aber den Hofraum gestaltete er freundlicher. Er pflanzte Obstbäume, legte Blumen- sowie Gemüsebeete an und errichtete eine Varanda. Auf dem Pfarrhof ließ er eine Pumpe auf Stadtkosten einrichten, wobei er sich auf eine alte Nachricht von 1795 berief (s.o.). 1895 wurde eine Waschküche für 200 Mark errichtet. Als 1903 die alte Fachwerkmauer zwischen Pfarr- und Küsterhof teilweise einstürzte, wurde sie mit Mauersteinen wieder neu aufgebaut.

   Pastor Voß wünschte auch, daß die Vorderfront des Pfarrhauses durch eine massive Steinwand ersetzt wird. Das lehnte der Magistrat allerdings aus Kostengründen sowie anderer Bedenken ab und ließ 1895 nur eine gründliche Renovierung der Vorderfront durch Maurermeister Harm zu.

   Nach mehreren Sanierungen in den letzten Jahren, wobei immer Wert auf die Erhaltung der historischen Ansicht gelegt wurde, macht das Pfarrgebäude heute einen ansprechenden, altehrwürdigen und gefälligen Eindruck auf die Besucher.

 

 

Das Pfarrhaus 1977

 

Das Pfarrhaus 1977

 

 

Das Pfarrhaus 1995

 

Das Pfarrhaus 1995

 

 

Inschrift am Pfarrhaus

 

 

 

1)   Boden
2)   Geländer / Abgrenzung
3)   baufällig
4)   Erntewagen
5)   Lattenzaun
6)   Brunnen
7)   senkrechte Ständer eines Fachwerkes
8)   gemeint ist ein Gebäude