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Die Burg in Altkalen

 


   Mit dem Auszug der meisten Bürger 1281 sank der Ort Kalant (Altkalen) zu einem gewöhnlichen Dorf zurück. Die Wälle und Mauern verfielen, nur die fürstliche Burg zeugte noch von der einstigen Größe. Das war ein unhaltbarer Zustand, der zu einer Lösung drängte. Der Herr Waldemar von Rostock hatte in und bei Rostock zwei Burgen, die er auf Andrängen der Stadt abbrechen mußte, umsomehr mag er die Burg Altkalen zu erhalten gesucht haben. Er regierte indessen nicht lange, sondern starb 1282, und ihm folgte sein minderjähriger, schwacher und charakterloser Sohn Nikolaus, welchen man das Kind genannt hat. Derselbe herrschte auch über das Kloster Dargun mit Zubehör, welches sein Großvater Borwin erworben hatte.
   Eine Festung ist in Kriegszeiten, wie sie damals die Regel bildeten, für die Bewohner des Ortes und der Umgebung ein gefährliches Stück, denn nach ihr zieht sich der Kampf hin, dort drängt er sich zusammen. Besonders die Darguner Mönche wünschten sich eine Beseitigung der Burg, zumal viele Besitzungen des Klosters Dargun in ihrem Umkreis lagen.
   Nachdem inzwischen die Herrschaft Rostock unter dänische Lehnshoheit gekommen und die Macht des dänischen Vasallen, Nikolaus des Kindes eine Ohnmacht geworden war, kaufte das Kloster Dargun am 21. März 1307 das Dorf Altkalen, von etwa 45 Hufen, von den Fürsten Heinrich von Mecklenburg und Nikolaus von Werle, als diese Fürsten in Neukalen großen Hof hielten, mit allen Äckern, Gewässern, Waldungen, Fischereien, Patronatsrechten und sonstigem Zubehör. Dabei versprachen die Fürsten, die in Altkalen erbaute Burg selbst von Grund aus abzubrechen und zu zerstören, auch niemals dort wieder eine Burg zu errichten. Zugleich verhießen sie, dafür aufzukommen, daß weder der König von Dänemark noch ihr Vetter, Nikolaus das Kind, den Kauf anfechten.
   Das Versprechen, Burg und Turm nicht wieder aufzubauen, wiederholt Fürst Nikolaus von Rostock am 5. Februar 1311. In dieser Urkunde bestätigt er dem Kloster Dargun das von den Fürsten Heinrich von Mecklenburg und Nikolaus von Werle abgetretene Eigentum der Mühle zu Neukalen, des Dorfes Damm mit dem See und des Dorfes Altkalen mit dem See und den Stätten der Burg und des Turmes, welche nicht wieder aufgebaut werden sollen. Der Text lautet in der Übersetzung (nach Beenken):
   „Wir, Nicolaus, Herr von Gottes Gnaden über ganz Rostock, bestätigen den Christgläubigen, die diese Schrift lesen, daß wir einen Vertrag haben zwischen unseren ehrwürdigen Vaterbrüdern Heinrich, Herr von Mecklenburg, und Nicolaus, Herr von Werle, auf der einen Seite und den Klosterbrüdern von Dargun auf der anderen Seite über den Verkauf und Kauf folgender Güter:
   Die Mühle, versteht sich die in Neukalen, mit dem Grund und Boden, dem Eigentum und dem ganzen eingetragenen Vermögen; dann das Eigentum im Dorf Damm mit seinen unversehrten Gewässern; ebenso Grund und Boden des Dorfes Altkalen, das Eigentum mit seinen eingetragenen Vermögen, mit seinem danebengelegenen See, mit der zerstörten Burg und dem Turm, die wir fernerhin nicht wiederherstellen wollen. Sie haben es aus Gnaden und Gewißheit. Wir versprechen dieses. Wir bestätigen es als die, die es versprochen haben. Wir bestätigen es mit unserer Besonderheit, und zwar bestätigen wir es mit den für unsere Hoheit gültigem Siegel. Wir versichern es dem Vorsteher des Klosters Dargun. Wir wollen es unverkürzt und unverändernd für dauernd halten. Als Beweis in dieser Angelegenheit haben wir durch diese Schrift unsere Besonderheit festgelegt, die wir, wie wir oben gesagt haben, mit dem für unsere Hoheit gültigem Siegel hinzufügen.
   Zeugen sind die vorgenannten Herren Heinrich von Mecklenburg und Nicolaus von Werle, Vicko Moltke, als Laien; die Kleriker: Johannes, Abt in Dargun, Fredericus dort Prior, Johannes von Pomerio, Hinrich von Röbel, Johannes von Rostock, ebendort Mönche und mehrere andere. Datum: Rostock, im Jahre des Herrn 1311, am Tage der glückseeligen Agathe, Jungfrau und Märtyrerin.“

   Der „Schloßberg“ ist heute noch als Burghügel von ca. 100 m Länge und 80 m Breite zu sehen. Der bis zu 8 m hohe Hügel ist steil geböscht und hat auf dem Plateau eine deutliche Eintiefung vom Steinebrechen. Vom einstigen Graben an der Nordseite ist nur eine schwache Delle geblieben. Aus der Art der Anlage ist die Bauabsicht, ein städtisches Zentrum zu schaffen, abzulesen.

   G.C.F. Lisch schrieb in seinem Beitrag „Geschichte der Gründung von Alt- und Neukalen“ im „Jahrbuch des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde“, Jahrgang 12, 1847, Seite 461:
   „Der „Wallberg“ oder Burgwall liegt nahe bei dem Dorfe, am See, im Südwesten der Kirche. Er ist ein großes Plateau, umher mit Spuren von Wällen und Gräben umgeben; der Wall ist Pfarracker und unter den Pflug gebracht. Die Oberfläche ist mit unzähligen Fragmenten von großen Ziegeln und kleinen Feldsteinen bedeckt. Bei der Urbarmachung ward ein Löffel und ein Siegelring von Messing gefunden (vgl. Jahresbericht 1, S. 15 - 16). Auch von der Stadt Altkalen sind noch Spuren vorhanden. Von dem Burgwalle zieht sich ein Wall, der an jeder Seite einen Graben hat, wie die Landwehren der Städte, um das ganze Dorf und die Dorfgärten.“
   Und so finden wir auch richtig in dem erwähnten Jahresbericht folgende Angaben:
   „Aus dem Mittelalter. Ein Löffel aus Erz mit runder Platte und einer Weintraube zur Verzierung am Ende des Stiels, in zwei Stücke zerbrochen, gefunden auf dem Schloßberge bei Altkalen, bei Urbarmachung desselben (vom Hrn. Amtshauptmann Ratich in Wittenburg). Der Löffel enthält folgenden Stempel:
   V I R T I L O T     C A B I L T .
   Ein Siegelring von Messing, gefunden auf dem Schloßberge bei Altkalen (vom Hrn. Amtshauptmann Ratich in Wittenburg) .“

   Im „Jahrbuch des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde“, Jahrgang 26, 1861, Seite 180, finden wir noch folgenden Fund verzeichnet:
   „Sporn von Altkalen. Ein Sporn von Eisen, mit einem Stachel (nach ältester Weise, statt eines Rades), gefunden auf dem Burgwalle zu Altkalen.“

   Im Jahre 1882 wurde der in der Erde befindliche Teil des vorhanden gewesenen Turmes untersucht und sein Inneres von Schutt und Felsen frei gemacht. Der kreisförmige Raum hatte einen Durchmesser von 5,85 Meter, und das diesen umschließende Fundament, bestehend aus Felsen, mit Ziegelsteinen von großem Format und mit Kalkmörtel vermischt, hatte eine Stärke von ebenfalls etwa 6 Meter. Unter diesem Fundament und zugleich auch unter dem inneren Hohlraum waren als Grundlage 7 bis 8 Schichten größerer Felsen in Sand übereinander gelegt. Eine Zeichnung von dem freigelegten Gemäuer wurde vom Landbaumeister Stern zu Dargun aufgenommen. Das kreisförmige Fundament und die unter ihm befindliche Felsenschicht wurden 1886 für den Straßenbau von Gnoien nach Neukalen ausgebeutet, was mit großen Schwierigkeiten verbunden war. Die gewonnene Felsenmasse ergab ungefähr 1000 m3. Rings um den oberen Teil des Schloßberges ist zweifelsohne einstmals eine starke Mauer aus Backsteinen aufgeführt gewesen, wie deutlich aus dem in der Erde befindlichen Schutt hervorgeht. Um den Schloßberg herum sind die Spuren eines einstmals gewiß sehr breit und tief angelegten Grabens bemerkbar. Um diesen Graben herum beginnt von der Südseite des Berges her, östlich am See, eine zweite Grabenniederung, welche mit der ersten eine Strecke lang parallel läuft, dann aber scharf nach Westen abbiegt, in einem entsprechenden Halbkreis das Dorf umschließt und im Nordosten an einem Wiesental endigt, welches wiederum den See berührt. Noch im Anfang des vorigen Jahrhunderts soll diese Niederung bei hohem Wasserstande vom See gefüllt worden sein. In den Höfen und Gärten am Rand Altkalens sind am Ende des vorigen Jahrhunderts noch Teile von Fundamenten und Steindämmen aufgefunden worden. Das alles weist auf die einstigen Befestigungen der Stadt Kalant hin.
   Im „Öffentlichen Anzeiger für die Ämter Dargun, Gnoien, Neukalen, Sülze und die Stadt Neukalen i. M.“, 21. Jahrgang, Nr. 19 vom Mittwoch, dem 8. März 1882“ kann man zu den durchgeführten Ausgrabungen des Turmes folgendes lesen:
   „In diesen Tagen sind die Grundmauern des Turmes, welcher mit der Burg zwischen 1307 und 1311 abgebrochen ist, zum größten Teile ausgegraben und bloßgelegt. Diese Grundmauern von teils ausgewählten, teils behauenen Felsen sind aufs sorgfältigste und schönste gemauert und gefugt. Der Turm hatte inwendig einen Durchmesser von 5 Meter 85 Centimeter und seine Fundamente gehen bis mindestens 2 Meter unter die Oberfläche. Daß die Abbrechenden keine Wertstücke in der Burg zurückgelassen haben, läßt sich erwarten; indessen interessante Gegenstände können doch gefunden werden und sind schon zum Teil gefunden: Geräte von Eisen und Metall, Scherben der verschiedensten Art und Knochen und Gräten von den vor etwa 600 Jahren verspeisten, zahmen und wilden Vierfüßlern, Vögeln und Fischen.“

 

Zeichnung des Burgwalls in Altkalen

 

Zeichnung des Burgwalls in Altkalen