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Und dräut der Winter noch so sehr ...


Ein Idyll aus Neukalen vom strengen Winter 1928/29

[Diese Erzählung eines unbekannten Autors wurde entnommen aus: "Ostmecklenburgische Heimat", Jahrgang 4, 1931, Nr. 5]

 

 

   "Spezial - Wetterdienst der Luftwarte meldet gestern mit voller Bestimmtheit für morgen bedeutende Erwärmung und Niederschläge", seggt min Fründ August Stein, und meint natürlich stiev, datt dei wochenlange Küll nu ein Enn'n harr. - Ja, ja! Kuchen! An denn'n annern morgen wedder twintig Grad. - "Na, ick dank," segg ick, as morgens dei Finster noch äbenso dick taufrorn sünd as gistern. Ne, ne, watt tau dull is, is tau dull! Dor sall dei Deuwel rinslagn! Wenn irst dat Warer in dei Kök infriert, datt min Fru morgens irst mit 'n groten Vörslaghammer 'n Lock in denn'n Emmer haugen möt, üm Kaffeewarer tau hemm, un wenn dei Butwänn mit 'ne dicke Isköst äwertreckt sünd, denn, mein ick, is datt mit min Winterlust vörbi. - Dei Luftwarte un ehr Dezernenten möt 'n noch väl tauliern. Sei soelen uns nicks vertelln, watt uns naher Arger un Unkosten makt. An desen Morgen süht dei Luftunkel sienen Irrtum in, un schriwwt in mine Zeitung: "Die warme Luftströmung hat sich leider nicht durchzusetzen vermocht. Bei aufklarendem Wetter ist erneut mit Verschärfung des Frostes zu rechnen!" Na, denn man tau! "Liebe Seele, hab' Geduld," seggt min Nahwersch Schult. Mutter Schultsch kikt mit ehr Näsenspitz ut ehr Husdörnritz un schürrt sick. "Brr," seggt sei. "Nanu," segg ick, "friert sei uck?" Fru Schultn wäggt nämlich annähernd twei Zentner. Sei ett nich väl - wenns satt is. Sei is bett hüt gaud dörch denn'n Winter kamen. Alles is Fett an ehr - un denn friern? Datt verstah ick nich recht. Is bi ehr uck kein'n Wunner, denn sei verputzt mit ehrn Mann un twei Jungs twei fette Swien von je drei Zentner, ungeräkent dei Gäus un dei Häuhner. Weck Minschen, bi dei dei Kost sick up Fleisch un Fett smitt, wardn von Boddermelk un gräunen Kohl uck snickenfett. "Ne, ne, Nawer," seggt sei, "Watt ne Küll." "Man nich?" "Ditt höllt woll gor nich wedder an. Mien Kierl seggt, "wenn ditt so wieder geiht, denn kriegen dei Mannslüd midden in dei Stuw noch Istappen in denn'n Bort." Mi hätt gistern datt Hart in'n Liw klappert, min Beinen wiern as Isklumpen. Dei Finsterruten heww ick gistern mit ne Schüpp vull gläunig Kahlen updäugt. Ein Rut is na drei Siden räten. Kost uns werrer nen Dahler. Ierst heww ick mi argert, öwer mien Kierl seggt, "dei Glaser Kitt woll uck läben." Freugn dauk mi ümmer, wenn middags dei Sünn bäten üm dei Kirch kickt. Bi dei Babenruten lickt sei denn'n bäten af." - "Ja, ja, Fru Schult," segg ick, "uns Paster seggt, ditt durt noch bett tau Nimahnd, un mi sünd dei Briketts all so knapp. Wi sall ditt blot wardn. Koopmann Swart hett 'ne Waggonladung unnerwägs, äwer dei is insniegt. Nu sünds mit twintig Mann henn un schüppen dei Bahn fri. Weitn Sei, uns Preister seggt, dit's noch gor nicks. Bi dei Eskimos, dor baben bi denn'n Nordpol, sünd söbentig Grad. Ick freu mi, datt ick kein Eskimo bünn. Wenn hei man nich flunkert - datt dörw hei jo as Preister eigentlich nich -, oder sei räken dor anners."

   "Watt," seggt Pungenführer Bohn sin Fru, dei sick bätn gräun Seip haln will, "datt giwwt datt nich, denn platzt dei Pertometer, dei hett gor nich soväl Grad. Min geiht blot bett viertig, denn is dat all. Sowatt holl ick nich ut, denn frier ick tau Päpernöt." - "Gunn Dag," seggt Bäcker Stoll, dei sich ne Dracht Warer fär sinen Backaben halen will, "tau Päpernöt," seggt hei? "Du frierst bi son'n Küll tau'n Isklumpen, öwer lat man, ick schuw di denn'n bäten in'n Backaben, denn kriegen wi datt wedder munter." Stoll fött denn'n Pumpenswängel an un pumpt. Bautz! Dei Swängel flüggt gegen denn'n Post. "Watts nu los," seggt hei, "ditt hätt uck dei Küll makt. Nu is dei Schau infrorn. Denn'n kriggt uns Hofschauster Pick nich farrig, son'n Ort Leisten hätt hei nich, un uns Pumpenmaker liggt in dei Gripp. Ditt is all dei drüdde Pump, dei intwei is. Watt mak ick nu? Ne, watt'n Elend! Nu möt ick na Discher Klotz sien Privatpump. Dei ward natürlich werrer schnauzen, öwer datt helpt nich, Not breckt Isen! Lat em man 'n bet 'n gnurrn. Adschüß uck." - "Dor kümmt dei Köster," seggt Schultsch, "dei möt datt weitn." - "Guten Morgen meine Damen und Herren," seggt dei Köster. "Diese Kälte ist wunderbar, sogar die Meterologen und Astronomen wundern sich nicht schlecht. Hier steiht ehr dei Verstand still!" "Hoffentlich friert ehr dei Verstand nich in," meint soeben Schultenvadder, dei ierst 'nen lütten Konjack bi denn'n Kräuger Moll genehmigen will, "von wegen dei Gripp," seggt hei. "Dei ganzen Wädermakers hemm sich vergaloppiert. Ich krieg jede Woch 'ne Zeitung ut Berlin, dei schickt tau Nijohr 'ne Wäderkort mit dei Zeitung för datt ganze Johr in förut. Dei seggt för Januar un Februar gelindes Wäder un Niederschläge an; von Frost un Snei kein Wurt. Sei schriwwt mastig: "Wer Wintersport betreiben will, muß schon ins Gebirge gehen." Ach Du, Ach Du. Uns waßt datt Geld nich up denn'n Puckel, as dei Berliner in'n Tiergorden oder up'n Kurfürstendamm. Watt des'n Kortenmaker woll för Gedanken kamen sünd, in Anbetracht des Witterungsgegensatzes. Ick weit noch, vör einige Johr wier ein Oekonomierat Hoff in Lelkendörp. Dei harr uck einen Barometer. Dei stünn nu all drei Dag up "schön Wäder". Hei harr nu all taun drüdden Mal jeden Morgen tein Spann Pier in'n Gang bröcht, üm Weiten intauführn, öwer jedes Mal gegen twölf kem ein Gewidder, un denn göt datt von baben dal, watt datt Tüg holln wull. An denn'n drüdden Dag geiht datt wedder los. Dunn drauht hei mit dei Fust na baben. "Wist Du datt nalaten," seggt hei un prescht mit sienen Hingst na Hus. Un as em dei Barometer wedder mit "schön Wäder" angrient, dunn ritt hei dat Finster up un smitt denn'n Barometer rut up'n Hof, midden in 'ne Pütt. "So," seggt hei, "versäuk di ierst, wi dat buten utsüht." Jejajeja, dei Dinger hemm ehr Mucken! Ne, weiten Sei, dor harr mien Fründ Harms doch einen bäteren Baro, einen richtigen lebendigen. Datt wir nämlich so: "Wenn Schosseewärter Krull morgens na sien Streck güng un hei harr sienen Rägenrock up denn'n Arm, denn künn einer Gift nähmen, denn würd Wäder gaud, denn gewt schönen Sünnenschien. Aber! Aber! Kem hei mit sien Maibüx un sienen Strohhaut vörbi, na ick segg man, denn gewwt ein Gewidder, datt man so "staf" säd un hei müßt flüchten. Krull makt öwerhaupt giern Wäderstudien. Hei künn up dei Streck schön üm sick kieken un denn harr hei 'nen Fründ, Scheeper Hamel, dei beiden kennten datt genau. Wenn datt in'n Nurden upwulken deed, denn wir dicke Luft. Datt keem öwer liekerst uck oft vör, datt Krull ebenso natt würr as Hamel sien Schap." "Wenn uns datt Wäder uck nich paßt," segg ick, "denn hemm wi datt doch nich nödig, na denn Blocksbarg oder na dei Sneikupp in't Riesengebirge tau burrn. Wi rodeln tau Hus, datt ward billiger in uns Zwerggebirg. Un is uns so tau Maud, denn spann'n wi uns Pierd vör denn'n Släden un denn geiht datt mit Glocken- und Schellengeläut in die schimmernde Natur. Un sünd wi denn orndlich dörchfrorn, denn führ'n wi tau Hus un Mudder kakt uns ein schön Tass' Kaffee un halen uns von Bäcker Stoll för acht Schilling Pummels un säut Kringels, un denn freun wie uns, datt wi tau Hus sünd, un deugn uns werrer up."

   Aber, aber! Wenn einer bi twintig Grad Küll un grugelich Sneidrieben ünnerwägs sien möt, un dei Wind di denn'n Snei int Gesicht smitt, datt du din Ogen nich upkriegen kannst, denn giwwt datt nix tau lachen. Denn kriggt man 'ne Ahnung von Nobile sien Nordpoltour. Is würklich kein Wunner, wenn dei General sick dor 'ne Näs' wegluert hätt, dei gräun un gäl frorn is, woran hei hüt noch kranken deiht. Mit Lackschauh un siden Strümp is nich veel tau maken bi sonn'n Wäder. Datt vertellt nülich Glaser Kitt, as hei sien Landtour achter denn'n Kummerower See int Preusch makt harr. Dat harr bett nahmiddags ganz gaut gahn, öwer so gegen drei güng datt all los. Dei Wind pust ut Südwesten un driwwt denn'n Snei in Schanzen tausamen. Hei kann dei Ogen nich mihr upkrigen un möt bi denn'n Kräuger Bernhard in Verchen ünnerkrupen. Sin "Fluchmaschin" hätt hei in dei Eck bi denn'n Aben unnerstellt. Mit "Fluchmaschin" beteikend hei sienen Landkasten. Denn wenn hei mit dörtig oder viertig Pund up'n Nacken mielenwied wannert, un dei Schullern knacken, un dei Wind smitt em bäten an dei Sied, denn fangt hei an tau fluchen. Kitt hätt sick all twei von dei richtigen "Nördlichen" inspunnt. Nu ward em bäten anners. Hei kickt sien "Fluchmaschin" an un denn ut datt Finster. "Du kickst," seggt Bernhard, "Willem, ick weit, die gruugt. Du möst noch öwer dei Peen sett wardn un denn noch annerthalw bet twei Stundn tau Faut. Minsch, datt geiht nich. Ditt süht jo ut, as wenn dei Welt ünnergahn will." - "Ja," seggt Buur Sommer, "ick blew hier, ditt geiht tau wiet. Du kümmst nich lang, Kitt, du hest denn'n Wind unner dei Ogen." - "Jeja," seggt Kitt, "ick möt eigentlich nich, öwer ick will. Giww mi noch ein Grock, Bernhard, einen Isbräker, denn'n Rum schürr ick mi allein tau. Denn heww ick soväl Brennstoff upfüllt, dei woll för annerthalw Stunn uthölt." In fief Minuten is dei Isbräker binn'n un Kitt zwängt sick sin Fluchmaschin up dat Krüz un burrt int Wäder. Dei Kräuger reep em noch na, hei süll sick man in acht nähmen, dormit hei keinen Propellerbruch kreg. Von hier bitt an dei Fähr brukt hei gewöhnlich fief Minuten, öwer denn'n Wind un Snei unner dei Ogen un Schanzen kneihoch, datt dei Snei in dei Langschäfter rinnkrüppt, nu durt tein Minuten. As hei an dei Fähr kümmt, süht hei as 'n richtigen Sneimann ut. "Schipp ahoi," röppt hei, ne, brüllt hei röwer. Kein Minsch lett sick up dei anner Siet sein. Dei hemm sick all verkrapen. Hei fläut up denn Finger - dreimal. Endlich kümmt dei Fährmann mit 'n grotn Pelz rut un bringt datt Boot dörch dei lütt Rönn, dei sei noch uplaten hemm un ladt em in. "Minsch," seggt hei, "bi son'n Wäder mag man kein'n Hund rut jagen un du wist noch annerthalw Stundn gegen ditt Wäder an na Nikalen? Na, mienen Sägen hest Du!" - "Besten Dank," seggt Kitt, un burrt nu int mecklenbörgisch wierer. Dei Damm is glatt von datt öwerswemmte Warer, un achter dei Widenbüsch, dei denn'n Damm awsöhmen, liggt dei Snei in kneihohe Schanzen. Manchmal stolpert hei, manchmal möt hei sick ümdreihn, üm Luft tau snappen. Dei Sturm lett datt Lufthalen nich tau. "Verflucht und zugenäht," schimpt hei för sick henn, "ditt is binah taun dotargern, datt heit, wenn man so gaud sinn will, nödig hett man datt nich." Na, denkt hei, bald kümmst du dörch Kützerhagen un denn büst bald in'n Holt, dor ward bäter. Bald hätt hei denn uck datt Dörp tau holln. Dei Dörplüd loopen all mit ehr Stallaternen na denn'n Kauhstall üm tau melken. Twei Lüchten sünd all utblast, un dei Frugenslüd loopen nu mit ehr Melkemmers in'n Gausmarsch dörch denn'n Snei mit Vaddern sien Krempstaewel achter dei ein brennend Lücht her. "Meisting, Meisting," seggt denn'n Staathöller sien Fru, "Sei hemm sich öwer hüt in'n Nettel sett, schönes Wäder taun ümherburren. Kamens man gaud lang." - In denn'n Kauhstall, wo twei Schweizers dei Käuh uppassen, is allens hell un dei Schweizers jodeln vör Vergnäugen, datt so 'ne Ort hett "Zillertal, Du bist mei Freud". Achtert Dörp fangt dei Holt an. Hier möt Kitt dörch, üm dei Schossee tau faten. Nu ist stickendüster wordn. Dei Wäg sünd versniegt, hei möt in dei Midd blieben. Dei Sturm tult mit dei Wipfel un dei Snei dräwelt nu von baben dal. Kitt tippelt un tippelt un stampt un stampt. Dei Schossee müßt hei längst fat hemm, öwer weit dei Deuwel, woran datt liggt. Hei hätt sick verlopen. Ne halw Stunn burrt hei nu all ümher. Süß durt tein Minuten, denn is hei dörch. Ob "Kopphamel", dei hier för hunnert Johr dodslagen is, hier rümspäukt un em in ditt düster Holt tarrt, em tau'n Narrn höllt? Hier wiern poor Prozent von dei Hamburger orer Berliner Lichtwoch tau bruken. "Dei Gesellschaft," schimpt hei, "sitt dor bi ehren Grock in dei schönsten Kneipen un ick möt mi hier binah insniegen laten. Verdammt nochmal!"

   Mit einem Mal hürt hei ein Auto grugelich hupen. Haha, denkt hei, ditts dei Schossee, un ick glöw ganz gewiß, dei Autounkel sitt fast. Datt huult jo mächtig. Bald süht hei uck dei Lichter upblitzen un freut sick as ein König, datt hei fasten Faut hollen kann. As hei neeger kümmt, süht hei, datt datt Auto mit dei beiden Vorderräd in'n Graben sitt. "Meister," seggt 'ne Dam, dei ut datt Finster kickt, "helfen Sie uns. Ich habe eine Kranke bei mir und will zur Klinik und nun dies Malheur." - "Datt möt gescheihn," seggt Kitt, un sien Fluchmaschin in denn'n Graben smieten un na Bäudner Bruhns, dei fief Minuten, kort vörn Dörp, hinner denn'n Holt wahnt, loopen - kloppen - Pierd upschirrn un henn, datt wir ein Uemsein; farrig, ruck - zuck - hüh - hott - mantau - Donnerwetter! Rut is datt Auto! "Meine Herren, ich danke Ihnen," seggt dei Dam. "Dor nich för," seggt Bruhns. Un heidi sust sei weg. "Ditt hemm wi fein makt," seggt Bruhns. "Aewer Minsch, wie sühst Du ut? Nun wollen wir noch einen kleinen Aquavit verlöten, in Anbetracht unserer ganz respektablen Leistung." In'n Ogenblick sünd fief Wachtmeisters zur Auffrischung der Nerven un Brennstoff för dei letzte half Stunn intankt. Is bald bätn väl wordn, denn dei Fluchmaschin schwankt bannig up dei Schossee von Stüürburd na Backburd - öwer dat geiht noch gaud af, ahn Propellerbruch un ahn Afsacken.

   As Kitt tau Hus ankümmt, is dei Benzin verflagen un hei land't ganz ruhig bi Muddern. Dei besorgt drög Tüg un Filztüffeln, halt schönen heiten Bohnenkaffee un gliek dorup giwwt dat Bratkantüffeln un gräunen Kohl mit Speck. Allgemeines körperliches Wohlbehagen in Kopf un Magen. "Worüm bliwwst Du bi son'n Wäder nich bi Bernhard, du harrst jo ümkamen künnt," seggt sin Fru, "du Unkrut." - "Ja," seggt Kitt, "du hest all wärrer recht, Unkrut vergeiht nich, so kolt ward dei Winter nich."