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Geschichten um Plummbüdel

 

   Die folgenden Geschichten wurden in der “Ostmecklenburgischen Heimat” 1934 - 1936 veröffentlicht. Sie haben sich so oder so ähnlich in Neukalen um die Jahrhundertwende zugetragen. Zu dieser Zeit hatte fast jeder seinen Spitznamen; Ökelnamen sagte man damals. Der Kaufmann Rudolf Mamerow (geb. 4.8.1862, gest. 11.5.1933) wurde “Plummbüdel” genannt. Er hatte 1886 vom Bäcker Kosegarten das Haus Nr. 96 am Markt (heute Nr. 19) gekauft und hier ein Geschäft eröffnet. Im hinteren Teil befand sich die sogenannte “Hölle” - eine kleine gemütliche Bierstube, aus welcher man selten wieder nüchtern herauskam. Ackersmann Ernst Busch (geb. 30.3.1841, gest. 1.8.1908) hieß im Volksmund “Fedderbusch”, weil er zum Schützenfest einen besonders schönen Hut mit Federn trug. Er wohnte gleich nebenan Nr. 95 (heute Markt 17). “Türk” war der Viehhändler Ernst Lückstädt (geb. um 1849). Er wohnte in der Chausseestraße 364 (heute Straße der Freundschaft 5).

 

Rudolf Mamerow, im Volksmund

 

Rudolf Mamerow, im Volksmund "Plummbüdel" genannt.
Auf seinem Ladentisch stand immer ein Beutel mit Backpflaumen für die Kinder

 

 

 

Plummbüdel

 

   Plummbüdel, so säd'ns ümmer tau em. Hei harr so'n lütt Bierstuw' un dor seten denn ümmer all dei heiligen Engels, dor wier so wat wie ne Zentral von dei Kalschen Originale. Dor wier denn Fedderbusch, tau em säden's ümmer so, wiel hei up Königschuß ümmer so'n groten Fedderhaut dregen det, dei olle Türk, wiel hei früher mal so'n Mütze mit ne Troddel hatt harr. Pannkauken, wiel hei so giern Pannkauken mücht un noch einige so'n von dese Sort un stred'n sick, wenn de Kirchtorm einmal ümfallen süll, wohenn hei denn woll föl.

 

   "Ick glöw," seggt Fedderbusch, "hei föllt hier grad nah Plummbüdel henn. "Mien Ansicht nah föllt hei nah Kopmann Fischer rup," säd dunn Pannkauken. "Hoppsa," seggt dei Türk, hei säd öfter so, "wenn mir nicht alles trügt, so foellt er nach dem Apteiker rauf." Wenn hei'n Lütten fatt't harr, denn snackte hei gäl. So harrn sei sick all 'ne gaud halw Stunn sträden, dunn güng dei Dör up, un rin kem nu Murermeister Harms. "Süh dor," seggt Plummbüdel, "du kümmst uns grad recht. Na, nu segg du mal, Meister, wenn dei Kirchtorm einmal ümföllt, wo föllt hei henn?" "Ja, du sast entscheiden, un wer recht hett, dei giwwt 'ne Lag Kaem un Bier," knurrt Pannkauken. "Hopsa," säd dei Türk wedder un trummelt mit dei Finger up den Disch, denn dat Trummeln wier sin Stolz, dat makte em so licht keiner so gaud nah. "Dei Torm," seggt uns' Meister un smitt sick in dei Bost, "dei föllt hier grad nah Plummbüdel raewer!" "Je, denn giww man 'n Lütten ut, Fedderbusch, du hest recht. Fief Bier und fief Kaem, aewer beten rasch, ick moet noch nah'n Gäns'winkel," säd hei. Sei drinken nu ein Lag, ne, dat würen ok noch mihr as twei und all up den Kirchtorm. As sei nu endlich upstahn un weggahn willen, dunn säd Plummbüdel, hei säd mennig Wurt tweimal, dat wier so sin Gewohnheit, "un, un woans is dat hiermit?" un dorbi kettelt hei sick mit'n Zeigefinger an'n Dumen. "Ach," seggt Fedderbusch, "du meinst bitahlen? Meine Ansicht nach, weißt du wat, wie täuben so lang, bet hei föllt, dat is dat Sicherst!" "Ja, ja," säd'n dei Annern, "dat is dat Sicherst." Uns'Kirchtorm steiht aewer ümmer noch.

 

 

   Bi Plummbüdel kem ümmer dei Balbierer in'n Hus' un rasierte em dor. Wenn dor nu weck in sien Bierstuw set'n un Plummbüdel wier bi't Frühstück eten, so et hei ümmer so'n Fritz-Reuter-Käs' in Silberpopier, den mücht hei so giern. Güng hei nu rut un halt 'ne frisch Buddel Koem, so leggt hei sin Käs' ümmer baben up't Schapp, denn kem ümmer einer un et em den Käs' up, un Plummbüdel künn nich rutkriegen, wer dat ümmer daun ded. "Teuf," denkt hei, "dat will ick woll kriegen!"

 

   Alle drei Dag' kem dei Balbierer un denn har hei stark in'n Verdacht. Nu kem hei ok wedder un Plummbüdel wull grad bi sien Frühstück anfangen. "Einen Ogenblick," seggt hei un leggt sien Frühstück mit den Käs' up't Schapp, "ick, ick möt irst mal nah buten." Dorbi blew hei oewer achter dei Dör stahn. "Is hei weg?" hürt hei den Balbutsch seggen; dat durt noch'n Ogenblick, dunn güng in dei Stuw ein Prusten un Woergen los. "Nu is't Tied," denkt Plummbüdel un geiht wedder nah dei Stuw' rin, wo dei Balbutsch beid' Arm in dei Höh, steiht un spuckt as so'n Reiher. "Du hest mi vergifft!" kriggt hei mit Mäuh rut. "Ick heff di doch gornicks tau eten geben!" Dunn wiest dei Balbierer nah dat Schapp rup. "Ach so, hest du dorvon eten? Dat is aewer kein Gift nich, dat wull ick mien Swien ingäben, dat is'n bäten verstoppt! Weißt du, wat dat is? 'N utgehollten Fritz-Reuter-Käs' un dor heww ick bäten Palmsep rinnersmert." Dei Balbierer hett nie wedder anner Lüd' ehr Frühstück anrögt.

 

 

  Kal'sch Klaes' up Reisen

 

   Fedderbusch un de oll Türken, den ji jo all ut min vöriges Vertellnis kennt, un denn uns' oll Plummbüdel, dit wir'n dei drei Unzertrennlichen. Dei harn ok eines Dags wedder so'n lütt Bierreis' makt un kemen dorbi ok up Rostock tau spräken.

 

   "Ja," seggt uns' Vetter, "ick will dis Dag noch Kurn nah Rostock führen, wenn ji Lust hefft, so kaent ji mitkamen." Dit durt ok nich lang', dunn wir'n dei drei sick einig, un drei Dag naher, dunn güng dat morgens all tiedig los. Fedderbusch har sien drei besten Pierd ut den Stall treckt, alles schweres Veih. Sei glänzten man so hüt morgen, so schön harr hei sei putzt un tau gauder letzt noch mit den Pierswanz afkloppt. As hei anspannen wull, dunn kemen dei Türk un Plummbüdel ok all in Sicht, bei 'ne Kiep up den Rücken, natürlich wir 'ne gaud Buddel Rostocker Doppelkaem nich vergäten.

 

   Na, dei Fohrt güng jo los, as sei just ut dei Stadt rut sünd, dunn dröpen sei den Juden Samuel. "Ach," seggt hei, "mein lieber Vetter, beim Bart meiner Väter, nehmt mich ein bißchen mit. Habt Erbarmen mit mir Armen, denn ich will nur nach Altkalen, dort könnt Ihr mich schon wieder absetzen!" Kort vör Ollkalen setten sich dei Pierd in Draff un jagen glatt dörch Ollkalen. Dei Jud schriet ümmer: "Mein lieber Vetter, laß mich doch hier absteigen!" Aewer Fedderbusch sien Pierd hollen vör Gnoien nich up tau lopen, dunn kreg hei sei in't Stahn. "Ick weit gornich, wat dei Schinners hüt morgen fählt," seggt hei, "dor is dei Düwel jo woll in't Spill." Dei Jud stiggt af, un sei führen wieder nah Rostock.

 

   Dat Kurn wir Klock drei all aflad't, un Vedder harr blanke Dalers in dei Tasch. "Weißt Du wat?" seggt dei olle Türk, "nu gahn wi irst mal nah minen Fründ Gustav hen!" "Dat is gefährlich," seggt Plummbüdel, dei kennte Gustaven ok, dei verköffte einen nämlich ümmer den goden Rostocker Kaem. As sei dei Blotstrat dal gahn willen, dor kümmt uns Fründ Gustav mit sienen in ganz Mecklenborg bekannten brunenstiewen Haut all an. Wat wir dat för 'ne Freud. Sei sparrten binah de ganze Strat, un dei Studenten kregen ehr all binah up Sicht. Natürlich müßten's nu all mit nah Conrad Lehment un dor den gauden Kaem probieren. As sei nah 'ne Stund'n dor weggahn, harren sei all düchdig einen in dei Bost un kemen dun up dei vernagelt Idee, nah den besten Gasthof von Rostock tau gahn, un kamen nu jo in'n Rostocker Hof an, setten sick in ein Eck an't Finster un kramen jo ehr Futterkiepen ut. Dei Minschen, dei dor sünst noch in't Lokal sitten deden, warden all upmarken, un ehr Staunen ward ümmer grötter, as Fedderbusch so'n 4 Pund Speck ut sien Kiep halt un so'n grot eigen backt Brot (ungefähr 5 Pfund) in drei Deile schnitt, ebenso den Speck, aewer sei laten sick dat grotorrig smecken. Dei Ober wagt sick nah den Disch rann un fröggt: "Belieben die Herren auch Teller, sowie ein Besteck?" "Nee!" seggt Fedderbusch, "nix von Töllers, un wat meinen sei mit'n Besteck? Jedenfalls kaenen wi woll dor nix von afbieten, bring uns man Bier!" Dei Ober is beleidigt. Wo kann so'n Minsch, dei nich mal'n Gesellschaftsrock an hett, tau em "Du" seggen! "Wir haben nur Echtes," seggt hei. "Na, dachts Du, wie wulln wat unechtes drinken?" seggt Fedderbusch un kickt em an, dat den Ober richtig gräsen ward. Fix bringt hei dat Bier un is froh, as hei unsern Fründ Gustav rinkamen un up den Disch taugahn süht. Nah 't Aeten nähmens noch all 'n lütten Priem un laten sick dat echte Bier got smecken. So bi lütten ward den Ober all angst, ob sei ok allens betahlen kaenen. "Meine Herren, ich bitte um Kasse!" ward hei seggen. "Hest all Angst?" seggt Plummbüdel un knippt dorbi sien en Og tau. Dit wir'n Teiken, dat hei sick argern deiht. Fedderbusch treckt sienen groten Geldbüdel un smitt den up den Disch. "Ist schon gut, meine Herren," seggt dei Ober, as hei den groten Geldbüdel süht. Aewer dei Türk wir ok beleidigt un seggt tau Fedderbusch: "Wi gahn wieder un drinken in Hotel Russie uns' Bier. Dor warren sei uns nich fragen, ob wi ok Geld in dei Tasch hemm!" Trotzdem dat Gustav protestierte, gahn sei wieder nah Russie. Wil dat sei dor all öfter ankihrt wieren, kennt ehr dei Wirt, un sei warden dor gaud up- un annahmen.

 

   As dei Klock nu so bi lütten acht ward, dunn kamen dor ok väle fine Herrschaften an un sei fragen, wat hier denn hüt abend los wir. "Ja," seggt dei Wirt, "dor is Klock 1/2 9 'ne Vörstellung von'n Zauberkünstler." Na, dat wir jo wat för uns' drei Frünn. Sei drinken ehr'n Pott Bier ut, ehr Fründ Gustav seggt Adschüs un se gahn jo ok nah den Zauberkünstler. Irst spucken's sich noch 'n bäten in dei Finger un setten´s ehr Schnauzbart up, denn Plummbüdel säd: "Kann 'n nich weiten!" Un dorbi knep hei ein Og wedder tau. Dittmal kem dat aewer nich von den Arger. Na, dei Zauberie güng jo los. Dei Kirl, dei künn richtig wat, dei grep dei Dalers man ümmer so ut dei Luft rut. Den Türken ward dat rode Halsdauk all tau eng, hei nehm't aff un staunte. Fedderbusch höll sin Dalers in dei Tasch orrig fast, denn wo licht künn dei verdammte Kirl sine schönen Dalers ut dei Tasch rut zaubern, dat wir doch tau schad'. "Wenn dit noch lang' durt, denn makt hei min Buddel Kaem, dei ick noch in de Tasch heff, tau Water!" "Bäter is, wi drinken's ut," seggt de Türk un langt all nah dei Buddel, dei Plummbüdel em gäben deiht. As sei all drei einen drunken harren, dunn seggt Fedderbusch tau sinen Näbenmann, wat einen ganz fienen Pinkel wir: "Da, min Saehn, sast ok nich dösten!" un höllt em sin Buddel hen. Dei kickt em von baben bett ünnen an un säd' ganz kort: "Danke!" Fedderbusch kickt sick sülwst von ünnen bett baben an, ob wat bi em nich in Ordnung wir, un säd' tau em: "Danke kannst du ganz gaud seggen, aewer wat is an mi tau kiken?" Dei Frömd' is Gott sei Dank still, sünst hadd Fedderbusch em Släden führen laten. Na, dei Vörstellung is binah tau Enn, dunn biddt dei Zauberkünstler sick drei Mann nah dei Bühn rup. Un uns' drei Fründ'n warden jo rupgahn. Plummbüdel möt sick rittlings up enen Stohl setten, un dei annern beiden möten up enen Stohl Platz nähmen. Mit einem Mal fängt Plummbüdel mit dei Bein an tau stangeln, as wenn hei radführen deiht, un dei Zauberer seggt tau em: "Fahren Sie immer gerade aus, anhalten können Sie einfach nicht!" Fedderbusch, as hei dit seihn ded', wir tauirst platt, aewer nahher müßt hei lachen, dat hei nich wedder uphollen künn. Dunn seggt dei Zauberer tau den Türken: "Sie sind der Kaiser von China, und alles Volk, welches vor Ihrer Tür steht, verbeugt sich vor Ihnen!" Dei Türk güng ümher, as wenn hei'n Pahl aewerschluckt harr, verneigte sich bald hierhen, bald dorhen. Fedderbusch künn nich mihr lachen, aewer hei müßt, ob em dei Buk ok noch so weih ded. Dunn kem dei Zauberer nah Fedderbusch hen. "Sie sind jetzt ein Affe und hüpfen hier herum!" Hei hadd dit nich ganz verstahn. Hei seggt blot: "Seggen Sei noch eins Ap tau mi, denn sünd Sei 'n Pannkauken, dor will ick för garantieren!" Den Zauberkünstler würd angst un bangen, un hei wakte dei annern beiden wedder up un säd tau ehr, sei künnen wedder gahn. Irst hadd hei sick bi Fedderbusch entschuldigen mößt wägen den Apen.

 

   Dei Vörstellung is tau End. Dei Musik spält tau'n Danz. Un bi dit Danzen warden uns' drei Maten ümmer lustiger. As tauletzt keiner mihr in'n Saal is, dunn danzen dei drei allein. "Wi will'n man Hans Adam danzen," seggt Plummbüdel. Dei Musik möt upspälen. Dorbi setten's sick ümmer mit den Achtersteven nah dei Speigels rin, dat dat Glas man ümmer so kaputt geiht. Sei danzten solang', bet in den Speigelsaal nich ein Speigel mihr heil wir.

 

   Dat ganze schöne Geld för dat schöne Kurn güng dorbi weg. Sei behöllen nich einen Daler in dei Tasch. Bös' Lüd seggen, dei Zauberkünstler harr ehr verzaubert hatt. Nah Hus kamen sünd sei gaud wedder. Aewer woans sei mit ehr Frugens farrig worden sünd, dat is 'ne anner Frag!

 

 

 

  Niegenkalsch' Brüden

 

   Wat hüt dei Niegenkaler Turnhall is, dat wir früher einen lustigen Krog, un dei Besitzer wir Rudolf Ganzel, ok einen gediegen Kierl. Na, in dissen Krog kömen dei Slachters, Führlüd un sünstige Börgers öfters mal tau'n Frühschoppen tausamen.

 

   Dat is nu woll all gaud 40 Johr her, dunn seten dor ok wedder verschiedene Börgers, unner annern ok uns Plummbüdel un dei Türk un vertellten sick dei niegsten Saken von den Burenkrieg in Afrika.

 

   "Fritzing!" seggt Plummbüdel tau den Türken, "Dor unner in Afrika sall dat jo so heit sin, dat sei de Appels blot in den Sand leggen un nah 5 Minuten sünd dat Bratappels!" "Dat is noch gornicks," seggt dei Türk, "In dei Türkei warden dei Plummen an dei Böm furts von dei Sünn backt un dat sünd dei Plummen, dei Du in'n naher hier verköffst!" "Du! Du kannst uns vael vertellen, wat nich wohr is. Ick glöw, Du snittst wedder bannig up. Du vertellst uns nächstens noch, dat Du in dei Türkei einen groten Harem hatt hest."

 

   So güng dat Brüden allmählich los, bet dei Türk mal dor hen müßt, wo dei Kaiser ok tau Faut hen geiht. Just wir dei Türk nah den Hof verswunnen, dunn kemen twei Reis'unkels an. Plummbüdel schöt ne Idee dörch den Kopp. Ja so ward't makt. Hei begrüßt dei Reis'unkels un sett't ehr rasch sienen Plan uteinanner un säd ok dei annern Lüd in dei Stuw Bescheid. Dat durt nich lang, dunn kümmt dei Türk wedder rin. "Seht, seht!" seggt Plummbüdel un wiest nah dei anner Stuw hen, "dei Staatsanwalt, dei Staatsanwalt," in dissen Moment ward dei Dör so 'n lütt beten up makt. "Herr Wirt," seggt dor einer, "können Sie nicht einmal zum Amtsgerichtsdiener schicken, er möchte einmal zu mir kommen." "Sehr wohl," seggt dei Kräuger un schickt sienen Husdiener henn nah Amtsgerichtsdeiner Sellmann, dat wir ok so'n Kierl, dei den Spaß mitmaken ded. Dat durt kein fief Minuten, dunn stünn hei all in de Dör un seggt tau den Türken un dei annern: "Ist die Staatsanwaltschaft hier?" Dei Türk trummelt vull Unrauh mit dei Fingers up den Disch un wiest mit den Kopp nah dei anner Stuw hen. Dor ward dei Dör lütt beten up makt un dei vermeintliche Staatsanwalt seggt: "Ach! Da sind Sie ja, mein Lieber, sagen Sie einmal, können Sie uns nicht einen Zuwagen besorgen, so wo evtl. 4 Mann Platz haben. Wir müssen raus und evtl. noch eine Verhaftung vornehmen." "Ist zu machen, Herr Staatsanwalt, " säd hei.

 

   Den Türken sackten dei Arm an den Liew dal. Ob hei kein rein Gewissen hadd? Sellmann, dei Amtsdeiner geiht wedder nah einen groten Bückling gegen den Staatsanwalt ut dei Dör un kümmt nah teihn Minuten mit den Postholler Ladendorf wedder rinn. "Ach Sie sind gewiß der Fuhrmann, haben Sie so einen Wagen dort?" säd dei hoge Herr. "In zwei Stunden kann ich vorfahren, Herr Staatsanwalt," un sett't sick vörläufig mit Sellmann an den Disch bi den Türken un Plummbüdel dal. Dei Türk is likenblaß un seggt tau Plummbüdel: "Wat mak ick bloß dorbi?" Plummbüdel weit all lang', wat dei Türk maken müßt un seggt tau em: "Ick heww 'ne Idee! Weißt Du wat? Dei Staatsanwalt mag girn gaud äten un drinken. Weißt Du Bescheid?" Hei harr dit ok glik kapiert un seggt tau den Kräuger: "Rudolf, schick dienen Jung eins tau min Fieken, sei süll mal 8 Pund von dei beste Kabenad herschicken." All meinten lies: "Ja, dat is dat best."

 

   Dei Kabenad stünn ok bald fix un farrig gebraden un poor Buddel gauden Wien up den Disch. Dunn wull dei Staatsanwalt grad mal wiedergahn un kem an den Disch lang. "Na, meine Herren, Sie leben hier gut!" Dei Türk sprüng up, makt einen Bückling bet an dei Ird un säd: "Gestatten, Herr Staatsanwalt, daß ich Sie einlade." Dei beiden Herren leten sick nich lang' nödigen, un bald seten's all un schmausten un drünken up den Türken sien Wohl. Dit duerte denn ok poor Stunn', bet sei all recht vergnäugt wiern un dei ganzen Verhaftungen vergäten wiern.

 

   As sei den Türken an'n nächsten Dag de Wohrheit vertellt harrn, dunn spuckte hei Füer un Fett un säd, sin acht Pund Kabenad wull hei nicht vergäten, Plummbüdel künn doch am besten brüden.

 

 

Plummbüdel as Muskant

 

   Plummbüdel sitt von sin besten Fründ'n ümgeben in ein Bierstuw un verklort ehr dor sinen niesten Streich. Dei oll dickbukig Kaembuddel stünn up den Disch un jeder hett 'n Buddel Bier un 'n Kaemglas vör sick stahn. Uns' Fedderbusch seggt: "Minschen un Kinners, dit wat 'n Hauptspaß". "Hopsa", seggt dei Türk, un spaelt mit sin Finger den Torgauer Marsch up dei Dischplatt, dat dat man so knallen deit. "Ja", seggt nu Plummbüdel, "so wat't makt. Dei Fleut wat vull Kienruß makt un ünner wat dei Fleut mit 'n Flittbohrer anbohrt un denn möt hei sin witt West anhewwen un alls geiht in Ordnung". "Alles geiht in Ordnung", bölktens all un Fedderbusch haut sick up dei Kül, na, von desen Slag harr 'n jöhrigen Bull in dei Knei säten. Wenn ihr kümmt hei, wenn is hei hier, geiht dat Fragen los. Kann, kann nich mihr lang duern, denn mak die farrig, hest du dat Ding all hier. "Is lang'n besorgt", seggt Plummbüdel, halt sick 'n ollen Notenständer un dat oll Klarinett. Dat oll Ding güng von Hand tau Hand un von jeden wür dat lütt Lock, wecker Plummbüdel dor inbohrt harr, begautacht.

 

   Na, nu künnt jo losgahn. Fedderbusch müßt sick vör dat lütt Finster, wecker nah den Laden tau wiesen det, stellen un uppassen wenn dei Reisender kamen det. Dit durt denn ok gornich lang'n, dunn güng dei Ladendör up un rinn kem dei gaud Mann. "Hei kümmt", flüstert Fedderbusch an sin Finster, "hei kümmt". Gliek dorup wat an dei Dör kloppt un up den Türken sin "an tree" kem dat Opfer nah dei Stuw rinn. Plummbüdel harr dat Klarinett ansett, sin Brill seht em vörn up dei Näs', un so seg hei aewer dei Seihmaschin nah ein Notenblatt rupp. "Ach, Herr Plummbüdel, spielen Sie auch Klarinette, was spielen Sie denn dort?" "Letzte Rose", seggt hei un knippt ein Og' tau. "Spälen Sei nich ok Fleut?" "Ach ja", wat heu seggen, "es ist mein liebstes Instrument. Wenn Sie gestatten, spiel ich Ihnen etwas vor." "Hopsa", seggt dei Türk un trummelt vör aller Gewalt mit sin lang'n Finger up den Disch. Fedderbusch kickt nah dei witt West und haut sick up dat Bein. "Dat könnens nahher noch daun, irst will wie man uns' Geschäft afwickeln", seggt Plummbüdel. Na bie des' Arbeit müßt dei Verträter noch ein poor Runden Kaem un Bier springen laten, dei annern leten sick ok nich lumpen un so wir'n sei bald in dei beste Stimmung.

 

   Aewer schließlich langt dei gaud Mann nah dat Klarinett un stellt sick in Positur. "Sei geiht all 'n bäten swer, aewer dorför hett sei 'n gauden Ton", seggt Plummbüdel. "Oh", seggt dei Reisender, "meine Lunge ist noch gut", un wat nu jo för alle Gewalt nah dat Ding rinpusten. Fedderbusch stött heimlich den Türken an, dei wedder Plummbüdel. Dit würr jo grotortig, dei Kienruß ut dei Fleut set binah all up dei witte West wo dei Mann doch so stolz up dei West wier.

 

   "So, seggens, nu ist woll naug, sünst künnen sei Schaden nähmen. Aewer all wat recht is, bäter spält oll Luther ut Oll Kalen ok nich." "Ne, ne", meintens all, "dit wier 'n Genuß." Dei Reisender verawschied't sick un Fedderbusch giwt em noch den Rat: "Wenn Sei in'n Hotel, wo Sei doch wahnen, 'n gauden Sluck drinken willen, denn föddern Sei sick man 'n Lorbas." Unner uns geseggt, wir dat dei Oekelnam för den Hotelbesitzer.

 

   Dei Verträter wat nu jo nah 'n Hotel nah 'n Abendbrotäten gahn. Dei Hotelwirt kickt em von ünner bet baben an, dei Gäst maken all so'n vergnäugte Gesichter. Wie dei Reis'unkel nu aewer noch einen Lorbas bestellt, dunn bölkt dei ganze Gaststuw' vör Vergnäugen los. Dei kümmt von Plummbüdel, dat's so sicher as dat Amen in dei Kark. Dei Wirt schenkt em einen Bittern in un lett sick 50 Penning dorvör gaewen - dit wier för damalige Tieden väl Geld - un seggt dunn tau em: "Stahns doch mal up un bekiken sick in'n Speigel. Sei hemm woll bi Plummbüdel seten?"

 

   Dei Reis'unkel kreg von sin Speigelbild 'n bannigen Schreck, dat wier doch nich sin witte West? Hei hätt, wenn hei up sin Tour Niegenkalen besöcht hett, nahher ümmer ne swart West anhatt. Dor künn hei tau 'n Notfall ümmer einst Fleut mit spälen.

 

 

Dei Steinhubel

 

   Weit ji, wat'n Steinhubel is? Na, jedenfalls is dat Ding ganz bannig swer. Ick will jug mal vertellen, woans einer so'n Ding halt hett. Anschieter Steeker säden wi ümmer tau em; hei was Kopmann un wahnte up ein Enn' von dei Stadt. Dei Melkwagens müßten ümmer an sin' Hus' vörbi, un mennigein kihrte dor ok morgens bi em an, denn köfften sei ehr Wor dor, un dei Kopmann gew 'n Sluck un 'ne Zigarr ut, üm sick dei ganze Kundschaft tau erhollen. Mennig Melkführer köffte bi jeden Kopmann wat, un kreg so up 3 bet 4 Stellen sienen Sluck un 'ne Zigarr. Wi hebben eins utrekent, dat ein Melkkutscher, dei besonders girn einen mücht, in sin fiefundörtig Johr, dei hei führt hadd, allein dörtig (30 Fatt, jedes tau 100 Liter Inhalt vull Bramwien utsapen hett.

 

   Na, des' Melkkutscher kem ok eins bi Anschieter Steeker, un as hei sien Zigarr weg hett, seggt dei Kopmann tau em: "Fritzing, büst Du woll eins so gaud un halst mi dei Steinhubel von mienen Kollegen Plummbüdel, ick heff sei em gistern leiht." "Ja, ja", seggt Fritz, un sett't sick all in Draff, hei wüßt, dor stünn 'n groten Wachtmeister up.

 

   Bi Plummbüdel richt hei jo sin Bestellung ut. "Weit, weit Bescheid, hei will woll Essig maken, un dormit dei nich suer ward, möt hei sei jo bruken!" Fritzing hürt hoch up. "Ward dei Essig ok suer?" "Ja, ja", seggt Plummbüdel, dei Läberwurst ward doch ok suer!"

 

   Na, hiermit wier Fritzing taufräden. "Täuf'n Ogenblick, ick hal sei di rin", un dormit geiht hei nah sinen Hoff, halt sick 'n ollen Sack un smitt dor stücke teihn grot Feldstein rinn un kümmt dor ganz sachte mit an. Fritzing harr sick in dei Tied rasch dei Tasch vull Wallnaet steeken, sei stünn'n jo ok so handgerecht up den Ladendisch. Wat hei nahher woll för'n Gesicht makt hett, as dei Dinger all holl wir'n. Plummbüdel harr sei nämlich all utäten un nahher mit Klister wedder tauhop backt.

 

   Na, Fritzing nehm dei Steinhubel up den Nacken un staehnt, wat sei swer wier. "Du, du dörfst sei aeber nich dalsetten, denn kann sei explodieren!" Uns' Fritzing ward ganz blaß un seggt: "Harr ick dat wüßt, harr ick dat Ding doch nich halt!" un geiht nu Schritt för Schritt ganz vörsichtig ut dei Dör.

 

   Uennerwägs dröppt em noch so'n Spaßvagel, dei Bescheid wüßt, un fröggt em, wat hei so swer dragen deit. "Ne Steinhubel," seggt Fritz un makt 'n ängstlich Gesicht. "Minsch", seggt dei Anner, "sett blot nich dal, dat is gefährlich!"

 

   Fritz kümmt vör Angst halw dod bi Anschieter Steeker an, un dei seggt: "Sett't man up dat Bund Stroh in'n Durweg, aewer langsam!" Fritz sett't den Sack ganz vörsichtig dal un makt ut Angst furts einen Sprung von drei Meter von dei gefährlich Steinhubel weg. För dei Angst, dei hei utstahn hett, schenkt dei Kopmann em ok 'n groten Wachtmeister in.

 

   Ick weit nich, woans dat nahher wieder worden is, ick güng den nächsten Morgen an den Laden vörbi, dunn hürt ick blot dat Fritzing lut seggen det: "Du büst doch 'n richtigen Anschieter!"

 

 

Dei Wett bi dei Aptheikerwisch

 

   Dei Aptheiker wier ok nich ohne. Dat wier so richtig nah Plummbüdel sien Geschmack, un ok Fedder Busch wier dorbi, as dei Aptheiker mit einem gewissen Schuldt - dor säd'ns Blücher tau- ne Wett afslott. Sei harr'n Blüchern ne Tied sett't, in wecker hei dei Aptheikerwisch achter dat Gartbrauk för 'ne grote Buddel Sluck afmeihgen süll.

 

   Blücher füng an. Dei Aptheiker gifft em noch 'ne lütt Taschenflasch tau Drinken. Blücher süppt af un tau ut dei Buddel. Bald möt hei utträden. Dat Meihgen güng nich recht voran, hei möt ümmer öfter utträden. Üm dei Wett nich tau verliern, treckt hei tauletzt dei Büxen nich wedder an un makt ümmer so achter sich weg. Hei gewinnt ok dei Wett un dei Buddel, seh'g öwer achtern nich siehr gaud ut.

 

   Dei Aptheiker harr in de lütt Buddel Rizinus ünnermischt!

 

 

Dei Fohrt nah Berlin

 

   Türk is dorbi un verlad't Schwien up den Bahnhof. Fedder Busch kümmt up tau un seggt: "Los, wi führ'n nah Berlin." "Wat," seggt Türk, "ick in dei gatsche Jack?" "Wi will'n mal einen dörchmachen, will'n mal utreten!" Ernst Seemann wier ock dorbi. Sei stiegen in den Toch un sünd bald in Berlin up den Nordbahnhof. De Lüd dor keken dei drei entsetzt an. Türk seggt: "Busch, gah man ierst taun Friseur, du sühst nich gaud ut."

 

   As Fedder Busch wedder rutkümmt, hemm sick dei annern beiden achter de Eck versteckt. Hei fröggt dei Lüd all: "Hem Sei nich Ernst Lückstädten seihn? So 'nen hageren Minschen, tau denn sei ümmer Türk seggen?" Dei Lüd hollen em för bekloppt. Türk lauscht achter dei Eck. Nah 'ne Wiel kümmt hei vör. "Gaud, dat Du kümmst," seggt Fedder Busch,"mi versteiht hier kein Minsch!"

 

 

Dat wier't

 

   Barbutsch Bruhns güng eis von Kopmann Plummbüdel tau den Burmeister, üm em tau rasieren. As hei dor sien Instrumententasch utpacken will, stellt hei fast, dat em Plummbüdel in sien Tasch schäten harr.

 

In diesem Eckhaus am Markt (Nr. 19) wohnte früher der Kaufmann

 

In diesem Eckhaus am Markt (Nr. 19) wohnte früher der Kaufmann "Plummbüdel" (Foto um 1960)