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Zahnarzt Dr. Hans Döring

 

   Bis 1921 gab es keinen Zahnarzt in Neukalen. Die Neukalener mußten zu einem Dentisten Jansen nach Malchin zur Behandlung. Davor boten auch reisende Zahnärzte den Leidenden ihre Hilfe an und teilten ihre Ankunft rechtzeitig mit:

 

   Öffentl. Anzeiger Nr. 51 (25.9.1872):

   "Allen Zahnleidenden Neukalen's und Umgegend die ergebene Mittei­lung, daß ich am 26. d. M. hier eintreffen werde, mich hauptsächlich beschäftige mit Einsetzen künstlicher Zähne, sowie ganzer Gebisse, Plombieren, Nervtöten ec. schmerzlos nach neuestem System. Täglich zu sprechen beim Gastwirt Bruger am Markt.

   Neukalen. H. Gundlach, Zahntechniker"

 

   Öffentl. Anzeiger Nr. 37 (7.5.1880):

   "Am Mittwoch, den 12. d. Mts. bin ich in Neukalen (Hermes Hotel) anwesend, und empfehle mich zum Einsetzen künstlicher Zähne und Ge­bisse, Plombieren ec. Specialität: Dentinagene und Goldplomben.

   Vorherige Anmeldungen nimmt Frau Hermes in Neukalen entgegen.

   Malchin.   Leo Loppin.

   N.B. Zahn- und Mundwasser, sowie feinstes Zahnpulver halte ich zu jeder Zeit vorrätig.   D. O."

 

   Von 1921 bis 1966 arbeitete Dr. Hans Döring (geb. 4.3.1895 in Velten, gest. 1966) als Zahnarzt in Neukalen. Seine Praxis befand sich in der Wilhelm-Pieck-Straße 15. Dr. Döring galt als sehr geschickter Zahnarzt, besonders seine schonenden Zahnextraktionen und prothetischen Leistungen wurden sehr gelobt.

 

 

Onkel Hans

 

Erzählt von Frau Gertrud Berendt und aufgeschrieben von Frau Gisela Luck.

 

   Onkel Hans sagten wir zu Dr. Döring immer, und das hatte einen guten Grund. Mein Vater und er waren in Velten Nachbarskinder und gut be­freundet. Meine Großeltern hatten eine Gastwirtschaft und seine Eltern eine Bäckerei. Aus Berlin und der Umgebung kamen viele Ausflügler, und unter dem Motto: "Hier können Familien Kaffee trinken" hatte die Gastwirtschaft und natürlich auch die Bäckerei stets genügend Gäste. Onkel Hans war unter den Kindern besonders beliebt, denn wenn seine Eltern mal nicht im Laden waren, hat er schnell mehrere Kuchenstücke "entwendet" und sie dann an alle Spielkameraden verteilt. Velten und die Zeit bei meinen Großeltern habe ich in sehr guter Erinnerung. Mein Vater wurde auch Gastwirt und Onkel Hans Zahnarzt. Auf der Suche nach einer eigenen Gastwirtschaft kam unsere Familie nach Neukalen. Erst gehörte meinen Eltern die Gaststätte "Zur guten Quelle" in der Chausseestraße und später die Gaststätte "Tübbicke" am Hafen. Bei ei­nem Wiedersehen unter Freunden in Velten erzählte mein Vater, dass es in Neukalen nicht einmal einen Zahnarzt gibt. Onkel Hans faßte den Entschluß, das zu ändern. 1921 begann er hier seine zahnärztliche Tätig­keit. Zuerst wohnte und arbeitete er Am Markt 2 im Haus von Herrn Becker. Als in der Wilhelm-Pieck-Straße 15 ein geräumiges großes Haus gebaut wurde, zog er um und mietete die untere Etage. Warte- und Praxiszimmer lagen zur Straßenseite; die Wohnräume zur Hofsei­te. Onkel Hans war ein typischer Junggeselle; er hatte so seine Eigen­arten. So praktizierte er ohne Sprechstundenschwester, machte alles allein; nur seine Haushälterin, Frau Elli Knaack, brachte warmes Wasser für die Mundspülung. Während der Behandlung hat er ständig vor sich her gesummt und gebrummelt. Manchmal, wenn ein Kind mal nicht den Mund öffnen wollte, hat er sonderbare Geschichten erzählt. Zum Beispiel: Wo hat Jeromi seinen Most versteckt? Wenn Du den Mund aufmachst, erzähle ich es Dir. Die zahntechnischen Arbeiten wurden von Herrn Lorenz ausgeführt; sein Vater war Bürgermeister in Neuka­len. Ja waren das noch Zeiten! Von Onkel Hans bekamen wir oft 10 Pfennig geschenkt, und dafür haben wir uns gleich bei Mausi Wiechert Salmiakpastillen gekauft. Während des Krieges zog seine Schwester aus Berlin zu ihm; ihre Wohnung war ausgebombt. Ihm war das gar nicht recht; sie störte sein Junggesellenleben. In unserer Familie war Onkel Hans stets ein gern gesehener Gast. So kam er jeden Nachmit­tag zu meinen Eltern in die Gaststätte am Hafen, trank nach dem Dienst seinen Kaffee und aß dazu gerne Schmalzstullen. Guten Kontakt hatte er auch zu den Nachbarn Familie Glasow und Familie Fehlhaber. Erinnern kann ich mich noch gut an das Lied, dass er zu jedem Familien­fest gesungen hat: "Ich trage, wo ich gehe, stets eine Uhr bei mir".

   Sein letzter Wunsch war es, in einem Urnengrab bei seinen Eltern in Velten beigesetzt zu werden. 1966 nahmen wir Abschied von Onkel Hans. Zur Erinnerung an ihn möchte ich noch eine Geschichte erzähl­en:

 

"Die Hochzeit meines Bruders Willi mit Elise"

   Im Winter 1943 wollte mein Bruder Willi seine Elise heiraten; es sollte eine Haustrauung sein. Es war also alles vorbereitet, die Gäste saßen feierlich an der Tafel und plötzlich klingelte das Telefon. Der Pastor war bei Schorrentin im Schnee stecken geblieben; die Trauung mußte später erfolgen. Nun begannen aber die Küchenfrauen unruhig zu wer­den. Was sollte bloß mit dem Essen werden? Nun gut, der Pastor kam und es wurde entschieden, daß die Tauung nach dem Essen erfolgen sollte. Aber wie es oft so ist: Ein Unglück kommt selten allein. Dem Pastor brach bei dem Hochzeitsessen ein Zahn ab und er hatte fürchter­liche Zahnschmerzen. Zum Glück war Onkel Hans auch ein Hochzeits­gast. Schnell ging er mit dem Pastor in die Praxis und befreite ihn von seiner Qual. Nun endlich konnte die Trauung stattfinden, aber dieses Ereignis trug noch lange zur guten Hochzeitsstimmung bei; der Pastor hatte von der Spritze einen schiefen Mund und sah allzu lustig aus.

 

Eine weitere Geschichten über Dr. Hans Döring:

   Zum Abend ging er gern zum Stammtisch ins "Hotel Seemann" und nahm einen Schlummer­trunk. Aber an manchen Tagen wollte er stark sein und darauf verzichten. Also ging er am Hotel vorbei und summte vor sich hin: Herz bleib stark, Herz bleib stark; bis er an die Ecke vom Milchgeschäft Maeting kam. Da sagte er sich: Herz, Du warst stark genug, kehrte um und ließ sich seinen Feierabendtrunk schmecken.

 

Frau Renate Schuhmacher erzählte:

   Mein Mann mußte abends zur Nachtschicht, konnte es aber vor Zahnschmerzen nicht aushalten. Also ging er zu Dr. Döring und klingelte an der Haustür. Der lag aber schon im Bett, öffnete verschlafen und schimpfte: "Hat der Scheich nun ausgeschlafen? Liegt so lange im Bett, bis ihm die Zähne aus dem Maul fallen!" Nun ja, Dr. Döring hat ihm den kranken Zahn gezogen, natürlich mit Betäubung. Anschließend wollte er noch den Mund ausspülen, aber Dr. Döring sagte nur: "Willst mir wohl alles dreckig machen, hau bloß ab!" So war das damals.

 

Einige Sprüche von ihm:

   Mien Jung, go nich in de wiede Welt rut; bliew leiwer immer üm den Niekalner Kirchturm rum.

   Du hast solche guten Zähne; Du könntest beim Scheich Vorkoster sein.

   Am liebsten mag ich Kartoffelsalat von gekochten Kartoffeln.

 

Zahnarzt Dr. Hans Döring

 

Zahnarzt Dr. Hans Döring

 

 

Rechnung vom Zahnarzt Döring (29.9.1943)

 

Rechnung vom Zahnarzt Döring (29.9.1943)