Wetteraussichten:
 
 
 
 
Schriftgröße:
 
normale Schrift einschalten große Schrift einschalten sehr große Schrift einschalten
 
Peenestadt Neukalen Vernetzt
 
Suchfunktion:
 
 
 
Newsletter:
 
 
Teilen auf Facebook
 
Erlebnisse nach dem Kriegsende 1945

 

Karl-Heinz Päplow

 

 

   Ein Kriegsende in Deutschland mit Not, Elend, zerstörte Städte und mit einem sehr eingeschränkten Leben der Bevölkerung mußte das Leben aller Bevölkerungsgruppen in allen Bereichen fort gesetzt werden.

   So auch in Schlakendorf und die noch anwesenden Männer, Jugendlichen teils auch Frauen erledigten in der ersten Nachkriegszeit die notwendigen Arbeiten, Versorgung der Tiere, Melken der Kühe sowie die erforderlichen Feldarbeiten, denn die Viehbestände waren zum größten Teil vorhanden. Die Feldbestellung, Herbst und Frühjahr hatte der ehemalige Gutsbesitzer noch erledigt, Ausnahme bei den Pferden, die zum Teil von den Russen als Reitpferde genutzt wurden. Die Anleitung un den Einsatz von den Arbeitskräften übernahm der Tagelöhner Albert Brahs.

   Der Gutspächter Gustav Alert mit Familie verblieb die ersten Tage nach dem Kriegsende noch im Gutshaus wohnen, mußte später das Haus verlassen und wohnte vorübergehend bei dem Lehrer Moritz Otto im Schulgebäude bis er zu seinen Verwandten im Jahr 1945 nach Rostock zog.

   Der Inspektor Napp wohnte weitere Jahre bis zum Tod im Gutshaus. Bei einigen alten Einwohnern des Ortes traten teilweise Veränderungen ein, indem sie ihren Wohnort nach Neukalen bzw. Malchin wechselten. Z. B. Familie Mack und Schuld zog nach Neukalen, Familie Friedland nach Malchin. Der Lehrer Moritz Otto, Rentner, verließ mit Familie Schlakendorf im Jahr 1945 und zog zu seinen Kindern nach Schwerin.

   Der Schulbetrieb im Schulgebäude des Ortes, in dem teilweise Lehrkräfte aus Neukalen unterrichteten, erfolgte im Monat Juni / Juli 1945. Später kam der ausgebildete Junglehrer Arno Pries, der in die Wohnung von dem Schulgebäude einzog und den Schulbetrieb in Schlakendorf fortsetzte.

   Von dem sowjetischen Kommandanten in Neukalen wurde Paul Bleck (Schnitter) als Bürgermeister in Schlakendorf eingesetzt, der mit ausgewählten Ortsbewohnern über das Geschehen im Ort bestimmte. Außerdem war ein russischer Soldat, der bei der Familie Walter Gragert wohnte, als Kommandant in Schlakendorf eingesetzt und das Ortsgeschehen überwachte und kontrollierte.

   Von dem Ansturm der Flüchtlinge, Umsiedler der Deutschen von verschiedenen Ländern Osteuropa, sowie aus den Ostgebieten von Deutschland blieb Schlakendorf nicht verschont und die Anzahl der Einwohner erhöhte sich sehr stark. Für die Unterbringung der genannten Personen wurden alle Möglichkeiten der freien Räume des Ortes, besonders des Gutshauses mit allen Nebenräumen genutzt. Teilweise kam es auch zu Überbelegung.

   Die Unterbringung der Flüchtlinge, Umsiedler regelte der Bürgermeister Paul Bleck, teilweise auch unter Druck der staatlichen Behörden.

 

   Belegung der Räume im Ort.

   Familie Heinisch 4 Personen zog in die freie Wohnung von Mack 2 Zi. ein.

   Familie Oskar Schulz 4 Personen Schmied zog in die freie Wohnung von Schuld 3 Zi. ein.

   Familie Pap 3 Personen Maurer zog in die freie Wohnung von Diek 1 Zi. ein.

   Familie Adolf Götze und Elfriede Martens zog in die freie Wohnung von Friedland 3 Zi. ein.

   Familie Krüger 6 Personen, Bauern aus Hinterpommern, kam mit zwei Pferden und Wagen, zog in eine Hälfte, getrennt durch eine Zwischenwand, der Schnitterkaserne ein. Die andere Hälfte nutzte Familie Emil Küster mit Verwandten als Wohnraum. Familie Krüger verzog 1947/48 nach Westdeutschland.

   Die Wohnung 2 Zi. von Elfriede Martens bezog Familie Franz Cebulla 3 Personen.

   Familie Matteis 3 Personen, Schlachter, bekam im Obergeschoß des Schulgebäudes eine Unterkunft.

   Familie Hahmann 4 Personen und Familie Peter 4 Personen, Bauern, kamen mit je eigenen zwei Pferden und Wagen, zogen in die Fremdenzimmer sowie Waschküche im Melkenkeller (Mehrzweckgebäude I) ein.

   Das Gutshaus mit Nebenräumen von verschiedenen Familien unter voller Nutzung aller Räumlichkeiten bewohnt.

   Familie Marie Küster, kinderreich, Familie Hoffmann, kinderreich, Familie Oskar Sparmann, Architekt, Familie Gustav Heller, Zimmermann, Familie Georg Kuhl, Zimmermann, Familie Fritz Wilke, Bauer, Familie Strek, Gärtner.

   Familie Karge, Vater und Sohn liefen barfuß, mit Eltern bezogen den einen Raum, ehemalige Unterkunft der Pferdeknechte, im Pferdestall.

 

   Der gesamte Lebensunterhalt der Bevölkerung war eingeschränkt. Es mangelte an Lebensmittel, Kleidung, Schuhwerk, Betten, Decken, Brennmaterial (Holz und Kohle) usw. Betten wurden teilweise aus Abfallbrettern von einigen Flüchtlingen für den eigenen Bedarf hergestellt. Ebenfalls war die Stromversorgung durch Abschaltung in bestimmten Zeiten eingeschränkt. So lebten die Menschen sehr bescheiden. Von staatlichen Behörden erfolgte eine Rationierung der Lebenshaltung, so daß jeder Einwohner Lebensmittelkarten, Bezugscheine für Kleidung, Schuhe usw. bekam. Einwohner im Ort, die Schweine, Geflügel für eine eigene Versorgung im Bestand hatten, bekamen keine Lebensmittelkarten, weil sie als Selbstversorger eingestuft wurden.

   Viele Ortseinwohner haben nach der Ernte Getreideähren, Kartoffel und Zuckerrüben gesammelt, um ihren eigenen Lebensunterhalt etwas aufzubessern. Nach alten bekannten Verfahren, Herstellung von Sirup aus Zuckerrüben für Brotaufstrich sowie Kartoffelmehl aus Kartoffel.

   Für das Kochen in dem kleinsten Raum stellte Schlosser Schulz in Neukalen Kochhexen her (Hexen Schulz als Spitzname).

   Durch das eingeschränkte Leben der Einwohner blühte der Schwarzmarkt, Schiebereien von Lebensmittel, Textilien und Haushaltsgeräte. Ein Berliner pendelte ständig von Berlin nach Schlakendorf und tauschte verschiedene lebensnotwendige Sachen gegen Lebensmittel ein. Während seines Aufenthaltes in Schlakendorf wohnte er bei der Familie Karge.

   Die anfallenden Arbeiten innerhalb des Ortes mußten laufend erledigt werden. So wurden die vorhandenen Arbeitskräfte des Ortes zum Einbringen der Heu-, Getreide- und Hackfruchternte im Jahr 1945 eingesetzt. Lagerung Heu und Getreide in den vorhandenen Scheunen und Stallböden sowie im Freien durch Aufstellen von Mieten. Nach der Ernte und in den Wintermonaten das Dreschen des Getreides aus den Mieten und Scheunen. Dazu wurde die vorhandene Dreschmaschine und als Antrieb mit Flachriemen der fahrbare Elektromotor genutzt. Die Bedienung des Aggregates übernahm eine Person, meistens der Stellmacher.

   Im Herbst 1945 organisierten Einwohner (Festkomité) des Ortes ein Erntefest. Die geernteten Produkte Getreide, Kartoffel, Zuckerrüben mußten an den Staat abgeliefert werden und von dem Erlös die Arbeitskräfte finanziert. Transport der Produkte mit Pferd und Wagen nach Neukalen.

   Der Stellmacher Walter Gragert nutzte seine bisherige Werkstatt im alten Schweinestall für die erforderlichen Reparaturen der landwirtschaftlichen Transportmittel und Hilfsgeräte.

   Schmied Oskar Schulz übernahm als Übergangslösung den Abstellraum für die Kutschwagen des Gutes, um Schmiede- und Schlosserarbeiten für die Bewohner des Ortes durchzuführen, z. B. Beschlagen der Pferde mit Hufeisen, Anfertigen und Aufsetzen von Reifen auf Rädern von Ackerwagen. Seine erforderlichen Arbeitsmittel, Werkzeuge stammen teilweise aus dem Bestand des Gutes.

   Schlachter Matteis mußte Rinder aus dem Bestand des Gutes für die Rote Armee schlachten. Manchmal fiel auch ein Stück Fleisch für die Versorgung der Bevölkerung des Dorfes ab. Als Schlachthaus diente das Kegelhaus mit Hilfsmittel (Flaschenzug) für die Schlachtung der Rinder.

   Oskar Sparmann, Maurer, Architekt mit Familie nutzte als Wohnraum den Speiseraum und Küche der Knechte, Hilskräfte im Anbau des Gutshauses. Als Architekt hat er in der ersten Zeit Zeichnungen mit Berechnungen für bestimmte Projekte und erforderliche Umbauten der Unterkünfte für die Flüchtlinge im Ort angefertigt. Dafür hat Karl-Heinz Päplow Arbeitsmittel, Reißbrett, Reißschiene, verschiedene Winkel, Kurvenlineale bereitgestellt, die er für seine Berufsausbildung im Bestand hatte.

   In Vorbereitung un Umsetzung der Bodenreform nahm Oskar Sparmann eine Tätigkeit im Bauamt des Kreises Malchin auf und war hauptverantwortlich für die Baumaßnahmen im ländlichen Raum. So mußte er täglich zu Fuß, teils auf Holzpantoffel, keine Schuhe, von Schlakendorf nach Neukalen und zurück, um mit dem Zug nach Malchin zu fahren. Ende der vierziger Jahre wurde er als Kreisbaudirektor in der Kreisverwaltung Malchin eingesetzt und von Willi Schmiedeberg als Dienstleistner mit einem PKW Typ Fiat Kabriolett gefahren. In den fünfziger Jahren baute Sparmann für seine Familie ein Haus am Kanal in Malchin, indem er bis zum Tod wohnte.

 

Ernennung Paul Bleck als Bürgermeister