Schlakendorf in den Jahren 1931 - 1945

 

Diplom-Ingenieur Karl-Heinz Päplow

 

(Karl-Heinz Päplow wurde am 1.7.1929 geboren und ist in Schlakendorf aufgewachsen. In seinem Bericht beschreibt er sehr ausführlich und detailreich den Zustand, das Leben und die Arbeitsabläufe in Schlakendorf aus seinen Jugenderinnerungen.)

 

Blick auf Schlakendorf

 2011

 

 

1. Ortslage

 

   Schlakendorf ist ein Ort mit Ackerflächen, Wiesen, Wald und Wasser, der mitten in der Mecklenburger Schweiz liegt. Erreichbar ist der Ort von Neukalen ca. 3 km über eine Landstraße, die aus Schotter und einem Landweg besteht und durch Straßengräben links und rechts begrenz wird. Schlakendorf ist auch über den Ort Karnitz erreichbar, wo die Landstraße endet und der Landweg weiter nach Pohnstorf in Richtung Teterow verläuft. Außerdem besteht die Möglichkeit von der Landstraße Malchin - Neukalen über den Landweg durch den Ort Franzensberg.

   In Schlakendorf besteht ein Staatsgut (Domäne) als Landwirtschaftsbetrieb mit Wirtschaftsgebäuden, Wohngebäuden, Schule und Friedhof mit Kapelle. Ebenfalls gehört eine Bauernwirtschaft (Westphal) zum Ort.

   Schlakendorf grenzt im Norden an die Westpeene mit den Wiesenflächen von Lelkendorf, im Westen an die Acker- und Wiesenflächen des Ortes Karnitz, im Süden an die Ackerflächen der Bauern Voss und Hopp des Ortes Franzensberg sowie am Wald der Forst Gülitz, im Osten an die Acker- und Wiesenflächen der Bauernwirtschaft Westphal und der Stadt Neukalen.

 

Lageplan, Bezeichnung der Flächen (Schlakendorf)

 

Lageplan, Bezeichnung der Flächen

 

 

 

2. Das Vorderdorf (neues Dorf)

 

   Das Vorderdorf, auch Millionenviertel genannt, mit einigen Wohnhäusern, der Schule und Schnitterkaserne, liegt teilweise an der Landstraße Neukalen - Karnitz.

 

2.1. Beschreibung der Wohnhäuser

 

   Das Wohnhaus 7 und 8 ist ein Fachwerkbau, und die anderen Häuser bestehen aus einem Ziegelmauerwerk. Alle Häuser sind mit einem Spitzdach gebaut und mit Dachziegel eingedeckt. Jede Wohnung hat von außen einen Eingang, und man betritt grundsätzlich die Küche als ersten Raum.

   Wohnhaus 1 und 2 mit je zwei Wohnungen und einem Stallgebäude; Hauseingänge im Hinterhaus; Räume je Wohnung: 3 Zimmer, 1 Küche, 1 Speisekammer, 1 Dachboden mit Räucherkammer, 1 kleiner Keller unter der Speisekammer. Ein Stallgebäude für Schweine- und Hühnerhaltung sowie Lagerung von Holz und Kohle und einem Dachboden für die Lagerung von Stroh.

   Wohnhaus 3, 4, 5 und 6 mit je zwei Wohnungen und Stallanlagen; Hauseingänge im Vorderhaus; Räume je Wohnung: 3 Zimmer, 1 Küche, 1 Speisekammer, ein kleiner Keller unter der Speisekammer, ein Dachboden mit Räucherkammer. Stallanlage direkt im Wohnhaus der Giebelseite, getrennt durch eine Mauer, für Schweine- und Hühnerhaltung sowie Lagerung von Holz und Kohle. Für die Lagerung von Stroh ist ein Teil des Dachbodens durch eine Mauer getrennt und vom Giebel mit einer Leiter über eine Einstiegluke erreichbar.

   Wohnhaus 7 und 8 mit je zwei Wohnungen und Stallanlagen; Hauseingänge im Vorderhaus; Räume je Wohnung: 2 Zimmer, 1 Küche, 1 Speisekammer, ein kleiner Keller unter der Speisekammer und ein Dachboden mit Räucherkammer. Stallanlage direkt im Wohnhaus der Giebelseite, getrennt durch eine Lehmwand, für Schweine- und Hühnerhaltung sowie Lagerung von Kohle und Holz. Für die Lagerung von Stroh ist ein Teil des Dachbodens durch eine Lehmwand getrennt und vom Giebel mit einer Leiter über eine Einstiegsluke erreichbar.

   Wohnhaus 11 und 12 mit je zwei Dreiraum- und je zwei Einraumwohnungen sowie Stallgebäude. Die Dreiraumwohnung besteht aus 3 Zimmern, 1 Küche, 1 Speisekammer, einem kleinen Keller unter der Speisekammer und einem Dachboden mit einer Räucherkammer. Der Hauseingang ist im Vorderhaus und von der Einraumwohnung an der Hausgiebelseite. Diese Wohnung besteht aus einem Zimmer und einer Küche. Für jede Wohnung ist im Stallgebäude ein gesonderter Bereich durch Zwischenwände abgeteilt, der für die Viehhaltung und Lagerung von Holz und Kohle dient. Außerdem bestehen weitere Möglichkeiten der Lagerung auf dem Dachboden des Stallgebäudes.

   Bauausführungen von den Innenräumen der Wohnungen 1 - 14: die Fußböden in den Küchen und Speisekammern sind mit Mauerziegel ausgelegt; in den Wohn- und Schlafräumen befinden sich Holzdielen und für die Heizung eingebaute Kachelöfen. Alle Räume haben einfach verglaste Sprossenfenster und von außen teilweise angebaute Fensterläden. Die Wände und Decken der Räume sind gekalkt, bzw. mit eingefärbter Kalkfarbe gestrichen, und die Türen bestehen aus Holz. In der Küche ist ein Kochherd mit Backofen aus Ziegelsteinen eingebaut, der mit Holz, bzw. Kohle geheizt wird. Der Hausboden ist von jeder Küche über eine Holztreppe erreichbar, und alle Wohnungen haben eine Außen - Trocken - Toilette.

   Die Versorgung mit Elektroenergie 220 Volt erfolgt über Freileitungen, und jede Wohnung hat einen Zähler. Alle Bewohner vom Vorderdorf müssen ihr tägliches Wasser von dem Brunnen mit Handpumpe am Schulgebäude holen. Zu jeder Wohnung gehört ein Garten, der für die Versorgung mit Obst und Gemüse dient.

 

Das Vorderdorf (Schlakendorf)

 

Das Vorderdorf
Wohnhäuser 1 - 12, Schulgebäude, Schnitterkaserne

 

 

2.2. Einwohner im Vorderdorf

 

Haus 1:     

Herr Johann Friedland, Tagelöhner, Frau Friedland, Hausfrau, Kinder: Sohn und Tochter

 

Haus 2:     

Herr Pitsch, Schäfer, Frau Pitsch, Hausfrau, Kinder: Anni, Friedrich, Ernst, Elli, Horst (vor Familie Pitsch wohnte hier Familie Matzdorf, Schäfer)

 

Haus 3:     

Herr Walter Kappe, Pferdeknecht, Frau Kappe, Hausfrau, Kinder: Ruth, Günther, Uschi, (vor Familie Kappe wohnte hier Alwin Salow, Schweizer, nach                                   Schönkamp gezogen, Alwin war der Bruder von Richard Salow)

 

Haus 4:     

Herr Richard Salow, Tagelöhner, Frau Salow, Hausfrau, Kinder: Willi, Gertrud, Fritz, Gerhard, Walter, Edith, Helga, Günther und Kurt, Zwillinge

 

Haus 5:     

Herr Johansen, Tagelöhner, Frau Johansen, Hausfrau, (nach Familie Johansen, die nach Neukalen zog, wohnte hier Familie Küter)

 

Haus 6:     

Herr Risch, Stellmacher, Frau Risch, Hausfrau, Kinder: Ursula, Inge, (Familie Risch zog 1939 nach Knorrendorf bei Kleeth, danach wohnte hier Familie Walter Hilbricht)

 

Haus 7:     

Herr Albert Brahs, Tagelöhner, im Winter Arbeit im Kuhstall, Frau Brahs, Hausfrau, Kinder: Albert, Otto, Heinz, Rudolf, Hans-Werner

 

Haus 8:     

Herr Ernst Schoknecht, Pferdeknecht, Frau Schoknecht, Hausfrau, Kinder: Irmgard

 

Haus 9:     

Herr Schuld, Pferdekutscher für den Gutspächter, Frau Schuld, Hausfrau, Kinder: unbekannt

 

Haus 10:  

Herr Ernst Guhl, Stallmeister im Pferdestall, Frau Guhl, Hausfrau, Aushilfe im Gutshaus, Kinder: Karl-Heinz Gränert aus 1. Ehe (Gränert fiel im I. Weltkrieg), aus 2. Ehe: Wilhelm, Ullrich

 

Haus 11:  

Herr Walter Gragert, Stellmacher ab 1939, Frau Gragert, Hausfrau, Kinder: Lotte (adoptiert), (vor Familie Gragert wohnte hier Wilhelm Hilbricht - Eltern v. W. Hilbricht)

 

Haus 12:  

Herr Moll, Meier für Rinderhaltung, Frau Moll, Hausfrau, Kinder: Werner, Elfriede

 

Haus 13:  

Frau Guhl, Rentnerin

 

Haus 14:  

Frau Vieck, Rentnerin

 

Die Dorfstraße (Schlakendorf)

2009

Die Dorfstraße

 

 

 

2.3. Das Schulgebäude

 

   Das Schulgebäude ist 1886 als Ziegelbau errichtet worden mit Spitzdach und Gaube sowie mit Dachziegel eingedeckt. Im Erdgeschoß zur Südseite hin befindet sich ein Unterrichtsraum mit einem Vorraum für die Garderobe der Schüler, der durch einen Eingang am Giebel des Gebäudes erreichbar ist. Ebenfalls befindet sich die Wohnung für den Lehrer im Erd- und Dachgeschoß des Schulgebäudes, die durch einen Eingang im Vorderhaus über den Vorgarten erreicht wird.

   Ein Stallgebäude auf dem Schulgelände, das für Viehhaltung vorgesehen ist und zur Lagerung von Holz und Kohle für den Wohnraum des Lehrers und den Unterrichtsraum dient. Außerdem sind im Stallgebäude die Trockentoiletten der Lehrerfamilie und der Schüler eingebaut.

   An der Giebelseite des Schulgebäudes, am Eingang zum Unterrichtsraum, liegt der Schulhof für den Pausenaufenthalt der Schüler, der durch einen Lattenzaun begrenzt ist. Ebenfalls gehört ein Garten zum Schulgelände, in dem die Lehrerfamilie Obst und Gemüse für die Eigenversorgung anbaut. Der Garten ist über den Schulhof erreichbar und von außen mit einer Dornenhecke eingezäunt.

   Der Unterrichtsraum mit seinen großen Fenstern hat gute Lichtverhältnisse. Als Heizquelle während der kalten Jahreszeit dient ein großer fest eingebauter Kachelofen. Ausgestattet ist der Raum mit sechs langen durchgehenden Schulbänken für die Schüler, einem Lehrerpult, einer großen Tafel mit Ständer und einem Lehrmittelschrank. Später wurde eine Bankreihe durch Schulbänke für je zwei Schüler mit Klappsitzen erneuert.

 

Das ehemalige Schulhaus (1)

2009

Das ehemalige Schulhaus (2)

2010

Das ehemalige Schulhaus

 

 

2.3.1. Schulablauf

 

   Die Volksschule in Schlakendorf ist eine Einklassenschule mit den Jahrgängen 1 bis 8 und ca. 32 Schüler aus den Orten Schlakendorf, Karnitz, Franzensberg und Hagensruhm.

   Am 1. April eines jeden Jahres erfolgt die Einschulung. Am ersten Schultag werden die Kinder mit den Eltern von dem Lehrer Moritz Otto begrüßt, im Unterrichtsraum eingewiesen und mit dem Schulablauf vertraut gemacht. Jeder Schüler hat für seine Grundausstattung eine Schiefertafel und Griffel zum Schreiben und Rechnen in einem Tornister mitzubringen. Lehrbücher stellt die Schule leihweise für die Schüler zur Verfügung. Nach Einkommen der Eltern haben die Schüler teilweise eine Schultüte.

   Der Schulunterricht dauert täglich fünf Stunden, im Sommer von 7 - 12 Uhr und im Winter von 8 - 13 Uhr (ca. je ein halbes Jahr). Die Schüler besuchen sechs Tage in der Woche von Montag bis Sonnabend Mittag die Schule. Unterrichtet werden die Fächer: Deutsch mündlich und schriftlich, Geschichte, Erdkunde, Lebenskunde, Naturlehre, Zeichnen und Werken, Rechnen und Raumlehre, Schönschrift, Musik, Religion sowie Leibeserziehung (nur bei gutem Wetter auf dem Sportplatz von einem Lehrer).

   Lehrer Moritz Otto gestaltet methodisch seinen Unterrichtsablauf so, daß alle Schüler der Jahrgänge 1 bis 8 beschäftigt sind. Für die Schüler im 1. Jahrgang ist der Unterrichtsbeginn 1 Std. später und wird 1 Std. früher beendet. Der Lehrer erläutert diesen Schülern an einer Bildtafel die Haustiere, bzw. Tiere, die in unserer Heimat leben. Da einige Kinder teilweise nur plattdeutsch sprechen können, wird auch auf plattdeutsch geantwortet; z. B.: "dat is´n Adebor" (das ist ein Storch). Oder der Lehrer hat den Schülern das Alphabet erläutert, die anschließend das Alphabet aus der Fibel auf der Schiefertafel mit Griffel schreiben. Während der Lehrer sich mit einem Jahrgang beschäftigt, müssen die anderen Jahrgänge lesen, Aufgaben rechnen, Schönschrift üben (deutsch und lateinisch). Gelehrt wird die alte deutsche Schrift, als normale Schreibschrift und zusätzlich die lateinische Schrift, die heutige Schreibschrift. Auf der Schiefertafel wird bis zum 6. Jahrgang geschrieben, aber das Schreiben im Heft "Schönschrift" mit Tinte und Stahlfeder erfolgt ab 2. Jahrgang als Übung.

   Besondere Anforderungen stellt der Lehrer an die Schüler der Jahrgänge 7 und 8 in der letzten Unterrichtsstunde, um ein Zahlenwissen in Geografie und Mathematik bei den Schülern aufzubauen und zu festigen. Dieses erfolgt durch den Lehrer z. B. an einer großen Landkarte oder durch Kopfrechnen. Außerdem muß jeder Schüler Hausaufgaben erledigen.

   Während der Unterrichtsstunde sind alle Schüler diszipliniert, denn die Prügelstrafe ist noch aktuell. Beim negativen Verhalten eines Schülers wird er durch Tadel oder Schläge mit einem kurzen oder langen Rohrstock bestraft; der kurze Rohrstock für Schläge auf die Hände und der lange Rohrstock für Schläge auf den hinteren Teil des Körpers. Dazu ein Schülertrick: Der Rohrstock wird mit Zwiebel eingerieben, dann zerbricht er bei der Anwendung der Prügelstrafe beim ersten bzw. zweiten Zuschlagen. Danach ein Lachen auf allen Gesichtern der Schüler.

   In den Wintermonaten, besonders bei größeren Schneeverwehungen, erreichten die Schüler aus den Orten Karnitz, Hagensruhm und Franzensberg die Schule nicht, aber mit den Schülern aus Schlakendorf wurde der Unterricht entsprechend gestaltet. Während des Krieges, in den Jahren 1943 - 1945, mußte der Unterricht wegen fehlendem Heizmaterial teilweise ausfallen.

   Ferien gab es zu Weihnachten, Pfingsten, Ostern und im Sommer im Juli und August (ca. 4 - 5 Wochen). Ein Schuljahr endete am 30.3. des Jahres und jeder Schüler bekam ein Zeugnis über seine Leistungen und Kopfnoten.

   Die Kinder August und Karl Alert von dem Pächter des Gutes haben die Schule Klasse 1 bis 4 in Neukalen und die Klassen 5 bis 12 am Gymnasium in Malchin besucht. Die beiden Kinder wurden mit der Pferdekutsche nach Neukalen zur Schule, später zum Bahnhof Neukalen gefahren und wieder abgeholt.

 

 

2.4. Schnitterkaserne

 

   Ein Fachwerkgebäude als Unterkunft für die Schnitter steht am Wassergraben im "Düsteren Sack" (kleiner Wald), ca. 100 m von der Dorfstraße entfernt und ist über den Landweg Richtung Franzensberg erreichbar. Das Gebäude hat ein Spitzdach mit Gauben und ist mit Dachziegel eingedeckt. Der Hauseingang befindet sich im Hinterhaus, und man geht direkt in die Küche, die mit einem eingebauten großen Kohle - Kochherd und Kohle - Backofen ausgestattet ist. Im Erdgeschoß befinden sich Unterkunftsräume und eine Wohnung für den Vorschnitter. Das Dachgeschoß ist für weitere Unterkunftsräume ausgebaut, die mit Möbel, Betten, Schränke und Schlafdecken ausgestattet sind. Erreichbar ist das Obergeschoß von der Küche aus über eine Holztreppe.

   Ein Nebengebäude, Fachwerk mit Spitzdach, steht auf dem Gelände für die Aufbewahrung der Arbeitsgeräte und Lagerung von Brennmaterial (Holz und Kohle) mit Trockentoiletten. Außerdem dient ein Brunnen mit Handpumpe auf dem Gelände für die Wasserversorgung der Bewohner der Kaserne.

   Schnitter sind Arbeiter, meistens ledige männliche und weibliche Personen im Alter bis zu 30 Jahren, aus verschiedenen Gebieten Deutschlands sowie aus Polen. Sie arbeiten als Saisonkräfte von Monat Mai bis Ende November eines Jahres in der Landwirtschaft. Während dieser Zeit ist ein hoher Bedarf von Handarbeit in der Feldwirtschaft erforderlich. Der Einsatz der Schnitter auf dem Staatsgut erfolgt durch den Verwalter bei der Pflanzung der Kartoffel, Pflege der Hackfrüchte, Heu- und Getreideernte sowie der Hackfruchternte. Sie übernehmen in Akkordarbeit die Pflege der Rüben (2 - 3 Morgen; 1 Morgen = 0,25 ha), Ernten der Rüben per Hand (2 - 3 Morgen), Ernten der Kartoffeln per Hand mit Kratzer in Kiepen, abgerechnet nach Anzahl der Kiepen. Arbeitsgeräte werden von dem Gut für alle Arbeiten kostenlos bereitgestellt. 1941 kamen Mädchen im Alter von 17 - 20 Jahren als Zwangsarbeiter aus der Ukraine für Arbeiten in der Landwirtschaft, die bis Ende des Krieges 1945, Sommer wie Winter, in der Kaserne wohnten. Diese Mädchen haben vor Beginn und am Ende nach der Arbeit im Chor ihre Heimatlieder gesungen.

   Für ihre Versorgung sowie Reinigung der Räume sind die Schnitter selbst verantwortlich. Gekocht wird in der großen Küche im eigenen Haus. Außerdem ist es möglich, in der Leuteküche im Gutsgebäude Mittag zu essen.

 

Die sogenannte Schnitterkaserne am Weg nach Franzensberg

1989

Die sogenannte "Schnitterkaserne" am Weg nach Franzensberg

 

 

Haus Nr. 39 / 40

2009

Haus Nr. 39 / 40

 

 

 

3. Das Hinterdorf (altes Dorf)

 

3.1. Beschreibung der Wohnhäuser

 

   Erreichbar sind alle Wohnhäuser im Hinterdorf ("Ulenkrauch" genannt) über einen Landweg Gutshaus - Landstraße. Die Wohnhäuser 1 - 2 sind als Fachwerkhäuser mit Dachboden und Flachdach gebaut, eingedeckt mit Dachpappe; aber ohne Keller, weil der Grundwasserstand zu hoch ist. In jedem Haus sind zwei Wohnungen, und als Eingang sind geteilte Haustüren im Vorderhaus eingebaut. Zu einer Wohnung gehören: eine Küche, ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, eine Speisekammer und ein Dachboden, der über eine Leiter von der Küche erreichbar ist.

   Die Wohnungen haben gekalkte Wände, und der Fußboden ist in allen Räumen mit Ziegelsteinen ausgelegt. Zum Kochen dient ein eingebauter Herd mit Backofen aus Mauerziegel. Für das Heizen in den kalten Jahreszeiten stehen in den Zimmern festeingebaute Öfen, teilweise aus Mauerziegeln.

   Ein Stallgebäude als Fachwerkbau mit Dachboden und Flachdach gehört zu jeder Wohnung, das für Schweine- und Geflügelhaltung sowie für die Lagerung von Brennstoffen und Stroh dient.

   Die Häuser 3 - 4 waren Anfang der dreißiger Jahre nicht mehr bewohnt und sind so beschädigt und verfallen, daß zum Teil nur noch die Grundmauern, bzw. Fundamente stehen.

   Das Wohnhaus 5 - 8, als Fachwerkhaus mit einem Spitzdach und Dachziegel gebaut, besteht aus vier Wohnungen mit je zwei Zimmern, einer Küche, einer Speisekammer, einem Flur und dem Dachboden. Jede Wohnung hat im Vorderhaus einen separaten Eingang, und man betritt als erstes die Küche, von der das Wohnzimmer und Schlafzimmer sowie die Speisekammer. Ein hinterer Flur dient als Durchgang von der Küche zum Hof und dem Stallgebäude. Der Dachboden mit Räucherkammer ist über eine Leiter von der Küche durch eine Luke erreichbar. Die Leiter wurde später durch eine Holztreppe ersetzt. Der Fußboden in der Küche, im Flur und im Schlafzimmer besteht aus Mauerziegeln, die später im Schlafraum durch Holzdielen ausgewechselt wurden. Das Wohnzimmer und die Speisekammer sind mit Holzdielen ausgestattet. Unter der Speisekammer befindet sich ein kleiner niedriger Kellerraum, der über eine Einstiegluke mit Leiter erreichbar ist und für die Lagerung von Kartoffeln und Gemüsevorräten dient. Ein festeingebauter Kochherd mit Backofen aus Ziegelsteinen in der Küche, heizbar mit Holz und Kohle, dient zur Herstellung der Speisen. In den Zimmern steht ein fest eingebauter Kachelofen, der durch Heizen mit Holz und Kohle in der kalten Jahreszeit für ein warmes Zimmer sorgt. Alle Zimmer haben einfach verglaste Sprossenfenster und von außen angebaute Fensterläden.

   Zwei Stallgebäude als Fachwerkbau mit einem Spitzdach aus Dachziegel und Dachboden gehören zu den vier Wohnungen. Jede Familien nutzt eine Hälfte von den Stallgebäuden für die eigene Schweine- und Geflügelhaltung sowie Lagerung von Brennstoffen und Stroh. Eine Trockentoilette ist am Stallgebäude angebaut. Die Stromversorgung erfolgt über eine Freileitung mit einem Hausanschluß, und von dort wird jede Wohnung über einen eigenen Stromzähler mit 220 V versorgt. Stallgebäude und Hausboden sind nicht am E - Netz angeschlossen. Die Beleuchtung erfolgt mit Petroleum- , bzw. Talglichtlampen. Jeder Bewohner muß für den verbrauchten Strom selbst aufkommen. Die Stromleitungen sind auf dem Putz der Wände und Decken im Wohngebäude verlegt.

   Die Wasserversorgung für das gesamte Hinterdorf erfolgt über einen Brunnen mit Handpumpe. Jeder Bewohner holt sein Wasser mit der Trage und Wassereimer bzw. Kannen bis zu 150 m von dem genannten Brunnen. Zu jeder Wohnung gehört ein Garten für Kartoffel- und Gemüseanbau zur Eigenversorgung.

 

 

3.2. Einwohner im Hinterdorf

 

Haus 1:                

Familie Gränert, Rentner. Nach Gränert wohnten hier Paul Bleck und Ida Küster bis Mai 1945. Beide waren auf dem Gut als Schnitter tätig. Ida Küster hat als Köchin in der Leuteküche gearbeitet.

 

Haus 2:                

Alte Frau Salow

 

Haus 3 und 4:      

Anfang der dreißiger Jahre schon baufällig, später nur noch Reste von den Grundmauern vorhanden.

 

Haus 5:                

Familie August Martens mit Frau, Tagelöhner, Statthalter (Stellvertreter), Kinder: Anna, Karl, Elfriede, Werner

 

Haus 6:                

Walter Hilbricht und Frau Liesbeth, Pferdeknecht, Tagelöhner, Kinder: Werner, Hannes, Lieselotte, Gertrud, Herbert, Horst, Umzug ca. 1938/39 in Wohnung von Familie Risch Nr. 6 im Vorderdorf. Die Wohnung Nr. 6 wurde Unterkunft für acht Kriegsgefangene von dem Polenkrieg 1939 bis Mitte 1941.Danach waren die polnischen Gefangenen frei, verblieben als Arbeiter, Unterkunft in der Schnitterkaserne. 1940 Krieg mit Frankreich, französische Kriegsgefangene zogen ein und blieben bis Ende des Krieges 1945.

 

Haus 7:                

Familie Albert und Theodora Päplow, Tagelöhner, im Winter im Kuhstall, während des Krieges als Kutscher für den Gutsherrn tätig, Kinder: Karl-Heinz und Kurt

 

Haus 8:                

Familie Jakob Mack mit Frau, Schweinemeister, Kinder: Franz, ...

 

Hinter Dorf (Schlakendorf)

 

Hinter Dorf, "Altes Dorf", "Ulenkrauch"
Wohnhäuser, alter Friedhof, neuer Friedhof

 

Haus 1 im Hinterdorf mit Brunnen und Wasserpumpe

 

Haus 1 im Hinterdorf mit Brunnen und Wasserpumpe
hinter dem früheren Friedhof
Juli 1931
(Das Haus wurde in den 50ger Jahren abgerissen).

 

 

Vor dem Haus Päplow im Hinterdorf

 

Vor dem Haus Päplow im Hinterdorf

 

 

Blick von den Häusern im Hinterdorf zur Lindenallee im Park (Juli 1931)

 

Blick von den Häusern im Hinterdorf zur Lindenallee im Park
(Juli 1931)

 

 

Bienenschauer

 

Bienenschauer

 

 

 

3.3. Der alte Friedhof

 

   Dieser Friedhof liegt im Bereich des alten Dorfes (Ulenkrauch) direkt am Landweg Gutshof - Landstraße und wurde schon vor 1931 nicht mehr genutzt, weil der Grundwasserstand zu hoch war. Bei jeder Beerdigung wurde der Sarg in der Grube im Wasser versenkt. Erkennbar ist der alte Friedhof, weil noch wenige Grabsteine vereinzelt sichtbar sind. Sonst ist es eine freie Fläche, die mit Bäumen, Pappel, Linden sowie Dornen und Sträuchern bepflanzt ist, aber keinen Gebrauchswert hat. Mitte der dreißiger Jahre erfolgte die Pflanzung einer Eiche (Hitlereiche).

 

 

3.4. Der neue Friedhof

 

   Eine Fläche von ca. einen Morgen (0,25 ha) auf einer Erhöhung der Landschaft, etwas außerhalb des Dorfes, an der Landstraße nach Karnitz. Das Friedhofsgelände ist mit einer Dornenhecke eingezäunt und durch ein Tor aus Holzlatten erreichbar. Ein Weg führt zu einer kleinen Kapelle, die auf dem Gelände steht und für die Trauerfeiern der Beerdigungen dient.

   Das Beschneiden der Dornenhecke erledigen in jedem Jahr Tagelöhner mit einer Handheckenschere in ihrer Freizeit, um zusätzlich etwas Geld zu verdienen. Auf dem Friedhof hat die Gutspächterfamilie Schlüter ihre Ruhestätte, erkennbar durch einen besonderen Grabstein.

 

 

4. Gutshof

 

   Ein Gutshof mit einer großen Fläche, auf der Gebäude und Einrichtungen stehen, die für einen Landwirtschaftsbetrieb unbedingt erforderlich sind. Dazu gehören neben dem Herrenhaus Stallanlagen für die Tierhaltung sowie Lagerräume für Halmfrüchte, Mehrzweckgebäude, technische Ausrüstungen und eine Parkanlage mit Obst- und Gemüsegarten. Das gesamte Gelände ist eingezäunt und durch verschiedene Zufahrten erreichbar.

 

 

4.1. Herrenhaus (Gutshaus)

 

   Das Gebäude ist ein Fachwerkbau mit einer Unterkellerung, ein Erdgeschoß, ein Obergeschoß und einem Boden im Spitzdach, das mit Ziegel eingedeckt ist. Außerdem gehört ein kleiner Vorbau (Veranda) dazu, der an der Nordseite, in der Mitte des Gebäudes und Höhe des Erdgeschosses, angebaut ist. Die Außenwände von dem Gebäude sind mit Efeu bewachsen.

   Erreichbar ist das Gebäude über verschiedene Eingänge. Ein besonderer Eingang, gleichzeitig als Haupteingang, im Vorderhaus, erreichbar über eine Treppe durch die Veranda über die Eßdiele zum Hausflur. Über den Eingang am Hinterhaus sowie von der Giebelseite aus dem Garten erreicht man den Hausflur.

   Einige Räume im Erdgeschoß: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Spielzimmer, Hausmädchenzimmer, Eßdiele, Flur mit Holztreppe zum Keller, bzw. zum Obergeschoß und Boden, Küche für Gutsbesitzer, Inspektor und Besucher. Im Obergeschoß: Büroraum mit Aussicht über den Gutshof, Zimmer für Inspektor, Besucher usw. Alle Zimmer sind mit je einem Kachelofen ausgestattet, der als Wärmequelle für die kalte Jahreszeit dient. Das Heizen erfolgt nach Nutzung der Räume mit Holz und Kohle. Der Fußboden in den Zimmern besteht aus Holzdielen. Die Küche ist mit einem Herd aus Ziegel, teilweise Kachel ausgestattet. Das Zubereiten der Speisen erfolgt über Kochtöpfe in verschiedenen Größen, die durch Ausgleichen von Eisenringen auf dem offenen Feuer mit Holz und Kohle erhitzt werden. Der Fußboden in der Küche besteht aus Ziegelsteinen. Der Boden im Spitzdach des Hauses dient als allgemeiner Lagerraum für die Familie. Das Haus hat einen großen Kellerraum, der über eine Treppe vom Hausflur erreichbar ist und für die Bevorratung von Lebensmittel der Familie dient.

   Zum Gutsgebäude gehört ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude, mit Flachdach und Dachpappe eingedeckt. Der Anbau ist direkt mit dem Hauptgebäude verbunden und im Winkel angebaut. Das Gebäude hat eine direkte Verbindung zur Küche des Gutshauses, und der gesamte Fußboden besteht aus Mauerziegel. Im Erdgeschoß befindet sich eine Küche für die Arbeiter mit Vorratsraum, in der ein gemauerter Kochherd aus Ziegel steht; außerdem ein Speiseraum für ledige und Hilfsarbeitskräfte. Diese Arbeitskräfte und mit Kriegsbeginn die Kriegsgefangenen werden über diese Küche (Leuteküche) versorgt. An der Giebelseite des Gebäudes befindet sich ein großer Raum, der für die Lagerung und Aufbereitung für Schweinefutter genutzt wird (Schweineküche genannt).

   Die Wasserversorgung erfolgt über einen Brunnen mit Handpumpe, der sich in der Nähe vom Gutshaus befindet, für alle Bereiche am Herrenhaus. An der Giebelseite des Gutshauses, ca. 20 m entfernt, steht im Park ein Eiskeller, der im Erdbereich sehr tief ausgeschachtet, mit einem runden Spitzdach ca. 8 m Durchmesser aus Schilf gedeckt und dies mit dem Erdboden verbunden ist. In diesem Eiskeller lagert natürliches Eis, das im Winter von Eisflächen abgetragen und mit einer dicken Schicht von Kaff (Erntespreu) zugedeckt wird. Es dient zur Kühlung von Lebensmittel, denn es gab ja noch keine Kühlschränke.

 

Am Eingang zum Gutshaus

 

Am Eingang zum Gutshaus

 

 

Die Dienstmädchen lüften die Betten am Gutshaus

 

Die Dienstmädchen lüften die Betten am Gutshaus

 

 

Die Dienstmädchen vom Gutshaus, im Sommer 1943

 

Die Dienstmädchen vom Gutshaus, im Sommer 1943

 

 

 

4.2. Verwalter

 

   Schlakendorf ist ein Staatsgut (Domäne) mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 561 ha, auf der Ackerbau und Viehwirtschaft betrieben wird. Die Verwaltung und Bewirtschaftung des Staatsgutes erfolgt über die Gebrüder Alert I und Alert II.

   Alert I (Gustav Alert), verheiratet mit der Tochter der Pächterin Ina Schlüter, hatte zwei Kinder: August Alert, geb. 1925 und Kurt Alert, geb. 1927, beide im letzten Weltkrieg geblieben.

   Alert II (Franz Alert) ist nicht verheiratet; er bearbeitet die gesamte Buchhaltung, regelt alle finanziellen Angelegenheiten und die Auszahlung von Lohn für die Arbeitskräfte.

   Die Gebrüder Alert hatten kein Auto. Ihr Personentransport erfolgte mit Pferdekutsche und Reitpferde. Außerdem beschäftigt der Pächter einen Inspektor, bzw. Statthalter als Stellvertreter für den gesamten organisatorischen Ablauf auf dem Gut. Die Arbeitskräfte im Gutshaus für den Verwalter sind der Frau Alert unterstellt. Eine Köchin ist verantwortlich für die gesamte Versorgung der Familie Alert mit ihren Gästen sowie den Inspektor, die täglich mit dem ersten, zweiten Frühstück beginnt, das Mittag vorbereitet und die Kaffeezeit (Vesper) sowie das Abendessen entsprechend einordnet. Alle Mahlzeiten werden in der Eßdiele eingenommen. Zwei Hausmädchen sind für die Reinigung aller Räumlichkeiten des Gutshauses verantwortlich. Das erste Hausmädchen wird teilweise für die Bedienung der Familie bei bestimmten Essenzeiten eingesetzt. Als Hilfskräfte für die Küche, z. B. zum Kartoffel schälen, bei der Verarbeitung der geschlachteten Schweine, helfen ausgewählte Frauen von den Tagelöhnern. In jedem Schlafraum steht eine Waschkommode und Waschschüssel, die zur persönlichen Reinigung dient; außerdem ein besonderer Eimer mit Frischwasser und ein Eimer für Schmutzwasser.

   Gäste werden mit der Kutsche vom Bahnhof aus Neukalen abgeholt und auf der Treppe vom Haupteingang des Herrenhauses empfangen. Bei allen Kutschfahrten wendet der Kutscher auf dem Rundell vor dem Haupteingang, das mit Blumen, Rosen usw. bepflanzt ist.

 

 

4.3. Wirtschaftsräume

 

4.3.1. Mehrzweckgebäude I

 

   Ein Fachwerkbau mit Spitzdach aus Dachziegel, im Winkel gebaut, steht im Wirtschaftsbereich in der Nähe vom Herrenhaus und hat verschiedene Arbeitsräume. In dem Gebäude arbeitet der Stellmacher in seiner Werkstatt, der Holzarbeiten für alle Bereiche des Gutes erledigt; aber nur durch Handarbeit mit Hilfe einer Werkbank, in der er die Holzteile einspannt und bearbeitet; also ohne Maschinen für Holzbearbeitung. Nur eine Bandsäge erleichtert etwas seine körperliche Arbeit. So dient z. B. der Handhobel zum Glätten von Flächen oder eine Handkurbel mit Bohrer zum Herstellen von Löchern. Größere Holzbearbeitungen oder die Herstellung von Ackerwagen erledigt die Stellmacherei Krüger in Neukalen für das Gut.

   Im Gebäude neben der Stellmacherei, im alten Schweinestall, lagern Holz und Kohle zum Heizen und Kochen für das Gutshaus mit Küche, die Leuteküche und Waschküche.

   Im rechten Winkel des Gebäudes befindet sich der Melkenkeller als großer Raum, die Waschküche und die drei Fremdenzimmer. Die Fremdenzimmer dienen als Unterkunft für Hilfskräfte während der Ernte, bzw. für Monteure, die technische Maschinen und Geräte reparieren, z. B. Dreschkästen.

   In der Waschküche ist ein Waschkessel mit Mauerziegel eingebaut, der mit Holz und Kohle geheizt wird. In diesem Raum werden täglich die Milchkannen für die Milchtransporte durch Frauen von den Tagelöhnern gewaschen. Außerdem dient dieser Raum für das Waschen der gesamten Wäsche des Gutshauses und der Familie des Verwalters mit Angehörigen. Diese Arbeiten erledigen Frauen der Tagelöhnern per Hand mit Waschbrett in einer Waschwanne aus Holz unter Anweisung der Gutsherrin. Das Wasser für diese Tätigkeit holen die Frauen mit Trage und Wassereimer vom Brunnen mit Handpumpe. Die Entlohnung der Frauen erfolgt nach den geleisteten Stunden mit 0,10 RM/Std.

   Neben der Waschküche befindet sich ein großer Raum (Melkenkeller) mit abgesenktem Fußboden aus Ziegelsteinen, in dem in jedem Jahr das Erntefest gefeiert wird. Der Bedarf an Schweinefleisch für die beiden Küchen wird über Hausschlachtung aus eigenem Schweinebestand in der Waschküche gedeckt, weil man viel heißes Wasser für die Schlachtung benötigt. Dieses wird durch das Aufheizen von dem Waschkessel gewährleistet. Das Zerlegen der Schweine erfolgt noch in der Waschküche, aber die weitere Verarbeitung wird in der Küche von der Mamsell im Gutshaus unter Mitwirken von Tagelöhnerfrauen durch Aufsicht der Gutsherrin erledigt.

 

 

4.3.2. Mehrzweckgebäude II

 

   Ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit Flachdach und Dachpappe eingedeckt dient für die Geflügelhaltung, Lagerung von Kunstdünger und Unterstellung von Landmaschinen.

   Die Geflügelhaltung ist in ca. einem Drittel des Gebäudes untergebracht und über einen Eingang von der Giebelseite erreichbar. Dazu gehört zum größten Teil die Hühnerhaltung mit ca. 100 Tieren, um den Bedarf und die Versorgung der beiden Küchen im Gutsgebäude mit Eiern und teilweise mit Fleisch zu gewährleisten. Der Nachwuchs von Hühnern wird durch das Brüten der Glucken auf fruchttragenden Eiern im eigenen Stall jährlich erreicht. Der Anteil der Entenhaltung ist bedeutend geringer und dient hauptsächlich für die Versorgung mit Fleisch. Für die Enten befindet sich neben dem Gebäude ein kleiner Teich, der über Dränagen mit Wasser versorgt wird. Nach dem erreichten Wasserstand läuft das Wasser über einen offenen Graben ab. Auf einem Teil des Dachbodens von dem Gebäude befindet sich der Taubenschlag. Die Tauben vermehren sich ohne Kontrolle, und in bestimmten Zeiten gibt es für die Herrschaften zu Mittag Taubenbraten. Für die tägliche Betreuung der gesamten Geflügelhaltung sorgt der Verwalter.

   Das Lager für Kunstdünger ist durch eine Holztür an der Längstseite des Gebäudes erreichbar. Die Aufbereitung des Kunstdüngers erfolgt per Hand mit Schaufeln je nach Anwendung für die verschiedenen Flächen der Feld- und Grünlandwirtschaft und wird in besondere Säcke für den Transport gefüllt.

   Ein Teil des Gebäudes dient als Unterstellraum für Landmaschinen (z.B. Düngerstreuer, Sämaschinen, Mähmaschinen), der über ein gesondertes Eingangstor erreichbar ist. An der Längstseite des Gebäudes ist ein Streifen von ca. 3 m Breite mit Feldsteinen gepflastert.

 

 

4.4. Lagerräume

 

   Als Lagerräume für Getreide, Stroh und Heu sollen hauptsächlich die drei großen Scheunen genannt werden, die als Fachwerkbau, teilweise Lehmwände und aus Holzverband von behauenen Kanthölzern mit einem Spitzdach aufgeführt sind. Das Spitzdach ist mit Schilf eingedeckt, und alle Gebäude sind durch eine Blitzschutzanlage gesichert.

   Zwei Scheunen sind mit einer durchgehenden Diele, ca. 5 m breit, ausgestattet, die von beiden Giebel durch eingebaute Holztore erreichbar ist. Von der Diele erfolgt die Einlagerung des Getreides in die einzelnen Fächer. An einem Giebel von zwei Scheunen befinden sich zweigeschossige Kornspeicher mit Holzfußboden in der Größe von ca. 10 m x 20 m für die Lagerung von Getreide.

   Außerdem steht auf der Diele einer Scheune (Haferscheune?) eine Häckselmaschine, mit der Haferstroh als Futter für die Pferde gehäckselt wird. Der Antrieb dieser Maschine erfolgte in früheren Jahren über ein Drehwerk außerhalb der Scheune, das von einem Pferd (Kreisantrieb) gezogen wurde. Später erfolgte eine Erneuerung des Antriebes durch einen Elektromotor mit einem flachen Antriebsriemen. Der Zugang zur Häckselmaschine ist auch über einen Seiteneingang der Scheune möglich.

   In der dritten Scheune sind an der Längstseite drei Einfahrten mit Holztore an der Vorder- und Rückseite. Bei zwei Einfahrten dient der Innenraum an beiden Seiten der Scheunendiele für die Lagerung von Getreide und Stroh. An der Giebelseite dieser Scheune befindet sich ein Fohlenstall, der über die dritte Einfahrt einen Zugang findet. Außerdem ist in diesem Bereich Heu eingelagert, das für die Fütterung der Fohlen und Pferde dient. Der Fohlenstall ist auch über Tore von der Giebelseite der Scheune erreichbar und wird durch Walter Salow betreut. Walter war sehbehindert.

 

Gutshof, Wirtschafts- und Lagerräume (Schlakendorf)

 

Gutshof, Wirtschafts- und Lagerräume

 

 

 

4.5. Parkanlage mit Obst- und Gemüsegarten

 

   Die Parkanlage beginnt direkt am westlichen Giebel des Herrenhauses und ist über direkte Wege mit dem Obst- und Gemüsegarten verbunden.

   Ein Hauptweg von der Giebelseite des Herrenhauses, der über einen Querweg zum Gutshof verläuft, führt durch verschiedene Bereiche der Parkanlage bis zum kleinen Teich.

   Der erste Bereich der Parkanlage ist mit verschiedenen Arten von Bäumen, hauptsächlich Kastanien, und Sträuchern bepflanzt. Ein Teil ist zum Gutshof (Nordseite) durch einen Lattenzaun mit Tore zum Giebel des Geflügelstalles abgegrenzt. Mit der Parkanlage ist ein kleiner Vorgarten mit Blumen, Rosen, kleinen Rasenflächen und Gehwegen verbunden, der sich am südlichen Teil des Herrenhauses befindet. Der Vorgarten beginnt neben der Eingangstür des Herrenhauses und ist durch einen Lattenzaun mit Tore versehen, der mit der Begrenzung von einem Teil der Parkanlage im Winkel am Giebel des Mehrzweckgebäudes (Melkenkeller) endet.

   Im Bereich der Mitte des Parkes besteht ein Rundteil, das mit Blumen, Rosen bepflanzt ist und eine Rasenfläche hat. Die Begrenzung des Rundteiles besteht teilweise durch eine Dornenhecke und Sträuchern. Neben dem Hauptweg gibt es in der Mitte des Parkes ein Rundweg, auf dem Sitzbänke angeordnet sind. Außerdem steht am Eingang eine kleine offene Laube aus einem Holzgerüst und Schilf, die mit einer Sitzbank und Tisch ausgestattet ist.

   Mit einer Brücke über einen Graben beginnt der Bereich der Lindenallee, die mit den großen Linden, besonders während der Blüte, ein wunderschönes Panorama darstellt. Hinter der Brücke auf der linken Seite steht ein kleines Gebäude aus Holz und viel Glas, das als Kegelhaus dient und nach außen mit einer Kegelbahn verbunden ist. Bis zu Beginn des Krieges 1939 wurde noch gekegelt. Neben der Lindenallee befindet sich auf der einen Seite eine kleine Fläche als Sumpfgebiet mit Wildwuchs sowie ein Teil des Obstgartens, und die andere Seitenfläche ist mit Gras bewachsen. Die Lindenallee endet an einem kleinen Teich, der mit Wasser durch Dränagen gespeist und dessen Wasserstand durch einen Rohrablauf geregelt wird.

   Der Obstgarten, bepflanzt mit verschiedenen Apfel-, Birnen-, Kirschen- und Pflaumenbäumen, beginnt an der Parkanlage zur Südseite und ist teilweise durch die Landstraße und Grünflächen begrenzt. Er ist erreichbar über verschiedene Wege von der Parkanlage. Das Obst dient für den Eigenbedarf und ist als Vorrat im Keller des Herrenhauses eingelagert.

   In dem Gemüsegarten wird alles an Gemüse angebaut, das in unserem Bereich wächst und für den eigenen Bedarf genutzt. Ebenfalls werden Pflanzen für Blattgemüse selbst gezüchtet. Der Garten liegt sehr geschützt, wird begrenzt durch die Parkanlage, ein Mehrzweckgebäude, eine Scheune, Grünland und ist über die Parkanlage erreichbar. Die Längstseite der Scheune erfüllt einen besonderen Zweck, denn durch den Anbau von Kletterwein an der Südseite erfolgt die Versorgung mit Weintrauben für den eigenen Bedarf.

   Eine Arbeitskraft als Gärtner des Gutes, Herr Wilkens aus Neukalen, bewirtschaftet die Parkanlage mit Obst- und Gemüsegarten. In Spitzenzeiten erhält er Unterstützung von Hilfskräften.

   Die Parkanlage mit Obst- und Gemüsegarten sowie die große Grünfläche am Park ist unterschiedlich begrenzt; teilweise durch Gebäude, Lattenzaun, Maschendraht mit Stacheldraht, Tore, Spanndraht, geteilte Kiefernschlete und Haselnußhölzer. Die gesamte Grünfläche wird durch das Hüten der Schafe kurz gehalten. Bewohner des Dorfes dürfen die Parkanlage betreten.

 

Parkanlage, Obstanlage, Gemüsegarten, Wein

 

Parkanlage, Obstanlage, Gemüsegarten, Wein

 

 

Weidefläche zum Gutshof Schlakendorf

2010

Weidefläche zum Gutshof Schlakendorf

 

 

 

5. Bewirtschaftung

 

5.1. Feldwirtschaft

 

   Der Anbau von Getreide und Hackfrüchten beruht auf die Dreifelderwirtschaft, d. h. eine Ackerfläche von einer bestimmten Größe bleibt in jedem Jahr brach liegen. Diese Fläche wird im Laufe des Jahres für die Anpflanzung von Hackfrüchten des nächsten Jahres vorbereitet. Die Bearbeitung erfolgt bei schlechtem Wetter während der Getreide- und Grünlandernte.

 

 

5.1.1. Getreide und Hülsenfrüchte

 

   In jedem Jahr baute man immer Winter- und Sommergetreide an (Weizen, Gerste, Roggen, Hafer) und Ende der dreißiger Jahre gehörte auch Raps dazu. Der Pächter des Gutes bestimmt die Größenordnung der Flächen für den Anbau der verschiedenen Getreidearten, um den eigenen Bedarf und die Versorgung der Viehwirtschaft zu gewährleisten. Beim Anbau von Raps handelt es sich um eine bestimmte Größe der Fläche für die Erfüllung der staatlichen Auflage von Ölfrüchten.

   Die Bearbeitung der Ackerflächen erfolgt mit verschiedenen Geräten durch mehrere Arbeitsgänge, und als Zugtiere dienen die Arbeitspferde. Mit dem Einsatz von Ein- bzw. Zweischarpflüge, je nach Bodenstruktur, wird der Pflug von drei Pferden nebeneinander gezogen und durch den Pferdeknecht geführt. Allgemein bearbeiten drei bis vier Pflüge eine Fläche (Schlag) im Rundpflügen. Die weitere Bodenbearbeitung mit Grubber und Egge für das Saatbett erledigt der Pferdeknecht mit zwei Zugpferden, indem er zu Fuß hinter den Geräten den Arbeitsgang kontrolliert.

   Der Pächter kaufte Mitte der dreißiger Jahre einen Kettenschlepper mit einem 40 PS Dieselmotor, der mit einer Handkurbel zum Laufen gebracht wurde. Dieser Schlepper mit dem Einsatz bei den Feldarbeiten führte zur Arbeitserleichterung, z. B. Pflügen mit einem Dreischarpflug, Schälen mit fünf Schare, Getreide mähen mit Mähbinder über Antrieb der Zapfwelle. Als erster Fahrer war Franz Obrinsky einige Jahre tätig.

   Die Bestellung der Ackerflächen mit Getreide und Hülsenfrüchten erfolgt durch eine Drillmaschine (10 - 12 Fuß breit) und wird nach Art der Frucht vor dem Einsatz eingestellt. Das Einstellen nennt man Abdrehen, d. h. die Drillmaschine wird mit etwas Saatgetreide gefüllt und das Antriebsrad aufgebockt, so daß es sich frei drehen läßt. Das Antriebsrad treibt mit verschiedenen austauschbaren Zahnrädern als Getriebe die Säwelle der Drillmaschine an und sorgt für eine gleichmäßige Aussaat pro Morgen (0,25 ha). Nach dem Umfang des Antriebsrades und der Umdrehungen per Hand wird die Menge der Aussaat durch den richtigen Einsatz der Zahnräder ermittelt. Ebenfalls gehört auch zum Einstellen der Drillmaschine der Reihenabstand der Säeinheiten. Der Pferdeknecht mit seinen Pferden sorgt für den Transport und Einsatz der Drillmaschine, die während des Drillens durch einen Arbeiter am Vorderwagen in der Spur und genauen Reihenabstand gehalten wird. Außerdem kontrolliert ein Arbeiter hinter der Drillmaschine, daß alle Säeinheiten richtig funktionieren. Diese Arbeiter befüllen auch die Maschine mit Saatgetreide, das in Säcken von einem Doppelzentner auf einem Ackerwagen am Feldrand abgestellt ist.

   Ein hoher Getreideertrag kann nur durch das Einbringen von Kunstdünger erreicht werden. Dieses geschieht durch den Einsatz von Düngerstreuer, die entsprechend der Fruchtart für eine bestimmte Streumenge durch Austausch von Zahnräder im Antrieb eingestellt werden. Die Verteilung des Kunstdüngers erfolgt über eine Welle, bzw. Kette, die über ein Antriebsrad mit Zahnrädern während des Einsatzes angetrieben wird. Der Düngerstreuer wird durch Pferde gezogen und von einem Arbeiter betreut, der hinter dem Düngerstreuer zu Fuß die Pferde führt und die Ausstreumenge überwacht. Ebenfalls befüllt der Arbeiter den Streuer mit Dünger aus besonderen Säcken, die auf einem Ackerwagen am Feldrand abgestellt sind.

   Je nach dem Reifegrad des Getreides und der Hülsenfrüchte beginnt in den Sommermonaten die Ernte. Bevor die Mähbinder eingesetzt werden, muß jeder Schlag (Feldfläche) angemäht werden, indem ein Arbeiter (Tagelöhner) mit der Sense per Hand einen Streifen von ca. zwei Pferdebreiten abmäht. Eine Hilfskraft, meistens Frauen oder Schnitter, binden das gemähte Getreide mit ein paar Getreidehalmen in Garben und legen diese an der Außenseite von dem Feld ab. Danach erfolgt der Einsatz des Mähbinders mit einer Arbeitsbreite von 10 - 12 Fuß (1 Fuß = 30 cm), der von einem Pferdegespann (4 Pferde) unter Führung des Pferdeknechts auf dem Sattelpferd gezogen wird. Ein weiterer Arbeiter sitzt auf dem Mähbinder und kontrolliert ständig die Funktion, also das Mähen und Binden des Getreides. Der Antrieb erfolgt über das Stütz- und Antriebsrad, daß über Gliederketten mit dem Mähwerk und Haspel sowie Bindewerk für Garben verbunden ist. Nach dem Mähen werden die abgelegten Garben, die mit Bindegarn gebunden sind, durch Arbeiter, Schnitter zum Trocknen der Ähren in Hocken aufgestellt. Der Gutsherr, bzw. Inspektor kontrolliert die Trocknung und bestimmt den Zeitpunkt zum Einfahren des Getreides.

   Für den Getreidetransport vom Feld dienen Leiterwagen, die von einem Pferdegespann unter Führung des Pferdeknechtes gezogen werden. Das Beladen dieser Leiterwagen erfolgt durch den Pferdeknecht, eine Beikraft (Staker) mit einer zweizinkigen Gabel (Forke) und langem Stiel. Auf dem Wagen sind zwei Arbeiter (Lader), Frauen oder Schnitter, die die Garben per Hand abnehmen und so ordnen, daß der Leiterwagen bis zu einer Höhe von ca. 2 - 3 m beladen wird. Damit keine Garben während des Transportes verloren gehen, wird die gesamte Ladung durch Binder (Stricke) vom Vorderwagen über Kreuz zum Hinterwagen mit einer Winde gesichert. Das Weiterfahren mit dem Pferdegespann von einer Hocke zur anderen während des Beladens führen Kinder ab 10 Jahren von den Tagelöhnern freiwillig in den Sommerferien durch und verdienen sich so 0,10 RM pro Stunde. Nach dem Entfernen der Hocken (Garben) sorgt eine Harke für das Erfassen der liegengebliebenen Ähren. Sie ist 10 bis 12 Fuß breit, mit einer Bedienkraft besetzt und wird von einem Pferd gezogen. Das Entleeren der Harke erfolgt mit einem Handhebel, später über einen Fußhebel, mit Hilfe der Stützräder. Das gesammelte Getreide wird mit auf den Leiterwagen geladen.

   Bis zum Dreschen lagert das Getreide in Scheunen und Mieten. Die Einlagerung des Getreides in die Scheunen ist - bedingt durch den Bau - nur durch Handarbeit möglich. Zwei Arbeiter nehmen die Garben von dem Leiterwagen, der auf der Scheunendiele abgestellt ist, auf und reichen diese zu den Arbeitern, die in den Fächern stehen, für eine ordnungsgemäße Einlagerung weiter. Etwas leichter ist die Einlagerung des Getreides in Mieten mit einem Höhenförderer (Austerrieter genannt), der durch einen wassergekühlten Motor angetrieben wird. Mit Benzin und einer Handkurbel wird der Motor angelassen und bei einer erreichten Temperatur auf Petroleum umgeschaltet. Die Einstellung der Höhe und Länge der Fördereinrichtung erfolgt manuell mit einer Handkurbel über Zahnstangen und Stahlseile nach Bedarf. Zwei Arbeiter werfen die Garben vom Leiterwagen auf den Höhenförderer, der mit einer endlosen Kette und Zinken die Masse auf die Miete fördert, die dann von den Packern im Rundteil gelagert wird. Das Entladen der Leiterwagen in der Scheune oder auf dem Mietenplatz erledigt man ohne Pferdegespanne, so daß der Pferdeknecht wechselt und an einem leeren Leiterwagen anspannt.

   Bevor die Stoppelflächen mit einem Schälpflug bearbeitet werden, hütet der Schäfer mit der Schafherde diese Flächen für die Futterversorgung der Schafe ab.

   Das Dreschen des Getreides ist Arbeit während der Wintermonate in den Scheunen und im Frühjahr auf den Mietenplätzen. Die Dreschmaschine trennt die Körner von der Spreu und Getreidehalm, indem der Durchlauf des Getreides über eine Trommel, Schüttboden und Siebe erfolgt, die entsprechend der Getreideart eingestellt werden. Ein Elektromotor im Abstand von 3 - 5 m treibt über Flachriemen die Dreschmaschine an. Der gesamte Dreschvorgang wird von einem Maschinenführer überwacht. Eine Anzahl von Arbeitskräften sind für die Besetzung der Dreschmaschine erforderlich, z. B. vom Aufnehmen der Garben aus dem Scheunenfach bis zum Aufschneiden und gleichmäßigen Einlegen des Getreides in die Maschine, Spreu und Stroh entfernen und in den Scheunenfächern einlagern. Mit der Modernisierung sorgte ein eingebautes Gebläse für den Spreutransport und eine fahrbare Presse für Strohbünde um wesentliche Arbeitserleichterung. Der Antrieb der Strohpresse erfolgt über eine doppelte Riemenscheibe vom Hauptantriebsteil der Dreschmaschine. Die Aufnahme der Körner erfolgt in Säcken, die über Schnellverschlüsse mit der Abgabe der Maschine verbunden sind. Die gefüllten Säcke mit einem Zentner werden auf einer Dezimalwaage gewogen und werden durch Arbeiter auf den Schultern zur Einlagerung in den Getreidespeichern der Scheune getragen. Bei keinem Speicher in der Scheune erfolgt die Ablage der gefüllten Säcke auf einen Ackerwagen für den Transport zum Speicher. Während des Dreschvorgangs in den Scheunen ist eine hohe Staubentwicklung zu verzeichnen.

   Für das Dreschen der Getreidemieten ist als Antrieb der Maschinen eine Lokomobile (Dampfmaschine) erforderlich, weil bis Mitte der dreißiger Jahre in diesem Bereich kein Stromanschluß vorhanden war. Die Lokomobile besteht aus Transporträdern, Dampfkessel mit Feuerstätte und Antriebsaggregat, die mit Pferden zum Einsatzort transportiert wird. Für die Inbetriebnahme der Lokomobile ist die Erzeugung von Dampf durch die Feuerstätte mit Steinkohle erforderlich. Die Übertragung des Dampfes setzt das Antriebsaggregat mit Riemenscheibe, die gleichzeitig als Schwungrad dient, in Bewegung, und damit erfolgt der Antrieb der Dreschmaschine über einen Flachriemen. Neben der Lokomobile steht ein Wagen mit einem gefüllten Wasserbehälter, der für die Wasserversorgung des Dampfkessels dient. Außerdem lagert hier Steinkohle für die Feuerung. Arbeiter stapeln die Strohballen in Mieten, und die Körner werden in Säcken von einem Zentner auf einen Ackerwagen mit Pferden zur Einlagerung im Speicher transportiert.

 

 Ernte 1939

 

Ernte 1939
auf dem Pferd: Ulrich Guhl,
vorne von links: Walter Salow, Albert Päplow, Walter Kabbe

 

 

Bei der Getreideernte mit Hungerharke, Karl-Heinz Päplow (August 1936)

 

Bei der Getreideernte mit Hungerharke,
Karl-Heinz Päplow (August 1936)

 

 

Albert Päplow und Sohn Karl-Heinz mit Schafherde

 

Albert Päplow und Sohn Karl-Heinz mit Schafherde

 

 

 

5.1.2. Hackfrüchte

 

   Der Anbau von Hackfrüchten, Kartoffeln, Zuckerrüben, Futterrüben und Kohlrüben (Wruken) erfolgt hauptsächlich für die Eigenversorgung (außer Zuckerrüben) der Gutsküchen und der erforderlichen Viehhaltung.

   Die Kartoffel wächst auf einem leichten und mittleren Ackerboden. Dieses bedarf eine gute Vorbereitung des Bodens für die Pflanze und eine ausreichende Versorgung mit Stalldung, um einen guten Ertrag zu erreichen. Die Pferdeknechte mit ihren Gespannen und Ackerwagen erledigen den Transport von Stalldung zum Feld, aber das Beladen der Wagen erfolgt durch die Tagelöhner mit der Dunggabel (Forke) vom zentralen Dunghaufen. Auf dem Feld entleeren zwei Arbeiter mit dem Dungkratzer (rechtwinklig gebogene Dunggabel) den Ackerwagen während der Fahrt. Der Dung wird durch Arbeiter mit der Dunggabel verteilt. Danach beginnt das Pflügen und die weitere Bodenbearbeitung mit Grubber und Egge. Für die Vorbereitung der Pflanzung der Kartoffeln auf dem Feld ist eine Markierung der Reihen erforderlich, die von einem Arbeiter mit dem Markierungsgerät (Makör) für sechs Reihen, gezogen durch Pferde, erledigt wird. Die Saatkartoffeln werden in Säcken auf dem Ackerwagen mit Pferden zum Feld transportiert und für das Pflanzen in Körbe geschüttet. Das Pflanzen der Kartoffeln geschieht, indem ein Arbeiter mit einem runden Spaten die Löcher vorbereitet und ein weiterer Arbeiter die Kartoffeln aus dem Korb in das Loch wirft. Danach häufelt ein Arbeiter mit dem Häufelgerät und einem Pferd die Kartoffeln in Reihe an. Ab Mitte der dreißiger Jahre gab es eine Modernisierung der Pflanzung durch eine Lochmaschine für drei Reihen und dreireihiges Häufelgerät, gezogen durch Pferde.

   Nach dem Auflaufen der Pflanzen erfolgt das Einebnen der angehäufelten Reihen mit Eggen und das Hacken der Pflanzen mit einer dreireihigen Hackmaschine, die von Pferden gezogen und einer aufsitzenden Arbeitskraft geführt wird. Je nach Reifegrad, gekennzeichnet durch den Zustand des Kartoffelkrautes, setzt die Rodung der Kartoffeln ein. Mit einem Kratzer per Hand nehmen die Arbeiter oder Schnitter zwei bis drei Reihen Kartoffeln aus der Erde auf und sammeln diese in Kiepen (ca. 0,5 Zentner), die dann jeder Arbeiter auf der Schulter zum Kastenwagen transportiert und entleert. Für jede entleerte Kiepe erhält der Arbeiter eine Metallmarke, die er sammelt und als Akkordlohn abrechnet.

   Der Transport der Kartoffeln mit Ackerwagen geschieht mit Pferdegespannen zur Einlagerung in Mieten in der Nähe des Gutshofes, die in Reihe und Form im Bereich angelegt sowie mit Stroh und Erde zugedeckt werden.

   Die Größe der Flächen für den Anbau der Zuckerrüben richtet sich nach dem Vertragsabschluß mit der Zuckerfabrik und der Anbau von Futterrüben (Runkeln) für den Bedarf der Versorgung der Viehwirtschaft. Diese Früchte benötigen einen guten Ackerboden, der mit Düngung und durch die Bodenbearbeitung für das Saatbett vorbereitet wird. Die Aussaat des Rübensamens geschieht mit der Drillmaschine nach der gleichen Arbeitsweise wie beim Getreide, aber vor dem Einsatz ist eine Einstellung der Maschine für die Aussaatmenge und den Reihenabstand erforderlich.

   Nach dem Auflaufen der Saat setzt für die erste Bearbeitung eine sechsreihige Hackmaschine ein, die von zwei Pferden gezogen wird. Eine Bedienkraft auf der Maschine sorgt für eine genaue Führung des Gerätes zwischen den Rübenreihen. In den gesäten Rübenreihen darf im Abstand von ca. 20 cm nur eine Pflanze wachsen, so daß Arbeiter oder Schnitter mit einer Hacke per Hand den Abstand herstellen (verhauen), per Hand vereinzeln und gleichzeitig mit einer Krelhacke den Boden um die Pflanzen bearbeiten. Die gesamte Handarbeit schließt nach einer Vegetationszeit der Rüben mit der Rundhacke ab. Diese Bearbeitung des Rübenfeldes erledigen die genannten Personen nach einem Festpreis pro Morgen (0,25 ha).

   Die Ernte der Zucker- und Futterrüben beginnt im Herbst (Oktober) und wird von Arbeitern und Schnittern durch Handarbeit zum Festpreis für einen Morgen durchgeführt. In dem Festpreis sind folgende Arbeiten enthalten: die Rüben mit einem Rübenheber aufnehmen und in Reihe legen, mit einem Rübenhackbeil das Blatt von den Rüben abschlagen, die Rüben und das Blatt auf gesonderte Haufen werfen.

   Der gesamte Transport der Rüben sowie der Rübenblätter vom Feld erfolgt mit Pferdegespannen und Ackerwagen, die per Hand mit Zinkengabeln beladen werden. Die Zuckerrüben lagern im Haufen am Straßenrand zum Weitertransport per LKW (Fuhrunternehmer Prange Neukalen) oder per Ackerwagen nach Neukalen - Güterbahnhof zum Verladen auf Waggons der Bahn zur Zuckerfabrik Malchin.

   Die Einlagerung der Futterrüben (Runkel) erfolgt in dreieckigen langen Mieten mit Stroh und Erde abgedeckt im Bereich vom Gutshof. Transport von dem Rübenblatt nach Bedarf für die Fütterung der Kühe im Stall.

   Der Anbau von Kohlrüben (Wruken) für Futterzwecke erfolgt auf kleinen Ackerflächen. Die Pflanzen produziert der Gärtner im Gutsgarten, und die Verpflanzung nehmen Arbeiter nach dem Pflügen auf dem Feld vor. Die Ernte im Herbst erfolgt nach dem Arbeitsgang wie bei den Futterrüben.

 

 

5.1.3. Flachs

 

   Der Anbau von Flachs erfolgte ab Mitte der dreißiger Jahre für die Gewinnung von Grobgewebe. Nach der Frühjahrsbestellung beginnt das Säen von Flachs mit einer eingestellten Drillmaschine auf einer Ackerfläche von ca. 4 Morgen (1 ha) und die Bearbeitung nach dem Auflaufen der Pflanzen mit der Hackmaschine. Das Ernten im Spätsommer geschieht, indem der Flachs durch Arbeiter per Hand gezogen, in kleine Garben mit ein paar Stengel gebunden und zum Trocknen in Hocken aufgestellt wird. Das Beladen der Fahrzeuge und der Transport vom Feld führt gleich zur Flachsröste nach Neukalen.

 

 

5.2. Grünland

 

5.2.1. Weiden

 

   Als Weiden für die Tierhaltung dienen zwei Koppeln (Starken- und Kuhkoppel), die mit Holzpfählen, Spanndraht und geteilten dünnen Holzstangen (Schlete) eingezäunt sind. Die Stärken und Fohlen ernähren sich in der Starkenkoppel und die Milchkühe in der Kuhkoppel von Mai bis November vom Grünwuchs (Gras, Löwenzahn, Klee usw.), das ständig nachwächst. Durch jede Koppel verläuft ein Bach, der verbunden mit einem kleinen Teich als Tränke dient. Die Überwachung der Tiere erfolgt durch den Inspektor und Meier (Vorarbeiter) als Betreuer der Kühe.

 

 

5.2.2. Wiesen

 

   Der Grünwuchs der Wiesen dient als Futter für die Viehwirtschaft durch die Gewinnung von Heu. In jedem Jahr beginnt mit dem ersten Schnitt ab Juni und zweiten Schnitt im August das Mähen der Wiesen mit Grasmaschinen. Diese Maschinen haben eine Schnittbreite von 4 bis 5 Fuß. Der Antrieb des Messers erfolgt durch das Stützrad mit Übertragungselementen. Die Maschine wird von zwei Pferden gezogen. Eine Arbeitskraft auf der Maschine lenkt die Pferde und sorgt für ein ordnungsgemäßes Mähen. Nach dem Trocknen des gemähten Grünwuchses tritt die Veränderung als Heu ein, das durch einen Heuwender zur weiteren Trocknung gelüftet und später in Schwaden (Reihen) zur weiteren Bearbeitung vorbereitet wird. Der Heuwender ist ein Arbeitsgerät auf drei Rädern, davon ein Rad als Antrieb über Zahnräder für die verstellbare Wendewelle mit den angebrachten Zinken. Der Transport und Einsatz des Gerätes erfolgt mit zwei Pferden und eine aufsitzende Bedienkraft. Arbeiter, Schnitter mit einer Handharke setzen das Heu aus den Reihen auf kleine Haufen zur weiteren Trocknung und Transportvorbereitung.

   Das Einfahren von Heu (Transport und Beladen) mit Leiterwagen und Pferdegespannen von den Wiesen geschieht, indem der Pferdeknecht und ein Arbeiter (Staker) die Heuhaufen mit der Heugabel (Forke) aufnehmen und zu den Ladern auf dem Wagen weiter reichen. Nach der erreichten Größe der Ladung erfolgt mit zwei Bindern (Stricke) vom Vorderwagen über Kreuz durch eine Winde die Sicherung der Ladung für den Transport zu den Lagerorten. Während des Beladens erledigt ein Arbeiter mit der Pferdeharke (Hungerharke) hinter dem Leiterwagen das Nachharken der aufgenommenen Heuhaufen. Je nach Art von dem Heu, das für die verschiedenen Tierarten bestimmt ist, erfolgt die Einlagerung auf den Böden im Kuh- oder Schafstall sowie auf dem Boden vom Fohlenstall und Fach dieser Scheune. Für den Arbeitsgang des Entladens der Leiterwagen und die Heueinlagerung sind eine Anzahl von Handarbeitskräften erforderlich. Nur bei der Einlagerung im Kuhstall ist der Einsatz eines Höhenförderers möglich, der von außen über Dachluken das Heu auf den Dachboden fördert. Bei erschöpfter Kapazität der Lagerräume wird das Heu in Mieten gesetzt. Um in jedem Jahr eine gute Futtergrundlage in den Weiden und Wiesen zu erreichen, ist das Ausbringen von Kunstdünger mit dem Düngerstreuer für das Wachstum der Pflanzen erforderlich. Ebenfalls ist das Räumen der Wassergräben in den Wiesen durch Fremdarbeiter in bestimmten Zeitabständen für eine gute Wasserzirkulation notwendig.

 

 

5.3. Viehwirtschaft

 

   Die Viehwirtschaft, zu der Kühe, Schweine, Schafe, Geflügel und Pferde gehören, ist ein umfangreicher Komplex des Gutes, der kontinuierlich mit Produkten aus der Feld- und Wiesenwirtschaft versorgt wird und die alle Produkte für die Versorgung der  Bevölkerung produziert.

 

 

5.3.1. Schafhaltung

 

   Die Haltung der Schafe dient hauptsächlich der Gewinnung von Schafwolle, die an einem großen Stallgebäude, als Fachwerkbau mit Spitzdach und Schilf eingedeckt, Unterbringung finden. Im Stall ist eine breite Durchfahrt (Diele), die auch als Lager für die Futtervorräte dient, mit zwei Toren an den Giebeln begrenzt. Zwischen der Diele und dem großen Stallraum besteht eine Zwischenwand als Fachwerkbau aus Holz und Lehm bis zur Höhe des Stallbodens. Der Stallraum ist von der Diele durch mehrere Türen erreichbar und an der Längstseite sind drei Tore für den Auslauf der Schafe eingebaut. Dieser Raum ist durch eine Zwischendecke aus Holz und Lehm zum Dachboden abgegrenzt, und in dem Raum befinden sich variable Zaunfelder aus dünnem Rundholz, bzw. Holzlatten für die Abgrenzung der Schafherden, Lämmer und Mutterschafe. Außerdem stehen Krippen aus Holz in den Buchten für die Fütterung der Tiere mit Heu und Kohlrüben (Wruken).

   Ein Schäfer und seine Gehilfen tragen die Verantwortung für eine ordnungsgemäße Schafhaltung. Diese erfordert während der Wintermonate eine tägliche Futterversorgung der Schafe im Stall. Auf der Stalldiele erfolgt die Zubereitung des Futters mit zerkleinerten Kohlrüben und Kaff (Spreu). Eine Rübenmaschine aus Behälter und Trommel mit Reißzähnen, angetrieben durch einen Elektromotor, Beschickung durch Handarbeit, zerkleinert die Kohlrüben. Zweimal am Tag bekommen die Schafe ihr Futter, indem zwei Arbeitskräfte das Futter in Kiepen auf ihren Schultern von der Diele zu den einzelnen Krippen tragen. Das Heu, bzw. Stroh, das auf dem Dachboden lagert, wird von den beiden mit der Zinkengabel (Forke) durch die Bodenluken auf die Futterkrippen verteilt.

   Im Frühjahr, so wie das erste Gras gewachsen ist, beginnt der Schäfer mit dem Hüten der Schafherde auf freien Flächen für die Futterversorgung. Dieses setzt sich fort, je nach Aberntung der Felder und Wiesen bis spät in den Herbst, denn die Schafe suchen sich die kleinsten Mengen an Futter.

   Den Nachwuchs der Schafe regelt der Schäfer in jedem Jahr mit einer Anzahl von Mutterschafen aus dem eigenen Bestand, die ein bis drei Lämmer gebären. Die Gewinnung der Schafwolle erfolgt durch das Scheren der Schafe von einem Schafscherer während der Stallhaltung am Ende der Winterzeit. Die Schafwolle verkauft der Gutsherr. Ebenfalls wird die Bestandshaltung durch Verkauf geregelt. Das Ausmisten des Schafstalls ist Arbeit in den Sommermonaten, indem die Ackerwagen, bzw. Schleppen direkt im Stall per Hand durch Tagelöhner beladen werden und der Dung auf das Feld gebracht oder auf dem großen Dunghaufen zwischengelagert wird.

 

 

5.3.2. Schweinehaltung

 

   Der Schweinestall ist ein Ziegelbau und mit einem Spitzdach versehen, das mit Dachziegel eingedeckt ist. Dieser Bau steht mit dem Giebel ca. 6 m entfernt zu dem Anbau des Gutshauses Er ist über zwei Stufen und eine Doppeltür am Giebel erreichbar. Der Innenraum ist so aufgeteilt daß die Schlachtschweine, Sauen, Eber und Ferkel in den verschiedenen Buchten mit Futtertrögen untergebracht sind. Vom Haupteingang des Stalles kommt man auf den Arbeitsgang, der an der linken Seite des Innenraumes verläuft, und von dem zweigen verschiedene Nebengänge ab, die zu den Schweinebuchten mit Futtertrögen führen. Über die Nebengänge erreicht man durch Türen den Auslauf der Schweine, auf dem auch der Schweinedung lagert. Der gesamte Bereich des Auslaufes ist teilweise durch eine Feldsteinmauer und Holzstangen (Schlete) umzäunt. Die Betreuung der Schweine erledigt der Schweinemeister Jakob Mack und eine Hilfskraft (Füttern, Ausmisten, Einstreu, Nachwuchs usw.), die das Schweinefutter in der Schweineküche im Anbau des Gutshauses zubereiten. In diesem Raum steht ein Dampfkessel, und hier lagern die Futtermittel: Kartoffeln, Getreideschrot, Kaff (Spreu), Molke (Produkt von Magermilch), die nach Bedarf ergänzt werden. Das Kochen der Futterkartoffeln erfolgt täglich mit dem Dampfkessel, der mit Holz und Kohle geheizt wird, und das benötigte Wasser holen die Arbeitskräfte mit Eimern von dem Brunnen auf dem Gelände des Herrenhauses. Die Zusammensetzung des Schweinefutters bestimmt der Schweinemeister individuell nach den Altersgruppen der Schweine. Er erledigt mit der Hilfskraft den Transport des Futters von der Küche zu den Trögen im Stall mit einer Trage und je zwei Holzeimern. Dazu gehört auch das tägliche Ausmisten der Schweinebuchten mit der Dunggabel (Forke) und einer flachen Schiebkarre sowie die Erneuerung der Einstreu mit Stroh. Mit der Aufzucht der Ferkel von den eigenen Sauen wird der Bestand an Schweinen geregelt. Durch die Schweinehaltung wird der Eigenbedarf an Schweinefleisch für die Pächterfamilie, Besucher, das Personal im Gutshaus sowie die Versorgung der Leuteküche gedeckt. Weitere Tiere aus dem Bestand kauft der Viehhändler Glasow aus Neukalen auf.

 

 

5.3.3. Rinderhaltung

 

   Die Rinder finden vom späten Herbst bis zum Monat Mai im Kuhstall und die restliche Jahreszeit auf der Weide ihre Betreuung. Der Kuhstall ist ein großes Fachwerkgebäude mit einem Spitzdach, das mit Schilf eingedeckt ist. An einer Dachneigung befinden sich drei Spitzgauben mit Luken für den Einsatz des Höhenförderers. Eine breite Durchfahrt als Diele mit einem Fußboden aus gestampften Lehm für die Lagerung von Futter und einem gemauerten Behälter als Milchkühlung ist an beiden Giebeln durch große Holztore begrenzt. An der Außenwand der Diele befindet sich in der Mitte die Eingangstür zum Stall. In dieser Wand sind drei Durchladeluken für die Einbringung von Futter eingebaut. Mit einer Zwischenwand als Fachwerkbau aus Holzstäben und Lehm sowie Durchgänge ist die Diele zu dem Aufenthaltsraum der Tiere abgegrenzt. Eine tragende Zwischendecke aus Kanthölzern, Holzstäben und Lehm trennt den Tierraum zum Stallboden, der zur Lagerung von Heu und Stroh dient. Im Tierraum befinden sich die Stellplätze für Kühe und Stärken mit breiten befahrbaren Futterkrippen sowie Buchten für die Kälber, die von der Diele erreichbar sind. Der Fußboden des gesamten Raumes der Stellplätze besteht aus kleinen Feldsteinen als Pflaster, und in den Außenwänden des Stalls sind kleine Sprossenfenster eingebaut. Außerdem ist der Stall mit einer elektrischen Beleuchtung ausgestattet.

   Für die Betreuung der Rinder trägt der Meier Moll die gesamte Verantwortung. Eine Arbeitskraft hilft bei allen erforderlichen Arbeiten im Stall und auf der Weide. Die beiden Arbeitskräfte versorgen die Tiere zweimal täglich mit Futterrüben, Heu, Stroh, Kraftfutter, das mit flachen Schiebkarren von der Diele zu den Futterkrippen gebracht wird. Die Kälber bekommen Milch. Eine Arbeitskraft sorgt für das zweimalige tägliche Ausmisten per Hand mit Dunggabel und einer flachen Schiebkarre von den Stellplätzen der Tiere. Der Dung wird auf den Arbeitsgängen hinter den Tieren im Stallraum durch Türen nach außen auf den zentralen Dunghaufen am Kuhstall transportiert und gelagert.

   Der Kuhstall besitzt eine eigene Anlage für die Wasserversorgung der Rinder. Ein Pumpwerk außerhalb beim Stallgiebel, angetrieben über ein mechanisches Drehwerk mit einem Pferd, später durch einen Elektromotor, pumpt das Wasser aus dem Brunnen über Graugußrohre zu einem Behälter von ca. 10 m3 Fassungsvermögen, der auf dem Dachboden des Stalles eingebaut ist. Von dort läuft das Wasser über Leitungen zu den Entnahmestellen an den Futterkrippen für die Tiere.

   Beim Melken der Kühe helfen Frauen der Tagelöhner täglich morgens ab 5.00 Uhr und abends ab 17.00 Uhr. Die Milch wird über ein Sieb in 20 Liter Edelstahlkannen gefüllt und die Abendmilch zur Kühlung in dem Wasserbehälter auf der Kuhstalldiele abgestellt. Während die Kühe auf der Weide sind, erfolgt das Melken nach dem gleichen Ablauf wie im Stall, aber im Außenbereich (Melkenregel), ein abgeschlossener Platz mit Holzschlete begrenzt und Stroh eingestreut.

   Den Transport der Milch erledigt der Stallknecht Guhl mit einem Milchwagen und zwei Pferden täglich ab 7.00 Uhr zur Molkerei nach Neukalen. Auf dem Rückweg bringt er Magermilch und Molke als Futter für Schweine und Kälber mit. Für den Nachwuchs an Kälbern sorgt der Meier Moll aus dem eigenen Kuhbestand. Schlachtreife Rinder kauft der Viehhändler Glasow aus Neukalen auf.

 

 

5.3.4. Pferdehaltung

 

   Hauptsächlich dienen die Pferde als Zugtiere für alle Arbeiten, die auf dem Gut anfallen. Bestand: 6 Pferdegespanne a 4 Pferde, 4 Kutschpferde, 2 Reitpferde, 1 Stute für Nachwuchs und ca. 8 Fohlen als Reserve. Untergebracht sind die Pferde in einem Stall, gebaut als zweigeschossiger Fachwerkbau mit Flachdach und Dachpappe eingedeckt. Das Obergeschoß dient zur Lagerung von Getreide und ist von außen über eine Treppe neben dem Mitteleingang erreichbar. Das Getreide wird in 1 Zentner Säcken auf den Schultern der Arbeiter über die Treppe oder mit einer befestigten Umlenkrolle und Seil per Hand durch eine Luke am Giebel zum Boden transportiert. Ein Giebel- und ein Seiteneingang mit großen Türen führen zum Innenraum des Stalles, der wie folgt aufgeteilt ist: ein breiter Mittelgang, von dem die Pferdeboxen seitlich eingeordnet sind, ein Raum für die Futterkisten, ein Raum für die Stute mit Fohlen, ein Raum für den Kutscher und ein abgeschlossener Raum als Unterkunft für ledige Arbeitskräfte. Der Fußboden vom Mittelgang und den Pferdeboxen sowie ca. 12 m2 vor jedem Stalleingang ist mit kleinen Feldsteinen gepflastert. In dem oberen Bereich der Außenwände sind kleine Sprossenfenster eingebaut, und der gesamte Stall ist mit einer elektrischen Beleuchtung ausgestattet. Die Pferdeboxen für vier Pferde sind durch Zwischenwände aus Holz abgegrenzt und am Eingang links und rechts mit Holzhaken für das Aufhängen von Pferdegeschirr versehen. Das Futter entnehmen die Pferde aus der Krippe und Futterriegel. Während der Ruhezeiten sind die Pferde mit einem Kopfhalter und Kette angebunden. Bei regnerischem Wetter führt der Pferdeknecht die Pferde nach der Arbeitszeit durch den Teich am Stall, damit sie mit gereinigten Hufen ihren Platz im Stall einnehmen.

   Ein Raum für die Futterkisten befindet sich neben dem Mitteleingang und ist von dem Innenraum des Stalles erreichbar. Jeder Knecht hat für sein Pferdegespann eine Kiste, in der die täglich zugeteilten Futtermittel (Hafer usw.) und das Putzzeug (Striegel, Bürste) lagern. Er trägt für eine ordnungsgemäße Versorgung und Betreuung der Pferde die Verantwortung. Dazu gehört auch, Wasser in Holzeimer vom Brunnen mit Handpumpe im Pferdestall zu holen. Die Zeiten für die Fütterung - morgens ab 5.00 Uhr, mittags ab 12.00 Uhr und abends ab 19.00 Uhr, auch Sonn- und Feiertags - müssen eingehalten werden. Die Pflege der Pferde erfolgt mit Striegel und Bürste. Ständig ist darauf zu achten, daß die Hufeisen in Ordnung sind. Nach der Arbeitszeit muß der Knecht seine Pferdebox per Hand ausmisten, den Dung mit einer Transportschleppe und zwei Pferden zu dem zentralen Dungplatz transportieren und Stroh einstreuen.

   Der Pferdekutscher Schuld betreut nur vier Kutsch- und zwei Reitpferde sowie eine Stute mit Fohlen im besonderen Bereich vor dem Pferdestall. Hier ist ein Raum für die Futterkiste und ein großer Schrank, in dem das Geschirr für die Kutsche und Sattel mit Zubehör für die Reitpferde sowie das Putzzeug lagert. Besonders großen Wert legt der Gutsherr auf die Pflege der Kutsch- und Reitpferde sowie das Pferdegeschirr. Der Kutscher wird nur von dem Gutsherrn für Kutschfahrten und Vorbereitung der Reitpferde eingesetzt.

   Der Stallknecht Guhl ist verantwortlich für die Bereitstellung von Futtermittel für alle Pferde, den täglichen Transport der Milch zur Molkerei nach Neukalen sowie den Rücktransport von Molkereiprodukten. Dazu gehört der Transport der gereinigten Milchkannen vom Molkenkeller zum Kuhstall. Zu seinen täglichen Aufgaben gehört es, dafür zu sorgen, daß genügend Streustroh im Stall lagert, eine vorgesehene Menge Hafer für jedes Pferd von dem Speicher zu holen und in die Futterkisten zu schütten. Für jedes Gespann sowie Kutsch- und Reitpferde holt er ein Bund Heu, ein Bügel in U - Form mit Stricken, in dem das Heu eingebunden wird, von der Heuscheune und legt es auf jede Futterkiste ab. Er muß Häcksel aus Haferstroh mit der Häckselmaschine in der Scheune herstellen, in großen Säcken transportieren und in den Raum der Futterkisten lagern. Alle innerbetrieblichen Transporte erledigt der Stallknecht mit einer Transportschleppe und weiteren Transport mit zwei Pferden, die er auch betreut.

   Im Giebel des Pferdestalles befindet sich eine abgeschlossene Kammer für die Unterbringung von ledigen Pferdeknechten, bzw. Arbeitskräften. Dieser Raum ist ausgestattet mit ca. acht Betten, dazu kleine Schränke, ein Tisch, Bretterstühle und ein Kachelofen. Waschen müssen sich die hier Wohnenden in Schüsseln mit Wasser von der Pumpe aus dem Pferdestall. Die Verpflegung erfolgt über die Leuteküche. Der Raum ist von außen und vom Stall über Stalltüren erreichbar. Außerhalb am Giebel befindet sich eine Trockentoilette. Als natürliche Beleuchtung sind in allen Räumen im oberen Bereich der Außenwände vom Pferdestall kleine Sprossenfenster eingebaut, und in der dunklen Jahreszeit sorgt eine geringe Anzahl von elektrischen Lampen für die Beleuchtung.

 

Gänseherde vor dem Kuhstall Juli 1931

 

Gänseherde vor dem Kuhstall
Juli 1931

 

 

Scheune in Schlakendorf (1980)

 

Scheune in Schlakendorf (1980)

 

 

6. Besonderheiten

 

6.1. Herbstmanöver 1938

 

   Die Deutsche Wehrmacht führte 1938 ein großes Herbstmanöver in Mecklenburg, hauptsächlich in der Mecklenburger Schweiz, durch. Der Ort Schlakendorf mit seiner Umgebung bot gute Übungsmöglichkeiten, bedingt durch die hügelige Landschaft und angrenzenden Waldgebiete. Die Felder waren abgeerntet, und so konnten die Soldaten sich ohne Einschränkungen im ganzen Ortsbereich bewegen. Wie mir bekannt ist, hatten zwei Kompanien mit Ausrüstung Schlakendorf besetzt; ausgerüstet mit Transportfahrzeugen, Pferdewagen, motorisierte Fahrzeuge sowie leichte Waffen, Maschinengewehre und Geschütze. Als Quartier für die Soldaten dienten Scheunen, teils Stallanlagen, und die Offiziere zogen in das Herrenhaus ein. Ein Versorgungstross mit Feldküche (Gulaschkanone) sorgte für die Verpflegung der Mannschaft. Die Dorfbevölkerung hatte guten Kontakt zu den Soldaten und nicht verbrauchtes Essen aus der Feldküche holten sich kinderreiche Familien (Tagelöhner) für ihre eigene Versorgung. Der Aufenthalt der Soldaten war für die Kinder ein besonderes Erlebnis, denn sie durften auch mal die Fahrzeuge besteigen. Interessant war die preußische Disziplin bei den Soldaten. Dieses zeigte sich beim Antreten der Soldaten auf dem Hofplatz, Aufstellen der Gewehre, Ablegen der Stahlhelme und Abstellen der Fahrzeuge.

 

 

6.2. Der zweite Weltkrieg 1939 - 1945

 

   Mit Beginn des zweiten Weltkrieges am 1.9.1939 bekam auch der Ort Schlakendorf etwas davon zu spüren. Kinder der Tagelöhner, die das 18. Lebensjahr erreicht hatten, wurden zur Deutschen Wehrmacht einberufen. Die Rationierung von Lebensmittel, Fette, Fleisch setzte durch Einführung von Lebensmittelkarten ein. Auch die Hausschlachtung von Schweinen gehörte dazu, denn je nach Gewicht gab es für eine bestimmte Zeit keine Lebensmittelkarten. Ebenfalls wurden die Glocken aus Bronze von dem Gut und der Kapelle aus Schlakendorf abgebaut und für Kriegsmaterial verwendet. Durch die ständige Verlängerung des Krieges und steigenden Verluste an Soldaten wurden einige junge Tagelöhner zur Wehrmacht einberufen, die durch Kriegsgefangene als Arbeitskräfte ersetzt wurden. Aber auch die Rationierung der Lebensunterhaltung setzte sich fort, indem die Bewohner mit weniger Fett, Fleisch, Wurst, Getreideprodukte, Zucker, Süßwaren sowie Heizmaterial leben mußten. Ebenfalls gab es Kürzungen der Elektroenergie durch begrenzte Abschaltung (Stromsperre). Als Ersatz für die Beleuchtung mußten Petroleumlampen und Talglichter dienen. Außer diesen Einschränkungen haben die Einwohner von Schlakendorf wenig von dem Kriegsgeschehen gemerkt. Flugzeuge der Engländer und Amerikaner überflogen im Geschwader Schlakendorf, um Rostock zu bombardieren (Rüstungsindustrie). Soldatenurlauber brachten Informationen von der Kriegsfront mit. Einige Familien im Ort besaßen ein Radio "Volksempfänger", durch das man die neuesten Nachrichten hörte; teilweise auch den verbotenen feindlichen Sender "Belgrad", der am späten Abend über das reale Kriegsgeschehen sendete. Ebenfalls informierte die Wochenschau bei jeder Kinoveranstaltung über den aktuellen Stand. Die Kriegsfront im Osten rückte immer näher nach Deutschland, und als die Russen die Grenze überschritten hatten, wurden die Dorfbewohner etwas unruhig, denn Gerüchte über die schlechte Behandlung der Zivilbevölkerung durch die Russen waren im Umlauf. Flüchtlinge aus den Gebieten von Ostdeutschland (Ost- und Westpreußen) kamen in Zügen per Bahn und Trecks mit Pferd und Wagen auch nach Schlakendorf. Ebenfalls bewegten sich russische Kriegsgefangene mit Bewachung von deutschen Soldaten zu Fuß nach dem Westen Deutschlands, die im Februar 1945 mehrere Tage in Schlakendorf stationiert waren. Die Unterkunft der Gefangenen erfolgte in einer Scheune des Gutes, und das Bewachungspersonal war bei den Familien der Tagelöhner einquartiert. Das Essen (Suppen) für die tägliche Versorgung der Gefangenen kochte man in dem Dampfkessel der Schweineküche. Zum Essenempfang standen die Gefangenen mit einer Blechschüssel in der Hand, geordnet in Reihen und unter Bewachung. Es waren katastrophale Zustände, und die Bewachung schlug mit Knüppel die Gefangenen. Als am 1. Mai 1945 die ersten russischen Militärfahrzeuge (Schützenpanzer) durch Schlakendorf fuhren und danach die Soldaten mit Lastwagen sowie Pferdewagen folgten, endete endlich der furchtbare lange Krieg.

 

 

6.3. Kriegsgefangene

 

Durch die Einberufung von Arbeitern zur Wehrmacht wurde Ersatz für diese Arbeitskräfte durch Kriegsgefangene geschaffen. So bekam das Gut Schlakendorf acht polnische Kriegsgefangene zugewiesen, die ihr neues Heim in einer Zweiraumwohnung mit Küche und Speisekammer zwischen den Bewohnern Martens und Päplow im alten Dorf fanden. Die Unterkunft wurde vom Gut speziell für die Gefangenen ausgestattet mit vier Doppelstockbetten und Strohsäcke sowie Decken, kleinen Schränken, einen Tisch und zwei Bänke. Als Kochmöglichkeiten gab es einen Kessel, Töpfe sowie das benötigte Eßgeschirr. Brennmaterial zum Kochen und Heizen lieferte das Gut. Fenster und Türen dieser Wohnung waren mit Stahlgitter verriegelt. Für Ordnung und Sauberkeit waren die Gefangenen selbst verantwortlich, und ihre persönliche Wäsche mußten sie selbst waschen. Das Wasser holten sie mit Eimern von dem Brunnen am alten Friedhof. Die Verpflegung kam aus der Leuteküche vom Gut, indem Gefangene unter Wachschutz ihr Essen zu den Mahlzeiten holten. Die Trockentoilette befand sich außerhalb der Wohnung am Stallgebäude. Die Einsätze für alle Arbeiten auf dem Gut erfolgten nach Möglichkeit mit mehreren Gefangenen an einem Ort, um die Bewachung zu gewährleisten. Nach ca. einem Jahr, mit Beginn des Krieges gegen Frankreich, gab es eine Sonderregelung für die Freilassung der polnischen Kriegsgefangenen. So verblieb ein Teil auf dem Gut als Arbeiter, einige kehrten in ihre Heimat zurück und meldeten teils sich freiwillig als Soldat für die Deutsche Wehrmacht. Als Ersatz wurden französische Kriegsgefangene einquartiert, die bis Kriegsende blieben. Die Bewachung erfolgte durch einen Soldaten, der während der Arbeitszeit sowie des Nachts und am Wochenende für die Sicherheit der Gefangenen verantwortlich war. Diese Gefangenen kamen aus der Landwirtschaft und konnten alle landwirtschaftlichen Arbeiten erledigen; dieses zeigte sich bei allen Arbeiten auf dem Gut. Die Verpflegung erfolgte über die Leuteküche des Gutes. Außerdem bekamen die französischen Gefangenen Pakete aus ihrer Heimat über das Rote Kreuz mit Lebensmittel, Konserven, Süßwaren usw. für ihren eigenen Bedarf.

   Im Laufe der Kriegsjahre lockerte sich die Bewachung, und so konnten die Gefangenen sich an Arbeitstagen und Wochenenden im Territorium frei bewegen. Der Tagelöhner Richard Salow war verantwortlich für das Ab- und Aufschließen der Unterkunft. Als Kinder hatten wir Kontakt zu den Gefangenen und freuten uns über ein Stück geschenkte Schokolade. Nach dem 1. Mai 1945 verließen die Franzosen den Ort Schlakendorf.

 

 

7. Das Leben der Tagelöhner

 

   Tagelöhner als Diener des Gutsherrn, die alle Arbeiten auf dem Gut erledigen müssen, wohnen in Häusern, die dem Staatsgut gehören. Die Wohnungen haben eine Größe von zwei bis drei Zimmer, Küche, Speisekammer, Keller, Dachboden, und dazu gehört eine Stallanlage, wobei die Größe der Familie bei den Wohnungen keine Beachtung findet. Im Allgemeinen bestehen die Wohnungen aus einem Wohnzimmer von ca. 20 m2  als Durchgangszimmer zu den Schlafräumen von ca. 16 m2 . Diese Räume besitzen einen Kachelofen, und der Fußboden ist mit Brettern, teils auch mit Mauerziegeln ausgestattet. In der etwa 15 m2 großen Küche steht ein eingebauter Herd mit Backofen aus Ziegelsteinen. Dazu gehört eine Speisekammer mit Keller, ca. 10 m2 groß, in welcher, ebenso wie in der Küche, ein Fußboden aus Ziegelsteinen eingebaut ist. Alle Wohnungen besitzen Sprossenfenster in unterschiedlichen Größen aus Holz, die sich nur nach außen öffnen lassen. Außerdem sind Fensterläden aus Holz von außen angebracht. Eine einfache elektrische Anlage mit Zähler sorgt für die Beleuchtung der Wohnung. Die Räume der Wohnungen sind mit eingefärbten Kalkanstrich versehen, teilweise auch tapeziert, und für die Renovierung der Wohnung ist jede Tagelöhnerfamilie selbst verantwortlich. Die Möbelierung der Tagelöhnerwohnungen ist sehr differenziert und wird vom Einkommen und der Familiengröße bestimmt. Allgemein gehört ins Wohnzimmer ein Sofa, ein Tisch mit Stühlen, ein Vertiko, bzw. ein Kleiderschrank, Ende der dreißiger Jahre ein Radio (Volksempfänger); im Schlafzimmer Ehebetten der Eltern, Betten von den Kindern, ein Schrank, eine Waschkommode, bei einem dritten Zimmer nur Betten für die Kinder; in der Küche ein Schrank, bzw. Regal für Geschirr, ein Tisch mit Sitzbank und Stühlen für die Esseneinnahme der Familie sowie eine Bank mit zwei Wassereimern; ein Ständer mit Waschschüssel für die persönliche Pflege. Die Speisekammer, als Aufbewahrungsraum von Speisen, enthält Eingewecktes, Eingelegtes in Steintöpfen, Hilfsmittel usw. in Regalen und eine aufgebaute Zentrifuge für die Milchverarbeitung. Im Keller unter der Speisekammer lagern hauptsächlich Kartoffel für den täglichen Bedarf der Familie und der Fütterung der Haustiere; außerdem steht hier ein Regal für die Aufbewahrung von leichtverderblichen Speisen. Der Zugang zum Keller erfolgt von der Speisekammer durch eine Luke mit Leiter, und die Einlagerung der Kartoffeln geschieht von außen durch eine Kellerluke. Der Dachboden ist von der Küche über eine Leiter, später eine Holztreppe, erreichbar und mit einer Räucherkammer ausgestattet.

   Zu jeder Wohnung der Tagelöhner gehört ein Stallraum, der hauptsächlich für die Viehhaltung der eigenen Versorgung und Lagerung von Brennmaterial dient. So wurden Ferkel gekauft und bis ca. 2 Zentner (100 kg) zum Schlachten, bzw. Verkauf gefüttert. Eine Hühnerhaltung von 10 bis 15 Stück für die Eigenversorgung mit frischen Eiern, und dieser Bestand wird durch das Ausbrüten von Küken ständig gehalten. Teilweise füttern die Familien auch Kaninchen für den eigenen Bedarf an Fleisch, die zum größten Teil von den Kindern betreut wurden. Allgemein erledigte die Tagelöhnerfrau die tägliche Versorgung und Betreuung der Viehhaltung. Eine Trockentoilette befindet sich am Stallgebäude.

 

 

7.1. Arbeit auf dem Gutshof

 

   Arbeitstag im Sommer: Beginn 7.00 Uhr, Frühstück 9.00 - 9.15 Uhr, Mittag 12.00 - 13.30 Uhr, Kaffee (Vesper) 16.00 - 16.15 Uhr, Feierabend 19.00 Uhr.

   Arbeitszeit im Winter: Beginn 8.00 Uhr, Mittag 12.00 - 13.30 Uhr, Feierabend 16.00 Uhr.

   Vor Beginn der Arbeitszeit informiert der Statthalter jeden Tagelöhner über seine Arbeitsaufgaben, damit er das richtige Arbeitswerkzeug mitbringt, denn in einem Landwirtschaftsbetrieb sind die Arbeiten sehr umfangreich. Ebenfalls kündigt der Statthalter, bzw. Inspektor mit einer freistehenden Glocke am Holzgerüst, später Pflugschar und Klöppel, zehn Minuten vor Arbeitsbeginn des Morgens und Nachmittags die Arbeitszeit an, damit jeder Arbeiter pünktlich an seinem Arbeitsplatz erscheint. Allgemein sagte man dazu: "Die Klapper ruft zur Arbeit".

   Einige Tagelöhner erledigen Arbeiten in den Viehställen (Pferde- und Kuhstall), bei denen die Arbeitszeit ca. zwei Stunden früher, wegen der Versorgung der Tiere, beginnt. Die Frauen der Tagelöhner waren nach Bedarf beim Melken der Kühe sowie in der Heu-, Getreide- und Hackfruchternte sowie beim Waschen der Wäsche vom Gutshaus tätig. Der Verdienst der Tagelöhner besteht aus der Tagesentlohnung und dem Deputat.

Tagesentlohnung:

 

im Sommer Arbeitszeit               

10 Std. x 0,10 RM/Std. = 1,- RM Netto

 

6 volle Tage in der Woche          

60 Std. x 0,10 RM/Std. = 6,- RM Netto

 

im Winter Arbeitszeit                 

6,5 Std. x 0,10 RM/Std. = 0,65 RM Netto

 

6 volle Tage in der Woche        

39 Std. x 0,10 RM/Std. = 3,90 RM Netto

 

   Die Lohnzahlung erfolgte alle zwei Wochen in bar, und jeder Tagelöhner holte sein Geld persönlich von dem Gutsherrn “Alert II" ab. Jeder hatte als Nachweis ein Lohnbuch.

 

   Deputat:   

- Wohnung frei, keine Mietzahlung

- 4 Liter Milch pro Tag oder selbst eine Kuh und eine Stärke halten, die                       in den Räumen von dem Gut betreut und mit Futter versorgt wird.

- 1 Morgen (120 Ruten) Kartoffel, Anbau selbst, und Bearbeitung                                  erfolgt durch das Gut, Ernte ca. 120 Zentner erledigt jede                                               Tagelöhnerfamilie selbst.

- 4 rm Brennholz in einem Meter Länge bis vor die Haustür vom Gut                 geliefert.

- ein Garten, 60 Ruten groß

- ... Zentner Getreide pro Monat

- Stroh nach Bedarf

- Urlaub 12 Tage im Jahr

 

   Zusätzliche Tätigkeiten der Viehpfleger außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit werden pauschal, bzw. mit 0,10 RM/Std. entlohnt, und die Tagelöhnerfrauen verdienen 0,10 RM/Std. für ihre Tätigkeiten auf dem Gut.

   Bemerkung: Beginn und Ende der Arbeitszeit im Winter nach der Helligkeit des Tages.

 

 

7.2. Ablauf in der Tagelöhnerfamilie

 

   Der Tagelöhner hat einen sehr langen Arbeitstag, denn er erledigt teilweise auch hauswirtschaftliche Arbeiten vor Beginn und nach der offiziellen Arbeitszeit, aber seine Hauptaufgabe ist die Arbeit auf dem Gut. Die Frau als Hauptperson in der Familie erledigt die hauswirtschaftlichen Aufgaben sowie die tägliche Versorgung der Familie und teilweise auch der Haustiere.

   Umfangreiche Aufgaben muß die Hausfrau täglich erledigen. Als Erste jeden Morgen in der Küche warmes, bzw. heißes Wasser auf dem Kochherd sowie das erste Frühstück vorbereiten, damit jeder Familienangehörige pünktlich zur Arbeit, bzw. in der Schule erscheint. Das warme Wasser dient zur persönlichen Pflege, und jeder wäscht sich in einer Schüssel. Zum Frühstück gibt es als Getränk aufgebrühten Malzkaffee, und die Kinder trinken Milch, bzw. gemischte Natursäfte. Ebenfalls Vorbereitung von Stullen zum Mitnehmen für das zweite Frühstück. Dafür zu sorgen, daß die Kinder pünktlich in der Dorfschule im Ort Schlakendorf zum Unterricht erscheinen, der in der warmen Jahreszeit von 7.00 - 12.00 Uhr und in der kalten Jahreszeit von 8.00 - 13.00 Uhr erfolgt. Die Versorgung der Haustiere mit Futter und die erforderlichen Vorbereitungen, indem Kartoffeln auf dem Küchenherd als Futtermittel gekocht werden. Vorbereitung der einzelnen Mahlzeiten, aber besonders wichtig ist, daß das Mittagessen pünktlich auf dem Tisch steht für die Einhaltung der Mittagspause der Tagelöhner. Dazu gehört auch die Versorgung der Kinder nach der Schulzeit und die Kontrolle der Hausaufgaben von der Schule. Wäsche von der Familie nach Bedarf mit der Hand in einer Wanne waschen und in einem Kessel auf dem Küchenherd abkochen. Nach dem Trocknen der Wäsche im Freien mit einem Kohlebügeleisen bügeln, das mit glühender Holzkohle gefüllt und dadurch die Bügelplatte erwärmt wird. Während der kalten Jahreszeit die Kachelöfen heizen, aber aus Sparsamkeit vorrangig nur das Wohnzimmer.

   Jede Familie deckt den größten Bedarf an Lebensmittel aus der eigenen Versorgung. Außerdem benötigt man weitere Produkte wie Brot und Zutaten, die bei den Händlern aus der Stadt Neukalen gekauft und mit dem Fahrrad oder zu Fuß geholt werden. Diesen Einkauf erledigen teilweise die älteren Kinder nach der Schulzeit, bzw. in den Ferien mit dem Fahrrad. Außerdem kommt aus Neukalen ein Lebensmittelhändler und ein Bäcker mit Pferd und Wagen einmal in der Woche nach Schlakendorf mit einem kleinen Warenangebot. Zwei Tagelöhnerfamilien im Ort verkaufen Getränke und Tabakwaren als Unterhändler von Geschäftsleuten aus Neukalen.

   Spielplätze für die Kinder gibt es nicht. Die Kleinen spielen direkt am Haus, und die Großen nutzen Feld- und Waldwanderungen während ihrer Freizeit oder halten sich in den Scheunen des Gutes auf. Im Winter kann man Schlittschuhlaufen (Hackenreißer) auf dem gefrorenen Eis der Teiche oder bei Schnee mit dem Schlitten fahren, vorrangig auf dem Maschinenberg im Ort (Abstellplatz für Maschinen). Gesellschaftsspiele gehören - besonders in der kalten Jahreszeit - fast in jede Tagelöhnerfamilie. Auch wird das Schützenfest (Königschuß) und der Herbstmarkt in Neukalen besucht, um etwas zu erleben sowie Karussell zu fahren.

   Allgemein leben die Tagelöhnerfamilien sehr sparsam und eingeschränkt.

 

 

7.3. Milchverarbeitung

 

   Die tägliche, selbst gemolkene Milch von der eigenen Kuh, morgens und abends, oder 4 Liter Milch (Deputat) abends, verarbeitet jede Tagelöhnerfamilie. Eine Zentrifuge, betätigt mit einer Handkurbel, trennt die Kuhmilch in Sahne und Magermilch. Die weitere Verarbeitung der Sahne erfolgt mit einer Buttermaschine per Handkurbel oder einem Butterfaß durch Stampfen zu Butter und Buttermilch. Die Butter wird hauptsächlich als Brotaufstrich sowie zur Zubereitung von Speisen verwendet. Die Butter- sowie Magermilch dient als Getränk und für die Zubereitung von Speisen, z. B. Milchsuppen mit Gries, bzw. Mehlklöße oder als dicke Milch mit geriebenem Brot und Zucker für Kaltschale.

 

 

7.4. Garten

 

   Die allgemeine Größe der Gärten beträgt ca. 60 Quadratruten. Jede Tagelöhnerfamilie entscheidet selbst über die Bepflanzung entsprechend dem eigenen Bedarf. Teilweise sind die Gärten mit Obstbäumen, Stachel- und Johannisbeersträuchern sowie Himbeeren und Erdbeeren bepflanzt, aber vorrangig baut man Kartoffeln und Gemüse für den eigenen Bedarf an. Bevor der Garten mit dem Spaten umgegraben oder teilweise mit Pferden gepflügt wird, erfolgt die Einbringung von Dung aus dem Bestand der eigenen Tierhaltung. Für den Transport des Dungs dient eine flache Schiebkarre. Die Anpflanzung, Bearbeitung und Pflege ist Arbeit nach Feierabend sowie eine Aufgabe der Frauen und Kinder der Tagelöhner.

 

 

7.5. Heiz- und Brennmaterial

 

   Jede Familie benötigt Brennmaterial für das tägliche Kochen und das Heizen der Kachelöfen in der kalten Jahreszeit. Dafür wird aus Kostengründen hauptsächlich Holz genutzt. Das Deputat - Brennholz transportiert das Gut mit Pferdefuhrwerken bis auf einen Platz in der Nähe jeder Wohnung. Außerdem erfolgt eine Eigenwerbung von Holz durch die Tagelöhner, indem sie an Wochenenden mit Axt und Handsäge auf Anweisung des Försters im Wald Baumkronen von gefällten Bäumen aufarbeiten. Der Transport geschieht mit Pferdefuhrwerk vom Gut. Nun erledigen Familienangehörige das Zerkleinern der Holzstämme je nach Feuerstätte. Die Holzstämme von einem Meter werden auf einen Sägebock gelegt, mit der Handsäge in bestimmte Längen eingekürzt und anschließend mit der Axt auf dem Hauklotz zerkleinert. Oder - bei guter finanzieller Lage - kann man den Holzschneider bestellen (Penzlin von Neukalen), der das Holz mit einer transportablen Bandsäge, angetrieben durch einen Verbrennungsmotor, auf die vorgegebenen Längen sägt (Kochherd kurz, Kachelöfen etwas länger). Das zerkleinerte Holz wird in Mieten, bzw. mehreren Schichten zum Trocknen im Freien gestapelt und nach einer Zeit der Trocknung im Stall, bzw. Hausboden eingelagert. Einige Tagelöhner kaufen auch geringe Mengen Braunkohlenbriketts.

 

 

7.6. Hausschlachtung

 

   Die Hausschlachtung für die Eigenversorgung der Familie betrachtet man als Schlachtefest, denn es ist ein besonderes Familienereignis mit großem Arbeitsaufwand und bekannten Hilfskräften. Dieses bedarf einiger Vorbereitungen, so den Einkauf der benötigten Zutaten (Gewürze) für die Verarbeitung und eine große Menge heißes Wasser, das in der Küche auf dem Kochherd in einem großen Waschkessel für das Brühen und Entfernen der Schweineborsten vorbereitet wird.

   Schlachter Schwarz aus Neukalen, der nur Hausschlachtungen durchführt, erledigt einen Teil beim Schlachtvorgang: Betäubung, Abstechen, Brühen mit Borstenentfernung sowie Aufbrechen, die inneren Organe herausnehmen und Reinigen. Nachdem das ausgenommene Schwein ausgekühlt ist, zerlegt der Schlachter das Schwein nach Bedarf in einzelne Stücke (Speckseiten, Schinken) für die weitere Verarbeitung. Inzwischen laufen die Vorbereitungen für die Herstellung von verschiedenen Sorten Wurst, Schmalz usw. Dazu gehört das Probieren, ob die jeweilige Wurstmischung den richtigen Geschmack hat, aber auch ein kleiner Schluck aus der Schnapsflasche. Schinken und Speck sowie einige Fleischstücke werden in einem Holzbehälter eingesalzen und nach einer Lagerungszeit in der Räucherkammer auf dem Hausboden mit hartem Holz geräuchert. Dieses geschieht ebenfalls mit verschiedenen Wurstsorten, um eine lange Haltbarkeit zu erreichen. Mit einem gemeinsamen Essen und Umtrunk sowie etwas Gemütlichkeit läßt man das Schlachtefest ausklingen.

 

 

8. Erntefest

 

   Nach dem Abschluß der Getreideernte gestaltet der Gutsherr in jedem Jahr für alle Dorfbewohner ein Erntefest. Eine Erntekrone aus allen Getreidearten binden Tagelöhnerfrauen, die in jedem Jahr am Ende des Dorfes bei dem Tagelöhner Mack im alten Dorf oder im neuen Dorf bei Friedland stationiert wird. Von dort beginnt der Ummarsch durch das Dorf. Als erstes die Erntekrone, aufgehängt an einer Holzstange und von zwei Arbeitern mit Erntegabeln getragen. Danach folgt die Kapelle mit Marschmusik, und nach dem Vorbeimarsch an jeder Haustür ordnen sich die Bewohner in den Festzug ein. Alle machen mit und marschieren zum Melkenkeller auf dem Gutshof, der als Festsaal ausgestattet ist. Hier stehen lange Tischplatten auf Böcke als Kaffeetafel und Sitzbänke für alle Bewohner einschließlich Kinder. Die Erntekrone wird im Saal an der Decke aufgehängt, und die Kapelle nimmt auf dem Podium Platz. Während der Kaffeezeit spielt die Kapelle Unterhaltungsmusik, und danach wird der Saal als Tanzfläche umgestaltet. Die Tischplatten werden von einigen Arbeitern entfernt und die Bänke als Sitzgelegenheit an den Wänden des Saales aufgestellt. Abendessen nehmen die Bewohner zu Hause ein, dafür gibt es vom Gutsherrn eine kostenlose Portion Bockwurst oder etwas Fleisch. Ab 19.00 Uhr spielt die Kapelle zum Tanz. So wird getanzt und gesungen. Es gibt Freibier, und alle sind lustig bis in die Morgenstunden. Während des Krieges fand kein Erntefest statt.