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Zur Geschichte des Sports in Neukalen

(Teil 10)

 

Mario Heinzel

 

Frauensport

Die sportliche Seite der Neukalener Mädels

 

   In unserem diesjährigen Beitrag über die Sportgeschichte unserer Heimatstadt wollen wir ein letztes Mal in die 1950-er Jahre zurückblicken. Vieles haben wir schon über diese Zeit gesammelt und für die Leser dieser Hefte zu informativen Geschichten zusammen gefügt. Da dabei, das ach so wertvolle weibliche Geschlecht bisher doch zu kurz kam, galt das Versprechen, dieses doch einmal näher unter die sportliche Lupe zu nehmen. Diese Nachforschungen waren, zumindest fototechnisch gesehen, von Erfolg gekrönt. So manches Bild, das die letzten sechzig Jahre unbeachtet in einem Fotoalbum verbracht hatte, fand den Weg zurück in die Öffentlichkeit.

   Ausgangs- und Mittelpunkt unseres Rückblickes sind die Handball-Mädchen der S.G. Neukalen von 1948/49. Die von den beiden “Schustergesellen“ Erwin Henke und Rudi Merten betreute Mannschaft errang in dieser Saison den Titel des Kreismeister und schaffte den Aufstieg in die Bezirksklasse. Von 10 ausgetragenen Spielen wurden 8 gewonnen und 2 verloren. Das Torverhältnis betrug 62:20. Zur neuen Gegnerschaft gehörten die ersten Mannschaften von Malchin, Teterow, Stavenhagen und Teams aus dem Raum Neubrandenburg. Beim Betreuerduo der hübschen Mädels waren die Rollen klar verteilt. Der unverwüstliche “Hans Dampf in allen Gassen“ Erwin Henke war für Training und Spiel zuständig. Der spätere “Lehrer aus Leidenschaft“ Rudi Merten zeigte sich für das Organisatorische verantwortlich. Der erstgenannte hatte sein Aufgabenfeld etwas besser unter Kontrolle, denn spielerisch verkauften sich die Mädels auf Bezirksebene ganz gut. Schwieriger war es da für Rudi alles unter einen Hut zu kriegen. Bei Heimspielen auf dem Sportplatz an den Judentannen galt es, neben allen anderen auch, den Platzbau abzusichern. Hier halfen aber die jungen Frauen durch die Bank weg fleißig mit, so daß Rudi oft viel Lärm um bereits gelegte Eier machte. Bei Auswärtsspielen hatte er es wirklich nicht leicht die Anreise der Mannschaft zu ermöglichen. Gute Fahrmöglichkeiten seitens des Vereines waren ganz selten vorhanden. Es galt Zug- und Busverbindungen abzugleichen. Wenn gar nichts ging, mußte er genügend Fahrräder organisieren. Dies besserte sich erst, als auch das Damen-Handballteam unter die Fittiche der BSG Traktor Lelkendorf kam. Jetzt gab es wenigstens für die Spiele in Löcknitz, Neubrandenburg oder Pasewalk den Aufbaubus der MTS. Zu den Prestigeduellen gegen Dargun und Malchin (wie sich die Zeiten gleichen) setzten die Trainer weiter auf das Rad. Da waren die Mädels gleich richtig warm und zusätzlich motiviert.

   Aus dieser Truppe heraus kristallisierte sich Wilma Schlundt als Führungsspielerin heraus. Nicht nur ihre sportliche Leistung, sondern gerade ihre Art und Weise waren dafür ausschlaggebend. Sie wurde, ich zitiere: „der heimliche Boss der Truppe“. Die Akzeptanz bei den Freundinnen brachte aber auch Verantwortung mit sich. So hieß es für die junge Wilma des öfteren Koffer packen. Zu einem ging es auf Lehrgänge bzw. Trainingslager für bevorstehende Großereignisse. Etwas angenehmer waren da die Fahrten mit der Kreis- oder Bezirksauswahl, denn bei diesen Touren hatte sie zumeist weitere Neukalener Spieler in Begleitung. Dazu gehörte auch das Spiel einer Mecklenburg-Auswahl gegen die Reinickendorfer Füchse aus Westberlin. Da standen neben Wilma auch noch Maria Gosebeck, Lisa Heiden und Margit Mrwa auf dem Platz. Aber kommen wir jetzt zu den großen Sachen. Wilmas Riesenevent Nr. 1 sollte das Deutschlandtreffen 1949 in Berlin werden. Die große, zum Teil noch völlig zerstörte Stadt, mit ihren noch offenen Grenzen, diese Bilder blieben ein prägendes Erlebnis für die 1931 geborene Wilma. Beim Anblick der vielen Soldaten kamen auch ihre Erinnerungen an die Begegnung mit den Rotarmisten 1945 in Neukalen wieder zu Tage. Damals war die 14-jährige nur auf Grund ihrer doch kleinen Statur von dem “Gröbsten“ verschont geblieben. Aber die positiven Eindrücke der Stadt und des Treffens überwiegten und ein Pfund frischer “West-Kaffee“ war ihr Geschenk an die liebe Mutter daheim auf dem Forsthof in Neukalen.

   Ihr zweiter Ausflug in die Hauptstadt folgte ein Jahr später. Anlaß dafür waren die dort stattfindenden Weltfestspiele. Begleitet wurde sie von Anneliese Winkler, Lisa Heiden, Hanni Gütschow, Lisl Schmidt, Marianne Rosinski und Anneliese Schössow. Die Mädchen aus Mecklenburg waren für eine große Stadiondarbietung ausgesucht worden. Es sollten Musikinstrumente, hier speziell die Rassel, symbolisiert und sportlich dargestellt werden. Die Mädchen aus Neukalen reihten sich in die Darstellung der gelben Rassel ein. Wilma war als Ausbilder eingeteilt und hatte schon vor Beginn der Spiele einen zweiwöchigen Lehrgang in Grevesmühlen besucht. Dort wurden die Elemente eingeübt. Diese hatte sie ihren Mädels schnell beigebracht und so klappte schon bei der Generalprobe alles. Die Spiele waren für alle ein bleibendes Erlebnis und so genossen die Girls ihre Zeit in Berlin.

   Auch im Handball übernahm Wilma mehr und mehr die Trainerrolle und führte die Mannschaft bis zur ihrem endgültigen Abschied aus dem Spielbetrieb etwa 1953/54 weiter.

   Die Gruppe lebte aber weiter. Viele der Frauen waren jetzt liiert, hatten bereits Kinder. Da gab es andere Prioritäten. Aber ganz wollten sie nicht auf Bewegung verzichten, und so entstand die erste Frauensportgruppe in Neukalen. Und was soll ich schreiben, es gibt sie heute noch; angeführt von Edith Salewski und bis zuletzt auch noch Gisela Zingelmann. Doch bevor wir zu diesen beiden wichtigen Frauen der Neukalener Sportszene kommen, noch einmal zurück zu Wilma Schlundt (verheiratete Schmidt). Diese hatte es auch in der Leichtathletik zu guten Leistungen gebracht. Schade das es dafür keine Nachweise oder ähnliches mehr gibt. Bis zur Landesmeisterschaft Mecklenburg in Schönberg 1952 hat sie es aber geschafft, und beim Speerwerfen sollen 40 Meter noch nicht ihre beste Weite gewesen sein. Ein Foto mit dem ebenfalls in Schönberg anwesenden Kurt Schmidt muß als Zeitzeuge genügen.

   Die Frauensportgruppe betreute Wilma noch einige Zeit, ehe sie sich mit ihrer Familie in Richtung Salem verabschiedete. Jetzt setzten sich Anneliese Schössow, bzw. etwas später Frau Steinberg an die Spitze der Truppe. Ob aber Irma Federow, Ilse Pagels, Erna Gamm, Wilma Zingelmann, Margarete Strempel, und, und, …, sie halten bis heute zusammen. Sie organisieren Treffen und gemeinsame Unternehmungen. Eine zum Nachmachen anregende Kameradschaft. Bei Gesprächen mit den Damen kommen dann nach und nach kleinere Episoden von damals zum Vorschein. Interessant wie sich die Mädels das Geld für ihren Sport, durch Baumpflege, Rübenhacken oder Kartoffeln sammeln verdient hatten. Wir würden hier gerne fortfahren, doch so richtig in die Karten gucken ließ sich die weibliche Sportwelt vergangener Tage nicht. Und so wollen wir das akzeptieren und den Neugierigen an die Damen persönlich verweisen.

   Nach Frau Steinberg folgte Edith Salewski als Kopf der Gruppe. Sie begann 1950 in Neukalen mit dem Handball, war im vorgenannten Team das Küken. Mit dem Besuch der Oberschule wechselte sie auch den Verein und spielte fortan für Malchin. Da gab es auch schon mal das Match gegen die ehemaligen Kameradinnen. Mit dem Aufstieg der Malchiner Mädels löste sich diese Zwickmühle von selber. Unter Trainer Rudi Dobber spielte sie bis zum Ende der 11. Klasse in der Bezirksliga. Danach machte sie Schluß mit dem kleinen runden Leder (1954) und konzentrierte sich mehr auf das bevorstehende Abitur. Um nicht ganz auf ihren geliebten Sport und das weibliche Zusammensein (in Fachkreisen auch “Tratsch“ genannt) zu verzichten, schloß sie sich der Frauensportgruppe an. Hier stand zunehmend Turnen und Gymnastik im Vordergrund, die Gespräche danach blieben genauso wertvoll. Ihr stets zur Seite steht bis heute Gisela Zingelmann. Beide sind noch in Funktionen beim TuS Neukalen. Ohne die vier resoluten und genauen Kassenprüfer-Augen geht kein Bericht des Kassenwartes über die Bühne. Doch die jüngere Geschichte dieser und auch der anderen Frauengruppen heben wir uns für einen späteren Beitrag auf. Nur die Brücke Gisela Zingelmann möchte ich nutzen, um noch einen kleinen Abstecher in die frühen 50-ger Jahre zu machen.

   Dank Margarete Strempel sind noch einige Fotos aus den Analen von Joachim Zidorn aufgetaucht. Herr Zidorn war zu jener Zeit an der Neukalener Schule als Sportlehrer tätig. Über sein Wirken hatte ich schon einiges im Heft 2006 geschrieben. Auf den Bildern ist er unter anderem als Trainer einer Fußball-Jugendelf zu sehen. Unter den Jungs war ein Teil des schon in Heft 2004 beschriebenen guten 38-Jahrganges; die bekanntesten wohl die Gebrüder Weißenberg, Wolfgang Bauer, Günter Czech und Arno Doll. Auf einem ist auch der spätere langjährige Trainer der ersten Fußball-Mannschaft Norbert Merz zu erkennen.

   Des weiteren posieren auf einer Aufnahme die beiden damaligen Sportlehrer Dieter Siebert und Joachim Zidorn mit einer Gruppe von jungen Mädchen und Jungen. Wohin die Reise der jungen Leute ging, habe ich leider nicht mehr in Erfahrung bringen können. (So wie auch den Ort und den Grund eines weiteren Fotos, auf dem Peter Dahms zu erkennen ist. Der Sohn vom bekannten Gastwirt, studierte später in Rostock Melioration und half bei der Trockenlegung des Sportplatzes an den Judentannen.) Und zum Schluß eine Aufnahme, vermutlich im Gasthof Dahms aufgenommen, auf dem zehn hübsche junge Mädchen in Sportkleidung abgebildet sind. Anlaß war vermutlich eine sportliche Darbietung unter Leitung von Joachim Zidorn. Unter diesen Mädchen befindet sich neben der späteren Frau von Vereinschef Ernst Fiedler Roswitha Gruber, auch die junge Gisela Zingelmann. So schließt sich der Reigen wieder, und wir wollen diese Jahre nun ruhen lassen.

   Das soll natürlich nicht heißen, daß ich für neue Informationen aus dieser Zeit nicht offen bin. Wer von den verehrten Lesern noch Bild- und Textmaterial zur Verfügung hat, ich wäre ein dankbarer Abnehmer.

 

 

Kreisauswahl Handball-Frauen

 

Kreisauswahl Handball-Frauen, mit dabei waren:
Maria Hagenow, Anita Lohrke, Wilma Schlundt, Margit Mrwa, Rita Bruhns, Katarina Bechtler

 

 

Frauenhandball Traktor Lelkendorf

 

Frauenhandball Traktor Lelkendorf,
hinten von links: Anita Lohrke, Margarete Strempel, Maria Gosebeck, Margit Tscherpel;
Mitte von links: Wilma Zingelmann, Margit Mrwa, Christa Dethloff, Rita Bruhns;
vorne von links: Traudl Biastoch, ..., Katarina Bechtler

 

 

Trainingslager Deutschlandtreffen 1950

 

Trainingslager Deutschlandtreffen 1950,
hinten von links: Anneliese Winkler, Marianne Rosinski, Hanni Gütschow, Lisl Schmidt, Anneliese Schössow;
vorne von links: Lisa Heiden, Wilma Schmidt

 

 

Die besten Leichtathleten des Vereins Anfang der 50ger Jahre, Kurt Schmidt und Wilma Schlundt (Schmidt)

 

Die besten Leichtathleten des Vereins Anfang der 50ger Jahre, Kurt Schmidt und Wilma Schlundt (Schmidt)

 

 

Mädchen-Sportgruppe mit Joachim Zidorn

 

Mädchen-Sportgruppe mit Joachim Zidorn;
u.a. dabei: Ingrid Jürß, Anna Kataneck, Hannelore Herbst, Hanni Jungnickel, Helga Koch

 

 

Sportgruppe Mecklenburg beim Deutschlandtreffen 1950

 

Sportgruppe Mecklenburg beim Deutschlandtreffen 1950

 

 

Sportgruppe mit Dieter Siebert und Joachim Zidorn

 

Sportgruppe mit Dieter Siebert und Joachim Zidorn

 

 

1.5.1952

 

1.5.1952,
Festumzug durch Neukalen (Wilhelm-Pieck-Straße),
Margarete Strempel und Margit Tscherpel

 

 

Deutschlandtreffen 1950 mit Kostüm

 

Deutschlandtreffen 1950 mit Kostüm
hinten von links: Lisa Heiden, Hanni Gütschow, Anneliese Schössow, Anneliese Winkler;
vorne von links: Marianne Rosinski, Lisl Schmidt

 

 

Mädchensportgruppe Anfang der 50ger Jahre

 

Mädchensportgruppe Anfang der 50ger Jahre
von links: Christel Weise, Anni Boeck, Liselotte Olms, Gisela Zingelmann, Renate Hopp, Roswitha Gruber, Anna Piesch, Margot Schäfer, Maria Glatzel, Gerda Gatz

 

 

Handballmädels (1. Mai im Gartsbruch)

 

Handballmädels (1. Mai 1952 im Gartsbruch)
hinten von links: Margarete Strempel, Wilma Zingelmann, Elfriede Mattern, Margit Tscherpel;
vorne von links: Irma Federow und Ilse Pagels

 

 

Fußball-Jugend Gruppe Zidorn

 

Fußball-Jugend Gruppe Zidorn
hinten von links: Joachim Zidorn, Jochen Alward, Herbert Weißenberg, Wolfgang Bauer, Günter Czech, Heinz Harder;
Mitte von links: Helmut Jaskulski, Arno Doll, Horst Daum; vorne von links: Hermann Sawallisch, Wilfried Reis (?), Oswald Reichmann

 

 

Die Sportlerinnen zur 725-Jahrfeier 2006 (1)

 

Die Sportlerinnen zur 725-Jahrfeier 2006

 

 

Die Sportlerinnen zur 725-Jahrfeier 2006 (2)

 

Die Sportlerinnen zur 725-Jahrfeier 2006

 

 

Die Sportlerinnen 2011

 

Die Sportlerinnen 2011