Ja, ich kann mich noch gut erinnern. Während wir Anfang des Jahres 1990 von Stavenhagen nach Neukalen umzogen, kam auch der Moment, als ich zum ersten Mal in unserem neuen Wohnzimmer stand. Das Zimmer, so ausgeräumt wie es war, konnte wahrlich kein Glücksgefühl aufkommen lassen - wohl aber der Blick aus dem Balkonfenster.
Voller Begeisterung stellte ich einen in der Ecke stehenden Stuhl in die Mitte des Raumes und prüfte den Blickwinkel aus der Sitzposition. Das konnte doch nicht wahr sein, in Zukunft sollte ich sogar vom Sessel aus einen faszinierenden Ausblick auf "meinen" geliebten See haben.
Seit dieser Begebenheit sind knapp 27 Jahre vergangen, die Begeisterung aber, ist bis zum heutigen Tag geblieben.
Bevor ich endgültig zur Sache komme, noch eine kurze Richtigstellung. Dieser Beitrag ist 2008 entstanden. Der Hafen Salem wartet zwar immer noch auf eine zweite Mole, aber eine Betonnung hat er in der Zwischenzeit bekommen. Besonders positiv ist der Hafen Kummerow zu bewerten. Hier entstand zur Freude aller Dauerlieger 2015 endlich die zweite Mole. In Gravelotte mussten die schwankenden Betonwellenbrecher einer Molenverlängerung weichen, wodurch jetzt die Ansteuerung bei West- bis Nordwestwind gefahrlos möglich ist.
Und nun geht es hinaus auf mein kleines Meer vor der Haustür. In meinen Notizblock trage ich ein: Der Kummerower See, dahinter das heutige Datum, der 27. August 2008 und die Zeit, es ist 7.48 Uhr.
Wie sieht es denn mit der Temperatur aus? Ich gehe ins Wohnzimmer und werfe einen Blick auf das Außenthermometer, 17o C zeigt es an. Das Wetter ist trüb, über dem See liegt Dunst, das andere Ufer ist nicht zu sehen.
Dann werfe ich den Bootsrucksack über die Schulter, greife zum Beutel mit der Verpflegung, verschließe die Wohnungstür und eile die Treppe hinunter. Zum Hafen ist es nicht weit, trotzdem gehe ich etwas schneller als sonst. Vielleicht gelingt es mir trocken an Bord zu kommen, denn allzu besonders sieht der Himmel nicht aus. Angezogen bin ich wie immer, so wie die Neukalener mich schon seit Jahren kennen, wenn ich zum Boot gehe. Alles ist altgedient, die Jacke, die Jeans und vor allem die in die Jahre gekommenen Turnschuhe. Auf dem Rücken einen schwarzen Rucksack, in der linken Hand einen ebenfalls schwarzen Beutel mit Kaffee und Brötchen. Lässt das Wetter Regen vermuten, so wie heute, trage ich in der anderen Hand noch einen Regenschirm, auch schwarz - nur keinen Stilbruch. Aber, was schleppe ich eigentlich die ganzen Jahre in diesem Rucksack zwischen Boot und Wohnung hin und her? Auch das will ich verraten. Es sind solche praktischen Dinge wie Fernglas, Echolot, Radio, Handy und manchmal auch ein CB-Funkgerät, je nachdem, was ich gerade vorhabe. Und was auf gar keinen Fall fehlen darf, sind die Bordpapiere, der Führerschein für den entsprechenden Fahrtbereich sowie ein Nicosignal zum Verschießen von Leuchtkugeln, sollte das einmal notwendig sein.
Nach fünf Minuten habe ich den Hafen erreicht. Auf der Fußgängerbrücke bleibe ich einen Moment stehen. Von dieser etwas erhöhten Position aus hat man einen schönen Blick über die gesamte Anlage. Auf dem Wasser kräuseln sich kleine Wellen - der Hafen schläft noch.