Das Dorf Schorrentin (2)
Wolfgang Schimmel
Die Feldmark Schorrentin unterteilte man seit alter Zeit bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts hinein in eine deutsche Feldmark, die sich seit der Mitte des 14. Jahrhunderts im Besitz der Adelsfamilie von Levetzow befand, und eine wendische (slawische) Feldmark in der Nähe der Buschkoppel und um Schwarzenhof, welche dem Landesherrn gehörte. Für den wendischen Teil der Feldmark war im Auftrag des Landesfürsten das Amt in Neukalen zuständig.
Um 1700 gab es in Schorrentin eine adelige Meierei (Milchwirtschaft), die der Familie von Levetzow gehörte, sowie eine fürstliche Meierei, die vom Amt Neukalen verpachtet wurde. Während erstere sich zum späteren Gut entwickelte, sind die Gebäude der fürstlichen Meierei, deren Lage westlich der Kirche zu suchen sein dürfte, seit 250 Jahren verschwunden.
Am 7. August 1709 erfolgte eine Bestandsaufnahme der fürstlichen Meierei. Der Bericht darüber soll hier wörtlich wiedergegeben werden:
"Inventarium über den fürstlichen Meyerhoff Schorrentin So auffgerichtet worden den 7. Aug. 1709 auff Fürstl. Befehl in Beysein des Schultzen von Wahrsow Jacob Petersen
Eß hat keine gewiße Gräntzen, sondern lieget Mitten in den Schorrentinschen Adelichen Hoffe und Baur acker
Anno 1709 den 7 Aug. wardt auff hoch Fürstl. Verordnung durch uns Endes unterschriebene, der Fürstl Meyerhoff Inventiret und untersuchet, welcher in folgenden stande befunden worden
1.
Daß Wohnhauß
Weches von 10 gebindt Holtz mit 2 abseiten wovon 6 gebindt mit zum Vieh Hause gebraucht und Vieh ställe darunter, ist rund umb gekleimet, der Giebell nordostwerts ist vom Balcken an gemauret, davon einige Fächer außgefallen, und mit stroh bezeünet, dieser Giebell stehet gantz ungerade, daß Dach ist alt, und offt außgebeßerdt, muß bald von neuen außgebeßerdt werden, undt wehre woll nöhtig daß Jahrlich die schlechtesten gebinter abgenommen, undt gedecket würden, der Hauß Boden über 5 gebindt, ist nichts nutze undt fallet baldt nieder
2.
Die Scheune von 12 gebindt Holtz Rundt umb gekleimet mit 2 Kuhl Enden, auff der nordt seiten sindt 4 gebindt sehr alt undt lochreich, muß außgebeßerdt, und künfftig Jahr neü gedecket werden, der Giebell ostwerdts ist unter einen Kräpel undt von steinen gemauret, vom Balken an, inwendig stehen 4 stüdten Uhrsache weiln die Scheune nach Norden etwaß übergewichen.
3.
Der Schaff Stall von 9 gebindt, mit 2 Kuhl Ende. Eß sindt nur Nordtwerds 2 Wände so gekleimet, die oberste wand stehet offen. Eben so sindt die Beyden Kuhl Ende, die Suedtwertster öberste wandt stehet auch noch offen, in dem Dache Sudtwerdts sindt auch noch einige lecken, müßen gebeßert werden, und kan an der gantzen Suder Seite daß Dach nicht lange mehr liegen.
4.
Der Schaffer Kahte So von 4 gebindt Holtz mit 2 abseiten undt 2 Giebell. Eß ist aber zimlich alt, die Süder abseite mit dem Giebell west werdts ist neü versohlet, sonsten mit stroh außgezeünet, daß Dach ist alt und sehr geflicket, muß bald an der einen alß Nordt seiten ein Neu Dach haben, der Giebell westwerts oben den Balken ist gantz verfaulet fält baldt herunter.
An Mobilia undt gelähte beim Hoffe. Ist bey diesem Meyerhoffe nichtes vorhanden.
V Die Hopffen Kuchen undt Baum Garten
Der Hopffen Garte bestehet in ein klein plätzchen ohngefehr ein Virtell landt, nur Dresch Hopffe, wen er recht guth zutragen würde, es ohngefehr 3 Scheffel außmachen.
Der Garte von 1/2 Scheffel Sath mit den Kohlgarten.
Baum Garten hette er nicht, nur daß verschiedene alte Bäume mit in der Beym Hause gelegenen alten Kopffell stehen, weil dieselbe aber alt kan nichtes gewißes Specificiret werden. Der Schäffer Kohlhoff ist 1/4 Scheffel Sath landt.
VI Koppeln undt weide
Beym Hoffe lieget eine Koppell von 3 Scheffel Sath worinnen einige Bäume wie vorerwehnet stehen noch eine Koppel im Dorffe worauff vor dies ein Baur Hauß gestanden bestehet in 2 Scheffel Sath landt und stehen darin 7 alte Obstbäume, daß obst aber würde von den Baur Kindern herunter geschlagen die weide wehre so schlecht daß Sie ihr Vieh kaum bergen und hetten von den Milch Vieh gantz wenig.
VII Harte undt weiche Holtzung
Gehörte zum Ambte Nienkalden nur daß er auß der Trebbelinschen Holtzung daß Fall Holtz hette, welches vor diesem zum Kleverhoffe gehoret, und vor viehlen Jahren zum Ambte Neüenkalden geleget worden. Item wan in vor besagtem Holtze volle Mastung konte er altes Herkommens nach 12 schweine hinein jagen wan aber halbe mastung 6 stucke hineinjagen.
VIII Mastung
Gehörete zum Ambte Neüenkalden außer wie er jezt erwehnet.
IX Jacht
Gehörete auch zum Ambte
X Fischerey
Auff ihren Felde wehren zwar Solle es würde aber nichtes darin gefangen.
XI Die acker Schlage mit der würde große undt deren Nahmen
Der Acker lege in drey Schlägen undt wehren diese 3 schläge vermänget mit dem Adelichen Hoff- undt Baur schlage. Der erste schlachk nach Neüenkalden werts wehre guth acker. Der andere schlagk lege am Dragunschen wege wehre guth acker. Der dritte Schlag am Gnogenschen wege wehre auch Guth.
Diese Jahres außath wehre ohne denen stucken welche in der Bracke legen
an Rocken 1 last
an Gersten 5 Drbt
an Habern 2 Drbt 6 Scheffel
an Erbsen 1 Drbt
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2 last - 6 Scheffel Sath
Diese 3 schläge sindt nicht gleich in dem in diesen Beyden lezten nicht soviehl alß in den ersten kan gesehet werden, hette vergeßen wie viehl er in den Beyden vorigen Jahren darin gesehet.
XII Ob und wie viehl acker noch unbrauchbahr und bewachsen
Eß lege noch etwaß in der Heyde wie viehl aber wehre ihm unbewust
XIII übers Inventarium ist noch gesehet worden
Nichts
XIIII Wieviehl Baur Fud heu in jeder wiese zu werben undt wie solche genennet werden
In der Sogenandten Wahrsowschen wiese 8 Fud
auff den Neüenkaldeschen Felde in der sogenandten Mühlenwische 2 1/2 Fud
In der auff den Trebbelinschen Felde belegenen wische 2 Fud
auf den Schorrentinschen Felde 1 Fud
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S: 13 1/2 Fud
XV Ob mehr wiesewachs zu machen undt wie viehl
Nein
XVI Ob Rohrwerbung
Nichts
XVII Wie viehl Vieh in allen vorhanden und außzufuttern
Der jetzige Pensionarius Jochim Költzow hette an Vieh So ihm gehorete
an Pferden 9 stuck
an Ochsen 6 stuck
an Rindt Vieh 16 st.
an Schweinen 20 st.
an Schaffe 85 st.
XVIII Ob gebrauet undt Brandwein gebr: wurdt umb Krüge damit zuverlegen, oder sonsten zu verkauffen
Nein
XIX Ob Muhlen anzulegen
Nein
XX Ob Mineralia verhanden
Nein
XXI Waß an Priester undt Kuster gebuhr gegeben werde
Der Priester in Schorrentin bekähme
an Rocken 5 Scheffel
an Eyer 60 stuck
an Gelde so acker heur genandt 1 Rthlr.
Der Kuster hat
an Rocken 1 Scheffel
an Eyer 30 stuck
1 Metwurst
1 Brodt
Hiemit ward diese untersuchung geschloßen act ut supra
Hinrich Ulrich Bischoff
Ambts Notarius
Jacob Peters der Schultz auß Wahrsow
Weil er Selber nicht Schreiben können hat er mich ersuchet, dieses in seinem Nahmen zu unterschreiben:
Bernhard Bremer"
Am 22.3.1735 schlossen die Vettern Joachim Diederich von Levetzow (Besitzer des Gutes Lelkendorf) und Hans Heinrich von Levetzow (Besitzer des Gutes Schorrentin) einen Vergleich, um verschiedene Streitigkeiten beizulegen. So sollte unter anderem der Grenzbach zur Neukalener Feldmark zukünftig von den Leuten des Gutes Lelkendorf aufgeräumt und das Gut Schorrentin von solcher Last freigehalten werden.
Auf dem fürstlichen Meierhof in Schorrentin ließ das Amt Neukalen 1738 eine Scheune und 1740 einen Schafstall neu errichten. Um 1742 wurde das Kirchendach umgedeckt.
1741 war der fürstliche Meierhof vom Amtmann Wenckstern an den Regierungsrat Hans Hinrich Levetzow verpachtet worden, welcher zu dieser Zeit das adelige Gut in Schorrentin besaß, aber in Schwiessel wohnte. Trinitatis 1745 übernahm dann dessen Sohn, Hans Hinrich von Levetzow, das Gut Schorrentin mit dem "Pensions–Contract" der Meierei. Am 5.7.1747 schloß er einen "Prolongations–Contract" (Verlängerungsvertrag) bis zum September 1755 mit dem Amtmann Souhr in Neukalen ab. Levetzow junior wohnte in dem neu eingerichteten Haus des sogenannten adeligen Meierhofes Schorrentin.
Um 1748 gab es Streitigkeiten wegen eines sogenannten Scheidebruchs an der Grenze zwischen der Schorrentin Feldmark und dem Darguner Amt (in der Nähe des Neukalener Weges). Der Herr von Levetzow hatte die Sträucher und Bäume "In dem so genanndten scheide bruch ohnweit deß Schwartzen Hofes" aushauen lassen, obwohl es ihm nur zur Hälfte gehörte. Bei Klärung dieser Angelegenheit berief sich das Amt auf seine Rechte laut Eintragungen im Darguner Amtsbuch. In diesen Eintragungen ist eine Bemerkung zu finden, die sich auf eine Zeit lange vor 1748 bezieht und erstmals den Namen des Ortes Schwarzenhof erwähnt: "hinter den Wüsten Schwartzen Hof".
Die spätere Feldmark Schwarzenhof gehörte damals zu Schorrentin. Von Neukalen kommend führte der in Schorrentin so genannte "Demminer Weg" nahe am heutigen Dorf Schwarzenhof vorbei und verlief dann weiter in Richtung Wagun - Dargun. Etwa 150 bis 200 Schritte von diesem Weg entfernt lag früher der "Schwartze - Hoff", der aber um 1720 schon total zusammengefallen und verwüstet war. 1739 waren nur noch Reste des alten Backofens und der Hausstelle zu sehen. Ob der Name von einem Besitzer namens Schwarz herrührt, läßt sich nicht mehr feststellen. Im christlichen Volksgebrauch wurden verrufene oder unheimliche Orte, denen alte Sagen und Begebenheiten aus vorgeschichtlichen Zeiten anhängig waren, manchmal auch mit der Charakterisierung schwarz in Verbindung gebracht. Hans Heinrich von Levetzow hatte jedenfalls etwa 1723/25 hier ein neues Haus direkt auf dem "Demminer Weg" errichten lassen und den Landweg auf fürstliches Gebiet verlegt. Das führte zu Auseinandersetzungen mit dem Amtmann in Neukalen. Wahrscheinlich fand man eine Lösung, das Haus blieb jedenfalls stehen. Auf seinem Platz befindet sich jetzt das Gutshaus. Daß die Straße nach Osten ausweicht und nicht geradezu nach Wagun weiterführt, ist heute noch gut zu erkennen.
Als Hans Hinrich Levetzow etwa 1748 auch noch den fürstlichen Meierhof als seinen Besitz beanspruchte, kam es zu einem gerichtlichen Prozeß. Das Verfahren endete am 20.11.1750 mit dem Urteil, daß der fürstliche Meierhof per Trinitatis 1751 an den Amtmann Souhr abzutreten sei. Hans Hinrich Levetzow appelierte an die Landesregierung. Der Prozeß wurde bis 1755 fortgesetzt. Es verblieb aber beim Urteil vom 11.1.1752, wonach seine Klage abgewiesen war.
Am 28.6.1747 bat der Pastor Gottfried Priestaff um Holz zur Ausbesserung des Pfarrhauses.
1755 war der Giebel des alten Küsterhauses eingestürzt und mußte erneuert werden. Das Bauholz wurde aus der herzoglichen Waldung geliefert. Bei dieser Gelegenheit beschloß man, den am Küsterhaus stehenden gefährlichen Backofen wegzuschaffen. Zu dieser Zeit war Friedrich Meyer, Hausmann in Warsow (beinah 60 Jahre alt), Vorsteher der Schorrentiner Kirche.
Pastor Gottfried Priestaff nennt uns im Beichtkinderverzeichnis von 1756 folgende Einwohner in Schorrentin:
"Herr H. Hinrich v. Levetzow
dessen Pächter Otto Lotzow
volle Hausleute: Johann Schröder
Diederich Benick
Jochim Wolter
Einlieger: 21
Frey - Leute: Müller (zugleich Krüger)
Holländer
Schäfer
Ziegler
Weber
4 Drescher"
Etwa 1756/57 brannte durch Verwahrlosung das Backhaus des Predigerwitwenhauses ab.
Die Äcker und Wiesen des fürstlichen Amtes lagen auf der Schorrentiner als auch auf der Neukalener Feldmark verstreut zwischen den Besitzungen der Bauern und des Gutsbesitzers von Levetzow. Das führte selbstverständlich immer wieder zu Ärger und Streitigkeiten. In den Jahren vor 1757 war auch in Neukalen der Wunsch nach einer Veränderung mit dem Amt laut geworden, so daß sich eine umfassende Lösung erforderlich machte, die alle befriedigte. Am 7.10.1755 wurde ein Permutationsvertrag zwischen der herzoglichen Domainenkammer und dem Gutsherrn von Levetzow abgeschlossen, der den Tausch von 7 Last Acker auf dem Schönen Kamp gegen den fürstlichen Meierhof vorsah. Die Gebäude des früheren Meierhofes in Schorrentin, in welchen jetzt ein Holländer wohnte, sollten abgebrochen und an dem neuen Ort auf dem Schönen Kamp wieder aufgebaut werden. Der neue Hof sollte ursprünglich "Neu Schorrentin" heißen, man einigte sich dann aber auf die Bezeichnung "Schönenkamp".
Genaue Einzelheiten über den Austausch von Äckern, Wiesen und Weiden zum gegenseitigen Vorteil sind in einem Contract vom 6.7.1756 festgehalten. Als Zeugen von Seiten des Amtes waren zugegen: Stoffer Honerjäger, Friederich Rassmus, Ludwig Krüger, Jacob Schulz und Martin Paepke, alle aus Warsow; als Zeugen des Herrn von Levetzow unterschrieben: Jochim Dieterich Beneke, Johann Schröder und Jürgen Bölkerd aus Schorrentin. Der frühere Meierhof in Schorrentin war zu diesem Zeitpunkt bereits abgerissen.
Am 21.11.1760 wurde durch einen starken Sturm der hölzerne, mit Spöhnen bedeckte Kirchturm umgeweht. Außerdem hatte der Wind an diesem Tag abends um 7 Uhr die am Predigerwitwenhaus angebaute Scheune zum Einsturz gebracht. Diese war schon viele Jahre vorher ohne Dach gewesen. Auch das Predigerwitwenhaus selbst war in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Kirchenvorstand beriet nun über eine Reparatur, bzw. einen Neubau. Die eingepfarrten Dörfer sollten die nötigen Hand- und Spanndienste leisten. Es war die Zeit des 7jährigen Krieges. Geld, Material und Arbeitskräfte waren knapp, und so wurde 1761 nur das Predigerwitwenhaus notdürftig repariert. Der Pastor Priestaff war am 11.5.1761 verstorben. Seine Witwe zog in das ausgebesserte Predigerwitwenhaus. Aus einem Bericht dieser Zeit ist zu entnehmen, daß zuweilen 3 Monate kein Prediger in Schorrentin gepredigt und die Sacra verrichtet hatte. Kirche und Pfarrgebäude verwahrlosten.
Am 16.1.1762 wurden alle Eingepfarrten zur Besprechung der notwendigen Reparaturen und Wiederbesetzung der Pfarre eingeladen. Amtmann Souhr hatte hierzu den Auftrag von der herzoglichen Regierung bekommen. Ausführlich wurden die notwendigen Arbeiten besprochen.
Der neu zugezogene Pastor Wendt beschwerte sich über den mangelhaften Zustand der Pfarrbauten. So schrieb er am 18.6.1762 unter anderem: "Das Küster Haus ist auch in den jämmerlichsten Umständen und muß nothwendig gebauet werden; es ist diesen Winter wieder etwas davon niedergefallen, und bald wird alles über den Haufen liegen".
In den damaligen "unruhigen Zeiten" des 7jährigen Krieges gab es nur notdürftige Reparaturen.
Die drei Kirchenvorsteher Ernst Ebert von Zarmstorff, Christian Tidemann aus Warsow sowie der Küster Carnatz (50 Jahre alt, ins 2. Jahr Vorsteher, ins 12. Jahr Küster) machten sich auch 1762 Gedanken zur Verbesserung der Pfarrbauten. Wir erkennen aus den Aufzeichnungen, daß zur damaligen Zeit folgende Aufteilung der Kirchenfuhren üblich waren:
5 Wagen aus Schorrentin
10 Wagen aus den Lelkendorfer Gütern
2 Wagen von Klein Markow
3 Wagen von Kämmerich
6 Wagen aus Warsow
2 Wagen von Schönkamp
1762 schaffte man es zumindestens, den gefährlichen Backofen des Küsters in der Nähe der Häuser an einen anderen Ort zu verlegen.