Dieser Greif ist in einem Mauerstein rechts unten am Kirchturmeingang eingebrannt und soll wohl bedeuten, daß der Teufel hier keinen Zutritt hat.
1441 stiftete der Priester Peter Damerow eine Vicarei, die – wie es in einer Urkunde heißt – bestätigt ist an der Pfarrkirche zu Schorrentin zu Sanct Katerinen Altar, der heiligen Jungfrau. Was es mit dieser Vicarei genau auf sich hatte, ist schwer zu sagen. Aus dem Visitationsprotokoll von 1585 geht aber hervor, daß es ein besonderes Gebäude für den Vicar gegeben haben muß.
Aus dem Jahre 1528 ist eine Aufstellung der eingeforderten Bede [Abgabe an den Landesherrn] im Lande Kalen erhalten geblieben.
Es mußten Abgaben "von VI Huuen [Hufen] der hernlude" und "1 Kathen" gezahlt werden. Das bedeutet, daß 6 Bauern und 1 Katenmann dem fürstlichen Amt unterstanden. Dagegen gehörten zum Hof des "Hinrich Leuesowen" sechs Hufen (wahrscheinlich ehemalige Bauernstellen) und vier Katen. Außerdem ist der Aufstellung zu entnehmen, daß eine weitere Hufe Hinrich Levetzow's Mann besäet, 2 wüste Hufen von Hinrich Levetzow besäet werden, 5 Katen im Dorf wüst liegen und 4 Hufen die Kirche besitzt.
Aus dem Kirchenvisitationsprotokoll von 1534 erfahren wir folgendes:
Herr Johann Möller wurde vom Herzog Albrecht im Jahre 1526 als Priester an der Kirche zu Schorrentin eingesetzt. Diesen Kirchherrn hatte Heinrich Levetzow zu Schorrentin von der Kirchenwedeme [Pfarrstelle] verjagt und einen zugelaufenen Mönch mit einem Weib nach seinem Wohlgefallen für ihn eingesetzt, so als wäre die Kirche sein Eigentum.
Von den einzunehmenden Pachtgeldern konnte er (Johann Möller?) ihm keinen Bescheid geben. Der Kirchherr Johann Möller wohnte nun bei der Kirche in Levin nahe Dargun. Drei Drömt Meßkorn sollen (an Abgaben) zur Kirche gehören. Darin sind von Heinrich Levetzow 8 Scheffel von seinem Hof und Christoffer Levetzow zu Lelkendorf 4 Scheffel aus seinem Hof enthalten.
Bederegister, in denen Schorrentin erwähnt ist, liegen im Landesarchiv Schwerin noch aus folgenden Jahren vor:
1569 wurden "Vonn der Eddelleutt vnderthanen" in Schorrentin 4 Gulden eingefordert.
1571 wurde zweimal die Bede eingefordert, die Formulierung zu Schorrentin ist fast identisch:
"Vonn Schorrentin
4Gulden Gebenn die Paurenn sambtlich, Waß die Huefenn belangend, will Leuezow nicht schriebenn laßenn"
"Vonn Schorrentin
Der Eddelleute Paur daselbst
4Gulden gebenn die Pauren sambtlichenn, Lewezow will die Huefenn nicht geschriebenn lassen".
Es sind also nur die Bauern des Herrn Levetzow gemeint. In diesen kurzen Nachrichten wird deutlich, daß sich von Levetzow weigert, genaue Angaben zu machen. Wahrscheinlich hat er sich zu dieser Zeit schon mehrere Bauernstellen des früheren slawischen Dorfes Schorrentin unrechtmäßig angeeignet und führt sich schon recht selbstherrlich auf.
Im Bederegister von 1585 ist Schorrentin zweimal angegeben. Es hat also noch Einwohner im früheren slawischen Dorf gegeben:
"Scharentin
R ß
2 16 Claus Helm
0 0 Stoffer Nieman ist Arm
2 0 Liges Lirschowe (?)
0 8 Peter Sehman
0 Drewes Strinin (?) Ist wueste
Summa 5 R 0 ß
Scharentin
4 0 Aus dem gantzen Dorffe Empfangen“
[Die Bezeichnung R bedeutet Gulden, die Bezeichnung ß Schilling.]
Uns werden zum erstenmal einige Namen bekannt. Es ist jedoch leider nicht ersichtlich, zu welchem Ort diese gehören.
1585 reichten die Pastoren Adam Rasche zu Neukalen, Petrus Beckmann zu Gorschendorf, Paulus Quast zu Schorrentin, Joachimus Grape zu Jördensdorf und Johannes Albrecht zu Hohen Mistorf ein Schreiben an den Landesherrn ein. Sie baten darin um Durchführung einer Kirchenvisitation allgemeiner Art zur Verbesserung ihres Lebens und Abstellung mancherlei Beschwernisse.
Die Akte über die durchgeführte Visitation liegt im Landesarchiv Schwerin und ist wie folgt betitelt: "Kirchenvisitation im Amte Neuenkalden als zu Gemeckendorf, Görzendorf und Retzow, Schorrentin, Jördenstorf und Hohen Mistorf d.d. 16.3.1585."
Es folgt nun die wörtliche Wiedergabe des Abschnittes über Schorrentin (Ergänzungen oder Erklärungen sind eingeklammert):
"Scharentin
Des Pastorn Pauli Quasts vnderhalt vnd Einkommen.
An Acker hat er 1 Hufe oder einen Kamp so in drey schlege geteilet ist.
Acker Noch an vnderschiedenen Wurden vnd stucken vngefehr bei 38 morgen. Die er selbst bawet
18 Morgen seet er mit andern leuten zum halben.
1 Wische von 4 Fuder Hews
Etliche Holtzung [Wald].
2 Gulden 6 Schilling 6 Pfennig Geldthebung.
5 Dr[ömpt] 5 Sch[effel] Rogken Mißkorn.
1 Eiserne Kuhe.
Vnd dan seine Accidentia [Einnahmen].
Des Custers vnderhalt
1 1/2 Morgen Ackerß
1 Kollgarteken [Kohlgärtchen]
1 Sch[effel] Rogken Mißkorn
4 Dr[ömpt] Haber
1 Schilling Geldthebung.
Vnd dan seine Accidentia.
Gottßhaus
12 Schilling vor Acker
11 Gulden 17 Schilling Zinse vor 192 Gulden 8 Schilling.
Scharentin
Mengel
Nachdem der Pastor vor angesatzter Visitation eine Vorzeichnuß vbergeben waß etwa von den Leuitzowen vor vilen Jaren von den Kirchengutern entzogen Alß hat man dieselbe vor sich genommen vnd mit Arndt Leuetzowen der itziger Zeit ein Besitzer des gutes ist dauon vnterredung gehalten vnd die guter wider abzutretten begeret, Was er sich nun vff einen ieden punct erkleret, ist darbei vorzeichnet
1. Erstlich sey von seinem großuater Jacob Leuetzowen am lutken busche drey morgen Holtzes denn Pastorn entzogen.
Arndt Leuitzow hierauff geantwortet, daß ihm nichts dauon bewust sey, der Pastor habe ia den lutken Papenbusch noch. Hierauff der Pastor eingeredet Ja, Aber eß weren 3 morgen dauon abgenommen. Arndt Leuitzow beharrete bei seiner antwortt, daß ihm nichts dauon bewust were.
2. Zum andern, So solte der Kirchher vnd daß Gotteßhauß vormuge eines briefes im Lyntholte [Lindenwald] drey Hufen Holtzes haben.
Arndt Leuitzow R. [Responsio = Antwort] Er wisse nichts darumb, were sein tage nicht darumb angesprochen worden wisse auch nicht woe das Lyntholtz lige.
3. Sey es ein Vicarienhoff da Simon Leue wohne gehore zur Geistlicheit.
R. Arndt Leuitzow. Er wisse es auch nicht
4. Eine funff rute da der Dolgelinsche weg durchgehet habe dem Pastorn gehoret.
5. Noch eine funff rute die der alte Hans Sehman zu Trebelin auß der Heide gepflüget
6. Eine Järte bei der Windtmulen habe einer mit namen Hanß Koster etwa vom Pastorn in Hur [Pacht] gehabt, hernach sie Heinrich Leuetzow sein Arndt Leuetzowen Vater dieselbe angenommen vnd einmall alß Ao 24 [Anno 1524] die Hur außgegeben
7. Item Eine sechs rute bei der Windtmuhlen welche Marten Boytin ein Schmidt [Schmied] zur Hur vom Pastorn eingehabt, habe Heinrich Leuitzow auch an sich genommen
Vff dise 4. 5. 6. vnd 7. punct hat Arndt Leuitzow vorige antwort gegeben alß daß ihm nichts darumb bewust sey.
8. Zum achten, weren 2 ende Ackerß vor dem Dorffe beim Vosstucke [Fuchsstück] belegen genant die Blocke die ein Priester Er Nicolaus Schloueke gebrauchet vnd itziger Custer Achim Reberg von ihm in Hur gehabt. Arndt Leuitzow R. Er sey nicht darumb angesprochen, Sonst hette er solches vom Custer wol gehoret.
9. Zum neunden solle der Pastor von seinem Hofe 7 Scheffel Rogken Mißkorn haben vnd bekomme nur drey.
R. Er habe in der Handlung so zwischen ihm vnd Hertzog Caroln gepflogen worden dem Pastorn vff der Commissarien furbitte 3 Scheffel gewilliget, mehr sey er ihm nicht gestendig.
10. Eß were auch von seinem Vater Heinrich Leuetzowen seligen ein Kelck auß der Kirch vff den Hoff genommen, der auch zu restituiren [ersetzen]
R. Er habe wol dauon gehoret, Ihm aber sey nichts dauon bewust.
11. Zum eilfften, weren auch 2 Wurde [Grundstücke, die zur Pfarrstelle gehörten], so zwey seiner Vnderthanen alß Hanß Muntzel vnd Chim Eichhorst innehetten, vnd würde für die eine 12 Schilling, für die ander 4 Schilling gegeben, welches zu weinig were, derwegen sie zuuerhohen.
R. Er were dem Pastorn nicht mehr alß berurte 12 Schilling vnd dan 4 Schilling von gedachten Wurden gestendig.
Dise clage der Mangel hat der Pastor auß den vorzeichnuß seiner Antecessorn [Vorgän-ger] genommen deren abschrifften er vnß zur nachrichtung gegeben, alß erstlich eines Priesters Ern [Anrede für den Pastor „Ehren“] Nicolai Weidemanß der bei Zeiten Jacob Leuetzowen itzigen Arndt Leuitzowen großuaters daselbst im Ambte gewesen, so hiebei sub litera D. [Anhang D] zufinden. Zum andern ein Concept einer Supplication an E. F. G. [Euer Fürstlichen Gnaden] Hern Vater hochloblicher gedechtnuß die ihm ein priester alda Er Johan Moller vberreicht, darin er vber Heinrich Leuitzowen itzigen Arndtß Vatern wegen der entzogenen Pfargüter klaget, so hiebei sub lra E registriret. Darauff gemelter Priester ein geleidt erlanget sub lra F.
So hat vnß auch itziger Pastor vorgedachters Priesters Vorzeichnuß vbergeben, waß in desselben ankunfft vnd anwesenheit vor Pfaracker andern leuten zur Hur außgethan gewesen, sub lra G.
Vnter welchen Vorzeichnussen wir auch einen Vortrag gefunden Anno 1527 zwischen Heinrich Leuitzowen vnd dem Priester Er Johan Mollern auffgerichtet, darin vnter andern dem Pastorn daß Lyntholt vnd daß Papenbrock abgehandlet ist, sub litera H.
Zum dritten hat er vnß eine Vorzeichnuß eines Pastorn Ern Jochim Krogerß vbergeben der 22 Jar daselbst im Ambte gewesen, darin die beschreibung der zur Pfarren gehorigen güter auß vorgedachten Vorzeichnuß widerholet wirt vnd seind darin mehrenteilß die Mengel gesetzt die man itzo Arndt Leuitzowen hat furgehalten, so hiebei registriret sub litera I.
1. Souiel nun den 1 Mangel betrifft, wirt dessen in der Vorzeichnuß sub litera D. folio 1 facio 2. vom Pastorn gedacht, daß ihm Jacob Leuetzow 3 morgen Holtes oder mehr am lütken Busche entweldiget, mehr Berichtes wirt hieuon nicht gefunden, Ob aber der augenschein dessen auch nachweisung thue, konnen wir nicht wissen dieweil wir zur stedte nicht gewesen.
2. Die drey Hufen im Lindtholte belangendt wirt deren in der Vorzeichnuß sub lra D. folio 1 facio 1 gedacht daß der Pastor vnd daß Gotteßhauß daran mercklich vorunrechtet werden weil eß Jacob Leuetzow hat abhawen lassen. In derselben Vorzeichnuß fol: 2 stehet eine lawinische Copey der Donation [Schenkung] erwenten Holtzes. In der Supplication [Bitte] sub litera E folio 1 facio 2. wirt vber Heinrich Leuetzowen gleichßfalß geclagt daß er dem Pastorn daß Lyntholt vnd Papenbrock zugebrauchen vorbiete. In dem Vortrage sub litera H. folio 2. ists dem Pastorn abgehandlet mit disen worten. Vurder schall sick de Kerckherr entholden deß Lyntholtes vnd des Papenbrokes belegen by dem Sthenuorde [Steinfuhrt] vnnd darinne gar nichts thodonde hebben.
Dargegen aber hat itziger Pastor eingewendet daß der Priester Ern Johan Moller nicht macht gehabt ohne vorwissen vnd consens deß Patronen sich in einigen Vortrag einzulassen, der Pfarren zu nachteil die er in dieser forderung wollgegrundet sein vormeinet, weil die Donation furhanden. So werenß auch keine furstliche verordnete Commissarien gewesen so den Vortrag behandlet sondern nur erbetene freunde.
3. Zum dritten daß ein Vicarienhoff da gewesen erscheinet auß der Vorzeichnuß sub lra D. folio 1 facio 2. Item ein vortrage sub litera H. folio 1 wirt gedacht daß Er Johan Moller drey Vicarien voriagt habe.
4. 5. Die 4 vnd 5 mangel ist genommen auß der Vorzeichnuß sub litera 1 fol: 2,
6. Zum sechsten von der Järte bei der Windtmulen wirt in der Vorzeichnuß sub lre G gesagt das sie Hanß Koster in Hur habe. Vnd in der Vorzeichnuß sub litera J fol. 2. daß sie Heinrich Leuitzow angenommen.
7. Die sechs ruten belangendt, das sie Marten Boytin in Hur gehabt vnd Heinrich Leuetzow hernach bekommen stehet in der Vorzeichnuß sub litera G. vnd sub litera 1 folio 2 facio 2.
8. Der 2 ende Ackerß wirt in Supplicatione sub litera E gedacht daß Heinrich Leuetzow dafür 4 Schilling sundisch ierlichs geben solle. Folgendtß hat sie der itziger Custer Achim Reberg auch von einem Pastorn in Hur gehabt, vnd gestehet Arndt Leuitzow daß ihm solchs der Custer berichtet habe.
9. Daß der Pastor von Leuitzowen Hofe 7 Scheffel Rogken Mißkorn haben solle ist genommen auß der Supplication sub litera E. am ende, da der Priester domaln bereit geklaget, daß sie ihm furenthalten sein.
10. Daß auch von itzigen Arndt Leuetzowen Vater Heinrich Leuetzowen ein Kelck auß der Kirch genommen sey wirt in derselben Supplication gleichßfalß geklagt.
11. Von den 12 Schilling vnd 4 Schilling wirt gedacht im vortrage sub litera H. folio 2. alß daß Heinrich Lewetzow dem Kirchhern alle Jar geben soll 12 gute schillinge von dem wusten Katen belegen bei der Schmide. Wofern nun dieser Kate itzo von Hans Muntzel bewohnet wirt vnd die Wurdt darzu belegen ist welche Gunter Leuetzow nach außweisung der Copey so am ende der Vorzeichnuß sub litera D. zu finden, zur Pfarren gegeben dessen man sich bei den leuten deß orts liechtlich zuerkundigen, So wurde nicht vnbillich die Hur nach gelegenheit der Wurdt vom Pastorn gesteigert, sintemal dieselbe zur Pfarre mit aller herligkeit vnd gerechtigkeit ist gegeben worden. Von den 4 Schilling aber stehet in angeregtem Vortrage, daß er dieselben von Rauenß Katen alle Jar geben soll solange biß er den Heuptstull [Schuld] darauß loset derwegen es billig darbei bleibt.
Dieweil dan Arndt Leuitzow obangeregte Mengel zum meisten viel dergestalt beantwortet alß daß ihm nichts darumb bewust sey wir aber eß dafür halten daß deß orts ohne zweifel noch leute im Leben sein werden, die eß etwa noch gedencken oder ir zum weinigsten von ihren eltern berichtet werden sein, welcher gestalt obspecificirte grunde den Priestern entzogen vnd ohne das zu ferner Handlung ohne eingenommenen augenschein nicht kan geschritten werden. Alß stellen wir zu E. F. G. ob dieselbe zu entlicher richtigmachung angezogener Mengel etliche bequeme Personen verordnen wollen, die zur stedte zihen, den augenschein einnemen, bei den leuten der gelegenheit sich ferner erkundigen vnd wo muglich die Sachen entlich vorgleichen mugen.
12. Vber vorigt Mengel hat der Pastor auch nachfolgende angezeigt alß daß zu grossen Scharentin drey Kossaten nemlich Drewes Stuue, Peter Seeman deß Ambtß Newen Kalen vnderthane vnd Clauß Gilow Arndt Leuitzowen Man geben ihm kein Mißkorn, da ihm doch die andern Kossaten daselbst 1 viert geben.
13. So weren auch bei Arndt Leuitzowen Vaterß Zeiten zwey Bawhofe vorwustet, deren ieder 3 viert Rogken pflegen zugeben.
14. Zu Lutken Markow wohneten 4 Katenleute die auch kein Mißkorn geben, dauon 1 Christoff Leuetzowen die andern 3 Heinrich Leuetzowen zugehoren.
15. Zu Grossen Markow ist eine Capelle gewesen daselbst der Pastor eine Wise gehabt von 1 fuder Kleuerhew [Kleeheu] dafur Chim Wegener so noch am Leben, dem Pastorn ierlichs 8 Schilling zur Hur gegeben, Solche Wise haben die Bauren in die gemeine Hutung genommen. Diß Dorff gehoret Arndt, Heinrich vnd Christoffer Leuetzowen.
16. Gleichßfalß habe etwan der Pastor 5 rute Wischen zu Trebelin gehabt. Dieselben wie Hans Seeman wohnhafftig zu grossen Scharentin itzo berichtet were vorteuffet [vertieft], darumb sie in die Hutung gelegt worden, Dagegen ihme die Baurschafft eine andere Wise am Zermerfelde [Sarmsdorfer Feld] eingethan, dauon der Pastor das Hew werben lassen, welche vorgemelter Zeuge in seinen kindtlichen Jaren gesehen. Solchs Hews oder Wisen mangele itziger Pastor.
Dise mengeln wegen des Mißkorns vnd Wisen hewen wir mit der Bawren Herschafft alß Arndt, Christoffer vnd Heinrich Leuetzowen bereden sollen, Sie seind vnß aber vom Pastorn erst kundt gethan, wie die Leuetzowen von vnß abgeschieden, derwegen ihnen schrifftlich zubefelen sein will, daß sie in angezogenen Mengeln die Billigkeit beschaffen.“
Dieser Text ist vielleicht ein wenig schwierig zu lesen, erlaubt aber einen Einblick in die damaligen Verhältnisse. Die umfangreichen Anlagen D bis H können hier selbstverständlich nicht wiedergegeben werden.
Über einen Hexenprozeß schrieb Carl Voß um 1955 folgende Abhandlung:
"Am 7. August 1590 wurde Margarete Schorsowen aus Schorrentin angeklagt, allerlei Teufels- und Zauberkünste getrieben zu haben. Es folgt ihr Spruch beim Stillen von Zahnschmerzen: "De Worme sind nägen: de seute Worm - de grise Worm - de grawe Worm; alle de ick nich benömen kann. Nehmt ji Water in den Mundt und speyet de Worme up den Grundt. In nomine Patris et filio et spiritu sanctu (im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes)."
Dieser Margarete Schorsowen ward nun aus folgenden Gründen der Prozeß gemacht:
1. Daß sie sich dem Teufel mit Leib und Seele verschrieben habe; dagegen sich derselbe wieder verpflichtet, ihr alles, was ihr nötig, zu bringen, alles was sie befehlen würde.
2. Hätte sie den Teufel nach Dörgelin geschickt, um Eier und Geld zu holen.
3. Lawrenzen zu Dörgelin habe sie ein Pferd umbringen lassen; aus Ursachen, daß er sie geschlagen, darumb, daß sie ihm ein Schaf verhütet.
4. Dem Chim Euerds aus Warsow hätte sie auch eine Kuh umbringen lassen, aus Ursachen, daß er sie stets eine Hure und Zaubersche genannt.
5. Dann habe sie zu Warsow eine Ziege schorficht gemacht, dazu Wasser von unreinem Vieh gebraucht.
Diese fünf Punkte genügten, welche obengenannte Schorsow unter dem Einfluß der Marter aussagte, dieselbe für den Feuertod reif zu machen. Die vom Amt Nienkalden nach Greifswald übersandte Akte besagt, daß genannte Schorsowen nach aufgesetzten Daumenschrauben und gelinder Marter sich als Zauberin und Teufelsbeschwörerin bekannt habe.
So geschehen zu Wüstenfelde aufm Abend des 7. Augusti in dem Gewölbe zwischen den beiden Pfahlbrücken und dem Hause. In Gegenwart des edlen Mathias Schmeckers daselbst, sowie Jochim Lowtzow, sowie des Notar Turk Schreiber als Zeuge.
Und die Antwort aus Greifswald zu den übersandten Akten? Da bewußte Schorsow hat bekannt, daß sie sich dem Teufel verschrieben, auch andere gotteslästernde Sachen getrieben, daneben auch Zauberei begangen; daß sie deswegen mit dem Feuer vom Leben zum Tode soll gebracht werden."
Höchstwahrscheinlich wurde Margarete Schorsow dann in Neukalen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Aus den Jahren 1601 bis 1605 liegen im Landesarchiv Schwerin mehrere Aufstellungen zu einer sogenannten Türkensteuer vor. Wir können diesen Listen mehrere Namen von Schorrentiner Einwohner entnehmen:
Türkensteuer 1601
"Scharenntihnn
ß Pfg.
7 Clauus Hellm
3 6 Jacob Samowe
3 6 Pawell Trechowe
Türkensteuer 1602
"Scharentinn
R ß Pfg.
1 4 Vor 4 Huefenn die Bauwleute
sembtlich Cossatenn
3 6 Jacob Samow, senn. Pagell
Trechow, Müssens vor einen Katen gebenn,"
Türkensteuer 1603 + 1604 (gleich)
"Schorrentin
ß Pfg.
11 Clauß Helm Bawman
5 6 Jacob Samow Halbpfleger
5 6 Pawel Trechow Halbpfleger“
Türkensteuer 1605
"Scharentin Bawleutt
ß Pfg.
11 Clauß Helm
11 Jacob Samow halbpleg
Paul Trechow halbpleg
Kossaten vnd einlig
2 9 Geben die obgesatzten halbpleg vom Caten
2 9 Hanß Sehemann,
2 9 Hanß Schultt“
Noch einmal ist 1605 die Türkensteuer wie vorher notiert, aber dazu heißt es:
"Der Müller hatt biß anhero nichts gegebenn"
1611 waren in Schorrentin "1 Bawmann, 2 Koßaten, keine Einlieger" als Amtsuntertanen vorhanden. Im Jahre 1612 heißt es in einem "Vorzeichnus was zum Neuwenkalden von den Amptsvnderthanen zu der Kreyßhülffe ist eingefürdett wordenn" zu "Schorrentinn: Von einem Bawman so 2 Huefen hatt vnnd zween Koßaten 9 Sch. Vom Schaffer 18 Sch. 9 Pf."
Es gab also in Schorrentin immer weniger Bauern, die ihre Abgaben an den Landesherrn zahlen mußten; die meisten Bauernstellen waren inzwischen gelegt und gehörten zum adeligen Gutshof.
Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) brachte auch für die Einwohner Schorrentins viel Leid und Schrecken mit sich. Wie aus einer vom Herzog Adolph Friedrich am 10.11.1640 befohlenen Bestandsaufnahme des fürstlichen Amtes Neukalen hervorgeht, sah es in allen Dörfern des Amtsbereiches sehr trostlos aus. In Schorrentin wird es nicht viel anders gewesen sein. Jedoch liegen konkrete Angaben nicht vor, da zu dieser Zeit das Dorf und die Einwohner schon ganz zum Gutsherrn von Levetzow gehörten und deshalb in der Bestandaufnahme nicht besonders aufgeführt werden. Die letzten Amtsuntertanen waren im Krieg verschwunden.
Die fürstliche Amtsverwaltung hatte um 1630 in Schorrentin noch die Rechte über zwei unbesetzte Bauernstellen und eine Kossatenstelle. Die dazu gehörenden Grundstücke wurden zusammengefaßt und eine Schäferei mit einer Schafdrift [Weg für die Schafe] zu den Wiesen neu angelegt. Hier wurden etwa 300 Schafe gehalten. Die Schäferei unterstand dem Amtmann in Neukalen, welcher sie verpachtete. Sie wurde im Dreißigjährigen Krieg zum Teil verwüstet.
Über diese Schäferei, die wahrscheinlich südlich der Kirche in der Nähe des späteren Gutshofes lag, erfahren wir 1640:
"Folgt die Schafferey zue Schorrentin
In diesem Dorffe haben I. F. G. gehabt 3 Bawleute, so niedergelegt sein, vnd ist die Schäfferey dahin gebawt, welche in folgendem wüsten stande itzo befunden.
Das Wonhauß
Ist von 10 gebindt [senkrechte Ständer eines Fachwerkes], Ein New Zimmer, gekleimet, beide gibel oben gemeuret, Ist sehr ruinirt, alle Thüren wegk, an Einer seite alle wende, 3 Löesholtzer vnd 8 Bende ausgeschlagen. Aus der staube [Stube] ist der ofen vnd fenster wegk, das Dach ist in zimlichen stande, die faste [Firste] aber offen.
Die Scheune von 13 gebindt, vndt der schaffstal von 12 gebindt sindtt auch 2 Newe Zimmer, gekleimet die gibel oben gemeuret, alle Thüren sind wegk, etliche bende ausgeschlagen, das Dach ist zimlich, Ist vnten von Reutern etwas ausgerißen.
Die andern Bauren im Dorffe gehören den Leuetzowen zu.
Sonsten steht noch ein Spiker welchen die Beampten zum Newencalden dem Krüger zu Schorrentin kegen ein ende ackers, wie berichtet wirt, eingethan.“
1633 kam es zu einem Streit über die Schafdrift, diesen besonderen Weg zur Schäferei. Er führte wohl über den Acker des Herrn Levetzow und gefiel diesem nicht sonderlich. So beschwerte er sich auf dem Malchiner Landtag:
"Johann Crammon Vndt Hinrich Leuezow zue Schorrentin thuete bey obigem Landtage nachfolgender gestallt sich beschweren,
Das der F. heuptman zue Newenchalden auff dem Wendischen Schorrentin, eine newe Schafftrifft vnd hürtenlager anzuerichten, und von anderen Feltmarcken futter zue zuführen, schon hiebeuor einen anfang gemachett,
Weill aber die Wendischen Schorrentinschen auff der Teutschen Schorrentinschen Feltmarck gantz keiner huetung von alters befuegt gewesen, sich auch solcher huetung nicht angemaßet auch die Fürstl. Vnterthanen zue Wendischen Schorrentin nur bey 3 huefen vnd etzliche morgen und auff beiden der Wendischen vnd Deutschen Schorrentinschen Feltmarck in alles nur bey 4 huefen vnd Funffzehen morgen haben vnd dennnach solche newerunge denen bey Hinrich Leuezowen zue Schorrentin Verhandenen alten Verträgen vnd Fürstl. Confirmation sub dato Newenchalden den 13 Decembris Anno 1582 (krafft solcher Confirmation den Leuezowen aufm Wendischen Schorrentin, die Schafftrifft, wie von alters gebreuchlich verbleiben soll) wie auch dem gemeinen Landes gebrauch vnd altem herkommen zue wiedern,
Alß Johan Crammon Vndt Hinrich Leuezow die herrn Landt Räthe, Landtmarschallen vnd Ritterschaftl. dieses gravamen grosgönstigk erwegen und bey I.I. F.F. G.G. Vnseren gnedigen Fürsten vnd herrn, die befürderung thuen wollen, das solche newe schaff-trifft vnd hürtenlager auch insonderheitt von anderen Feltmarcken angestalte zuefuhr des Futters hinwieder abgethan, vnd sie und andere lehnleute darmit nicht muegen beschwertt werden,
Sölches sein sie vermuegens nach zuuerschulden geflißen, Datum Malchin den 26. Marty Anno 1633 L. L. G. G. Dienstwill“
Es wurde nun ein jahrelanger Rechtsstreit um die Schäferei geführt. 1652 hatten sich der Gutsherr Arendt Levetzow und der Amtmann Philipp Christoff Thun soweit geeinigt, die Schäferei gegen drei Bauernhöfe in Gehmkendorf auszutauschen. Obwohl bereits klare Regelungen getroffen wurden, kam es nicht dazu.
Um 1700 wandelte man die Schäferei in eine Meierei [Milchwirtschaft] um. Sie wurde weiter vom Amt Neukalen verwaltet und verpachtet. In einer Bestandsaufnahme von 1709 heißt es, daß sie keine gewisse Grenzen hat, sondern mitten im Schorrentiner adeligen Hof und Acker liegt. Zur Meierei des Pächters Jochim Költzow gehörten 1709: ein Wohnhaus von zehn Gebinden, wovon ein Teil als Viehstall eingerichtet war, eine Scheune, ein Schafstall, ein Schäferkaten, ein Hopfengarten, ein Küchengarten, eine Koppel mit Obstbäumen, zwei Sölle, in welchen aber keine Fische zu fangen wären, Ackerstücke in drei Schlägen und fünf Wiesen.
Die Streitigkeiten gingen weiter. Sie führten teilweise zu schlimmen tätlichen Auseinandersetzungen zwischen den Pächtern und der Gutsverwaltung und endeten erst 1757 mit der Gründung von Schönkamp.