Reinhold Dominka
Im Jahre 1933 in Bad Doberan geboren und dort aufgewachsen ist Reinhold Dominka. Seine Sportbegeisterung entwickelte sich schon von Kindesbeinen an. Er sog als Kind alles auf, was mit Sport zu tun hatte. Und als Reinhold dann auch noch lesen konnte, hing seine Nase nur noch über Bücher, die mit Sport zu tun hatten, sofern diese zur Verfügung standen. Sein Lieblingsbuch war “Olympia 1936“. Die Ergebnisse hatten sich in seinen Kopf eingebrannt. Und so kam es, dass eines Tages, auf Anfrage seines Kindermädchen (Pflichtjahrmädchen) nach seinem Berufswunsch, die Antwort Olympiasieger lautete. Für ein Olympiabuch hat es nicht ganz gereicht, aber für einen ausführlichen Artikel in diesem Heft langte es allemal. Denn Reinhold hinterließ sichtbare Spuren in Neukalen. Folgen wir nun seinem tatsächlichen Werdegang.
Das erste sportliche Erlebnis waren für ihn die Spiele zur Erlangung der Dreikampfnadel. Die drei Disziplinen waren Weitsprung, Schlagballweitwurf und ein Kurzstreckenlauf (je nach Alter 60, 75 oder 100 Meter). Turnen und Leichtathletik, die Ursportarten, hatten es ihm angetan. Ein betagter Arbeitersportler namens Herr Lange nahm sich den sportbegeisterten Jungs aus Bad Doberan an. Alle über 12 durften mitmachen. Sie wurden vorher von einem Arzt untersucht. Reinholds Bruder fiel auf Grund einer Krankheit durch. Reinhold dagegen, obwohl noch zu jung, durfte jedoch mitmachen. An diesem Tag erklomm er zum ersten Mal die Kletterwand. Herr Lange trainierte sie nach guter alter deutscher Art. Disziplin war oberstes Gebot und dann kam der Spaß auch nicht zu kurz. Es wurde in einer kleinen Turnhalle (ähnlich wie früher unsere im heutigen Bürgerhaus) im so genannten Ringbetrieb (Geräte in Kreisform aufgestellt) trainiert, und der Herr Lange gab mit einer Art Klapper immer den Takt an. Die Jungs waren so begeistert, dass sie sehr enttäuscht waren, wenn der Sport mal ausfallen mußte. Schrecklich die Erinnerung an 1945. Nach Ende des Krieges fand in Bad Doberan eine Trauerfeier für die im Krieg gebliebenen Sportler statt. Reinhold hatte sie Laufen, Springen und Handball spielen gesehen. Es war für ihn ein trauriger Moment. Einige Zeit später wurde der Herr Lange im Rathaus der Stadt angestellt und hatte somit kaum oder wenig Zeit für seine Jungs. Dann übernahm auch schon mal Reinhold zusammen mit seinem Kumpel das Zepter und die Jungs trainierten in Eigenregie. Hier wuchs in Reinhold die Entscheidung. Ich werde Sportlehrer!
Und als wäre das alles noch nicht genug, schaffte sich Reinhold noch ein zweites Standbein in jungen Jahren, er verschrieb sich auch noch dem Handball. Bad Doberan war damals, und ist es auch heute noch, eine Handballhochburg im Norden unseres Bundeslandes. Sie waren mehrmalige Ostzonenmeister. Die Erlaubnis Handball spielen zu dürfen war ein Weihnachtsgeschenk seines Vaters. Dieser war, verbittert durch den ganzen Krieg, eigentlich gegen den Sport. Er sagte immer: “Reinhold, Krieg ist wichtig, du musst Soldat werden!“ Aber sein Vater ließ sich erweichen und Reinhold spielte ab 14 Jahre bis zum 24. Geburtstag aktiv Handball. Sein letztes Jahr spielte er erfolgreich in Stavenhagen. Er fuhr mit dem Fahrrad nach Malchin und von dort mit dem Zug nach Stavenhagen und danach zurück. Mit Training und Wettkampf kamen dabei schon ein paar Kilometer zusammen. Hätte er das noch länger gemacht, wäre er wohl ein Mann für Max Kohnke geworden.
An ein Erlebnis erinnert sich Reinhold noch ganz besonders. 1945 wurden die Lager vom Reichsarbeitsdienst aufgelöst. Mit ein paar Kumpels wollte er, natürlich „unerlaubt“, dort stöbern. Die trauten sich nicht und so ging er alleine. Viele Sachen wurden einfach kaputt gemacht, damit sie ja nicht in die Hände der Sowjetarmee fielen, so z.B. sämtliches Schuhwerk und darunter besonders Turnschuhe. Denen wurden einfach die Sohlen durchschnitten und waren somit unbrauchbar. Aber er wurde trotzdem fündig. Reinhold nahm sich zukunftsweisende Dinge mit. Eine 5 kg-Kugel für Kugelstoßen, einen Diskus und einen 5kg „Hammer“ mit durchtrennter Kette. Diese und den damals noch fehlenden Griff, besorgte er sich Jahre später in Rostock. Diese drei Dinge begleiteten ihn in den Jahren als Jugendlicher, und er nahm sie später auch mit nach Neukalen. Und als Randnotiz, Reinhold hält noch den Neukalener Stadtrekord im Hammerwerfen. Geworfen 1957 hinter dem Sportplatz an den Judentannen. Die Weite ist hierbei uninteressant.
In der Schule war Reinhold auch nicht gerade schlecht. Er erreichte die 12. Klasse, aus der er aus privaten Gründen entfernt wurde. Da er aber nicht, wie viele andere in dieser Zeit, in den Westen wollte und auch das Abitur auf seiner Liste der zu erreichenden Ziele blieb, schaute er sich anderweitig um. Zunächst bekam er eine Lehrstelle in der Warnow-Werft. Noch bevor er diese antreten konnte, bekam er Bescheid von der ABF (Arbeiter- und Bauernfakultät). Dort hatte er sich für das Lehrerstudium Romanistik / Sport beworben. Dieses hätte er in Berlin antreten können, doch wollte er lieber in Rostock studieren. Nach einigem Hin und Her kam am 11.06.1953 der Bescheid, dass er in Rostock sein ABI und im Anschluss ein dreijähriges einfaches Sportstudium beginnen konnte. Da Sport allein als Fach nicht ging, nahm er später Russisch als zweites Fach. Das Wissen dafür eignete er sich damals zusammen mit Franz Drenk per Fernstudium in Güstrow an. Da der Franz damals schon einen Trabant besaß, war die Fahrt dorthin immer gesichert. Dies ging von 1960 bis 1964.
Im Sommer 1956 beginnt Reinhold seine Lehrerlaufbahn und seine Beziehung mit Neukalen. Eine Stadt, in der er sich sehr schnell wohl und zu Hause fühlte. Seine erste Bleibe hatte er in der Rektorstraße 26. Er ist der erste ausgebildete Sportlehrer an der Schule. Bis dato hatte der Sport eher ein Schattendasein. Junglehrer hatten über Schnellkurse der Sonderausbildungen die Befähigung dafür erworben. Vorbildlich sei hier Dieter Siebert erwähnt. Dieser hatte, trotz Fernstudium (Geographie) nebenbei, schon etwas aufgebaut. Was Dieter für die Schule gewesen war, hatte Kurt Albrecht mit seiner Sektion Geräteturnen bei der BSG Traktor Lelkendorf geschaffen. Diese übernahm Reinhold gleich nach seiner Ankunft. Der gute alte Kurt mochte nicht mehr und war froh darüber, dieses jetzt in junge Hände zu übergeben.
Reinhold staunte nicht schlecht, als zum ersten Training nur Mädchen dastanden. Es war zwar ein schöner Anblick, doch bat er darum, dass die Mädels doch ihre Freunde mitbringen sollten und eine Woche später waren dann auch die Jungs da. Die Älteren waren alle mit Begeisterung und dem nötigen Ernst dabei. Das färbte auf die Jüngeren ab. So war es möglich mit allen Klassen auch an Wettkämpfen auf Kreis- und Bezirksebene teilzunehmen. So gab es Vergleichswettkämpfe mit Stavenhagen, Malchin, Teterow oder Dargun. Die etwas Besseren gehörten zur Kreisturnerriege Teterow. So nahmen Eberhard Zingelmann und Reinhold Dominka selbst 1958 an Vergleichskämpfen mit Bad Segeberg in Trappenkamp und Teterow teil. Zu Bezirksmeisterschaften fuhren z.B. Adalbert und Emmerich Tonhäuser. Eine dieser Meisterschaften blieb auf Grund der abenteuerlichen Anreise in Erinnerung. Sie fand in Templin statt. Mal ging es mit dem Zug, mal per Anhalter. Und das Stück von Fürstenberg bis Lychow sogar mit einem „Sankra“ der Sowjetarmee.
Weitere Höhepunkte waren die jährlichen Schauturnen. Sie fanden nach größeren Elternabenden, zu Weihnachtsfeiern, Sportlerbälle und später auch als Programmfüller beim Gewichtheben statt. Austragungsort war zumeist der Saal in der Gaststätte Dahms (heute Diskothek). Das war schon aufregend für die kleinen Sportler vor so vielen Leuten ihr Können zu zeigen.
Es folgen Bilder vom Schauturnen 1956