Ewald Schwarz und Mechaniker Stübs.
Alfred Stübs, LKW-Fahrer beim Kraftverkehr, fungierte als erster Konstrukteur und Monteur zugleich. Er wollte bauen und durfte das in der Kfz-Werkstatt von Meister Wilhelm Schulz in Neukalen. Es wurden alte MZ RT 125 aufgekauft, egal ob intakt oder Schrott. Manfred Rahmel kannte in der näheren und weiteren Umgebung jeden Schrottplatz. Und wenn sich mancher damals gewundert haben mag, warum der Bus an ungewöhnlichen Stellen stoppte, einer wußte warum. Und dann kam auch VP-Obermeister Erhard Heidmann und ließ ganz beiläufig wissen, der oder jener habe sein Motorrad zur Verschrottung aus dem Verkehr gezogen. So hatten sie bald genug einsatzfähige Maschinen zusammengeschustert, und auch die 40 cm großen Spezialbälle fanden unter Schwierigkeiten doch den Weg ins noch unbekannte Malchin.
Am 6.10.1969 kam es in Stavenhagen dann zur Premiere für die Malchiner Motoballer. Gegner war das gestandene Betonwerkerteam aus Dresden. Die Elbflorenzer pusteten die "unerfahrenen" Gastgeber förmlich vom Platz und gewannen 11:0. Einen Tag später gab es vor 1200 Zuschauern in Malchin ein 10:0. Im "Mecklenburger Hof" in Stavenhagen, wo man sich stärkte, wurde den Dresdnern gesagt: "Mit euch geht das ja schon ganz gut" - aber zu den Malchinern geblickt: "Doch was wollen die Schuljungen hier?" Die Ergebnisse und der Begriff "Schuljungen" weckten den Ehrgeiz der Burschen noch mehr.
Es verfloß auch gar nicht so viel Peenewasser bis zum ersten Erfolgserlebnis der Newcomer. Am 25.10.1969 feierten sie einen grandiosen 6:0 Sieg über die ASG Berlin Karlshorst. Angriffsspieler Klaus Lange eröffnete damals den Torreigen für die Malchiner. Selbstbewußter geworden, gaben sie nun ihre Teilnahmemeldung zur 2. DDR-Liga ab. Malchins Flotte wuchs, brauchte und suchte ein Meer zum Segeln. Ein neues Problem. Wer regierte den Sport in Malchin, na klar König Fußball. Und der hatte sich auch auf dem Hartplatz an der Warener Straße eingenistet, auf den die Motoballer so scharf, aber auch zum Teilen bereit waren. Anfangs führte da sozusagen kein Motoball - Weg über das Fußballfeld. Bis Bürgermeister Willi Autenrieb die Sache in die Hände nahm. Und siehe da, von diesem Zeitpunkt an spielten sie sich ein, die Fußballer, die Motoballer und der Schulsport. Und weil die Motoballer die PS - Kräftigsten sind, ebnen sie den Platz nach jedem Spiel. Und bald sagte man: "Wir hatten in Malchin noch nie ein so gutes Spielfeld". Also bitte.
Als Motoballkind begann Malchin den Punktspielbetrieb 1970 in der 2. Liga und mußte erst einige Paar Schuhe austreten, um auf eigenen Füßen stehen zu können. Das ging nicht nur im Spielgeschehen, sondern mußte schon im Training geübt werden. Aber ständig Motorenlärm nach Feierabend in der Stadt? Man entsann sich eines ehemaligen Reitplatzes am Hainholz, etwa zwei Kilometer außerhalb. Der sportfreundliche Rat der Stadt schenkte ihn den Motoballern als Trainingsplatz. Dieser wurde in vielen tausend Stunden nach und nach ausgebaut. Das Jahr 1970 wurde mit dem 3. Platz abgeschlossen. Weil die zweite Mannschaf eines Klubs nicht aufstiegsberechtigt ist, kam Malchin gemeinsam mit Radebeul ins "Oberhaus" - sprich 1.Liga. Die ganze Sache erforderte nun doch einen "Spezialklub". Nun wurde das Jersey, das der MC Malchin trug, zu eng. Punktspiele in der ganzen Republik, Materialfragen, geregeltes Training, Verkehrserziehung, Touristik, Rallysport und eine Frauen- und Jugendgruppe. Das war zu viel Programm. Die Freunde des Motoballsportes trennten sich von ihrem Mutter-Klub und bildeten, 27 Mann (unter ihnen viele Neukalener) stark, den MC Kraftverkehr Malchin. Dem besonderen Engagement des damaligen Betriebsdirektors des VEB Kraftverkehr Malchin, Günter Großkopf, ist es zu verdanken, daß dieses bereits im Januar 1971 möglich wurde. Nun waren die Spezialisten unter sich. Vorsitzender wurde jener Günter Großkopf, Geschäftsführer war Manfred Zarembik, Trainer und Mannschaftsleiter Manfred Rahmel und für die Öffentlichkeitsarbeit war Karin Fröhlich verantwortlich. Ein Stern begann aufzusteigen, und am Ende der Saison steht ein vierter Platz in der Eliteliga der DDR. Auf dem Gelände des Kraftverkehrsbetriebes ist aus Beton-Altteilen eine Werkstatt entstanden, in der jeder Motoballer wirken darf oder besser wirken muß, um Neues zu bauen und bei Spielen Ramponiertes zu reparieren. Nur an das Zurichten der normalen Serienmotoren für den Motoball-Einsatz geht keiner. Das ist Geheimnis und Vorrecht von Chefmechaniker und Lehrmeister Uwe Schmiedeberg, der in der Lehrwerkstatt nach Feierabend die Pferde zum Wiehern bringt. Ihm zur Seite stehen mit Joachim Glöde, Hans Goldenbaum und Alfred Stübs erfahrene Leute. So ganz nebenbei wurde auch erwähnt, daß in dieser Werkstatt bereits 1972 ein auf Elektroantrieb umgebauter Wartburg als Fahrschulwagen entwickelt wurde. Manfred Zarembik war der Herr der Zahlen und Fakten. Er wußte zu jedem Spieler immer auch die entsprechenden Daten. Manfred Rahmel wußte sie auch, aber mehr auf die praktische Art. So kannte er von seinen zehn Stammspielern (Karl-Heinz Mieckley, Klaus Gieseler, Ulrich Suhr, Georg Kaps, Dieter Duglinski, Peter Gieseler, Peter Kaps, Gerhard Stübs, Ralf Wascher und Theodor Körner) selbst das kleinste sportliche Detail. Jeden Mittwoch trainierten sie in der Halle, um die Kondition zu fördern. Jeden Sonntag, gleich ob Sommer oder Winter, ob Sonne oder Schnee ging es auf den Trainingsplatz im Hainholz, um dort die Gewöhnung an das Motorrad zu schulen. Das galt ab 1973 auch für die sich um Jochen Krüger und Hanning Glasow formierende zweite Mannschaft, und nicht zu vergessen die 12- bis 16jährigen die mit der guten alten RT zu üben beginnen. Auch in dieser Altersklasse spielten schon einige Neukalener, wie z.B.: Leo und Dieter Reetz, Volker Gamm und Peter Waschk. Das war die Arbeit von Manni, wie sie ihn oft nannten. Ein Journalist schrieb einmal über ihn ganz treffend: "Alle seine Bewegungen, selbst wie er die Mütze abnimmt und zur Seite legt, verraten Gelassenheit, zeigen, wer sich ihm anvertraut, der ist in guten Händen, kommt ans Ziel, wie der Bus, den er täglich chauffiert. Manfred Rahmel ist der Motoballer von Malchin, er ist eben der Vater des Ganzen. Nur wahrhaben will er es nicht, zu bescheiden."
Die 4 x 20 - Minuten - Jagd auf den mit 250-ccm-Motoren ausgerüsteten Maschinen (Spritverbrauch ca. 30 Liter je Motorrad) nach und mit dem Ball, der 1000 Gramm Gewicht nicht überschreiten darf, hat die Malchiner fasziniert. 1250 Zuschauer kamen im Schnitt zu den Heimspielen, und bis zu 300 Schlachtenbummler fuhren mit Sonderbussen und PKW zu entscheidenden Auswärtsspielen. Zu internationalen Vergleichen (z.B. 1973 gegen den international erfahrenden UdSSR -Meisterschaftsdritten Riga) und bei Länderspielen kamen bis zu 5000 Zuschauer in die Arena.
1972 gelang dann zum ersten Mal der große sensationelle Wurf. Der MC Kraftverkehr Malchin wurde - ohne auch nur einen einzigen Punkt abzugeben (20:0) und mit nur zwei Gegentreffern (46:2) - DDR-Meister. Nicht genug damit, siegten die Mannen um Manni Rahmel auch im Endspiel des von der Redaktion "Illustrierter Motorsport" gestifteten Pokals.
Der Durchbruch war geschafft. Bis 1975 blieben sie ununterbrochen die Nummer eins im Land. Viermal holten sie auch den Pokalgewinn, letztmalig 1981. 1974 beauftragte der ADMV den MC Kraftverkehr Malchin mit der Durchführung des ersten Trainingslager für die neu gegründete Nationalmannschaft. Die besten Spieler des Landes, unter ihnen Georg und Peter Kaps, Peter Wascher und Peter Gieseler aus Malchin, trafen sich im Ferienlager Neuhäuser bei Basedow. Ein Höhepunkt für alle Sportfreunde war das Übungsspiel der Nationalmannschaft gegen das Team des MC Kraftverkehr. Die Mannschaft des Gastgebers war auf dieses Spiel gut vorbereitet und kämpfte vor 4000 Zuschauern mit großem Einsatz. Die "eigenen" Leute sorgten für den 3:1 Sieg der Landesauswahl. Weitere Spieler, z.B. Karl-Heinz Mieckley und Klaus Gieseler schafften später den Sprung in die Elitetruppe. Mit Alfred Stübs, Roland Volkmann und Günter Herbst besaß Malchin drei hoch anerkannte Schiedsrichter. Einige Spiele fanden auch auf dem Neukalener Sportplatz an den Judentannen statt; so 1977 gegen Apolda vor gut 2500 Zuschauern, unter ihnen ein achtjähriger Junge der Ihnen heute diese Geschichte aufs Papier brachte.
Ende der siebziger Jahre kam dann der große Generationswechsel in der Mannschaft, der den Siegeszug der Rahmel - Schützlinge etwas bremste. Die "Kaps" und "Gieseler" waren nicht voll zu ersetzen. Jedoch sind vier Vizemeistertitel, dritte und vierte Plätze bis 1989 Beweis für die damalige Spitzenstellung der Malchiner Motoballer mit "Neukalener Ursprung".
Manfred Rahmel ist seinem Hobby bis heute treu geblieben. Noch heute sieht man ihn auf unterschiedlichster Weise auf zwei Rädern durch die Stadt und übers Land fahren. Mit Leib und Seele Motorsport!