Schauheben in der Konsum-Gaststätte Dahms, um 1962,
links: Klaus Buttgereit, rechts: Hugo Meilke.
1964 wurde Hugo Meilke auch zum letzten Mal Bezirksmeister im olympischen Dreikampf Seniorenleichtgewicht. Danach blieb er nur noch als Trainer aktiv. Gewichtheben wurde jetzt populär in der Umgebung. Die interessierten Jungs wurden jetzt jünger. Viele ältere brachten ihre kleinen Brüder mit zum Sport. So entstand um 1964/65 die so genannte 2. Generation. Im Jahr 1966 gab es zum Beispiel vier Brüderpaare in der Trainingsgruppe: Horst und Klaus Henke, Dieter und Willi Golz, Karl-Heinz und Manfred Mickley, Dieter und Jürgen Schütze. Später kam noch ein fünftes hinzu mit Volker und Eckard Hinzpeter.
Trainiert wurde zweimal die Woche. In den Spitzen- und Wettkampfzeiten, und das war oft, traf man sich viermal die Woche. Trainingsort war das heutige Bürgerhaus, die damalige Sporthalle und auch oft Festraum. An notwendiges Trainingsmaterial heranzukommen war in dieser Sportart natürlich besonders schwer. Wie auch heute halfen da gute Kontakte. Diese besaßen Hugo und Werner. Da gibt es die Geschichte mit Herrn Rommiger, damaliger Kreisvorsitzender des Sportbundes, der den beiden bei der Beschaffung einer 850,- Mark teuren Schwedenhantel, die eine „kleine“ Weltreise hinter sich hatte, half. Ansonsten wurde viel improvisiert und, da man ja Schlosser gelernt hatte, alleine gefertigt. So manche Gerätschaften, wo andere Klubs viel Geld für ausgaben, wurden in der Werkstatt der MTS in Lelkendorf gefertigt. Die Fahrten zu den vielen Veranstaltungen und Meisterschaften erledigte man mit dem Barkas oder dem Aufbaubus, ebenfalls von der MTS zur Verfügung gestellt. Und es ging oft weit weg: Zittau, Magdeburg, Leipzig, Meißen, Berlin oder Markleeberg, um nur die weiten Strecken zu nennen.
An dieser Stelle müssen unbedingt die Mütter der Jungs genannt werden. Sie waren das Sprachrohr der Sektion, sie machten die "Propaganda". Sie suchten Sponsoren, sprachen mit den Geschäftsleuten, mit den noch vorhandenen freien Bauern und auch mit der Staatsmacht. Sie organisierten viele Wettkämpfe in Neukalen. Diese fanden zahlreich im heutigen Gasthof statt. Und Dank der guten Leistungen der jungen Heber und des schnellen Mundwerkes der Mütter waren die Wettkämpfe fast immer ausverkauft.
Zurück zur 2. Generation. Bis auf zwei bis drei ältere Sportler war es jetzt richtige Jugendarbeit. Horst Schelän taucht jetzt als so genannter Co.-Trainer auf. In den Bereichen Jugend A, B und C sowie Kinder A entwickelte sich Lelkendorf zu einer Hochburg des Gewichthebens in der DDR. Ein sehr erfolgreicher Jahrgang. Auch die überregionale Presse wurde jetzt auf Lelkendorf aufmerksam. Alle grösseren Zeitungen der damaligen Zeit besuchten das Training der Meilke-Gruppe. 1965 fand sich Hugo sogar auf der 1. Seite der Jungen Welt wieder. Ein Jahr später widmete die Freie Erde eine halbe Seite den Gewichthebern aus Neukalen. Auf deren Gruppenfoto ist schon so manches Talent späterer Jahre zu erkennen. Aus dieser Gruppe schaffte auch einer den Sprung ganz nach oben. Erhard Langhoff wird 1965 Vize-DDR-Meister im Mittelgewicht Jugend B. Ein ganz grosses Talent. Bereits mit 14 Jahren brachte er im Stoßen 95 Kilogramm zur Hochstrecke. Da ließen die anderen nicht lange auf sich warten. Über den Umweg Neubrandenburg ging es dann zum TSC Berlin, wo er auch im Männerbereich zur Medaillenehre kam. Eines verband sie aber alle. Die Freude am Gewichtheben und der Fleiss, den ihnen Hugo Meilke vorlebte. Und Erfolge gab es bei fast allen zu feiern. Kreis- und Bezirksmeistertitel heimsten sie zu Hauf ein, ob nun Karl-Heinz Mickley oder Fritz-Gerhard Behrendt. Sie standen in ihren Gewichts- bzw. Altersklassen auf Platz l im Bezirk. Aber auch alle anderen, hier erwähnt oder nicht, der Trainingsgruppe waren mit grossem Eifer dabei. Höhepunkt dieser Generation war die Bezirksspartakiade im Jahr 1968. 39 mal Gold holten die Lelkendorfer Heber in Neubrandenburg, von den unzähligen guten Platzierungen wollen wir gar nicht anfangen.
Zeitungsartikel "Junge Welt" vom 21.6.1965: