Ausschnitt aus der Schmettau - Karte von 1788.
Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts teilte man die Neukalener Feldmark noch in drei Schläge ein: Werderschlag, Warsower Schlag und Salemer Schlag. Als der Werder jedoch seine Bedeutung als Ackerland verlor und zum Weideland wurde, nannte man die Ackerstücke am Lelkendorfer Weg Lelkendorfer Schlag. Zum Werder führte der Werderweg. Er ist mit Bildung der großen Ackerflächen in den 60ger Jahren unseres Jahrhunderts verschwunden.
Eine sehr anschauliche Beschreibung über die Teichweide liegt aus dem Jahre 1818 vor, als der 76jährige Schneidermeister Heinrich Stüdemann - als alter Neukalener Einwohner - befragt wurde und berichtete:
"Was ihm von dem Wasserstande hier bei Neukalden aus früherer Zeit wissend sey, sey folgendes
Vor Erbauung der Windmühle habe hier vor dem Mühlenthor eine Wassermühle gestanden, welche vor ohngefähr 50 bis 52 Jahren abgebrochen sey. Bis zu dieser Zeit wären die Plätze, welche jetzt mit den Nahmen, im Teich, Kronswiese, Ükerbruch, Torfmoor, Mühlenwiesen, Eschwerder, Mühlenbruch, Werderbruch, und Gänsewinkel belegt würden alles ein See und Rohrplagen gewesen, das Rohr sey zur Winterzeit unter Aufsicht der Viertelsleute von Stadtwegen geworben, und nachdem die Stadt diese Werbung vollendet, sey es der Bürgerschaft frei gegeben, eine Nachwerbung zu halten. Die Stadt habe ihr geworbenes Rohr, welches die Bürger nach vorheriger Ansage unentgeldlich werben müssen, nach der umliegenden Gegend hin verkauft - der jetzige Werder sey vor und nach dem 7jährigen Kriege als Holzweide für die Ochsen benutzt, es hätten sehr viele büchene Bäume darauf gestanden, welche nach dem 7jährigen Kriege zum Besten der Stadt verkauft worden wäre, um daraus die Schulden des Krieges zu bezahlen. Nach Abräumung des Holzes sey derselbe in Ackercaveln gelegt, und meistbietend verpachtet, jetzt aber vor etwa 5 Jahren der Weide wiederum beigelegt worden. Wie die Wassermühle gelegt worden sey, sey der Wasserstand so niedrig geworden, daß das Rohr und Weidebusch, welches auf den vorbezeichneten Plätzen gestanden, habe ausgeradet werden können. Am Ackerholz habe das Wasser im Frühjahr bis an den Acker gestanden, und selbst die wenigen Eichen, welche noch am Saum des Ackers ständen, seyen zuweilen umflossen gewesen. Weide hätten sie hier nicht weiter gehabt als was die jetzige Pferdekoppel und die sogenannte schwarze Erde sey - zuweilen bei schlimmen Wetter hätten sie das Krause Eichenbruch und das Weidekoppelbruch benutzt. Er selbst habe das Rohr im Stadtdienste mit werben helfen und daher könne er diese seine Aussage als der Wahrheit gemäß erforderlichen Falls eidlich erhärten."
Hierzu ergänzte der 67jährige Bäckermeister Heinrich Schröder u.a.:
"... Alle übrigen genannten Stellen, auch das sogenannte Schüttland, wären zum Theil mit Weiden, Ellerbusch und Rohr bewachsen gewesen, es habe nie Vieh dort geweidet werden können, und bis zur Legung der Wassermühle hätte die Stadt eine bedeutende Rohrwerbung*) gehabt.
Bey dieser Rohrwerbung, welche unter Aufsicht der Viertelsleute und vorheriger Ansage durch die Bürger unentgeldlich geschehen, hätten sie dicht bey der Wassermühle angefangen, und bis zum Werder hinauf Rohr geschnitten, und nachdem die Stadt die beßten Stellen Rohr geworben gehabt, wäre die Nachwerbung den Bürgern zur eigenen Benutzung frey gegeben. Nach und nach hätte sich das Rohr verlohren, und da wäre denn das Busch ausgeradet und alle benannten Stellen zu Wiesen und Weide gemacht."
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist also die große Peeneniederung westlich der Stadt nach und nach trockengelegt und das Strauchwerk ausgerodet worden. Die Wiesen wurden zum Teil städtischen Angestellten zur Verfügung gestellt. So hatten um 1837 die vier Viertelsleute jeder eine Wiese in den "Krohnswiesen", der Postmeister einen Teil der "Mühlenwiese", die vier Ausschußbürger teilten sich die "Häfenwiese" und der Rat besaß die "Barkplage". 1842 erfolgte die Ausrodung und Urbarmachung des "Mühlen-" und des "kleinen Werderbruches".
1845 heißt es in einer Beschwerde der Bürgerschaft:
"Der Werder ist zur Hälfte auf 4 Jahre verpachtet gewesen, die Pachtzeit ist im vorigen Jahre abgelaufen, und dagegen ist die andere Hälfte des Werders wieder verpachtet, aber keineswegs ist dafür Sorge getragen, daß die erste, aus der Pacht gekommene Hälfte wieder mit Klee, oder Grassamen besäet worden, der ganze Raum ist so kahl, wie eine Lehmdiele und unsere Kühe müssen darunter leiden, indem sonst die Weide dort denselben am behülflichsten war, und aber gar keine trockene Weide für sie da ist, was bei eintretender passiver Witterung unsere Not noch erhöhen würde."
1848 sprach sich die Bürgerschaft dafür aus, das gesamte Gebiet zu einer großen Koppel einzuhegen. Neben den beiden anderen Koppeln am Kummerower See standen nun den Neukalenern Ackersleuten insgesamt drei ausreichende Koppeln zur Verfügung, in welchen Pferde und Füllen nach Belieben der Besitzer weideten. Die Kühe wurden abwechselnd auf den Koppeln untergebracht. Jedem Bürger stand es damals frei, seine Kühe in der Koppel übernachten oder vom Hirten in die Stadt treiben zu lassen. Bis heute ist dieses Gebiet dann beweidet worden.
Geht man vom "Kuhdamm" her über den Bahnübergang auf die Weidefläche, so sieht man links den "Preistergraben", welcher für die Entwässerung der Weide gezogen wurde. Nach einigen hundert Metern erreicht man den Melkstand, welcher auf einer halbinselartigen Anhöhe, dem sogenannten "Hanswinkel" eingerichtet wurde. Dahinter befand sich noch bis vor etwa zwanzig Jahren eine sumpfiger Stelle. Das war das "Ükerbruch". Es wird schon im ältesten Stadtbuch 1399 ("Vkerbruk") genannt. "Ücker" ist ein slawischer Gewässername. Gleich neben dem "Ükerbruch" befand sich ein Teich, der in alten Schriften als "der Teich" bezeichnet wird und nach welchem das Gebiet noch heute "Teichweide" genannt wird. Umsäumt wurde er von der "Ükerbrincksweide".
Weiter westlich, neben der Bahnlinie, ragen zwei mit Eichen bestandene kleine Hügel aus der Niederung. Es ist der große und der kleine "Horst".