Unterschrift Dr. Willgohs 1840.
In seiner Amtszeit gab es größere Cholera-Epidemien, so 1832.
1848 sollte das Haus des Maurergesellen Penzlin für den Fall, daß die Cholera auftritt, entsprechend eingerichtet werden. Im Protokoll der Ratssitzung vom 2.9.1850 ist zu lesen:
"Von Magistrats wegen hatte man bereits nach Vorschrift des Ministerial Erlasses vom 24 v.M. nach den betreffenden Localitäten zur Einrichtung einer Kranken Anstalt Nachforschungen angestellt, jedoch kein günstiges Resultat bisher erhalten können, weil passende Wohnhäuser hier nicht zur Disposition gestanden.
Man sprach mit den Bürgerrepraesentanten über die vorseyende Angelegenheit und ging die Ansicht dorthin, daß die Einrichtung der Kranken Anstalt außerhalb der so dicht bebaueten Stadt für den Gesundheitszustand im höchsten Grade wünschenswerth erscheinen dürfte.
Vor dem Malchiner Thor ohnfern der Stadt hat der Kaufmann Köhler ein großes Gartenhaus nebst Anbau, welches sich zur Kranken Anstalt am besten qualificiren würde, wenn daselbst die erforderlichen Einrichtungen getroffen würden.
Herr Doctor Willgohs als Kunstverständiger erklärte, daß er kein besseres Local am hiesigen Orte wüßte. Der Kaufmann Köhler wurde herbei gerufen und erklärte sich zur Hergabe des Gartenhauses pp bereit worauf sich mit ihm der Herr Senator Dr. Willgohs, der Stadtsprecher Bruger und der Cämmereybürger Matz zu dem Gartenhause begaben, um an Ort und Stelle die behufigen Einrichtungen zu verabreden.
Nach der Rückkehr derselben wurde mit dem Kaufmann Köhler nachstehende Vereinbarung getroffen.
1. Der Kaufmann Köhler überläßt von jetzt vorläufig bis zum Mai 1851 sein Gartenhaus nebst Kegelstube, überhaupt sämmtliche Localitäten, auch den Garten selbst jedoch ohne die darin befindlichen Früchte der Stadt um daselbst eine Kranken Anstalt einzurichten.
2. Herr Köhler läßt die erforderlichen Einrichtungen auf seine alleinigen Kosten herstellen und zwar jetzt sofort aus der großen Stube zwei kleine Krankenzimmer und aus dem Kegelhause ein Wärtezimmer einrichten, auch die nöthigen Oefen fordersamst setzen.
3. Sollte es erfordert werden, so übernimmt Herr Köhler imgleichen aus der übrigen Localität der Kegelbahn noch ein großes Zimmer auf seine alleinige Kosten einzurichten.
4. Sollte wider Erwarten im Frühjahr die Cholera noch grassiren, so giebt Herr Köhler das Local auch noch länger her und zwar für das Sommer halbe Jahr gegen eine Miethe von 30 Rthlr.
5. So lange das Locale für Kranke nicht benutzt wird, behält Herr Köhler die Disposition über dasselbe.
6. Als Miethe zahlt von jetzt bis Ostern die Stadtcasse 40 Rthlr. und zwar 20 Rthlr. sogleich wofür Herr Köhler die nöthigen Einrichtungen machen lassen will, die übrigen 20 Rthlr. zum 1 Mai 1851.
7. Ueberhaupt unterwirft sich der Kaufmann Herr Köhler den Anordnungen des Baudepartements in jeder Beziehung und hat hiernach die behufigen Bau Einrichtungen zu treffen.
Vorstehende Vereinbarung wurde verlesen, genehmigt und dem Kaufmann Köhler eine Abschrift davon zugesichert.
Man sprach nun weiter über die erforderlichen Utensilien als welche nachstehende in Bereitschaft zu halten wären.
1. 3 einschläfrige Bettstellen mit Madratzen, den nöthigen Bettlaken, wollenen Decken, eine Badewanne und 2 Steckbecken, was die kleineren übrigen Gegenstände anbetrifft, so bemerkte Herr Dr. Willgohs dieserhalb ein Verzeichniß einreichen zu wollen.
2. sollen vorläufig eine Wärterin und zwei Wärter angenommen werden, um bei den hereinbrechenden Unglück sofort eintreten zu können. Ueberhaupt wurde dem Herrn Dr. Willgohs der Auftrag ertheilt, das Nöthige der Kranken Anstalt unter Zuziehung des Baudepartements fordersamst anfertigen zu lassen, so wie auch die Krankenwärter und Krankenwärterin anzunehmen."
1859 lesen wir: "In Neukalen trat wiederum die Cholera auf, jedoch nicht so heftig wie in anderen Orten. In Gnoien gab es sehr viele Choleraerkrankungen, und die Not war groß. Es starben dort bis zum 12.9.1859 309 Personen. In Neukalen wurden 96 Rthlr. 40 Schilling zur Unterstützung in Gnoien gesammelt."
Karl Voß schrieb über die Choleraseuche:
"In den Jahren 1856 - 1859 - 1860 wütete die asiatische Cholera auch besonders stark in Mecklenburg. Besonders in der Umgegend von Neukalden, so z. B. in Dargun - Malchin - Gnoien - Teterow, hat dieselbe viele hundert Opfer gefordert. Auch in unserem kleinen Heimatort sind einzelne Fälle vorgekommen, doch sind nur zwei Todesfälle hier am Ort zu beklagen gewesen. Es wurde in genannten Jahren auch der ernstgemeinte Versuch gemacht, ein Krankenhaus zu erbauen. Es war auch schon der Ort dazu bestimmt. Doch ist es nichts damit geworden. Statt dessen wurde eine leerstehende Wohnung gemietet von zwei Stuben nebst Küche. Es fehlte auch in besagter Wohnung an Herden und Öfen, doch tröstete sich die Commission damit, daß die Seuche meistenteils im heißen Sommer am heftigsten auftrete und man allsdann nicht zu heizen brauche. Im übrigen empfehlen sie die Einwohner der göttlichen Gnade, daß er die drohende Gefahr allergnädigst von ihnen abwenden möge. Nachdem 1860 die Seuche erloschen war, ist der Bau eines Krankenhauses dann wieder in Vergessenheit geraten."