So etwa könnte des Malchiner Tor ausgesehen haben.
Doppelturmanlage: Zwei runde oder halbrunde Wehrtürme flankieren das Tor.
Zinnenkranz: Die Turmspitzen besitzen offene Wehrgänge mit Zinnenschutz.
Spitzbogentor: Ein großes, hölzernes Haupttor mit gotischem Spitzbogen.
Fensteröffnungen: Schmale, hochgelegene Spitzbogenfenster dienen der Verteidigung.
Das grobe Fundament aus Feldsteinen geht in ein glatteres Mauerwerk über.
Das Hauptgebäude schließt mit einem hohen Ziegeldach ab.
1809 waren die Stadtoberen mit dem Zustand und dem Standort des alten Tores nicht mehr zufrieden:
"Actum Nienkalden in consessu Senatus den 20sten Januar 1809 in Gegenwart
des Herrn Bürgermeisters Wachenhusen,
des Herrn Senatoris Doctoris Carow,
des Herrn Senatoris Dolberg
und in Beyseyn
der beyden Stadtsprecher Clasen und Stüdemann
der Viertelsleute Jacob Zarpentin, Dan. Lübcke, Rudolph Fischer und Joh. Anders.
der Cämmerey - Bürger Friedr. Bremer und Johann Rost
der Ausschußbürger Joach. Krüger, Hinr. Kasch, Jacob Busch und Hinr. Sontag
et mei subscripti
In der heutigen Versammlung wurden Magistratswegen folgende Puncte zur Berathschlagung gebracht:
1. sey bekanntlich das Malchinsche Thor dem Einsturz nahe und müsse sobald gelindere Jahreszeit es gestatte wegen der drohenden Gefahr abgebrochen werden, so wie es sich nun von selbst verstehe, daß an dessen Stelle ein neues zu erbauen seyn würde, so werden über diesen nothwendig bevorstehenden Bau, über die Bauart des neu zu errichtenden Thores und über den dazu erforderlichen Kosten das Nöthige zu beschliessen seyn.
2. Da die bisherige ziemlich weite Entfernung der Thorwärter Bude von dem Thore nicht nur die Wartung dieses Thores sehr erschweret, sondern auch manche andere Unbequemlichkeiten für durch paßirende Reisende nach sich gezogen habe, überdies aber auch das bisherige Thorwärter Haus da es von 2 Etagen sey, seinem Zweck nicht entspreche, vielmehr die Wohnung eines Thorwärters ein so großes Gebäude auf keine Weise erfordere, mithin durch die Hergabe dieses mehr als nöthig großen Gebäudes die Stadt jährlich einen ansehnlichen Verlust erleide, so werde bey dieser Gelegenheit zugleich ein Beschluß darüber zu nehmen seyn ob man nicht das neue Thor weiter hinaus rücken, demnächst an beiden Seiten desselben neue Thorbuden erbauen und die bey den ältern Thorbuden demnächst verkaufen wolle. Hierdurch würde die Stadt nicht bloß den größeren Werth der beiden älteren Thorbuden, besonders der Thorwärter Wohnung profitiren, sondern auch noch überdies einige demnächst mit Vortheil verkaufende Bauplätze gewinnen, und ausserdem noch hinlänglichen Platz für zu erbauende neue Gefängnisse an denen es hier gänzlich mangle und für welche ohnedies ganz nothwendig ein Platz ausgemittelt werden müsse, übrig behalten.
Wie nun der Magistrat diese wichtige Angelegenheit zur gemeinsamen Beschlußnahme vorstelle, so müsse er auch dabey bemerken, daß es zur Erreichung seines Endzwecks nothwendig seyn werde, die auf der Eingangs linker Hand des Thores belegenen der Stadt nicht gehörigen Plätze, nämlich den Garten der Stadtsprecher Wittwe Sontag und den sogenannten Organisten eigenthümlich zu acquiriren, welches wenigstens in Rücksicht des letzteren vielleicht sehr füglich durch eine Permutation geschehen könne."
Zu diesen beiden Punkten wurde beschlossen:
"ad 1) Da der Bau eines neuen Thores auf der nach Malchin hin, durchaus nothwendig sey, so wurde dieser Bau beschlossen, und der Herr Camerario Dr. Carow committirt, den Riß und Anschlag hiezu nächstens zur Genehmigung vorzulegen.
ad 2) werde die weitere Hinausrückung dieses Thores nach der Landstraße hin, zu dem bereits angeführten Endzwecken wie auch demnächstige Bau 2er neuer Thorbuden und der Verkauf oder Vermiethung der beiden ältern Thorbuden beschlossen.
Anlangend die eigenthümliche Acquisition der Gärten der Stadtsprecher Wittwe Sontag und des Herrn Pastors Walter werde Magistratswegen mit den genannten beiden Personen dieserhalb in Unterhandlung zu treten und wegen der eventuellen Acquisition des Organisten Gartens durch Permutation die nothwendige höchste Herzogliche Genehmigung einzuholen seyn."
1809 wurde das alte Tor abgerissen. Schlosser Ehmler bezahlte für "altes Eysen von dem alten Malchinschen Thor" 5 Rthlr. 17 Schilling 3 Pfennig. Das Torschreiberhaus kaufte der Töpfer Paul für 600 Rthlr. Das andere zweistöckige Torwärterhaus an der Ecke zur Ringstraße kaufte Michaelis 1810 der Zimmermeister Pietsch.
Ein neues Tor - etwas weiter aus der Stadt hinaus - wurde errichtet, dazu ein neues Torwärterhaus für den Torwärter Heiden (heute Straße des Friedens 15) und ein Mühlen- und Torschreiberhaus für den Mühlenschreiber Knoll (heute leerer Bauplatz Straße des Friedens 26). Siehe dazu Zeichnung "ab 1810". Das recht einfache, aber mit starken Pfeilern versehene Tor mußte 1852 beim Bau der Chaussee nach Malchin abgebrochen werden, da es den Verkehr behinderte.