"Hotel Dahms"
(etwa 1957).
Anfangs war der größte Saal der Stadt seinem eigentlichen Zweck entfremdet, indem hier die Konsum - Möbel - Verkaufsstelle untergebracht war. Erst ab 1963 gab es im Saal wieder Tanzveranstaltungen, Ausstellungen, Film- und Sportvorführungen, Karnevalssitzungen und Jugendweihefeiern.
Ab 5.8.1977 übernahm Hans-Jürgen Gültzow den „Gasthof Neukalen“ und kaufte 1981 das Gebäude. Nach der Wende richtete er hier die heute allbekannte Diskothek ein.
Brand beim Hotelier Kähler am 6.4.1900
(Wörtliche Wiedergabe der Protokolle)
“Neukalen, 6. April 1900
Es erscheint
der Hotelbesitzer Georg Kähler von hier und trägt vor:
Heute morgen gegen 3 1/4 Uhr hörte ich als ich noch im Bette lag unten in der Gaststube ein Geräusch. Ich lag noch eine kurze Zeit und hörte wie es knisterte. Ich sprang aus dem Bett lief zur Schlafstubenthür und rief, wer da sei im Hause. Ich ging darauf wieder zur Schlafstube und meinte meine Frau, das Geräusch sei auf No 2. Bevor ich nach der Schlafstube zurücktrat hatte ich schon constatirt, daß es im Fremdenzimmer No 2, welches oberhalb der großen Gaststube liegt, brannte. Ich weckte sofort meine Hausgenossen und meine Dienstboten und machte darauf Feuerlärm. Mit Hülfe des Briefträgers Peters und anderer Personen ist es mir bald gelungen, das Feuer zu löschen.
Der Fußboden, sowie die Decke der großen Gaststube ist durchgebrannt und sind mehrere Mobilien, teils ganz teils zum Teil verbrannt.
Das Feuer wird durch die Hängelampe welche an der Decke der Gaststube, also unterhalb des Fußbodens des Zimmer No 2 angebracht ist, entstanden sein. Ich bemerke noch, daß die Lampe um 10 Uhr gestern Abend ausgelöscht ist.
Ich bitte verehrlicher Magistrat wolle baldigst eine Untersuchung über die Entstehungsursache des Brandes einleiten und die Taxation des Schadens veranlassen.
Protocoll
gehalten im Rathhause zu Neukalen am 9 April 1900 unter Leitung
des Herrn Bürgermeisters Lindemann
vom
Mitunterschriebenen
Zur Untersuchung der Entstehungsursache des Schadenfeuers, welches in der Nacht vom 5/6 April d. Js. im Wohnhause No 9, dem Hotelbesitzer Georg Kähler gehörig aufgegangen ist, war auf heute Termin anberaumt und in demselben ladungsgemäß erschienen:
1. der Hotelbesitzer Georg Kähler
Derselbe gab an:
Ich heiße wie angegeben, bin 48 Jahre alt, evang. luth. Religion, verheirathet,
Zur Sache:
Am Morgen des 6 April d. Js. 10 Minuten nach 3 Uhr hörte ich als ich wachend im Bette lag unten im Hause ein Clirren als wenn eine Fensterscheibe eingedrückt wäre. Ich weckte meine Frau und wir beide hörten ein fortwährendes Geräusch im Hause. Ich stand auf und sah aus dem Fenster ob vielleicht auf dem Nachbarhofe schon gearbeitet würde. Dann machte ich die Thür nach dem Flur auf und rief, ob Jemand im Hause sei. Als ich keine Antwort erhielt, zog ich mich nothdürftig an und ging, da meine Frau meinte, daß das Geräusch in dem neben unserem Schlafzimmer belegenen Fremdenzimmer No 2 sei, an die Thür desselben. Kaum hatte ich die Thür etwas geöffnet als mir schon Rauch entgegen drang und ich sah, daß der Fußboden und eine Bettstelle mit Bett brannte. Ich machte die Thür zu, weckte schnell die Hausgenossen und rief über Feuer. Wie ich unten die Gaststube öffnete brannte es auch hier und zwar an der Decke und auf dem runden Tisch, auf der die große Blitzlampe niedergefallen war. Einer der ersten, der zur Hülfe kam war der Briefträger Peters und mein Bruder, der Friseur Kähler. Peters holte sich eine Axt aus dem Stall, riß den Fußboden der Fremdenstube No 2 auf und so gelang es uns mit Hülfe der inzwischen hinzugekommenen Wächter das Feuer zu löschen.
Meines Erachtens ist das Feuer dadurch entstanden, daß der Balken, an dem die große Blitzlampe in der unteren Gaststube befestigt ist durch die starke von der Lampe ausgeströmte Hitze allmählich entzündet ist. Die Lampe hing an einem eisernen Bolzen, der durch den Balken ging und oben im Zimmer No 2 durch ein Schraubengewinde mit Mutter befestigt war. Unmittelbar an der Decke in der Gaststube hing über der Blitzlampe ein starker Blechschirm von ca 1 Fuß Durchmesser. Dieser Schirm war an dem Bügel der Blitzlampe befestigt, und hatte also dort, wo dieser Bügel hindurch ging, eine kleine Oefnung. Unmittelbar über dem Cylinder war der übliche Blechschirm.
Die Lampe hängt seit circa 10 Jahren an derselben Stelle. Ich habe immer geglaubt, daß genügende Sicherungsmaßregeln getroffen seien.
Am Abend vor dem Brande ist die Lampe um 10 Uhr durch meinen bei mir aufhältlichen 12 Jahre alten Neffen Willy Gess mittels eines langen Lampenlöschers ausgemacht. Ich bin gleich nach 10 Uhr nach oben gegangen, aber meine Frau und Schwägerin sind erst gegen 11 Uhr zu Bett gegangen und haben mir gesagt, daß sie auch durch das vordere Gastzimmer gegangen seien und nichts verdächtiges bemerkt hätten.
Vorgelesen, genehmigt, unterschrieben
G. Kähler
entl. ist weiter vorgetreten
2. Die Ehefrau des Hotelbesitzers Georg Kähler von hier
Zur Person:
Ich heiße Albine Kähler geb. Trense, bin 48 Jahre alt, Ehefrau des Hotelbesitzers Georg Kähler
Zur Sache:
Ich wachte in der fraglichen Nacht darüber auf als mein Mann mich rief und mir sagte, es müsse Jemand unten eine Fensterscheibe eingeschlagen haben. Es war 3 1/4 Uhr. Ich hatte ein Klirren nicht gehört, wohl aber hörte ich, als ich mit meinem Mann horchte, ein Geräusch, als wenn der Fußboden unter den Tritten eines leise gehenden Menschen knackte. Mein Mann rief erst nach dem Nachbarhof, ob dort Jemand sei und dann nach dem Flur. Als sich keiner meldete und ich meinem Mann sagte, das Geräusch müsse auf Zimmer No 2 sein, ging mein Mann dorthin. Ich ging ihm nach und sah aus unserer Schlafstubenthür, daß als er das Fremdenzimmer etwas öffnete, daß dort Rauch aus dem Zimmer drang. Mein Mann rief sofort über Feuer, weckte die Hausgenossen und machte auch auf der Straße Feuerlärm. Bald kam der Briefträger Peters und mit dessen und anderer Leute Hülfe haben wir das Feuer gelöscht.
Die Lampe in der Gaststube hat am Abend vorher mein Neffe Willy Gess mit einem Lampenlöscher ausgemacht und zwar in meiner Gegenwart. Als ich dann mit meiner Schwester eine Stunde später zu Bett ging war die Lampe völlig ausgelöscht und in Ordnung. Allerdings roch es dunstig im Zimmer. Diesen Geruch habe ich schon mehrere Tage wahrgenommen, jedoch immer geglaubt, daß der Ofen die Ursache sei.
Die Beschreibung, die mein Mann von der Aufstellung der Lampe gegeben hat ist richtig und genehmige ich dieselbe vollinhaltlich.
Vorgel. genehmigt, unterschrieben
Frau A. Kähler
entl. geschlossen, ist weiter vorgetreten:
3. der Hausdiener Wilhelm Schlundt, 18 Jahre alt, ev. luth. Religion, noch nicht bestraft.
Zur Sache:
Ich bin seit dem 1 April d. Js. in dem Kählerschen Hotel als Hausknecht bedienstet. Ich schlafe in einem auf dem Hofe belegenen und mit dem Hauptgebäude in keinem Zusammenhang stehenden Nebengebäude. Ich wachte gegen 1/2 4 Uhr durch das Rufen von Herrn Kähler “es brenne im Hause” auf, kleidete mich sehr schnell an und lief vorne ins Wohnhaus. Als ich kam war das Feuer bereits schon gelöscht. Oben im Fremdenzimmer waren mehrere Fußbodenbretter aufgerissen, auch sah ich hier einen Briefträger, dessen Namen ich nicht kenne stehen. Unten im Zimmer war die große Blitzlampe auf den Tisch gefallen. Mir ist in den Tagen, daß ich hier gewesen bin, nichts besonderes im Gastzimmer aufgefallen, insbesondere habe ich einen dunstigen Geruch nicht wahrgenommen.
Vorgelesen genehmigt, unterschrieben
Wilhelm Schlundt
entl. geschlossen P. Lindemann H. Köpke
Protocoll gehalten im Rathhause zu Neukalen am 10 April 1900 unter Leitung:
des Herrn Bürgermeisters Lindemann
vom Mitunterschriebenen
In der Untersuchungssache betr. den Brand im Kählerschen Hotel erschien heute ladungsgemäß:
1. der Briefträger Carl Peters, 29 Jahre alt, verheirathet, ev. luth.
Zur Sache:
Ich hatte am Freitag morgen Frühdienst auf der Post. Ich wachte gegen Morgen und sah nach der Uhr, ob ich schon aufstehen müsse. Es war aber erst ¼ 4 Uhr und deshalb wollte ich mich noch wieder hinlegen. Da hörte ich, daß der Hotelwirth Kähler laut über Feuer rief. Ich zog mich schnell an und lief hinüber. Von der Diele aus sah ich durch die geöffnete Gaststubenthür, daß die Blitzlampe von der Decke herunter und auf den Tisch gefallen war. Ich lief nach oben und sah in der Fremdenstube das eine Bett und den Fußboden brennen. Der Balken, an dem die Lampe gehangen war bereits ganz durchgebrannt. Wir löschten zunächst das helle Feuer und erstickten namentlich die brennenden Betten. Da der ganze Fußboden sehr heiß war, habe ich auf Anordnung des anwesenden Senators Kossow den Fußboden zum Theil aufgerissen und ist dann von hier aus das Feuer ganz erstickt.
Kähler selbst war in großer Aufregung und hat sich zu mir in der Brandnacht über die Entstehungsursache des Feuers nicht geäußert.
Mir ist es nicht zweifelhaft, daß das Feuer darauf zurückzuführen ist, daß die seit langer Zeit an derselben Stelle befestigte Lampe durch das Ausströmen der Hitze ganz allmälig den Balken entzündet hat. Vorgelesen, genehmigt, unterschrieben
Peters
entlassen ist weiter vorgetreten
2. der Knabe Willy Gess, 12 Jahre alt,
derselbe gab an:
Ich wohne mit meiner Mutter bei meinem Onkel dem Hotelwirth Kähler hieselbst, dem ich häufig in der Gaststube zur Hand gehe. Ich habe am Freitag Abend gegen 10 Uhr, wie auch sonst schon häufig die große Blitzlampe vorne in der Gaststube mittels eines langen “Püsters” ausgelöscht. Die Lampe ging sofort aus und hat auch nicht mehr geglimmt. Als ich bald darauf nochmals durch die Gaststube ging, habe ich noch bemerkt, daß die Lampe völlig ausgelöscht war.
Meine Tante sagte an diesem Abend, es röche so sehr dunstig vorne. Wir glaubten aber alle, daß dieses darin seinen Grund habe, daß wir gegen Abend nochmals eingeheizt hatten.
Vorgelesen, genehmigt, entl. geschlossen
P. Lindemann Zur Beglaubigung
H. Köpke”
Der Brandschaden wurde mit 297,69 Mark eingeschätzt.