Wally Otto 1958 in Dresden.
Ich selbst arbeitete im Rat des Kreises Malchin als stellvertretender Kreisschulrat für Berufsausbildung und Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Unterricht und Erziehung bis zum Jahr 1970 weiter. Im Jahr 1969 erkrankte ich so schwer an der ansteckenden Hepatitis, daß ich nach einjährigem Kranksein invalidisiert wurde. Damit änderte sich meine weitere Tätigkeit.
Inzwischen hatte sich in meiner Familie grundlegendes geändert. Meine Schwiegermutter, die uns in der Familie immer geholfen hatte, starb im Jahre 1967. Meine beiden älteren Kinder hatten Studien aufgenommen, und auch unsere jüngste Tochter studierte seit 1970, so daß mein Mann und ich jetzt allein lebten. Gerade in den Jahren nach 1970, in denen ich gesundheitlich erhebliche Schwierigkeiten hatte, hat er mir sehr verständnisvoll geholfen. Leider verschlechterte sich sein Gesundheitszustand merklich, so daß er 1983 auch invalidisiert werden mußte und 1985 starb. Seit dieser Zeit lebe ich allein in enger Bindung zu meinen Kindern, Enkeln und Urenkeln sowie meinen Geschwistern und deren Familien. Ich bewirtschafte noch ein kleines Stück Garten zur Stabilisierung meiner Gesundheit und habe viel Freude an meinen Blumen.
Hier in Neukalen habe ich mir ein Betätigungsfeld aufgebaut, über das ich jetzt berichten möchte.
Im Jahr 1953 übernahm ich die Leitung der Ortsgruppe des Kulturbundes Neukalen. Ich wurde in die Stadtvertretung gewählt und arbeitete im Rat der Stadt als Abteilungsleiter Kultur. Eine ganz neue Aufgabe war für mich, im Jahr 1958 den Karneval im Ort ins Leben zu rufen. Ein Elferrat, eine Funkengarde und ein Prinzenpaar wurde gefunden. Nach einem großen Maskenumzug, den drei tollen Tagen und der Prinzenverbrennung am Dienstag nach den drei tollen Tagen war eine neue Tradition in der Stadt geboren, die mit jedem Jahr an Beliebtheit in der Stadt und weiteren Umgebung gewann. Nach 25jähriger Leitung des Geschehens, gab ich die Gestaltung in fähige junge Hände, so daß der Karneval in Neukalen weiter lebt und sich durch gute närrische Ideen festigt.
Um noch mehr Einwohner in die geistig kulturelle Entwicklung der Stadt einzubeziehen, gründete der Rat der Stadt den Klub der Werktätigen, deren Vorsitz ich als Abteilungsleiter Kultur übernahm. Zum Vorstand gehörten Vertreter der Vereine und Organisationen der Stadt. So bestanden in der Stadt drei Gremien, die sich mit der kulturellen Entwicklung in der Stadt beschäftigten und unter meiner Leitung die Veranstaltungen kontinuierlich zu entwickeln und abzustimmen. Zur Tradition gehörten monatliche Theaterfahrten nach Güstrow, im Winter der Konzertwinter auf dem Lande, das vorweihnachtliche Konzert mit dem Orchester Neustrelitz, jährlich ein- und mehrtägige Fahrten durch die DDR und ins sozialistische Ausland, um nur die wichtigsten Veranstaltungen zu nennen. Als ich 1977 altershalber meine Mitarbeit im Rat der Stadt aufgab, behielt ich nur noch die Leitung der Ortsgruppe des Kulturbundes.
Daraus entwickelte sich im Jahre 1991 der Neukalener Heimatverein, dessen Vorsitzende ich bis heute bin. Ein zehnköpfiger Vorstand ist bemüht, folgende Schwerpunkte zu verwirklichen
1. Chronik der Stadt, Entwicklung von Traditionen
2. Bauliche Gestaltung der Stadt
3. Umwelt- und Naturschutz
4. Zirkel zur Pflege der niederdeutschen Sprache
5. Pflege der Geselligkeit
In guter Zusammenarbeit mit den Vereinen und Organisationen der Stadt gelingt es uns immer besser, das gesellige Leben der Stadt zu organisieren.
Die umfangreiche gesellschaftliche Arbeit auch heute noch zu bewältigen ist nur möglich, weil ich immer Menschen fand und finde, die mir helfen, die Forderungen zu verwirklichen.
Ich möchte Ihnen allen an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön sagen für ihr Vertrauen und Ihre Einsatzbereitschaft.
Ich hoffe, daß wir noch einige Zeit gemeinsam die Vorhaben verwirklichen können.