Titelseite des Gedichtes von Ludwig Kreutzer:
"Seinem verehrten Freunde dem wirklichen Geheimen Gastrath Herrn Georg Kähler
gewidmet von L. Kreutzer
Neukalen d. 6 Mai 1897.
Min leiw Herr Kähler, Wohlgeburn!
Ick weit wat. Spitzen S' mal dei Uhrn!
Hüt is en groten, groten Dag,
Wo ganz wat Wichtiges geschach.
An'n sößten Mai - verstahn S' mi recht -
Dei sößte Mai, ja dei is echt -
Wier dat genau vör viertig Johr,
Dunn kem dei gaude Adebor
Bi Kähler in dat Hus rinfollen -
Verstahn S' mi recht, ick mein den Ollen -
Un hett 'n lütten Jungen bröcht -
Un in dei Weig em rinner leggt.
Wat makt dei Oll vör ein Gesicht!
Wat makt dei Jung vör ein Geschricht!
Den Ollen äwer kunn't nich schaden,
Wat hadd heir't Finster uptaulaten!
Ut't Finster wedder gung dei Storch.
Den Jungen näumten sei Georg.
Un as noch ludhals bölkt dat Gör,
Wer steiht dor buten vör dei Dör?
Gott Gambrinus, hei hadd spaziert,
Dei Brugeriegen revidiert
Un dorbi - wat nich oft ded kamen -
Sin Fru Korline mit sich nahmen.
Un Herr Gambrin und Fru Korlin,
dei kiken beid in't Finster rin.
Seihn sich den drallen Bengel an
Un freun sich, wat hei bölken kann.
Uns Gott Gambrin
Seggt tau Korlin:
"Hür, Mudding mi,
Dei Jung hett Pli,
Ne, wo so klauk hei üm sich kickt,
Ne, wo hei üm den Bort sich lickt!
As hadd hei drunken ein Glas Bier.
Un jankte ümmer noch nach mihr.
Un dei lütt Snut
Süht brun all ut,
Ne, kik mal hier,
As wier't von Bier.
Dat is dei richtige Kulör
As wenn hei nu all Gastrat wier.
Un wo dei lütten Knäweln gahn,
As schreiw mit duwwelt Krid hei an!
Un kik dei lütten Bein einmal,
As güng't den Keller up und dal.
Wat is dat Görending doch smuck:
All orndlich 'n lütten "Burmeisterbuk"!
Un ward dei Ollsch ein's äwerstraken:
"Ut desen Jung is wat tau maken.
Korlin, Korlin, Du sallst dat seihn,
Den Bengel ward ick mi erteihn."
Wat hei verspraken hadd sin Ollen,
Datt hett hei trug und ihrlich hollen.
Dei Biergott makte ohne Frag
Sich an den Lütten sine Mag.
Verschaffte ehr ein grot Gelat,
Worin Platz hadd ein gadlich Fatt.
Nu nehm hei em denn bi den Zopp
Un makte drunkhaft em den Kopp
Un makte em en vergnäugten Sinn,
Sett't em en lütten Windhund rin,
Dei kettelt Orching mit den Start,
Bet Orching utgelaten ward.
Makt flinke Arm em, fixe Bein,
As Brummküsel kunn hei sich dreihn
Gaww em en richtig'n Tungenschlag.
Un stärkt sin Kehl em jeden Dag.
Tauletzt, noch kreig hei sin Albining!
Un dunn würd Herr Georg irst fining.
As so nu alles wier taurecht,
Herr Gambrin em nach Kalen bröcht -
Un dor sitt hei nu drög un gaud,
Un is ein gor vergnäugtes Blaut.
Un ümmer fründlich bi sin Mäuh!
Blot männigmal eins flunkert hei.
Dat is kein Fehler, as man süht,
Wenn dat man mit Geschick geschüht.
So hett denn Gambrin in dei Daht
Vel Freud' an sinen Zögling hatt.
Blot eins bedurt hei in dei Still,
Dat Orch sin Buk nich vörwarts will.
Hei is so dünn un bliwwt so dünn,
Dat'n mit dei Pietsch em dörchhau'n künn.
Doch Gambrin denkt noch af un an,
Dat, wat nich is, noch warden kann.
Hüt is nu mal wedder dei sößte Mai,
Ne, wo ick mi doräwer freu!
Doch will ick lütt Minsch mi ok nich schanieren,
Un kam, üm Sei, Nawer, tau gratulieren.
Dor wünsch ick in all un in jeden Stück
Sei dusendmal Glück un noch dusendmal Glück,
Ick wünsch in dei Gaststuw Sei flotte Gäst,
Mit Geld in dei Taschen un grimmigen Döst.
Vel Reisende wünsch ick mit vele Moneten,
Dei nie nich un nüms dat Betahlen vergeten.
Un kümmt Sei 'n Drupp Water mal mit rin,
Dat dordörch dei Win ümmer schöner ward sin.
Un dat Sei ümmer un allemal
Gehursam sünd gegen ehr Ehegemahl;
Denn mulich is gegen dei Gattin nich
Niemals ein vernünftiger Gatterich.
Un vull stets dei Geldknipp un froh Sei all Dag;
Un drunkfast dei Kopp un gesund stets dei Mag;
Dat wünsch ick von Harten. Doch eins noch dorbi:
"Kam ick mal tau pumpen, denn pumpen S'ok mi."
Hurrah! Un Hurrah! Dei sößt Mai is dor,
För Sei Nawer Kähler Prost Nijohr = Nijohr!