Die Verpachtung der Ziegelei an den Ziegler Ludwig Groth ab 1849
Am 19.11.1849 übernahm der 29 Jahre alte, unverheiratete Zieglergeselle Ludwig Groth aus Basse die Ziegelei als Pächter. An jährlicher Pacht mußte er 420 Reichstaler bezahlen.
1850 sind eine Trade und zwei Sümpfe vorhanden. Ein solcher Sumpf ist 5 Fuß (etwa 1,5 m) tief und mit vielen Planken als Auskleidung versehen. Hier werden nach mündlich überlieferten Rezepturen und Erfahrungen des Zieglers die Mischungen aus Lehm, Ton, Sand, Kalk, Kaff und anderen Zusätzen vorbereitet. Da schon alles sehr reparaturbedürftig ist, sollen die Sümpfe eingehen und zwei neue Traden angelegt werden.
Am 13. Mai 1850 erfolgte eine ausführliche Besichtigung der Ziegelei. Aus dem umfangreichen Protokoll lassen sich die baulichen Verhältnisse auf der Ziegelei zu dieser Zeit sehr gut erkennen. Das Wohnhaus hat eine Länge von 69 Fuß und eine Breite von 24 Fuß. Es ent-hält im Erdgeschoß folgende Räumlichkeiten: zwei Kammern, eine Leutestube, zwei Küchen, eine Kellerkammer. Eine Treppe von 14 Stufen führt zum Saal mit fünf Fenster im Ober-geschoß. Am Südgiebel des Wohnhauses ist ein 24 Fuß langer und 5 Fuß breiter "Bienen Schauer" angebaut, teilweise als Hühnerstall benutzt. Daneben steht noch ein zweiter Bienen Schauer. Eine "Commodität" (Toilette) befindet sich am Nordgiebel auf der Ostseite. Durch eine Tür im Nordgiebel ist die Böttcher- und die Kalkkammer zu erreichen.
Das vor etwa 40 Jahren erbaute Kegelhaus mit einem Fundament aus Feldsteinen ist 17 Fuß lang und 11 Fuß breit. "An drei Seiten befinden sich tannene grau angestrichene Rücken Geländer von 7 Fuß Länge. An der einen Wand ist noch ein 8 Fuß langes Huth - Riegel mit 17 hölzernen Haken. Vor der einen Fensterlucht ist ein kleines Schreibpult von tannen Holz von 2 1/2 Fuß Länge und einem Schiebkasten angenagelt."
Von hier aus wird auf einem 100 Fuß langem Laufbrett gekegelt:
"Das Laufbrett auf der Kegelbahn ist 100 Fuß lang und befindet sich die hölzerne Rinne in gutem Zustande. Ausserdem ist an der Bahn ein gutes Seitengeländer von tannen Brettern welche durch Pfähle in der Erde gehalten werden. Beim Stand sind neben dem Laufbrette noch 2 Bretter von 11 Fuß Länge. Am Ende der Bahn befindet sich ein Häuschen von 10 Fuß Länge und 9 Fuß Breite von dem 3 Wände mit Mauersteinen ausgemauert sind. Der Ostgiebel ist mit Brettern verkleidet und das Dach mit Steinen einfach behängt. In diesem Häuschen befindet sich der Kegelaufsatz, die mit Blech beschlagen sind und hinter welchen 2 tannene Bohlen a 9 Fuß lang und 8 Zoll breit zur Abhaltung der Kugel angebracht sind."
Auf dem Ziegeleigrundstück befand sich weiterhin die 1841 erbaute Kornscheune (39 Fuß lang, 34 Fuß tief) mit Futterdiele, einem Kuhstall für fünf Kühe und einem Pferdestall. Am Ostgiebel war ein Schuppen angebaut.
Vor dem Wohnhaus befand sich die vor 3 Jahren angelegte Pumpe.
"Die Ziegelscheure ist 170 Fuß und 31 Fuß breit, mit Rohr und Stroh gedeckt und zur Hälfte in gutem, zur andern Hälfte in mittelmäßigem Zustande. Vor den Oeffnungen befinden sich unten 47 Luken von tannenen Brettern zur Ausfüllung der Fächer, welche mit Reifen an den Riegeln befestigt sind. In dem Gebäude befindet sich unten die Trade, welche kürzlich von buchenen Bohlen neu angefertigt ist. Sie ist 18 Fuß lang und 13 Fuß breit, auf drei Seiten auf ein Fuß Höhe mit Brettern versehen, so wie sich auch auf der einen Seite vor den Rüstungen auf 3 Fuß Höhe eine Bretterbekleidung befindet. Von aussen kommt man vermittelst einer Laufbrücke von 26 Fuß Länge und 3 Fuß Breite die aus eichenen Planken besteht, zum Boden welcher mit Brettern theilweise abgelegt ist, im Ostgiebel befindet sich eine tannene Luke mit 2 Hespen, 2 Haken, Ueberfall und 2 Krampen. Sämmtliche in dieser Ziegelscheure befindliche Rüstungen gehören der Stadtcämmerei, so wie
6577 Stück Dachsteinbretter
5941 Stück Mauersteinbretter
76 Stück Laufbretter, von denen
45 Stück a 10 Fuß und
31 Stück a 28 Fuß lang sind.
Ausserdem gehört der Cämmerei ein eiserner Erdbohrer, so wie ein alter Mauersteintisch.
Hinter der Ziegelscheure auf der Südseite eine zweite kürzlich neu gemachte Trade von buchenen Planken von 19 Fuß Länge und 18 Fuß Breite und inwendig auf einen Fuß mit Brettern an den Seiten bis auf die Durchfahrt bekleidet.
Die hieneben befindliche Pumpe hat einen mit Mauersteinen ausgesetzten Brunnen, die Schlenke besteht aus tannen Brettern und ist der Pumpenpfost 6 Fuß hoch, die Tülle ist mit eisernem Arm am Pfosten befestigt..."
Soweit ein wortgetreuer Auszug aus dem Besichtigungsprotokoll.
Zur Ziegelei gehörten weiterhin der Ziegelofen, ein Brennschauer, ein Kalkofen (Eigentum des Zieglers), ein Schweinekoben, zwei Schuppen, ein Backofen und ein Garten. Über den Ziegelofen heißt es wörtlich:
"Derselbe ist 24 Fuß breit und 30 Fuß lang. Das Fundament von Feldsteinen, der untere Theil massiv gebauet und im obern Theil sind die Wände mit Mauersteinen aufgemauert. Das Dach ist mit Steinen einfach behangen, aus welchem eine Rauchklappe hervorragt. An dem Ofen befindet sich ein Schauer von 30 Fuß Länge und 14 Fuß Tiefe, die Wände von Mauersteinen und das Dach einfach behangen. Durch eine kleine Thür mit aufgenagelten Leisten, 2 Hespen, 2 Haken, hölzerner Klinke und hölzernen Haken, kommt man in diesem Anbau über eine Treppe von 3 Stufen in das Brenn Schauer wo sich vor den 4 Oefen 4 eiserne schadhafte Thüren befinden."
Die handgestrichenen Ziegel wurden im Ziegelofen auf gemauerte Bänke zum Brennen aufgesetzt.
Die Verpachtung der Ziegelei an den Ziegler Ludwig Laudon ab 1853
Der Ziegler Groth konnte oft die Pachtsumme nicht rechtzeitig bezahlen. Er bat am 4. Juli 1853 um Herabsetzung der Pacht um 100 Rthlr., bzw. um Abnahme der Pachtung ab Martini 1853. Auf der Rats- und Bürgersitzung wurde dann beschlossen, ihm die Pachtung abzunehmen, da er wohl auch nicht der Tüchtigste war.
Am 24.10.1853 wurde die Ziegeleipachtung meistbietend versteigert. Den Zuschlag erhielt der Zieglermeister Ludwig Laudon aus Parchim. Er pachtete die Ziegelei von Martini 1853 bis Martini 1865, wofür er jährlich 300 Rthlr. zu zahlen hatte. Dafür durfte er jedes Jahr 6 Brände im neu zu errichtenden Ziegelofen ausführen. Jeden weiteren Brand hatte er an die Stadtkämmerei mit 40 Rthlr. zu vergüten.
Nach Vorschlag des Maurermeister Ziems junior sollte dann ein neuer Kalk– und Ziegelofen sowie eine Trade neu errichtet werden (siehe Zeichnung).