Die Gasanstalt auf einer Ansichtskarte von 1906 / 1907.
Die Firma Carl Francke berechnete am 16.1.1906 die Kosten für den Bau der Gasanstalt mit 83 945,75 Mark. Im 1. Betriebsjahr wurden 47 314 cbm Gas produziert. Da warmes Wasser im Gaswerk nun sehr leicht zu erzeugen war, konnten hier zwei öffentliche Bäder (I. und II. Klasse) eingerichtet werden. Sie standen ab November 1906 der Allgemeinheit gegen eine Gebühr zur Verfügung.
Am 20.3.1906, nach dreimonatigem Bestehen der hiesigen Gasanstalt, hatten sich bereits 130 Häuser in unserer Stadt angeschlossen. Das Gas wurde hauptsächlich für Beleuchtungszwecke genutzt, 60 Familien nutzten es aber auch schon zum Kochen. 1906 zahlte die Stadt für die Straßenbeleuchtung 1308 Mark 1 Pfennig an das Gaswerk.
1907 gab das Gaswerk Neukalen die folgenden Anschlußbedingungen bekannt:
„Im Interesse derjenigen Bürger, die Gasanschluß zu erhalten wünschen, machen wir folgendes bekannt:
Die Zuleitungen zu den Häusern werden bis zum Hauptgasmesser an der Grundstücks - Frontmauer gratis gelegt. Diese Zuleitungen bleiben Eigentum des Gaswerkes. Über Ausführung der Anschlüsse außerhalb des Leitungsnetzes oder für solche Einlässe, deren Länge mehr als Straßenbreite erfordert, sind besondere Vereinbarungen zu treffen.
Die Herstellung der weiter erforderlichen Gasleitungen geht für Rechnung des Gasabnehmers. Das Legen der Röhren bis zum Gasmesser, sowie das Aufstellen des letzteren hat stets von seiten des Gaswerks zu geschehen, dagegen können die Leitungen hinter dem Gasmesser auch von anderen sachverständigen Handwerkern ausgeführt werden, unterliegen dann jedoch in Bezug auf Dichtigkeit und Brauchbarkeit unserer Abnahme-Kontrole, welche letztere von unserem Gasmeister gegen folgende Vergütung vorgenommen wird.
Bei einem Anschluß
bis 5 Flammen Mark 2,50
Bei einem Anschluß bis 10 Flammen Mark 5,--
Bei einem Anschluß über 10 Flammen Mark 7,50
Vorschriften über die Ausführung solcher Leitungen sind auf dem Gaswerks - Bureau erhältlich. Die Anmeldung zum Gasbezug muß durch angeschlossenes Formular erfolgen. Der Gaspreis ist
für Leuchtzwecke 20 Pfg. pro cbm
für Kraft-, Koch- und Heizzwecke 15 Pfg. pro cbm
Zum Messen des verbrauchten Gases dienen unsere geeichten Gasmesser, dieselben werden von uns leihweise und auch käuflich aufgestellt, ebenso der Haupthahn. Käuflich übernommene Gasmesser unterstehen derselben Kontrole, wie leihweise überlassene Gasmesser.
Die monatliche Miete für Gasmesser beträgt:
für einen 3flammigen Messer Mark 0,40
für einen 5flammigen Messer Mark 0,50
für einen 10flammigen Messer Mark 0,60
für einen 20flammigen Messer Mark 0,80
für einen 30flammigen Messer Mark 1,10
für einen 50flammigen Messer Mark 1,50
für einen 60flammigen Messer Mark 2,-
für einen 100flammigen Messer Mark 3,-
für einen 150flammigen Messer Mark 4,-
In vorstehenden Mietpreisen ist die Instandhaltung der Messer einbegriffen, sofern nicht Reparaturen durch Unvorsichtigkeit oder Gewalt hervorgerufen werden, welche in solchen Fällen den Konsumenten zur Last fallen.
Als besondere Vergünstigung gestatten wir, bei Verbrauch von Kochgas in der Küche, die Benutzung einer durch den Koch-gasmesser gezählten Leuchtflamme zum Kochgaspreise. Die Verwendung eines Kochers mit mindestens zwei Kochstellen ist dabei Bedingung.
Auch zur Anschaffung von Beleuchtungskörpern halten wir uns angelegentlich empfohlen und sind auf Wunsch gern erbötig, Kostenanschläge über erforderliche Gegenstände gratis anzufertigen.
Sämtliche Zahlungen über von uns ausgeführte Arbeiten sind innerhalb eines Monats nach Fertigstellung derselben an uns ohne Abzug zu leisten.
Neukalen, im Mai 1907.
Gaswerk Neukalen.“
Während das Gaswerk in den ersten Jahren mit Gewinn arbeitete, schloß die Jahresbilanz ab 1913 mit Verlust ab. Ursache waren die gestiegenen Kohlenpreise. Auch in den folgenden Jahren mußte mit Verlust abgerechnet werden. Die Unterbilanz betrug bis zum 31.12.1917 schon 34500,- Mark. Immer wieder waren neue Gasanschlüsse dazugekommen. Durch den Kriegszustand wurde die Beschaffung der Kohlen ab 1915 immer schwieriger.
Bis 1907 war Richard Oettner als Gasmeister tätig. Dann folgte Hermann Schrader, der am 14.9.1915 mit 51 Jahren am Schlag starb. Zur zwischenzeitlichen Überwachung des Betriebes der Gasanstalt wurde vorerst der Gasmeister Schröder in Woldegk von der Gene-ralverwaltung von Gas-, Wasser- und Elektrizitäts - Werken in Bremen beauftragt. Ab 20.10.1915 übernahm der Gasmeister Theodor Klentzer (geb. 20.8.1882, gest. 6.4.1942) die Leitung der Gasanstalt. Vorher hatte er als Betriebsleiter in Strelitz gearbeitet. Er wohnte ebenfalls im Wohnhaus, welches zur Gasanstalt gehörte.
Im Sommer 1917 wurden die Kohlen so knapp, daß der Gasverbrauch eingeschränkt werden mußte. Vom 1.4.1916 bis zum 31.3.1917 waren 380 t Kohlen verbraucht worden.
Ab 1.8.1917 trat eine Kriegskohlensteuer in Kraft, weshalb auf den Preis der Kohlen ab Zeche ein Aufschlag von 20 % erfolgte. Der Gaspreis stieg daraufhin ab 1918 um 2 Pfg. je Kubikmeter auf 22 Pfg. je Kubikmeter Gasverbrauch.
Auf der Sitzung der Bürgerrepräsentanten vom 12.7.1918 wurde der Gaspreis nach einer Verhandlung mit der Verwaltung in Bremen wie folgt ab 1.6.1918 festgelegt:
für Kraftgas 23 Pfg. / cbm
für Leuchtgas 26 Pfg. / cbm
für Automatengas 28 Pfg. / cbm
Im September 1921 kam es zu einem Brand im Dachstuhl des Ofenhauses der Gasanstalt. Während der Inflationszeit stiegen die Gaspreise ab 1921 ständig an.