"Zeichnung von einer neu zu erbauenden Brücke über der Peene bei Neukalden"
(Landbaumeister P. Leitner, 1825)
Wie aus den folgenden Schreiben zu ersehen, war 1827 ein Neubau der hohen Brücke geplant:
„An die h. Gl. Cammer
Dargun d. 11. April 1827
Bei dem Bau der großen Peenebrücke vor der Stadt Neukalden, auf dessen hohe Bewilligung wir heute ehrerbietigst angetragen haben, sind, der größeren Durchlässigkeit wegen, massive Steine, und Schälungswände projectirt, und es kömmt daher darauf an, auf welche Weise die erforderliche Feldsteine am vortheilsten und leichtesten anzuschaffen und zur Stelle zu bringen sind. Auf dem Neukaldeschen Stadtfelde finden sich nur wenig Steine und größtentheils nur auf den Ackerstücken der Bürger. Abgesehen nun davon, daß hier auf keinen Fall der ganze Bedarf zu erhalten sein würde, und selbst das Wenige von den Ackerstücken nur erst dann zu erhalten sein würde, wenn selbige vom Korn entblößt sind, so würde man doch immer nur durch Ankauf dazu gelangen können. Auf der Feldmark des Dorfes Salem fehlt es an Feldsteinen nicht, allein hier vertheuert die Entfernung von einer halben Meile die Kosten des Transports, und doch wird nichts andres übrig bleiben, als sie von dort zu holen. Hiebei aber treten folgende Verhältnisse ein. Die Dorffschaft Salem besteht nur aus 4 Hauswirthen, welche noch Extradienste ableisten, und würde daher mit ihren wenigen Gespannen eine graume Zeit auf den Transport zubringen müssen, wenn ihr derselbe in Catendienste aufgegeben würde, und in Betreff ihrer schwachen Pferde, welche auf eine halbe Meile nicht stark bleiben werden können, würde dieser Transport jedenfalls sehr kostbar werden. Noch mehr würde dies bei der Dorfschaft Warsow der Fall sein, welche zwar aus 6 Hauswirthen besteht, aber noch schwächere Pferde hat, und beinahe eine Meile von Salem entfernt ist. Alle übrigen Amtsdörfer sind noch weiter entfernt und können also gar nicht in Betracht kommen, ungeachtet wir sie in dieser Gelegenheit aus baarem Verdienst gerne benutzen ließen. Nach einer sorgfeltigen Prüfung aller dieser Verhältnisse haben wir daher einen Versuch gemacht, mit den Ackerbürgern in Neukalden die Anfuhr zu verdingen. Es gibt davon nämlich in Neukalden eine nicht unbedeutende Zahl und ihre zum Theil nur schlechten Pferde, sind an schwere Fuhren gewöhnt. Mit einem dieser Ackerbürger Namens Otto nun haben wir unter Vorbehalt hoher Genehmigung nach mehrmaligen Verhandlungen folgenden Accord geschlossen:
1. Er übernimmt die Herbeischaffung aller zu der größeren oder sogenannten hohen Brücke erforderlichen Feldsteine.
2. ihm werden diese Steine auf der Feldmark Salem an paßlichen Stellen angewiesen, und er besorgt alsdann nicht allein das Ausbrechen, sondern auch bei den größeren Steinen das Sprengen derselben.
3. Er bedingt aber dahin, daß die Anfuhr vor der Erndte verlegt und beschafft werden müsse, und verpflichtet sich dann dafür zu sorgen, daß die Arbeit nie durch Mangel an Steinen aufgehalten werden solle.
4. Sollte es sich nach vollendetem Bau ergeben, daß zuviel Steine angefahren wären, so wird es nicht verlangt, daß er diese zurücknehme, sondern er erhält auch dafür seine Bezahlung.
5. Für das Ausbrechen, Sprengen, Aufladen, Anfuhr und Abladen der Steine erhält er a Cubikfuß 2 Rthlr. 9 Schilling, und wird bei der Berechnung der cubische Inhalt der Mauer, für welche der Maurer Bezahlung erhält, auch für ihn angenommen, ohne daß für die durch Mörtel und Spalten Zwischenräume Etwas in Abzug gebracht wird. Bei den etwa zuviel angefahrenen Steinen wird der cubische Inhalt eines jeden Steines besonders ausgemittelt und jeder Cubikfuß ebenfalls mit 2 Rthlr. 9 Schilling bezahlt.
6. Zur Anfuhr und zum Ausbrechen der Steine erhält er das Holz zu 6 Schlenken und 12 Hebbäumen gegen das Stämmlohn, holt sich dasselbe aber selbst an, wenn es im Franzensberger und nicht in einer entfernten Forst angewiesen wird.
Unser Versuch, einen wohlfeilen Accord zu erreichen sind fruchtlos geblieben, und wir können den obigen auch nicht unbillig finden, wenn wir die Entfernung, aus welcher die Steine geholt werden müssen, den Abnutz der Wagen, der Knechte, die Kosten des Lauf Lohns und Sprengens u.s.w., berücksichtigen, und das Gewicht des Cubikfußes Steine in der verschiedenen Mischung im Durchschnitt zu 150 Pfund und höchstens 16 Cubikfuß auf eine Fuhre nehmen. Ob diese Annahme richtig sei, müssen wir der höheren Einsicht überlassen, und bitten nur eventualiter um die hohe Genehmigung des Accords und um die hohe Verordnung zur Verabreichung des Holzes zu den Schlenken und der Hebebäume.
Hiernächst wenden wir uns zu einem anderen ehrerbietigsten Vorschlage, welcher uns der Beachtung nicht unrecht scheint, weil er eine Ersparung, wenn auch endlichst nicht von Gelde, doch an Holz, zum Gegenstand hat.
Es befindet sich nämlich unterhalb der hohen Brücke eine Feldbrücke, welche seit einigen Jahren auch für schwere Fuhrwerke eingerichtet ist. Durch Benutzung dieser Brücke würden die Materialien und Kosten der veranschlagten Nothbrücke erspart werden können, und wir haben Hoffnung von dem Magistrat zu Neukalden die Zustimmung zur einstweiligen Benutzung dieser Brücke zu erlangen, wenn wir autorisiert werden, zur Ausbesserung des Weges, welcher über selbige führt, und welcher durch das Befahren mit schweren Fuhrwerken leiden würde (zumal er ohnehin jetzt nicht dazu geeignet ist), eine vorbelassene Summe entweder aus der Baucasse, oder aus der Fuhr Casse zugestehen. Die Größe dieser Summe, welche auf keinen Fall die Kosten der Nothbrücke übersteigen müßte, würde durch eine nähere Behandlung, zu welcher wir uns ohne höhere Anweisungen (?) nicht berechtigt gehalten, möglichst billig auszumitteln sein, und erbitten wir dafür auch hierüber die hohe Resolution so ehrfurchtsvoll, als wir ersterben des Gh. Cammer Collegis ...
An die Beamte zu Dargun, und
den Landbaumeister Leitner zu Plau.
Auf den Vortrag der Beamten zu Dargun und des Landbaumeisters Leitner zu Plau vom 11ten hujus, wird der Bau der neuen Brücke über die Peene vor der Stadt Neukalden, hiedurch bewilliget, und sind die veranschlagten Kosten respec. mit AchthundertDreiundVierzig Rthlr. 43 Schilling N 2/3 und EinhundertundDreizehn Rthlr. 19 Schilling N 2/3 falva liquidatione aus der Amts - Casse zu bestreiten. Da die Haltbarkeit des Belags der Brücken gewinnen wird, wenn sie überdämmet werden, so hat er, der Landbaumeister, die dazu erforderlichen Abänderungen noch zu treffen, überhaupt aber die, unmittelbare Leitung des Baues zu übernehmen.
Der zurück erfolgende Riß ist demnächst zu reexhibiren.
Schwerin, den 21ten April 1827.
Zum Großherzogl. Mecklenbl. Cammer Collegio Allerhöchst verordnete Director, Vice - Director und Räthe.“
Obwohl die Zustimmung zum Neubau der Brücke aus Schwerin vorlag, wurde der Bau aus Kostengründen immer wieder verschoben, und es blieb bei notdürftigen Reparaturen. Der Neukalener Magistrat schrieb dazu:
„Aus glaubhaften Nachrichten erfahren wir, daß der Bau, der sogenannten Hohen - Brücke vor dem Mühlenthore hieselbst, welchen Hohe Großherzogliche Cammer in diesem Jahre intendiret hat, für jetzt nachbleiben soll.
Wir kennen die Ursachen nicht, und äussern nur unser Bedauren über den Aufschub.
Wenn aber einmal der, so hochnothwendige Neu - Bau aufgeschoben seyn soll und muß, so ist eine durchgreifende, höchst schleunig zu besorgende Reparatur unerläßlich.
Zwei Löcher, in welchen Pferde, Wagen, Kühen, Menschen etc höchst unglücklich hätten seyn können, haben wir bereits, praeliminaviter et interimistive, aber nur schwächlich ausbeßern lassen, und behalten uns deshalb eine Liquidation (welche von keinem großen Belange seyn wird) bevor, aber jetzt werfen sich wieder neue Löcher, neue schadhafte Stellen auf, und die erste schwere Fuhre, kann unglücklich seyn für sich, und die Passage ganz unfahrbar machen.
Wir ersuchen um schleunigste Abhülfe, und um Sicherstellung der Passage. - Wir würden uns im Entstehungs - Falle genöthiget sehen, die Wege - Commission aufmerksam auf diesen Punct machen zu müßen, als welche gemäß, dem Gesetze gemäß, nicht verfehlen würde, sofort die Brücke, welche schon mehrfach von Ihr getadelt worden ist, tüchtig repariren, und die Kosten (die vergrößerten) vom Großherzoglichen Amte Dargun beitreiben zu lassen.
Wir versichern unsere Achtung
Neukalden 12 Mai 1827
Bürgermeister und Rath
Petri OFSchumacher HFWillgohs
Wir verkennen es nicht, daß das Großherzogliche Amt Dargun Namens hoher Cammer seit längeren Jahren schon theils unaufgefordert, theils von uns ersucht, mehrere Reparaturen an den Brücken hat vornehmen laßen, welche hart vor dem Mühlenthore hiesiger Stadt liegen, welche unter den Namen - Hohe Brücke und - Steinerne Brücke - bekannt sind, und welche in baulichen Zustande zu erhalten zur Competenz hoher Cammer gehöret.
Wir verkennen es auch nicht, daß vor wenigen Tagen, wiederum eine Reparatur dort vorgenommen ist, durch welche allerdings für das Sommer halbe Jahr 1829 in Hinsicht auf den Vordamm gesorget worden, aber eben so wenig erwarten wir, daß das Großherzogliche Amt die bisher vorgenommene Reparaturen für hinlänglich halten werde.
Schon das Bedürfniß einer jährlich wiederholten Reparatur zeigt es, daß das ganze Werk auf schwachen Füßen steht und nimmer wird es lange noch dauern können, selbst wenn jährlich daran gebauet und gebeßert wird.
Wahr ist es zwar, ein hölzernes Haus läßt sich 1000 Jahre lang erhalten, wenn man immer einschiebt, verkalkt, versohlt, verstreicht etc und so also natürlich auch eine kleine Brücke, und wir müßen es uns gefallen laßen, daß unsere Brücken aussehen, wie sie mögen, wenn sie nur paßirbar sind, und dürfen wir es nur als Wunsch laut werden laßen, daß der in wenigen Jahren ganz unerläßliche Neubau bald vorgenommen werde, aber das können wir doch verlangen, daß die Brücken paßirbar sind.
Es ist höchstwahrscheinlich dem Herrn Commissario der Wegebesichtigung zufällig die schlecht gewordene Beplankung der hohen Brücke nicht ansichtig geworden. Der nothwendige Vordamm ist besorgt, aber schwerlich hält diese Brücke ohne weitere Reparatur nicht noch ein Jahr aus, denn schon giebt es Stellen, auf derselben, welche man bequem mit einem gewöhnlichen Spatzierstock durchstoßen kann, und das ist doch ein bischen zuviel für 4 bis 5000pfündige Lasten von Salzfahrern, welche hier fast täglich durchkommen.
Wir erwarten daher vom Großherzoglichen Amte die nothwendige neue Beplankung der Brücke, wenigstens auf den schadhaften Stellen sobald thunlich und obendrein, daß die gehörigen Anstalten zum völligen Neubau, welcher sodann Jahrelang alle Reparatur hinter sich läßt, getroffen werden.
Fürs Erste wird ein ziemlich bedeutendes Flickwerk in den Oberplanken unerläßlich sein, und wir dürfen hoffen, daß unser Wunsch, die Hohe Brücke gut repariret zu sehen, um so mehr beachtet werden werde, als wir seit Jahren sehen, ab und zu bei kleinen Fehlern aus der Casse unserer Stadt, ohne Verbindlichkeit dazu zu haben, kleinere Reparaturen, sey es durch Vordämmen, Riegel einsetzen und Ausflicken von Planken, vorgenommen.
Wir schliessen diese Zuschrift mit der Versicherung unserer nachbarlichen Ergebenheit.
Neukalden 10 Juny 1829
Bürgermeister und Rath
Petri OFSchumacher HFWillgohs
An die Beamte zu Dargun
Zur Reparatur der Peene Brücke vor Neukalden wurden die veranschlagten Kosten von Einhundert und Siebenzehn Rthlr. 20 Schilling N/3 zu denen die Differenz des Kaufpreises der Ziegel zum Brenn- und Zählgeld hinzukommt, aus der Dargunschen Amts - Casse Liquidatione salva auf den Fall bewilligt, daß selbige bereits im Etat pro 1832/33 berücksichtigt worden. Sonst werden sie auf die Renterei angewiesen werden, weshalb Beamte sich binnen 14 Tagen hierüber zu erklären, zugleich aber die betreffende Bewilligungs - Verordnung vom 21. April 1827 nebst dem damals retradirten Baurisse zurückzugeben haben.
Wegen der Holzmaterialien ist die abschriftlich angeschloßene Verordnung erlassen.
Schwerin den 6. Aug. 1832.
Großherzoglich Mecklenburgsche Cammer.
Flotow
G. P. M.
Wir danken für die gefällige Notiz, daß die hohe Brücke hieselbst endlich einmal radical gebeßert werden soll, und sind wir in jedem Augenblik erbötig die Straße zu sperren und solche auch während des hoffentlich so schnell als möglich zu beendenden Baues auf einen Nebenweg und über eine Nebenbrücke zu legen.
Dies hat zwar seine eigene Schwierigkeiten, sowohl für die hiesigen Bürger als für Durchreisende, aber sehr gerne wollen wir uns der damit verbundenen Mühe, die Stadt der damit verbundenen Kosten und für die Bürger und die Reisenden damit verbundenen Last unterwerfen, wenn nur endlich einmal die hohe Brücke in einen tauglichen Stand gesetzt wird.
Wir freuen uns über den Entschluß des Großherzoglichen Amts, und werden beide Hände, so viel an uns ist, dazu bieten daß das häßliche Monitum gehoben werde und empfehlen uns ergebenst
Bürgermeister und Rath
Petri OFSchumacher
Neukalden den 20. October 1832
Zum Großherzoglichen Amte Dargun
Allerhöchstverordnete Herren.
An der vor dem hiesigen Mühlenthore belegenen Brücke, welche über die Peene führt, ist ein mehrere Fuß tiefes Loch entstanden, welches fortwährend sich vergrößert und wodurch die Passage sehr gefährlich wird. Da einem Großherzoglichen Amte die Reparatur der schadhaften Stelle obliegt; so ersuchen wir darum ganz ergebenst: aufs Schleunigste die zu solcher Ausbesserung erforderlichen Vorkehrungen zu treffen.
Hochachtungsvoll des Großherzoglichen Amts ergebenste zum Magistrat - Verordnete.
Görbitz OFSchumacher
Neukalden den 17 Februar 1837
Die neue Pflasterung der Mühlenstraße hieselbst erfordert die Erhöhung des Dammes auf einige Ruthen ausserhalb des Darguner Thores und zwar namentlich des bekanntlich schlechten Dammes auf der kleinen, dicht vor dem Thore belegenen, zum Großherzoglichen Amte Dargun gehörigen Brücke.
Wir erlauben uns daher ergebenst anzufragen, ob wir die Erstattung dieser wohl keine 5 Rthlr. betragenen Kosten der neuen Pflasterung der gedachten Brücke aus der Amtskasse zu hoffen haben.
Neukalden 6. Januar 1853.
Bürgermeister und Rath
LMau
Auf das geehrte Anschreiben vom 17ten d. M. betreffend die Pflasterung der kleinen vor dem hiesigen Mühlenthore belegenen Brücke, erwiedern wir, daß da die Mühlenstraße beim Thore in Folge der neuen Pflasterung etwa 18 Zoll höher gelegt wurde, die Aufreissung des Pflasters auf der unmittelbar vor dem Thore befindlichen kleinen Brücke durchaus erforderlich ward, und die Wiederherstellung desselben sub spe rati bereits beschafft ist, indem sonst die Passage gehemmt sein würde.
Was die gewünschten Beweisthümer hinsichtlich der Erhaltung der fraglichen beiden Brücken anbetrifft, so werden sich solche in der dortigen AmtsRegistratur eventualiter in der Registratur hoher Großherzoglicher Kammer zur Genüge vorfinden, wenn gleich das Durchlesen der alten hundertjährigen Acten etwas mühselig sein mag.
Neukalden 23 Januar 1853
Bürgermeister und Rath LMau“
Die beiden Peenebrücken vor dem Mühlentor wurden 1853 durch die Zimmermeister Benduhn und Stühm auf Kosten des Amtes Dargun repariert.
„Bei dem ausserordentlich niedrigen Wasserstande in der Peene hat sich ergeben, daß in derselben unter der zum Großherzoglichen Amte Dargun gehörigen vorm hiesigen Mühlenthore belegenen s. g. hohen Brücke zahlreiche Pfähle, wie auch die hölzernen Spundwände zum Theil 2 Fuß aus der Erde hervorragen und dadurch den Abfluß des Wassers hindern. Da wir zu deren Fortschaffung nicht berechtigt sind, der Wasserlauf dadurch aber im hohen Grade gehemmt wird, so ersuchen wir das Großherzogliche Amt zu Dargun ergebenst gefälligst baldigst zur Beseitigung dieser Pfähle und sonstigen Holzwerkes unter der hohen Brücke die behufigen Verfügungen zu erlassen, zumal die Ablassung des Teterower Sees bevorsteht und dadurch eine bedeutende Wassermasse in die Peene abfließen muß.
Neukalden den 7 Julius 1857
Bürgermeister und Rath
L. Mau“
1859 brach der Zimmermeister David Stühm die große Peenebrücke teilweise ab. Im November 1859 war er mit der aufwendigen Reparatur fertig. Allerdings war die Brücke zwei Jahre später schon wieder an einigen Stellen schadhaft.
Der längst überfällige Neubau der Peenebrücke wurde immer wieder verschoben; einmal aus Kostengründen, aber auch, weil die Brücke am Hafen für den wichtigen umzuleitenden Fahrzeugsverkehr über die Peene zu schwach war.
In Vorbereitung des Straßenbaus von Neukalen nach Dargun sollte dann aber doch eine neue Brücke erbaut werden. Der Neukalener Magistrat schlug vor, die kleinere Brücke dicht am Mühlentor in diesem Zusammenhang eingehen zu lassen. Das herzogliche Amt in Dargun hatte Einwände:
„Die vor dem hiesigen Mühlenthore befindliche, zum Großherzoglichen Amte Dargun gehörige kleine Brücke kann jetzt entbehrt werden, wodurch die jährlichen Erhaltungskosten gespart werden.
Falls das verehrliche Großherzogliche Amt zu Dargun hierauf eingehen will, dürfte sich eine Besichtigung an Ort und Stelle wohl empfehlen um das Nähere mit uns zu besprechen.
Neukalen 16 Junius 1862
Bürgermeister und Rath L. Mau
Resp. dem Magistrat zu Neukalen.
Auf die uns in dem geehrten Schreiben vom 16. d. M. betreffend die Fluthbrücke an dem dortigen Mühlenthore gemachte Praeposition sind wir nicht in der Lage eingehen zu können, da nach dem Erachten des Baubeamten diese kleine Brücke keineswegs entbehrlich ist. Vielmehr hat dieselbe den Zweck, bei eintretendem Hochwasser einen Theil der andrängenden Wassermasse abzuführen und dient also zum Schutz der Hauptbrücke.
Wenn die Erreichung dieses Zweckes, der bei der Construction der alten Hauptbrücke nicht außer Acht gelassen werden darf, in den letzten Jahren dadurch illusiorisch gemacht ist, daß die Durchflußöffnung der kleinen Brücke durch Ablagerung von Bauschutt und Dünger seitens der Stadtbewohner verstopft worden ist, so müssen wir hieran das ergebenste Ersuchen schließen:
Ein verehrl. Magistrat wolle dafür Sorge tragen, daß die Brückenöffnungen unverzüglichst durch Entfernung dieser Hindernisse wieder frei gelegt werden.
D. 28 / VI 62.“
Im Zusammenhang mit dem Bau des Neukalener Hafens gab es auch Überlegungen, einen Kanal vom Hafen bis nach Teterow zu ziehen und dazu die neue Brücke entsprechend einzurichten:
„Da des Terrains wegen keine gewöhnliche Klappenbrücke gebaut werden kann, sondern des Canalbaues wegen auf eine Thorzugbrücke Bedacht zu nehmen ist, so wird meines Erachtens die Canalbaucomité bei der Anlage die Mehrkosten gegen eine gewöhnliche Chausseebrücke tragen, ebensowohl bei der demnächstigen Unterhaltung der Brücke nach demselben Verhältniß participiren müssen.
Dargun den 23 April 1864“
Die Darguner Amtsverwaltung schlußfolgerte 1864 aus der Meinung des Districtsbaumeisters:
„... daß des Terrains wegen allerdings mit Rücksicht auf das Canalbau Project in der neu zu erbauenden Chaussee eine Thorzugbrücke erforderlich werden würde, da die Anlegung einer gewöhnlichen Clappenbrücke zum Durchlassen der Masten bei dem Verhältniß des Wasserstandes zu der Höhe des Plenums, in welchem die Brücke angelegt werden dürfte, nicht thunlich erscheint. Derselbe hat dabei zugleich seine Ansicht weiter dahin ausgesprochen, daß da, abgesehen von dem Canalbauprojekt nur eine einfache Chausseebrücke entstehenden Mehrkosten von den Canalbaucomité zu tragen sein dürften, welches ebensowohl bei demnächstiger Unterhaltung der Brücke nach demselben Verhältnisse wird zu participiren haben.
Dieser Ansicht müssen wir gegenüber den Bitten des Vertrags für jetzt und mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Stand des Chausseeprojects uns lediglich anschließen, indem wir die angeführten Billigkeitsgründe, durch welche eine Uebernahme des ganzen Baues der Thorzugbrücke hoher Cammer auf ihre alleinige Kosten auszuführen zugemuthet wird, nicht als zutreffend anzuerkennen vermögen. Hauptinteressentin bei dem Canalbau ist jedenfalls die Stadt Neukalen. Deren geringe Bereitwilligkeit zur Förderung des Chausseebaues hoher Cammer bekannt ist...“
Das Projekt, von Neukalen bis Teterow einen Kanal zu ziehen, kam nicht zur Ausführung.
1866 wurde die Chaussee nach Dargun fertiggestellt. Im Zuge dieser Maßnahme wurde die große Peenebrücke vor dem Mühlentor abgerissen und ganz neu aufgebaut, während die kleinere Brücke vollkommen beseitigt wurde.
Die hölzerne Peenebrücke aus dem Jahre 1866 stand bis zum 29.4.1956. Dann wurde sie abgerissen, da sie dem zunehmenden Verkehr nicht mehr gerecht wurde. Während der Bauzeit mußten alle Fahrzeug über die Brücke am Hafen umgeleitet werden.
Am 5.4.1957 erfolgte die Einweihung der neuen, 12 Meter breiten, Zweibogenbrücke für den öffentlichen Verkehr. Als erstes fuhr Bürgermeister Heinz Boek mit Vertretern der beteiligten Baufirmen im städtischen PKW über die Brücke.