Der "Rossow - Werder" bevor alles abgeräumt und glatt geschoben wurde (April 1989).
Die Flächen nördlich und südlich von Bugelmast waren zur Slawenzeit größtenteils mit Wald bestanden. Für das Ackerland zwischen der Straße nach Lelkendorf und dem Bahndamm gibt es viele Flurnamen, die auf ehemaligen Waldbestand hinweisen: „Radeland“ (von roden), „Ackerholz“, „Hölten“ und „Hasselbusch“.
Der Ort Bugelmast war als Mittelpunkt der Umgebung gut besiedelt. Hier lebten viele Handwerker: Zimmerleute, Töpfer, Schmiede, Weber und andere. Durch das umgebende Wasser- und Sumpfgelände war ein natürlicher Schutz da. Man mag das Dorf auch durch eine hohe Dornenhecke, eine stärkere Umzäunung, eine Palisade oder Plankenwand geschützt haben; eine sichere Verteidigung war aber dadurch nicht gewährleistet. Da der Ort mit seinen zahlreichen Bewohnern für einen burgähnlichen Ausbau einfach zu groß war, richtete man in einiger Entfernung beim sogenannten „Vogelsang“ eine gut versteckte Fluchtburg ein, in welche man sich bei Kriegszeiten mit Vieh und Hausrat zurückziehen konnte. Konkret ist es der „Weig - Berg“ bei den „Judentannen“. Richard Pagels war wohl der erste, der den bewußten Hügel als slawische Fluchtburg einschätzte.
Hier zeigen sich keine aufgeworfenen Wälle, angelegte Schutzgräben, Brandschutt oder Pfahlgruben; Funde aus alter Zeit sind bisher nicht gemacht worden, was aber wohl aussagt, daß es sich hier wirklich nur um eine Fluchtburg handelt, die von den in der Nähe wohnenden Slawen selten und nur für kurze Zeit genutzt wurde. Ein geschützter Platz ist es allemal.
In Urkunden und Schriftstücken aus früheren Zeiten findet der Hügel keine besondere Erwähnung. Sein volkstümlicher Name „Preisterkopp“ (nach der rundlichen Form) ist nirgends verzeichnet. Die südlich vom „Weig - Berg“ liegende Fläche wird 1727 „Auf der Weige“ genannt und als Acker benutzt. Auf der Schmettau - Karte von 1788 heißt diese Fläche „Vogelsang“. Das gesamte Wald- und Feldgelände zwischen dem Warsower Weg, der Bungalowsiedlung und den „Judentannen“ wird oft bei Ackerbeschreibungen genannt, so z.B. 1585 „Vogelckensange“, „Vögelken Sange“, 1640 „beim Vogelsangen“, 1647 „im Vogelkensange“, 1652 „im Vogelkensange“, 1731 „im Vogelsange“, 1775 „im Vogelsang“ oder 1788 „Vogel Sang“. Die westlich daran gelegene Wiese ist die „Vogelsangswiese". Der Name „Vogelsang“ kommt in Mecklenburg häufig vor. Er hängt meistens an kleinen Gehölzen mit Unterholz und Stellen, die in frühgeschichtlichen Zeiten eine besondere Bedeutung hatten.
Die Bezeichnung „Weig - Berg“ könnte vielleicht von einer unbekannten Sage über eine versunkenen Wiege herrühren, so wie derartige Sagen in Mecklenburg häufig an Orten vorkommen, die zur Slawenzeit eine Bedeutung hatten. Eine Sage jedoch blieb über den Berg erhalten. Sie berichtet von einer untergegangenen Burg. Vielleicht hat diese Sage mehrere Jahrhunderte überdauert und in ihrem Kern die Erinnerung an die slawische Fluchtburg wachgehalten?
Der heutige „Warsower Weg“ zu den „Judentannen“ ist der ursprüngliche und einzige Weg zu dieser Fluchtburg. Er führte zur Slawenzeit nicht weiter nach Warsow, da damals dieses Dorf nur in der Nähe der Straße nach Dargun lag. Der frühere Name „Knüppeldamm“ weist auf die Überquerung einer sumpfigen Stelle, dem Zugang zu dem inselartigen Gelände, hin.
Noch heute ist der frühere Verlauf des Weges bis zur westlichen Seite des Berges zu erkennen. Er verläuft im typischen Uhrzeigersinn um die westliche halbkreisförmige Bergspitze herum und scheint dann auf den Berg zu führen 15). An der südlichen Seite des Berges könnte es vielleicht eine schützende Palisade gegeben haben.
Auf einer Karte von 1812 ist zu erkennen, daß im mittleren Teil des Berges Sand abgebaut wurde. Hier befindet sich auch heute noch eine Senke.
Bis 1901 war der „Weig - Berg“ noch Ackerland, dann wurde die Fläche neu aufgeforstet mit Kiefern „unter Hafer“, wie es hieß.
Eine weitergehende Aufklärung zur Bedeutung des „Weig - Berges“ in der Slawenzeit können nur Funde oder Ausgrabungen bringen.
1) In ältester Zeit noch „Verchenpenz“ - das Verchensche Wasser - genannt.
2) Das slawische Wort „wustelense“ bedeutet so viel wie „Wüste“ oder „Ödland“, also unbrauchbares Gebiet.
3) Siehe Jahresheft des Neukalener Heimatvereins 2000.
4) Im nördlichen Mauerwerk des Kirchenschiffes befinden sich zwei herausragende Feldsteine, die keinerlei Funktion oder bauliche Notwendigkeit aufweisen. Ich vermute, daß man hier zwei besondere Steine aus dem ehemaligen slawischen Heiligtum einsetzte, um der slawischen Restbevölkerung ein positives Zeichen zu geben.
5) Als 1930 das Denkmal 1914-1918 errichtet wurde, stieß man bei den Erdarbeiten auf zahlreiche alte Pfähle in der Erde.
6) In den beiden Abschriften der Gründungsurkunde aus dem Jahre 1623 ist bei dem Namen „Hinrich Slau.. Wolmari“ die Endung von Slau.. unleserlich; wahrscheinlich aber soll es „Hinrich Slauus Wolmari“ heißen.
7) 1336 werden in alten Urkunden die Brüder Janeke und Ludolph von Bugelmast mit Besitz in Groß Bützin genannt.
8) Ein Dorf Madesin gibt es nicht mehr. Ich vermute seine ehemalige Lage in der Nähe des Lelkendorfer Bahnhofs. In den Urkunden des 12. Jahrhunderts wird dieses Dorf (der Name deutet auf slawischen Ursprung) im Lande Kalen mehrmals genannt. Da im ältesten Stadtbuch ein Medesin Berg genannt wird (1399 „Medezyner berch“, 1414 „montem Medesin“ und 1447 „Medezin“), liegt die Vermutung nahe, daß hinter diesem Berg das Dorf Madesin lag (ähnlich wie Salem hinter dem früheren Salemer Berg – dem heutigen Mühlenberg). Die Bezeichnung ist längst nicht mehr üblich, weil das Dorf einging. Jedenfalls ist der Berg an der Lelkendorfer Chaussee vor dem Lelkendorfer Bahnhof gemeint.
9) Das Dorf Trebelin lag in der Nähe von Sarmstorf und ging um 1680 ein.
10) Ein früherer Weg, welcher vom Salemer Weg kam, den Malchiner Weg kreuzte und weiter in westlicher Richtung bis an die Feldmarkgrenze zu Schlakendorf („Beerbomstieg“) führte (auch als Kreuzweg bezeichnet). Er ist heute nur noch als Weg von der Straße nach Malchin zur ehemaligen Ziegelei und ein kleines Stück von der Straße nach Malchin in östlicher Richtung vorhanden, alles andere ist Acker. Bereits 1401 "viridam viam" und 1414 "via virida" genannt, was "grüner Weg" bedeutet. In der Grenzbeschreibung aus dem Jahre 1705 geht der "Grüne Weg" noch über die Grenze der Neukalener / Schlakendorfer Feldmark hinaus weiter in Richtung Schlakendorf.
11) Evtl. erinnert der Flurname „Auf den Pfählen“ an der Straße nach Schlakendorf noch an eine ehemalige Brücke? Vielleicht gab es hier noch Pfahlreste im Ackerboden?
12) Diesen ehemaligen sogenannten „Sarmstorfer Weg“ von der Dargunerstraße kommend, die Straße nach Lelkendorf querend und in Richtung Sarmstorf weiter verlaufend, gibt es heute nicht mehr. Über den Fuhrtsbach (auf Schorrentiner Gebiet "Schorenbach" genannt) gab es eine Fuhrt. 1730 wird sie noch genannt: "Zarmstorffer alten fort".
13) Im ältesten Stadtbuch von Neukalen (1399 bis 1448) wird der Name mehrmals genannt (1414 „Rossowes borne“, (Born = Quelle); 1415 „Rossower bruke“, bruke = Bruch). Im 18. Jahrhundert finden wir folgende Benennungen: 1715 „Roßerwerder“, 1727 „Roßauer werder“, 1785 „hinter dem Roßer Werder“ oder 1800 „Roßerwarder Damm“.
14) Rektor an der Schule in Neukalen von 1924 bis 1945.
15) Der einzige Zugangsweg (evtl. Knüppeldamm?) verlief so um die Anlage herum, daß angreifende Krieger sich nur schlecht schützen konnten. Normalerweise hielt man den Schild in der linken und das Schwert in der rechten Hand. Durch diese Wegführung waren die Krieger ziemlich hilflos gegenüber den sich verteidigenden Slawen. An der südlichen Längstseite der Burg führte der Weg scheinbar durch ein Tor oder eine Sperre, denn hier ist noch eine kleine Erhöhung erkennbar.
Literatur: „Die Slawen in Deutschland“, Akademie-Verlag Berlin, 1985