Gilkenwerder / Badeanstalten
In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges ist der „Gilkenwerder“ in den Besitz der Pfarre gekommen. Während Pastor Joachim Voigt 1622 noch berichtete, daß er aus der Wiese beim “Chiliken Werder” jährlich etwa 4 Fuder Heu einbringen könnte, zählte Pastor Christoph Arnoldi 1647 auch noch 3 Morgen Acker auf dem “Chelichen Warder” zum Pfarrbesitz. In der Zwischenzeit muß das Ackerland auf der Anhöhe wohl der Kirche übereignet worden sein.
Mitte des 19. Jahrhunderts begann Pastor Breuel einen Teil des Ackers auf dem “Gilkenwerder” als Garten einzurichten. Bald entstand auch ein kleines Gartenhäuschen und in der Folgezeit kamen weitere Anbauten hinzu.
Ein zweiter Pfarrgarten lag nördlich vom heutigen Denkmalsplatz. Zwei große Gärten, das war dem Pastor Voß, der 1883 das Amt angetreten hatte, dann doch zuviel. Er bot 1886 den weiter entfernten, unter der Nr. 131 im Stadtbuch eingetragenen und etwa 200 Quadratruten großen Predigergarten zum Verkauf an. Wie aus den „Bedingungen zum öffentlichen Verkauf des Pfarrgartens im Gilken - Werder ...“ hervorgeht, gab es hier mehrere Gebäude: ein Wohnhaus, eine Scheune, einen Schweinestall und einen Keller. Der Händler August Lüders erstand den Garten für 2945 Mark. Bereits 1889 verkaufte er das Grundstück weiter an den Gärtner Wilhelm Brümmer aus Franzensberg.
Wilhelm Brümmer richtete auf dem „Gilkenwerder“ eine gut gehende Gärtnerei ein. Er lebte hier mit seiner Frau ruhig und abgeschieden von der Stadt in einer wunderschön blühenden Umgebung. Wilhelm Brümmer war als guter Gärtner bekannt. Er war auch Bürgerrepräsentant und Offizier der Schützenzunft. Die Ehe blieb leider kinderlos. Um 1900 entstand im Volksmund der Name „Paradies“ für den „Gilkenwerder“, sicherlich in Anspielung an den früheren kirchlichen Besitz, aber auch weil damals viele sagten: „Die leben hier wie im Paradies“.
Das Gehöft wurde weiter ausgebaut. Im September 1920 erhielt das Wohnhaus elektrischen Anschluß. Als Wilhelm Brümmer 1931 starb, übernahm der Gärtner Rudolf Opitz das Anwesen. Er verzog später aus Neukalen. Karl Niehusen versuchte, die Gärtnerei weiterzuführen. Er verdiente sein Geld auch als Kirchenvogt, Friedhofswärter und Zigarrendreher. Als er 1957 starb, kaufte Otto Koch das Grundstück für 6250,- Mark.
Otto Koch betrieb ein wenig Landwirtschaft, fuhr Milch für das Milchgeschäft Maeting und auch Pakete aus. 1987 verstarb er. Sein Sohn Ulrich versuchte weiter zu wirtschaften, brachte aber nichts zuwege. Der Alkohol wurde sein bester Freund. Im August 1990 fand man ihn auf einer Parkbank am ehemaligen Schulsportplatz im Alter von 40 Jahren tot auf.
Thomas Zingelmann kaufte 1990 das Grundstück. Das Haus und die Umgebung waren in einem total verwahrlosten Zustand. Nach zwei Jahren aufwendiger Aufräumungs- und Umbauarbeiten konnte das gründlich sanierte Wohnhaus wieder bezogen werden.
Auch heute noch ist das Grundstück unter dem schön klingenden Namen „Paradies“ im Grundbuch eingetragen.
Als 1927 die Peene durch die Firma Dr. Fehlberg & Dipl. - Ing. Leymann begradigt wurde und von der Eisenbahnbrücke bis zur großen Straßenbrücke ein neues Flußbett erhielt, baggerte man gleichzeitig auf der nördlichen Seite am Ende des “Kuhdamms”, gegenüber dem „Gilkenwerder“, eine Fläche für eine Badeanstalt aus.
Vom Zimmermeister Keding und dem Bauunternehmer Hopp wurde im Mai / Juni 1928 ein Badewärterhäuschen und 6 Ankleidezellen errichtet. Die Bollwerks- und Zimmerarbeiten zur Badeanstalt wurden auch vom Zimmereibetrieb und Sägewerk R. Schulz ausgeführt.
Die Einweihung der neuen Badeanstalt erfolgte am 5.8.1928. Die Stadtverwaltung legte Badezeiten fest und ließ Eintritt kassieren. Die städtische Badeanstalt wurde jährlich verpachtet. Die Einnahmen laut Badetarif gehörten dem Pächter. Erster Pächter und Badewärter war 1928 Erich Heiden. Er erhielt monatlich 110 Reichsmark. Letztmalig war diese Badeanstalt 1940 offiziell unter Aufsicht des Rentners August Hinzpeter geöffnet. Dann verschlammte und verfiel die Anlage. In den Kriegsjahren und nach Ende des II. Weltkrieges gab es weder Geld noch Material zu ihrer Erhaltung.
Nach 1945 wurde das Häuschen der Badeanstalt als Wohnung genutzt, später war es dann aber dem Verfall preisgegeben. Ab 1989 baute die Jagdgesellschaft das Häuschen für ihre Zwecke aus und konnte das Grundstück 1991 kaufen. Es befindet sich darin ein gut eingerichteter Gemeinschaftsraum.
Zwischen der Fußgänger- und der Eisenbahnbrücke wurde 2011 eine Badestelle an der Peene angelegt. Ihre Eröffnung war am 29.6.2011. Bis heute wird sie gerne genutzt.