Veranstaltungstipps

 

Diskothek "Erlebniswelt"

 

   Das Haus Straße des Friedens Nr. 14 hat eine lange Tradition im Gaststättengewerbe zu verzeichnen. Bereits 1758 betrieb hier Johann Radöhl einen Ausschank, um 1777 Hinrich Radöhl und ab 1798 dann Johann Joachim Christoff Radöhl, der als Herbergier, Bäcker und Gastwirt genannt wird. Seine Frau, Sophia, geb. Hoffen, kümmerte sich um Hotel und Ausschank, während er hauptsächlich als Bäckermeister arbeitete. Als Johann Radöhl am 9.9.1842 verstarb, erbte seine Tochter, die „unbegebene“ (unverheiratete) Friederica Radöhl, das Haus und verkaufte es an den jungen Kaufmann August Hermes. Dieser baute das Haus weiter zur Gaststätte mit Hotelbetrieb aus und verkaufte die Bäckereieinrichtung. Als er am 7.3.1879 an Lungenentzündung starb, führte seine Frau Amalie, geb. Niebour die Gaststätte und das Hotel noch drei Jahre weiter. Das Lokal wurde auch für Vereinsversammlungen, öffentliche Veranstaltungen und künstlerische Vorführungen genutzt.

   1882 verkaufte Frau Hermes den „Gasthof“, wie der Name bis dahin war, für 19 500 Mark an Georg Kähler, der die Gaststätte mit Hotelbetrieb am 1.12.1882 unter dem neuen Namen „Großherzog von Mecklenburg“ eröffnete. Georg Kähler wird in alten Schriftstücken als Gastwirt und Hotelier bezeichnet. Sein Spitzname war "Lorbaß". Er war sehr dick. „Lorbaß führte sein Hotel gut, und die Gäste kehrten gerne bei ihm ein. Sie freuten sich über seinen Humor und über seine Küche“, heißt es in einem Bericht. Georg Kähler verstarb bereits am 15.5.1900 mit 43 Jahren an Schlagfluß. Seine Frau blieb bis etwa 1910 Eigentümerin des Hauses und verpachtete die Gastwirtschaft ab 1902 an Heinrich Pinnow, ab 1905 an Robert Luther und ab 1908 an Fritz Lagemann, dem bereits eine Gaststätte an der Straße nach Malchin gehörte. Als Lagemann starb, verkaufte Frau Kähler die Gaststätte 1910 an Paul Behrend. 1914 ließ er den Saal erbauen, und ab dieser Zeit wurden hier Filme von durchreisenden Filmvorführern gezeigt. Als Paul Behrend 1915 bis 1918 für den Krieg eingezogen war, führte seine Frau Martha die Gaststätte alleine weiter. Der Name „Großherzog von Mecklenburg“ war nach dem Krieg nicht mehr zeitgemäß und wurde in „Hotel Behrend“ geändert. In der Inflationszeit kaufte Paul Behrend 1922 das Filmvorführgerät aus dem „Deutschen Haus“ / Neukalen für 400 000 Mark. Seit dieser Zeit gab es im Saal Kinoveranstaltungen unter dem Namen „Lichtspiele Behrend“.

   1929 mußte das Grundstück zwangsversteigert werden, da Behrend total verschuldet war. Das Hotel mit dem Saal für Filmvorführungen wurde von der Stadt erworben und im Sommer 1930 an Ernst Müller verpachtet, der aber bereits 1931 nach Stralsund verzog. Kaufmann Arthur Lange bewirtschaftete als Zwangsverwalter das Hotel im Auftrag der Stadt für ein halbes Jahr bis zum Frühjahr 1932. Dann pachtete es ab 1.5.1932 Hans Glatz, der es aber auch nicht lange aushielt. Bereits im Frühjahr 1933 erschien der nächste Pächter: Alfred Stiewe. Es erfolgte wieder eine Umbenennung in „Hotel Stiewe“. Kinoveranstaltungen wurden hier nach wie vor durchgeführt. Bei Stiewe kam der Unternehmer Ernst Höppner aus Dargun einmal wöchentlich, manchmal auch mehrmals und führte Filme vor. Der nächste Hotelpächter ab April 1936 bis März 1937 war Wilhelm Hornig. Er zog dann nach Bernburg.

   Endlich gab es aber 1937 einen Käufer. Walter Dahms kaufte das Hotel am 15.3.1937 von der Stadt. Der Saal wurde neu gebaut. Im „Hotel Dahms“ gab es viele Feierlichkeiten und Kinoveranstaltungen. Während des Krieges und auch danach, mußte jeder Kinobesucher oder Gast bei Tanzveranstaltungen ein Stück Holz mitbringen, damit der große eiserne Ofen geheizt werden konnte. Als Walter Dahms verstarb, führte seine Frau, Margarete Dahms, geb. Gielow die Gaststätte und das Hotel weiter. Am 15.11.1961 verpachtete sie die Gaststätte und den Saal an den Konsumverband, während sie die Zimmervermietung noch bis 1973 fortführte. Der Konsumverband setzte Gaststättenleiter ein, so z.B. Frau Dietzmann, Herrn Fritz Guthnow, Frau und Herrn Milpitz, Herrn Rohde sowie Frau Heidi Wessel.

   Anfangs war der größte Saal der Stadt seinem eigentlichen Zweck entfremdet, indem hier die Konsum - Möbel - Verkaufsstelle untergebracht war. Erst ab 1963 gab es im Saal wieder Tanzveranstaltungen, Ausstellungen, Film- und Sportvorführungen, Karnevalssitzungen und Jugendweihefeiern.

   Ab 5.8.1977 übernahm Hans-Jürgen Gültzow den „Gasthof Neukalen“ und kaufte 1981 das Gebäude. Ende der 1970er Jahre begann die Disko-Ära. Jugendliche initiierten die ersten Versuche mit selbstgebauten Ton- und Lichtanlagen. Rund 80 Besucher waren jedesmal bei diesen Anfängen dabei. Es wurden nach und nach mehr; bis zu 400 amüsierten sich hier.

   Am 1.1.1990 konnte Hans-Jürgen Gültzow den Gaststätten- und Veranstaltungsbetrieb als Selbstständiger übernehmen. Er kaufte die Wohnhäuser Nr. 16 und 12 in der Straße des Friedens dazu. Nach größeren Umbauten gab es nun mehrere Tanzflächen sowie Bars, und es entstand eine der größten Diskotheken in Mecklenburg / Vorpommern, die bis heute weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und berühmt ist.

Ansichtskarte Gruss aus dem Hotel Grossherzog v. Mecklenburg, 1906 oder früher

Ansichtskarte "Gruss aus dem Hotel Grossherzog v. Mecklenburg" (von 1906 oder etwas früher)

 

 

Hotel Grossherzog von Mecklenburg, 1915 oder früher

Hotel "Grossherzog von Mecklenburg" (um 1915)

 

 

Ansichtskarte Hotel Grossherzog v. Mecklenburg Inh. Paul Behrend

Ansichtskarte "Hotel Grossherzog v. Mecklenburg Inh. Paul Behrend"

 

 

Hotel Dahms (um 1957)

Hotel Dahms, um 1957

 

 

Ansichtskarte Straße des Friedens um 1960

Straße des Friedens, um 1960

 

 

Gaststätte Gültzow in der Straße des Friedens, Juli 1984

Gaststätte von Hans-Jürgen Gültzow (1984)

 

 

Gasthof Neukalen, 1993

Gasthof Neukalen, 1993