Karnitz
Der Ort Karnitz wird zuerst in einer Urkunde vom 4. April 1232 erwähnt.
Die Bezeichnung „Karnese“ (1232, 1282), bzw. in späteren Urkunden „Karniz“ (1305), „Karendce“ oder „Karenze“ ist slawischen Ursprungs und leitet sich von einem Personennamen „Karna“ ab, welcher soviel wie „von kleinem Wuchs, kurz“ bedeutet. Die Endung „itz“ wird als Sitz, Wohnung oder Ort gedeutet, so daß man Karnitz als Ort des Kleinwüchsigen deuten kann.
Man kann davon ausgehen, daß die ersten christlichen Einwohner von Karnitz zur Kirche nach Schorrentin gingen. Erst als der Ritter Dietrich Moltke eine kleine Kirche in Schlakendorf erbauen ließ und diese 1305 vom Caminer Bischof Heinrich eingeweiht wurde, hatten die Karnitzer es zum Gottesdienst nicht mehr so weit. Jeder Bauernhof in Karnitz mußte jährlich 1 Scheffel Roggen und 2 Scheffel Hafer an den in Schlakendorf amtierenden Pastor abgeben.
1314 gab es in Karnitz 16 Bauernstellen. 1351 wird uns Johann Schnakenburg als Eigentümer von Karnitz genannt, ab 1377 sind es die Brüder Burkhard und Otto Wotzenitz. Karnitz blieb bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Besitz der Familie Wotzenitz.
1520 erfahren wir erstmals die Namen der elf in Karnitz lebenden Bauern: Hans Kansce, Pepelow, Hinrick Schröder, Hans Simon, Hans Mewes, Hans Kuer, Hinrick Lowe, Claus Schröder, Hinneke Kansce, Achim Spolenholten und Baltzer.
1585 gab es in Karnitz noch mehrere Bauern, die dem herzoglichen Amt in Neukalen unterstanden; 1647 gab es nur noch einen Bauernhof, der Chim Lowen gehörte, welcher aber zum Ende des Dreißigjährigen Krieges nicht mehr anwesend war.
Um 1662 gab es zwei Meierhöfe. Der eine hatte Christoph Speckin gehört, welcher wohl schon 1658 gestorben war; der andere gehörte Curd Joachim von Möller in Teschow, dessen Sohn, Joachim Christian von Möller, besaß dann zum Ende des 17. Jahrhunderts ganz Karnitz.
1702 übernahm Ulrich Christoph von Blücher zum Pfand die beiden Meierhöfe in Karnitz und legte sie bald nach 1704 zusammen. Etwa 1706 wurde Karnitz vom Landesherrn zu einem Rittersitz erklärt.
1724 verkaufte Ulrich Christoph von Blücher seinen Besitz in Karnitz an Ludolf Otto von dem Knesebeck auf Pohnstorf, welcher das Gut bald seinem jüngsten Sohn Eggert Otto Heinrich von dem Knesebeck übereignete. Heinrich von dem Knesebeck war ein streitsüchtiger und hochmütiger Mensch, der sich auf seinen Adelstitel viel einbildete. Er vernachlässigte die Landwirtschaft, machte viele Schulden und zerstritt sich mit dem Pastor in Neukalen. So kam es 1753 zum Konkursverfahren und zu einer Zwangsversteigerung. Das war einer der wenigen Fälle in Mecklenburg, bei dem der Herzog sein Recht auf das vergebene Lehn ausübte und dem Besitzer sein Rittergut entzog. Heinrich von dem Knesebeck mußte sein Wohnhaus in Karnitz räumen. Auf herzoglichem Befehl durfte er nur seine vier Pferde mit Wagen und die zum Gebrauch nötigen Möbeln mitnehmen.
Das Gut Karnitz wurde zum Kauf angeboten. 1760 erwarb es der Kammerherr Theodosius von Levetzow auf Teschow. Es blieb nun bis 1931 im Besitz der Familie von Levetzow.
1921 brannte in Karnitz eine Scheune ab. An diesem Ort wurde 1924 der heute noch stehende Kornspeicher erbaut.
Als Alexander von Levetzow am 12.12.1929 in Lelkendorf gestorben war, erbten seine Söhne Hinrik und Joachim von Levetzow die Güter Lelkendorf, Karnitz und Sarmstorf. Sie wollten aber das verschuldete Gut Karnitz nicht übernehmen. Es kam 1931 zu einer Zwangsversteigerung, bei welcher Professor Hans Hass das Gut erwarb. Ende April 1945 flüchtete er vor den russischen Truppen nach Hamburg.
Nach Kriegsende mußten viele Flüchtlinge und Vertriebene aus den östlichen Gebieten im Gutshaus, in der alten Mühle, auf dem Boden des 1944 neu errichteten Kuhstalles und in den Katen untergebracht werden. Die Einwohnerzahl stieg auf 174 (29.10.1946).
Bei der Bodenreform im Oktober 1945 wurde das Land an 25 Neubauern aufgeteilt.
1953 erfolgte die Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) „Einheit“ Karnitz Typ III. Ihr Vorsitzender war Kurt Nixdorf. In den folgenden Jahren konnte sich durch die LPG und mit staatlicher Unterstützung ein reges Dorfleben entwickeln.
So wurde 1955 ein Wohnblock mit 12 Wohnungseinheiten errichtet, um die Wohnungsknappheit zu verringern. Für die Kinder der arbeitenden Mütter gab es in einem größeren Raum des ehemaligen Gutshauses eine kostenlose Kinderbetreuung. Die schulpflichtigen Kinder gingen in Schlakendorf zur Schule. Ab 1.1.1961 verkehrte regelmäßig ein Schülerbus, welcher die Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 4 nach Schlakendorf und ab der 5. Klasse nach Neukalen brachte. Seit dem 1.9.1970 besuchten dann alle Schülerinnen und Schüler aus Karnitz die Schule in Neukalen.
Für die Lebensmittelversorgung war eine Konsum-Verkaufstelle errichtet worden. Um 1960 erbaute die LPG einen Schweinestall, welcher im Frühjahr 1990 abgerissen wurde. 1972 erfolgte die Installation einer Straßenbeleuchtung.
1978 brach im ehemaligen Gutshaus ein Feuer aus. Die Ursache war, daß jemand fahrlässigerweise glühende Asche in eine Holzkiste geschüttet hatte. Die Reste des abgebrandten Gutshauses wurden im Winterhalbjahr 1978/79 von der Kreis-ZBO abgetragen. Mit dem Schutt verfüllte man die Kellerräume.
Im Laufe der Zeit - besonders mit der Auflösung der LPG 1990 - verlor Karnitz viele Einwohner und machte immer mehr einen verlassenen Eindruck. Das änderte sich erst wieder ab 1997, als der „Projekthof“ unter Leitung von Dr. Joachim Borner eingerichtet wurde und 2006, als Kerstin Baarmann und Lothar Oertel das Grundstück, auf welchem einmal das alte Gutshaus stand, erwarben. Sie scheuten keine Mühe. Der Schutt wurde aus dem Kellergewölbe geräumt und die urigen Räumlichkeiten für kulturelle Zwecke hergerichtet.
2010 erwarb der Schäfer André Bartz den ehemaligen Kornspeicher von Frau Naujoks und betreibt seitdem in der Peeneniederung seine Schafhaltung.