Forsthaus Franzensberg
1820/21 wurde hier ein Forsthaus zur Verwaltung der umliegenden herzoglichen Waldungen erbaut.
Johannis 1821 zog der bisher in Neukalen wohnende Förster Friedrich Georg Pflugradt (geb. 19.10.1792, gest. 6.5.1862) in das frisch erbaute Forstgehöft. Es erhielt zu Ehren des regierenden Herzogs Friedrich Franz I. von Mecklenburg (1785 - 1837) den Namen Franzensberg. Die landesherrliche Verleihung dieser Benennung erfolgte unter dem 29.9.1821.
Zum Forstgehöft gehörten eine Scheune, Stallgebäude und ein großer Garten. Es entwickelte sich ein reger Wirtschaftsbetrieb. Der größte Teil der Lebensmittel wurde selbst hergestellt. Im Winter war man oft von der Außenwelt vollkommen abgeschnitten. Um 1850 lebten hier neun Personen: die Familie des Försters Pflugradt, der Jäger Schulz, die Wirtschafterin Wiebcke, ein Knecht, ein Junge und zwei Dienstmädchen.
Der Landschafts- und Architekturmaler Friedrich Adolph Gustav Pflugradt wurde am 28.9.1828 im Forsthaus Franzensberg als jüngster Sohn des Försters Friedrich Pflugradt geboren. Er verlebte hier seine Kinderjahre. Ab Ostern 1835 besuchte er die Schule in Neukalen und mußte morgens und am Nachmittag einen Fußweg von etwa 3,5 km in landschaftlich schöner Umgebung hin und zurück machen. Er liebte es, Motive aus der Umgebung zu zeichnen, und man entdeckte bald seine Begabung.
Nach dem Besuch der Grundschule in Neukalen und der Lateinschule in Malchin erlernte Gustav Pflugradt den Kaufmannsberuf. Er studierte privat bei dem Landschaftsmaler und Grafiker Johann Wilhelm Schirmer in Düsseldorf und ab 1858 bei dem Landschaftsmaler Ferdinand Bellermann an der Berliner Akademie sowie an der Berliner Bauakademie bei Karl Eduard Biermann in dessen Klasse für Landschaftszeichnung. 1859 erhielt er ein Stipendium von jährlich 50 Thalern des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin. Gustav Pflugradt wurde bald zu einem anerkannten romantischen Landschaftsmaler.
Ab 1867 zeigte Gustav Pflugradt seine Werke regelmäßig auf den Ausstellungen der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin und bei den Großen Berliner Kunstausstellungen, aber auch in Bremen, Dresden, Hamburg, Hannover, Magdeburg, München, Schwerin und weiteren Städten. Er ließ sich später in Berlin nieder und war Mitglied des Vereins Berliner Künstler. Er bereiste Deutschland, insbesondere Nord-Deutschland und seine Mecklenburger Heimat. 1894 ernannte ihn Großherzog Friedrich Franz III. zum Professor. Das Staatliche Museum in Schwerin widmete ihm eine Sonderausstellung. Seine Motive – außer Gemälde hinterließ er auch Aquarelle und Zeichnungen – wählte er vornehmlich aus Mecklenburg und dem westlichen Deutschland und variierte sie in jahreszeitlichen Stimmungen.
Als der Maler Gustav Pflugradt am 20.5.1908 in Berlin starb, wurde er auf dem Dorffriedhof in Pütte beigesetzt. Sein Grab ist heute noch vorhanden.
Nach dem Tod von Förster Friedrich Pflugradt 1862 übernahm der Förster Theodor Simon Heinrich Drechsler diese Stelle bis 1884. Ihm folgte Revierförster Wilhelm Schickendanstz bis 1904 und ab 1905 Revierförster Karl Louis Max Kühm bis 1912.
Bei der Aufsiedelung der Domäne Gülitz 1913 wurde der vorherige Gülitzer Pachthof als Forstwohnsitz eingerichtet, in welchen der Stationsjäger Eduard Dau einzog. Er war bis 1945 für die Landesforst Franzensberg zuständig.
Das bisherige Forstgehöft Franzensberg wurde als Bauernstelle verpachtet. 1920 waren es zwei abgedankte Offiziere, die den früheren Forsthof zur landwirtschaftlichen Nutzung pachteten und ihr Glück versuchten: Oberstleutnant Wolfgang Herbig und sein Schwiegersohn Leutnant Walter Joachim Hermann Heinrich Prael. Auf Grund der schwierigen und ungünstigen Bodenverhältnisse gaben sie ihr Vorhaben aber bald wieder auf. Bekannt ist, daß hier um 1923 der Wirtschafter Hans Sponholz wohnte. Vor 1927 bis 1930 hatte Karl Heinrich Wilhelm Martin Max Hacker die Domäne gepachtet. Von 1930 bis 1932 lebten hier der Major a. D. Franz Schulz und Robert Guthke, die den landwirtschaftlichen Betrieb verkommen ließen.
1933 pachtete Walter August Otto Voss das Bauerngehöft. Er brauchte im ersten Jahr keine Pacht zu bezahlen, da der Acker sehr heruntergewirtschaftet und voller Unkraut war. Zusammen mit seiner Frau Emma Luise Voss, geb. Tübben brachte er Acker- und Viehwirtschaft wieder auf einen guten Stand.
Die Bauernstelle Voss wurde durch die Bodenreform vom 5.9.1945 in zwei Flurstücke geteilt. Die nordwestliche Seite wurde der Familie Olschewski und die südwestliche der Familie Kracht übereignet. Von 1949 bis 1957 wirtschaftete der Ackersmann Richard Kunst in Franzensberg. Danach stand das Anwesen leer und verlassen da.
Ab 1958 erfolgte der Umbau zu einer Pionierstation, die zahlreichen Schulklassen eine Zeit der Erholung, Entdeckungen in der Natur und Gewinnung neuer Eindrücke brachte.
Nach 1990 betrieb der Trägerverein „Waldschulheim Franzensberg e. V.“ unter der Leitung von Reinhold Dettmann das Anwesen mit Übernachtungen und Veranstaltungen weiter. Heute ist das Anwesen in Privatbesitz und kann für Übernachtungen, Feierlichkeiten, Seminare u. a. gebucht werden.