Das richtige Thema für den letzten Schultag zu finden war für die 13 Schüler der Klasse 10 b nicht schwer. Im Unterricht und in der Freizeit hatte man eine ganze Reihe von Ideen zusammengetragen. Schließlich entschieden sich die Schüler, als Mecklenburger Schuljugend den letzten Schultag anzutreten. „Es ist einfach passend zur jetzigen Zeit. Das alte Mecklenburg soll einfach wiederaufleben. Wir fühlen uns mit unserer schönen Heimat verbunden“, so die Schulabgänger.
Unter der Mecklenburger Landesfahne und mit lustigen Mecklenburger Kostümen zogen sie von ihrem Treffpunkt, der Buswartestelle, zur Schule. Für die Lehrer hatten die jungen Leute kleine Überraschungen vorbereitet und jeder bekam seinen speziellen Spruch. Am Nachmittag wurde der Abschied dann auf Mecklenburger Art im Gartsbruch gefeiert.
Ob sie die Schule sehr vermissen werden? Ein Schüler meinte: „Ich glaube, daß man sich eines Tages zurücksehnen wird. Nicht jeder Tag war gleich. Oft hatte man doch viel Streß. Vielleicht hätten acht Klassen gereicht. TZ, Kunst und Musik wären mehr etwas für Interessierte.“
Nun stehen erst einmal etliche Wochen Ferienzeit bevor, und dann geht´s für die meisten in die Lehre. Toi, toi, toi für die Zukunft. D. Kleine-Möllhoff
Ein neuer Name
für die Schule der Stadt gesucht
Ein Dichter soll Willi Schröder ersetzen
(27.6.1990)
Namenlos ist zur Zeit die Schule der Stadt. Den Namen „Willi-Schröder-Oberschule“ empfinden Lehrer wie Schüler nicht mehr als zeitgemäß. Man will weg von den alten „Kämpfernamen“.
Nun wird ein Dichtername für die Neukalener Schule gesucht. Nur Fritz Reuter sollte es nicht unbedingt sein. Zu hoffen bleibt allerdings, daß bei der Namenssuche auch die Schüler ein Wörtchen mitzureden haben.“
Schule Neukalen will nun namenlos bleiben
Bezeichnung „Willi Schröder“ war Schülern wie Eltern eine zu einseitige Ausrichtung in der Erziehung
(27.7.1990)
Als vor gut zwölf Jahren der Neukalener Oberschule der Name „Willi Schröder“ verliehen wurde, wußte natürlich jeder, wer Willi Schröder war. Kennt doch in einer Kleinstadt jeder jeden und deswegen natürlich auch Schröders Willi. Natürlich war allen klar, daß es nicht der Willi sein konnte, nach dem jetzt urplötzlich die Schule benannt wurde. Aber kurios war es schon, damals.
Bis zu den Sommerferien stand der Name „Willi Schröder“ zwar noch auf den meisten Neukalener Hausaufgabenheften – denn wer hätte vor einem Jahr schon gedacht, daß es einmal so kommt. In der Schule selbst ist der Name dagegen von Wandzeitungen und Hinweistafeln verschwunden. Eine jähe Wendung hinter den Mauern des rund 150 Jahre alten Schulgebäudes?
„Wir haben heute keine andere Position zu dem antifaschistischen Widerstandskäpfer Willi Schröder, seiner Sache begegnen wir mit Achtung“, so Peter Birke, der selbst einmal dort die Schulbank drückte, wo er jetzt seit 15 Jahren Direktor ist. Bei der Vertrauensfrage stellte sich sein Kollektiv erst jüngst wieder geschlossen hinter ihn.
Besonders bei den älteren Schülern war die Namensstreichung nicht unumstritten. Wenn man nichts gegen den Antifaschisten Willi Schröder hatte, warum sollte der Name weg, war immer wieder die Frage.
„Wir haben mit den Eltern und mit den Schülern diskutiert. Die meisten meinten schließlich, daß der Name eine zu einseitige Ausrichtung in der Erziehung der Schüler bedeuten würde. Schließlich waren es nicht nur Kommunisten, die in die KZ gesperrt wurden“, erinnert Peter Birke.
Vermutungen, daß man jetzt einen Dichternamen für die Schule sucht, weist der Direktor zurück. „Schule Neukalen – Mecklenburg“ klingt doch auch ganz hübsch und reicht aus. Die bestellten Aufnäher für die Sportkleidung konnten gerade noch in diese Bezeichnung geändert werden. Ansonsten besinnt man sich auch in der Schule auf das Stadtwappen von Neukalen als Aushängeschild.
T. Bengelsdorf
Schülerspeisung
(13.10.1990)
Zur Schülerspeisung teilte Herr Wilke, Bürgermeister, mit, daß sie auch weiterhin durch den Gasthof Neukalen abgesichert wird, und zwar zu den bisherigen Preisen. Nachdem die Schulküche vom Konsum an die Stadt übergeben worden ist, machen sich umfangreiche Renovierungsarbeiten notwendig, um sie ordentlich herzurichten und wiedereröffnen zu können.
Wer leitet die Schulküche?
(20.11.1990)
Die Stadtverwaltung sucht für die Schulküche ein Ehepaar, das die Leitung der Küche übernehmen würde. Etwa 350 Essen werden in der Schulküche täglich zubereitet
Schulküche öffnet wieder
(22.12.1990)
Am 7. Januar wird die Küche im Schulgebäude wieder eröffnet. Unter acht Bewerbern wählten Neukalens Stadtverordnete das Ehepaar Braß aus Schlakendorf für das Betreiben der Küche aus.
Neukalener Schulküche kocht wieder
(14.1.1991)
Sorgen mit dem Schulessen gab es in den vergangenen Monaten in Neukalen. Da die Schulküche geschlossen wurde, „wanderten“ Lehrer und Hortnerinnen mit den Klassen zum Essen in den Gasthof. Nunmehr ist dieses leidige Kapitel Vergangenheit.
Das Ehepaar Braß aus Schlakendorf übernahm die Mittagsversorgung im Schulhaus. Bis zu 180 Portionen müssen täglich gekocht werden. Früher, so die Schulsekretärin, waren es über 400 Essen. Die Preise für die Schülerspeisung sind derzeit noch erschwinglich. Kinder bis zur 6. Klasse zahlen 1,50 Mark, die Klassen darüber 2 Mark. Vorbei ist auch die Zeit, da Pädagogen zum selben Preis wie die Schüler essen konnten. Sie zahlen zur Zeit 2,75 Mark.