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Friedhof Neukalen

 

Friedhof Neukalen

 

 

 

Am Ende ist noch nicht alles vorbei

 

Pastorin Dr. Kathrin Fenner

 

   Wenn das Jahr sich dem Ende zuneigt; die Blätter von den Bäumen fallen, Nebel aufs Land zieht – dann macht uns das deutlicher, bewusst, dass alles zu Ende geht.
   Meist schieben wir diese Gedanken weit von uns. Diejenigen unter uns, die im ablaufenden Jahr auf den Friedhof gerufen wurden, um Abschied zu nehmen, realisieren am stärksten, dass er dazu gehört. Der Tod gehört zum Leben dazu. Auch wenn wir in unser Gesellschaft durch die Anlage von großen Friedhöfen außerhalb der Städte zu einer Entfremdung dieses Zusammenhangs unterstützt haben.

   Dass wir unsere Toten begraben – viele unter Glockengeläut auf dem letzten Weg begleiten – hat eine lange Tradition und ist eigentlich selbstverständlich.
   Als Liebesdienst verstanden, der nicht nur den Verstorbenen, sondern auch den Angehörigen gilt, gehört er in unserem Kulturkreis dazu – der Weg auf den Friedhof.
   In Deutschland kennen wir inzwischen verschiedene Möglichkeiten der sogenannten „letzten Ruhe“.

   Seit dem 19. Jahrhundert werden große Zentralfriedhöfe angelegt, die in kommunaler Trägerschaft stehen und ein organisiertes Bestattungswesen entstehen lassen. Von besonderer Bedeutung ist, dass  die Feuerbestattung neben das Erdbegräbnis tritt. Einen Verstorbenen nicht im Sarg beizusetzen, sondern zu verbrennen, ist lange Zeit durch die Vorstellung der Auferstehung des Toten in seiner leibhaften Gestalt undenkbar gewesen. Die ersten Krematorien entstanden in Gotha (1879), Heidelberg (1891) und Hamburg (1892) nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen.
   Die Veränderungen in der Bestattungskultur haben dazu geführt, dass das Angebot der Beerdigung vielfältig geworden ist und neben den Wahlgräbern für Sarg oder Urne, die anonyme Bestattung als kostengünstige und später oft bereute Beisetzung gewählt werden kann. Diese Variante ist auf kirchlichen Friedhöfen durch die Anonymisierung nicht möglich. Aber die Wahl der Letzten Ruhestätte ist vielerorts erweitert durch Urnenreihen oder pflegeleichte Rasenanlagen, Seebestattungen, Baumbestattungen oder das Verwahren der Urne in Kolumbarien.

   All diesen Bestattungsformen ist gemeinsam, dass ein Mensch der Erde zurück gegeben wird, aus der wir biblisch gesehen geschaffen wurden. Und bei kirchlichen Beerdigungen wird die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass ein Mensch nach „Hause“ kommt und mit dem Tod noch nicht alles vorbei ist und das Ewige Leben auf uns wartet.

   Wenn die Glocken uns verkünden – wieder hat ein Mensch sich auf den letzten Weg gemacht, dann halten wir einen Moment inne und können uns daran erinnern, dass es irgendwann auch mit uns ein Ende haben muss – und vielleicht leben wir dann bewußter.

 

Friedhof

 

 

 

Begräbnisstätten in Neukalen

Wolfgang Schimmel

 

Der Friedhof um die Kirche

   Als ältester Friedhof darf wohl der - früher mit einer Feldsteinmauer eingefriedete - Platz rund um die Kirche angesehen werden. Sehr groß ist er nicht gewesen, und es ist oft die Frage gestellt worden, wie dieser ausreichte. Da wird wohl als erstes zu sagen sein, daß man mit den Gräbern damals nicht so pietätvoll umging, wie das eine spätere Zeit getan hat. Wahrscheinlich hat man die Plätze sehr viel schneller wieder belegt. Man darf das nicht als einen Akt der Roheit und Gefühlslosigkeit ansehen. Das mag wohl vielmehr damit zusammenhängen, daß man ernst machte mit dem Tode, der ein volles Vergehen bedeutet, und daß man nicht an diesem vergänglichen Leibe hing, sondern alle Hoffnung auf Christus setzte, der die Toten erwecken und in einem neuen, unvergänglichen Leibe vor sein Angesicht stellen wird. Auch mag es wohl, wie in anderen Städten, in Neukalen gleichfalls ein sogenanntes Beinhaus gegeben haben, indem die bei einer Wiederbelegung des Friedhofes zutage kommenden Gebeine dann aufbewahrt und von Zeit zu Zeit bestattet wurden.
   Außerdem ist anzumerken, daß die Einwohnerzahl Neukalens bis 1782 - denn so lange wurde der Friedhof um die Kirche genutzt - maximal bei 700 Personen lag.

   Als am 9.2.2011 der Ausbau und die Umgestaltung des Marktes begann, wurden die Arbeiten archäologisch durch die Mitarbeiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern Annett Meyer, Enrico Darjes und zeitweise Martina Manske, betreut.
   Auf der Flurkarte von 1727, die in einer Kopie im Rathaussaal hängt, ist der Friedhof um die Kirche deutlich eingezeichnet. Seine Ausdehnung ließ sich bei den Erdarbeiten mit Ausnahme des Bereiches zwischen Kirche und Rathaus relativ gut nachweisen. Das Friedhofsareal setzte sich deutlich durch eine stark gemischte Schicht aus mittel- bis dunkelgraubraunem Sand, der mit kleinstückigem Ziegel- und Kalkmörtelbruch durchsetzt ist, von der übrigen Befundsituation des Marktes ab.

 

Übersichtsplan der Befunde auf dem Markt und dem Kirchhof Neukalen

 

Übersichtsplan der Befunde auf dem Markt

und dem Kirchhof Neukalen

(Zeichnung: Annett Meyer)

[Quelle: Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern:

"Archäologische Berichte aus Mecklenburg-Vorpommern", Band 20, 2013.]

 

 

   Von der ursprünglichen Feldsteinmauer war nichts mehr zu finden. Als Begrenzung des Friedhofes wurde aber eine Pfostenreihe dokumentiert, die sich entlang der durchmischten Schicht zieht. Sie streicht, nördlich des Turmportals auf der Westseite des Marktes beginnend, mit einer größeren Lücke als relativ regelmäßige Reihe halbkreisförmig um das nördliche Kirchenumfeld. Östlich der Kirche ließ sich die Pfostenreihe bis in den Bereich vor dem Rathaus verfolgen, hier jedoch in unregelmäßigeren Abständen und unterschiedlichen Verfüllungen der einzelnen Pfostengruben. Als einziger Fund wurde aus einem Pfostenloch die Bodenscherbe einer Mineralwasserflasche aus Steinzeug geborgen. Historisch überliefert ist die Einfriedigung des Kirchhofes mit einem Geländer aus Eichenholz im Jahre 1854. Dieses war 1876 schon weitestgehend verfallen und wurde durch ein eisernes Geländer ersetzt. Ein Teil der dokumentierten Pfosten dürfte somit auf dieses Holzgeländer zurückzuführen sein.

   Der Friedhofsbereich zeichnet sich durch zahlreiche sich mehrfach schneidende Grabgruben, Sargreste aus zersetztem Holz sowie menschliche Knochen und Knochenfragmente aus. Insgesamt wurden 93 Bestattungen und Grabgruben dokumentiert.
   Die für christliche Bestattungen des Mittelalters und der Neuzeit übliche Ost-West Ausrichtung wurde, vermutlich auf Grund der räumlichen Enge und der starken Belegung des Friedhofes, bei einem Teil der Gräber nicht exakt eingehalten. Gerade im nördlichen Randbereich des Bestattungsareals folgten die Grabgruben teilweise der Kirchhofsgrenze.
   Bei 14 Bestattungen traten Totenkronen als Bestandteil der Totentracht auf. Der Brauch, verstorbene Kinder und unverheiratet verstorbene Erwachsene mit Totenkronen zu schmücken, war besonders im 17. / 18. Jahrhundert weit verbreitet. Dieser Kopfschmuck wurde dem Verstorbenen als Ersatz für die zu Lebzeiten entgangene Heirat, die als elementarer Bestandteil des Lebens aufgefaßt wurde, mitgegeben. Weitere Aspekte dieser Sitte können die Symbolisierung der Jungfräulichkeit oder die im Tode eingegangene „himmlische Hochzeit“ sein. Die Neukalener Totenkronen zeigen zum Teil deutliche Unterschiede in der Machart und den verwendeten Materialien, was vermutlich auf eine soziale Komponente verweist. Als besonders aufwendig gearbeitet erweist sich die Totenkrone aus Grab 64 mit einem goldfarbenem Brokatband, auf dem eine Rosette aus Perlen befestigt ist.

 

Bestattung (Grab 64) mit einer aufwendig gearbeiteten Totenkrone

 

Bestattung (Grab 64) mit einer aufwendig gearbeiteten Totenkrone


   Fünf Individuen waren mit Totenkronen geschmückt und hielten zusätzlich einzelne Blumen oder Handsträußchen aus leonischen Drähten in den Händen. Der Brauch, den Toten neben oder anstelle einer Krone auch Handsträuße beizulegen ist in Mecklenburg-Vorpommern bislang nur bei drei Bestattungen in der Katharinenkirche von Rostock archäologisch sicher nachgewiesen. Zwar können auf anderen ergrabenen Friedhöfen Hinweise auf diese Sitte an Hand von durch Kupferkorrosion verfärbten Fingerknochen und Drahtresten im Bereich der Hände vermutet werden, ließen sich jedoch nicht eindeutig nachweisen. Die Neukalener Handsträuße belegen nun diese Sitte auch im Binnenland des östlichen Mecklenburgs.
   Eine Sonderstellung unter den Bestattungen nimmt ein Sammelgrab ein, das sich zweifelsfrei in die Zeit des Siebenjährigen Krieges datieren läßt. In einer Grabgrube traten die Reste von mindestens sechs Skeletten zutage. Durch entsprechende Beifunde, nämlich 13 Uniformknöpfe, einer Schnalle und einer Kanonenkugel, manifestiert sich der militärische Charakter der Bestattung. Von den in Originallage vorhandenen Skeletten sind weitestgehend nur die Langknochen  der  Beine  sowie  einzelne  Becken-, Wirbel- und Fingerknochen erhalten. Durch die Grabgruben nachfolgender Bestattungen wurden die Knochen der Oberkörper und Füße verworfen. Diese und weitere Knochen fanden sich im Umfeld als lose Streuung, die sich durch einzelne beiliegende Uniformknöpfe aber der Sammelbestattung zuordnen lassen und auf mindestens drei weitere Skelette verweisen. Die im Massengrab bestatteten Toten sind während eines Gefechtes zwischen Neukalen und Salem gefallene Schweden (siehe Jahresheft 2012). Erwähnt sei im Zusammenhang mit dem archäologischen Befund die Verteilung der Gefallenen auf die einzelnen an dem Gefecht beteiligten schwedischen Regimenter und Bataillone:
- finnisches Grenadier-Bataillon: 6 Tote
- Dalsregiment: 13 Tote
- Elfsborg-Regiment: 3 Tote
- Österbotten-Bataillon: 15 Tote
   Leider war anhand der unverzierten Uniformknöpfe eine Zuordnung nach Regimentern bislang nicht möglich. Die Knöpfe weisen verschiedene Formen auf und dürften von Gamaschen oder Knopfleisten an Stiefeln sowie von Uniformmänteln stammen.

 

Sammelgrab aus dem Siebenjährigen Krieg

 

Sammelgrab aus dem Siebenjährigen Krieg

 

Insgesamt wurden um die Kirche herum 93 Bestattungen und Grabgruben dokumentiert

Insgesamt wurden um die Kirche herum

93 Bestattungen und Grabgruben dokumentiert

 

 

   An der Kirche befand sich früher ein kleiner Anbau, die sogenannte Sterbekammer. Was diese Bezeichnung bedeutet, ist unklar. Bei der Neugestaltung des Marktes 2011 kam nördlich der aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenden Sakristei an der Johanniskirche das Feldsteinfundament einer Gebäudeecke zutage, bei dem es sich um den Vorgängerbau - also diese Sterbekammer - handeln dürfte. Anhand dieser Ecke ergibt sich eine Nord-Süd Ausdehnung dieses Kirchenanbaus von circa 7,2 bis 7,25 m, während die jetzige Sakristei eine Nord-Süd Ausdehnung von etwa 5,8 m aufweist. In diesem Zusammenhang wäre auch das Fragment eines grünglasierten Formziegels zu erwähnen, das in unmittelbarer Nähe der Sakristei geborgen wurde. Da an der Kirche ansonsten keine verbauten glasierten Formsteine vorhanden sind, könnte der Ziegel ursprünglich Bestandteil des Vorgängerbaus gewesen sein.

   Das Visitationsprotokoll von 1662 berichtet:
   "Die Stärbekammer ist gleich der Kirchen, mitt Hoelziegel, an einer seite itzt New, gedecket, an der andern seite muß es eins gedecket und gebeßert werden. Inwendig ist diese Kammer gewelbet, aber von Lecken etwas brockfellig. Die thuere so auß der Kirchen darin gehet, ist an Hespen fertig, mitt einem Riegelschloße."

   [Die Sterbekammer ist wie die Kirche mit Hohlziegel gedeckt, an einer Seite jetzt neu, an der anderen Seite muß sie demnächst gedeckt und ausgebessert werden. Inwendig ist diese Kammer gewölbt, aber von Leckstellen etwas bruchfällig. Die Tür, welche von der Kirche in die Kammer geht, ist an den Beschlägen fertig und mit einem Riegelschloß versehen.]

   Auch der frühere Hohlraum unter dem Kirchenschiff und Chorraum wurde als Begräbnisplatz für Standespersonen und solche Familien, die hinreichende Mittel besaßen, bis etwa 1775 genutzt. Pastor Schliemann schrieb 1863 darüber:
   "Am ehrenvollsten schien immer das Begräbnis in der Kirche selbst zu sein; wo hätte man auch im Tode besser ruhen können, als an der Stätte, an welcher man schon lebend die Stunden höchster Erhebung des Gemüts zum Himmel und in Gemeinschaft mit der Schaar der Gläubigen zugebracht hatte? Wer das nötige Geld aufbringen konnte, kaufte für sich und seine Nachkommen einen Begräbnisplatz in der Kirche; Kirchen- und Schuldiener hatten von Amtswegen ein freies Begräbnis daselbst."
   Es war eine allgemein übliche, unsoziale und unhygienische Gepflogenheit, die Jahrhunderte überdauerte. Die enge Bindung zwischen alltäglichem Leben und religiösen Empfinden nährten in alter Zeit die Vorstellung, daß ein Begräbnis im Gotteshaus oder in dessen nächster Nähe für das Seelenheil der Abgeschiedenen sehr dienlich war.

   Gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts trat ein Umschwung ein, das Begräbnis in der Kirche ward nicht mehr wie früher gesucht; die Gründe, aus welchen die Menschen vordem vorzugsweise gern in der Kirche begraben sein wollten, hatten bereits für die meisten ihre Kraft verloren; dazu wurden andere, früher unbekannte Gründe, geltend gemacht, aus welchen man ein Begraben in den Kirchen für bedenklich hielt. Genug, es wird 1774 berichtet, daß, nach einem zehnjährigen Durchschnitte, von den in der Kirche begrabenen Leichen 10 Rthlr. eingehoben sind, und daß darum das Begräbnis in der Kirche ohne deren großen Nachteil völlig aufhören könnte. Das geschieht denn nun auch demnächst, und findet man überdies den Platz um die Kirche herum, welcher sonst bisher zum Begräbnisplatz gedient hatte, für diesen Zweck bald nicht mehr ausreichend. Noch im Jahre 1779 dringt man darauf, daß die durch Niederreißung des alten Schulhauses und eines anderen Gebäudes in der Kirchhofsmauer entstandenen Lücken wieder ausgefüllt werden, und schon 1780 wird ein neuer Kirchhof außerhalb der Stadt angelegt, Planierung und Pflasterung des alten Kirchhofes nebst Niederreißung der Mauer umher, so weit sie noch steht, beschlossen."

   Pastor Voß schrieb 1889: „Unsere Kirche leidet an Schwamm und Mauerfraß, so daß die Kirchenluft, auch wenn die ganze Woche gelüftet worden, eine Stunde nach Schluß sämmtlicher Thüren und Fenster wieder dumpfig ist.“ Als Ursache wurde das Fehlen einer Heizung und die Gräber unter dem Kirchenfußboden angesehen. Der Oberkirchenrat in Schwerin stimmte der Erneuerung des Gestühls und dem Einbau einer Heizungsanlage zu. Als die Heizungsanlage 1890 eingebaut wurde, entfernte man die alten Särge und schüttete die Gruften zu. Der Fußboden, welcher früher aus Mauersteinen bestand, wurde nun mit Fliesen belegt.
   Der Heimatforscher Carl Voß schrieb: "Im Raum unter der Kirche lagen viele Gräber alter Geschlechtsherren aus dem 15. - 17. Jahrh. Auch unter dem Altarraum befand sich ein Gewölbe, in welchem 6 Särge standen, welches die Ruhestätte alter Patrizier bildete und mit großen Summen als Ruheplatz für ewige Zeiten erkauft war. Alle die Gebeine dieser Toten wurden 1890 ausgebuddelt und in großen Kisten auf dem heutigen Friedhof an unwürdiger Stelle eingegraben. Warum mußte die Ruhe dieser Toten gestört werden? Doch auch in diesem Falle konnte es wohl heißen: Sic transit gloria mundi!“
   Die alten Kirchenbücher verbrannten 1777, und so läßt sich kein Name der in der Kirche Bestatteten mehr nachweisen. Es gibt nur noch ein altes Testament der Witwe des Senators Colmar von 1639, aus welchem hervorgeht, daß sie, falls sie in Neukalen stirbt, „alda in der Kirchen ehrlich zur Erden bestetigt werde“ - sicherlich bei ihrem dort ruhenden Mann.  

 

 

Der Marienkirchhof / Salemer Friedhof

   Vor dem Malchiner Tor (östlich des alten Spritzenhauses) befand sich der Sankt Marien Kirchhof. Erstmals findet er im Visitationsprotokoll von 1647 Erwähnung: "Dafür ein gartte beym S. Marien Kirchhofe, negst Jacob Steimbke".
   Der Sankt Marien Kirchhof diente als Armenfriedhof (belegt 1774, 1780, 1782), während die Besitzer eines vollen und halben Hauses eine freie Grabstelle auf dem Friedhof um die Kirche herum hatten.
   Es sind nur wenige Nachrichten über diesen Friedhof überliefert:
   So bittet 1763 der Armenkastenvorsteher um Holz für eine neue Umzäunung für den Armenkirchhof vor dem Malchiner Tor. Die Umzäunung des Friedhofes war von den Schweden abgebrannt worden.
   1775 wurden 11 Leichen auf dem Armenfriedhof beerdigt, Einnahme für den Armenkasten je 8 Schilling.
   Der Revisor der Armenkastenrechnung von Michaelis 1779 bis Michaelis 1780, Superintendent Friedrich, bemängelte:
   "Da jährlich so viele Leichen vorkommen, die auf dem Armen Kirchhofe begraben werden, so hat Herr Rechnungsführer darinn Maße zu halten, daß nur die Leichen würcklich armer Personen dazu gelaßen werden."

   Armenkastenberechner Peter Kasch antwortete dazu:
   "Da nur alle volle und halbe Häuser in der Stadt freie Grab Stellen auf den Kirchhofe in der Stadt haben, so laßen sich alle Büdener, Schutz Bürger, Dienstboten pp auf den Marien- oder so genannten Armen Kirchhoff vor der Stadt begraben, und ist bis dato keinem, der sich hier hat wollen begraben laßen, solches geweigert worden."

   Im Juli 1780 wurden 24 Fuhren Feldsteine aus Salem angefahren und die Mauer um den Marienkirchhof hergerichtet:
   "Daß uns von den hiesigen arm Kasten vorsteher Herrn Peter Kasch vor die Mauer um den so genandten Marien Kirchhofe vor den allhie belegen Malchinschen thor an mich Nicolaus Koch mit 3 Rthlr. 32 Schilling an 2/3tel und an mich Gottfr. Plän mit 12 Schilling m/v. vor unsere arbeit richtig bezahlt hat solches bescheiniget dieser.
   Da wir aber beyderseits des schreiben unerfahren als haben wir den Herrn Rathman Drevfs ersuchet dieserhalb der wahrheit diese obige Quitanee in unsern Nahmen zu Schreiben und unter zu Schreiben. Nien Kahlden. d. 12 Julius 1780.
                            Nicolaus. Koch.
                            Gottfr. Plän"

   "Daß ich unter Schreibener auf ordre des hiesigen arm Kasten vorsteher Herrn Peter Kasch Vier und Zwantzig Fuder Steine zu den sogenannten Marien Kirchhoff angefahren habe von deß Dorf Salem. Rechne per Fuhr mit aus hacken auf zu laden a 16 Schilling Summa 8 Rthlr. 2/3 welche mir von gedachten Herrn Kaschen richtig bezahlt und ich dieserhalb Quitir. Nienkalden d. 12 Julius 1780.
                    Fridrich Kristto Fer Wasmund"

   Laut einem Bericht vom 3. Mai 1793 wurden zwei kleine Plätze am Armenkirchhof belegen an den Bürgermeister Bischof verkauft, da sie unmittelbar an seinen Garten angrenzten. 1795 verkaufte er diese Plätze an den Armenkasten, und so konnte der Armenfriedhof vergrößert werden.
   Doch schon 1803 war dieser Friedhof wieder voll belegt. Viele Einwohner scheuten - begründet oder nicht - die Kosten einer Beerdigung auf dem neuen Friedhof und ließen ihre Toten lieber auf dem Armenfriedhof umsonst beisetzen. Deshalb gab es am 10.2.1803 die Verordnung, daß alle Einwohner auf dem neuen Friedhof bestattet werden sollen.
   Um 1810 wußte der Berechner des Armenkastens schon nicht mehr, welche Bewandnis es mit der Abrechnung von Beerdigungen auf dem Armenkirchhof hatte.

   Ab 1803 fanden hier nur noch die Verstorbenen aus Salem ihre letzte Ruhe. Der Name "Armenkirchhof" blieb noch einige Jahre haften, änderte sich dann aber mit der Zeit in "Salemer Friedhof".

   "Den Hauswirthen zu Salem ist bei Strafe aufgegeben die Befriedigung des Salemer Kirchhofes nunmehr sofort zu beginnen und im nächsten Frühling zu vollenden. Großherzogliche hohe Cammer hat nämlich bestimmt daß die Befriedigung aus einer von den Hauswirthen zu Salem zu setzenden Steinmauer bestehen soll, und wird die an der Landstraße belegene Seite zuerst gesetzt und mit einem Eingangsthore versehen werden.
   Dargun den 11. Novbr. 1847.    Großherzogliche Beamte"

  Diese Anordnung geschah auf die Beschwerde des Bürgermeister Görbitz hin über den unwürdigen Zustand auf dem Salemer Friedhof in Neukalen.
   1922 wollte man den Salemer Friedhof eingehen lassen. Aber laut einem Schreiben des Ministeriums des Innern in Schwerin von 1923 stand einer Weiterbenutzung des Salemer Friedhofes in Neukalen nichts entgegen. Er hat dann noch bis 1949 in einem recht unwürdigen Zustand existiert.
   Die letzten Beerdigungen auf dem Salemer Friedhof in Neukalen waren:
   Johannes Heinrich Friedrich Wilhelm Hübbe, Hofbesitzer in Salem, gest. 19.11.1935, beerdigt am 22.11.1935.
   Hulda Antonie Malwine, geb. Heincke, geb. 30.10.1861 in Peetzig, verheiratet mit dem Fischereipächter Karl Ferdinand Wilhelm Wetzel in Salem, gest. am 5.6.1940 als Witwe; sie wurde am 8.6.1940 als letzte auf dem Salemer Friedhof in Neukalen beerdigt.

   1949 wurden die letzten fünf Gräber auf den St. Georg Friedhof umgebettet. Die Genehmigung dazu war am 7.9.1949 erteilt worden. Man ebnete die Reste des Salemer Friedhofes ein und richtete ihn als städtischen Lager- und Abstellplatz ein.
   Als 2007 an dieser Stelle das neue Feuerwehrgebäude erbaut wurde, fand man bei den Ausschachtungsarbeiten zahlreiche Menschenknochen.

 

Hier befand sich einmal der Salemer Friedhof

 

Hier befand sich einmal der Salemer Friedhof

(Aufnahme vom Juni 19799

 

 


Einrichtung eines neuen Friedhofes ab 1780
(späterer Schulplatz)

   Bis zum Jahre 1782 erfolgten die Beerdigungen auf dem Kirchhof um die St. Johannes Kirche. Die Zunahme der Stadtbevölkerung und die schlechten hygienischen Verhältnisse (Grundwasser) erforderten die Verlegung der Begräbnisstätte außerhalb der Stadtmauern.
   Um 1779 ist jedenfalls der Friedhof um die Kirche so überfüllt, daß man sich nach einem neuen Begräbnisort umsehen mußte. Ausgewählt wurde ein außerhalb der Stadt gelegener Gartenplatz neben der Bleiche, der spätere Schulplatz. Vielleicht stammen noch einige alte Bäume aus der Zeit, als dort noch Gräber waren. Die damaligen Stadtväter hofften, bei der Anlage dieses Friedhofes für die Stadtkasse und für sich selber einen guten Gewinn zu erzielen. Der Platz gehörte der Stadt. Die Kirche sollte ihn zu einem angemessenen Preis kaufen. Dann sollte die Kirche den neuen Friedhof einfriedigen und auf eigene Kosten unterhalten. Es sollten auf dem neuen Friedhof aber von allen Bürgern, die ein Haus oder eine halbe Hausstelle in Neukalen besaßen, keine Gebühren für die Beerdigung gefordert werden. Abgesehen davon, daß das sehr unsozial war, denn diejenigen, die keine Hausstelle besaßen, und das waren doch wohl die ärmeren Bevölkerungsteile, vor allem die, die nicht Ackerbürger oder Handwerker waren, mußten aus ihrer Armut die Gebühren bezahlen. Es war schon seltsam, daß man die Unterhaltspflicht für den Friedhof einer Stelle aufbürden wollte, der man zugleich aber dafür keine Mittel zur Verfügung stellen will.
   Der Schriftverkehr aus dieser Zeit eröffnet uns einen kleinen Einblick:

  

   "An Bürgermeister und Rath zu Nienkalden.
   Hoch- und Wohledle
   Geehrte Herrn!
   Es wird Ihnen annoch erinnerlich sein, was wegen Verlegung des dortigen Kirchhofes außerhalb der Stadt bey letzterer Bereisung extra Protocollum vorgekommen, besonders aber daß Ihnen Sr. Herzogl Durchl. gnädigste Willens Meynung hierüber bekannt gemacht, und Ihnen die Auspfündigmachung eines Platzes zum neuen Kirchhofe empfohlen und aufgegeben, so wie dieses von mir, dem Hofrath Brandt Ihm den Bürgermeister Bischoff brieflich wiederhohlet worden. Bisher aber hat man dieserhalb nicht die geringste weitere Nachricht von Ihnen erhalten, ungeachtet man wegen des Platzes bey letzterer Bereisung beynahe einig gewesen als wird Ihnen daher hiemit aufgegeben: fördersamst unter sich und mit der repraesentirenden Bürgerschafft zusammen zu treten, und den Platz zum neuen Kirchhof ausfündig zu machen und zu bestimmen, demnächst aber auch hievon mit Vorschlägen über die Befriedigung des neuen Kirchhofes zu berichten, indem nach Sr. Herzogl. Durchl. höchsten Willens Meynung die Verlegung des Kirchhofes, annoch diesen Sommer beschaffet und ausgeführet werden soll.
   Wir beharren übrigens
   Ew. Hoch und Wohledlen Dienstwillige Herzogl. zur Steuer Polizey und Städtschen Kämmerey Commission verordnete Räthe.
   Güstrow,    den 5ten Jun: 1779“

 

   Der Bürgermeister Bischoff schrieb am 18.10.1779:
   "An Herzogl. Steuer - p. Commission
   Wohlgeborne p.
   Ew. Wohlgebl. werden es uns gewogenst verzeihen, daß ich allererst itzt, auf die in rückbemerkter Sache unterm 5ten Junii d. J. an den Magistrat hieselbst erlaßene Verordnung, einen gehorsamsten Bericht erstatte.
   Ich habe wenigstens zu 4 wiederholten mahlen dem Magistrat und Bürger - Ausschuß die Verlegung des Kirchhofes außerhalb der Stadt vorgetragen, und alle mögliche Mühe angewendet, es ihnen begreiflich zu machen, wie solches nach einigen untergelegten Bedingungen, ohne den geringsten Nachtheil der Stadt geschehen, auch diese einen sehr schicklichen Platz dazu nach geschehener Vergütung hergeben könnte. Allein, ob ich gleich immer zu einer Zeit beßer als zu einer andern damit zu passiren gehofft habe; so habe ich doch aller Bemühung ungeachtet, zu keiner Zeit einmal eine bestimmte Antwort erhalten können, sondern ich habe mich stets mit Einwendungen, die theils nichts bedeutend gewesen sind, theils aber auch gar nicht zur Sache gehöret haben, welche aber doch immer dahinaus gegangen sind, daß der Kirchhoff, ohne daß man einen Grund dazu ohne Erröthung angeben können, in der Stadt bleiben soll, abspeisen laßen müßen. Heute habe ich es noch einmal und zwar zum Letztenmahl versuchet, da ich denn von dem Rathsverwandten Justus die frivole Resolution bekommen habe: daß er es für verrückt hielte daß Nkalden, der erste Ort im Lande seyn sollte, da der Kirchhoff außerhalb der Stadt verleget werden solle. Mit wahrem Bedauern muß ich Ew. Wohlgebl. auf Eingangs gedachter Verordnung diesen Bericht gehorsahmst erstatten und dabey versichern, daß keine Hochachtung größer sey, als mit welcher ich stets die Ehre habe zu seyn
   Ew. Wohlgebl. gehorsamster Bischoff"

  

   "An Bürgermeister und Rath zu Nienkalden.
   Hoch- und Wohledle,
   Geehrte Herrn!
   Es wird Ihnen, nach eingegangenen Bericht vom 18ten d. M. wegen Verlegung des Kirchhofes außerhalb der Stadt, hiemit zum Responso ertheilet: wie man über die Frage: Ob die Verlegung des Kirchhofes geschehen solle, gar keine Wiedersprüche von Ihnen erwartet hätte; indem Ihnen genügen müßen daß solches Sr. Herzogl. Durchl. gnädigster und zum Besten dortiger Einwohner allein abzielender ernstlicher Wille ist; so wie denn auch Nienkalden nicht der erste Ort ist, woselbst mit Verlegung des Kirchhofes außerhalb Thors der Anfang gemacht wird, sondern solches bereits an andern Orten geschehen ist, und an den übrigen annoch, ohne Ausnahme, im künftigen Frühe Jahr geschehen solle.
   Es bleibet also nur noch die Frage: wie und auf was Art diese Verlegung dorten aus zu führen seyn wird? zu erörtern übrig. Und daß solches von Ihnen geschehen solle, dahin ziehlet die Verordnung vom 5ten Junius dieses Jahres, so wie solche hiedurch nochmalen wiederholet wird, und zwar sub praejudicio: daß wenn Sie unter sich, hierüber sich nicht vereinbahren wollen, auf Kosten des muthwillig und ohne Grund Wiedersprechenden jemand aus unserm Mittel überkommen, und diese Angelegenheit dorten reguliren wird. Wir beharren
   Ew. Hoch- und Wohledlen  dienstwillige d Herzogl. zur Steuer Policey und Städtschen Cämmerey - Commission verordnete Räthe
   Güstrow den 25ten Octbr. 1779“

 

    "Actum zu NKalden in Curia den 16. Decembr 1779
    Als heute die aus Herzogl. Steuer - Pol. und Städtschen Kämmerey - Commission, im Betreffe der Verlegung des Kirchhofes außerhalb der Stadt unterm 25. Octob. d. J. wiederholt erlaßene Verordnung, von dem Bürgermeist. Bischoff dem Magistrat und der worthabenden Bürgerschaft eröfnet und darüber extra Protocollum weitläuftig gesprochen worden; so wurde endlich aus devotester Willfährigkeit gegen Serenissimum, nachstehendes einmüthig beschloßen und festgesetzet:
   1. Sollte von Stadtwegen zum neuen Kirchhofe ein vollkommener großer und bequemer Platz und zwar 2 unmittelbahr an der Stadt nächst der Bleiche belegene Gärten, welche 100 Quadratruten groß und mithin noch größer, als der alte Kirchhoff sind hergegeben werden.
   2. Da diese beyde Gärten der Stadt jährlich 4 Rthlr. eintrügen, so müste die Kirche auch selbige entweder jährlich an die Stadt bezahlen, oder auch mit einem mahle 80 Rthlr. N 2/3 geben.
   3. So wie der alte Kirchhoff auf alleinige Kosten der Kirche stets erhalten worden, ohne daß es der Stadt obgelegen habe, das Geringste dazu beyzutragen; so wird auch der Platz zum neuen Kirchhoffe, auf alleinige Kosten der Kirche dazu geschickt gemacht, von der Kirche allein befriediget und erhalten, gleichermaaßen wird auch der Gang nach dem Kirchhofe von der Kirche in solchen Stande gesetzt und erhalten, daß er mit den Leichen passiret werden kann.
   4. Alle und jede Einwohner in der Stadt, welche entweder ein volles oder halbes Haus bewohnen, haben auf den Kirchhofe in der Stadt für ihre gantze Familie freye Begräbniße, ohne daß dafür das geringste an die Kirche oder sonst, außer einige Schillinge für die Anweisung an den jedesmaligen Vorsteher, bezahlet werden. Eben diese unentgeldliche Begräbniße und alle an den alten Kirchhof gehabte Gerechtsahme werden auch auf den neuen Kirchhof ausdrücklich ausbedungen, so wie auch die Ehrn Geistlichkeit nicht befugt seyn soll, die Gebühren, weil sie nach dem neuen Kirchhofe etwa 100 Schritte und darüber weiter gehen muß, zu steigern.
   5. Da es absolut nothwendig wird, daß der Platz des alten Kirchhofes, wenn er aufhört ein solcher zu seyn, mit Steinen gepflastert werden müße, und hiezu am allerwenigsten an die 80 Rthlr. und darüber erfordert werden; so ist dafür zu einer kleinen Vergütung das alte Ende Mauer, so noch um den alten Kirchhof stehet, zu bedingen, indem die darin befindlichen Steine sofort zur Pflasterung des alten Kirchhofes gebrauchet werden könnten.
   6. Wie nun die Befriedigung des neuen Kirchhofes am füglichsten durch ein Gelende geschehen könnte; so hätte der Bgmst. Bischoff der Herzogl. Steuer - Pl und Städtschen Cämm - Commissior, bey Ueberreichung gegenwärtigen Protocolli, solches anzuzeigen und allenfalls sofort derselben einen Vorschlag solcher Befriedigung mit einzureichen und dabenebst gehorsahmst zu bitten, über vorstehende Bedingungen, die höchste Landesherrliche Versicherung gewogenst zu bewirken.
   Actum ut supra
   Friederich Bischoff Bgmstr.    
   J. D. Clasen Bgmstr.
   Bernhard Bremer                         
   Hinr. Dav. Justus
   Christoffer Engell    
   Jochim Christoph Dammann
   Jochim Stüdemann                    
   Jochim Lüder
   Jochim Jacob Zarpentien        
   Johann Conrath
   Jochim Brauer                            
   Christian Steffen
   Johann Sontag"

 

   "An die Policey - Commission
   Wohlgeborner p.
   Inhalts der Verordnung vom 25. Oct. v. J. ist endlich die Verlegung des alten Kirchhofes außerhalb der Stadt zu Stande gebracht. Das sub sign. O anliegende Protocollum enthält den von Stadtwegen zu dem neuen Kirchhoff herzugebenden Platz, mit denen nothwendig gewesenen Bedingungen. Diese sind so billig, als jener zu dem bestimmten Zwecke vorzüglich geschickt ist. Wenn die große Bedrängniß der Stadt in Erwegung gezogen wird; so darf ich es von der Gewogenheit Ew. Wohlgebl. mir gewiß versprechen, daß dieselben nicht ermangeln werden, durch dero Ansehen derenselben die Erfüllung zu verschaffen, worum ich gantz gehorsamst bitten will. Zugleich habe ich den Platz des neuen Kirchhofes zeichnen und einen Vorschlag der erforderlichen Materialien und der Kosten fertigen laßen, wie aus der Anlage sub sign. C erhellet.
   Die eckigte Zeichnung wäre wohl die Beste weil das Gelender von dieser Art  am dauerhaften gemacht werden kann.
   Da Sr. Herzogl. Durchl. hoffentlich die Materialien dazu reichen laßen und ich nicht weiß, wie nahe oder entfernt solche gegeben werden; so hat das Fuhrlohn in der Kosten - Berechnung nicht verzeichnet werden können.
   Wollten Ew. Wohlgebl. gewogentlichst geruhen, diese Magistratische Bedingungen zur Höchsten Bestättigung zu befördern und zu bewerckstelligen und daß mir die Anlegung, und Bewehrung des Kirchhofes, auch was sonst zu deßen Vollkommenheit erforderlich, qua Kirchen - Oeconomo, committiret würde; so kann ich gehorsahmst versichern, daß es an nichts ermangeln solle.
Ich bin in Versicherung des größten Respects Ew. Wohlgebl. Gehorsamster B.
NKalden,    d. 17 Januar 1780“


   "An Bürgermeister und Rath zu Nienkalden
   Wohledelgebohrner und Hochedle
   Hoch- und Vielgeehrte Herrn!
   Wir können Ihnen, nach eingesandten in Curia in Gegenwart Worthabender Bürgerschaft unterm 16ten Decbr. a. pr. abgehaltenen Protocollo, in Betref der Verlegung des Kirchhofes pp. vorläufig nicht verhalten: daß, da diese Verlegung außerhalb der Stadt lediglich zum Besten dortiger Bürger und Einwohner geschiehet, von der Kirche, die im geringsten nicht dabey profitiret, die Bezahlung des neuen Kirchhofs Platzes, die gäntzliche Befriedigung deßelben, und die Unterhaltung des dahin führenden Weges, um so weniger als eine Schuldigkeit verlangt werden könne, da der alte Kirchhofs Platz der Stadt zur Vergrößerung des Marckt - Platzes, und zur Bequemlichkeit der daherum wohnenden Einwohner, der Commune wieder anheimfällt. Wir hoffen aber, da Serenissimus die dürftigen Stadt Cämmereyen auf alle Art zu foulagiren gnädigst geneigt sind, es bey Höchst Deroselben unterthänigst zu bewircken: daß nach den Vermögen dortiger Kirche selbige hiezu einen Beytrag leiste; sämtliche Kosten aber zu übernehmen, dazu können wir Ihnen keine Hofnung machen. Was Ihre fernere Vorschläge betrift, so verstehet es sich von selbst: daß bey dieser Veränderung Niemand an seinen Freyheiten und Rechten verliehren solle, und daß daher alle diejenigen, die auf dem alten Kirchhofe freye oder eigenthümliche Begräbniße haben, solche auf den neuen Kirchhofe unentgeldlich wieder erhalten müßen. Eben so als die Ehren Prediger und Kirche ihre Gebühren nicht erhöhen können, ihnen aber auch dagegen auf keine Weise etwas gekürtzet werden muß.
   Die Befriedigung mit einem Geländer ist zu Holtz frestend, zu wandelbar, und auch nicht anständig, und daher eine andere von einem Stacketwerck 4 Fuß hoch, über der Erde, diesen vorzuziehen.
   Um nun über dieses alles das weitere einzuleiten und Sr. Herzogl. Durchl. zweckdienliche unterthänigste Vorstellung machen zu können, haben Sie annoch des fordersamsten Vorschläge einzureichen:
   1. Was die Befriedigung des neuen Kirchhofes, wenn solcher als ein Viereck angelegt werde, mit einem 4 Fuß hohen Stacketwerck, daß kein Dach erfordert, an Holtz und sonstigen Kosten erfordert? und
   2. Was etwa der Kirche die Befriedigung der alten Kirchhofs Mauer an den Stellen, wo das Schulgebäude und Caspar Schultzen Haus gestanden, wenn solche auf den alten Fuß gemacht werden solte, kosten würde?
   Wir beharren Ew Wohledelgebohrnen und Hochedlen dienstwilligste Herzogl. zur Steuer Policey und Städtschen Cämmerey - Commission verordnete Räthe.
   Güstrowden 5ten Febr. 1780“


   "An die Steuer - Commission
   Friederich von Gottes Gnaden Herzog zu Mecklenburg pp
   Unsern gnädigsten Gruß zuvor. Ehrenveste, liebe Getreüe.
   Uns ist geziemend vorgetragen, was ihr im Betreff eines außerhalb Unser Stadt Neüenkalden anzulegenden neüen Gottes - Ackers unterm 30ten März d. J. und folgends unterthänigst berichtet habet. Wir ertheilen darauf nunmehro zur gnädigsten Resolution: daß
   1. der von eüch, Unserm Hofrath Brandt in Augenschein genommene Platz, den man von Stadtwegen dazu vorgeschlagen hat, hiemit Landesherrlich zum Gottes - Acker bestimmet seyn soll, jedoch die Stadt selbigen, da er hauptsächlich zum Gebrauch und mehren Nutzen derselben verwand wird, mit Aufopferung der bisherigen geringen Revenüe von demselben unentgeldlich herzugeben habe.
   2. Zur Befriedigung deßelben wollen Wir das, nach dem ratificirten Anschlage erforderliche Holtz schenken, auch die baaren Kosten aus dem Kirchen Arario besage der Anschlüße, hergeben laßen, die Mauer- und Dachsteine hingegen hat die Stadt aus ihrer eigenen Ziegeley zu nehmen.
   3. Dem Bürgermeister Oeconomus Bischoff soll die Aptirung und Veranstaltung bey diesem anzulegenden Gottes - Acker aufgetragen werden, und sein durch eüch eingereichter Anschlag wird hiedurch genehmiget.
   4. Bey dieser Veränderung des Neukaldenschen Begräbniß - Ortes soll niemahl in seinen wohl hergebrachten Rechten in Ansehung der Beerdigung leiden, sondern auf dem neüen Gottes Acker völlig entschädiget werden, auch der Kirche, und der Geistlichkeit an Gebühren nichts mehr, als bisher in Neükalden gebräuchlich zu erlegen, schuldig seyn dahingegen auch der Kirche, und der Geistlichkeit dabey nichts zu kürzen ist.
   5. Mit der Unterhaltung des Neüen Gottes - Ackers ist es so zu halten, als es das Herkommen in Ansehung des alten Kirchhofes vorschreibet.
   6. Die Unterhaltung des Weges nach dem neüen Kirchhofe gehöret unter die Obliegenheiten gemeiner Stadt, welcher von dieser ganzen Veränderung allein der wesentliche Vortheil erwächset.
   7. Selbige hat auch den Platz des alten Kirchhofes gehörig planiren und bepflastern zu laßen, wozu ihr denn der Rest, der um den alten Kirchhof noch stehenden Mauer geschenket seyn soll.
Hiernach habt ihr nunmehro das weitere fordersamst zu veranstalten und durch Oeconomus Bischoff möglich beeilen zu laßen. Wir verbleiben eüch übrigens mit Gnaden gewogen.
   Datum auf Unser Vestung Schwerin den 18ten Juli 1780.“

 

   "An das Kammer und Forst - Collegium hieselbst. Unsern p
   Wir befehlen eüch gdst. die Verfügung zu machen, daß zur Befriedigung des neüen Gottes - Ackers außerhalb der Stadt Neüenkalden, durch eine mit Holtz verbundene Mauer, die auf dem Anschluß verzeichneten Holtz - Materialien dem dortigen Oeconomus Bürgermeister Bischoff aus einer Unsrer Waldungen unentgeldlich gereichet werden.
   Schwerin den 18ten Julii 1780."


   "An die Steuer Commission
   Wohlgeborne p.
   Wäre der hiesige Ort nicht Jahre hindurch bekanntlich vorzüglich mit Unglücksfällen heimgesuchet und dadurch deßen Einwohner sehr in Armuth gebracht worden, wüsten wir nicht, daß so wenig die Stadtkämmerey, als deren Einwohner, ohne sich mit mehren Schulden und zwar über ihr Vermögen, zubelasten, auch nicht die geringsten Ausgaben tragen könnten; so würden wir auch überall nicht ermangeln, etwas von unserm Vermögen zur größeren Zierde der Stadt herzugeben und dann würden wir auch ungesäumt bereit seyn, zur Beförderung und Anlegung eines neuen Kirchhofes außerhalb der Stadt, etwas von unserm Vermögen aufzuopfern. In jener traurigen Voraussetzung aber, befinden wir uns in der Nothwendigkeit, vielmehr solche Anlegung, wenn wir dazu alles dasjenige, was in dem Höchsten, von Ew. Wohlgebl. uns unterm 7. Aug. d. J. gewogenst befohlen worden, hergeben sollen, unthgst gehorsahmst zu verbitten:
   Wäre diese Veränderung des Kirchhofes gleich mit Erfüllung der von uns gemachten und mittelst Vorstellung vom 17 Januar d. J. Ew. Wohlgebl. gehorsahmst eingereichten Bedingungen, zur Würcklichkeit gekommen; so würde selbige der Stadt ohnedem hunderten gekostet haben. Die Abdämmung des alten Kirchhofes war von selbiger eine unausbleibliche Folge und diese Abdämmung erforderte gewiß einen Kosten Aufwand von 60 bis 70 Rthlr. Eine absolute Nothwendigkeit war es nicht weniger, daß eine Neben Gaße, welche mit denen Leichen zum neuen Kirchhofe passiret werden, aufgerißen und neu gedämmet werden müßen, welches aber in keinem andern Fall erforderlich war, und dis hätte ebenfalls nicht unter 50 Rthlr. beschaffet werden können, derjenigen Kosten, zur Ebenmachung eines Ende Weges nach solchem neuen Kirchhofe, nicht zugedencken. Alles dieses aber würden wir dennoch zur Bezeigung unsrer unthgsten Willfährigkeit, bloß gegen die uns devotest erbetene und gdgst bewilligte, jedennoch aber mit jenem in keinem Verhältnisse stehende Vergütung durch das Ende nemlich der annoch um den alten Kirchhoff stehenden Mauer, gerne beschaffet haben.
   Ueberdis dis alles aber den Platz zu diesem neuen Kirchhofe, der 80 Rthlr. werth ist und die zur Bewährung dieses Kirchhofes erforderlichen Steine, die zum wenigsten 60 Rthlr. kosten, unentgeldlich herzugeben, mithin auf die Anlegung dieses neuen Kirchhofes von Stadtwegen an die 300 Rthlr. zu verwenden, dis ist eine Ausgabe, so für die mit Schulden belastete Stadt und für die ohnedem in Armuth versunkene Einwohner derselben, schon so hoch ist, daß wir unsere Pflichten nach uns nicht ermächtiget halten, selbige zu bewilligen.
   Von Ew. Wohlgebl. Gewogenheit überzeugt, hoffen wir hierin zuversichtlich dero Beyfall und schmeicheln uns keiner Fehlbitte zu thun, wenn wir die Vermittelung, daß, wenn unsere gemachte und mittelst Vorstellung vom 17 Januar d. J. eingereichte Bedingungen nicht zu erfüllen stehen, der alte Kirchhoff in der Stadt nach wie vor lieber bleiben möge; gehorsahmst ersuchen. Wogegen wir in der vollkommensten Hochachtung beharren Ew. Wohlgebl gehorsahmste Bürgermeister, Rath und worthabende Bürgerschaft
   Bischoff            JDClasen            B. Bremer
   Johan Müller        H: D. Justus        Christoff Engell
   Johan Conrath    Christoph Dammann
   Jochim Stüdemann            Johann Sontag    
   Christian Steffen
   NKalden, den 28 Octobr. 1780“

 

   "An die Steuer p. Commission
   Wolgeboren p.
   Diejenigen Kosten, welche der Stadt durch die Verlegung des Kirchhofes außerhalb derselben zuwachsen und die in unsrer anderweiten Vorstellung vom 28ten Oct. vor. Jahr. specifice angeführet worden, sind so einleuchtend und folgen aus dieser Veränderung so natürlich, daß dieselben überall keinen Zweifel unterworfen bleiben und es können mithin, mit Ew. Wolgebl. geneigtem Wolnemen, hieraus der Stadt ihren Einwohnern überall keine Vortheile entstehen.
   Zum Beweise: unsrer unthgsten Bereitwilligkeit haben wir aber solches alles geopfert und noch überdem den Platz zum Kirchhofe unentgeldlich hergegeben, noch ein Mehres aber zu thun, gestatten uns und denen hiesigen Einwohnern nicht der geringste Nutzen von denen piis corporibus, weswegen wir noch dazu in einem 100jährigen Besitz sind, itzt nicht mehr gelaßen werden will, getrauen wir uns nicht zu verantworten und müßen dahero unsere Erklärung, wegen der zur Befriedigung des neuen Kirchhofes erforderliche Dach- und Mauersteine, die wir bereits unterm 12 Febr. d. J. abgegeben haben, auch hier gehohrsamst wiederholen, ein paar Steine von uns unentgeldlich nicht hergegeben werden können. Immer ist auch noch die gröste Hinderung, so der Anlegung des neuen Kirchhofes im Wege steht nicht gehoben. Dis ist die Bude der Wittwe Ulrichs wie wir gleichfalls schon unterm 12 Febr d. J. gehorsahmst vorstellig gemacht haben. Hiernach ist die gantze Anlage gemacht und auch eine Stelle für diese Wittwe neben der alten Stelle gelaßen worden, worauf sie sich allenfalls eine neue Bude bauen könnte. Diese Bude ist mit Stroh gedeckt und muß also schlechterdings in ein Ziegeldach verwandelt werden. Muß dis geschehen, so kann auch eben so gut eine neue gebauet werden, da ohnedem diese Bude eine so sonderlicher Gestalt hat, die alles andere verunzieret, wenn auch deren Niederreißung des Kirchhofes wegen nicht absolut nothwendig wäre. Noch immer hat diese Wittwe Ulrichs zur Niederreißung solcher Bude Hofnung gemacht und hiernach hat sich die gantze Anlage gerichtet. Jetzt aber ist sie, trotzend auf ihren Schwieger Sohne, einem Mecklenbl. Mousquetier, der sich auf die angebliche Fürsprache seines Herrn Obristen stützet, und welcher Mousquetier nach ihrer Sprache, die Niederreißung der alten Bude schon wehren will, soweit davon entfernet und so eigensinnig, daß sie schon die vortheilhaftesten Vorschläge verworfen hat, und nicht einmahl an die Veränderung des Strohdaches mehr gedencket.
   Besonders in diesem Fall, aber auch in andern Fällen, muß wohl einiger Ernst gebrauchet werden, wenn die Strohdächer und Scheunen aus der Stadt sollen, es mögte wohle eine Gelindigkeit durchgängig nicht helfen. Wir müßen also um Ew. Wohlgebl. Hülfe hierin besonders bitten.
   Dis ist es, was wir auf die Verordnung vom 7ten dieses gehorsahmst berichten sollen. Die wir in der größten Hochachtung beharrend sind
   Ew. Wolgebl. gehorsahmste Diener Bürgermeister und Rath         

   F. Bischoff    B. Bremer    Hinr. Dav. Justus
   NKalden den 18 Maji 1781“

 

   Alle Gegenargumente halfen nichts, der neue Friedhof mußte angelegt werden.  
   Laut einem Schreiben vom 29.1.1782 sollten die Steine zur Befriedigung des neuen Friedhofes von der Darguner Ziegelei geholt werden. Die Steine der Neukalener Ziegelei sollten weiterhin genutzt werden, um die vielen Strohdächer in der Stadt in Ziegeldächer zu verwandeln.
   Schließlich kamen dann aber die Steine von der Dörgeliner Ziegelei.
    
   Im Frühjahr 1782 war der Friedhof fertig eingerichtet, umgeben von einer viereckigen Mauer mit einer Eingangspforte. Der Friedhof war damals ziemlich klein, wie die Maße erkennen lassen. Die Einfassung war aus Mauersteinen im Holzverband errichtet worden; Größe: 160 Fuß lang, 160 Fuß breit (etwa 50 x 50 m) und etwa 1,80 m hoch (die Ständer waren 8 Fuß lang und saßen etwa einen halben Meter in der Erde. Die Kosten für den neuen Friedhof betrugen 174 Reichstaler und 28 Schilling.
   90 Rthlr. durften zum neuen Friedhof aus der Kirchenökonomie genommen werden.
   Schreiben der herzoglichen Steuerpolizei und Städtischen Kämmerei Kommission zu Güstrow an den Herzog:
   "Durchl. pp.
   Es ist von Bürgermeister und Rath zu Nienkalden uns angezeiget worden: daß der dortige Kirchhof außerhalb des Thors bereits seit dem Frühling völlig fertig gewesen, niemand aber der erste seyn wolle, der sich daselbst begraben laßen wolle.
   Ew. Herzogl: Durchl: haben wir also unterthänigst zu ersuchen: Höchst Dieselben wollen geruhen, die etwa erforderliche Einweihung des neuen Gottes Ackers der Ehren Geistlichkeit zu Nienkalden aufzugeben, und dem Oeconomus Bischoff gnädigst anzubefehlen, daß gleich nach dem Empfang der zu erlaßenden höchsten Verordnung, er niemanden die Beerdigung der Todten, auf den alten Kirchhof weiter gestatten solle. Wir beharren in tiefster Ehrfurcht.
   Ew: Herzogl: Durchl: unterthänigst - treu gehorsamste
   G L Schultze        J H C Krüger
   Güstrow, den 3. Jul: 1782“

 

   "Dem Würdigen und Wohlgelahrten, Unserm lieben Andächtigen und getreuen Ehrn - Pastori Schmidt zu Neuenkalden.
   Friederich von Gottes Gnaden
   Herzog zu Mecklenburg pp.
   Würdiger und Wohlgelahrter, lieber Andächtiger und Getreuer! Nachdem nunmehro, Inhalts des copeilich - anliegenden Berichts Unserer Policey - Commission, der neue Gottes - Acker aldort völlig eingerichtet worden, sollen forthin, von einem durch euch zu bestimmenden gewissen Tage anzurechnen, alle nachher versterbende Eingepfarrete auf solchem neuen Gottes - Acker beerdiget werden, mithin alle Leichen - Bestattungen in der Kirche und auf dem alten Kirch - Hofe gänzlich aufhören, auch die dortigen Grab - Stellen völlig frey und eben gemacht werden. Ihr habet allso in Folge Unsers hiebey erfolgenden speciellen Auftrags, den neuen Gottes - Acker förmlich einzuweihen und des Endes den Tag und die Stunde am Sonntage vorher öffentlich von der Canzel bekannt zu machen; Wobey euch übrigens, was diese Handlung feierlich machen kann, mit Unsern Beamten und den Stadt - Magistrat aldort, nach deren Kenntniß der dortigen Umstände, zu verabreden, überlassen bleibet. Wornach ihr euch zu richten.
   Datum auf Unsrer Vestung. Schwerin den 12ten Jul: 1782."

 

   Die Einweihungsfeier des neuen Friedhofes neben der Bleiche (späterer Schulplatz) wurde Michaelis (29.9.) 1782 in würdiger Form vorgenommen. Eine Rechnung dazu besagt: "Bey Einweihung des Neuen Kirchhofes ist Verunkostet von den Ausschußbürgern und Stadtsprechern 3 Rthlr. 16 Schilling N 2/3tel
   Nienkalden d 11 December 1782            Engell"

 

   Die am 11.10.1782 verstorbene Margarethe Elisabeth Sonntag, geb. Soltmann, Ehefrau des Ackermanns Heinrich Sonntag, fand hier als erste ihre Ruhestätte.
   Die Ausmaße des Friedhofes von 50 x 50 m erwiesen sich bald als zu klein. 1807 und 1814 mußte er vergrößert werden.

 

Zeichnung einer zerbrochenen Grabplatte, welche 1960 bei Ausgrabungen auf dem einstigen Schulhof gefunden wurde.

Zeichnung einer zerbrochenen Grabplatte, welche 1960

bei Ausgrabungen auf dem einstigen Schulhof gefunden wurde.

Es muß sich um die Grabplatte

des Amtmann Johann Christian Döhn handeln

(geb. 8.10.1739, gest. 27.9.1822)

 

 


Suche nach einem anderen Friedhofsplatz

   Ab 1824 sah man sich nach Erweiterungsmöglichkeiten oder einem neuen Begräbnisort um, da der Platz auf dem Friedhof an der Bleiche zu eng wurde. Man sträubte sich dagegen, alte Grabstellen wieder zu belegen; man hing an dieser vergehenden Leiblichkeit, weil man die Auferstehung zu neuem Leben nicht mehr recht für möglich hielt. Außerdem war die Einwohnerzahl Neukalens stark angestiegen.

 

   "Allerdurchl: p. p.

   Ew: Königl: Hoheit erlaube ich mir alleruntthgst vorzutragen, da der Raum des hiesigen Kirchhofes anfängt beschränkt zu werden, und etwa 30 Leichen nur noch beerdiget werden können, wovon der Herr Superintendent Kleiminger sich im vorigen Jahre persönlich überzeuget hat.
   Zur nothwendigen Vergrößerung würde der freie Gartenplatz nach der Westseite zu, ohngefähr 16 Quadratruten, und nach der Nordseite zu ein freier Platz von der Bleiche ohngefähr 100 Quadratruten hierzu anpassend seyn, so wie auf Anlage A. bemerkt ist.
   EKH. bitte untthgst, dem hiesigen löbl: Magistrat, so wie auch der worthabenden repräsentirenden Bürgerschaft gdst aufzugeben, vorgedachte beide freien Plätze sowol west als nordwärts an die Kirche abzugeben.
   In der tiefsten Ehrfurcht ersterbe ich.
   EKH. ganz untthgster
                Georg Christian Dolberg,
                       KirchenProvisor.
   Neukalden    den 1. Febr: 1824“

 

Plan der sogenannten Wallgärten vom 10.1.1826

Plan der sogenannten Wallgärten vom 10.1.1826

 

 

    "Den Ehrsamen, Unserm lieben Getreuen Bürgermeister und Rath zu Neukalden.
    Friederich Franz, von Gottes Gnaden
    Grosherzog von Mecklenburg p. p.
    Ehrsame, liebe Getreue! Wir geben euch hiemit auf: über die copeilich anverwahrte Vorstellung und Bitte des Kirchen - Provisor Dolberg daselbst vom 1ten d. M., im Betref der von dortiger Stadt abzugebenden Plätze zur Ver-grösserung des Kirchhofes daselbst, euch zu erklären. Gegeben auf Unsrer Vestung Schwerin den 4ten Febr. 1824.
    Ad Mandatum Serenissimi proprium
    Grosherzoglich - Mecklenburgl: zur Regierung verordnete Präsident, Geheime- und Räthe.
                        Brandenstein"

 

   Auf der Rats- und Bürgersitzung am 9.1. 1826 wurde besprochen:
   "(4.) Es ist über die Anlegung eines neuen Kirchhofes geredet da der jetzige nur noch für wenige circa für 20 bis 30 Leichen Platz ist.
   Conclusum
   Es sollen dazu die sogenannten Wallgärten sämmtlich bestimmt seyn und ist dem Herrn Bürgermeister Petri aufgetragen hierüber mit dem Herrn Praepositus zu reden und mit der GHRegierung in Correspondenz zu treten."

 

   Pastor Brinkmann hatte dazu folgende Meinung:
   "Sie haben mich aufgefordert, Hochgeehrte Herren, Ihnen schriftlich meine Ansicht über die Anlegung eines neuen Beerdigungs - Platzes zwischen der Wallpforte und dem Amtsthor vor der Stadt mitzutheilen und nicht mehr wie gerne genüge ich hiedurch Ihrem Wunsche. - Ich erkläre nemlich, was ich bereits mündlich und freundschaftlich wiederholt gegen Sie geäussert habe: daß ich keine Stelle wüßte, wo hier angemessener ein neuer Gottes - Acker angelegt werden könnte, als diejenige, welche bisher, unter dem Namen - am Wall oder hinter dem Amte vor der Stadt, als Gartenplatz benutzt und verpachtet ist. Diese Stelle ist nicht zu nahe und nicht zu weit vom Thore; der Boden ist trocken, die Größe hinlänglich, die Lage einsam und doch nicht verschlossen, und das locale bietet Gelegenheit zu einer viel leichter und minder kostbar zu beschaffenden und dabey doch tüchtigen Befriedigung dar, als dies auf mancher andern Stelle der Fall seyn würde. Mehr wüßte ich hierüber nicht zu sagen, und empfehle mich Ihrer Gewogenheit
        ganz ergebenst            J. R. Brinkmann
   Neukalden, den 9ten Januar 1826"

 

   "Allerdurchl.
   Ew. K. H. ist es aus früheren allerunterthänigsten Anzeigen des Kirchen - Provisors Dolberg hieselbst bekannt, daß auf unserm Kirchhofe nur noch für wenige Leichen Platz sich befindet, weshalb denn nothwendig für dessen Erweiterung, oder für Anlegung eines neuen Sorge getragen werden muß. Einer Erweiterung ist der jetzige Begräbniß - Platz nicht wohl fähig, denn von 3 Seiten her verbietet es das bergige locale, und die Grenze der Stadt selbst, und wenn es auch physisch möglich wäre, den Friedhoff an der 4ten Seite zu vergrößern; so würde dies Verfahren uns theils die der unentbehrlichen Bleiche rauben, welche wir nirgends anders wohin zu verlegen wüßten, theils wäre es unzweckmäßig, weil dieser Zuwachs seines kleinen Umfanges halber doch nur auf wenige Jahre hinreichen, und dann allewege doch die Anlage eines neuen Kirchhoffs nicht vermieden werden könnte. Aus diesen Gründen haben wir uns nach einem neuen zu diesem Zwecke passenden locale umgesehen, und eins gefunden, welches vollkommen dazu gelegen ist, und auch aus der Ursache sich dazu empfiehlt, weil es von Einer Seite gar keiner und von den 3 andern nur einer niedrigen Befriedigung bedarf. Der Boden ist lehmiger Art, und trocken, hat eine sanfte Abdachung von Westen nach Osten, die Lage ist einsam, die Entfernung des Platzes vom Thore nicht zu groß, als daß nicht die Leichen füglich und schicklich dahin getragen werden könnten, und seine Größe beträgt ohnegefähr ... Quadratruthen, ist also ganz ansehnlich, und reicht höchstwahrscheinlich so lange aus, bis der jetzige Kirchhoff ohne Anstoß zu geben, aufs neue wieder als solcher benutzt werden kann. Zur deutlicheren Ansicht der Form legen wir ehrfurchtsvoll die Anlage A an.
   Hoffen wir zwar, daß Ew. K. H. in die hier von uns gemachte Schilderung der Stelle, die wir ausersehen haben, kein Mistrauen setzen, sondern es uns aufs Wort zutrauen werden, daß dieser Platz in aller Hinsicht der passendste und schicklichste sey, welcher hier nur gefunden zu werden vermag; so haben wir doch zur mehreren Bekräftigung den Ehrn - Praepositus Brinkmann hieselbst ersucht, uns seine Ansicht über die Schicklichkeit dieser Stelle zum neuen Gottes - Acker schriftlich mitzutheilen, und wir vermeiden vielleicht durch respectueuse Überreichung der Anlage B. weitläuftigere, Zeit, Geld und Mühe kostende Verhandlungen und Untersuchungen über die Paßlichkeit des Locale.
   Setzen wir nun zum Voraus, daß Ew. K. H. es allerhöchst genehmigen werden, daß grade dieser Platz der neue Kirchhoff werde; so bedarf derselbe allerdings einer Einrichtung, um seinem Zwecke entsprechen zu können. Bisher ist er als Garten - Platz in mehreren Caveln benutzt, und es wäre nöthig, daß er nur ein paarmaale umgehaakt, und geegget würde, um einzelne Unebenheiten wegzuschaffen, welche sich vorzüglich dadurch dort vorfinden, weil an einigen Stellen Lehm daselbst gegraben worden ist. Wir submittiren daher zu Ew. K. H. Einsichtsvollem Ermessen, ob es wohl nicht zweckmäßig wäre, Allerhöchst dieselben geruheten, dem Kirchen - Provisor Dolberg oder dem Kirchen - Oeconomus Petri hieselbst einen Befehl dahin zugehen zu lassen:
   daß er, so bald die Frühjahrs - Witterung es erlaube, den, ihm von uns anzuweisenden, zu einem neuen Begräbniß Platz designirten Ort ebnen, durchhaaken, eggen, und mit dem Saamen einer niedrig wachsenden Gras - Art besäen zu lassen habe.
   Diese - wenn der Gottes - Acker anständig eingerichtet werden soll - unumgänglich nöthige Arbeit, wird der Oeconomie oder Kirchen - Kasse nur höchst unbedeutende Kosten verursachen.
   Was nun aber seine Befriedigung betrifft, so ist solche allerdings etwas kostbarer, aber wie wir es schon erwähnt haben, vermindert das Locale theils dadurch die Kosten, weil die Stadt Mauer an Einer längeren Seite des Platzes bereits eine Befriedigung desselben bildet, theils dadurch weil an der zweiten längeren Seite ein ziemlich bedeutender Abzugs - Graben des Wassers aus der Schmelzbach und dem Raths Teiche den Platz, welcher an sich höher liegt, als seine Umgebungen natürlich schon begrenzt, und befriedet, es also keiner hohen Wehre bedarf, theils dadurch, weil Eine der kürzeren Seiten des Platzes, an den Dienst Garten des Stadt - Secretairs stößt, und nur einer Befriedigung durch eine lebendige Hecke bedarf, welche denn freilich stets durch die Vorgesetzten des hiesigen kirchlichen Vermögens in gutem Stande erhalten werden müßte. Die ganze herzustellende Befriedigung würde also nur ... Längen - Ruthen ausmachen.
   Submissest bescheiden wir es uns, daß wir über die Art der Befriedigung keine Stimme haben, und darüber nichts entscheiden können, unsern Wunsch aber mit Ehrerbietung auszudrücken, werden Ew. K. Hoheit uns auch mit aus der Ursache huldreichst erlauben, weil uns die Kenntniß der Orts - Beschaffenheit beiwohnt. Wir wünschen Pfeiler von Mauersteinen mit kleinem Dachwerk, in zweckmäßiger Entfernung von einander, und mit einander durch eichenes Gitterwerk verbunden, einen schicklich angebrachten Eingang, und innerhalb dieser Befriedigung die Anpflanzung einer Reihe von Linden.
   Da Ew. K. H. Zweifels ohne über diesen Gegenstand auch den allerunterthänigsten Bericht allerhöchst Ihrer Beamten zu Dargun, und einen etwanigen Kosten - Anschlag werden sehen wollen, so bitten wir submissest,
   dem Amte Dargun aufzugeben, daß es ohne Zeit - Verlust per Deputatum, mit Adhibition des Amts - Zimmer - und des Amts - Maurer - Meisters den von uns zum neuen Gottes Acker designirten Platz besichtige, und über dessen anständige und zweckmäßige Befriedigung mit Einreichung des Kosten - Anschlages respectvoll und fordersamst berichte.
   Was die Kosten betrifft; so werden solche, wenn Ew. K. H. die Gnade haben, das Materiale aus Allerhöchst Ihrer Ziegeleien und Forsten gratis, bloß gegen das übliche Brenn - oder Zähl - Hau - oder Anweise - Lohn zu ertheilen, nicht von großer Bedeutung seyn und dürfte dazu unmaßgeblich ein Theil der Gelder angewendet werden können, welche wie uns freilich nicht ex actis, aber doch mit Gewißheit bekannt ist, von Seiten der hiesigen Oeconomie zur Disposition des Amtes Dargun zum Zweck der Reparatur hiesiger geistlicher Gebäude bereits gestellt und ausgezahlt sind, welche denn wieder - im Falle solche ihre unabänderliche Bestimmung haben - ihren Ersatz aus der Rückzahlung der Gelder finden könnten, welche die hiesige Oeconomie dem Amte Dargun zum Zweck der Befriedigung der Bedürfniße der Kirche oder der Pfarre zu Methling angeliehen hat, und deren Rückzahlung huldreichst zugesagt ist.
   Entschuldigen Ew. K. H. allergnädigst, daß wir überhaupt diesen Punct - woher nemlich die Kosten genommen werden können - überall berührt haben, da er durchaus nicht zu unserm Ressort gehöret, unsere gut gemeinte Absicht war bloß die, möglichst, so viel wir dazu beitragen können, unnöthigen Schriftwechsel, und Ventilationen vermeidlich zu machen, vorzüglich aber, das Geschäft, welches keinen Aufschub verträgt, zu fördern, und so schnell und mühelos als thunlich zur Ausführung, mit Beseitigung möglich sich entgegen stemmender Hindernisse zu bringen. - Deshalb submittiren wir hier, ob es Ew. K. H. nicht allergnädigst gefallen dürfte,
   Allerhöchst Ihrem Amte Dargun auch aufzugeben, zugleich mit der Relation über die zweckmäßigste Art der Befriedigung des neuen Begräbniß - Platzes und über die Größe der dazu erforderlichen Kosten, auch über die Thunlichkeit der Herbeischaffung derselben, auf die von uns submissest vorgeschlagene Weise allerunterthänigst gutachtlich zu berichten.
   Nun bliebe noch der Punct der Einweihung des neuen Gottes - Ackers zu berücksichtigen. - Schicklich und anständig wäre es allerdings, wenn zuvor, ohn eine Leiche dort eingesenkt würde, die Befriedigung vollständig da wäre, und thunlich ist dies auch, wenn sich keine unvorhergesehene Hinderniße ergeben, und wenn von keiner Seite Zeit verschwendet wird, aber wenn auch wirklich der Fall eintreten sollte, daß der Platz auf dem jetzigen Friedhofe ganz ausginge, bevor die Wehre des neuen fertig, oder auch nur angefangen wäre, so würde dies doch kein absolutes Hinderniß zur Einweihung des designirten Platzes abgeben, denn er liegt schon in einem solchen Grade befriedet und geschloßen da, daß seine Bewehrung zwar nicht für einen Begräbniß - Platz guter Christen für immer anständig ist, daß aber doch jeder Anlauf von Thieren, und Menschen gehemmt ist, dieserhalb bitten wir, allerunterthänigst, Ew. K. H. geruhen,
   dem Ehrn Superintendenten Kleiminger zu Sternberg aufzugeben, daß Er dem Ehrn Praepositus Brinkmann committire, den neuen Kirchhoff sodann mit angemessener kirchlicher Feier einzuweihen, wenn die erste Leiche auf dem selben eingesenkt werden wird.
   Hiemit nun könnten und würden wir unsern submissesten Vortrag schließen, und würden es gerne, wenn uns die Armuth der Stadt - Casse nicht zwänge, noch einen Punct zu berühren.
   Der Platz quaestionis ist bisher als Gartenland benutzt, und von Seiten der Stadt an Pachtliebhaber verpachtet gewesen.

Im Jahre 1808 ward er verpachtet auf 6 Jahre und trug jährlich                         

   40 Rthlr.     36 Sch.
Im Jahre 1814 ward er wieder auf 6 Jahre verpachtet, und trug jährlich             

   32 Rthlr.      7 Sch.
Im Jahre 1820 ward er zuletzt auf 6 Jahre verpachtet, und trug jährlich             

   18 Rthlr.    26 Sch.
---------------------------------------------
Von diesen

   91 Rthlr.    21 Sch.
ist tertia, also das, was der Platz seit 18 Jahren im Durchschnitt jährlich der Stadt einbrachte

   30 Rthlr.    23 Sch.
   Diese Einnahme soll von nun an wegfallen, und eine solche Einbuße ist der Stadt - Casse, welche, wie Ew. Königl. Hoheit anderweitig bekannt ist, ihre Nothdurft nicht einmahl vollständig zu bestreiten vermag, gewaltig fühlbar und drückend.
   Als der jetzige Kirchhoff zuerst in ganz kleiner Ausdehnung angelegt, und dadurch das Begraben der Leichen in der Stadt aufgehoben ward, hatten Ew. K. H. die Gnade, der Stadt für das dazu hingegebene geringe Stück Land 100 Rthlr. aus der Oeconomie - Casse huldreichst zu bewilligen. Im Jahre 1807 ward seine Vergrößerung nöthig. Für die kleine Stelle, welche die Stadt dazu hingab, erhielt sie mit Ew. K. H. Allerhöchster Zustimmung aus der Kirchen Casse 20 Rthlr. Im Jahre 1814 ist ohne weitere Correspondenz mit irgend einer Behörde und ohne Ersatz ein eben so großes Stück Acker, als im Jahre 1807 dem Kirchhofe von Seiten der Stadt zugelegt worden. Sollten wir nun wohl unbescheiden fordern, wenn wir E. K. H. allerunterthänigst anträten, uns huldreichst aus der Oeconomie einen Schadens Ersatz von 300 Rthlr. zu bewilligen?
   Wir fürchten es nicht! - Die Zinse von 300 Rthlr. ersetzt uns noch nicht die Hälfte des Verlustes welchen wir jährlich erleiden, und die Kirche ist es allein, welche durch Verkauf der Begräbniß Plätze Einnahme, zum Theil ganz erkleckliche Einnahme hat. Ew. K. H. Gerechtigkeits und Billigkeits - Gefühl läßt uns also keine Fehlbitte fürchten.
   Wir versichern unsern Respect, und ersterben in tiefster Ehrfurcht, als E. K. H. allerunterth.                            Bürgermeister und Rath
                                                            Petri
   NKalden    10 Januar 1826.

 

   Ich erlaube mir gegen den Inhalt dieser Vorstellung nachstehende Bemerkungen
   ad 1. Fl 1 - Sie sagen, der, als Gottes Acker anzuweisende Fleck, bedarf nur von 3 Seiten eine Befriedigung, weil die 4te von der Stadtmauer begränzt wird. - Diese zum Theil aufgeführte priv. Befriedigung der Hofstellen ist von Anfang an, schlecht gemacht; und die Stadt Policei hat nicht die Kraft gehabt, die Öffnungen, die jeder Eigenthümer (zur Bequemlichkeit der Dieberei) darin gelassen hat, zuzukriegen - wird sie (die Policei) dies in der Folge vermögen? werden nicht vielmehr, anfänglich, Löcherchen, Löcher und Mistluken bleiben, und der Gottesacker als Aptrit benutzt werden? und zulezt, wenn der elende morsche Verband nicht mehr zusammenhält, nicht dieser Gottesacker dem gemeinsamen herumwohnenden Vieh, zum Weideplatz dienen?
    ad 2 Fl 3. - Wird durch Haken und Eggen nicht viel zur Ebnung des Platzes beigetragen werden können, soll er geebnet werden, so müssen wohl Hacken, Schaufell und Karre angewendet werde - Die Gewährung dieser Bitte würde Sie daher nur in Verlegenheit setzen.
   ad 3 Wünsche ich keine zu grosse Beeilung weil sich in meinem Kopfe, manche bedeutende Hindernisse ausgehekt haben, die ich mit Ihnen erst gerne an Ort und Stelle besprechen mögte.                    OFS."     [Ratmann Schumacher]

 

   Bei der Versammlung am 20.3.1826 zur Entscheidung über einen neuen Friedhofsplatz wurde folgendes im Protokoll festgehalten::
   "Protocoll gehalten zu Nkalden am 20 Maerz 1826 in Gegenwart
   des Herrn Amtmanns Ratich aus Dargun
   des Herrn Bürgermeisters Petri
   der Rathmänner Herrn Schumacher und Dr. Willgohs
   des Herrn Präposito Brinckmann
   des Herrn Kirchen Provisors und Hospital Vorstehers Dollberg,
   sämtlich von hier
                    vom unterschriebenen Mitarbeiter
   Zur Ausrichtung des aus hoher Großherzogl. Regierung am 3. v. M. den Beamten zu Dargun gewordenen hohen Commissarii, vom 21 Jan. d. J. war der heutige Tag bestimt, und nachdem die betroffenen Behörde denn in Kenntniß gesezt worden, hatte sich der Herr Amtmann Ratich, mit den unterzeichneten heute hierher begeben.
   Nachdem Deputatus praefectorae, sich durch Vorzeigung des allerhöchsten Commissarii zu dem Geschäfte bestimmet hatte, verhandelte man dasselbe in folgender Ordnung:
   Es wurde zuvörderst vom Herrn Präpositus Brinckmann und dem Herrn Kirchen Provisor Dollberg folgende Grundstücke, als die zur Anlegung eines neuen Begräbnißplazes alhie qualificirten, nachgewiesen:
   1. die Stadtbleiche
   2. die Wallgärten, und
   3. ein Ackerstück vor dem Mühlenthor, dem Hospital zum St. Georg gehörig
   Bei der Einnahme des Augenscheins, ergaben sich in Hinsicht der in Vorschlag gebrachten Grundstücke folgende Verhältnisse:
   ad 1. Die Stadtbleiche, welche auf der neuen Stadtcharte mit Nr. 138 bezeichnet ist, gränzt unmittelbar mit dem jezigen Begräbnißplaze, und würde sich zur Erweiterung deßelben, ganz vorzüglich eignen. Es tritt hiebei aber das Bedenken ein, daß sich auf der Feldmark der Stadt Kalden kein ander zur Bleiche tauglicher Plaz findet. Es wurde zwar die sogenannte Baumgartenwiese, welche jezt von der Dargunschen Forst benuzt, in termino Joh. d. J. aber Vergleichsmäßig an die Pfarre zurückgegeben wird, zur Bleiche in Vorschlag gebracht, und die Kirche würde selbige auch unter billigen Bedingungen acquiriren können, um sie demnächst gegen die jezige Bleiche, an die Stadt zu vertauschen. Hiergegen aber ist zu bemerken:
   a. daß es an sich noch problematisch bleibt, ob diese niedrig gelegene Wiese sich überall zu einer Bleiche passen würde, indem sie bei dem hohen Wasserstande der Peene der Überschwemmung ausgesetzt ist, und
   b. daß Magistratswegen die Bedingung hinzugefügt wurde, daß, um in der oben gedachten Hinsicht sicher zu gehen, auch der daran stoßende ehemalige Lustgarten mit der darauf befindlichen Scheure, zu der Bleiche acquirirt werden müste, welches indes um so weniger zugesichert werden kann, da dieser Garten im Privateigentum der Oberförster Witwe Grohmann ist.
   ad 2. die sogenannten Wallgärten, Nr. 281 der Stadtcharte, sind im Eigentum der Stadt, welche selbige verpachtet. Sie werden Feldwerts durch den Weg nach den Scheuren Stadtwärts durch Ställe und Hofbefriedigungen der an dieser Seite belegenen Bürgerhäuser begränzt. Es würden sich diese Gärten daher schon aus dem Grunde, daß der Abfluß aus den Ställen und von den daran liegenden Höfen, auf diese Gärten angewiesen ist, anständiger Weise nicht zu einem Begräbnisplaze qualificiren, wenn nicht auch schon der zu 204 Quadratruten angegebene Flächeninhalt, den Gebrauch zum Begräbnißplaze, auf eine zu kurze Zeit beschränkt würde.
   ad 3. die dem Hospital zum St. Georg gehörenden Ackerstücke, qualificiren sich, nach der einstimmigen Ansicht aller Anwesenden von alle in Vorschlag gebrachten Grundstücken am besten zu dem neuen Begräbnißplaze. Sie sind auf der neuen, durch Michaelsen angefertigten Charte der Feldmark Kalden de annis 1812 u 13 mit Nr. 1 bezeichnet und enthalten 941 Quadratruten. Mithin weit mehr Areal, als zu dem neuen Begräbnißplaze erforderlich wird. Ihre Figur gestattet es indes, daß ein ausreichender Abschnitt davon, zu dem beregten Zwecke bestimt werde.
   Der Herr Präpositus Brinckmann trat in Hinsicht dieses Plazes mit folgenden Bemerkungen hervor:
Derselbe läge vor den Thoren der Stadt, auf einer Anhöhe, der Weg dahin, führe über die grosse Peenbrücke und werde häufig von heftigen Winde bestrichen. Es könne daher wohl so wenig ihm, als der Schuljugend angesonnen werden, die Leichen, zum Nachtheil ihrer Gesundheit, bis zu dem Begräbnißplaze zu begleiten, so wie es auch bei der Entfernung von der Stadt den Trägern, besonders bei ungestümen Wetter, unmöglich werden würde, die Leichen bis zur Gruft zu tragen. Er hoffe daher, daß wenn dieser Plaz gewählt werden sollte, nach dem Beispiel anderer Städte die Begleitung der Geistlichkeit und Schule bei den Leichengängen, bis ans Thor beschränkt werde.
   Von Seiten des Magistrats wurde auf diese Bemerkung erwidert: daß auch von Seiten der Bürgerschaft, die Verlegung des Begräbnißplazes, nach der bezeichneten Stelle, gewünscht werde, und daß daher so wenig diese, als Magistratus selbst, etwas dagegen haben würden, wenn der Vorschlag des Herrn Präpositus allerhöchsten Orts genehmigt werden sollte. Der Unbequemlichkeit des weiteren, wenn gleich allemal nicht bedeutende Entfernung des Begräbnißplazes von der Stadt, würde durch Anschaffung eines eigenen Leichenwagens begegnet werden können.
   Unter diesen Umständen blieb man bei diesem leztgedachten Ackerstücke stehen, und erfuhr als man über die Acquisition derselben zu unterhandeln anfing, daß diese Ackerstücke von 6 zu 6 Jahren meistbietend und zwar gegen Kornpacht, welche die Armen der St. Georg Stiftung erhielten, verpachtet wurden, und daß die jezige Pachtperiode von Michael. d. J. noch 4 Jahre währe. Es würde hiernach bei der Acquisition auch die Abfindung der jezigen Pächter, mit zu berücksichtigen seyn.
   In Ansehung des Acquisitions modi selbst, würden hier 3 Fälle eintreten können.
   Es würde nämlich die Kirche
   1. entweder die Ackerstücke für eine, allenfalls nach dem 20jährigen Durchschnitte auszumittelnde Kornpacht, in Erbpacht nehmen, oder
   2. sie ankaufen, oder
   3. sie gegen andere Ackerstücke eintauschen können.
   Der Herr Kirchen Provisor Dolberg, welcher auch zugleich Vorsteher des Georgenhospitals ist, erklärte aber, daß die Kirche überall kein Vermögen besize, und daher auch nicht eine der obigen Erwerbarten würde affectiren können, daß aber die hiesige Kirchenoeconomie im Stande wäre, so wohl die Ackerstücke in Pacht zu nehmen, zu kaufen, oder gegen andere Ackerstücke auszutauschen, und daß nach seiner Meinung, bei dem Unvermögen der Kirche, hier die Oeconomie in subsidium antreten müste.
   Der Herr Bürgermeister Petri, qua oeconomus, gab es zwar zu, daß die oeconomie die angeführten drei Erwerbarten würde möglich machen können, indes nach seiner Überzeugung, durchaus nicht dazu verpflichtet sey, ohne speciellen allerhöchsten Befehl werde er sich daher in gar keine Unterhandlungen einlassen.
   Als man Commissionswegen darauf zurückgab, daß es eines speciellen Befehls nicht bedürfen werde, indem ein solcher Befehl schon in der Fassung des allerhöchsten Commissorii liege, erklärte der Herr Bürgermeister Petri, daß er an der Überzeugung, daß die Oeconomie durchaus nicht verpflichtet sey, irgend etwas für die Acquisition eines neuen Begräbnißplazes, aufzuopfern, nicht abgehen könne.
   Er müßte freilich höhere Befehle submittern, und wolle für den Fall, daß allerhöchsten Orts befohlen würde, daß die Oeconomie eintreten solte, seine Vorschläge über diejenige Erwerbart, welche nach seiner Ansicht die zweckmäßigste wäre, dem Amte vorlegen, weshalb er bitten wolle, den Commissarischen Bericht bis dahin zurück zu halten.
   Da eine andere Erklärung vom Herrn Bürgermeister Petri nicht zu erhalten war, muste man das Geschäft für heute abbrechen, und schloß das Protocoll, nachdem es vorgelesen und genehmigt war.
   in fidem                      Pro vora Copia
   Holstein                      Johann Liss, av.
qua audit. praef.          qua registr. praef."

    
   Den Bleicherplatz wollte man nicht zum Friedhof dazugeben. Ein Teil der Bürgerschaft und auch der damalige Pastor Brinckmann waren für die Gärten hinter der Stadtmauer an der Wallstraße südlich vom Amtstor. Dieser Platz müßte aber geebnet werden, da hier auch z. T. Lehm abgegraben worden war. Die Gegner dieses Vorschlages befürchteten allerdings, daß die Anwohner Löcher oder Ausgänge in der Stadtmauer benutzen könnten, um Gerümpel und Mist auf den Friedhof zu bringen, bzw. ihn als Abtritt benutzen könnten. Bei Verfall des Verbandes der alten Stadtmauer könnte der Friedhof leicht zur Viehweide werden. So gingen die Meinungsstreitigkeiten hin und her.

 

 

 

1826 sollte in den "Wallgärten" ein neuer Friedhof

eingerichtet werden. Heute steht hier der Wohnblock

in der Hafenstraße am "Schäferteich".

(Foto von 1963)

 


   Obwohl am 20.10.1828 ein neu dem Friedhof bei der Bleiche zugelegter Platz feierlich eingeweiht wurde, schrieb Kirchenprovisor J. F. Müller am 21.5.1832 an den Magistrat:

   "Wohlgeborne
   Höchstzuverehrende Herren!
  Wenn gleich schon vor einigen Jahren die Anlegung eines neuen Friedhofes zur Sprache gekommen und der Platz dazu auf dem hiesigen St. Georg Ackerstück, welches gleich hinter den Scheunen vor dem Mühlentor belegen ist, dazu ausersehen ward, so ist die Befriedigung desselben doch unterblieben und das Ackerstück im Jahr 1829 aufs neue, auf 6 Jahre also bis Michaelis 1835 verpachtet worden.
   Jetzt ist der bisherige Kirchhof mit dem vor mehreren Jahren hinzugekommenen Erweiterungsplatz neben der Bleiche so überhäuft von Leichen angefüllt, daß es sehr schwer hält, einige Stellen zu neuen Gräbern aufzufinden. Allenthalben stößt man auf nicht genugsam vergangene Särge und Leichen und wenn zuweilen Sargstücke und einzelne menschliche Knochengerippe aufgegraben werden und darüber die gegründete Unzufriedenheit der hiesigen Stadt Gemeinde lautbar wird, so darf wohl nicht länger gesäumt werden, die Anlegung eines neuen Friedhofes schleunigst zu betreiben.
   Indem ich mir nun erlaube Ew. Wohlgeboren meinen mündlichen Antrag hiedurch schriftlich gehorsamst zu wiederholen.
   Eine protocollarische Verhandlung wegen Bestimmung des Platzes, welcher sich am bequemsten zu einem neuen Friedhofe eignet, baldmöglichst geneigtest verfügen zu wollen und zu dieser Conferenz auch den Herrn Präpositus Brinckmann einladen zu lassen, damit das abzuhaltende Vereinbarungs - Protocoll die Grundlage zu dem allerunterthänigsten Vortrage bei allerhöchster Landes Regierung werde, habe ich die Ehre mich in der vollkommensten Hochachtung zu unterzeichnen, als                    Ew. Wohlgeboren
   Neukalden                    ganz ergebenster
   den 21 Mai 1832                    JFMüller"


   "Protocollum gehalten Neukalden den 2 Juny 1832 in Gegenwart
   des Herrn Bürgermeisters Petri
   des Herrn Senatoris Schumacher
   im Beyseyn
   des Stadtsprechers Clasen
   des Stadtsprechers Salchow
   der Viertelsleüte Busch, Seemann und JJStüdemann
   des Cämmereybürgers Kosegart
   der Ausschußbürger Joh. Lückstaedt, Bruger, Anders und Tessmann
   Auf den Antrag des Kirchen Provisors Postmeisters Müller war der heütige Termin anberahmt und dazu hatten sich die Eingangsgenannten eingefunden.
   Auf ergangene Einladung hatte auch der Herr Praepositus Brinckmann die Güte gehabt dieser Conferenz beyzuwohnen und vielfach ist der Gegenstand, nämlich die Anlegung eines neuen Kirchhofes von mehreren Seiten beredet und besprochen worden. Aber vielfache Schwierigkeiten zeigten sich bald hier bald dort und wenn auch jeder die Nothwendigkeit einsah, daß für die Anlegung eines neuen Kirchhofes gesorgt werden müße, so ist doch kein rascher Entschluß möglich und daher ist beschlossen, daß man allerseits die Sache einzeln für sich überlegen und am 14ten d. M. unaufgefordert wieder zusammen kommen wolle, um einen Beschluß zu fassen.
   Hiemit ist den für heute das Protocoll geschlossen                                        in fidem       
                                                                                                                        JFMüller"

 

   "Protocollum gehalten Neukalden den 14. Juny 1832 in Gegenwart
   des Herrn Senatoris Schumacher
   im Beyseyn
   des Stadtsprechers Clasen
   des Stadtsprechers Salchow
   der Viertelsleüte Busch, Meyer, Seemann und Stüdemann
   der Cämmereybürger Kosegart und Burmeister
   der Ausschußbürger Lückstaedt, Bruger, Tessmann und Anders
   Nach dem Schluße des letzten Protocolles vom 2ten d. M. hatte sich der Ausschuß der Bürgerschaft heute versammelt um über ein Local zur Anlegung eines neuen Kirchhofes sich zu besprechen.
   Der Herr Bürgermeister als Praeses konnte bedauerlich krankheitshalber nicht gegenwärtig seyn, es wurde also unter dem Magistrat und den Repraesentanten über die Anlegung des neuen Kirchhofes weitläuftiger gesprochen und zum Zweck dieser Berathschlagung ein hohes Commissorium vom 21 Januar 1826 den Repraesentanten vorgelesen und der Inhalt desselben erläutert und besprochen.
   Da nun das hohe Commissorium der Kirche und nicht der Stadt befiehlt für ein Local zur Anlegung eines Gottes Ackers zu sorgen so fiel der allgemeine Beschluß, daß ferner nach dem Inhalte dieses hohen Commissorii die Kirche die Besorgung eines neuen Kirchhofes übernehmen müße und könne die Stadt, da sie kein taugliches Locale besitze sich in keiner weiteren Unterhandlung einlassen.
   Womit geschlossen nachdem dies Protocoll verlesen worden ist.                     Actum ut supra
                    in fidem JFMüller                                         qua Secr: Civitat"