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 Das Mühlentor

 

Wolfgang Schimmel


   Das ehemalige Mühlentor befand sich am nördlichen Stadtausgang in Richtung Dargun. Den Namen erhielt das Tor nach der Wassermühle an der Peene, welche bereits kurz nach der Stadtgründung angelegt wurde. In alten Urkunden wird das Tor mehrfach erwähnt: "vor dem molendore" (1414), "bei der Fallbrügge nach dem Mühlenthor" (1640) [mit "Fallbrügge" ist die sogenannte Feldbrücke beim Hafen gemeint], "garten vorm Mühlendohre am damme belegen" (1650), "Müllen Dohr" (1694), "Müllendohr" (1695) usw.
   Im Dreißigjährigen Krieg soll das Tor sehr zerstört worden sein und mußte danach wieder aufgebaut werden. Oberhalb der Durchfahrt war es zeitweise als Gefängnis eingerichtet; jedenfalls schrieb Stadtrichter Hilgendorf am 30.10.1739 an die Justizkanzlei u.a.:
   "13. Das Gefängnis, dessen Anschaffung verordnet, ist noch nicht im Stande; mit weiterer, so nötiger Einrichtung des Fangelturms haben sie [der Magistrat Neukalen] Stillstand gemacht, und auf ein weiteres Gefängnis sind sie auch nicht bedacht, obgleich auf dem Mühlentore die herrlichste Gelegenheit dazu wäre. Die Türen sind stark mit Eisen versehen, die Wände außerordentlich stark, woraus zu schließen, daß dort früher gewiß ein Gefängnis gewesen. Der Wind hat nun aber vor längerer Zeit das Dach abgenommen, weshalb der mit Eichenbrettern belegte Boden zu verrotten beginnt, und wird auch dieses schöne Gefängnis zu Grunde gehen, wenn nicht bald gebessert wird."
   Laut Ratsprotokoll vom 28.4.1757 wurde beschlossen, das Tor auszubessern:
   "Wan auch nöhtig sein würde daß dem Mühlen Thor nach drücklich geholfen werden müste wo deßen umsturtz vorgebeugt werden solte, So ist beschloßen daß der Pfeiler wieder gemauet und das Dach mit Steinen verfertigt werden soll."

 

Das Mühlentor (bis 1796)

 

Das Mühlentor (bis 1796)
 

   1796 war das Mühlentor aber so baufällig, daß es abgerissen werden mußte. Das Ratsprotokoll vom 14.3.1796 lautet:
   "Actum zu NKalden in Curia den 14 Mart. 1796 in Gegenwart Magistratus und worthabender Bürgerschaft.
Der Bürgermeister Bischoff machte die Eröfnung, daß, da bekanntlich das Mühlenthor in so schlechter Beschaffenheit sey, daß es nicht nur den Einsturz drohe, sondern auch keine Reparatur nützlich angebracht werden könne, ein Entschluß darüber zu faßen sey und verstellte es, ob es nicht am gerathensten sey, daß selbiges gäntzlich niedergenommen und statt deßen, entweder ein kleineres gewölbtes Thor, oder auch nur 2 Pfeiler gebauet würden, da denn die Materialien des alten Thors zu den neu zuerbauenden Thorbuden verwandt werden könnten. Nach geschehener Berathschlagung ward hierüber beschloßen
daß das Mühlenthor im Grund niedergerißen und die Materialien zu den Thorbuden verwandt werden können.
Actum ut supra
JCBischoff     B. Bremer     Jochim Stüdemann
                      J. F. Sontag"

   Nachdem das alte Tor vollständig abgerissen war, erbaute man 1796 zwei starke Pfeiler mit einem Holztor - wahrscheinlich etwas weiter zur Stadt hinaus in Richtung Peene - und zwei Häuser neu, das Torschreiberhaus (Ostseite) und die Torwärterbude (Westseite). Dafür wurden die Mauersteine des alten Mühlentores verwendet, wobei sogar noch Steine für den Bau eines neuen Schützenhauses am Warsower Weg und zum Verkauf an Einwohner übrig blieben.
Das neue Tor existierte nicht lange. Beim Bau der Straße nach Dargun mußten 1865 die beiden starken Pfeiler abgetragen werden, da sie den Verkehr behinderten.

 

Das Mühlentor (bis 1865)

 

Das Mühlentor (bis 1865)

 

 

Das alte Torschreiberhaus 1959

 

Das alte Torschreiberhaus, Wilhelm-Pieck-Straße 18
Foto von 1959

 

 

Das alte Torschreiberhaus 1963

 

Das alte Torschreiberhaus, Wilhelm-Pieck-Straße 18
Foto von 1963

 

 

Ansichtskarte "Mühlenstrasse" um 1900

 

Ansichtskarte "Mühlenstrasse" um 1900

 

 

Die Wilhelm-Pieck-Straße, etwa 1962

 

Die Wilhelm-Pieck-Straße, etwa 1962