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Auf den Spuren der letzten Eiszeit

 

(eine Radtour in der Mecklenburgischen Schweiz, ca. 26 km)


Manfred A. F. Becker


   Die Radtour führt durch charakteristische Lebensräume einer durch die letzte Eiszeit geprägten urigen Landschaft. Auf engstem Raum kann man den gesamten eiszeitlichen Formenschatz (Glaziale Serie) erleben.
   Darüber hinaus repräsentiert das Gebiet neben der eiszeitlich geprägten Geomorphologie das frühere Wirken extensiver Bewirtschaftungsformen durch den Menschen. Dementsprechend ist das Artenspektrum von Aussterben bedrohter Pflanzen und Tiere unserer Heimat recht groß. Historische Vegetationsformen, wie Trocken- und Magerrasen, haben hier letzte Restvorkommen.
   Zweifellos ist diese reizvolle Radtour eine sportliche Herausforderung, bei der Sie mitunter kräftig in die Pedale treten müssen.
   Ausgangpunkt unserer Tour ist der Rathmannsteich in Neukalen. Wir fahren erst einmal in Richtung Salem. Der asphaltierte Weg führt uns vorbei an einer Windmühle, auf dem Mühlenberg gelegen. Erbaut wurde sie 1936 und bis etwa 1990 zum Schroten von Futtergetreide genutzt. Sie wurde als "Erdholländer" gebaut - leider fehlen der Mühle ihre Flügel. Heute dient sie als Wohn- und Erholungsobjekt.
   Auf der linken Seite erscheint nun ein kleines Wäldchen, welches in einer alten Flurkarte als "Crus - Eichen - Bruch" bezeichnet wurde. Mit etwas Fantasie sind in ihm die Reste eines Eichenhudewaldes erkennbar. Die ältesten Bäume sind ca. 550 Jahre alt.
   Entlang einer stillgelegten Bahnlinie fahren wir weiter nach Salem. Diese Strecke wurde am 1.12.1907 eingeweiht und verband die Städte Malchin, Neukalen und Dargun. 1996 wurde sie außer Dienst gestellt und seit 2002 von Dargun bis Salem als Fahrrad - Draisinen - Strecke genutzt.
   Eindrucksvolle breite, bewaldete Hügelketten des jüngsten Stadiums der Weichselkaltzeit, des so genannten Pommerschen Stadiums, begleiten uns nun auf der rechten Seite. Linker Hand erscheint der Kummerower See mit seinem breiten Niedermoorgürtel.
   2 km: In einer Rechtskurve fallen 4 starke Eichen auf, welche am Rand eines kleinen Gewässers stehen - sie sind der Rest von den einst 12 Aposteleichen.
   3,5 km: Auf dem "Hexentanzplatz" angekommen, ist hier eine interessante Blockpackung, die "Trollsteine", zu sehen.
   Von einer Anhöhe, unmittelbar vor dem Dorf Salem, hat man einen fantastischen Blick auf das silbergrau schimmernde Wasser des Kummerower See, dem viertgrößten See unseres Landes. Das Bild, welches der See bietet, ist nicht nur ein bezauberndes, sondern auch ein großartiges. Diese Weite des Seespiegels ist ein Moment, welcher sich dem Beschauer zuerst aufdrängt. Indessen sind die Wassermassen von einer so imposanten Ausdehnung, dass man reichlich einen ganzen Tag mit dem Rad benötigt (etwa 50 km), wenn man den See umfahren will.
   Weit über den See hinaus, in östlicher Richtung, ist eine ausgedehnte Grundmoränenlandschaft erkennbar. Der See hat eine Größe von 3 293 ha, seine tiefste Stelle misst 25,5 m. Er liegt nur 20 cm über dem Wasserspiegel der Ostsee. Längere Hochwasserstände können sich über die Peene auf den See auswirken. Überflutungen der flachen Uferbereiche sind die Folge. Mit etwas Glück kann man den König der Lüfte, den Seeadler, beobachten, der hier seit Jahren sein Jagd- und Brutgebiet hat.
   Unterhalb der Anhöhe befinden sich eine Ferienstätte des "Kolpingwerks", der Sportboothafen und die Badestelle des Ortes.

 

Salem


   4 km: Das Fischerdorf Salem wurde erstmals 1314 erwähnt. Im Ort befindet sich noch heute ein Fischereibetrieb mit Verkaufseinrichtung. Oberhalb des Dorfes befindet sich der Bataillenberg, von welchem man ebenfalls eine schöne Aussicht auf den Kummerower See hat.
   6 km: Entlang des Schienenstrangs fahren wir nun nach Gorschendorf, ein Ort, welcher ebenfalls 1314 erstmals in einer Urkunde genannt wird. Das ehemalige Fischerdorf liegt zwischen einer Hügelkette mit Erhebungen bis zu 77 m (Hopfenberg) und wiesenreicher Feldmark am Kummerower See. Das Ortsbild wird geprägt durch die um 1898 erbaute Kirche und das 1796 errichtete Gutshaus. 1861 wurde das Gut vom großherzoglichen Finanzministerium aufgekauft und verpachtet (Staatsdomäne). Inmitten des Dorfes führt der Weg nach rechts in Richtung Gülitz. Durch die "Gülitz - Retzower - Höhen Stauchendmoränestaffel" geht es jetzt 2,5 km bergauf, der Höhenunterschied beträgt 60 Meter. Diese Landschaft verdankt ihre Oberflächengestaltung intensiven Stauchungen durch das vorrückende Inlandeis vor ca. 13000 Jahren.

 

Blick auf Gorschendorf und den Kummerower See

 

Blick auf Gorschendorf und den Kummerower See

 

 

   8,5 km: Auch das Dorf Gülitz wurde 1314 erstmals erwähnt. Hier gab es um 1612 fünf Bauerngehöft. Im 30jährigen Krieg ist Gülitz vollkommen verwüstet worden. Danach entstand ein herzoglicher Pachthof, in welchen 1913 der Förster von Franzensberg einzog. Der eingeschossige Fachwerkständebau stammt wahrscheinlich aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Als "Tafelgut" belieferte die Försterei den Hof des Herzogs von Mecklenburg mit Wildbret.

 

Das frühere Forsthaus in Gülitz

 

Das frühere Forsthaus in Gülitz

 


   Nun queren wir die L 20 (Neukalen - Malchin) und fahren in Richtung Retzow. Nach 1,5 km Landweg biegen wir nach rechts in Richtung Hagensruhm ab. Ein Betonweg führt uns im Wald bergab in den Ort.
   13 km: Hagensruhm wurde 1704 an der damaligen Poststraße von Neukalen nach Teterow als Meierei errichtet. Ein 1905 aufgestelltes Denkmal soll den Ortsnamen erklären. Der Hund "Hagen" rettete einem Jäger bei der Jagd auf ein übergroßes Wildschwein das Leben. Ihm zum "Ruhm" wurde das Denkmal von einem Berliner Professor geschaffen, welches die Szene zeigt, als der Hund das gewaltige Wildschwein attackiert.

 

Das Keilerdenkmal in Hagensruhm

 

Das Keilerdenkmal in Hagensruhm

 


   Der Beschilderung folgend geht es durch ausgedehnte naturnahe Buchenwaldungen und Hohlwege bergauf und bergab nach Pohnstorf.
   16 km: Unmittelbar vor dem Ort nach links fahrend, erreichen wir nach 500 m einen sehr schönen Biwakplatz. Von hier hat man einen großartigen Blick in das Teterower Becken; in der Ferne blinkt der Teterower See. Er liegt im Südteil des verlandeten Teterower Beckens, das während des Mecklenburger Stadiums vor 13000 Jahren entstand. Der See ist von Moor umgeben, seine mittlere Wassertiefe beträgt 3 m. Im See befindet sich ein slawischer Burgwall. Erste Siedlungsspuren stammen aus dem 7./8. Jahrhundert. Weiter östlich befindet sich das Schlakendorfer Becken. Beide Becken sind Flußtalmoore mit der dafür typischen Vegetation. Bis hierher wurde die Peene in den Jahren 1925 bis 1927 ausgebaggert. An sonnigen Tagen schraubt sich der kleinste europäische Adler, der Schreiadler, die Thermik nutzend, in die Lüfte. Er hat hier seine westlichste Verbreitungsgrenze.
   Vor Pohnstorf, in einem kleinem Park gelegen, befindet sich ein sehenswertes Mausoleum des Hauptbegründers und vierzigjährigen Leiters der Alsen´schen Portland Cementfabriken Heinrich Wessel (1838 - 1905) und seiner Frau Julia Theresa (1844 - 1908). Es wurde um 1900 errichtet.
   Das Dorf ist am Berghang erbaut, ebenso das um 1850 errichtete Gutshaus, ein zweigeschossiger Backsteinbau mit einem 3 - achsigen Mittelrisalit.
   Die höchste Erhebung der Mecklenburger Schweiz befindet sich südlich von Pohnstorf. Es ist der Hardtberg mit 124,5 m NN. Ein Sendemast der Telekom krönt heute sein Haupt.
   Zurück ins Dorf, fahren wir nach rechts entlang einer Pflaumenallee in Richtung Karnitz. Nach links zweigt ein Weg zur Brücke über die Peene ab und verbindet Pohnstorf mit Groß Markow.
   Kurz vor Karnitz passieren wir den Standort einer früheren Ziegelei auf der linken Seite des Weges. Heute ist alles zugewachsen, die Ziegelsteine der kreisförmigen Trade befinden sich noch in der Erde. Auf der südlichen Seite des Weges stand einmal eine Windmühle auf dem Berg. Auch davon ist nichts mehr zu sehen.
   20 km: Der Ort Karnitz liegt etwas verlassen am Rande der Mecklenburgischen Schweiz in waldreicher Umgebung und in der Nähe der Peeneniederung. Erstmals wird das Dorf in einer Urkunde vom 4. April 1232 erwähnt. Das Gutshaus brannte 1978 leider ab.
   Weiter, immer parallel unterhalb zur Seitenmoränenstaffel, fahren wir in die Ortschaft Schlakendorf ein. In der bewegten Moräne eingeschlossen sind abflusslose, zum Teil vermoorte Senken (Kesselmoore).

 

Friedhofskapelle in Schlakendorf

 

Friedhofskapelle in Schlakendorf

 


   23 km: Wir erreichen Schlakendorf. Das Dorf liegt etwa 3 km westlich von Neukalen am Rande der Wiesenniederung der Peene. Der ausgedehnte Niedermoorkomplex ist Rast- und Brutplatz des Kranichs. Große, im 19. Jahrhundert angelegte Torfstiche, sind auch hier zu finden. Erstmalig wird der Ort in einer Urkunde vom 30.3.1287 genannt. Das Gutshaus wurde 1756 errichtet und steht heute leer. Die neugotische Backsteinkapelle auf dem kleinen Friedhof wurde am 18.12.1888 eingeweiht. Von weiten kann man in 3 km Entfernung den Turm der Neukalener Johanneskirche erblicken. Die Straße führt uns an zwei einzeln stehende Gehöften vorbei zurück nach Neukalen.
   26 km: In die Bahnhofstraße einbiegend, erreichen wir bald den Rathmannsteich, dem Ausgangspunkt unserer Radtour.