Wetteraussichten:
 
 
 
 
Schriftgröße:
 
normale Schrift einschalten große Schrift einschalten sehr große Schrift einschalten
 
Peenestadt Neukalen Vernetzt
 
Suchfunktion:
 
 
 
Newsletter:
 
 
Teilen auf Facebook
 

Geschichte der Peenestadt Neukalen

   Die Stadt Neukalen liegt malerisch in einem breiten Peenetal am Nordrand der Mecklenburgischen Schweiz. Sie hat im Zentrum die Anlage einer mittelalterlichen Stadt mit engen vertrauten Gassen und heimischer Umgebung bewahrt. Der herrliche Ausblick von den umliegenden Höhen weckt den Wunsch zu einem Besuch. Gar ein­ladend winken aus der Talmulde die von zahlreichen Baum­grup­pen umrahmten rotbedachten Häuser, aus deren Mitte der schlanke Turm der altertümlichen Kirche in den Himmel ragt.


   Die erste Erwähnung eines Ortes Kalen findet sich in einer Ur­kunde des Pommernherzogs Kasimir von 1174. Damit ist aber das heutige Dorf Altkalen gemeint. Die Bezeichnung Kalen ist slawi­schen Ursprungs und bedeutet soviel wie Sumpf, Morast. Herzog Borwin baute 1244 den Ort Kalen zu einer Stadt aus und errichtete eine Burg. Trotz nochmaliger Bekräftigung des Stadtrechtes 1253 ge­langte Kalen nicht zur rechten Blüte.


   Aus einer Urkunde vom 5. Juni 1281 erfahren wir dann, daß das lübische Stadtrecht von (Alt-) Kalen an die Stätte des slawi­schen Dorfes Bugelmast übertragen wurde. Die Bezeichnung "Bugelmast" wird gedeutet als "Götzenort mit Brücke". Daraus kann man entneh­men, daß sich hier ein slawisches Heiligtum und ein Flußübergang befun­den haben muß. Dieser bedeutsame Übergang sollte durch die Errichtung einer Stadt gesichert werden, welche folgerichtig den Namen Neu - Kalen erhielt. Der fast kreisförmige Umriß der Altstadt ist noch heute gut zu erkennen. In der Mitte befindet sich der Markt­platz mit der St. Johannes Kirche und dem Rathaus.


   Die St. Johannes Kirche wird erstmals 1318 erwähnt. Eine Inschrift am Turm besagt, daß der Turmbau 1439 vollendet wurde. Bis 1782 nutzte man den Platz um die Kirche herum als Friedhof. Das Rathaus wurde von den Maurermeistern Meinhardt und Ulrich sowie vom Zimmermeister Gesche 1799 bis 1801 erbaut. Im Mai 1801 gab es eine feuchtfröhliche Feier zur Einweihung. Die Baukosten betru­gen 4278 Taler 23 3/4 Schilling. 1879 wurde am Rathaus der Nordflügel angebaut und bis 1924 als Amtsgericht genutzt; 1898 erfolgte der Anbau des Südflügels.


   Dem Schutz der Einwohner diente in früheren Zeiten eine umfassende Stadt­mauer mit zwei Haupttore (Mühlentor und Malchiner Tor) und zwei kleinere Nebentore (Amts­tor, Bleichertor). Stadtmauer und Tore sind heute nicht mehr vorhanden. Die Tore wurden im 19. Jahrhundert abgerissen, da sie den Verkehr behinderten. Den nordöstlichen Raum der Stadt nahm das herzog­liche Amt ein. Der Burgvogt, spä­ter Amtmann genannt, verwaltete von hier aus das Land Kalen. 1756 wurde das Amt nach Schlaken­dorf verlegt und vor 1782 mit dem Darguner Amt vereinigt.


   Den Haupterwerb der Bevölkerung bildeten früher die Land­wirtschaft und das Handwerk, wobei besonders die Leineweber und Schuster zahlreich vertreten waren. Die Neukalener Leineweber wa­ren 1622 Mitglied der großen Zunftvereinigung geworden und hatten Verbin­dung mit den Zunftgenossen in Rostock, Lübeck und Ham­burg. Ihre Amtsrolle wurde 1623 bestätigt. Auch von den Zünften der Fischer (1572), Schuster (1595), Schneider (1659), Schmiede (1749), Bäcker (1749) und Tischler (1751) existieren noch die alten Amts­rollen.

 

   Unmittelbar nach der Stadtgründung wurde der Peeneüber­gang mit Damm, Brücke und einer Wassermühle neu gestaltet. Die Was­sermühle wird zum ersten Mal in einer Urkunde vom 25. März 1287 erwähnt. Sie hat jahrhundertelang das Korn der Einwohner gemah­len. Beschwerden der Gutsherrschaften von Karnitz und Lelkendorf wegen der Wasseranstauungen führten aber schließlich zu ihrer Stilllegung. Nachdem man seit 1759 Windmühlen auf dem Mühlen­berg errichtete, wurde die Wassermühle 1786 abgerissen.


   Immer wieder ist in der Geschichte Neukalens festzustellen, daß die brückenkopfartige Lage der Stadt deren Entwicklung min­destens ebenso sehr hemmte wie förderte. Durchreisende Händler und Kaufleute mußten den vom herzoglichen Amt verlangten Zoll bezahlen. In Kriegszeiten trafen hier feindliche Heere aufeinander. Dabei gingen Brücke, Mühle, Scheunen oder Häuser oft in Flammen auf. Be­son­ders hatte die Bevölkerung auch unter den Durch­märschen, Einquartierungen und Plünderun­gen zu leiden. Neu­ka­len berech­nete z. B. im 7jährigen Krieg den von Fastnacht 1760 bis Fastnacht 1763 entstandenen Schaden auf 15495 Rthlr. 12 1/2 Schilling. 1762 zogen 6000 Schweden von Demmin über Dargun in Richtung Mal­chin. In Neuka­len steckten die flüchtenden Preußen die Scheunen vor dem Müh­lentor an und zerstörten zum Teil die Peenebrücke. In der Stadt kam es zu einem Handgemenge zwischen Preußen und Schweden. Die hierbei erschlagenen Schweden wurden auf dem Kirchhof am Markt beerdigt. Einen ganzen Tag dauerte der Durch­marsch von etwa zehn­­tausend Franzosen am 2.11.1806. Hierbei gab es viele Plünde­run­gen und Gewalttaten.


   Neben den Kriegsauswirkungen litt die wirtschaftliche Ent­wick­lung Neukalens enorm unter den unzähligen Brandkatastro­phen. Be­reits 1362 oder 1364 brannte die junge Stadt vollständig ab. Weitere große Stadtbrände sind aus den Jahren 1666 (über 60 Häuser), 1676 (fast die ganze Stadt), 1734 (23 Häuser) und 1777 (29 Häuser) über­mittelt. Dazu kommen noch mehrere Scheunen­brände.

 

   Nach dem letzten größeren Schadensfeuer von 1777 wurde auf dem "Hegelsberg" eine Ziegelei eingerichtet und von der Stadt ver­pach­tet. Die in mühseliger Handarbeit hergestellten Ziegel dien­ten dem Aufbau der Häuser und der Abschaffung der feuergefähr­lichen Strohdächer. Als die Ziegelei 1906 in den Besitz der Herren Albrecht, Brinkmann und Marquardt überging, wurde sie nach und nach bedeu­tend erweitert und zu einem Großbetrieb ausgebaut. 1934 produ­zierte man fast 4 Millionen Ziegel. Nach 1990 war die Ziegelei aber nicht mehr wettbewerbsfähig und wurde stillgelegt.


   Nicht immer verlief das Leben in unserer Kleinstadt friedfertig und harmonisch. Ab 1836 regierte in Neukalen der Bürgermeister Görbitz mit unge­kannter Strenge. Für geringe Vergehen sprach er als Stadtrichter hohe Strafen aus, um damit die Stadtschulden zu verrin­gern. Das führte schließlich dazu, daß ihn aufgebrachte Ein­wohner am 20.6.1845 hinter seinem Schreibtisch hervorzerrten und auf einer Schubkarre aus der Stadt fuhren. An der Schlakendorfer Scheide warfen beherzte Männer den verhaßten Bürgermeister mit Schwung in das Dorngestrüpp. Das hatte ernsthafte Folgen. Die Schuldigen wurden zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Die Neukalener hatten die bürgerliche Revolution von 1848 schon drei Jahre zu früh begonnen und waren kläglich gescheitert. Einen Vor­teil hatten sie letzten Endes aber doch davon. Görbitz gab seinen Posten als Bür­germeister alsbald genervt auf. Von 1847 bis 1893 hatte Neukalen dann einen Bürgermeister, der das Städtchen aus seiner länd­lich abgeschiedenen Lage herausbrachte. Bürgermeister Ludwig Mau setzte sich auf dem Landtag sehr für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt ein. An Stelle der mangelhaften, staubigen Landwege legte man feste Steinstraßen nach Malchin (1852), Dar­gun (1866) und Gnoien (1884 - 1886) an. Neukalen erhielt durch den Bau des Peene­­kanals und des Hafens eine bedeu­tende Was­serverbindung nach Demmin und Malchin. Ab Mitte des 19. Jahrh. wurde die Stadt durch den Neu­bau von Wohnhäusern an der Straße nach Malchin, Schlaken­dorf und Dargun im Norden und Süden er­weitert. Es ent­standen ein neues Schulgebäude (1862), ein Kran­ken­haus (1888), zwei Molkereien (1898 und 1905), ein Postgebäude (1893), eine Klein­kinderschule (1901), die Gas­anstalt (1905) und mehrere Klein­be­triebe. Am 8.8.1875 erfolgte die Gründung der Freiwilligen Feuer­wehr. Das Spritzenhaus stammt aus dem Jahre 1878. Die lang­ersehn­te Eisenbahnstrecke Malchin - Neukalen - Dar­gun wurde 1907 unter großem Jubel er­öffnete. Leider erfolgte mit der letzten Zugfahrt am 1.6.1996 ihre Stillegung. Ab 1991 ist die gesamte Innenstadt nach historischem Vorbild zur Freude der Einwohner und Besucher umfangreich saniert worden. Seit der Bauabnahme am 5.5.1993 präsentiert sich auch der "Ratmannsteich" wieder mit sauberem Wasser und einer schönen Umgebung. Der anliegende kleine Park lädt zur Erholung ein. Der Neukalener Hafen mit Verbindung bis zur Ostsee ist heute ein beliebter Anlegeplatz für Freizeitkapitäne. Er wurde nach großzügiger Umgestaltung am 4.9.1993 mit einem großen Hafenfest neu eingeweiht.


   Viele Vereine, deren Gründung zum Teil auf alte Traditionen zurückgeht, bereichern heute das gesellschaftliche Leben. Gemein­sam mit der Stadtverwaltung bemühen sie sich, den Aufenthalt für Ein­wohner und Gäste in Neukalen interessant und angenehm zu gestalten. So wird seit 1958 in Neukalen der Karneval ganz groß gefeiert. Daß die drei tollen Tage mit Eröffnung auf dem Marktplatz, dem bunten Festumzug, Tanzveranstaltungen, Spaß und Vergnügen erle­bens­wert sind, hat sich schon weit herumgesprochen. Frau Wally Otto führte den NCC (Neukalener Carnevalsclub) von 1958 bis 1973. Seitdem leitet Herr Albert Tonhäuser den Club erfolgreich weiter. Eine alte Tradition lebt in der Schützenzunft fort. Das genaue Gründungsdatum dieser Vereinigung ist nicht überliefert. Wie aus einer alten Schrift hervorgeht, hat sie aber schon 1514 existiert. Kriegszeiten, Brände und andere schwie­rige Epochen haben ihr Bestehen unterbrechen, aber nie ganz gefährden können. Es haben sich immer wieder Einwohner gefun­den, die die alte Tradition fortsetzten. So ist die Schützenzunft auch am 8. September 1992 wieder nach den Privilegien der Urkunde vom 26. Mai 1689 des Herzogs Gustaff Adolph neu gegründet worden. Die "Schützenzunft Neukalen von 1689" richtet jährlich das beliebte Schützenfest im "Gartsbruch" aus.

 

Daten aus der Geschichte Neukalens Teil 1 von 1174 - 1595  

 

Daten aus der Geschichte Neukalens Teil 2 1601 - 1796 

 

Daten aus der Geschichte Neukalens Teil 3 1782 - 1871 

 

Daten aus der Geschichte Neukalens Teil 4 1874 - 1929  

 

Daten aus der Geschichte Neukalens Teil 5 1930 - 2008