Siebenmal Ackerbürger Heinrich Sonntag
Wolfgang Schimmel
Ein Ackerbürger in Neukalen war in früheren Zeiten nicht irgendein Einwohner wie andere, er war etwas Besonderes – zumindestens empfand er es so. In der Rangfolge wußte er sich nach den Personen mit öffentlichen Ämtern gut einzuordnen und fühlte sich über die nebenbei etwas Landwirtschaft betreibenden Handwerker erhaben, schon gar nicht zu sprechen von den Knechten, Mägden und Landarbeitern. Ein erfolgreicher Ackerbürger genoß sein Ansehen in der Stadt. Er war im Bürgerausschuß tätig und selbstverständlich in der Schützenzunft dabei. Mit würdevoller Pflichterfüllung sorgte er sich um das Vieh im Stall und die Arbeiten auf den Feldern. Es war ein arbeitsreiches Leben.
Der Ackerbürger Heinrich Sonntag war aber noch stolz auf eine außergewöhnliche Familientradition: In seinem Haus, Rektorstraße 6, soll es in erblicher Reihenfolge siebenmal einen Ackerbürger mit dem Namen Heinrich Sonntag gegeben haben. Leider hatte seine Frau Auguste ihm nur Töchter geboren, und nun war das Ende erreicht. So jedenfalls berichtete es mir Herr Herbert Köller aus Neustrelitz, Sohn von Marie Köller, geb. Sonntag. Strenge Sitten herrschten bei seinem Großvater, Ackerbürger Heinrich Sonntag. Zum Essen durften in der „guten Stube“ nur Auguste und Heinrich Sonntag mit ihren leiblichen Kindern an den Tisch. Schwiegersöhne und Enkelkinder mußten mit den Knechten und Mägden am Küchentisch essen. Gegenüber dem Hausherrn gab es keine Widerrede.
Die sieben Ackerbürger Heinrich Sonntag lassen sich aber nicht sicher nachweisen. Hier eine rückläufige Auflistung der Vorfahren, die alle im Haus Rektorstraße 6 wohnten:
7. Ackerbürger Heinrich Ernst Johann Sonntag (geb. 28.6.1859, gest. 4.5.1946); Bürgerrepräsentant, Mitglied im Felddepartement, ab 1885 in der Schützenzunft; Ehefrau: Auguste Caroline Johanna Sonntag, geb. Krüger (geb. 23.2.1863, gest. 4.12.1945); Tochter: Marie Sonntag (geb. 11.10.1890, gest. 10.11.1953), verheiratet mit Herbert Köller.
6. Ackerbürger Heinrich Georg Theodor Sonntag (geb. 17.11.1825, gest. 1.10.1904): Mitglied im Felddepartement, Leutnant der Schützenzunft 1. Abt. ab 1868 bis 1899; Ehefrau: Friederike Catharine Heinrika Sonntag, geb. Seemann (geb. 12.9.1834, gest. 27.1.1898). Er ließ 1895 das Haus Nr. 259 (heute Rektorstraße 6) neu erbauen und verkaufte es an seinen Sohn.
5. Ackerbürger Adolph Heinrich Wilhelm Sonntag (geb. 9.11.1792, gest. 23.6.1872); 1813 war er Unteroffizier der 9. Rotte im Landsturm, Viertelsmann, Mitglied im Weidedepartement; 1. Ehefrau: Eva Dorothea Sonntag, geb. Ulrich (geb. 18.4.1797, gest. 5.11.1819), 2. Ehefrau: Wilhelmina Friederica Sonntag, geb. Spenker (gest. 9.8.1876).
4. Ackerbürger Joachim Heinrich Christian Sonntag (geb. um 1760, gest. 25.2.1815), Ausschußbürger; Ehefrau: Catharina Maria Schefoth.
3. Ackerbürger Heinrich Sonntag (geb. um 1730, gest. 27.4.1788).
2. Hinrich Sonntag; ab 2.3.1722 Bürger in Neukalen; er starb zwischen 1754 und 1760.
1. Heinrich Sonntag ?
Bemerkenswert ist, daß die Heinrich Sonntags sich fest mit ihrer Heimatstadt Neukalen verbunden fühlten. Als Bauernsöhne mußten sie schon sehr früh im Stall und auf dem Feld mitarbeiten. Eine Wanderschaft wie bei den Handwerksburschen kam für sie nicht in Frage. Manch einer kam sein ganzes Leben lang nicht aus Neukalen heraus, die Nachbarstädte Malchin oder Teterow waren schon eine andere Welt. Und so verwundert es auch nicht, daß sie sich - soweit ersichtlich - Neukalener Mädchen zur Frau nahmen.
Heute ist Mario Heinzel Eigentümer des Hauses Rektorstraße 6. Nur das große Einfahrtstor erinnert noch an die vergangene Zeit der Ackerbürgerfamilie Sonntag.

Auguste und Heinrich Sonntag,
in der Mitte: Enkeltochter Marie, 1921.



