"Zur gemütlichen Ecke"
Diese Gaststätte im Haus Straße des Friedens 2 wurde früher im Volksmund auch „Mausidiele“ genannt. Hier wohnte einstmals der Ratmann Hinrich Schlotmann, welcher am 9.3.1691 Bürger in Neukalen wurde; danach sein Sohn, Bäckeraltermann Hinrich Christoffer Schlotmann. Wahrscheinlich hatten sie hier als Bäcker auch schon einen kleinen Ausschank - belegt ist das aber nicht. Auf jeden Fall betrieb aber der Brauer Andreas Schmidt in diesem Haus ab etwa 1773 eine Herberge mit Ausschank, bis er am 27.9.1788 starb. Seine Witwe Ilsabe heiratete den Gastwirt Jacob Bentz, der die Herberge weiter betrieb. Als sie geschieden wurden, verließ Jacob Bentz Neukalen.
Jochim Anders arbeitete ab etwa 1803 in dem Haus als Bäckergeselle, Gastwirt, Herbergier und Brauer. Er heiratete Dorothea Schmidt, die Tochter von Andreas Schmidt. Ihr ältester Sohn, Christian Anders, übernahm etwa ab 1848 die Bäckerei und Herberge. Sein Sohn, Wilhelm Anders, führte die Familientradition ab 1877 fort. Auch er war viele Jahre Mitglied im Bürgerausschuß und setzte sich für die Belange der Stadt ein. Die Gastwirtschaft wurde zum Lokal des Kriegervereins.
Seine Witwe verkaufte 1904 das Haus an Ernst Wiechert, der sich als Conditor speziell mit der Herstellung von Kuchen und Torten beschäftigte, die seine Frau Elise neben Süßwaren, Kaffee und Eis im kleinen Geschäft verkaufte. Das „Café Wiechert“, mit hübschen Petroleumlampen ausgestattet, erfreute sich großer Beliebtheit bei den Damen. In Erinnerung blieb: Wenn der Kuchen 3 bis 4 Tage alt war, wurde er billig für 10 Pfennig verkauft, zur Freude der Kinder. Ernst Wiechert war ab 4.7.1904 Mitglied der Schützenzunft und 1924 auch Schützenkönig.
Am 30.4.1953 wurde die Gaststätte von der HO (Handelsorganisation in der DDR) übernommen und an den Sohn Herbert Wiechert verpachtet. Die Bäckerei wurde geschlossen. Seine Schwester, Hildegard Wiechert führte das kleine Süßwarengeschäft noch einige Jahre weiter.
Die HO-Gaststätte leitete vom 24.2.1969 bis Juli 1990 Erika Schwarz. Sie hieß ab dieser Zeit „Uns lütt Eck“.
Am 3.10.1990 übernahm Helga Morgenstern das Café.
Rüdiger Erbuth kaufte 2009 das Gebäude und eröffnete den Bier – Kneipenbetrieb am 4.2.2009 unter dem Namen „Zur gemütlichen Ecke“.
Einige Jahre später begann er mit einer gründlichen Sanierung des Gebäudes, so daß es heute ein seinem Alter entsprechendes Aussehen im Fachwerkstil aufweisen kann. Nach Abschluß dieser Renovierung wurde die Gaststätte „Zur gemütlichen Ecke“ am 15.1.2015 wieder neu eröffnet.



