Mühlenstandort 4

 

   Die Einführung der Gewerbefreiheit hatte zur Folge, daß 1874/75 eine weitere Windmühle auf dem südlichen Teil des Mühlenberges von dem Müllermeister Friedrich Hahn errichtet wurde. Friedrich Hahn war vorher als Geselle beim Müller Helms tätig und hatte in Neukalen eine geborene Kähler geheiratet.

   Im „Öffentlichen Anzeiger für die Ämter Dargun, Gnoien, Neukalen“ Nr. 39 vom 15.5.1875 findet sich folgende Anzeige:

   „Ein tüchtiger Windmüllergeselle findet dauernde Beschäftigung.

   F. Hahn, in Neukalen.“

 

   Der Müllermeister Friedrich Hahn 36), der 1874/75 auf dem südlichen Teil des Mühlenberges eine Windmühle errichtet hatte, starb 1905 und sein Sohn Otto Hahn 37) übernahm die Mühle. Während des 1. Weltkrieges soll er in unerlaubter Weise mit Grütze gehandelt haben, worauf seine Mühle bis 1918 geschlossen wurde.

 

   36) Friedrich Martin Joachim Johann Hahn, geb. 3.12.1843 in Ruest bei Goldberg, gest. 15.9.1905 in Neukalen.

   37) Otto Friedrich Christian Hahn, geb. 17.6.1877 in Neukalen, gest. 4.6.1942 in Neukalen.

 

   Etwa um 1923 verpachtete Otto Hahn die Mühle an den Müller Frederich. Ein gutes Einvernehmen bestand zwischen den beiden aber nicht. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen, weil Frederich in manchen Dingen sehr nachlässig war. So vergaß er oftmals das Abschmieren. Am 10.9.1924 kam es durch das Heißlaufen der Räder zu einem Brand, der die Mühle vollkommen in Schutt und Asche legte. Müllermeister Otto Hahn stand gerade in der Malchinerstraße, als er die hellauflodernde Flammenfackel seiner Mühle erblickte. Sonderlich weh tat ihm dieser Anblick wohl nicht, im Gegenteil; er lachte: „Endlich brennt´s! De ganzen Kahlschen Möhlen sind keinen Strieckholt wiert!“

   In der Zeitung war zu lesen:

   „Neukalen, 11. September. Feuer. Gestern nachmittag gegen halb fünf Uhr ertönte plötzlich Feuerlärm durch unsern Ort. Am Südausgange der Stadt konnte man gewaltige Rauchwolken erblicken, die ein starker Weststurm dem Kummerower See zutrieb. Es brannte eine der drei, ein Wahrzeichen unserer Stadt bildenden Holländermühlen. Das Feuer fand an dem vielen Holz der Mühle eine gute Nahrung, zumal der Sturm die Flammen immer von neuem peitschte. In ganz kurzer Zeit war die Mühle von der Bildfläche verschwunden, und nur ein dunkler Fleck, auf dem einige wenige Steine standen, und von dem aus noch einige Zeit dünner Rauch aufstieg, zeigten noch die Stelle, wo bis vor Stunden eine Mühle gestanden hatte. Die Feuerwehr vermochte nichts zu retten. Ueber die Ursache des Brandes ist bisher nichts bekannt. Die Mühle ist nur mit halbem Wert versichert, außerdem sind 200 Zentner Getreide mitverbrannt.“

   Pächter Frederich erhielt eine halbjährige Gefängnisstrafe und mußte einen Teil des Schadens bezahlen. Die Mühle wurde nicht wieder aufgebaut. Bis in die 1980er Jahre war ihr früherer Standort als runde Grube mit Schuttresten zu sehen; dann wurde alles eingeebnet. 

   Etwa ab 1917 betrieb der Müller Otto Hahn in der Amtstraße eine Schrotmühle. Im Februar 1930 verpachtete er dieses an den Schmied Paul Küter, welcher an Stelle des früheren Gasmotors einen Elektromotor aufstellte.

Dieses Foto aus dem Jahre 1924 zeigt uns aus östlicher Richtung im Hintergrund die Hahn´sche Mühle (links)

Dieses Foto aus dem Jahre 1924

zeigt uns aus östlicher Richtung

im Hintergrund die Hahn´sche Mühle (links).