Mühlenstandort 3

 

   Der Bäcker Carl Schröder reichte am 19.12.1882 beim Magistrat eine Zeichnung zwecks Erbauung einer Windmühle unweit des „Galgenberges“ ein und bat um Genehmigung. 

   Der Magistrat hatte nichts dagegen:

 

   „Die Entfernung vom Salemer Wege beträgt 100 m von den benachbarten Grundstücken feldwärts 25 m, stadtwärts 30 m.

Dieser Mühlenplatz liegt in den Ackerstücken No 504 Rentier Wolf, 505 Witwe Ahrens, 506 Ackersmann Joh. Ladendorf, 507 Bäcker Schröder und 508 a Schlachter Gaedcke, welche nach Angabe des Bäckers Schröder, er durch Tausch erworben habe, so daß gegen die Erbauung einer Mühle auf der bezeichneten Stelle nichts vorliegt.“

 

   Im August 1883 war die Windmühle fertiggestellt. Nach der Farbe ihrer Dachbedeckung nannte man sie im Volksmund die „schwarze Mühle“. Müller Schröder verkaufte die Mühle für 13 800 Mark an seinen Sohn Ernst Schröder. Dieser erbaute etwa 1892 das Wohnhaus mit Stallungen am Salemer Weg (links vom Aufgang zur „schwarzen Mühle“, heute „Salemer Weg 10). Er machte einige Jahre später Konkurs, und die Mühle sowie das Wohngrundstück wurden zwangsversteigert. Im „Neukalener Wochenblatt“ vom 8.2.1895 war zu lesen:

 

   „Nach heute erlassenem, seinem ganzen Inhalte nach durch Anschlag an die Gerichtstafel bekanntgemachtem Proclam finden zur Zwangsversteigerung der zur Concursmasse des Müllermeisters Ernst Schroeder zu Neukalen gehörigen Grundstücke:

1) des Mühlengrundstücks c. p. Nr. 2 zu Neukalen,

2) des Wohngrundstücks c. p. Nr. 400 daselbst,

Termine

1) zum Verkaufe nach zuvoriger endlicher Regulirung der Verkaufs - Bedingungen am

Sonnabend, den 9. März 1895, Vormittags 10 Uhr,

2) zum Ueberbot am

Sonnabend, den 30. März 1895, Vormittags 10 Uhr,

3) zur Anmeldung dringlicher Rechte an die Grundstücke und an die zur Immobiliarmasse derselben gehörenden Gegenstände am

Sonnabend, den 9. März 1895, Vormittags 10 Uhr, 

im hiesigen Amtsgerichtsgebäude statt.

Auslage der Verkaufsbedingungen vom 23. Februar 1895 an auf der Gerichtsschreiberei.

Der Concursverwalter, Rechtsanwalt Bürgermeister Dr. Stegemann in Neukalen, wird Kaufliebhabern nach vorgängiger Anmeldung die Besichtigung der Grundstücke mit Zubehör gestatten.

Neukalen, den 25. Januar 1895.

Großh. Mecklenburg - Schwerinsches Amtsgericht.

 

   Beschreibung der Grundstücke.

   Die mit den Ackerstücken Nr. 505 A, 506 A, 507 A, 508 A im Salemer Schlage zu einem Complex (Gesammtgröße 408 Quadratruten) vereinigte sogenannte holländische Windmühle Nr. 2 hat 2 französische Gänge, einen deutschen und einen Graupengang, sowie eine Kornwalze. Die noch neue Mühle befindet sich in vorzüglichem baulichen Zustande.

   Das Wohngrundstück ist mit massivem Wohnhaus, desgleichen Stall und Scheune bebaut. Alle Gebäude sind neu, haben feste Bedachung und befinden sich in vorzüglichem baulichen Zustande. Das Wohnhaus enthält 6 heizbare Stuben, 2 Kammern, Küche, Speisekammer, Keller, Räucherkammer und Kornboden, der Stall einen geräumigen Schweinestall, große Waschküche und eine Kammer, die Scheune, einen Pferdestall, einen Kuhstall und eine Häckselkammer.“

 

   Das Neukalener Wochenblatt Nr. 41 vom 5.4.1895 enthält dazu folgenden Artikel:

   „Im Zwangsversteigerungsverfahren wurden am Sonnabend voriger Woche (30.3.1895) vor hiesigem Amtsgerichte die Mühle und das Wohnhaus des Müllermeisters Schröder, erstere für 10 000 Mk., dem Schuhmacher E. Krüger, letzteres für 9 000 Mk. dem Erbpächter Kubbernuß in Küsserow der Zuschlag ertheilt und ist die Mühle sofort weiter durch Kauf in die Hände des Gastwirths Seemann übergegangen.“

 

   Im August 1895 wurde das Mühlengrundstück Nr. II an den Müllermeister August Klingenberg verkauft. Dieser erbaute das Wohnhaus am Salemer Weg rechts vom Aufgang zur „schwarzen Mühle“. 1896 brannte die Mühle ab. Als sie in hellen Flammen stand und nichts mehr zu retten war, kam August Klingenberg gerade die Straße aus dem Wald herunter: „Endlich brennt sei!“ Er war wohl nicht besonders unglücklich über den Brand. Die Versicherung bezahlte gut, und er konnte eine neue Mühle nach seinen Vorstellungen bauen lassen.

 

   Die Mühle wechselte dann mehrmals ihren Besitzer:

 

   1899 übernahm sie Paul Westphal, ab 1900 Albert Ohlerich und ab 1902 Karl Borgwardt. Dieser verkaufte sie dann 1904 an Julius Grambow, allerdings ohne das dazu belegene Wohngrundstück. Etwa 1906 erhielt die Grambow´sche Mühle eine von der Sägerei Käding gebraucht gekaufte Dampflokomobile. Zu dieser Zeit wurden im Jahr vermahlen: 6 600 Zentner Futterschrot,  200 Zentner Roggen und Weizen zu Mehl. Die Dampflokomobile bedeutete bei Windstille eine große Hilfe für den Mühlenbetrieb.

 

   Bis 1913/14 besaß die Mühle vier Ruten, dann nur noch zwei. 1928 erfolgte die Umstellung auf Verbrennungsmotor.

 

   Als der Müllermeister Grambow am 4.11.1943 starb, erbte sein Sohn Julius Grambow die Mühle. Doch dieser konnte sein Erbe nicht gleich antreten, da er noch im Kriege war. 1945/46 war die Mühle an August Gohsebeck verpachtet. Am 1.8.1946 übernahm Julius Grambow junior seine Mühle, die bis 1952/53 teilweise noch mit Windkraft angetrieben wurde. Dann erfolgte ein Umbau auf Elektroantrieb und eine entsprechende maschinenmäßige Umstellung. Es waren zwei Walzenstühle 500/300 sowie ein Schrotgang von 1,4 m Durchmesser vorhanden.

 

   1972 stellte Müllermeister Grambow den Betrieb ein. Für die Maschinen und das Gebäude gab es keine Käufer. So stand die Mühle mehrere Jahre als stummes Denkmal vergangener Windmühlenzeiten da und verfiel allmählich.

 

   1976 schien es, als wenn es doch noch eine Verwendungsmöglichkeit geben würde. Veronika und Manfred Ninnemann, ein junges Ehepaar aus Neukalen, kauften für 1 000 Mark das Mühlengebäude, um es zu einem ständigen Wohnsitz auszubauen. Dieses Vorhaben scheiterte aber, und so wurde die Mühle bald darauf abgerissen. Die letzten Reste räumte man im Sommer 1980 weg. Damit verschwand die „schwarze Mühle“ endgültig aus dem Stadtbild Neukalens, welches sie fast 100 Jahre mitbestimmt hatte.

Mühlen 042 Die 1883 erbaute Windmühle des Bäckers Carl Schröder mit Blick auf Neukalen, aus Kunst- und Geschichtsdenkmäler Mecklenburg Schwerin, Band I 1898

Die 1883 erbaute Windmühle des Bäckers Carl Schröder mit Blick auf Neukalen,

aus Kunst- und Geschichtsdenkmäler Mecklenburg Schwerin, Band I 1898.

 

 

Zeichnung des Maurermeisters W. Harm 1899, Lageplan Mühlengrundstück

Zeichnung des Maurermeisters W. Harm 1899,

Lageplan Mühlengrundstück.

 

 

Ölgemälde der "schwarzen Mühle", etwa 1906, von K. Schwarz

Ölgemälde der "schwarzen Mühle", etwa 1906, von K. Schwarz.

 

 

Zeichnung der "schwarzen Mühle" um 1910

Zeichnung der "schwarzen Mühle" um 1910.

 

 

Das 1892 vom Müller Ernst Schröder am Salemer Weg erbaute Wohnhaus (Foto von 1981)

Das 1892 vom Müller Ernst Schröder am Salemer Weg erbaute Wohnhaus (Foto von 1981).

 

 

Zeichnung der "schwarzen Mühle" (1883 - 1896), Zeichnung vom Müllermeister Julius Grambow

Zeichnung der "schwarzen Mühle" (1883 - 1896), Zeichnung vom Müllermeister Julius Grambow.

 

 

Zeichnung der "schwarzen Mühle" (1896 - 1972), Zeichnung vom Müllermeister Julius Grambow

Zeichnung der "schwarzen Mühle" (1896 - 1972), Zeichnung vom Müllermeister Julius Grambow.

 

 

Die "schwarze Mühle" um 1930

Die "schwarze Mühle" um 1930.

 

 

Julius Grambow junior und senior (1935)

Julius Grambow junior und senior (1935).

 

 

Briefkopf Julius Grambow

Briefkopf Julius Grambow.

 

 

Müllermeister Julius Grambow um 1955 (1)
Briefkopf Julius Grambow (2)

Müllermeister Julius Grambow um 1955.

 

 

Auffahrt zur "schwarzen Mühle" (1976)

Auffahrt zur "schwarzen Mühle" (1976).

 

 

Abriß der "schwarzen Mühle" (Juni 1979)

Abriß der "schwarzen Mühle" (Juni 1979).

 

 

Müllermeister Julius Grambow

Müllermeister Julius Grambow.