Die Dorfkirche Schorrentin befindet sich auf einem Hügel in der Ortsmitte von Schorrentin. Das Gebäude ist ein rechtwinkliger frühgotischer Backsteinbau auf einem Feldsteinsockel mit eingezogenem, nach Osten ausgerichtetem Chorraum. Als Gründer der Kirche, die bei Gelegenheit der Errichtung der Filiale Schlakendorf im Jahre 1305 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird und deren damaliger Pleban Bordekinus bis zu seinem Tode das Kirchherrnrecht auch über Schlakendorf behielt, nennt der Notar D. Clandrian nach einem bei der Kirchenvisitation 1585 „in der gadeslude Kiste“ gefundenen und von ihm abgeschriebenen Pergament, die Ritter Peter und Ruchill. In diesem Pergament steht auch geschrieben, daß die Kirche in Schorrentin den beiden heiligen Märtyrern Mauritius und Dionysius samt ihren Genossen geweiht worden sei.
Die Kirche besteht aus drei Teilen verschiedener Bauperioden:
1. Der frühgotische Chor (Altarraum) ist vermutlich zwischen 1230 und 1260 erbaut worden. Ursprünglich befanden sich in der geraden Altarwand drei von Wulsten eingefaßte Fenster und an den Seitenwänden jeweils zwei Fenster. In dem Giebel über der Altarwand stehen alle Steine im Zickzack, wie es öfter in Kirchengiebeln aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts vorkommt. In der Spitze des Ostgiebels befindet sich eine große, flache Rosette in einem äußeren Kreise, welcher aus der schmalen Seite der Mauersteine gebildet ist. Die Rosette hat in der Mitte einen Knopf, welcher aus vier Dreiviertelkreisen besteht, um welchen auf einem Kreise acht nach innen geöffnete Dreiviertelkreise angeordnet sind. Der Giebel wird gerahmt von steigendem Treppenfries. Treppenfries und Deutsches Band setzen sich am Chor und am Langhaus fort. Ein 1791 erbauter Außenaufgang am Ostgiebel führte zu der 1735 eingerichteten herrschaftlichen Empore im Chorraum auf der nördlichen Seite neben dem Altar.
Immer wieder zeigten sich Risse im Gemäuder der Kirche, und Kalk fiel von den Wänden. Wahrscheinlich entstanden diese Schäden durch die Senkung der früheren Begräbnisstätten unter dem Fußboden. 1878 wurde deshalb eine Verstärkung der Außenmauern mit Pfeilern erwogen. Die notwendigen Arbeiten erfolgten 1879 durch den Maurermeister Zastrow aus Neukalen.
Der vorher etwas weiter seitlich eingerichtete Außenaufgang wurde in der Mitte der Stützpfeiler aus Mauersteinen neu aufgeführt. Dieser verunstaltende Aufgang wurde noch bis 1945 genutzt. 1951 ersetzte man das Türloch durch ein bleiverglastes Fenster. In den 1960er Jahren wurde auch der äußere Treppenaufgang entfernt.
1881 mußte das Bienenkorbgewölbe über dem Altarhaus herabgenommen und durch eine flache Holzdecke ersetzt werden, „weil die schlecht fundamentierten Wände bei sehr nassem Wetter auswichen“.
2. Ursprünglich war wohl am Altarraum ein einfaches geklehmtes Langhaus für die Gemeinde angebaut, welches dann 1390 durch einen massiven Neubau ersetzt wurde, wie eine Inschrift an der Südseite aussagt. Die Ansätze von Strebepfeilern lassen darauf schließen, daß zwei Gewölbe vorgesehen oder sogar vorhanden gewesen sind. Um 1857 wurde die Decke im Kirchenschiff, die davor auf hohen Ständern ruhte, erneuert und auf die Wände gelegt. 1900 mußte der Dachstuhl der Kirche, der sich in bedenklicher Weise nach Osten neigte, zurückgeholt und verstärkt werden.
3. Der auf quadratischem Grundriß errichtete Kirchturm stammt im unteren Teil aus der Zeit um 1400 und besaß bis 1760 einen hölzernen, mit Holzschindeln bedeckten Glockenturm. Am 21.11.1760 wurde der obere hölzerne Teil des Kirchturms von einem starken Sturm umgeweht. Auf Grund des siebenjährigen Krieges konnte man erst 1767 mit dem neuen Aufbau eines massiven Kirchturms beginnen. Anfangs war geplant, die Glocken herunterzunehmen und in einen Glockenstuhl auf dem Kirchhof zu hängen. Das fand aber keinen Zuspruch. Nach ausgiebiger Beratung einigte man sich, und der Zimmermeister Johann Wilhelm Aeder aus Sülz begann mit den Bauarbeiten. 1769 war der Turm fertig.
1811 war der Kirchturm beschädigt. Pastor Böhmer sprach sich dafür aus, den Turm ganz abzutragen oder die Turmspitze in "abge-stumpfter" Form neu aufzubauen. Er befürchtete, wie in den letzten Jahren mehrmals geschehen, daß der städtisch wirkende Turm immer wieder fremde Heerscharen zum Unglück der armen Dorfbewohner anlocken würde. Nach einer Stellungnahme des Landbaumeisters Brandt vom 20.2.1812 war aber eine Reparatur vollkommen ausreichend: "Der Thurm zu Schorrentin ist erst im Jahre 1769 und zwar sehr solide erbauet. Der innere Verband, welcher größtentheils aus starkem eichenen Holze besteht, ist noch von sehr guter Beschaffenheit, und die wenigen Beschädigungen an demselben, die durch Vernachläßigung des Spohndaches verursacht sind, findet man nur in den Steifbalken und Sparren des äußern Dachwerks. Dieser Verband ist sehr leicht vollkommen wieder herzustellen..." Landbaumeister Brandt unterbreitete mehrere Vorschläge zur Gestaltung des Kirchturmes. 1813 erfolgte dann nach Beratungen eine geringfügige Verkürzung des Turmes. Das alte Spohndach wurde abgenommen und ein Steindach aufgelegt.
Das Gemäuer des Turmes erhebt sich in ziemlicher Höhe über das Dach der Kirche, endigt glatt, d. h. ohne Giebel, und trägt einen Helm, dessen unterer Teil eine abgestumpfte vierseitige Pyramide darstellt und dessen oberer Teil eine aus Eichenholz konstruierte achtseitige sogenannte Laterne mit aufgesetzter achtseitiger Spitze ist. Die Spitze ist mit Knopf und Hahn verziert. Im Turm war seit 1813 auch eine Uhr vorhanden, die ein Geschenk von Kaufmann Doll in Stralsund, einem Schorrentiner Bauernsohn, war.
Am 2.7.1884 traf ein Blitzschlag den Turm, und es mußte eine Reparatur erfolgen.
1904 schrieb Pastor Brasch: “In diesem Jahre ist die Turmhalle (Eingang in die Kirche durch den Turm), die bisher ohne Licht, ohne Wandbekleidung und Fußboden als Rumpelkammer diente, in würdigen Zustand versetzt worden; nach Süden ist ein Fenster durch die Felsenmauer gebrochen, die Wände und die Treppe sind bekleidet und ausgemalt, eine neue Balkendecke hergestellt und gestrichen, der Fußboden mit Steinen ausgelegt und die Turmtür erneuert. Der Bau hat gegen 1600 M gekostet. Ebenso ist der äußere Aufgang zum Orgelchor an der Nordseite der Kirche beseitigt und anstelle der Tür ein Fenster eingerichtet worden.“
Zeichnungen zum Umbau der Turmhalle 1904.
1913 schrieb Pastor Brasch: „Im letzten Winter wurde der Hahn auf dem Schorrentiner Kirchturm mit der Turmspitze durch einen heftigen Sturm krumm gebogen. Bei der im Mai d. J. beschafften Reparatur mußte der Hahn heruntergenommen werden. Es zeigte sich, daß das Holz (der Kaiserstuhl), an welchem die Stange des Hahns befestigt war, durch den eindringenden Regen verfault und die Stange verrostet war. Der Hahn, eine gute Kupferschmiedearbeit, trägt die Jahreszahl 1769, stammt also aus der Zeit, da der Turm in seiner oberen Hälfte neugebaut wurde.
In der unter dem Hahn befindlichen, von mehreren Flintenkugeln durchlöcherten Kugel befanden sich wenige vom Regen verwaschene Papierfetzen, auf welcher Schriftzeichen leider nicht mehr zu erkennen waren; vielleicht sind dies die Reste eines Schriftstücks, welches bei einer im Jahre 1839 vorgenommenen Turmspitzenreparatur in die Kugel hineingetan worden. Die genannte Jahreszahl befand sich nämlich auf dem bisherigen (jetzt erneuerten) die Turmspitze umgebenden Bleimantel eingeschnitten; auch soll nach der Überlieferung der Hahn um diese Zeit auf den Küsterhof hinuntergefallen sein. Es wurde von mir, dem Pastor Brasch zu Schorrentin, in die Kugel eine Urkunde, in eine Blechhülse getan, hineingelegt.“
Weihnachten 1977 sauste die Turmspitze der Schorrentiner Kirche bei Winterstürmen vom Turmhelm. Die Verankerung der mehrere Zentner schweren Spitze hatte sich gelöst. Die Spitze war seit 1913 oben gewesen. Menschen kamen bei ihrem Absturz nicht zu Schaden. Aber ein großes Loch, ungefähr 150 cm x 150 cm wurde in das Turmdach gehauen.
Am 13. Mai 1978 schlugen gegen 8 Uhr zwei Blitzschläge in den Turm. Er brannte. Bis die Feuerwehr kam und löschte, dauerte es sehr lange. Leider war keine Feuerversicherung abgeschlossen worden.
Bis zur Kirchturminstandsetzung vergingen zehn Jahre. Zunächst mußten einige tausend Dachschindeln aus Levin abgeholt und auf das oberste Stockwerk des Turms gebracht werden. Eine kirchliche Handwerksbrigade nahm dann den durch Blitzschlag beschädigten Turm fast völlig ab und erneuerte ihn. Die alte Turmspitze war vor 1978 vom Turm gefallen. Der Hahn wurde neu geschmiedet durch Herrn Kuhlmann. Nach Instandsetzung des Balkenwerks wurde der Turm mit Schindeln neu eingedeckt. Leider wurde dann die unterhalb des Turmoberteils befindliche Plattform der Turmlaterne nicht wie versprochen sachgemäß abgedeckt. Das geschah erst im Juli 1995 bei der Sanierung des Kirchturms durch die Firma Bernd Kessler aus Malchin.
Sakristei
An der Nordseite der Kirche ist die Sakristei angebaut. Sie ist sicherlich zusammen mit dem Altargebäude errichtet worden und besaß früher ein Deckengewölbe. 1813 und 1888 stürzte das Dach ein und mußte jeweils neu errichtet werden. 2010 ist die Sakristei gründlich saniert worden.
Dorfansicht
(Foto aus den 1930er Jahren).
Die Anbauten an der Südseite
An der Südseite der Kirche befinden sich zwei Anbauten: die massiv gemauerte Grabkapelle der Familie von Levetzow und ein Fachwerkbau, der lange als Haupteingang genutzt wurde.
Die Grabkapelle der Familie von Levetzow wurde 1665 erbaut. Sie besaß ursprünglich einen Eingang vom Kirchenschiff aus, welchen aber Theodor Diedrich von Levetzow, Gutsbesitzer in Lelkendorf, zumauern ließ. 1922 stellte der von Levetzowsche Familienverband die Begräbniskapelle für die Einrichtung einer Kriegerehrung der Gefallenen des I. Weltkrieges zur Verfügung. Die Särge wurden auf dem alten Kirchhof südlich der Kirche beigesetzt. Der Entwurf der Kriegerehrung stammte von dem Architekten Lentrug - Nehls in Schwerin, das Gedenkfenster in Glasmalereiausführung von der Firma Fried. Müller in Quedlinburg. Die Kosten für die Kriegerehrung wurden von der Gemeinde aufgebracht. Am Totengedenktag 1922 weihte Pastor Brasch die Gedenkstätte ein. Rund 300 Menschen nahmen am Gottesdienst teil.
Kriegerehrung für die Gefallenen im I. Weltkrieg.
Glocken
Bis 1839 waren drei Glocken vorhanden:
1. Glocke: Unterer Durchmesser 1,5 m, Inschrift O rex gloriae p 1474
2. Glocke: Unterer Durchmesser 1 m, gegossen 1790 vom Rostocker Gießer J. V. Schulz, Inschrift Soli deo gloria
3. Glocke: Unterer Durchmesser 0,67 m, Inschrift Herr Nicolaus Schröder, Schleidan M. M. W. F. Anno 1612. Sacharias Rabandel. Jacob Samo. Martin Schröder. 1)
1) Von 1606 bis 1636 war Nicolaus Schleidan Pastor in Schorrentin.
Schon 1784 hatten die beiden größeren Glocken Risse bekommen und keinen guten Klang mehr. Es wurde nur noch mit der mittleren und der kleinen Glocke geläutet. Als der Besitzer des Gutes Schorrentin, Joachim Christian Krull, am 6.3.1824 verstarb und man zu seiner Beerdigung mit den beiden Glocken läutete, brach bei der mittleren Glocke die Krone oben rund herum ab; die Glocke stürzte auf den Kirchenboden und zersprang in mehrere Stücke. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden. Die drei alten Glocken wurden dann 1839 von dem Demminer Glockengießer Friedr. Schünemann umgegossen. Man war aber mit der Qualität der Arbeit nicht sonderlich zufrieden. Der Guß war nicht rein, und der Klöppel der kleinen Glocke schlug nicht an. Die neuen Glocken wurden zum Erntedankfest 1839 eingeweiht. Sie hatten folgende Daten:
1. Glocke: Unterer Durchmesser 1,2 m, Gewicht 1250 kg, Inschrift Selig sind die Todten, die in dem Herren sterben
2. Glocke: Unterer Durchmesser 1,0 m, Gewicht 900 kg
3. Glocke: Unterer Durchmesser 0,84 m, Gewicht 600 kg.
1882 erfolgte eine neue bessere Aufhängung und Befestigung der Glocken.
Als im I. Weltkrieg vielerorts Kirchenglocken für Kriegszwecke enteignet wurden, blieben die Schorrentiner auf Grund ihres harmonischen Geläutes erhalten. Im II. Weltkrieg dagegen mußten die beiden größeren Glocken im Januar 1942 abgeliefert werden. Nur die kleinere Bronzeglocke blieb erhalten.
Auf Beschluß des Kirchgemeinderates bestellte man im Juni 1955 bei der Glockengießerei Schilling + Lattermann in Apolda drei neue Glocken aus Eisen - Hartguß zum Preise von 8500 DM ab Werk. Die verbliebene kleine Bronzeglocke wurde verkauft. Die Aufschriften dieser drei Glocken lauten:
1. Große Glocke: GEDULDIG IN TRÜBSAL (vorn)
Gestiftet von der Kirchgemeinde Schorrentin (hinten)
2. Mittlere Glocke: HALTET AN AM GEBET (vorn)
Gestiftet von Kantor H. Peters, Landwirt F. Schwarz, und Lehrer F. Prestin zum
Gedächtnis seiner im Kriege gebliebenen Söhne (hinten)
3. Kleine Glocke: FRÖHLICH IN HOFFNUNG (vorn)
Gestiftet von den aus Bessarabien stammenden Gemeindegliedern (hinten).
Am 13.9.2023 wurden die drei Eisenhartguß - Glocken abgenommen und durch drei Bronzeglocken aus der aufgegebenen Kirche in Hamm (Nordrhein-Westfalen) ersetzt.
Die drei am 13. September 2023 vom Schorrentiner Kirchturm
abgenommenen alten Glocken.
Altar
Der Gutsbesitzer Joachim Christian Krull ließ 1792 an der Stelle des alten Altars nach seinem Vorschlag einen neuen Altar erbauen. 1865 stiftete der Staatsminister Theodor Diedrich von Levetzow das Gemälde “Christus am Ölberg” 2). Nach seinen Vorschlägen wurde der Altar dann vom Tischler Ahrendt und Maler Grewe aus Malchin sowie durch den Bildhauer Behr in Rostock neu gestaltet.
2) Das Gemälde stammt vom Maler Heinrich Pommerencke (geb. 21.6.1821 in Plate bei Schwerin, gest. 21.2.1873 in Schwerin).
Der Altar von 1865
mit dem Ölgemälde "Christus am Ölberg".
Gestühl und Emporen
1852 wurden die alten Gruften unter dem Kirchenschiff - bis auf eine - zugeschüttet. Die Kirche erhielt neue Fenster, ein neues Gestühl und einen neuverlegten Ziegelsteinfußboden. Für das Gestühl und die vorhandenen alten Emporen an den Seitenwänden wurde dann eine Sitzverteilung eingerichtet, die in ähnlicher Form 1893 immer noch galt (siehe Zeichnung).
Auf den Fotografien um 1900 kann man links die 1791 erbaute Empore der Schorrentiner und Schwarzenhofer Gutsherrschaft erkennen, rechts unten den alten Beichtstuhl, rechts oben den Kämmericher Herrenstuhl und ganz rechts die etwa von 1820 stammende Empore für den Pächter in Schönkamp.
Taufstein und Kanzel in der Kirche Schorrentin
(2004).
Taufstein
1861 wurde der Taufstein für die Taufschale von 1855 von der Cementstein - Fabrik von Alb. Jürss et Crotogino in Rostock gekauft.
Orgel
Laut Inventaraufnahme von 1811 gab es damals noch keine Orgel. 1859 bekam der Orgelbauer Winzer in Wismar den Auftrag, eine Orgel für die Schorrentiner Kirche anzufertigen. Am 30.6.1860 war sie fertiggestellt und wurde eingebaut. Als Propst Reuter 1945 aus Furcht vor der russischen Armee Schorrentin verließ, nutzten Einwohner des Dorfes dieses aus, um Pfarrhaus und Kirche gründlich auszuplündern und zu demolieren. Ein Teil der kirchlichen Gerätschaften, das Kirchenbuch und sämtliche Pfarrakten gingen verloren. Von der Orgel fehlten zahlreiche Pfeifen. 1952 konnte die Orgel wieder vervollständigt und umdisponiert werden. Die Firma Sauer aus Frankfurt übernahm die Arbeit. Mit einem Kostenaufwand von ca. 1800 DM gelang es, ein voll klingendes Orgelwerk herzustellen.
Orgel (2023).
1908 schrieb Pastor Brasch: „Von der Frau Irmgard von Levetzow, geb. ReichsGräfin Harrach, zu Lelkendorf ist der Kirche eine Heizung gestiftet. Die Kosten haben betragen 551 M 56 Pf. Am Sonntag Invocavit ist die Heizung zum ersten Mal in Gebrauch genommen; dieselbe bewährte sich gut. Die Kosten der Unterhaltung der Anlage sowie die Heizungskosten haben die eingepfarrten Gutsobrigkeiten und Gutspächter mit Ausnahme von Gr. und Kl. Markow zu übernehmen sich verpflichtet.“
Der Ofen in der Schorrentiner Kirche wurde noch bis ungefähr 1964 benutzt. Er qualmte aber immer fürchterlich, so daß nach seinem Anheizen erst gelüftet werden mußte.
Die Kirchenheizung von 1908 (Foto 1990).
Im Jahre 1951 wurde das Innere der Kirche völlig renoviert. Schon lange vorher waren im Kirchgemeinderat Stimmen laut geworden, daß die Kirche renoviert werden müsse. Durch die vielen herrschaftlichen Emporen und die Separateingänge für die "Herrschaften" war sie sehr verunstaltet. So war die erste Aufgabe, alle "Herrschaftsemporen" - deren gab es 4 in der Kirche - zu entfernen. Diese Emporen waren sehr häßlich und baufällig und verstellten den Altarraum. Bereits 1946 waren einige der störenden Emporen entfernt worden. Bei der großen Renovierung 1951 wurden die restlichen Emporen, bis auf die Orgelempore, beseitigt. Der "Einstieg" zum "Lelkendorfer Chor" wurde vermauert, die von außen heraufführende Treppe entfernt und das Türloch wieder durch ein bleiverglastes Fenster ersetzt. Auch der am Ostgiebel befindliche Einstieg zum "Schorrentiner Chor" wurde zugemauert. Dann wurde die Kirche mit elektrischer Beleuchtung versehen. Die Elektroarbeiten führte die Firma Hermann Mach - Dargun aus. Die Maurerarbeiten besorgte Firma B. Lange - Neukalen. Nun kam der Neuanstrich des Inneren der Kirche. Die Kirche hatte vorher keinen Anstrich, Wände und Decke waren weiß gekalkt. Im Laufe der Zeit war alles grau geworden, schmutzig und fleckig, besonders in der Ofenecke stark schwarz verräuchert. Das Innere bot wirklich einen trostlosen und unwürdigen Anblick. Den Entwurf zum Neuanstrich machte der Kirchenmaler Hans Hoffmann in Greifswald. Die Ausführung besorgte die Firma Kurt Albrecht - Neukalen. Seitenwände, Decke, Hohlkehle wurden in 3 Abstufungen derselben Farbe (graugelblicher Sandsteinton) gestrichen, Kanten und Bogenumrandungen in rot und grau abgesetzt, die Fensterbögen und -pfeiler mauersteinartig markiert, ebenso die Bogen der Priesterpforte. Die Gewölbeabsätze von dem ehemaligen Bienenkorbgewölbe im Altarraum wurden durch rote Linien hervorgehoben. An der Wand hinter dem Altar wurde die Inschrift angebracht: „Im Jahre des Herrn 1951 während der Amtszeit des Pastors Achim Peters ist das Innere dieser Kirche neu gestrichen nach Angaben des Kirchenmalers Hoffmann Greifswald ausgeführt durch Malermeister Kurt Albrecht - Neukalen und seine Gehilfen Max Streupke, Heinrich Russow, Werner Schmidt.“
Die Kosten für die Gesamtrenovierung, einschließlich Lichtanlage beliefen sich auf 2000,- DM. Die Gemeinde brachte aus Sammlungen und Spenden 1600,- DM auf; 400,- DM spendete der Herr Landesbischof D. Dr. Beste.
Am Sonntag, d. 21. Okt. hielt Landesbischof D. Dr. Beste die Predigt im Gottesdienst in der renovierten Kirche vor 200 Gemeindegliedern. Im Anschluß an den Gottesdienst hielt der Landesbischof noch einen Vortrag über kirchliche Fragen vor den Kirchenältesten und Helfern im Konfirmandensaal.
Die jüngsten Bauarbeiten an der Kirche in Schorrentin begannen im Jahre 1988 mit der Sanierung der Turmspitze. Außerdem wurde eine Blitzschutzanlage verlegt.
In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die Bauarbeiten an der Kirche fortgesetzt. Die Dächer wurden umgedeckt und der Innenraum ausgemalert.
Die Plattform der Turmaussicht wurde mit Kupferblech abgedichtet und das marode Geländer erneuert. Die Eckstiele der Laterne sind mit Schindeln versehen worden. Der Holzwurmbefall im Kircheninnenraum (u. a. Orgel und Gestühl) ist mittels Begasung bekämpft worden. Die Orgel erhielt ein Gebläse.
Bedingt durch den Rückgang der Kirchenmitglieder und den fehlenden Raum im verkauften Pfarrhaus richtete man 2009 in den südlichen Anbauten eine Winterkirche mit Kleinküche ein, die im Sommer als Übernachtungsmöglichkeit für kirchliche Gruppen, Radfahrer und Wanderer zur Verfügung steht. Das Projekt wurde durch Fördermittel aus dem LEADER-Programm finanziert. Die gesamte Bestuhlung mußte zunächst aus ihrer Verankerung gelöst und herausgeschafft werden. Mit der Installation der Strom-, Wasser und Entwässerungsleitungen innerhalb der Kirche wurde gleichzeitig der gesamte Ziegelfußboden wegen starker Unebenheiten aufgenommen. Dabei ist die in Vergessenheit geratene Begräbnisstelle der Familie Krull wiederentdeckt worden. Die Bauarbeiter stießen im Gang auf Mauersteine, die sie beseitigen wollten. Beim Gebrauch eines Boschhammers löste sich ein Stein im Deckengewölbe der Gruft, so daß eine etwa 9 x 30 cm große Öffnung entstand, durch die ein Sarg mit Aufschrift zu erkennen war. Die Arbeiten am Fußboden mußten deshalb aus denkmalpflegerischen Gründen ab 6.3.2009 bis zum 29.4.2009 eingestellt werden. Die Gruft wurde verschlossen, und die Versorgungsleitungen anderweitig verlegt. Nach der Verdichtung des Untergrundes erfolgte die originalgetreue Verlegung der Fußbodensteine. Die Firma Ottmar Schug aus Gnoien beendete diese Arbeiten am 11.5.2009.
Nach Säuberung des Kircheninneren wurde die von der Firma Berndt restaurierte Bestuhlung wieder aufgestellt, allerdings ohne feste Verankerung. Sie kann also bei Bedarf verschoben, hinausgetragen oder anders angeordnet werden.
Die Radwanderkirche Schorrentin wurde im Juni 2011 eingeweiht.
Im Oktober 2024 erhielt der untere ältere Teil des Kirchturms einen – leider gewöhnungsbedürftigen - weißen Anstrich.






















