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    "Vom Ich zum Wir", so lautete vor fünfzig Jahren die Parole der SED - Politik auf dem Lande. Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften sollten die Versorgung der Menschen und die Macht der Partei sichern. Über die Gründung der LPG "Roter Stern" vom Typ III in Neukalen berichtet Dieter Schmidt (Vorsitzender von 1976 bis 1984):

 

 

Die Gründung der LPG „Roter Stern“ in Neukalen 1955
und das schwierige erste Jahr


Dieter Schmidt

 

 

   Am 22.6.1955 fand zur Vorbereitung der Gründung der LPG eine Belegschaftsversammlung des ÖLB 1) Neukalen statt. Die Grundlage der ÖLB waren zum größten Teil landwirtschaftliche Betriebe, die von ihren Besitzern aufgegeben bzw. verlassen wurden; die meisten durch – wie es amtlich hieß – Republikflucht. Dazu kamen unter damaligen Bedingungen schwer zu bewirtschaftende Flächen, die sich nicht als Siedlungen aufteilen ließen, sowie Flächen, die der Stadt oder anderen Eigentümern gehörten. Diese ÖLB wurden staatlich geleitet, die Betriebsleiter setzte der Staat ein.

   Nachdem sich 1952 in der DDR die ersten LPG gebildet hatten, übten die SED und die staatlichen Organe Druck auf die Belegschaften der ÖLB aus, sich in eine Landwirtschaftliche Genossenschaft umzuwandeln. In der Nähe der Stadt Neukalen hatten sich die ÖLB Warsow und Salem schon zu LPG umgewandelt, und in Karnitz war durch die Siedler eine LPG gebildet worden.

   In Neukalen fand am 22.6.1955 eine Belegschaftsversammlung um 20 Uhr statt. Nach dem Protokoll waren anwesend:

   Koll. Jochen Schmidt, Abteilungsltr. Landwirtschaft Rat des Kreises; Koll. Frommelt, MTS (Maschinen-Traktorenstation) Dargun; Koll. Boeck, Bürgermeister der Stadt Neukalen und die Belegschaft des ÖLB Neukalen.

   Nach eingehender Aussprache erklärten sich acht Kollegen bereit, Mitglied der neuen LPG zu werden. In das Gründungskomitee wählte man:

Margarete Böse

Gerhard Heckert, Betriebsleiter des ÖLB

Günter Stäsche, Buchhalter des ÖLB

   Diese Kollegen sollten die Gründung der LPG vorbereiten. Man legte auch gleich fest, die Gründungsversammlung am 30.6.1955 durchzuführen. An dieser Versammlung im Saal des Rathauses nahmen teil:

   Der stellvertretende Vorsitzende des Rates des Kreises Beetz, der Bürgermeister Boeck mit vier weiteren Mitarbeitern der Stadtverwaltung, vier Angehörige der MTS, der Kreisvorsitzende der VdgB 2), die Vorsitzenden der schon bestehenden LPG aus Weitendorf und Warsow sowie die 16 Landarbeiter des ÖLB Neukalen. Es erfolgte die Verlesung des Musterstatuts der LPG, bestehend aus 14 engbeschriebenen DIN A4 Seiten. Der Kollege Beetz vom Rat des Kreises nannte als Grundgedanken der Gründung der LPG, daß jetzt Grund und Boden von den Mitgliedern in persönlicher Bewirtschaftung übernommen und Gebäude sowie Vieh zur Verfügung gestellt werden. Nach der Diskussion zum Statut, fragte Bürgermeister Boeck die Landarbeiter des ÖLB einzeln, ob sie gewillt sind, der LPG beizutreten. Alle 16 Landarbeiter traten der LPG bei. Es waren:

Gerhard Heckert, geb. 9.9.1895

Gertrud Heckert, geb. 23.1.1921

Margarete Böse, geb. 21.11.1903

Günter Stäsche, geb. 30.12.1921

Heinz Lexow, geb. 30.12.1932   (*)

Paul Möller, geb. 17.9.1910

Richard Gruhn, geb. 4.5.1912   (*)

Hans Günther, geb. 27.7.1896

Max Podemils, geb. 14.2.1893

Waltraud Lexow, geb. 16.2.1937   (*)

Ulrich Behrend, geb. 24.11.1931

Herbert Fürstenberg, geb. 15.3.1935

Anneliese Behrend, geb. 12.5.1929

Rosa Borkdal, geb. 13.8.1937   (*)

Waltraud Gruhn, geb. 9.12.1939

Paul Bastian, geb. 10.11.1898   (*)

 

   Die mit (*) versehenen Namen sind später als Mitglied wieder gestrichen worden, wahrscheinlich auf eigenen Wunsch. Ruth Birke wurde etwas später nachgetragen, denn im Rechenschaftsbericht vom 23.1.1956 wird von 12 Mitgliedern gesprochen.

   Das Statut wurde einstimmig angenommen. Die LPG erhielt den Namen „Roter Stern“. In den Vorstand wählten die Mitglieder Gerhard Heckert, Paul Möller und Margarete Böse. Aus dem Vorstand ernannten die Mitglieder Gerhard Heckert als Vorsitzenden. Für die Revisionskommission bestimmten die Mitglieder Günter Stäsche, Hans Günther und Max Podemils. Der neue Vorsitzende dankte den Mitgliedern für das Vertrauen und versprach, die Mitglieder gut anzuleiten, damit größere Erfolge erzielt werden. Alle Gäste der Versammlung übermittelten die herzlichsten Glückwünsche und Grüße und versprachen für die Zukunft jede notwendige Hilfe.

   Das von der Mitgliederversammlung beschlossene Statut mußte zum Rat des Bezirkes in Neubrandenburg zur Bestätigung eingereicht werden. Dieses erfolgte aber erst nach mehrmaliger Aufforderung am 30.10.1956. Die Abweichung vom Musterstatut, statt 500 DM nur 300 DM als Inventarbeitrag festzulegen, begründete der Vorstand mit der schlechten wirtschaftlichen Lage der LPG, die den Mitgliedern auch in den kommenden Jahren kaum ermöglichen würde, Inventarbeitrag 3) einzuzahlen.

 

   Am 31.1.1957 kam das bestätigte Statut vom Rat des Bezirkes zurück mit folgendem Anschreiben:

   "An die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft „Roter Stern“ Neukalen  Kreis Malchin

   Hiermit bestätige ich das anliegende Statut der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft „Roter Stern“, Neukalen, Kreis Malchin.

   Die weitere Festigung des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der werktätigen Bauernschaft ist ein entscheidender Beitrag in dem erfolgreichen Kampf unserer Werktätigen um die Sicherung des Friedens, für die Wiederherstellung der Einheit und Unabhängigkeit des deutschen Volkes.

   Der Rat des Bezirkes dankt allen Mitgliedern der Genossenschaft für den freiwilligen Entschluß, durch feste Zusammenarbeit an der Entwicklung der genossenschaftlichen Großproduktion zu landwirtschaftlichen Musterbetrieben in

der Deutschen Demokratischen Republik mitzuwirken.

   Jendretzky

   Vorsitzender“

 

   Schon zwei Tage nach der Gründung der LPG verlangte der Rat der Stadt die Rückgabe des Inventars, welches die Stadt dem ÖLB bei Übernahme verschiedener Flächen zur Verfügung gestellt hatte.

   Die Mitglieder der neuen LPG drohten in der Mitgliederversammlung am 2.7.1955 mit der Auflösung, falls das Inventar und die Gebäude zurück gegeben werden sollten. Es ging um zwei Pferde, drei Wagen, Hanomag – Bulldog, Pflug, Egge, Grasmäher und verschiedene Gebäude. Die Stadt mußte nachgeben. Da sie aber auch einige Geräte und Gebäude zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigte, blieb es ein Zankobjekt über Jahre.

   Im Dezember 1955 bat die Fachabteilung beim Rat des Kreises den Buchhalter der LPG Salem, Dieter Schmidt, den Buchhalter der LPG Neukalen bei der Vorbereitung des Jahresabschlusses zu unterstützen. Günter Stäsche fühlte sich der Aufgabe als Buchhalter nicht gewachsen und bat Dieter Schmidt die Buchhaltung der LPG Neukalen ganz zu übernehmen. Er würde lieber auf dem Acker arbeiten. Nach Zustimmung der Vorstände beider LPG LPG führte Dieter Schmidt ab 1.1.1956 die Buchhaltungen beider Betriebe.

   Nach Ablauf des ersten Halbjahres mußte der Vorstand in der Jahreshauptversammlung am 23.1.1956 Rechenschaft über seine Arbeit ablegen. Anwesend waren die zwölf Mitglieder und 18 Gäste; darunter Jochen Schmidt, Abteilungsleiter Landw. Rat des Kreises; Willi Peters, Kreisleitung der SED; Horst Lange, Kreisleitung der SED; Heinz Boeck, Bürgermeister Neukalen; Heinz Walker, Direktor der MTS  Dargun; Ulrich Voth, MTS Dargun: Wolfgang Wittenburg, Zootechnik Rat des Kreises; Siegfried Hahn, Vorsitzender der LPG Warsow; Otto Sabeike, Buchhalter der LPG Warsow; Julius Otto, Lehrlingsausbildung der LPG Warsow; Kurt Nixdorf, Vorsitzender der LPG Karnitz; Dieter Schmidt, Buchhalter der LPG Salem und Neukalen; Charlotte Weber und Arthur Daum.

   Aus dem Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden G. Heckert: Die LPG bestand aus 12 Mitgliedern und beschäftigte 10 Landarbeiter. Sie bewirtschaftete zu dieser Zeit 725 ha, davon 270 ha Acker und 455 ha Wiesen und Weiden. Der Viehbestand umfaßte 9 Pferde, 28 Kühe, 54 sonstige Rinder, 16 Schafe, 60 Schweine und 75 Legehennen. Die Erträge im ersten Jahr je ha: 9 dt Weizen, 8 dt Roggen, 12 dt Sommergetreide, 21 dt Kartoffeln und 45 dt Zuckerrüben. Als Begründung für die geringen Erträge nannte der Vorsitzende, daß auf dem größten Teil des Ackers (in Franzensberg) seit 1946 nur Getreide angebaut wurde, und daß in der ganzen Zeit kein Humus in Form von Stallmist zugeführt wurde. Dadurch war der Boden zu nährstoffarm. Bei den Hackfrüchten fehlte die ausreichende Unterstützung durch die MTS. (Wenn auch keine Zahlen vorliegen, muß man aber davon ausgehen, daß die Erträge in den Jahren vor der LPG – Gründung auf diesen Flächen auch nicht höher gewesen sein können.) Der geplante Wert einer Arbeitseinheit von 8 DM, gestützt mit staatlichen Sonderkrediten, wurde nur mit 5,37 DM erreicht. Die schlechte Arbeitsmoral sowie eine schlechte Anleitung beklagte der Vorsitzende ebenfalls. Im August begann der Baubetrieb mit dem Neubau eines Kuhstalls für 60 Kühe, der aber zum Weideabtrieb nicht fertig wurde, so daß die LPG die Rinder weiterhin in fünf gepachteten Ställen in der Stadt halten mußte. Hierdurch entstanden der LPG hohe Kosten, vor allem Lohnkosten. Der Bergeraum dieses ersten Stalles ist von der Straße aus noch heute gut zu sehen. Der Direktor der MTS sprach über die Arbeit der Maschinenstation, die durch die vielen kleinen Ackerstücke sehr erschwert war. Bei der Ernte gab es so viele Schwierigkeiten, daß die Verwaltung der Station dreimal selbst zum Arbeitseinsatz kommen mußte. Auch die Neukalener Stadtverwaltung leistete mehrmals Erntehilfe. Mangelhafte Unterstützung der LPG durch den Kreis gestand Jochen Schmidt ein und versprach für das kommende Jahr bessere Hilfe. Der Kollege Peters von der Kreisleitung der SED beglückwünschte die Mitglieder zu ihrer großen geleisteten Arbeit und zur erfolgreichen Überwindung der Anfangsschwierigkeiten. Nach der Diskussion entlasteten die Mitglieder den Vorstand und die Revisionskommission einstimmig und wählten den neuen Vorstand und die Revisionskommission. Vorgeschlagen und auch gewählt wurden einstimmig: Gerhard Heckert als Vorsitzender, Margarete Böse und Paul Möller in den Vorstand; in die Revisionskommission: Ruth Birke, Günther Stäsche und Max Podemils.

   Der Vorsitzende dankte für das Vertrauen und versicherte, daß im neuen Jahr ein neuer Wind wehen wird, und daß ab 1.2.1956 nur noch nach Leistung gearbeitet würde. Er schlug eine Arbeitsentschließung vor, die Neuerermethoden, quartalsgerechte Planerfüllung, Kostensenkung, Mitgliederwerbung und Verbesserung der Arbeitsmoral beinhaltete. Die Arbeitsentschließung nahmen die Mitglieder einstimmig an. Der Bürgermeister Boeck sprach als Versammlungsleiter das Schlußwort und beendete die Versammlung.

   Der Verlauf und die Diskussionen in diesen Versammlungen zeigten die Schwierigkeiten durch den Mangel an geeigneten Leitern und den materiellen Voraussetzungen auf. Die Mitglieder behaupteten oft, daß das eigentliche LPG – Büro in der Gastwirtschaft Kottke wäre, da der Vorsitzende sich da oft und lange aufhielt. Der Brigadier Paul Möller beschwerte sich öfter über Ackeraustausch mit Bauern, die nach seiner Meinung zum Nachteil der LPG ausfielen, da die LPG meistens schlechtere Ackerflächen erhielt. Auch war des öfteren auf dem Acker liegender Kunstdünger verschwunden, der nach Meinung einiger Mitglieder in der Gaststätte versoffen wurde. Auch Tierhandel vereinbarte man hier, bei der die LPG nicht erhaltene Werte bezahlte. Diese Schiebereien ließen nach, als durch den Eintritt weiterer Mitglieder sich die Kontrollen verschärften.

   In der Mitgliederversammlung am 29.3.1956 waren wieder Gäste von der Kreisleitung, der MTS und ein Kollege von der Volkspolizei anwesend. Den Mitgliedern Max Podemils und Paul Möller war der Vorschuß auf die geleisteten Arbeiten zu gering. Podemils wollte nicht mehr zur Arbeit kommen. Paul Möller wurde eine Kuh von der LPG angeboten, was sich dieser aber noch überlegen wollte. Die Versammlung beschloß, für ihn einen Antrag auf eine individuelle Viehwirtschaft zu stellen, damit er sein Einkommen erhöhen konnte.

   In der Mitgliederversammlung vom 12.4.1956 wurde der Antrag zur Übernahme des Ackers von Krüger vorgetragen. Der Acker war saatfertig vorbereitet und das Saatgut würde kostenlos bereitgestellt. Es sollte auch Jungvieh mit übergeben werden. Nach langer Diskussion wegen der zu hohen Arbeitsbelastung, wurde der Übernahme erst zugestimmt, nach dem der Bürgermeister Boeck und der Kollege Footh von der MTS Dargun mehrmals die größte Hilfe zugesagt hatten. Um die augenblickliche Notlage der Mitglieder Paul Möller und Max Podemils zu mindern, wurde beiden täglich kostenlos vier Liter Milch aus dem Kuhstall zugesagt. Anneliese Behrend sollte als Ledige ein Liter Milch erhalten. Über eine Veranstaltung zum 1. Mai diskutierten die Mitglieder in der Versammlung am 26.4.1956. Sie lehnten eine Veranstaltung ab, weil die LPG keine Gelder zur Verfügung stellen konnte. Wegen schlechter Arbeitsmoral eines Mitglieds kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Vorsitzenden Heckert und der Kollegin Böse. Nach erregter Debatte verließen die Mitglieder M. Böse, R. Birke und Paul Möller die Versammlung. Der Buchhalter D. Schmidt verlas ein Schreiben der Versicherungsanstalt, wonach die Färsen der LPG durch schlechte Fütterung und Haltung nicht versicherungsfähig wären. Die Mitglieder äußerten sich nicht dazu.

   Eine Auswertung der Beschlüsse der 4. LPG – Konferenz wurde auf der Mitgliederversammlung am 24.5.1956 vorgenommen. Aus der Ansprache des Vorsitzenden Heckert: Als wir uns vor einem Jahr bereit erklärten, aus dem ÖLB eine LPG zu gründen, da waren 15 Kollegen bereit eine LPG aufzubauen. Leider sind wir, statt unsere Mitgliederzahl zu erhöhen, abgestürzt auf 8 Mitglieder. Aber wir wollen denen, die von uns gegangen sind, keine Träne nachweinen, die haben uns mehr geschadet, als sie für die LPG eingebracht haben. Als wir anfingen, hatten wir 280 ha Acker und 70 ha Wiesen und Weiden, heute sind es 233 ha Acker (49 ha gingen an die LPG Karnitz) und 422 ha Wiesen und Weiden (408 ha wurden von der Stadt an die LPG übergeben, vorwiegend die Krimwiesen). Wir sind aber nur acht Mitglieder und acht Saisonarbeiter. Der Vorsitzende lobte die gute Arbeit der MTS, aber mit Beginn des Kartoffellegens waren die Maschinen immer kaputt. Die schlechtesten Maschinen kamen nach Neukalen. Auch rief er zum Wettbewerb mit der LPG Salem auf, der bis zum 10.6.1956 abgeschlossen sein sollte (aber nie zustande kam). Alle Mitglieder, bis auf die Kollegin Behrend, hatten inzwischen eine Hauswirtschaft mit einer Kuh und Schweinen aufgebaut und konnten damit ihr Einkommen verbessern. Dann kam er zu seinem wichtigsten Punkt: Industriearbeiter aufs Land. Nach seiner Meinung hätte die LPG davon nur Unkosten aber keinen Nutzen gehabt. Die Mitglieder, die mit ihnen zusammen gearbeitet hätten, wüßten es am besten. (Nach den Unterlagen waren es fünf Jugendliche, von denen einer – Wolfgang Neumerkel – später Mitglied der LPG wurde.)Jetzt hätten sich zwei Arbeiterinnen von der Ziegelei um die Mitgliedschaft beworben. Davon hätte die LPG mehr! Mit dem üblichen Dank für die geleistete Unterstützung an Verwaltungen und Betriebe schloß die Versammlung.

 

Bei der Heuernte um 1956

 

Bei der Heuernte um 1956

 

Im Januar 1957 wurde Ferdinand Pich Mitglied der LPG

 

Im Januar 1957 wurde Ferdinand Pich (links) Mitglied der LPG "Roter Stern", (rechts Inge Ladendorf).

 

 

   Per 1.1.1957 hatte die LPG "Roter Stern" folgende Mitglieder: Grete Ahrendt, Walter Ahrendt, Anna Behrendt, Hans Günter, Gertrud Heckert, Gerhard Heckert, Anna Jürs, Hildegard Mannke, Wilhelm Mannke, Paul Möller, Wolfgang Neumerkel, Max Podemils und Günter Stäsche. Dazu kamen folgende ständig Beschäftigte: Alfred Birr, Isolde Brinkmann, Sylvia Bunsch, Andreas Fruhstorfer, Anni Marquardt, Helga Niepel, Paul Redetzki, Wilhelm Schepler, Dieter Schmidt und Heinrich Schmidt.

   Aus den Protokollen und Berichten des ersten Jahres nach der Gründung der LPG wird deutlich, wie schwierig die Situation damals war und wie unvorbereitet die Menschen damit fertig werden sollten. Die Zersplitterung der Ackerflächen und der Ställe verschlang viel Zeit, einzelne Ackerstücke lagen bis 5 km entfernt. Mit dem Pferdefuhrwerk hin und zurück, da blieb nicht viel Zeit für die Arbeit. Auch waren die damaligen Leiter fachlich nicht in der Lage, eine LPG zu leiten. Sie waren auch den Mitgliedern in der Arbeitsmoral oft kein Vorbild.

   In der Mitgliederversammlung am 6.3. 1957 wurde der Vorsitzende Heckert von den Mitgliedern als Vorsitzender abgelöst und später aus der LPG ausgeschlossen. Die Hauptursache war ein Handel in der Gaststätte Kottke. Drei hochtragende Färsen, welche die Mitglieder Heckert, Mannke und Stäsche erhielte´n, wurden versteckt mit anderen Rinderzukäufen vom Staatlichen Handelskontor für Zucht- und Nutzvieh der LPG in Rechnung gestellt. Durch eine Anfrage von G. Stäsche erfuhr der Buchhalter von diesem Betrug und brachte die Sache zur Anzeige.

   Günter Stäsche wurde gedrängt, den Vorsitz der LPG zu übernehmen, war aber fachlich nicht in der Lage, einen Betrieb zu führen. Erst als Herbert Tucholke 1958 als Agronom in die LPG eintrat und später die Leitung übernahm, entwickelte sich die LPG.

 

 

1)  ÖLB: Örtliche Landwirtschaftsbetriebe

2)  VdgB: Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe

3)  Inventarbeitrag: Das Statut sah vor, daß die Bauern nach ihrer eingebrachten Fläche beim Eintritt 500 DM an Vieh und Geräten in die LPG einbringen mußten. Dafür wurden auf die eingebrachte Fläche Bodenanteile gezahlt. Das Statut sah hierfür 20 % der Vergütung vor. Mitglieder ohne Land konnten bis 6 ha Boden von der LPG übernehmen, mußten aber von den Bodenanteilen, die sie dafür erhielten, den fehlenden Inventarbeitrag einzahlen.

 

   Zur Erläuterung: Die Genossenschaftsmitglieder wurden nach Arbeitseinheiten = AE vergütet. Eine Arbeitseinheit war das angenommene Maß einer durchschnittlichen Tagesleistung. Die Arbeitsnormen sollten nach dem Statut von einer Normenkommission erarbeitet und von der Mitgliederversammlung beschlossen werden. Dieses klappte in den ersten Jahren meistens nicht. So legte man zum Beispiel im Feldbau eine Stundenvergütung von 0,12 – 0,20 AE fest, in acht Stunden verdienten die Mitglieder danach 0,96 – 1,6 AE am Tag. Der Wert einer AE wurde nach dem geplanten Ergebnis des Betriebes ermittelt und davon ein Vorschuß von 70 % monatlich ausgezahlt. Nach dem tatsächlich erreichten Ergebnis erfolgte eine Endauszahlung zum Jahresende. In den ersten Jahren konnte in der LPG Neukalen nur mit staatlichen Sonderkrediten ein positives Ergebnis geplant und damit der Wert der Arbeitseinheit gestützt werden. Bei einem geplanten Wert von 7,- DM je AE und einem Vorschußwert von aufgerundet 5,- DM mußte schon eine persönliche Hauswirtschaft zum Lebensunterhalt beitragen.

 

Blick vom Mühlenberg auf das LPG-Gelände, Mai 1979

 

Blick vom Mühlenberg auf das LPG-Gelände, Mai1979