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Neukalener Berufsschule im ,,Haus der Jugend“

 

Wally Otto

 


   Nach Kriegsende mußte jeder Jugendliche unter 18 Jahren, ob mit oder ohne Lehrvertrag, die Berufsschule besuchen. Auch in Neukalen mußte die Möglichkeit zum Schulbesuch geschaffen werden, denn zum Einzugsbereich gehörten die Dörfer Schlakendorf, Karnitz, Lelkendorf‘ Warsow, Kämmerich, Schorrentin, d. h. 250 Jugendliche mußten betreut werden.
   Ab 1949 wurde auch in Neukalen die Möglichkeit der Beschulung geschaffen. Zunächst fand der Unterricht in der allgemeinbildenden Schule an Nachmittagen statt. Das konnte nur ein Übergang sein, denn die geforderte Stundenzahl von 6 Stunden je Schultag konnte nicht gewährleistet werden Das Haus Rektorstraße 13 wurde umgebaut und bekam den Namen ,,Haus der Jugend“. Zur Verfügung standen nun drei Klassenräume für je 30 Schüler, ein kleines Büro und Lehrerzimmer sowie eine kleine Küche, in der später die Schulspeisung — eine Tasse Brühe und ein belegtes Brötchen — vorbereitet wurden. Zum Lehrerkollegium gehörten acht Kolleginnen und Kollegen, die neben dem Unterricht auch noch die eigene Qualifikation beenden mußten, dazu eine Sekretärin und eine Reinigungskraft, die auch die Schulspeisung vorbereiten und ausgeben mußte.
   In dieser Landwirtschaftlichen Berufsschule unterrichtete das Kollegium landwirtschaftliche und naturwissenschaftliche Fächer sowie Sport. In den ersten Jahren galt ein beträchtlicher Teil der Arbeit des Kollegiums die Schülerinnen und Schüler, aber noch mehr die Eltern, vom regelmäßigen Schulbesuch zu überzeugen. Bei den Jugendlichen war der zweitägige Unterricht pro Woche bald angenommen, weil diese Tage ihnen eine Pause von der schweren Arbeit im elterlichen Betrieb brachte. Die Eltern dagegen waren auf die Hilfe der Kinder in ihren Siedlungen angewiesen und gaben ihren Kindern nur ungern zwei Tage frei.
   Um die Verbindung der Schule zu den Schülern und dem Elternhaus zu festigen, fand ab 1952 jedes Jahr ein Abschlußfest statt, das von den Schülerinnen und Schülern mit einem kleinen Kulturprogramm eingeleitet wurde. Dazu kamen die Eltern und auch die ehemaligen Schüler. Diese Veranstaltung fand so großes Interesse, daß wir die größere Gaststätte bei Frau Dahms mieten mußten. Als sich die wirtschaftliche Lage allmählich festigte, unternahmen wir in den Pfingstfeiertagen mehrtägige Fahrten mit den Schülern, zunächst nach Rostock mit Zoobesuch und Umgebung mit Übernachtung in einer Scheune, später war das Elbsandsteingebirge, die Jugendherberge in Rathen, das Ziel. Wir haben sogar noch Kartoffeln zur Verpflegung hingeschickt. Für die Jugendlichen war es fast immer die erste große Fahrt in ihrem Leben, und Oma und Tanten sorgten für eine zum Teil viel zu reichhaltige ökonomische Unterstützung. Diese Reisen waren prägende Eindrücke.
   Im Laufe der Jahre entwickelte sich in steter Arbeit mit den Eltern der Jugendliche auch, die Landwirtschaft zum Lehrberuf in der eigenen Landwirtschaft zu machen. Auch fanden immer mehr Jugendliche ihre Lehrstelle in der weiteren Umgebung und in anderen Berufen, ihre Wohnung in Internaten, so daß die Schülerzahl in Neukalen stark zurückging.
   Im Jahre 1961 wurde die Berufsschule Neukalen aufgelöst. Auch die Schüler ohne Lehrvertrag wurden von der Kreisberufsschule Malchin übernommen. Die Lehrkräfte wurden ebenfalls von der Kreisberufsschule übernommen oder arbeiteten in der allgemeinbildenden Schule.
   Die Direktorin der Schule, Frau Otto, arbeitete als stellvertretender Schulrat für Berufsausbildung beim Rat des Kreises Malchin weiter.
   Das ,,Haus der Jugend“ wurde nun für die Jugendarbeit und die Arbeit der Volkssolidarität zur Verfügung gestellt.

 

Klasse La 11 der Berufsschule vor dem

 

Klasse La 11 der Berufsschule
vor dem "Haus der Jugend" 1954

 

Karnevalsfeier im

 

Karnevalsfeier im "Haus der Jugend" 1954

 

Fahrt einer Klasse der Berufsschule Neukalen nach Rostock 1954

 

Fahrt einer Klasse der Berufsschule Neukalen nach Rostock 1954

 

Fahrt einer Klasse der Berufsschule Neukalen nach Rostock 1954 (2)

 

Fahrt einer Klasse der Berufsschule Neukalen nach Rostock 1954