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   Adolph Dolberg und Adolf Petri, beide in Neukalen geboren, besaßen in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine mechanisch-optische Werkstatt in Rostock. Die nachfolgende Abhandlung darüber schrieb Dr. Jürgen Hamel von der Archenhold-Sternwarte, Berlin-Treptow 1.

 

 

Über die mechanisch-optischen Werkstätten
"Dolberg" und "Dolberg & Petri" in Rostock

 

Dr. Jürgen Hamel

 

   Bei Recherchen zu historischen astronomischen Instrumenten in Museen Mecklenburg-Vorpommerns fanden sich zunächst zwei Instrumente, die mit „A. Dolberg in Rostock“ sowie eines mit „Dolberg & Petri“ signiert waren. Da über diese Werkstätten keine detaillierten Angaben auffindbar waren, schien eine Untersuchung angebracht. Diese führte zunächst zur Auffindung zweier weiterer Instrumente sowie im Stadtarchiv Rostock zu einem aussagefähigen Aktenbestand sowohl zu A. Dolberg, als auch zu A. Petri. 1)

 

   1) Stadtarchiv Rostock, Akte 1.1.12.3.63, Mappe Dolberg bzw. Mappe Petri, alle Nachweise mit Seitenzahl beziehen sich auf diesen Aktenbestand.

 

 

Rudolph Carl Adolph Dolberg

(29.7.1817 - 1863)

 

   Von Dolberg 2) liegt ein im Zusammenhang mit seinem doppelten Gesuch zur Aufnahme als Bürger Rostocks und der Gewerbegenehmigung eingereichter ausführlicher Lebenslauf vor, der nachstehend im vollen Wortlaut wiedergegeben wird:

 

   2) Während Dolberg selbst, soweit ersichtlich, stets die Form „Dolberg“ verwendet, findet sich in den Akten auch die Form „Dollberg“.

 

   „Mein gehorsamstes Ersuche an E.E. Rath, welches die gegenwertige Supplic. darlegen soll, geht dahin daß mir in hiesiger Stadt die Aufnahme als Bürger gewährt werde, um mich als Mechaniker hier etabliren zu können.

   Gebürtig aus Goldberg, 3) habe ich von Jugend auf in Rostock gelebt, habe das Gymnasium besucht und nachdem ich bereits längere Zeit in Prima gewesen, führte mich im Jahre 1840 eine vorwiegende Neigung zum mechanischen Fache dahin, daß ich die Absicht, die akademische Laufbahn zu betreten, noch aufgab, und mich nach Berlin in die berühmte mechanische Werkstatt des Herrn Oerthling begab, wo ich neben dem practischen Lehrlingsbetrieb, die in mein Fach einschlagenden akademischen Vorlesungen besuchte. Ich ging darauf nach Wien und dann nach Paris, überall in den besten Werkstätten arbeitend, und bin nun, nachdem ich 8 Jahre für meine Ausbildung bestrebt habe und Einiges in meinem Fache leisten zu können hoffe, nach meinem Vaterlande mit dem Wunsche zurückgekehrt, mich hier in Rostock niederzulassen.

 

   3) Der Geburtsort Dolbergs ist entgegen dieser Angabe Neukalen (damals Neukalden), dazu weiter unten mehr.

 

   Mein eigenes Vermögen beträgt so viel, daß ich die nicht wohlfeile Einrichtung für einen Betrieb selbstständig machen kann und außerdem werde ich an meinen nächsten Verwandten, den Herren Kaufmann Rabe und Dunckhorst 4) eine recht wircksame Hülfe für mein Fortkommen finden. Da erst in jüngerer Zeit ein Optiker sich hier niedergelassen, so könnte Bedenken entstehen, ob mein neues Etablissement auch zu große Concurrenz hervor rufe; ich bemerke deshalb hinsichtlich meiner nähern Intention, daß ich mich gar nicht mit der Anfertigung von optischen Instrumenten befassen werde, sondern vorzugsweise nur nautische Instrumente zu fabriziren gedenke; wofür der ganze große Bedarf der mecklenburgischen Handelsmarine bisher von auswärts bezogen wurde, außerdem aber nur die vielfachen feineren mechanischen Instrumente anzufertigen beabsichtige.

 

   4) Eine Eintragung unter „Raabe“, „Materialwaarengeschäft in Groß und Klein“, Wollenweberstr. 1178, findet sich im Adreßbuch von 1836; im selben Band wird G. Dunckhorst mit einer Materialwarenhandlung, Hinterm Rathaus 771, genannt, 1858 wird sein Gewerbe in der Wollenweberstr. 51 mit „Materialwaaren-Handlung, Producten- und Getreidegeschäft“ verzeichnet. Über die genannte Verwandtschaft kann nichts gesagt werden.

 

   In der Hoffnung, daß meinem Gesuche nichts entgegen stehen werde, bitte ich gehorsamst: daß Ew: Wohlgeboren dem Löbl. Gerichte die nähere Cognition kommittiren und bekenne mich, sub scriptum durch die Anlage legitimirend, als E. E. Raths

gehorsamster Ad: Dolberg

Rostock, dem 17. July 1848.“

 

   Dolberg hatte offenbar noch weitere Unterlagen eingereicht, die nicht im Original erhalten blieben, jedoch in den Dokumenten des Rates referiert wurden. Aus diesen gehen weitere Details zu seinem Lebenslauf hervor, vor allem die wichtigen Angaben über die Stationen seiner Ausbildung:

   „... woraus erhellet, daß er am 29. Juli 1817. in Goldber Neukalden 5) geboren und ein Sohn des wail. Rathsmann Dollberg 6) daselbst ist. Daß er voce erklärt, Militairpflicht entfreiet ist und daß er seit dem 18 Julij 1840 mit gutem Betragen und angestrengtem Fleiße in den Werkstätten des Herren Oertling zu Berlin 7) der Herren Eckling 8) und Plössel 9) zu Wien und der Herren Lerebours et Secretan zu Paris, 10) sich zu einem tüchtigen Mechaniker ausgebildet hat.“

 

   5) die Streichung und Korrektur so im Original

   6) Friedrich Dolberg, gest. 1821

   7) Johann August Oertling (Örtling, 1803-1866)

   8) Johann M. Eckling (um 1840/50)

   9) Simon Plössl (1794-1868)

 10) Firma Lerebours et Secretan, 1845-1855, Noël-Marie-Paymal Lerebours (1807-1855), Marc François Secretan (1804-1867)

 

   Weiter heißt es, Dolberg habe zur „Docirung seiner Vermögensverhältnisse“ einen Wechsel des Rostocker Maklers Brandt 11) sowie eine finanzielle Sicherheit bei seinem Bruder 12) in Goldberg nachgewiesen. „Dollberg wünscht das hiesige Bürgerrecht als Mechanikus zu erlangen und gedenkt hauptsächlich mechanische, astronomische und mathematische Instrumenta anzufertigen.“

Auch der weitere Text ist aufschlußreich:

 

   11) wegen der Lücken der Adreßverzeichnisse nicht nachweisbar, lediglich seine Witwe 1856ff. (Bei der Marienkirche 16)

   12) Georg Dolberg, vgl. dazu weiter unten

 

   „Da er mit dem H. Professor Karsten hieselbst verwandt ist, so hat er Aussicht, daß ihm die Geschäfte der Universität, die in sein Fach schlagen, übertragen werden. ... [es] wird bemerkt, daß Dollberg ein sehr gefälliges solides Benehmen zeigte, und die außergerichtlich über ihn eingegangenen Erkundigungen nur zu seinen Gunsten sprechen.“

 

   Aus diesen Dokumenten gehen mehrere verwandtschaftliche Verhältnisse hervor, die sicherlich mit dafür ausschlaggebend waren, daß Dolberg sich gerade in Rostock niederließ. Er erwähnt als Verwandte die „Herren Kaufmann Rabe und Dunckhorst“ sowie Hermann Karsten (1809 - 1877), Prof. für Mineralogie und Mathematik an der Rostocker Universität. Leider konnten diese Verwandtschaftsverhältnisse nicht bestimmt werden. Auffallend ist jedoch, daß nach dem Adreßbuch von 1836 Karsten dieselbe Adresse wie G. Dunckhorst (Hinterm Rathaus 771) hat.

   Der Gewerbegenehmigung wurde am 4. August 1848 stattgegeben und am 9. August 1848 in Verbindung mit einigen Auflagen erteilt:

   1. „Dem Löbl. Gerichte wird hiedurch committirt: dem Mechaniker Rudolph Carl Adolph Dolberg, aus Neukalden gebürtig, die Concession als Mechaniker, gegen Zahlung der üblichen Concessions- und der legalen Subalternen Gebühren zu ertheilen.

   Gegeben im Rathe, Rostock, d. 4. August 1848“

   2. „Wenn der Mechaniker Rudolph Carl Ad. Dolberg aus Neukalden auf gezimendes Ansuchen von EERaths wegen Gewinnung der behufigen Concession an uns verwiesen worden ist, so ertheilen wir Praeses u. Assessor des Gerichts hiedurch dem R. C. A. Dolberg seine Macht und Befugniß hieselbst durch Anfertigung u. Absatz allerlei Arbeiten seiner Kunst, sogut er kann u. mag, seine Nahrung zu suchen, versprechen ihm auch bei Ausübung seines Betriebes, so lange er die Grenzen derselben nicht überschreitet und gute Arbeiten liefert, allen obrigkeitlichen Schutz, ohne jedoch im Verhältnisse zu andern Personen ihm ausschließende Rechte einzuräumen.

Gegeben im Gerichte Rostock. 9 August 1848“

   Nach den leider nur lückenhaft erschienenen Rostocker Adreßbüchern 13) finden sich für Dolberg folgende Eintragungen: 1856 - „A. Dolberg, Optiker und Mechaniker, Bei der Marienkirche 12“ (unter dieser Adresse zudem ein Hof-Stuhlmacher und ein Tapezier; 1858 -  „Optiker und Mechaniker, Lange Str. 85“ (dort zudem ein Tapezier, ein Schneider, ein Glaser und ein Advocat); dasselbe für 1860-63. Im Adreßbuch für 1864 findet sich nur noch „Emilie D., geb. Petschler, Mechanikus-Witwe, Lange Str. 85“. Daraus ergibt sich als Todesdatum A. Dolbergs das Jahr 1863.

 

   13) Rostocker Adreß-Buch für 1856 [und folgende; erster Band 1856]

 

   Eine Bemerkung zur Familiengeschichte Dolbergs. In seinem Antrag an den Rostocker Rat gibt Dolberg das südlich von Güstrow liegende Städtchen Goldberg (Mecklenburg-Vorpommern, Landkreis Ludwigslust-Parchim) an. Offenbar muß es jedoch andere Dokumente gegeben haben, in denen sein Herkunftsort mit Neukalden benannt wird, der sich dann auch mehrfach in den Ratspapieren wiederfindet. Zunächst: Mit der Ortsangabe Neukalden ist die Stadt Neukalen zwischen Demmin und Malchin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) gemeint, die seit 1858 diesen Namen führt. Zu den Familienverhältnissen, soweit sie in diesem Zusammenhang von Bedeutung sind, konnte folgendes ermittelt werden 14):

 

   14) Die folgenden Angaben beruhen auf ausführlichen Mitteilungen von Herrn Wolfgang Schimmel in Neukalen, wofür ich herzlichen Dank schuldig bin.

 

   Adolph Dolbergs Vater war Friedrich Dolberg, seit 1799 Ratmann in Neukalen. Sein Großvater, der Kaufmann Johann Otto Dolberg, hatte sich 1774 in Neukalen niedergelassen (gest. 13.11.1797); seine Großmutter war Elisabeth Dorothea Dolberg, geb. Berlin (gest. 12.12.1795 mit 62 Jahren). Sie hatten drei Kinder:

   1. Georg Christian Dolberg, Kaufmann und Kirchenprovisor, wurde am 4.7.1761 in Ruten, Kirchspiel Lübz) geboren und starb am 31.1.1830 in Neukalen. Am 26.9.1791 wurde er als Bürger aufgenommen, und am 5.7.1791 heiratete er in Neukalen die Tochter des Stadtsprechers Joachim Dammann: Maria Dorothea Dammann. Sie hatten zwei Kinder: Jochim Johann Christoph Dolberg, geb. 21.4.1792 und Catharina Maria Elisabeth Dolberg, geb. 26.5.1793. Letztere war mit dem Bürgermeister Petri verheiratet.

   2. Friedrich Tobias Dolberg, Kaufmann, geb. am 10.11.1765 in Broock bei Lübz, gest. 22.12.1821 in Neukalen. Am 20.9.1799 wurde er als überzähliger Ratmann ernannt. Mit seiner Frau, Anna Maria Sophia, geb. Brandt (geb. 6.4.1782 in Crivitz, gest. 5.7.1838 in Neukalen) hatte er folgende Kinder:

   2.1. Christiana Catharina Elisabeth Dolberg, geb. 13.8.1802 in Neukalen, gest. 7.4.1831 an Schwindsucht;

   2.2. Maria Georgina Dorothea Dolberg, geb. 26.8.1804, konfirmiert 1820 in Neukalen;

   2.3. Helene Sophie Friederike Dolberg, geb. 15.10.1806, konfirmiert 1822 in Neukalen, 1842 wohnte sie in Goldberg; 

   2.4. Wilhelmina Christiana Catharina Dolberg, geb. 31.10.1809 in Neukalen, konfirmiert 1825 in Neukalen, gest. 7.11.1833 an Scharlachfrieseln und Nervenfieber;

   2.5. Georg Friedrich Dolberg, geb. 31.10.1809 in Neukalen, Apothekergehilfe, 1842 war er Kaufmann und Weinhändler in Goldberg, um 1848/49 bat er als Materialwarenhändler um Aufnahme in die Bürgerschaft von Goldberg 15);

 

   15) Ich bin den Mitarbeiterinnen im Amt Goldberg zu herzlichem Dank für ihre archivalischen Nachforschungen verpflichtet.

 

   2.6. Rudolph Carl Adolph Dollberg, geb. 29.7.1817 in Neukalen, konfirmiert 1832 in Neukalen.

   3. Wilhelmina Sophie Dolberg, geb. 13.4. 1770 in Broock bei Lübz, gest. 28.5.1832 in Neukalen.

 

   Die von Adolph Dolberg genannte Übersiedlung nach Rostock in jugendlichem Alter war demnach offensichtlich eine Folge des frühen Todes des Vaters. Unklar ist, welcher Art die doch wohl engen verwandtschaftlichen Beziehungen in diese Stadt waren. Unklar bleibt zudem Dolberg Angabe seines Geburtsortes mit Goldberg. Es sei schon hier vermerkt, daß es verwandtschaftliche Bindungen zwischen den Neukalener Familien Dolberg und Petri gab, dazu gleich mehr.

 

 

Adolph Hermann Friederich Petri (8.9.1819 - 1895)
und die Werkstatt Dolberg & Petri

 

   Petri wurde am 8. September 1819 in Neukalen als Sohn des Bürgermeisters Bernhard Johann Christian Petri (geb. im Februar 1783 in Rostock, gest. 15.3.1844 in Neukalen) geboren. Christian Petri war ab 7.11.1811 bis zum Herbst 1836 Bürgermeister in Neukalen und hatte am 15.10.1813 in Neukalen die Tochter des Kaufmann Christian Dolberg, Catharina Maria Elisabeth Dolberg (geb. 26.5.1793 in Neukalen, gest. 14.5.1834 in Neukalen) geheiratet. Sie hatten folgende Kinder:

   1. Auguste Louise Marie Petri, geb. 27.11.1814 in Neukalen, um 1843 war sie Alt Gaartz mit Pastor Berg verheiratet.

   2. Amalie Carolina Heinriette Petri, geb. 31.12.1816 in Neukalen.

   3. Adolph Hermann Friederich Petri, geb. 8.9.1819 in Neukalen.

 

   Die Eltern von Adolph Dolberg wohnten in Neukalen im Haus Markt 2, die Eltern seines Großneffen Adolph Petri nicht weit davon entfernt im Haus Markt 14 (heute Apotheke). Sie kannten sich also schon seit der Kinderzeit. Beide wurden vom Pastor Johann Rudolph Brinckmann getauft und konfirmiert.

 

   Wie Adolph Petri selbst im „Gesuch, betreffend meine Reception zum Bürger“ der Stadt Rostock vom 29. Juli 1851 schreibt, widmete er sich dort der Mechanik. Offenbar hat er die Schule mit der mittleren Reife verlassen. Denn er war für vier Jahre bei Ferdinand Wagner in Berlin in der Lehre und darauf zur weiteren Ausbildung 1839-1842 bei Repsold in dessen berühmter Werkstatt in Hamburg, 1843 bei Oertling in Berlin und ein halbes Jahr bei Ekling in Wien, hinsichtlich der beiden letzten wie auch Dolberg. Weiter heißt es: „Seit dem Jahre 1849 bin ich nun hier in Rostock bei dem hiesigen Mechanikus Dollberg beschäftigt, und da es unser beiderseitiger Wunsch ist, das Geschäft des Herrn Dollberg von jetzt an als Compagnie-Geschäft zu betreiben“, bisher war er „stiller Compagnon des hies. Mechanikus Dollberg“. Er war also anfangs noch stiller Teilhaber, mußte jedoch für seinen Eintritt in die Geschäftsleitung das Rostocker Bürgerrecht besitzen.

 

   Am 17. Oktober 1851 erlangte er die Genehmigung der „Reception“ als Bürger, zugleich die der „Concession als Mechaniker“, letztere wurde am 7. November 1851 vollzogen. Seine Adresse war durchgängig Hopfenmarkt 28. Petris Übersiedlung nach Rostock hängt mit verwandtschaftlichen Beziehungen zusammen. Er schreibt selbst, daß in Rostock eine Großmutter lebt und es wurde bereits gesagt, daß seine Mutter eine geb. Dolberg war.

   Dem entsprechen die Eintragungen der Rostocker Finanzbehörde im dort. Stadtarchiv. Im Jahre 1857 wird die von Dolberg und Petri gemeinsam geführte Firma aufgelöst und beide erscheinen in den Finanzunterlagen künftig getrennt. Petri hat zunächst wie zuvor die Adresse Hopfenmarkt 28 und führt seit 1865 in Ergänzung seines Berufes die Bezeichnung „Universitäts-Mechanikus“. Es ist ihm also gelungen, die von Dolberg eingeleiteteten Beziehungen zur Rostocker Universität seinerseits fortzuführen. Später übernimmt er noch das städtische Amt als „beeidigter Aichmeister und Fleischbeschauer“. In den Adreßbüchern findet sich Petri letztmalig im Band für 1896; er wird also im Jahre 1895 gestorben sein. Die Werkstatt scheint damit erloschen zu sein. Instrumente mit der alleinigen Signatur „Petri“ sind mir nicht bekannt.

 

   Emilie Dolberg erscheint zunächst als „Mechanikus-Wwe.“ 1866 trat in der Werkstatt Dolberg eine wichtige Veränderung ein. Wie gleich noch erklärbar wird, hat Emilie Dolberg offenbar Heinrich Hannay in die Firma aufgenommen oder sie ihm verkauft. Im Jahre 1866 findet sich für Hannay die Eintragung mit der Berufsbezeichnung Mechanikus „in Firma A. Dolberg“, die also weiterhin unter dem alten Namen weitergeführt wird. 1868 wird Hannay als Optiker und Mechaniker sowie „beeidigter Fleischbeschauer“ bezeichnet. Ab 1871 heißt die alte Firma Dolberg „A. Dolberg Nachf.“ Hannay scheint 1872 verstorben zu sein, denn im Adreßbuch für 1873 taucht der sehr interessante Nachweis für Emilie Hannay, geb. Petschler, Optikus-Wwe. auf. Das bedeutet, daß Dolbergs Witwe, von der der Geburtsname Petschler bekannt ist, in zweiter Ehe Heinrich Hannay geheiratet hat, der die Dolberg-Werkstatt bis zu seinem Tod weiterführte. Danach übernahm Emilie Hannay, verw. Dolberg, geb. Petschler, die Werkstatt selbst. 1874 lautet der Eintrag im Adreßbuch „Hannay, Heinr., A. Dolbergs Nachfolger, Inhaberin: E. Hannay, Werkstatt für mathemat., physik. u. nautische Instrumente, Lager aller optischen Gegenstände. Hauptagentur der höchstprämirten Doppelsteppstich = Nähmaschine ...“. So sind auch die weiteren Eintragungen, jedoch ohne den Hinweis auf die Nähmaschinen. Die letzte Eintragung ist für 1878. Hannay hat wenigstens teilweise seine Instrumente mit „Dolberg Hannay Rostock“ signiert.

 

 

Die derzeit bekannten Instrumente von 
A. Dolberg und Dolberg & Petri

 

   Dolbergs Instrumentenfertigung konnte frühestens 1848 begonnen haben. Seit 1851 oder spätestens 1852 firmierte die Werkstatt unter Dolberg & Petri. Adolf Dolberg starb 1863. Adolf Petri führte danach seine eigene Werkstatt. Die Firma Dolbergs wurde zunächst von Heinrich Hannay, dann von Dolbergs und Hannays Wittwe weitergeführt.

   Aus den drei Werkstätten sind trotz intensiver Suche bisher lediglich sechs Instrumente bekannt, ein weiteres wird in der Literatur erwähnt 16). Zur Datierung dieser Instrumente kann wenig gesagt werden. Die Oktanten und der Spiegelkreis können um 1850 angesetzt werden, der Theodolit nach 1852. Inwieweit die Fertigungs-Nummern die wirkliche Produktion darstellen, ist unbekannt; der Theodolit weist keine Fertigungs-Nummer auf.

 

   16) Die Suche erfolgte sowohl gezielt in verschiedenen Sammlungen, als auch mit Hilfe zweier weltweit agierenden Internet-Foren für Geschichte der Astronomie („HASTRO-L“) und für historische Instrumente („rete“).

 

   1. Oktant, Sign. A. Dolberg, Fertigungs-Nr. 169, Deutsches Museum München; schwarzes Holz, Elfenbein; Radius 33 cm; Skala auf eingelegtem Elfenbein [–]5° bis 110°, Teilung 1/3°, Noniusablesung, Blendgläser grün, rot, dunkelrot; Sign. auf Alhidade „A. Dolberg in Rostock No 169“; Zugang am 2.3.1906 von Jonas Steuermann, Rostock.

Die Abmessungen sind 325x58x358 mm.

Inv.-Nr. 4584.

 

1. Oktant, Sign. A. Dolberg, Fertigungs-Nr. 169, Deutsches Museum München

 

 

   2. Spiegelkreis, Sign. A. Dolberg, Fertigungs-Nr. 239, National Maritime Museum Greenwich; Messing, Silber, Holz; Radius 22 cm; 2 Sätze Blendgläser, zwei Alhidaden mit Noniusablesung mittels Ableselupe; an der Rückseite hölzerner Handgriff; Signatur auf einer Alhidade „A. Dolberg in Rostock No 239“.

Inv.-Nr. D 6430.

 

Spiegelkreis, Sign. A. Dolberg, Fertigungs-Nr. 239, National Maritime Museum Greenwich

 

 

   3. Oktant, Sign. A. Dolberg, Fertigungs-Nr. 374, Kulturhistorisches Museum Stralsund;schwarzes Holz, Elfenbein; Radius 31 cm; Skala auf eingelegtem Elfenbein [–]5° bis 110°, Teilung 1/3°, Noniusablesung, Blendgläser grün, rot, dunkelrot; Signatur auf der Alhidade „A. Dolberg in Rostock No 374“; in Holzkiste, darin Name (Besitzer?) „CA Jense“ und Papierschild „23884“; Visierhalterung ausgebrochen.

Inv.-Nr. 1992:94a und 94b.

 

Oktant, Sign. A. Dolberg, Fertigungs-Nr. 374, Kulturhistorisches Museum Stralsund

 

  

   4. Oktant, Heimatmuseum Warnemünde, um 1850; schwarzes Holz, Elfenbein; Radius 31 cm; Skala auf eingelegtem Elfenbein [–]5° bis 110°, Teilung 1/3°, Noniusablesung, Blendgläser grün, rot, dunkelrot; gerader Mittelsteg; in einer Holzkiste, darin Papierschild (Händlername?) „A. Carstens Steinhöft 19 Hamburg Verfertiger von Optischen, Nautischen, Physikalischen Instrumenten etc.“, in der Kiste „HANS  DETHLOF“ als Besitzername; Signatur auf der Alhidade „A. Dolberg in Rostock No 268“.

Inv.-Nr. WA/VK/2419.

 

   5. Oktant, Heimatmuseum Warnemünde, zw. 1866 und 1872; schwarzes Holz, Elfenbein; gerader Mittelsteg; Signatur „DOLBERG HANNAY ROSTOCK“;

Anm.: Angaben nach Inventarkarte, demnach weitgehend gleich dem Instrument Nr. 4; das Instrument ist wegen Umbau des Depots des Museums derzeit nicht zugänglich.

Inv.-Nr. WA/VK/804.

 

   6. Theodolit, Sign. Dolberg & Petri, keine Fertigungs-Nr., Universität Rostock; Messing, Silber; Fernrohr Länge 24 cm, Objektiv-Durchm. 2,3 cm, Höhe ges. 21,5 cm; Fernrohr mit Fadenkreuzokular, Azimut-Teilkreis mit silberner Skala, Noniusablesung an zwei Stellen mit Lupen durch eine Öffnung in der Abdeckscheibe, Höhenskala an einem 90°-Bogen seitlich an der Fernrohrachse; Dosenlibelle mittig auf der Abdeckscheibe des Azimut-Teilkreises, Röhrenlibelle auf dem Fernrohr.

Sign. auf der Abdeckplatte des Azimutkreises „Dolberg & Petri in Rostock“.

 

Theodolit, Sign. Dolberg & Petri, keine Fertigungs-Nr., Universität Rostock

 

 

   7. Laborwaage, Sign. A. Dolberg, Literaturnennung 1851. Es ist bekannt, daß Dolberg auch Feinwaagen herstellte, wie aus folgendem Eintrag hervorgeht:

„A. Dolberg“, „Eine Waage zum chemischen Gebrauch“, Preis 60 Rth. In: Amtliches Verzeichniss der aus dem deutschen Zollverein und Norddeutschland zur Industrie-Ausstellung aller Völker in London eingesandten Gegenstände. Berlin 1851, S. 329.

Nr. 1700.